05.05.2012

16 eigene und 15 „geklaute“ Lieder. Fast durchgehend positives mediales Echo und eine Resonanz in den deutschen Zeitungen, die der letzten Veröffentlichung eines der so genannten deutschen Urgesteine- das Mal aber aus Berlin (aus Berlin), nicht aus Düsseldorf- in nichts nachsteht. Und während die Ärzte in einer der letzten, im freien TV empfänglichen, Harald Schmidt Sendungen ihren legendären Auftritt aus dem Jahre 1999 fast noch toppen, redet Campino lieber mit der FAZ über Günther Grass und Fußball.
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18.04.2012

Mit jeder neu erschienenen Platte einer der (so genannten) deutschen Punkbands kommt die ebenso intelligente wie auch überlebensnotwendige Frage auf, ob das noch „Punkrock sei“. Seien es Die Ärzte oder die Toten Hosen, es spielt im Endeffekt keine Rolle, welche Band mit welcher musikalischen Ausprägung – die Frage bleibt stets dieselbe. Und da die Ärzte am 13.04. ihr neues Album, das schlicht „auch“ betitelt ist, veröffentlicht haben, sind auch die Gralshüter des Punk wieder dazu aufgerufen, die Argumente runterzubeten, die sie (eigentlich) bei jeder Veröffentlichung von sich geben. Die Argumente aufzuzählen, ist wohl in der Tat einigermaßen witzlos, da jeder, der sich auch nur ein Fünkchen für Musik interessiert, alle Argumente kennt. Kommerzialisierung, empörte Aufschreie, dass das letzte Album ja noch so gerade eben durchgehe, aber das ja nun wirklich (!!!) kein Punk mehr sei, Anspielungen auf das Alter der Protagonisten und Aufforderungen, die Instrumente doch nun bitte endlich in den Schrank zu stellen und dergleichen mehr. Dass die Hallen der Tour – in diesem Fall – von Die Ärzte restlos ausverkauft sind, wird als kollektive Geschmacksverwirrung der Zuschauer disqualifiziert. Schließlich liegt die Deutungshoheit über gute Musik im deutschen Musikjournalismus. Und wer sich dessen Einschätzung gegenüber deviant zeigt … dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen.
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04.04.2012
Am 10 März spielte der 1. FC Köln 1:0 gegen Hertha BSC Berlin. Beide Mannschaften befanden und befinden sich aktuell immer noch im Abstiegskampf. Das Besondere an dem Sieg der Kölner war nicht das Ergebnis eines mittelmäßigen Bundesligaspiels, sondern die im Anschluss an das Spiel folgende Entlassung von Volker Finke, seines Zeichens Kölns Sportdirektor seit Februar 2011. Der normale Mechanismus des Fußballs läuft eher umgekehrt: man entlässt nach Niederlagen und gibt nach Siegen – selbst solchen, die lange Niederlagenserien unterbrechen – eher Versprechen, mit dem Trainer weiterzumachen. Man kommt nicht drum herum, das Kölner Verhalten als kontraintuitiv zu empfinden. Aber damit nicht genug: nach der desaströsen 1:2 Niederlage der Kölner gegen und in Augsburg am 31 März wäre eine Freistellung (wie man so schön sagt) des Trainers Solbakken eigentlich erwartbar gewesen.[1] Passiert ist jedoch nichts. Solbakken wurde zwar aufgefordert, der Mannschaft die Leviten zu lesen – man dokumentierte die Ausnahmesituation auch mit einem Klosteraufenthalt im ostwestfälischen Marienfeld -, darüber hinaus ist aber nichts passiert. Es ist diese Ausgangslage, die beide Fälle erwähnenswert macht. Aber haben sich die Kölner einfach den Marktmechanismen widersetzt und entlassen jetzt nur noch nach Siegen und nach Niederlagen, die in der Form desaströser Auswärtsspiele bei einem potentiellen Abstiegskandidaten daherkommen, nicht mehr? Man mag es bezweifeln.
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15.03.2012
Greg Smiths Goldman Sachs Schelte
Am 14. März erschien in der New York Times ein Artikel, in dem der ehemalige Investmentbanker Greg Smith mit seinem wiederum ehemaligen Arbeitgeber, Goldman Sachs, abrechnete. Der Vorwurf, den Smith Goldman Sachs macht und der daraufhin für weltweites Medienecho sorgte, ist simpel: Die Investmentbank versucht losgelöst von Fragen moralischer Integrität Gewinn zu machen und nimmt dabei in Kauf, dass Produkte verkauft werden, die wissentlich keinen Nutzen für den Kunden haben. In der Negativfassung dieser Aussage formuliert, könnte man sogar meinen, die Produkte haben nicht nur keinen Nutzen, sondern richten darüber hinaus auch Schaden an. Von einem herzlosen Verhältnis zu den Kunden, die „abgezockt“ werden, ist die Rede. O-Ton: “It makes me ill how callously people talk about ripping their clients off”. Letztere würden firmenintern sogar nur als “Muppets” (Deppen) adressiert. Smiths Kalkül, so seine Selbstdarstellung, ist dabei die ultimative Selbstaufopferung verstanden als Kündigung und Inkaufnahme des Risikos auf lange Zeit keinen Job mehr an der Wall Street zu bekommen, um die von ihm hoch geschätzt Investmentbank Goldman Sachs zu einem Kurswechsel zu bewegen.
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09.08.2011
Warum die Suche nach Gründen für das Attentat in Norwegen gesellschaftlich nicht weiterhilft.
Immer noch ist das Attentat in Norwegen eines der großen, massenmedialen Gesprächsthemen. Viele Artikel drehen sich um die Fragen, die gestellt werden müssen und nicht gestellt worden sind, oder aber man fragt konkreter, was man der Rationalität des Tötens wie wir es in Norwegen beobachten konnten, entgegensetzen kann. Fast durchgehend kann man in diesen Artikeln aber eine grundsätzliche Paradoxie beobachten, die sich aus zwei Antagonismen speist: zunächst kann man sich eine Tat, wie sie in Norwegen verübt wurde, nicht erklären, ohne zu vermuten, Andreas Breivik sei geistesgestört, oder aber leide zumindest an einer starken Form der Realitätsverzerrung. Automatisch aber evoziert diese Feststellung die Frage, ob ein Geistesgestörter überhaupt in der Lage ist, ein Attentat diesen Ausmaßes so präzise zu orchestrieren wie es geschehen ist. Die Feststellung der Geisteskrankheit scheint eine Tat wie wir sie beobachten mussten, automatisch auszuschalten. Und es scheint diese paradoxale Anlage des Attentats zu sein – seine strikte Verweigerung sich Kategorien wie bspw. Geisteskrankheit konsistent subsumieren zu lassen -, die den wildwuchernden Erklärungen, die man immer noch täglich lesen kann, Tür und Tor öffnet. Da es offensichtlich keine zufriedenstellende Antwort gibt, kann jeder fröhlich drauf los raten, was wohl der Grund für das Attentat sei. Und man kann hier wohl einigermaßen sicher davon ausgehen, dass das Attentat instrumentalisiert wird. Innenpolitische Hardliner verlangen eine Verschärfung von Überwachungen im Internet, eine Einschränkung des Waffengesetzes, den Verbot von Ego Shootern, etc. Experten können wiederum Geld verdienen, in dem sie in Gastbeiträgen oder Fernsehauftritten das, was sowieso jeder weiß, schreiben – aber mit dem Etikett „Experte“ verziert.
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29.05.2010
Systems theory is, doubtless, a controversial and contentious field of sociological theory-building. Nonetheless or rather because of it, the theory seems to, to a surprisingly great extent, attract critics – may that be critique uttered by social scientists or students. The matter by itself is, of course, not actually surprising as science is based upon the ongoing process of criticizing the work of others. What, indeed, stuns is the quality of most of the critiques – or better: the lack of quality most discussions are characterized by and their willingness to abide by this standard – if that.
In the course of time one happens to grow accustomed to the fanciest critiques. They range from “where is the subject/ actor” to “oh, way too complicated”. The favorite is for sure: no one outside of Bielefeld uses Luhmann. All this stuff is ideally suited to make an earnest observer crack up. And, by the way, it doesn´t really matter if the critique comes from most scientific articles or is uttered in a seminar: the bottom line is always the same. Let´s just take this classic regional thing: one tends to the assertion that the analytical value of a theory doesn´t depend upon its regional use – especially not of the use in or outside of Bielefeld. Obviously, for some obscure reasons, this just doesn´t seem to be right for the users of the regional argument… Incidentally… yes, the coinjoinability of science is the main counterargument. But to be earnest: measured by the publications as to systems theory the theory doesn´t run the risk of vanishing but rather to play, admittedly, a smaller role in today´s sociology which is truly kind of scaring as other theories normally don´t match systems theory´s level of dissolving everyday life categories and re- describe them.
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14.07.2009
What kind of ideology does systems theory follow? Is there an ideology to be identified in the realm of the systems theory or is the theory exempt from any kind of “ideology”?
These will be our leading questions which are to be answered in this article. As always we need a definition of liberalism to ensure a, more or less, equal access to the topic we want to deal with.
Definition problems
First of all, we are in need of a closer frame for answering our question. What is it we want to call liberalism? Obviously, liberalism can be of a political or non- political kind. We need to settle the question what kind of liberalism we want to refer to.
In our opinion, to cut a long story short, the question, whether systems theory is following a political liberalism, or not, is not qualified to gain much attention. There does not seem to be any leads of a politically motivated liberal thinking in systems theory. So we are not going to follow this question up. At least any attempt to show this appears volitional and artificial – in sum, not reasonable in our view.
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26.05.2009
Facing the void
Our concern in this article will be the distinction between operation and observation as systems theory according to Luhmann proposes it. We want to ask in which way the distinction is used and which consequences arise from this particular use of a specific distinction. Furthermore, the question is why Luhmann ascribes such importance to this particular distinction. What is its value?
The answer to this question – as we will see – lies in the realm of constructivism. We do not want to ask for any general importance of this distinction, for this would extend the form of a blog- article. Another constraint is the focus on social systems. We, again, need this shortening to abbreviate the reasoning to an acceptable extent.
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15.10.2008
Ich werde mal versuchen, in dieser kurzen Skizze hier, sowohl Stefans Artikel als auch Ennos Artikel zu behandeln- aus dem Grund (schon wieder) ein neuer Artikel und kein Kommentar.
Vorschalten möchte ich meinem Beitrag allerdings eine Frage und zwar die, ob man nicht mit einiger Berechtigung fragen könnte, ob ein soziales System, dass sich rekursiv über Kommunikation reproduziert, überhaupt in eine Krise geraten kann?
Um aber ins Thema einzusteigen: Ich denke, ebenso wie Enno, dass es nicht möglich ist, die aktuelle Finanzkrise kausal aufzuschlüsseln, eben weil Kausalität ein Endloshorizont ist, in den man irgendwann mehr oder weniger willkürlich eine Zäsur einführen muss, um Beobachten überhaupt erst zu ermöglichen. Ich würde dabei allerdings nicht soweit gehen, zu sagen, dass es aus diesem Grund keine Ursache für die momentane Krise gibt. Sobald ein Beobachter die Krise unter dem Schema Kausalität beobachtet, können auch Ursachen angegeben werden- die dann sicherlich mehr oder weniger adäquat sein können. Man kann also nie ontologisch die Ursache der Krise ausmachen, weil es diese nicht gibt- sie muss über einen Beobachter konstruiert (mit Unterscheidungen beobachtet) werden. Dementsprechend kann es auch keine falschen Kausalpläne geben, woran sollte man die Falschheit dieser Pläne auch messen wollen, wenn man auf die Vorstellung einer seienden Realität verzichtet? Sicherlich kann man die Adäquanz im Nachhinein beurteilen, aber eben wieder nur als distinktionsgeleitete Beobachtung- dieses Mal im Schema richtig/falsch. Aber sie können nicht in dem Sinne falsch sein, dass sie nicht mir der Realität übereinstimmen.
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Die Systemtheorie flaggt sich selbst als eine Theorie aus, die den Konstruktivismus als „Erkenntnisprogramm“ (Luhmann) nutzt. Gemeint ist damit nicht die relativ eingängige Aussage, dass alles konstruiert ist bzw., dass es keine Realität gibt. Diese Aussage würde ja letztendlich auch auf die Paradoxie hinführen, dass selbst die Konstruktion noch einmal konstruiert ist- spielt man dies weiter durch, würde folglich jede Form der Konstruktion im infiniten Regress enden. Und negiert man dies, um an einer „Exklusiv“- Konstruktion festzuhalten, würde man ja letztendlich wieder auf ein ontologisches Weltbild referieren, in dem die Konstruktion quasi „ist“- und nicht mehr von der Realität zu unterscheiden wäre. Die Konstruktion aber ist nicht einfach in der Welt, sondern muss rückgebunden werden an ein System. Nur Systeme konstruieren, wenn man so sagen darf. Aber was genau bedeutet konstruieren?
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25.08.2008
Vor allem in den späteren Werken Luhmanns taucht immer wieder der Begriff der Paradoxie auf. Was aber hat es mit dem Begriff auf sich? Oder präziser formuliert: Welche Rolle spielt der Begriff in der Systemtheorie, dass seine extensive Nutzung an zentralen Stellen der Theorie gerechtfertigt ist?
Ohne Anspruch darauf, diese Frage vollständig beantworten zu können, soll der Begriff der Codierung an dieser Stelle im Vordergrund stehen, um zu verdeutlichen, warum der Hinweis auf Paradoxien – trotz des Anscheins reiner intellektueller Spielerei – dennoch wichtig und vor allem theoriearchitektonisch bewundernswert konsistent und intelligent platziert ist.
Unter einer Paradoxie verstehen wir dabei einen selbstreferentiellen Widerspruch, also einen Widerspruch in Bezug auf sich selbst.
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07.07.2008
Da der Text von Rena, auf den ich mich beziehe, sehr verdichtet geschrieben ist, möchte ich mich in meiner Replik auf einen Kernpunkt konzentrieren: die System/ Umwelt- Differenz.
Beschreibt man das politische System als ein System, so handelt man sich damit, zumindest in der Systemtheorie Luhmannscher Ausprägung, die Konsequenz ein, dass man von einem System ausgeht, dass sich selbstreferentiell durch rekursive Kommunikation reproduziert. Das bedeutet zugleich aber, dass das System nur noch IN seinen Grenzen operieren kann. Die Umwelt ist dem System nicht zugänglich. Was bedeutet das aber für die sogenannten Leerformeln wie Wohlfahrt, Armut, usw.?
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