Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung


Stefan Schulz

Diplom-Soziologe aus Jena via Bielefeld in Frankfurt am Main. Kümmert sich promovierend um die Bauernfamilien des 12. Jahrhunderts mit ihrem Problem der erstmaligen "Kommunikation unter Unbekannten". Ist Volontär bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. stefanschulz.com (t, fb, G+)
Texte von Stefan Schulz
19.05.2012

So einfach wird es nicht


Wichtiger Text. Es gehört zur Dramatik historischer Entwicklungen, dass man sie nur rückwärts beobachten kann. Beim Blick nach vorn muss man sich entscheiden, für Hoffnung oder Befürchtung (oder man macht, wie Frank Rieger, beides – kommt immer ein bisschen auf die Kapazität an, die man fürs Denken hat (und damit meine ich für diesen Fall die Fläche an Zeitungspapier. ;)

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18.05.2012

Die Facebook-Ideologie #postprivacy


Na, das lief ja glänzend heute. Schon am ersten Tag ging die Facebook-Aktie in Stagnation über. Banken griffen stützend in den Handel ein, Facebook-Zulieferer mussten vom Handel ausgesetzt werden. Aus Anlass des Facebook-Spektakels erinner ich an die dazugehörige Ideologie “Post-Privacy”. Vor sieben Monaten erschien das dazugehörige Buch, ich schrieb damals eine Rezension, die nach langer Lagerung nun hier erscheint.

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13.05.2012

“Wir-sind-die-Privilegierten.de”

Ich wollte hier einen Text schreiben, über die Beobachtung, dass sich in der Piratenpartei zwar keine Eliten, aber doch ausschließlich Privilegierte tummeln. Privilegiert, weil sie horrende Buchhonorare haben, weil sie verbeamtet sind, weil sie ein 1,0-Abitur vorweisen können. Privilegiert aber auch, weil sie noch keine Familien gegründet haben, noch keiner berufsbedingten Organisationszugehörigkeit gerecht werden müssen. Und auch deswegen privilegiert, weil sie sich in Deutschland um die Grundsicherheit ihrer Bedürfnispyramide keine Sorgen machen müssen. Privilegiert, weil sie sich um die Folgen ihres Handelns nicht zu sorgen brauchen. Privilegiert, weil sie nichts zu verlieren haben.

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09.05.2012

Sozialtheoristenzeitung

Man hat ja so gerne was in der Hand, was haptisches, echtes, zum zusammenknüllen und in die Ecke werfen. Wir F.A.Z. Volontäre haben heute unsere ersten Zeitungsseiten von Grund auf selbst gebaut und gefüllt. Das Thema (wer braucht eins?) lautete “Kraut und Rüben”. Also habe ich im Sozialtheoristen-Textbestand nach Piratenstories gesucht. Verbaut sind das Interview mit Marina Weisband, der Text über Politik und Vertrauen und der über die Liquid-Feedback-Roboter. Es handelt sich um drei Texte mit 3787 Wörtern. Damit wäre auch eine für mich interessante Frage beantwortet: Würde man den gesamten Textbestand der Sozialtheoristen in F.A.Z.-Style übernehmen und drucken, würde man 54 Seiten füllen, also eine Samstags-F.A.Z.

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07.05.2012

Kleine Gehälter, große Fragen

Es geht ums Urheberrecht, doch die Bedürfnispyramide muss von Grund auf neu gebaut werden.

Es ist doch sehr widersprüchlich. Nun haben wir die Weblogs, Twitter, Podcasts, Youtube und – ganz neu – Google+Hangouts On Air, endlich lässt sich von allen alles überall sagen. Endlich ist das Echtzeitinternet keine Utopiechiffre mehr und dann entschuldigt sich Max Winde heute zum Einstieg in seinen F.A.Z.-Artikel dafür, dass auch er noch etwas zum Thema Urheberrecht beitragen möchte.

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02.05.2012

Ironie, Ideologie und Identität der Piraten

Die multiple Persönlichkeit des Nerds.

Als schwimmendes Vereinsmitglied, das sich über die Ertüchtigung hinaus engagierte, war ich mal als Kampfrichter bei einem Wettkampf mit Behinderten. Es schwammen Menschen ohne Beine, mit fehlenden Armen, Blinde und Taube gegeneinander. Es war ziemlich klar, worum es dabei ging. Niemand hat die sportlichen Ergebnisse ernst genommen, weil sie nicht zu vergleichen waren. Die Teilnehmer am Beckenrand haben diejenigen, die gerade schwammen, nicht angefeuert, sondern angemacht: “Beweg deine Beine!”, sagten sie zu denen, die keine hatten. “Mach die Augen auf!”, sagte man den Blinden.

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23.04.2012

Piratenzäsur

In schweren Zeiten darf man sich etwas gönnen.

Diese Piraten… Seit heute Nachmittag ist mein Text über die Piratenpartei, den ich für den Merkur schrieb, online verfügbar. Ich hatte jetzt also ein paar Stunden Zeit, um mir zu überlegen, wie ich ihn hier bewerbe und ich mache es wie folgt:

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13.04.2012

Fragen an Marina Weisband (Update)

Marina Weisband, noch politische Geschäftsführerin der Piratenbundespartei, äußert sich zum Verhältnis zwischen den Massenmedien und ihrer Partei. Allgemeiner Tenor: Die Piraten werden viel gefragt, bekommen aber kein Verständnis, weil Journalisten in alten Modi bleiben, die die Piraten für ungültig erklären. Sie sagt: “Auf der anderen Seite werden uns einfach nicht die richtigen Fragen gestellt.” Ok, die Piraten nutzen Technologie, sie wachsen schnell, usw. Ich bin seit kurzem Journalist und stelle Frau Weisband jetzt auf die Probe. Ich stelle ihr Fragen via dieser Website, also einer raum- und zeitüberbrückenden, alle Limitierungen sprengenden Technologie, ganz auf Piratenlinie. Es sollte doch gelingen, oder? (Es sind Fragen, die hoffentlich auch ohne Antworten für den Leser Sinn ergeben. Ich würde mich trotzdem über Antworten freuen!)

Update: Marina Weisband hat erfreulich und erstaunlich schnell auf die Fragen geantwortet. Ich habe sie aus ihrem Kommentar kopiert und den Fragen hier im Text direkt zugeordnet.
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01.04.2012

Paradox politische Partizipation

Ab morgen bin ich Journalist. Ich könnte also heute noch einmal den Soziologen heraushängen lassen. Vielleicht so: “Ihr wollt die Gesellschaft ändern – und gründet dafür eine Organisation?” “Ihr wollt die Realität der Zukunft ändern – und denkt euch jetzt ein Programm aus?” “Ihr wollt mit Inhalten überzeugen – und geht in Fernseh-Talkshows?” “Ihr wollt alle Bürger einbinden – und kümmert euch um Personenwahllisten?”

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30.03.2012

Jeder will Willy wählen!

Interessiert man sich für Schwarmverhalten, muss man das gleiche machen, wie wenn man sich für Netzwerke interessiert. Man geht irgendwo hin, wo sie sind und guckt zu, zum Beispiel vormittags auf einem Spielplatz, wenn dort ganze Kindergärten zu finden sind. Die Kinder sind die Schwärme und die Erwachsenen sind das Netzwerk.

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29.03.2012

Was weiß Google jetzt?

Ich mag Leo Laporte sehr. Ich weiß nicht, wie man die paar Sekunden oben sieht, wenn man ihn nicht kennt. Er ist ein vorbildhafter Moderator, der im richtigen Moment gute Fragen stellt, seine Gäste kennt, sein (gar nicht so) kleines Unternehmen mit Liebe fortentwickelt und immer nach guten inhaltlichen Argumenten sucht. Wie er sich in der gestrigen Twig-Ausgabe äußert, ist einfach vorzüglich.

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Wie wäre es mit Vertrauen?

Bei all den Lösungen, die diskutiert werde, werden Probleme übersehen. Diese Diagnose kann als die einzig richtige, heute gültige behandelt werden, weil sie inhaltlich so neutralisiert ist. Sie sagt nichts darüber, was ist, sondern nur, dass man es nicht weiß. Nun wird selbst die zeitgeistgegenwärtigste politische Partei gefragt, was in ihrem Programm steht, und anstatt die Frage mutig als absurd abzulehnen, gilt das alte Spiel, in welchem demnächst Inhalte versprochen werden, für eine Zeit, deren zukünftige Probleme erst recht unbekannt sind. Gibt es noch Vertrauen in Personen, Verfahren und Systeme? Wie viel Welt lässt sich einer Idee opfern, die fordert, Einblicke zu gewähren, aber nur aufzeigt, was man alles trotzdem nicht sieht? Warum qualifiziert man sich auch 2012 politisch noch mit Text und Phrasen, deren oberster Kritikpunkt ist, dass sie – wenn es dann tatsächlich darauf ankommt – nicht schnell genug vergessen werden können?

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26.03.2012

Wer braucht wozu und wieso überhaupt Piraten?

Zur Bundestagswahl 2009 waren die Piraten eher Protestbewegung als politische Partei, männliche Erstwähler wählten sie damals mit 13 Prozent. Nun, ein Jahr vor der nächsten Bundestagwahl, erweiterten sie das deutsche landesparlamentarische Parteienspektrum inzwischen um 19 Piraten-Abgeordnete. Aber: 94 Prozent der Menschen, die im Saarland tatsächlich Piraten wählten, bestätigen auf Nachfrage den Satz: “Die Piraten sind eine gute Alternative für die, die sonst gar nicht wählen würden”. Und 85 Prozent der Wähler, die tatsächlich Piraten wählten, sagen: “Man könne jetzt, da die Regierung praktisch schon feststeht, auch mal eine andere Partei wählen, die sonst nicht infrage kommt.” Es sind beeindruckende Zahlen.

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25.03.2012

Einhundert “Piraten zweiter Klasse”*

Vorhin gab es keinen Stream aus Münster vom Piratenparteitag zur Vorbereitung der Landtagswahl in NRW. Die Wahl der Landesliste soll geheim bleiben. Jeder Pirat vor Ort hat nun (bei dieser Etappe) 109 Stimmen, die er auf dem riesigen Wahlzettel frei verteilen darf.

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