Stefan Schulz

Diplom-Soziologe aus Jena via Bielefeld in Frankfurt am Main. Kümmert sich promovierend um die Bauernfamilien des 12. Jahrhunderts mit ihrem Problem der erstmaligen "Kommunikation unter Unbekannten" und ist heute Journalist. stefanschulz.com

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Nun, ich habe den Vortrag von Klaus verpasst. Gut möglich aber, dass das obige fünfminütige Video auf alle dort gestellten und behandelten Fragen Bezug nehmen kann, ohne auch nur eine Antwort zu liefern, bzw. ohne nicht jeweils drei weitere offene und wahrscheinlich unbeantwortbare Frage zu stellen.

Damit wenigstens die faktischen Grundlagen vorhanden sind: derPriinz ist ein Youtuber. Er filmt sich dabei, wie er erfährt, dass ihm bei Twitter @dagibee und @TheRealLiont folgen, die jeweils rund eine halbe Million Follower haben, die nun zum Teil auch dem kleinen Prinzen folgen. Mehr als eine Stunde war dem Schauspiel heute Mittag zuzuschauen. Der obige Ausschnitt zeigt zufällige fünf Minuten.

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Übers Internet reden!
Nur mit wem und wozu?

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Ich glaube, dass Felix Schwenzel lügt. Beziehungsweise vermute ich, dass der eine Satz einfach nicht stimmt. Schwenzel schrieb in ihm: „Die enttäuschten Hoffnungen sind auch das Thema von Andrew Keen, meinem Lieblingsinternetkritiker.“ Kann sein, dass Internetkritik eine popkulturelle Gattung ist, deren Werken man sich zuwendet, wenn man abends Netflix leergekuckt hat. Was Schwenzel eigentlich sagen wollte, ist glaube ich: „Man Leute, regt euch ab. Wir können jetzt in Deutschland amerikanisches Fernsehen gucken. Wenn ihr schon nervt, dann wenigstens so wie Andrew Keen. Wenn der auf die Bühne kommt, sind seine spontanen Anfälle noch wahrer und witziger als die Drehbücher von Boston Legal. Wenn ihr da nicht mithaltet, lasst die Finger vom Netz, geht lieber mit dem Hund raus.“

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Reden Sie nicht vom Terror, gehen Sie in Therapie!

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Wenn ich das Wort „Terror“ höre, denke ich dabei nicht an Flugzeuge, Karikaturen und Männer mit Bärten, sondern an das Gutenberg-Gymnasium. Das steht auch nicht in der großen weiten Welt, die nur durch das Fernsehen, Youtube und Twitter zu erreichen ist, sondern in Erfurt. Der Junge, der damals die Schule stürmte und sechzehn Menschen erschoss, war so alt wie ich. Es ist nicht schwer, zu verstehen, was die Morde bedeuten. Robert Steinhäuser fühlte sich um seine Biografie betrogen, also tötete er aus Rache und er hinterließ hunderte Opfer, an einem Tag, an dem sie einen der wichtigsten Schritte in ihrer Biografie gehen wollten, sie schrieben gerade ihre letzte Abiturprüfung.

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Matthew McConaughey

Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass ich diesen Trailer von „Interstellar“ in den letzten Monaten mehr als hundert mal gesehen habe. Christopher Nolan hat ein neues Thema gefunden, eigentlich das letzte, nach dem Wahnsinn („Memento“), dem Spiel („Dark Knight“) und dem Traum („Inception“) wendet er sich in „Interstellar“ der Flucht zu und damit der Menschheit, der Geschichte, der Welt – schlicht allem. Der Cliffhanger des Trailers ist, dass das Thema des Films auch die Hoffnung oder die Verzweiflung sein könnte. Diese Vermutung weckt einer von Nolans Lieblingen vor der Kamera, Michael Caine, der das vor Ewigkeit und für sie geschriebene „Do not go gentle into that good night“ vorträgt.

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Müssen wir noch einmal neu Lesen lernen?

Bill Gates 1984, erstmals auf dem Cover des Time Magazine.

Vor dreißig Jahren, im April 1984, war Microsoft-Gründer Bill Gates erstmals auf dem Cover des „Time Magazine“. Den Satz, den die Redaktion über das lächelnde Gesicht des damals Achtundzwanzigjährigen stellte, hätte sie ebenso vergangene Woche schreiben können: „Computer Software – Die Magie im Inneren der Maschine“. So gilt es bis heute: Unverstandene Mathematik, zur Magie verklärt, in ein uneinsehbares Inneres verbannt, den Maschinen untergeschoben. Kein massenmediales Infotainment hat an diesem Denken je etwas geändert. Stattdessen beginnt im Januar „CSI: Cyber“ und damit der nächste Versuch einer Verherrlichung angeblicher Allwissenheit tatsächlich omnipräsenter Computersysteme.

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“Nur die Dummen hoffen auf Frieden”

Zu viel Panorama!

Zu viel Panorama!

In den vergangenen Tagen kam mir auch mal die Idee, etwas zum Krieg zwischen Israel und Hamas zu schreiben. Nicht so sehr wegen der Angriffe, sondern wegen der moralischen Ausbeutung die das Thema mit sich bringt, auch, weil es inhaltlich wenig über den Ort des Geschehens zu berichten gibt. Man kann nicht einfach nach Gaza fahren, also machen es wenige. In Deutschland ist der Krieg ohnehin eher Angelegenheit für Kommentare als für Berichterstattung. Man kann also auch gleich zu alten Büchern greifen und das grundsätzliche Problem angehen: Die Fragen des Wollens und Dürfens sind immer auch moralische. Nur zur Ansichtssache werden sie dadurch nicht automatisch.

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Schreiben und Denken

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung widmet Frank Schirrmacher morgen viele, viele Texte, um zu beschreiben, was wahr ist: Schirrmacher war ein freier und glücklicher Denker, aber er wird sein ganz spezielles Feuilleton nicht mehr täglich durchrütteln und er fehlt schrecklich. Nicht nur in den aus der Redaktion geschriebenen Texten taucht dabei immer wieder die Beschreibung einer verspielten, kindlichen Seite Schirrmachers auf. Wahrscheinlich aus Ehrfurcht ist mir das nie bewusst geworden, rückblickend wahrscheinlich, weil es sein kann, dass er mit dem Wissen über seine Wirkung auf andere gespielt hat, in seinen Texten, aber auch in Gesprächen. Alles, was er sagte, war ernst zu nehmen. Selbst wenn er wollte, hätte er sich nie davon lösen können, Frank Schirrmacher zu sein, vor allem ihm gegenübersitzende Volontäre oder Hospitanten hätten das niemals zugelassen, man hätte gar nicht gewusst, wie.

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Wer bürgt für unsere digitale Identität?

Facebook kennt alle Menschen auf der Welt, sogar diejenigen, die selbst keinen Facebook-Account mehr haben. Aber wohin soll Facebook als nächstes wachsen? Was soll es mit dem Wissen anfangen?

Als Mark Zuckerberg in der vergangenen Woche vor Entwicklern über das kommende Jahrzehnt von Facebook sprach, führte der Erbauer seines ärgsten Konkurrenten, Google Plus, Bewerbungsgespräche. Vic Gondutra hatte eine Woche zuvor Google verlassen, wiederum einen Tag nachdem Facebook Rekordzahlen verkündete: 1,23 Milliarden aktive Nutzer bedeuten 160 Milliarden Dollar Unternehmenswert. Auf Facebook tobt das Leben. Google Plus dagegen gilt als Geisterstadt. Doch das so einheitliche Bild, das Beobachter daraus ableiteten, ist nicht vollständig, geschweige denn richtig. Mark Zuckerberg weiß, dass das Wachstums seines Unternehmens, anders als Googles, in Amerika an ein Ende gelangt ist. Deswegen hat er höheres, geradewegs Hoheitliches vor.

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Die weltweit beste Popmusik aller Zeiten

“Laserkanonaden, Kulissenparaden und Lautsprecherexplosionen” sind was für Loser, die große Bühne aber ist zeitgemäß: Emeli Sande in der Royal Albert Hall

Bei Deutschland sucht den Superstar war heute ein junger Mann, der leider nicht nur kein Talent im Gepäck hatte, sondern auch kein tragisches, ausbeutbares, persönliches Schicksal. Worum ging es also in den zwei Minuten, die jeder Depp, der vor Dieter Bohlen vorstellig wird, publikumskompatibel zu bewältigen hat: Er erzählte von dem Schicksal des Jungen, den er als Zivildienstleistender betreute. Ach was, er erzählte davon; richtiger wäre: er nutzte – angeleitet von RTL oder welchen Produktverantwortlichen auch immer – das Schicksal dieses Jungen, der im Rollstuhl sitzt und kaum in der Lage ist zu sprechen, aus, indem er ihn auch noch vor die Kamera holte, damit auch alle verstanden, wie traurig die Geschichte ist, die er sich da kurz mal ausborgte.

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Was die Älteren so denken

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„Ob man mit ihnen über Demokratie, Gesetze oder allgemeine Politik spricht, im Vergleich zu den jüngeren, sind ältere Heranwachsende besser informiert, sie haben einen weiteren Blick auf schwierige Sachverhalte und — was bereits ihre höheren integrativen Komplexitätswerte anzeigen — sie verfügen über die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven miteinander zu vereinbaren.“ Zu dieser hochtrabend formulierten aber nichtssagenden Einsicht kommt die amerikanische Entwicklungspsychologin Constance Flanagan am Ende eines Buches, in dem sie sich mit jungen Menschen beschäftigt, die schon viel von der Gesellschaft verstehen, aber noch zu jung sind, an Wahlen teilnehmen zu dürfen.

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Emanzipation, ja! Aber nicht immer nur die der Frauen

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Im Grunde, da will ich mich gar nicht drüber beschweren, habe ich nichts gegen das gängige Unvermögen von Menschen – von dem ich auch betroffen bin – die Welt so zu sehen, wie sie ist, sodass man möglichst wenig ins Stolpern gerät. Es ist schließlich, so empfinde ich es, ehrenvoll, ständig nicht nur des Namens, sondern auch der Person beraubt zu werden, wenn an deren Stelle der gute Name der F.A.Z. stehen kann. So läuft es, es ist tatsächlich egal, was man schreibt. Es geht, wenn darüber gesprochen wird, immer darum, was die F.A.Z. sagt, denkt und plant. Gegen diesen Modus der Beobachtung habe ich absolut nichts einzuwenden.

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Fröhlicher Jahresausklang

Vielleicht war 2013 das letzte fröhliche Jahr, zumindest das letzte, das nach vorgeschriebener Fröhlichkeit funktioniert. Es ist jedenfalls kaum vorstellbar, dass in einer Ecke noch jemand sitzt an dem die Verheißungen des Solutionism vorbeigingen. Für 2014 dürften wir alle hinreichend desensibilisiert sein. Und die Werbemenschen werden nach ihrem Ministorytelling auch keine Asse mehr im Ärmel haben – kein Wunder das Apples Jahresausklangsclip “Misunderstood” heisst…

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