Rena Schwarting

forscht als Doktorandin an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) mit besonderem Interesse für Organisationen in Geschichte und Gegenwart www.renaschwarting.de

Erst wenn die erste, unqualifizierte Frau im Aufsichtsrat sitzt…

Right Angle

…kann über die Sinn- und Zweckmäßigkeit der Frauenquote diskutiert werden. Bis dahin ist die Quote eine gesellschaftliche und unternehmerische Verpflichtung und ihre Einführung überfällig.

Über kaum ein anderes Thema gibt es so viele Begriffe und Uneinsichtigkeiten wie über die formalen und informalen Ungleichheiten am Arbeitsplatz: Diversity, Gender-Gerechtigkeit, Frauenquote und und und. Es geht bei der Debatte um gleiche Chancen, nicht um Gleichheit oder Gleichmacherei. Das ist oft genug betont worden, und oft genug wird dann dennoch über solches eben Nicht-Gemeinte und auch Nicht-Intendierte geredet.

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Das Zusammenspiel von „Hard Law“ und „Soft Law“

Zurich

Sozial- und Rechtswissenschaftler diskutieren in Minneapolis über die vielfältigen Eigenrechte sozialer Ordnungen

Im Unterschied zur klassischen Rechtswissenschaft diskutiert die Rechtssoziologie nicht nur Rechtsthemen im engerern Sinne als „Hard Law“. Es geht nicht nur um die Profession des Richters, die Rolle des Schöffen oder der Jury, neue und alte Gesetzeslücken oder die Akzeptanz von Verfahrensentscheidungen. Auf dem Jahreskongress der “Law & Society Association” (LSA), der im Juni in Minneapolis (USA) tagte, fand vielmehr ein Austausch über Rechtsthemen in einem breiten, nicht-juristischen Sinne als „Soft Law“ statt.

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What is sociological research about? It is about “finding a pig that speaks”

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As a Chicago sociologist Sudhir Venkatesh had internalized the idea that the Chicago style of urban living was universal, that everybody stayed in their neighborhoods segregated by race and class and that their children lived the same way passing down these patterns generation after generation. Studying New York City from the perspective of coming from Chicago, would you still find a global city when you look at the alleyways? As a sociologist how do you make sense of a city where people move and cross boundaries of neighborhoods? The video shows the “Global Voices Author Lecture” with Sudhir Venkatesh on his book “Floating City: A Rogue Sociologist Lost and Found in New York’s Underground Economy
”, on November 13, 2013, University of Chicago Assembly Hall, closing his talk with a message for everybody who is curious to know what sociology is about: It is about “finding a pig that speaks”.

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Wenn sich Subdisziplinen ihren Grenzen widmen, wachsen sie über diese hinaus – theoretisch, empirisch und historisch

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Die vielen Hände der Social Science History Association (SSHA) – Ein Plädoyer für eine “offene Forschungskultur” in der Historischen Soziologie

Während die Historische Soziologie in Deutschland seit den 1970er Jahren ein Schattendasein führt, wurde in den USA mit der „Social Science History Association“ (SSHA) zur gleichen Zeit unter den intellektuellen Schwertern einer zunächst marxistisch orientierten (politischen) Soziologie und einer quantitativ arbeitenden Historischen Sozialwissenschaft auch institutionell ein Ort des interdisziplinären Austauschs zwischen Geschichtswissenschaft und Soziologie geschaffen. Auf dem 38. Jahrestreffen der SSHA in Chicago (21. bis 24. November 2013) schien dieses Forum wenig von seiner Anfangseuphorie, seinem konstruktiven Diskussionsklima und seiner thematischen Vielfalt verloren zu haben.

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Wie vergleicht man Informationsungleichheiten, wenn man sie schon nicht vollständig begrenzen kann?

Schnittstelle

In der Praxis nicht ganz einfach: Aber wer den computergestützten Einsatz von Algorithmen eingrenzen will, sollte zuerst seine organisatorischen Grenzstellen kennen

In ihrem Artikel “Risiken des Hochfrequenzhandels (HFT) – Das systemische Risiko der Dummheit” beschreibt Yvonne Hofstetter, Geschäftsführerin der Teramark Technologies GmbH, den Einsatz von Handelsalgorithmen an computerbasierten Finanzbörsen. Frau Hofstetter ist eine ausgewiesene Kennerin im Einsatz von “intelligenten Datenauswertungssystemen für kommerzielle Unternehmen sowie für die Rüstungsindustrie”. Das kritische Einbringen ihrer Expertise in die öffentliche Diskussion verdient Beachtung, denn viele ihrer KollegInnen aus den digitalen Branchen hüllen sich im Schweigen. In ihrem neuesten Artikel in der F.A.Z. vom 15. Oktober 2013 plädiert sie beispielsweise für einen differenzierteren Blick auf die Möglichkeiten zur “Kontrolle” von Algorithmen an elektronischen Finanzbörsen.

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Und die Moral von der Geschicht’?

Eine bessere Moral als die der anderen (Modelle) gibt es nicht

Über 40.000 Angestellte haben in den letzten Monaten an den Finanzplätzen in London und New York ihren Stuhl räumen müssen. Dass die meisten von ihnen nicht unbedingt wieder zurück möchten, ist bei dem arbeits(un)rechtlichen Ausmaß an Selbst- und Fremdausbeutung kaum verwunderlich. Und was dann?

Nach dem Exit aus der verhassten Branche und der beruflichen Stagnation folgt nicht selten auch die Depression in den Köpfen. Als Therapieform liegt neben der Verschwörungsschrift derzeit die Autobiografie im Trend. Sie ist nicht allein in der Literaturwissenschaft als Zwecks- und Gebrauchsform anerkannt, denn sie verhilft den Gegangenen nicht nur zur (un-)endlichen Selbstreflexion und Selbstthematisierung, sondern hält den Autor zunächst einmal im Alltag beschäftigt.

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Moderne Kunst als soziale Täuschung von Normalitätserwartungen

Kunstkommunikation und Kommunikation über Kunst in Museen

Es gibt Kunst und es gibt ausgestellte Kunst. Es gibt die Herstellung oder die Darstellung von Kunst, könnte man soziologisch naiv sagen. Denn die Unterscheidung von Herstellung und Darstellung ist eine analytische Trennung, keine räumliche, zeitliche oder soziale.[1] Ansonsten unterläge man dem epistemologischen Trugschluss, dass Künstler nur im Atelier ihre Kunst herstellten, und diese dann erst von anderen andererorts dargestellt würde. Herstellung und Darstellung laufen jedoch ungleichzeitig und ungleichmäßig parallel, sobald sie auf einen Beobachter treffen – sei es im Atelier oder in einer Ausstellung. Das gilt für den Beobachter, der durch ausgestellte Kunst kommuniziert und das gilt für den Beobachter, der über ausgestellte Kunst kommuniziert – also auch für die Autorin dieses Beitrages. weiterlesen

Das Eigenrecht der Hauptversammlung

Ein Vergleich zwischen der Nutzung von Stimmrechten und anderen Einflussmitteln zur Absteckung eines unbeachteten soziologischen Forschungsfeldes*

Kommunikation beginnt beim Verstehen. Es kann dabei nicht um richtiges Verstehen gehen, denn selbst einfach mal Klartext zu reden, bleibt eine psychische Utopie. Sie kann nur sozial, also kommunikativ fingiert werden. Der Anspruch authentischer Kommunikation konfrontiert nicht nur Autor und Publikum mit kognitiven Grenzen, sondern auch die Motive und Gedanken hinter der Mitteilung oder hinter dem Verstehen können nicht restlos geklärt werden.[1] Und wenn so zwangsläufig der Selbstinszenierungs- oder Manipulationsverdacht bei jeder Kommunikation mitläuft, machen sich Einzelne verdächtig, damit beeindrucken zu wollen, dass sie nun aber doch meinten, was sie sagten. Ein paradoxer Effekt: Wer sich also um Klartext bemühen muss, der hat anscheinend andere Gründe zu verbergen.[2] Diesmal mag sich das Eigenrecht der Situation danach zu Gunsten Herrn Seehofers wenden.[3] Es hätte jedoch auch ganz anders ausgehen können. Die nächsten Nachbemerkungen werden nicht mehr so leicht politisch ummünzbar sein, denn Wiederholungen sind selten noch authentisch.

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Was man am Goldman Sachs Skandal lernen kann

Über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Kommunikation von Lernfähigkeit

In Zeiten einer täglich neu ausgerufenen und diskutierten Finanzkrise (auf kriegsdeutsch: Finanzschlacht, Schuldenfeuer, EZB-Operation Bertha) ist der Informationsdruck hoch, um die Themenschwelle der Agenda zu überschreiten und gesellschaftliche Resonanz zu erzeugen. Resonanz im Mediensystem richtet sich nicht wie in der Politik nach bestimmten Konsenschancen versprechenden Entscheidungsvorhaben, sondern nach den sogenannten Nachrichtenfaktoren, zu dessen verbreitester Maxime wohl die Formel des only bad news is good news zählt. Schlechte Nachrichten für die Investmentbank Goldman Sachs war das öffentliche Kündigungsschreiben (Why I am leaving…) eines ehemaligen Mitarbeiters.

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Deine Meinung zählt! Massenmedien als riskante Meinungsmärkte

Gezahlt wird mit prekärer Aufmerksamkeit. Über Methoden, Gewinne und Verluste der eigenen Selbstvergewisserung

Überall wird nach Meinungen gesucht. Ob man den Supermarkt, die Universität, das Kirchengemeindehaus, das Museum oder das Bürgerbüro seiner Stadt betritt, irgendwo findet sich immer ein verstaubter Kummerkasten, ein zu langer Fragebogen oder ein unlesbares Gästebuch. Aber schon lange geht es hier nicht mehr nur um mitmachen und gewinnen, sondern sozial viel folgenreicher: um Achtung, Missachtung und Verachtung.

Früher kannte man Abstimmungsprozesse fast ausnahmslos vom letzten Wahlgang. Heute ist jeder Tag ein Wahltag. Nicht nur die Marktforschungsinstitute veröffentlichen fast täglich neue Stimmungsbilder und Produktbarometer. Im Netz wimmelt es von Befragungstools über den Rücktritt von Politikern, über den neuesten Hit, das coolste Outfit oder die günstigste Krankenversicherung. Während Wahl- und Parteienforschung regelmäßig über sinkende Wählerquoten und wachsende Politikverdrossenheit klagen, kann von Meinungsverdrossenheit keine Rede sein. weiterlesen

Burn-Out-Diagnosen

Zwischen Fremd- und Selbstausbeutung – Ein Plädoyer für eine dritte Beobachtungsebene und einen ersten Ausweg

Es sind die sadistischen Auszüge der modernen Leistungsgesellschaft, so die umlaufende Erklärung für die Diagnose eines neu bezeichneten Phänomens: Burn-Out. Eine Nation ist plötzlich ausgelaugt, überlastet und überfordert. Als Rezept gegen die neue Volkskrankheit wird ein Cry-Out verschrieben. Empört Euch! gegenüber einer geldgeilen Gesellschaft, die den kapitalistischen Raubbau an der Marke Arbeitskraft salonfähig gemacht hat.

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Spenden verpackt als moderne Kaufgeschenke

Winterzeit ist Spendenzeit. Aber was und wie spendet man eigentlich? Ob Geld- oder Sachspende, der Zweck soll im Helfen liegen. Und wie spendet man Hilfe?

Wer sich mit Spendenhilfe beschäftigt oder aufmerksamen Blickes Veränderungen in den Einkaufsstraßen seiner Stadt beobachtet, trifft neuer- oder späterdings auf das Phänomen Oxfam. Oxfam Shops sind laut Selbstbeschreibung Secondhand-Läden, in denen ehrenamtliche MitarbeiterInnen gespendete Waren sortieren, auspreisen und verkaufen. Die Frage Würde ich die Ware selbst kaufen? soll dabei ein hilfreiches Qualitätskriterium für die Sachspende sein. Zum Verkauf stehen neben Kleidung auch gebrauchte Bücher und Multimedia-Waren.

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