<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sozialtheoristen &#187; Enno Aljets</title>
	<atom:link href="http://sozialtheoristen.de/author/enno-aljets/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://sozialtheoristen.de</link>
	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
	<lastBuildDate>Thu, 16 May 2013 11:26:35 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.5.1</generator>
		<item>
		<title>Dr. plag. (plagium)</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/10/25/dr-plag-plagium/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2012/10/25/dr-plag-plagium/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 25 Oct 2012 13:40:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Differenzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=4464</guid>
		<description><![CDATA[<p>Roland Preuß schlägt in der heutigen Ausgabe der SZ auf der Meinungsseite vor, Plagiate verjähren zu lassen und bezieht sich dabei direkt auf die Diskussionen rund um die Doktorarbeit von Anette Schavan. Dieser (inhaltlich wie praktisch abstruse) Vorschlag ist für &#8230; <a href="http://sozialtheoristen.de/2012/10/25/dr-plag-plagium/">weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p><p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" src="http://farm6.staticflickr.com/5257/5480192752_a55d80f13d_z_d.jpg" alt="Lügenbaron" width="538" height="373" /></p>
<p>Roland Preuß <a href="http://www.sueddeutsche.de/bildung/plagiate-die-moderne-verdammnis-der-wissensgesellschaft-1.1505522">schlägt in der heutigen Ausgabe der SZ auf der Meinungsseite vor</a>, Plagiate verjähren zu lassen und bezieht sich dabei direkt auf die Diskussionen rund um die Doktorarbeit von Anette Schavan. Dieser (inhaltlich wie praktisch abstruse) Vorschlag ist für mich besonders interessant, weil er einen zentralen Aspekt der Diskussionen widerspiegelt. Es geht dabei um eine differenzierungstheoretische Perspektive. So lässt sich das Ringen um Wahrheit und politische Hoheit als ein Wechselspiel von Eingriffs- und Schließungsversuchen von Wissenschaft und Politik verstehen. Im Kern lautet die Forderung von Roland Preuß, die erfolgreiche Plagiatsprüfung von dem Entzug des Titels zu trennen:<span id="more-4464"></span></p>
<blockquote><p>„Während die Universität also auch nach Jahrzehnten noch feststellen kann, dass ein Werk auf Copy und Paste beruht, entzieht sie nach einer Frist von zehn oder 20 Jahren trotzdem nicht den Titel. Auch akademische Fehltritte sollten irgendwann verjähren.“</p></blockquote>
<p>Um den Vorschlag zu verstehen und zu kritisieren, kann man auf drei rhetorische Kniffe eingehen, mit denen der Autor seinen Vorschlag garniert.</p>
<p>Der erste Kniff entsteht durch einen Vergleich. Dass auch (s.o. im Zitat) akademische Fehltritte verjähren sollen, begründet Preuß damit, dass alle rechtlichen Vergehen (bis auf Mord) nach einer bestimmten Frist verjähren. Der Vergleich hinkt. Nein, er ist unfähig durchzugehen. Denn bei dem Entzug des Titels handelt es sich ja nicht um einen Vorgang im Rechtssystem. Eine Universität entscheidet keinen strafrechtlich relevanten Sachverhalt. Sie entscheidet einen wissenschaftlichen Sachverhalt. Es geht um die zentrale Frage, welche Arbeiten zum gemeinsamen geteilten Wissenskanonen zu zählen sind. Und welche nicht, weil sie den Mindestanforderungen wissenschaftlichen Arbeitens nicht genügen. Plagiate können diesen Anforderungen nicht genügen. Heute nicht, vor dreißig Jahren nicht und in Zukunft auch nicht.</p>
<p>Preuß nutzt noch einen zweiten rhetorischen Kniff. Er spinnt einen Vergleich, den er selbst grotesk nennt, ohne von ihm jedoch in irgendeiner Form Abstand zu nehmen:</p>
<blockquote><p>„Wer hat damals bei der Abiturprüfung gemogelt? Das könnte eine spannende Frage sein dieser Tage, vor allem, wenn sich Siegfried und Gabriele noch lebendig daran erinnern, wie der Mitschüler einst den Spickzettel aus dem Ärmel fummelte. Der Unterschleif muss Konsequenzen haben &#8211; und so erkennt das Gymnasium dem Trickser im nachhinein das Abitur ab, was &#8211; natürlich &#8211; weitere Folgen hat: sein Studium hat er dann ja unberechtigt aufgenommen und abgeschlossen. Und was die spätere Doktorarbeit angeht, sieht es mangels Studienabschluss auch nicht gut aus.“</p></blockquote>
<p>Diese Verkettung von Entscheidungen möchte Preuß mit seinem Vorschlag verhindert wissen. Das Anliegen menschelt sehr. Drückt der Autor doch sein Mitleid mit den ach so hart verfolgten Doktoren des Landes aus. Einerseits. Andererseits soll denjenigen der Titel nicht aberkannt werden, die sich auf ihrem erfolgreichen Betrug lang genug durchgemogelt haben. Das entwertet nicht nur die Leistungen all derjenigen, die ehrlich ihren Titel erworben haben. Der Vorschlag führt auch dann in die Sackgasse, wenn man ihn mal praktisch durchdenkt. Das scheint der Autor nicht getan zu haben, sonst wäre er vielleicht nicht auf so eine abstruse Idee verfallen.</p>
<p>Eine Möglichkeit ein Plagiat nachzuweisen ohne den Doktortitel abzuerkennen, würde darin bestehen, dass die Universität praktisch nichts unternimmt. Sie müsste die Erkenntnis ja geheim halten. Ansonsten würden sich die Konsequenzen für den Titelträger ja nicht unterscheiden. Das bedeutet aber, von der Wissenschaft zu fordern, ihre zentrale Orientierung an der Wahrheit zu korrumpieren. Man würde ihr in diesen Fällen sogar auferlegen, von sich aus darauf zu verzichten, Wahrheit von Unwahrheit zu trennen. Diese Art Forderungen werden von der Wissenschaft natürlich als ein nicht-legitimer Eingriffsversuch verstanden und bleibt daher folgenlos. Interessant ist aber, dass diese Forderungen häufig von denjenigen vorgebracht werden, die sich kaum in die Logik wissenschaftlichen Arbeitens hineindenken können.</p>
<p>Eine offensivere Variante würde darin bestehen, dass der Titel zwar bestehen bleibt, aber sichtbar abgewandelt wird. Aus einem Dr. phil (philosophiae) würde so der Dr. plag. (plagium) werden. Damit wäre zumindest der wissenschaftliche Schließungsmechanismus gewährleistet. Aber was nützt der Doktortitel, dem Doktor, wenn (potentiell) jeder weiß, dass er keine Grundlage hat? Wer an seinem Titel hängt und damit keine eigen Leistung verbinden muss, der kann den Titel doch von irgendeiner Universität einer Bananenrepublik käuflich erwerben (man hört gelegentlich, dass man Titel auch in Deutschland käuflich erwerben könne).</p>
<p>Die zentrale Schwäche der gesamten Argumentation resultiert allerdings aus einer Personifizierung „der Universität“, die nun späte Rache nehmen könne. Diese Rache sei nicht angebracht, weil viel mehr als der Titel entzogen werde (siehe die Entscheidungskette des zweiten Beispiels). Dabei übersieht der Autor, dass die Universität nichts weiter tut, als den unrechtmäßig erworbenen Titel zu entziehen. Alle weiteren Entscheidungen, die aus der Aberkennung des Titels resultieren, liegen doch gar nicht in der Hand der Universität! Wenn Politiker als Plagiatoren politisch nicht mehr tragfähig sind, ist das doch eine politische Entscheidung. Wird der Angestellte aus seinem Dienstverhältnis entlassen, ist das eine (in der Regel) wirtschaftliche Entscheidung oder ein Verwaltungsakt. Es handelt sich um Folgeentscheidung, die nach anderen Funktionslogiken gefällt werden. Und nach zwanzig Dienstjahren geht es bei diesen Entscheidungen doch nicht um den Titel! Es wird doch in den allermeisten Fällen darum gehen, dass ein Betrüger das Vertrauen, das in ihn gelegt wurde, missbraucht hat. Wir leben in Zeiten, in denen Menschen gefeuert werden können, weil sie für sich selbst eine Frikadelle aus dem Müll des Betriebs mit nach Hause genommen haben. Das mag man schändlich halten. Aber wer nach dem Entzug des Doktortitels vor den Trümmern einer Karriere steht, ist Opfer seines eigenen Betrugs. Diese Personen verdienen kein Mitleid und keine Nachsicht. Und schon gar nicht, können sie herhalten, um Eingriffe in die Freiheit der Wissenschaft anzuregen.</p>
<p>Abschließend ein Beispiel, das sich viel eher als Vergleich anbietet. Es gibt immer wieder Fälle, in denen Hochstapler nach mehreren Berufsjahren, bspw. als Arzt auffliegen. Nicht selten haben sie dabei ohne Qualifikation kompetente Arbeit geleistet (oder wurden wenigstens als kompetent wahrgenommen). Dem Vorschlag von Roland Preuß folgend müsste diesen Hochstaplern ja gleichermaßen eine Amnestie zustehen. Sollte man auf Rücksicht auf ihre „Karriere“ diesen falschen Ärzten nachträglich ihre Approbation, den falschen Piloten ihren Flugschein und den falschen Lehrern ihre Lehrbefugnis zugestehen?</p>
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/anne_roth/5480192752/in/photostream/">Anne_Roth</a></p>
<p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2012/10/25/dr-plag-plagium/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Digitale Revolution ohne Verantwortung?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2011/06/16/digitale-revolution-ohne-verantwortung/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2011/06/16/digitale-revolution-ohne-verantwortung/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 15:12:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidung]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Verfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=1837</guid>
		<description><![CDATA[<p>Sascha Lobo ist sicher nicht der einzige, aber sicherlich ein relativ prominenter Vertreter, der wiederholt mehr E-Government und mehr Mitbestimmung, bzw. Bürgerbeteiligung durch das Internet fordert. Aktuell tut er dies via Spon und schließt: Was wir jetzt nicht brauchen, sind &#8230; <a href="http://sozialtheoristen.de/2011/06/16/digitale-revolution-ohne-verantwortung/">weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p><p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" src="http://farm3.static.flickr.com/2525/4125136601_f27f5decf5_d.jpg" alt="" width="500" height="288" /></p>
<p>Sascha Lobo ist sicher nicht der einzige, aber sicherlich ein relativ prominenter Vertreter, der wiederholt mehr E-Government und mehr Mitbestimmung, bzw. Bürgerbeteiligung durch das Internet fordert. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,768496,00.html">Aktuell tut er dies via Spon und schließt</a>:</p>
<blockquote><p>Was wir jetzt nicht brauchen, sind keine Experimente. Und die müssen so  lange durchgeführt werden, bis ausreichend viele und unterschiedliche  Leute mitmachen.</p></blockquote>
<p>Mitbestimmung oder Bürgerbeteiligung via Internet, oder jetzt Neudeutsch: E-Government, klingen ideal, wünschenswert und erfreulich. Das virtuelle &#8216;Hurra, jetzt geht es los&#8217;-Geschrei scheint einem fast aus jedem solcher Statements entgegen zu kommen. Doch es passiert nichts. Seit Jahren übrigens. Und dass, obwohl technisch längst alle Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Die digitale Revolution des politischen Systems bleibt aus. Und das hat Gründe.</p>
<p><span id="more-1837"></span></p>
<p>Die Gründe liegen allerdings nicht darin, dass bisher zu wenig Experimente stattgefunden haben. Es liegt auch nicht an der allgemeinen Politikverdrossenheit oder an dem Unwillen der breiten Bevölkerung, sich politisch im Netz zu engagieren. Es liegt auch nicht an den Politikern, die nicht &#8216;auf ihr Volk hören&#8217; wollten. Die Gründe für das Ausbleiben der digitalen Revolution liegen darin, dass alle bisher diskutierten Vorschläge am Problem der Komplexitätsreduktion scheitern. Mit der Unterscheidung von <em>Beteiligung am politischen Diskurs vs. Beteiligung an einem politischen Verfahren</em> und der Unterscheidung von <em>Meinungäußerung vs. Verantwortungsübernahme</em> lässt sich das ganz gut zeigen.</p>
<p>Das Problem an Lobos Beitrag ist, dass er nicht zwischen Beteiligung am Diskurs und Beteiligung am Verfahren des politischen Systems unterscheidet. Woran das Netz sicherlich nicht krankt, ist die Beteiligung am politischen Diskurs. Es gab wohl noch nie eine so pluralistische, milieu- und raumüberschreitende Auseinandersetzung wie heute. Möglich geworden ist das durch das Internet. Keine Frage, es handelt sich dabei um eine unumkehrbare Errungenschaft der letzten Jahre. Die Beteiligungsmöglichkeiten am öffentlichen Diskurs werden immer breiter und vielfältiger genutzt. Ein Ende dieser Entwicklung ist kaum abzusehen. Es gibt keine gesellschaftlichen Bereiche mehr, die nicht politisiert werden können. Im Diskurs wird durch das Einbringen von Meinungen, Perspektiven, Fakten usw. Komplexität geschaffen. Unterschiede werden sichtbar, es läuft auf Dissenz hinaus. Auch wenn man sich einigt, springen sogleich die doppelte Anzahl an Gegenspielern aus den Weiten des Netzes und markieren die andere Seite der Unterscheidung. Nichts anderes passiert während der Debatten (nicht bei den Wahlen!) des Bundestages oder der Parteitage: Es wird Dissens markiert und Komplexität erzeugt.</p>
<p>Die Beteiligung am politischen Diskurs ist aber nicht gleichzusetzen mit der Beteiligung an einem politischen Verfahren. Ein Verfahren geht die umgekehrte Richtung. Es reduziert die Komplexität nach einer bestimmten Regel solange, bis ein Sollwert erreicht ist. Am Ende steht in der Regel eine einfache Unterscheidung: Ja oder nein. Oder: Eins aus zehn. Warum ist es wichtig zwischen der Beteiligung am Diskurs und am Verfahren zu unterscheiden? Es ist offensichtlich, dass man sich nicht mit den gleichen Mechanismen am Verfahren beteiligen kann, die man im Diskurs nutzt. Aber genau dieser Unterschied wird nicht deutlich, wenn man so wie Lobo nur auf den Euphorie-Button drückt und den Eindruck erweckt, jeder müsse nur überall seine Meinung kund tun dürfen. Dann würde das schon was werden, mit aktiver Bürgerbeteiligung im Netz.</p>
<p>Meinungsäußerung funktioniert schon ganz hervorragend im Internet. Vielleicht sogar zu gut. Es macht aber einen Unterschied, ob es technisch möglich ist, seine Meinung zu äußern oder ob man eine breite Verantwortungsübernahme der Bevölkerung einfordert. Auch hier verwischt Lobo die Grenzen der Unterscheidung geschickt mit dem euphorischen Verweis auf die technischen Möglichkeiten. Eine Meinung zu haben und diese öffentlich zu äußern, mag für das Individuum große Bedeutung und Tragweite haben, ist jedoch weitestgehend folgenlos für die Gesellschaft. Die Verantwortungübernahme der Meinungsäußerung beschränkt sich nämlich auf sich selbst. In einem politischen Verfahren zu entscheiden hat dagegen Folgen für die Gesellschaft. Man trägt mit dieser Entscheidung eine übergeordnete Verantwortung, die weit über den eigenen Horizont, die eigene Erfahrungswelt und die individuellen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und -verarbeitung liegen.</p>
<p>Als Einzelner ist man nicht in der Lage, diese Komplexität zu reduzieren. Man entscheidet zwangläufig nach Maßgabe unzureichender Information und emotionaler Irrationalität. Auch Politiker tun dies, wie man offenkundig immer wieder vorgeführt bekommt. Ihre Entscheidung ist aber stark gebunden an die Möglichkeit zur Verantwortung gezogen zu werden. Sie übernehmen Verantwortung, indem sie sich am politischen Verfahren als Gewählte beteiligen und die Möglichkeit institutionalisiert ist, die Herrschenden abzuwählen. Hier wird deutlich, warum es sich lohnt zwischen Meinungsäußerung und Verantwortungsübernahme zu unterscheiden. Was würde nämlich passieren in den Experimenten, die Lobo fordert: Man würde Ergebnisse kollektiver Dummheit und Irrationalität erzeugen, für die man nicht einmal jemanden verantwortlich machen könnte. Auch wenn wir von unserem Wahlrecht Gebrauch machen, erzeugen wir Ergebnisse kollektiver Irrationalität. Allerdings ist hierbei noch nichts an konkreten Entscheidungen vorweg genommen worden. Lediglich die Komplexität wurde soweit reduziert, dass die Gewählten sich einen Reim auf die kollektiv erzeugte Irrationalität machen müssen. Wenn sie dabei falsch liegen, werden sie abgewählt. Wie letztlich die Komplexität reduziert wird, ist daher nicht entscheidend. Denn es ist nicht in erster Linie wichtig eine Meinung zu haben und diese äußern zu können. Viel wichtiger ist die Frage, wer Verantwortung übernimmt. Und genau diese Frage bleibt bei Lobo ungeklärt.</p>
<p>Abschließend sei angemerkt, dass ich kein Feind von Innovationen des politischen Systems bin und mich ausdrücklich freuen würde, wenn es gelänge das politische Verfahren durch die Möglichkeiten des Internet zu bereichern. Allerdings wünsche ich mir eine differenziertere Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Partizipation. Und so bedauerlich es sein mag, von dieser Art Diskurs sind wir noch viel zu weit entfernt., um uns realistische Hoffnungen auf Veränderungen machen zu können.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/charliedees/">charlesdyer</a></p>
<p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2011/06/16/digitale-revolution-ohne-verantwortung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wissenschaft 2.0</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2011/01/25/wissenschaft-2-0/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2011/01/25/wissenschaft-2-0/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 Jan 2011 16:04:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Blogging]]></category>
		<category><![CDATA[Peer Review]]></category>
		<category><![CDATA[Publikation]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitschriften]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=1160</guid>
		<description><![CDATA[<p>Angesichts der Entwicklungen neuer Kommunikationstechniken rund um das Internet sehen sich die Produktionspraktiken einiger Funktionssysteme vor große Herausforderungen gestellt. Die &#8220;Holzmedien&#8221; wissen nicht, wie sie mit den werbefinanzierten Angeboten im Internet umgehen sollen und die Akteure des Gesundheitssystems haben einen &#8230; <a href="http://sozialtheoristen.de/2011/01/25/wissenschaft-2-0/">weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p><p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" src="http://farm1.static.flickr.com/9/13553883_1f97989a2d.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Angesichts der Entwicklungen neuer Kommunikationstechniken rund um das Internet sehen sich die Produktionspraktiken einiger Funktionssysteme vor große Herausforderungen gestellt. Die &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Holzmedien">Holzmedien</a>&#8221; wissen nicht, wie sie mit den werbefinanzierten Angeboten im Internet umgehen sollen und die Akteure des Gesundheitssystems haben einen virtuellen Horror vor öffentlich einsehbaren Rankings ihrer Dienstleistungen. Auch das Publizieren wissenschaftlicher Forschungsergebnisse verändert sich durch das technisch Machbare. Ein paar Gedanken zum Thema &#8220;Wissenschaft 2.0&#8243;.<span id="more-1160"></span></p>
<p><a href="http://arxiv.org/">Preprints</a> werden mittlerweile auch bei kleineren Verlagen und außerhalb der Naturwissenschaften angeboten. Wer Erkenntnisse schneller veröffentlichen möchte als es die traditionellen Produktionszyklen von Zeitschriftenausgaben zulassen, kann seine Schnellschüsse direkt auf den Verlagsseiten veröffentlichen, bevor die Erkenntnisse auf dem üblichen Wege ihre papierene Form finden. Die Qualitätssicherung des Peer-Reviews bleibt allerdings erhalten. Nur wird auch das Review-Verfahren dem Druck ausgesetzt, möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen. Gerade in der Naturwissenschaft sind die Zyklen enorm kurz geworden, in denen überhaupt noch etwas Neues publiziert werden kann. Daher müssen Verleger und Zeitschriften mit einer schnellen Begutachtung reagieren. Sonst veröffentlicht der Wissenschaftler halt woanders. Impact-Faktoren einer Zeitschrift &#8211; also letztlich die Frage, wie sehr eine Zeitschrift etabliert ist &#8211; hängen auch von ihrer technischen Realisierung ab. Ein wissenschaftlich fragwürdiges Qualitätskriterium.</p>
<p>Die Digitalisierung der wissenschaftlichen Zeitschriftenlandschaft bringt nicht nur die zwangsläufige Flut an &#8220;Apps&#8221; mit sich. Auch die Diskussionskultur kann sich verändern. Zwar verbirgt nature.com ihre Inhalte weitestgehend hinter den Wänden einer Bezahlstruktur, wodurch wohl weitestgehend verhindert wird, dass nicht-wissenschaftliches Publikum Zutritt erhält. Aber ist man einmal drin, kann man zu Artikeln oder Letters gleich einen Kommentar schreiben. Zwar noch selten, aber wohl zunehmend antworten die Autoren des Artikels direkt auf die Kommentare. So werden Versuchsaufbauten erläutert, weitere Forschungsmöglichkeiten diskutiert und kritische Punkte ausgeleuchtet. Und zwar auf direktem Wege. Man muss nicht warten, bis man den Autor auf einer Konferenz trifft, man muss keinen Grund finden, einen eigenen Artikel zu schreiben (der ja immerhin so gut sein muss, dass er das Begutachtungsverfahren durchläuft). Enthusiasten könnten hier von einer Demokratisierung der Forschungspublikation sprechen. Wer in der Sache eine Anmerkung zu machen hat, kann es tun. Egal, ob Student oder Professor. Hier hat die Bezahlstruktur einen positiven Effekt: Die fachlich Informierten können unter sich bleiben und mehr oder weniger ungestört diskutieren.</p>
<p>Die Sichtbarkeit der Forschungsaktivitäten ist für Universitäten ein zunehmend wichtiger Aspekt ihrer eigenen Vermarktungsstrategie. Daher wundert es nicht, wenn im Kontext des Erscheinens wissenschaftlicher Fachartikel in der Regel sofort (teils) medienwirksame Pressemitteilungen von den Universitäten veröffentlicht werden. Aber auch einige Wissenschaftler bedienen die medienwirksame Platzierung ihrer Forschungsergebnisse. Auch wenn man annehmen muss, dass es sich dabei wohl in erster Linie um stark anwendungsbezogene oder sogar kommerzielle Forschungsprojekte handeln wird, kann man fragen, ob es einen zunehmenden <a href="http://richarddawkins.net/articles/582774-peer-review-trial-by-twitter">trial by twitter</a> der Wissenschaft geben wird und damit eine ganz neue Form des Peer-Review entsteht. Gerade in den USA ist zu beobachten, dass Wissenschaftler Blogs und/oder Twitter nutzen, um ihre Forschung öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Teils mag daraus sogar ein wissenschaftlich anspruchsvoller Dialog entstehen. Ein neues Peer-Review-Verfahren wird sich aber nicht dadurch ergeben, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse in Zukunft vor der Masse des Laienpublikums und der öffentlichen Meinung wird beweisen müssen. Die Anforderungen an öffentlichkeitswirksamer Darstellung der Forschungsergebnisse wird zukünftig sicherlich steigen (wenngleich das sehr stark auf die konkreten Disziplinen ankommt), weil die Finanzierung der Forschung mitunter auch von ihrer (potentiellen) Sichtbarkeit abhängt. Aber die fachliche Begutachtung der Forschungsergebnisse kann funktional nicht durch eine plebiszitäre Abstimmung ersetzt werden. Die Fiktion von Demokratie, die im &#8220;Mitmachweb&#8221; immer wieder propagiert wird, scheiterte schon an viel leichteren Übungen. Häufig verstand nicht einmal die Scientific Community ein neues Forschungsvorhaben, das sich im Verlauf der Zeit allerdings als bahnbrechend herausstellt. Wie sollte dann die öffentliche Meinung darüber entscheiden können?</p>
<p>Mir scheint, dass die Wissenschaft zwar lernen muss &#8220;auf der Klaviatur der öffentlichen Meinung zu spielen&#8221; und für ihre Diskussionen auch neue Technologien heranziehen kann. Aber eine Öffnung im Sinne des freien Zugangs zu Inhalten scheint im Falle der Wissenschaft nicht sinnvoll zu sein. Ganz zu schweigen von einer breiten Beteiligung der Öffentlichkeit an einer inhaltlichen Diskussion über Wahrheit.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/estherase/">estherase</a></p>
<p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2011/01/25/wissenschaft-2-0/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>7</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Famelab &#8211; Ein direkter Weg hinaus aus der Wissenschaft</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/11/18/famelab-ein-direkter-weg-hinaus-aus-der-wissenschaft/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2010/11/18/famelab-ein-direkter-weg-hinaus-aus-der-wissenschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 18 Nov 2010 15:32:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=1087</guid>
		<description><![CDATA[<p>Zwischen Wissensproduktion und Wissenspräsentation liegen Welten. Für wissenschaftliches Wissen fällt dieser Unterschied vielleicht am deutlichsten aus. Studierende in den ersten Semestern erfahren den Unterschied zwischen Produktion und Präsentation wissenschaftlichen Wissens in gähnend langweiligen Vorlesungen auf eine besonders schmerzvolle Weise. Hochdekorierte &#8230; <a href="http://sozialtheoristen.de/2010/11/18/famelab-ein-direkter-weg-hinaus-aus-der-wissenschaft/">weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p><p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-1095" href="http://sozialtheoristen.de/2010/11/18/famelab-ein-direkter-weg-hinaus-aus-der-wissenschaft/2228917979_0ff24ac901_z/"><img class="alignnone size-medium wp-image-1095" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/11/2228917979_0ff24ac901_z-550x417.jpg" alt="" width="550" height="417" /></a></p>
<p>Zwischen Wissensproduktion und Wissenspräsentation liegen Welten. Für wissenschaftliches Wissen fällt dieser Unterschied vielleicht am deutlichsten aus. Studierende in den ersten Semestern erfahren den Unterschied zwischen Produktion und Präsentation wissenschaftlichen Wissens in gähnend langweiligen Vorlesungen auf eine besonders schmerzvolle Weise. Hochdekorierte Forscher halten Vorlesungen, denen man beim besten Willen nicht folgen kann. Monotone Monologe über Monopole.</p>
<p><span id="more-1087"></span></p>
<p>Im Zuge mannigfaltiger Reformen des Wissenschaftssystems wird der Transfer wissenschaftlichen Wissens &#8220;in die Praxis&#8221; von ganz verschiedenen Seiten gefordert. Die Einrichtung von Transferstellen, Wissenschaftsbüros und Public-Private-Partnerships an Universitäten sprechen Bände. Eine soziologische Untersuchung dieser &#8220;Governance&#8221;-Bemühungen kann da kaum noch hinterher kommen. Die einschlägigen Studien, die es bisher gibt, kommen allerdings zu ernüchternden Ergebnissen: Wissenschaftliches Wissen erscheint zu sperrig, um &#8220;transferiert&#8221; werden zu können.</p>
<p>Gestandene Kommunikationsmanager lassen sich von solchen Feststellungen natürlich nicht schrecken. Ganz im Gegenteil wird in dem sperrigen Gegenstand geradezu eine Herausforderung gesehen. Wissenschaftliches Wissen, das sich gegen seine außerwissenschaftliche Verwendung und Präsentation sträubt, soll einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Diese Ziel verfolgt das &#8220;<a href="http://www.famelab-germany.de/">Famelab</a>&#8220;. Ein Wettbewerb, in dem junge Wissenschaftler, die am Beginn ihrer Karriere stehen, gegeneinander antreten, indem sie ihr Forschungsvorhaben möglichst unterhaltsam präsentieren. Mit Jury, Preisen und allem drum und dran. Quasi das &#8220;Popstars&#8221; der Naturwissenschaft, was auch die Aufmachung des Trailer des englischen Vorbilds verdeutlicht:</p>
<p><iframe width="584" height="329" src="http://www.youtube.com/embed/VCsekIYWa8s?fs=1&#038;feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Mit diesem Format der &#8220;Wissenschaftsförderung&#8221; scheint unbestreitbar ein gewisser Erfolg verbunden zu sein. Deshalb gibt es das Famelab jetzt auch in Deutschland. Soziologisch betrachtet, muss aber davon ausgegangen werden, dass Wissenschaft in ihrer Kernfunktion, nämlich der Suche nach Wahrheit, nicht gefördert wird. Ganz im Gegenteil lässt sich vermuten, dass die Teilnehmer aus der Wissenschaft &#8220;herausgefördert&#8221; werden. Die Vermittlung wissenschaftlichen Wissens außerhalb der Wissenschaft mag eine Form von Reputation produzieren. Sicher ist jedoch, dass es sich um außerwissenschaftliche Reputation handelt, die kaum für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden kann. Schlimmer noch wiegt das Ausschlussverhältnis der Ressourcen: Die Zeit, die mit dem Erwerb außerwissenschaftlicher Reputation verbracht wird, kann nicht für den Erwerb genuin wissenschaftlicher Reputation genutzt werden.</p>
<p>Gerade aber in den Anfangsjahren einer wissenschaftlichen Karriere führt die Priorisierung außerwissenschaftlichen Reputationserwerbs dazu, dass die Grundlagen für den Verlauf der weiteren Karriere außerhalb der Wissenschaft gesetzt werden. Fehlt die wissenschaftliche Reputation, wird eine wissenschaftliche Karriere immer unwahrscheinlicher. Dagegen wird die außerhalb der Wissenschaft erworbene Reputation motivierend wirken, sich noch stärker außerhalb der Wissenschaft zu engagieren. Es ist dann abzusehen, dass aus jungen Wissenschaftlern durch Veranstaltungen wie famelab Wissenschafts- oder Kommunikationsmanager werden.</p>
<p>Betrachtet man einen kumulativen Effekt dieses Wettbewerbs, tritt eine weitere nicht-intendierte Folge in den Blick. Insbeondere die rhetorisch versierten Wissenschaftler dürften durch die Aussicht auf vergleichsweise schnellen Reputationserwerb zur Teilnahme motiviert werden. Wenn nun aber gerade diejenigen Wissenschaftler, die sich rhetorisch von den meisten ihrer Kollegen absetzen können, durch solch einen Wettbewerb &#8220;aus der Wissenschaft gezogen&#8221; werden, verbleiben genau diejenigen, die ihre Studenten und Kollegen mit schier endlosen Vorträgen quälen.</p>
<p>Soziologisch betrachtet, werden Wettbewerbe wie das famelab weder zu einer Qualifizierung der Wissenschaftler hinsichtlich ihrer Präsentationstechniken führen, noch dazu beitragen, dass Wissenschafler sich zunehmend gegenüber einer breiten Masse öffentlich präsentieren. Diejenigen, die teilnehmen und erfolgreich sind, werden letztlich keine Chance in der Wissenschaft haben und außerhalb der Wissenschaft, als ehemalige Wissenschafler, über Wissenschaft reüssieren. Damit bestätigt sich letztlich nur die allgemeine These, dass sich Funktionszusammenhänge von außen nicht intendiert steuern lassen, weil Funktionslogiken nicht einfach ineinander übersetzbar sind. Aber zu dieser Einsicht braucht es wohl noch weitere 500 Jahre Universitäts- und Wissenschaftsreformen.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/nicmcphee/">Unhindered by Talent</a></p>
<p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2010/11/18/famelab-ein-direkter-weg-hinaus-aus-der-wissenschaft/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Grünen &#8211; Zurück zu sich selbst?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/11/22/die-grunen-zuruck-zu-sich-selbst/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/11/22/die-grunen-zuruck-zu-sich-selbst/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 14:13:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Partei]]></category>
		<category><![CDATA[Parteien]]></category>
		<category><![CDATA[Wandel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=662</guid>
		<description><![CDATA[<p>Die Grünen hätten das Verhältnis zu sich selbst verloren, kritisiert Georg Diez im aktuellen SZ-Magazin. Er bezieht sich dabei in erster Linie auf die Aussagen eines resignierten Mitbegründers der Grünen, Ludger Volmer. Ich frage mich bei solchen Thesen immer, was &#8230; <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/11/22/die-grunen-zuruck-zu-sich-selbst/">weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p><p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Grünen hätten das Verhältnis zu sich selbst verloren, kritisiert <a href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/31504/">Georg Diez im aktuellen SZ-Magazin</a>. Er bezieht sich dabei in erster Linie auf die Aussagen eines resignierten Mitbegründers der Grünen, <a href="http://www.ludger-volmer.de/">Ludger Volmer</a>. Ich frage mich bei solchen Thesen immer, was denn dieses ominöse &#8220;Selbst&#8221; sein soll, das irgendwo verloren gegangen ist. Die Frage ist deshalb soziologisch höchst interessant, weil die typische Antwort in der Regel so unsoziologisch daher kommt, dass man sich dazu genötigt fühlt, für etwas soziologische Aufklärung zu sorgen.</p>
<p><span id="more-662"></span></p>
<p>Wiederholen wir noch einmal die bekannte Problemdiagnose:</p>
<blockquote><p><span>Die Grünen sind eine Partei wie alle anderen; die Frage ist, was das für Konsequenzen hat. (&#8230;). </span><span>Einst waren sie Avantgarde, heute sind sie wie alle. Sie sind ökologischer Mainstream und damit auf dem Weg zur grünen Volkspartei. (&#8230;). </span><span>Die Grünen sind zerrissen zwischen der eigenen Folklore und der Realität einer ganz normalen Funktionärspartei. </span></p></blockquote>
<p><span>Jedes Problem braucht angebbare Gründe, die möglichst nachvollziehbare Kausalitäten beinhalten. Für die &#8220;Identitätskrise&#8221;, bzw. für den verlorenen Bezug der Partei zu sich selbst, werden dann die Mitglieder verantwortlich gemacht:</span></p>
<blockquote><p><span>Aber warum verhalten sie sich so defensiv? So ängstlich? So ungrün? Hat das mit den »Kampfschweinen« zu tun, die in den Diskussionsschlachten der Siebzigerjahre gestählt wurden? Den Funktionären, die diese einst basisdemokratische Partei im festen Griff halten? Die gelernt haben, ihre Siege zu genießen, weil sie wissen, wie gut es sich anfühlt, Macht zu haben und nicht zu den Verlierern zu gehören? Die sich wie Denkmäler benehmen, die auf ihren eigenen Staub stolz sind?</span></p>
<p>Oder hat es auch mit der etwas antriebsschwachen Riege der 30- bis 40-Jährigen zu tun, die nicht von Visionen geplagt werden, dafür von der generationstypischen Beißhemmung? Denen vieles leichter gefallen ist, die deshalb nie einen wirklichen Machtinstinkt erworben haben, die lieber ein guter Vater sein wollen als ein guter Vatermörder? Wie will man mit solchen Angestellten eine Revolution machen? Oder wenigstens auf dem Parteitag einen kontroversen Antrag durchboxen?</p></blockquote>
<p><span>Soziologisch gesehen, ist es Unsinn, die Gründe für die Identitätskrise <em>in</em> den Mitglieder zu suchen und zu finden. Diese Art der Begründung hat zwar eine lange Tradition in der Parteienforschung und geht auf die Arbeiten Robert Michels zurück. Aber so alt die Tradition ist, so wenig plausibel ist sie angesichts der modernen Theorieentwicklung der Soziologie. </span></p>
<p><span>Organisationen &#8211; also auch Parteien &#8211; bestehen nicht aus ihren Mitgliedern. Eine Partei ist kein Personenverband, der seine Mitglieder als Personen vollumfassend einschließt. Organisierte Sozialsysteme werden in Anschluss an die neuere Systemtheorie Niklas Luhmanns stattdessen als komplementär spezifizierte, ausdifferenzierte Erwatungszusammenhänge beobachtet, die sich nach einem konkreten Rollengefüge ordnen. Das Mitglied als Person mit seinen eigenen anderen Rollen gehört damit nicht zur Partei, sondern zur innergesellschaftlichen Umwelt des Systems. Dementsprechend sind die oben zitierten Fragen &#8211; soziologisch &#8211; falsch gestellt, betreffen sie doch gar nicht die Partei, sondern ihre personale Umwelt.<br />
</span></p>
<p><span>Begreift man Parteien als selbstreferentielle Systeme, lassen sich die Fragen nach Identität neu stellen, und zwar nach funktionalen Gesichtspunkten. Was ist mit &#8220;Identitätskrise&#8221; gemeint? Was ist denn ein &#8220;fehlender Bezug zu sich selbst&#8221;? Der Bezug zu den eigenen anderen Rollen der Mitglieder kann kaum gemeint sein, weil die Partei dann lediglich von einer Grenze der Umwelt komplett beherrscht werden würde. In dieser Vorstellung reflektieren die Mitglieder ihre Erfahrungen in anderen, unpolitischen Rollen, wenn sie am Programm der Partei mitwirken. Auf diese Weise werden unpolitische Relevanzen in politische transformiert.<br />
</span></p>
<p><span>Diese Vorstellung mag für soziale Bewegungen, die weitestgehend monothematisch ausgerichtet sind, rational sein. Will diese Bewegung als Partei jedoch in den Parlamenten an der politischen Entscheidungsarbeit beteiligt sein, muss sie Mehrheiten gewinnen, die nur bis zu einer niedrigen Schwelle mit einer monothematischen Ausrichtung realisiert werden kann. Protestparteien sind aber in stabilen Demokratien nicht in der Lage, die Schwelle zu überschreiten, an der sie die Macht erlangen, Entscheidungen durchsetzen zu können, also an der Regierung beteiligt zu sein.<br />
</span></p>
<p><span> Zielerreichung in der Demokratie bedeutet deshalb für Parteien immer Mitglieder- und Stimmenmaximierung. Das stellte bereits Michels fest. Die Konsequenz für die Partei liegt dann aber darin, &#8220;sich selbst zu verleugnen&#8221; und sich stattdessen auf die Interessen der Wähler auszurichten und deswegen auch jedes Thema potentiell bedienen zu können. Das bedeutet organisationalen Wandel, der die Grenze zu der besonderen Kategorie der Nicht-Mitglieder, den potentiellen Wählern, besonders betonen muss. Im Vollzug dieses Wandels verliert die Partei zwangsläufig den Bezug zu sich selbst.</span></p>
<p><span>Die Identitätskrisen moderner Parteien besteht dann in der Diskrepanz zwischen Gründungsidealen und Ansprüchen der modernen Demokratie, nämlich &#8220;Volkspartei&#8221; sein zu müssen. Bei den Grünen wird diese Spannung eklatant, weil sie als &#8220;Volkspartei&#8221; so erfolgreich sind, wie noch nie zuvor in ihrer Geschichte. Dabei mussten sie aber viele Ideale einer sozialen Bewegung hinter sich lassen, die heute tatsächlich nicht mehr sind als &#8220;Folklore&#8221;. </span></p>
<p><span>Gleichzeitig ist der relative Erfolg der Grünen ein Stabilitätsfaktor, der Innovationen und weiteren organisationelen Wandel schwierig macht. Wer stetig seine Anteile bei Wahlen erhöht, ist auf dem richtigen Weg und kann sich gegenüber neuen Vorschlägen mit dem Verweis auf den erbrachten Erfolg immunisieren. Erfolg ist eine substantielle Bedingung von Parteien, die sich dem demokratischen Wettbewerb stellen.<br />
</span></p>
<p><span>Welche konkreten Ziele dabei verfolgt werden, ist in modernen Demokratien sekundär. Das mag moralisch gesehen, eine frappierende Aussage sein. Für die Soziologie steht für dieses Phänomen das Prinzip der Zweck-Mittel-Vertauschung zur Verfügung. Der von Luhmann geprägte Begriff geht auf Schumpeter, Downs, sogar auf Michels zurück und ist insofern keine neue Erkenntnis. Die Führer der Partei sind in dieser Perspektive nicht ausschließlich persönlich an der Macht interessiert, sondern die <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2414">Rollenträger der Zweck-Mittel-Vertauschung</a>.<br />
</span></p>
<p>Umso erstaunlicher ist es, dass sich in der politikwissenschaftlichen und soziologischen Parteienforschung nach wie vor der moralische Anspruch hält, dass Parteien &#8220;zu sich selbst finden&#8221; sollen. Das würde nichts anderes bedeuten, als den Machtanspruch aufzugeben und in einen weniger differenzierten Zustand einer sozialen Bewegung zurück zu kehren. Damit würde die Partei jedoch in den bedeutungslosen Wirkungskreis der außerparlamentarischen Opposition geraten. Soll der Weg zurück &#8220;zu sich selbst&#8221; wirklich dort enden?</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="480" height="385" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/lQ6jhSQCUQc&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="480" height="385" src="http://www.youtube.com/v/lQ6jhSQCUQc&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/11/22/die-grunen-zuruck-zu-sich-selbst/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zum Umbau des Systems der Massenmedien</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 09:53:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=584</guid>
		<description><![CDATA[<p>Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung &#8230; <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/">weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p><p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung von Theorie und Gesellschaft ein vergleichendes Beobachten unmöglich macht. Ich plädiere daher für eine konservative Anwendung systemtheoretischer Überlegungen zum Funktionssystem der Massenmedien, weil es mir nicht zwingend notwendig erscheint, mit einem massiven Eingriff in theoretische Grundannahmen zu reagieren, um neue Phänomene zu beschreiben.<br />
<span id="more-584"></span></p>
<p>Ganz konkret möchte ich auf <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/22/relevanz-als-symbolisch-generalisiertes-kommunikationsmedium/">Stefans interessante Ausführungen</a> eingehen. Er schreibt:</p>
<blockquote><p>Die Einführung des Internets ist ein verheerender Entwicklungssprung. Denn bisher galt: “Die Abnehmer machen sich allenfalls quantitativ bemerkbar: durch Absatzzahlen, durch Einschaltquoten”. (Luhmann, RdM: 34) Dies ist nun anders. Galten bisher qualitative Maßstäbe in den Redaktionen und quantitative Maßstäbe im Absatzmarkt – gelten nun auch in den Absatzmärkten qualitative Maßstäbe, da das Internet einen Rückkanal bereithält, über den dies geleistet werden kann.</p>
<p>Die Folge der Rückkopplung führt zu dem Phänomen, dass plötzlich alle <a href="http://seedmagazine.com/content/article/a_writing_revolution/">Autoren</a> sind. Das System der Massenmedien kann nicht mehr oder nur noch schwerlich zwischen Leistungs- und Publikumsrollen und Zentrum und Peripherie unterscheiden. Und wenn alle/viele durch Rezeption auch produzieren – nimmt der Umfang an kommunizierter Information zwangsläufig zu.</p></blockquote>
<p>Geht man weiterhin davon aus, dass die Massenmedien nach wie vor am zentralen Code Information/Nicht-Information festhalten, so ist als erstes festzuhalten, dass zwar jeder potentiell zum Autor werden kann. Aber das bedeutet nicht, dass eine Rückkopplung in dem Sinne gelingt, dass Publikums- und Leistungsrollen verschwimmen und jeder nun potentiell zum dauerhaften und konstanten Massenkommunikator werden könnte. Kein Blogger könnte die Autorität von SPIEGELonline oder der Tagesschau ersetzen, weil die gesellschaftlichen Zuschreibungen auf eben jene Institutionen nicht so fluide sind, wie es in den Großmachtphantasien einiger Blogger ausgemalt wird. Ein qualitativer Ersatz ist nicht in Sicht.</p>
<p>Auch eine quantitative Aggregation eines &#8220;Feedback-Channels&#8221; dürfte kaum funktionieren, weil eine massenhafte Kommunikation einzelner Blogger nicht in der Lage sein wird, die Komplexität der mitgeteilten Informationen soweit zu reduzieren, wie es die klassischen massenmedialen Kommunikationen nach wie vor leisten. Wenn einmal eine Welle der Empörung in den Blogs ihren Ursprung hat, ist sie gesellschaftlich übergreifend erst dann relevant, wenn sie in den traditionellen Medien Anschluss gefunden hat. Nur weil 15% der Blogger über ein Thema schreiben, ist es noch lange nicht wichtig.</p>
<p>Dennoch kann man nicht abstreiten, dass sich das System der Massenmedien massiv verändert und auf technische Neuerungen und ihre Implementation in den Alltag reagieren muss. Ich würde hier eher vermuten, dass der zentrale Code nach wie vor stabil funktioniert, aber die Produktionsmöglichkeiten massenmedialer Kommunikation dahingend in eine zunehmend auseinander klaffende Schere geraten, dass auf der einen Seite ein zunehmend großer Teil der Informationen standadisiert reproduziert werden und ein immer geringer Anteil an qualitativ hochwertigen Informationen verbreitet werden, die die Welt, wie wir sie kennen, in einem neuen Licht erscheinen lässt. Dazu zwei Überlegungen:</p>
<p>Vor allem durch die Art der wiedergekäuten und aufbereiteten Informationen des Immergleichen werden zwar an Hand der Nachrichtenwerte konstant Neuigkeiten hervorgebracht, aber die Welt im Prinzip in den immer gleichen Formeln beschrieben. Man kennt das aus der Unterhaltungsindustrie, den nahezu identischen TV-Formaten quer durch alle Kanäle, die floskelhafte Berichterstattung über die Politik und vor allem im Sport, der sich in erster Linie durch quantifizierbare Vergleiche beschreiben lässt. Und da ist es nur konsequent, einen <a href="http://carta.info/16739/stat-monkey-journalismus-computer-automatisierung/">Statistik-Roboter zu programmieren</a>, der es ohne weitere menschliche Hilfe fertig bringt, <a href="http://mediadecoder.blogs.nytimes.com/2009/10/19/the-robots-are-coming-oh-theyre-here/">akzeptable Spielberichte zu produzieren</a>. Das Prinzip der schablonierten Berichterstattung ist auch auf andere Bereiche übertragbar, sobald es gelänge die Selektionsmechanismen einerseits zu standardisieren und auch zu etablieren, sodass sie zuverlässig reproduzierbar werden. Die allgemeine Zunahme an Kommunikationsmüll, der massenmedial produziert wird, schafft dafür die besten Voraussetzungen. Es geht also nicht um Relevanz, sondern um quanititative Entwertung von qualitativer Kommunikation.</p>
<p>Die zweite Überlegung wendet sich nun der anderen Seite zu: Wenn der Absatzmarkt tatsächlich zunehmend zersplittert und der Großteil mit redundanten Quasi-Neuigkeiten versorgt werden kann, wird es für den qualitativ-anspruchsvollen Journalismus schwierig, rentable Absatzmärkte zu finden. Insofern sind die Überlegungen amerikanischer und auch deutscher Medienkonzerne nur die logische Konsequenz: Wer sich exklusive Meinungen und Berichte abseits des Informationsmülls leisten möchte, <a href="http://blogbar.de/archiv/2009/08/13/bezahlinhalte-schon-wieder/">wird kräftig dafür bezahlen müssen</a>.</p>
<p>Sollte die Schere weiter auseinanderdriften, so muss die soziologische Theorie die Frage beantworten, ob das System der Massenmedien nach wie vor dafür sorgen kann, für ein potentiell unterstellbares, gemeinsam geteiltes Bild von der Welt zu sorgen. Und falls ja, wie und falls nein, warum nicht (mehr)? Für einen Umbau des Codes spricht in meinen Augen jedenfalls wenig.</p>
<p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Omar Bassan al-Bashir und die Weltgesellschaft</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/03/12/omar-bassan-al-bashir-und-die-weltgesellschaft/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/03/12/omar-bassan-al-bashir-und-die-weltgesellschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2009 13:23:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Omar Bassan al-Bashir]]></category>
		<category><![CDATA[Sudan]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Weltpolitik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=429</guid>
		<description><![CDATA[<p>Der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen den sudanesischen Präsident Omar Hassan al-Bashir dokumentiert den unaufhaltsamen Fortschritt weltgesellschaftlicher Differenzierung, wobei gleichzeitig zu beobachten ist, dass entlang verschiedener Ebenen der Weltgesellschaft Konfrontationslinien auftreten, für die es bisher keine Beobachtungsschemata gibt. Um dies &#8230; <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/03/12/omar-bassan-al-bashir-und-die-weltgesellschaft/">weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p><p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Haftbefehl des <strong>Internationalen Strafgerichtshofs gegen den sudanesischen Präsident Omar Hassan al-Bashir</strong> dokumentiert den unaufhaltsamen Fortschritt weltgesellschaftlicher Differenzierung, wobei gleichzeitig zu beobachten ist, dass entlang verschiedener Ebenen der Weltgesellschaft Konfrontationslinien auftreten, für die es bisher keine Beobachtungsschemata gibt. Um dies zu zeigen, werde ich in einem ersten Schritt den Begriff der Weltgesellschaft einführen, dann das Problem von Nationalstaatlichkeit und Weltpolitik anreißen, um im dritten Schritt die Konfrontationslinien der weltkulturellen Eben zu skizzieren. Abschließend zeigt sich, dass Menschenrechte eine Transformation von Kultur zu Recht erlebt haben.</p>
<h2>Weltgesellschaft</h2>
<p><span id="more-429"></span></p>
<p>Systemtheoretisch betrachtet gibt es nur eine Gesellschaft, die Weltgesellschaft. Diese Fassung von Gesellschaft hängt in erster Linie von ihrer begrifflichen Bestimmung ab: für Gesellschaft ist das konstitutive Element Kommunikation. Alles, was Kommunikation ist, gehört zur Gesellschaft, alles andere ist Umwelt. Alle Kommunikation ist potentiell füreinander erreichbar, bzw. über eine Verkettung von Interaktionszusammenhängen miteinander vernetzt. Daher kann es nur eine Gesellschaft geben, die Weltgesellschaft.</p>
<h2>Weltpolitik</h2>
<p>Auch für die Politik muss davon ausgegangen werden, dass es ein System der Weltpolitik gibt. Kritiker dieser systemtheoretischen Perspektive wenden ein, dass der Nationalstaat auf politischer Ebene doch das konstitutive Element sei. Systemtheoretisch wird diese Kritik auf den Kopf gestellt: Die genuine Leistung des weltpolitischen Systems ist die wechselseitige Anerkennung des Nationalstaats. Das weltpolitische System ermöglicht die segmentäre Differenzierung in nationalstaatliche Territorien erst, da erst durch die Anerkennung nationalstaatlicher Souveränität eine globale politische Auseinandersetzung möglich wird, ohne dass sich ein nationales Reich über den Globus erstreckt.</p>
<h2>Menschenrechte</h2>
<p>Auf einer anderen Ebene der Weltgesellschaft, der Kultur, wie Stichweh (2000) zeigt, entwickelt sich die Anerkennung von Menschenrechten. Gerade in der Frage der Menschenrechte ist zu beobachten, dass die kulturelle Diversität der Weltgesellschaft hier nicht anzutreffen ist, sondern das exakte Gegenteil. Der Anpassungsdruck souveräner Staaten gegenüber der Anerkennung von Menschenrechten führt zu einer Limitation nationalstaatlicher Souveränität. Die Einschränkungen führen soweit, dass Eingriffrechte entstehen, die Interventionen gegenüber souveränen Staaten ermöglichen, ohne (!) dass ein anderer souveräner Staat dafür als direkter Adressat einer Gegenreaktion zur Verfügung stünde, wie dies im Falle einer Kriegshandlung beobachtbar ist.</p>
<h2>Konsequenzen weltpolitischer Intervention</h2>
<p>Der Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten zeigt deutlich, dass die kulturelle Verbreitung der Menschenrechte eine Rückwirkung auf das weltpolitische System gehabt hat, dass nun selbst in Aktion treten muss, ohne dass dafür nationalstaatliche Adressen zur Verfügung stünden. Die Irritationen, die mit diesem Fall politisch und medial diskutiert wurden liegen meiner Meinung nach vor allem darin, dass die Beobachter noch nicht damit umgehen können, dass politische Interventionen gegenüber souveränen Staaten nicht mehr durch einzelne Staaten oder ein Staatenbündnis ausgelöst werden.</p>
<h2>Verantwortung</h2>
<p>Die Frage die sich dann nämlich stellt, ist die nach der Verantwortung. Notwendigerweise bleibt sie leer. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, wenn die Beobachter sich daran gewöhnt haben. Schließlich wird bei alltäglichen Rechtsprozessen auch nicht nach den Motiven oder der Verantwortung der Ermittlungs- und Justizbehörden gefragt, solange sie durch positiv gesetztes Recht gestützt sind.</p>
<h2>Kultur oder Recht?</h2>
<p>Der Verweis auf positiv gesetztes Recht, bringt mich zu der abschließenden Frage, ob man bei Menschenrechten von Kultur sprechen kann? Ich denke, dass man Stichwehs Überlegungen dahingehend nutzen kann, wenn man die Entstehung von Menschenrechten und ihre weltweite Verbreitung verstehen will. Das lief durchaus über kulturelle Entwicklungen. Es gibt einen (schwer zu bezeichnenden) Transformationspunkt, an dem die Kultur des Menschenrechts zu einem Recht der Weltgesellschaft wurde und damit einer andere Sphäre zuzurechnen ist, nämlich dem Weltrechtssystem. Die Konsequenz dieser Transformation ist mit dem Haftbefehl gegen Omar Bassan al-Bashir beobachtbar.</p>
<p>Literatur:<br />
Stichweh, 2000, Weltgesellschaft.</p>
<p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/03/12/omar-bassan-al-bashir-und-die-weltgesellschaft/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sprechstundenproblemchen</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/01/13/sprechstundenproblemchen/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/01/13/sprechstundenproblemchen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Jan 2009 19:33:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Programmierung]]></category>
		<category><![CDATA[Routine]]></category>
		<category><![CDATA[Sprechstunde]]></category>
		<category><![CDATA[Takt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=379</guid>
		<description><![CDATA[<p>Warum gehen viele Menschen eigentlich so ungerne in Sprechstunden? Sei es die Konsultation eines Arztes, der Besuch beim Bürgeramt oder die die Beratung beim Professor, alle Situationen haben eins gemein: Sie sind unbefriedigend. Und zwar für beide Seiten, für denjenigen &#8230; <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/01/13/sprechstundenproblemchen/">weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p><p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Warum gehen viele Menschen eigentlich so ungerne in Sprechstunden? Sei es die Konsultation eines Arztes, der Besuch beim Bürgeramt oder die die Beratung beim Professor, alle Situationen haben eins gemein: Sie sind unbefriedigend. Und zwar für beide Seiten, für denjenigen der die Sprechstunde anbietet und für die Person, die in die Sprechstunde kommt. Der Grund für die unbefriedigende Situation liegt darin, dass hier Routine die Interaktion einseitig determiniert und damit stört. Warum nur kann man sich damit nicht abfinden?<span id="more-379"></span></p>
<p>Das Beispiel der Sprechstunde, die ein Professor seinen Studierenden anbietet, um ihre Hausarbeiten zu besprechen oder in Prüfungsfragen zu beraten, wird das Beispiel sein, um der Antwort auf die obige Frage nachzugehen.</p>
<h3>Routinehandlung</h3>
<p>Für den Professor, als Mitglied der Organisation Universität, ist seine Sprechstunde und die Beratungsleistung eine Routinehandlung. Die Verwaltung von Studierenden und ihren Angelegenheiten ist nicht nur eine sich wiederholende Aufgabe, sondern im systemtheoretischen Sinne eine in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen auftauchende Umweltinformation, die nach Gesichtspunkten konditional programmierter Vorgaben der Universität bearbeitet werden muss. Dass heißt für den Professor, dass er immer dann, wenn Beratungsbedarf Seitens der Studierenden angemeldet wird, einen Sprechstundentermin anbieten muss, in dem er studienrelevante Themen mit den Studierenden diskutiert. Vor der Interaktion ist bereits entschieden, wer teilnimmt, auf welche eng umfassten Themengebiete man sich beschränken muss und in welchem Zeitrahmen das Ganze über die Bühne gebracht werden muss. Für viele alltägliche Interaktionen sind diese Einschränkungen (vor der eigentlichen Interktion!) untypisch. Warum?</p>
<h3>Ansprüche an Interaktion: Takt</h3>
<p>Alltägliche Interaktionen (und damit sind solche gemeint, die keinen direkten Einfluss von organisationalen Zumutungen aufweisen) müssen taktvoll gestaltet werden. Das bedeutet vor allem, die Darstellungen des Gegenüber zu stützen, zu respektieren und auch über Situationen hinwegzuschauen, in denen offensichtlich ist, dass es sich um eine Darstellung handelt. Den anderen seine Rolle spielen zu lassen und auf dieser Grundlage seine eigene Darstellung inszenieren zu können, ohne dabei der Gefahr ausgesetzt zu sein, in das offene Messer der Demaskierung laufen zu müssen, nennt man gemeinhin taktvollen Umgang.</p>
<p>Solch alltäglich Interaktionen leben in der Regel mit sehr wenigen Einschränkungen in sozialer, sachlicher und zeitlicher Dimension. Vielmehr werden die Grenzen der Interaktion in ihr selbst ausgehandelt, wobei maßgeblich auf die Darstellungsbedürfnisse der Beteiligten zu achten ist, sofern einem an einem taktvollem Umgang gelegen ist. Und genau diese Freiheit ist in der Sprechstunden-Situation unmöglich, weil in ihr die Grenzen bereits im Vorfeld durch die Routineprogramme der determinierenden Organisation gesetzt wurden.</p>
<h3>Taktunfähigkeit der Routine</h3>
<p>Der Student, der sein Anliegen beim Professor vortragen möchte, ist in der Wahl der Themen soweit eingeschränkt, dass er ohne Umschweife auf das Ziel hin losreden muss. Das ist unangehm, weil keine Zeit bleibt, sein inhaltliches Anliegen in entsprechende Ausführungen zu kleiden und darüber sein Gegenüber am eigenen Aufbau der Rolle und einem Verhalten zum Anliegen zu unterstützen. Ohne seine Ausführungen auf sachlicher Ebene einleiten zu können, gibt man sich darüber hinaus auf der Sozialdimension in die Gefahr der formalen Ablehnung, indem sich der Professor gar nicht erst auf persönlicher Ebene in die Interaktion begibt, sondern lediglich als Organisationsmitglied auftritt und jegliche persönliche Rollenbeziehung in der Interaktion vermeidet. Diese potentielle Gefahr der persönlichen Blöße ist faktisch ein Hemmnis, das jede Sprechstunden-Interaktion mit sich bringt. Problematisch ist in Sprechstunden darüber hinaus das starre Zeitbudget, das garantiert verhindert, dass eine Interaktion, die trotz enormer Hürden, einmal angelaufen ist, auch zu einem taktvollen Ende geführt werden könnte. Darauf kann in der Regel keine Rücksicht genommen werden, wartet doch meist schon der nächste Kunde vor der Tür.</p>
<p>Für den Professor sieht es indes nicht besser aus. Steht er doch vor dem gleichen Problem der vorher festgelegten Begrenzung der Interaktion auf sozialer, sachlicher und zeitlicher Dimension. Für ihn liegen die Gefahren der Interaktion allerdings noch zusätzlich in zwei Bereichen, die hier kurz genannt werden müssen. Zum einen wird sein Beitrag zur Inteaktion nicht auf ihn persönlich, sondern auf das Routineprogramm der Organisation zugerechnet. Er ist schließlich nicht freiwillig da, sondern weil er dafür bezahlt wird. Er hat auf jeden Fall schlechte Karten, um persönlich zu glänzen. Zum anderen gilt er als der Statushöhere, weshalb ihm die Verantwortung für persönliche Initiative obliegt. Das allerdings ist riskant, weil er damit aus der Rolle des Routineprogramms hinaus fällt und sich auf verschiedene Weise angreifbar macht. So ist nicht nur der Professor gefürchtet, der sich bei jungen, attraktiven Studierendinnen besonders persönlich engagiert zeigt, sondern auch derjenige Professor, der soviel damit beschäftigt ist, seine Routine-Rolle abzulegen, dass er seinen ursprünglich geforderten Beratungsleistungen nicht mehr nachkommen kann.</p>
<p>Für beide Seiten, die Studierenden und den Professor ließen sich sicherlich noch einige Beschränkungen und Risiken thematisieren. Es wundert unter diesen Prämissen allerdings nicht, dass Studierende und Professoren wechselseitig übereinander kaum gute Worte verlieren. Die Interaktion ist schließlich programmatisch unbefriedigend.</p>
<h3>Lösungen? Keine.</h3>
<p>Mal davon abgesehen, dass die wechselseitigen Lästereien bereits eine Lösung des Problems darstellen, was zumindest die emotionale Augeglichenheit der Beteiligten angeht, muss darüber hinaus eingesehen werden, dass man wohl mit solchen unbefriedigenden Situationen leben muss. Denn zu starkes persönliches Engagement in routineprogrammierten Interaktionen riskiert die Demaskierung der eigenen Darstellung. Diese Taktlosigkeit ist durch den formalen Anklang der Interaktion nämlich gedeckt und muss weder gerechtfertigt noch verantwortet werden. Bliebe noch, an die Beteiligten zu appellieren, ihre Ansprüche an die Interaktion zu mäßigen und auf die Routine-Handlung der Organisation hin auszurichten und sich von einer unbefriedigenden, weil taktlosen Interaktion nicht enttäuschen zu lassen. Für das Mitglied der Organisation könnte man qua Entlohnung oder Ähnlichem einen Ausgleich anbieten, für das Publikum aber nicht. Es wird weiterhin ungerne die Sprechstunde aufsuchen. Und diejenigen, die die Sprechstunde anbieten, werden das wissen und sich entsprechend darauf einstellen. Lösungen gibt es allerdings keine.</p>
<p>Dazu lesenswert: Niklas Luhmann, Lob der Routine</p>
<p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/01/13/sprechstundenproblemchen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Blogs und Kommunikationsherrschaft</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/11/24/blogs-und-kommunikationsherrschaft/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/11/24/blogs-und-kommunikationsherrschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2008 13:11:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Blogging]]></category>
		<category><![CDATA[DFB]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Verbreitungsmedien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=318</guid>
		<description><![CDATA[<p>Die Gunst der öffentlichen Meinung zu haben, ist für alle Organisationen, seien sie politisch oder andersweitig aktiv, von enormer Bedeutung, sofern sie nicht nur öffentlich auftreten, sondern ihre Entscheidungen auch öffentlich rechtfertigen müssen. Parteien und Verbände sind dabei besonders gefordert, &#8230; <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/11/24/blogs-und-kommunikationsherrschaft/">weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p><p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gunst der öffentlichen Meinung zu haben, ist für alle Organisationen, seien sie politisch oder andersweitig aktiv, von enormer Bedeutung, sofern sie nicht nur öffentlich auftreten, sondern ihre Entscheidungen auch öffentlich rechtfertigen müssen. Parteien und Verbände sind dabei besonders gefordert, sich mit der öffentlichen Meinung und ihrer gekonnten Beeinflussung auseinanderzusetzen. Für öffentlichkeitswirksame Organisationen steht und fällt ihr Erfolg häufig mit der Anerkennung ihrer Entscheidungen durch die Öffentliche Meinung zusammen. Daher wundert es nicht, dass Theo Zwanziger foldenden Satz zum Credo der Öffentlichkeitsarbeit des DFB gemacht hat:</p>
<blockquote><p>“Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer.”</p></blockquote>
<p>Nur leider lässt sich die öffentliche Meinung nicht so leicht beeinflussen, was vor allem daran liegt, dass es sich hier um ein prinzipiell unabgeschlossenes Konglomerat öffentlicher Kommunikation handelt, die nach einer Eigenlogik operiert und sich nicht linear-kausal steuern lässt. Die Eigenrationalität und Eigenständigkeit öffentlicher Meinungsbildung wird durch das Internet noch einmal verstärkt, was am jüngsten Beispiel einer Auseinandersetzung zwischen DFB und dem freien Sport-Journalisten Jens Weinreich deutlich wird.</p>
<p><span id="more-318"></span></p>
<p>Ein kurzer Abriss des aktuellen Falls: Jens Weinreich nennt Theo Zwanziger in einem Blog-Kommentar einen &#8220;unglaublichen Demagogen&#8221;. Dieser Kommentar wird in einer vielgelesenen <a href="http://www.indirekter-freistoss.de/home/index.html">Presseschau</a> veröffentlicht und einer Vielzahl von Lesern zugänglich gemacht. Der Multiplikationseffekt hat zur Folge, dass der DFB diese Aussage registriert und eine Unterlassungsklage einreicht. Zweimal unterliegt der DFB vor Gericht. Theo Zwanziger Interpretation des Demagogen als &#8220;Volksverherhetzer&#8221; wird vom Gericht nicht geteilt. Um &#8220;Kommunikationsherrschaft&#8221; bemüht, verfasst der DFB eine Presseerklärung und versendet sie an einen illustren Kreis von Politikern und Funktionären. In dieser Pressemitteilung wird der Sachverhalt ziemlich einseitig dargestellt, man könnte sagen verdreht. Eine Übersicht des kompletten Falls dokumentiert Jens Weinreich in seinem <a href="http://jensweinreich.de/?page_id=1780">Webweiser</a>. Grafisch sieht das ganze derzeit so aus:<br />
<iframe width="600" height="400" src="http://www.dipity.com/sportticker/Test/embed_tl" style="border:1px solid #CCC;"></iframe><br />
Ohne hier in die kleinsten Details einzugehen und ohne die nötigen und gerechtfertigten Kritikpunkte am Vorgehen des DFB noch einmal zu wiederholen (denn das lässt sich alles im <a href="http://jensweinreich.de/?page_id=1780">Webweiser</a> nachlesen), möchte ich auf einen soziologisch interessanten Aspekt hinaus: Dieses Beispiel zeigt, dass die Planbarkeit von Kommunikation durch das Medium Internet auf neue Voraussetzungen stößt und mit hergebrachten Methoden nicht mehr zu bewerkstelligen ist.</p>
<p>Die Planbarkeit von Kommunikation ist von jeher &#8211; und in einer funktional differenzierten Gesellschaft erst recht &#8211; im höchsten Maße eingeschränkt. Denn das Prinzip der Kommunikation beruht im Dreischritt von Information &#8211; Mitteilung &#8211; Verstehen. Und erst wenn die mitgeteilte Information verstanden wird, kann man von Kommunikation sprechen. Kommunikationsherrschaft im Sinne Theo Zwanziger bedeutet vor allem die Deutungshoheit des Verstehens von Information und Mitteilung inne zu haben. Traditionelle Lobby- und Pressearbeit von öffentlichkeitsabhängigen Organisationen wie dem DFB sieht in der Regel so aus, dass vor allem die traditionellen Massenmedien (Presse, Funk, Fernsehen) so in ihrer Berichterstattung beeinflusst werden, dass ein gegenüber den Entscheidungen und &#8220;Verstehens-Leistungen&#8221; des DFB unkritische Multiplikationsleistung in der öffentlichen Meinung stattfindet. Dazu ist ein Netzwerk von Gefälligkeiten abhängiger Berichterstatter und Redaktionen notwendig, über welches eine gut vernetzte Öffentlichkeitsabteilung verfügen kann und muss. Damit ist zwar nicht gewährleistet, dass tatsächlich eine Einheitsmeinung in der Berichterstattung und daraus resultierend in der öffentlichen Meinung herrscht. Die Wahrscheinlichkeit ist dennoch groß, weil eben für ein alternative Agenda-Setting kein Raum besteht und gegenläufige Meinungen und Berichterstattungen gegenüber dem Mainstream begründungsnotwendig werden. So kann ein gut organisierter Verband wie der DFB zwar nicht undbedingt im Sinne kausalen Durchgriffs über die öffentliche Meinungsbildung herrschen, aber dennoch wird es ihm gelingen, in einer Mehrheit der Themen die eigene Position deutlich und überwiegend zustimmend in der öffentlichen Meinung zu platzieren.</p>
<p>Der Fall Weinreich zeigt allerdings, dass die Beeinflussung traditioneller Massenmedien nicht immer ausreichen kann, um die Kommunikationsherrschaft sicher zu stellen. Denn es ist zu beobachten, dass der DFB ein grandioses Eigentor geschossen hat und derzeit versucht, einen größeren Schaden vom Verband und der Person Theo Zwanziger abzuwenden. Der Versuch, die Kommunikationsherrschaft auch in diesem Thema an sich zu reißen, ist gescheitert und wurde zum Boomerang für den DFB, sodass sie die Wucht ihrer eigenen Interventionen derzeit selber spüren müssen. Verantwortlich dafür ist ein kommunikationspraktisches Paradox. Der DFB woll seine Aufrichtigkeit beweisen und zeigen, dass er über die einzig richtige Interpretation des Falls verfügt. Die Aufrichtigkeit macht er dabei kommunikativ selbst zum Thema.</p>
<p>Geht es um die umfassende Information der Öffentlichkeit über die eigenen Motive des Handelns, zeigt Luhmann (2003: 165f), dass die Organisationen zwangsläufg in ein Darstellungsproblem geraten, sobald sie den Versuch unternehmen, ihr eigenes Operieren vollkommen transparent nach außen zu tragen. Erstens steht der DFB vor dem Problem, dass es schlichtweg nicht möglich ist, Aufrichtigkeit zu kommunizieren. Daher ist es auch nicht möglich durch solch ein Vorgehen das Vertrauen zu erhöhen. Man mag zwar meinen, dass man durch umfassende Information über Entscheidungsprozesse Vertrauen gewinnen könnte. Aber man muss sich dann fragen, wozu Vertrauen überhaupt nötig ist, wenn alles offen liegt und nichts verschwiegen wird. Man wird dann eher vermuten, dass die Forderung nach umfassender Information aus einem Mangel an Vertrauen resultiert!<br />
Ein Mehr an Information bedeutet ein Mehr an Kommunikation, was die Vertrauenslage aber nicht beeinflussen kann, da eine Kommunikation immer die Möglichkeit der Ablehnung beinhaltet. Mehr Kommunikation bedeutet also nicht automatisch höhere Annahmewahrscheinlichkeit, sondern quantitativ mehr Möglichkeiten der Ablehnung. Und verschärfend kommt hinzu, dass forcierte Kommunikation (in diesem Falle: Informieren und Richtigstellen) den Verdacht gegen denjenigen erweckt, der sich so bemüht. Man bewegt sich während des forcierten Informierens in einem Terrain, in dem man vieles falsch machen kann und weniges richtig (wenn überhaupt). Das gilt soweit für beide Parteien des Konflikts. Der Grund für den Umschwung gegen den DFB liegt an einem weiteren Punkt. Denn bei forcierter Kommunikation stellt sich im der überall lauernde Motivverdacht, da die Manöver der Partei von den Mitgliedern und anderen Beobachtern beobachtet werden. Diese können dabei spezifisch nach Motiven unterscheiden und entsprechend auch andere Motive als die Darstellung transparenter Entscheidungsprozesse unterstellen. Durch Kommunikation wird nun ein universeller, unbehebbarer Verdacht frei, der gerade durch jedes Thematisieren und Beschwichtigen nur neuen Verdacht freisetzt. Der DFB kann daher auch keine Transparenz kommunizieren, da sie durch Kommunikation selbst intransparent wird. Wer betont, dass alles offen liegt, oder jedes Detail einsehbar ist, macht dadurch die andere Seite dieser Unterscheidung (offen/geschlossen, einsehbar/versteckt) sichtbar und erweckt dadurch Zweifel. Somit ist das Problem des Motivverdachts nicht dadurch zu lösen, dass Motive kommuniziert werden (vgl. Luhmann 1987: 207ff.).</p>
<p>Wie schon gesagt, könnte man meinen, dass der Boomerang eher auf Weinreich zurückfallen müsste, weil er den Versuch der Transparenz am deutlichsten betont. Allerdings sind seine Bemühungen um Transparenz jeweils als kommunikative Anschlussakte an Entscheidungen des DFB (Klage, Presseerklärung, Interviews) zu sehen. Er selbst tritt nur einmal als Initiator auf, wenn er als ersten Schritt den vom DFB beantstandeten Kommentar verfasst. Danach kann er sich erfolgreich als David im Kampf gegen den übermächtigen Goliath inszenieren. Wer nun dem Internet und im Speziellen den Blogs den Erfolg des Weinreich-Auftritts zurechnet und sich darüber freut, dass das Zeitalter neuer Medien zu einer <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/es-gibt-keinen-goliath/">Demokratisierung</a> unserer Gesellschaft und der öffentlichen Meinungsbildung führt, der liegt mit seiner Interpretation der Sachlage falsch.</p>
<p>Ohne die Blogs von <a href="http://jensweinreich.de/">Jens Weinreich</a>, <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/">Stefan Niggemeier</a> und <a href="http://www.direkter-freistoss.de/">Oliver Fritsch </a>wäre die Sache sicher nicht so schnell ins Rollen gekommen. Dennoch ist der Erfolg von Jens Weinreich in der Darstellung seiner Position in der öffentlichen Meinung in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass es sich bei den drei genannten um anerkannte und vor allem um bestens vernetzte Journalisten handelt, die ihre Netzwerke für sich ins Spiel gebracht haben. Die öffentliche Darstellung der eigenen Positionen in den eigenen Blogs hat den Vorteil, dass eine umfassende Information und Darstellung relativ problemlos möglich wird. Dass aber Journalistenverbände aktiv werden, internationale Medienberichterstattungen zum Fall entstehen und damit ein Druck gegenüber dem DFB aufgebaut werden kann, das liegt eben erstens daran, dass professioneller Journalismus sich auch dadurch auszeichnet, für den eigenen Standpunkt werben zu können und zweitens sind die plumpen Vorlagen des DFB einfach bestens dazu geeignet gewesen, die Stimmung kippen zu lassen. Die Kontexte der Kehrtwendung gegen den DFB sind in diesem Fall deutlich wichtiger als die medialen Bedingungen in Form von Blogs.</p>
<p>Trotzdem wird es spannend sein, ob und wie der DFB dieses Eigentor in der zukünftigen Ausrichtung seiner strategischen Öffentlichkeitsarbeit miteinbezieht. Wird es künftig Blogger auf der Payroll des DFB geben, um ggf. in der Blogosphäre Einfluss zu nehmen? Ich denke nicht. Vielmehr ist es denkbar, dass der DFB sich an bestimmte, einflussreiche Blogger wenden wird, um sie mit Gefälligkeiten zu einer DFB-konformen Berichterstattung zu motivieren. Dafür könnten exklusive Materialien und Informationen, Einladungen, etc. sorgen. Und wer würde soetwas ablehnen? Viels Sport-Blogger wären wohl dabei und würden sich hinterher wundern, was von ihnen erwartet wird, wenn es zum Fall der Fälle käme.</p>
<p>Kommerzielle Organisationen wie z.B. Sportartikelhersteller machen das schon länger. Vor dem vergangenen Wochenende wurde einer Vielzahl von Bloggern ein <a href="http://www.wortkurve.de/2008/11/23/superlativ/">(Werbe-)Produkt-Video </a>zur Verfügung gestellt, das Riberys rosa Schuhe zum Thema hat. Bis auf <a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2008/11/24/screensport-am-montag-90-sekunden-bewegungslos/">Premiere</a> (<a href="http://www.blog-g.de/archiv/971">was ein ganz anderes Thema ist</a>!) ist aber kaum jemand auf den Zug aufgesprungen. Blogger eigentlich überhaupt nicht. Das ist kein Einzelfall. Als Autor eines <a href="http://www.welt-hertha-linke.de/">Hertha-Blogs</a> bekomme ich auch häufig solche &#8220;Hinweise&#8221;. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der DFB diese Methode adaptieren wird, denke ich.</p>
<p>Nachtrag zur <strong>Literatur:</strong><br />
Luhmann, Niklas (1987): Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie (2. Auflage 1988). Frankfurt a. M.<br />
Luhmann, Niklas (2003): Soziologie des Risikos. Berlin, New York.</p>
<p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/11/24/blogs-und-kommunikationsherrschaft/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>9</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Planwirtschaft reloaded</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/11/18/planwirtschaft-reloaded/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/11/18/planwirtschaft-reloaded/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2008 17:14:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Dynamik]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Reform]]></category>
		<category><![CDATA[Wandel]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=304</guid>
		<description><![CDATA[<p>Durch Innovationsbemühungen vorwärts in die Vergangenheit? Die Planwirtschaft ist wieder auf dem Vormarsch. Fast jeder wird dies im Alltag beobachten können. Und um Missverständnisse auszuräumen, sei vorweg gesagt, worum es nicht geht: Die Planwirtschaft wird den Kapitalismus nach der Bankenkrise nicht &#8230; <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/11/18/planwirtschaft-reloaded/">weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a></p><p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Durch Innovationsbemühungen vorwärts in die Vergangenheit?</strong></p>
<p>Die Planwirtschaft ist wieder auf dem Vormarsch. Fast jeder wird dies im Alltag beobachten können. Und um Missverständnisse auszuräumen, sei vorweg gesagt, worum es <em>nicht</em> geht: Die Planwirtschaft wird den Kapitalismus nach der <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/vertrauenskrise-die-45-billionen-dollar-luge/">Bankenkrise</a> nicht ersetzen. Auch wenn sich <a href="http://www.20min.ch/news/ausland/story/Ostdeutsche-wuenschen-sich-die-Planwirtschaft-zurueck-30709803">einige dies wünschen</a> mögen, gibt es die Planwirtschaft nicht zurück (es sind halt die Leser der <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt8m1/kultur/614/312528/text/">SuperIllu</a>&#8230;). Und doch finden sich unmissverständliche Anzeichen für den Rückkehr der Planwirtschaft. Der Wandel vollzieht sich allerdings nicht im politischen System, sondern vielmehr auf allgemeiner organisationaler Ebene und ist eng mit den Stichworten Qualitätssicherung, Zielvereinbarung, leistungsbezogene Vergütung, Evaluation und Reform verbunden. Es sieht ganz danach aus, als ob die Planwirtschaft auf organisationaler Ebene eine Renaissance erlebt, die abseits intendierter Ziele ganz praktisch realisiert wird. Wie konnte es dazu kommen?</p>
<p><span id="more-304"></span></p>
<p>Machen wir also einen kleinen Ausflug in die blumige Semantik-Welt der Berater, Coaches und Innovatoren, die den Organisationen solange eingeredet haben, dass wir in einer <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/11/14/zur-dynamik-der-wissensgesellschaft/">dynamischen Wissensgesellschaft</a> leben, dass sie diesen Mythos mittlerweile selbst glauben. Es klingt ja auch allzu verlockend:</p>
<blockquote><p>Die Leitbildentwicklung stärkt die Identität der Organisation und die Identifikation der Beschäftigten. Die Auseinandersetzung mit der Definition gelungenen Lernens bewirkt eine Zunahme der pädagogischen Professionalität. Die Bildungsarbeit orientiert sich stärker an den Bedürfnissen der Lernenden. Die Evaluation führt zum Erkennen von Entwicklungspotenzialen und neuen Chancen. Die genaue Definition von Prozessen und Arbeitsabläufen strafft und systematisiert die Ablauforganisation. Die Klärung und Definition von Schnittstellen und Verantwortlichkeiten in der Organisation schafft Transparenz und erleichtert die Arbeit. Der Überblick über die verschiedenen Arbeitsbereiche systematisiert und verbessert die Zusammenarbeit. Durch eindeutige Ziele kann die Organisation sicher gesteuert werden. Teilschritte der Zielerreichung können kontrolliert und Erfolge können bewertet werden. Durch ein bewusstes Marketing der Qualität wird die Außendarstellung der Organisation verbessert. Die Führung der Organisation orientiert sich an gemeinsamen Grundsätzen.<br />
Die Beteiligung der Beschäftigten an der Qualitätsentwicklung fördert die Selbstreflexion und lässt die Wertigkeit der eigenen Arbeit erkennen. Die gesamte Organisation richtet ihre Arbeit strukturell an den Interessen ihrer Kunden aus.</p>
<p>(<a href="http://www.artset-lqw.de/cms/index.php?id=lqw-verfahren">Quelle</a>, hier finden sich noch weitere Textgattungen der Kategorie &#8220;Begriffsmüll&#8221;)</p></blockquote>
<p><strong>Vorwärts immer, rückwärts nimmer!</strong></p>
<p>Nach einer Vielzahl von Reformen sind die Organisationen verunsichert, weil sie ihre eigene Geschichte vergessen haben und sind daher den &#8220;Erfolgsrezepten&#8221; der Wunderheiler hoffnungslos ausgeliefert. Sie wissen es ja schleißlich nicht mehr besser. So glauben sie tatsächlich an den Berater-Sprech, so wie Kinder glauben, dass man durch Nutella zum Nationalspieler wird. Auch Kinder wissen es nicht besser. Allerdings werden sie es noch lernen, wobei &#8220;lernende Organisationen&#8221; verlernt haben zu erinnern und daher nicht mehr lernen, sondern nur noch reformieren, Innovationen hinterherhecheln und Qualität sicherstellen. Der Zyklus von Innvationen und neuen Konzepten, mit denen sich Organisationen, die aus Sicht der Berater &#8220;modern&#8221; agieren, auseinandersetzen müssen, wird immer geringer, das Vergessen immer größer. Für Lernen bleibt einfach keine Zeit mehr, so schnell ist ein neues Konzept (oder wie die meisten Berater ehrlicher formulieren: Produkt) am Markt, das eingeführt werden muss. So kann aus vorangegangenen Innovationen nichts gelernt werden, weil die Zeit fehlt, die Wirkungen im Sinne systemrationaler Zurechnungen auf die Ursachen der Reform zurückzuführen. Innovative Organisationen werden nicht nur vergesslich, sondern gedächtnislos.</p>
<p><strong>Lieber hundertmal mit der Partei irren als sich einmal gegen die Partei stellen.</strong></p>
<p>Warum nun aber Planwirtschaft? Im Diskurs der Berater findet sich zwar immer eine Welt, die schneller und dynamischer wird, in der es flexibel zu handeln gilt, jedoch ist das Resultat einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Qualit%C3%A4tssicherung">Qualitätssicherung</a> und einer Zielvereinbarung in der Regel ein recht starres, unbewegliches Konstrukt: ein Plan. Es werden Pläne geschmiedet, für die Organisation als ganze, mit Zielen, die es zu erreichen gilt und wie sie nach Innen und Außen zu vertreten sind, aber auch für den Einzelnen, was er zu leisten hat, wie er dort ankommt und was diese Erträge für die Organisation bedeuten. So arbeitet jedes Einzelteil und die gesamte Organisation nach einem fixen, starren Plan und hat Glück, wenn sie am Ende des Zeitrahmens mit Übererfüllung dastehen. Ob die Produkte dann noch Abnehmer finden, ist ein anderes Problem. Der Plan hat sich bis dahin ja schon verselbstständigt. Es ist nunmal so, dass jede noch so innovative, bürokratiefeindliche und rationale Reform dazu führt, dass sie den Mitarbeitern verständlich gemacht werden muss. Für eine Evaluation muss geschult, diskutiert, dokumentiert, ausgewertet, diskutiert, präsentiert, usw. usf. werden. Das kostet Ressourcen, die mit produktiver Arbeit wenig gemein haben. Zielvereinbarungen müssen getroffen, kontrolliert, bewertet, festgestellt, vergütet werden. Das hat mit produktiver Arbeit nichts zu tun. Übrigens müssen Mitarbeiter auch darin geschult werden, dass sie nun nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zielvereinbarung">Zielvereinbarungen</a> arbeiten. Da gehen locker zwei Tage einer ganzen Abteilung drauf. Eine Einführung in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/TV%C3%B6D#Leistungbezogene_Verg.C3.BCtung">leistungsbezogene Vergütung im TVOED</a> dauert kaum weniger lang. Dann gäbe es da noch Familienschutz, Umweltbewusstsein, Qualitätszirkel usw. usf. Und wer so viel Aufwand für einen Plan betreibt, der muss auch an ihn glauben. Ansonsten müsste jeder vernünftig denkende Arbeitnehmer gegen die Umsetzung und Einführung protestieren. Da die Organisation aber über kein Gedächtnis mehr verfügt, kann sie nicht zu dem Schluss kommen, dass sie sich zunehmend mit sich selbst beschäftigt. So gibt es keinen Raum, in der sich berechtigte Kritik Gehör veschaffen kann. Und alle machen mit.</p>
<p><strong>Macht kaputt, was euch kaputt macht!</strong></p>
<p>Es kommen Zweifel bei den Beteiligten auf. Und es liegt nahe, zu überlegen, ob es eine Chance gibt, dass Organisationen aus dem Reformkreislaufs des Teufels aussteigt und endlich anfängt zu lernen. Auch die Berater-Industrie wird vorsichtig und schmückt sich mit vermeintlich <a href="http://www.coachplus.de/zielvereinbarungen/zielvereinbarungen.html">kritischen Ansätzen</a>. Dabei warnt sie, dass man vieles falsch verstehen kann. Aus der Kritik folgt allerdings nicht, dass man Reformen gleich ganz sein lassen kann, sondern dass man es erst richtig versuchen müsse. Geschickt machen sie dem Süchtigen klar, dass er beim Konsum von Drogen viel falsch machen kann und bei falscher Anwendung letztlich selber Schuld sei und dann beim nächsten Schuss besser auf eine qualitativ hochwertige (meint: teurere) Ware zurückgreifen muss. Organisationale Planwirtschaft ist ein verhängnisvolles Spiel, das viele Organisationen mit dem Leben bezahlen müssen. Das ist tragisch, aber für die Planwirtschaft nun einmal üblich.</p>
<p><strong>Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. </strong></p>
<p>Hinzu kommt noch, dass Kritiker einen Schattenkampf aufführen müssen, weil sich die organisationale Planwirtschaft in einem Punkt von ihrem politischen Vorbild unterscheidet: Wurden im Realsozialismus die Pläne zentral bestimmt und verwaltet, weshalb auch von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Planwirtschaft">Zentralverwaltungswirtschaft</a> gesprochen wird, so wird im Organisationmodell mit einer Vielzahl dezentraler Pläne gearbeitet, was euphemistisch &#8220;Mitarbeiter-Partizipation&#8221; genannt wird. Das führt dazu, dass Kritiker quasi mundtot gemacht werden, da es keinen zentralen Angriffspunkt mehr gibt. Insbesondere Gewerkschafter, die hier eine kritische Rolle einnehmen könnten, werden zur Untätigkeit verdammt, da sie erstens selbst an den Plänen beteiligt sind und zweitens ihr eigenes Klientel für die Konstruktion der Pläne verantwortlich machen müssten. So marschiert die planwirtschaftlich strukturierte Organisation zwangsläufig sehenden Auges, aber manovrierunfähig in ihr eigenes Verderben. So wie der Realsozialismus das vorgelebt (-oder gestorben) hat.</p>
<p><a href="http://www.20min.ch/news/ausland/story/Ostdeutsche-wuenschen-sich-die-Planwirtschaft-zurueck-30709803"></a></p>
<p><img src="http://sozialtheoristen.de/analytics/piwik.php?idsite=3&amp;rec=1" style="border:0" alt="" /></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/11/18/planwirtschaft-reloaded/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
