<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sozialtheoristen &#187; Kunst</title>
	<atom:link href="http://sozialtheoristen.de/category/horizontal/kunst/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://sozialtheoristen.de</link>
	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
	<lastBuildDate>Mon, 06 Feb 2012 09:48:53 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Gespräche über Kunst</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2011/06/20/gesprache-uber-kunst/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2011/06/20/gesprache-uber-kunst/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 20 Jun 2011 08:48:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=1860</guid>
		<description><![CDATA[Über Kunst kann man schlecht sprechen. Es verbietet sich beinah per Definition und auch wir trauen uns hier recht selten, etwas kluges zu Kunst zu sagen. Es soll daher nur kurz die Überraschung geteilt werden, dass es doch gelingen kann. Wie in folgendem Video. via Peter Glaser.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über Kunst kann man schlecht sprechen. Es verbietet sich beinah per Definition und auch wir trauen uns hier recht selten, etwas kluges zu Kunst zu sagen. Es soll daher nur kurz die Überraschung geteilt werden, dass es doch gelingen kann. Wie in folgendem Video.</p>
<p><object width="550" height="343"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/K2jFs2StW6o?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/K2jFs2StW6o?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" width="550" height="343" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>via <a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/kunst/2011/06/20/was-ist-kunst-das-hier-das-hier-ist-einfach-umwerfend/">Peter Glaser</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2011/06/20/gesprache-uber-kunst/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Politische Reflexion im Wohlfahrtsstaat</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2011/03/17/politische-reflexion-im-wohlfahrtsstaat/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2011/03/17/politische-reflexion-im-wohlfahrtsstaat/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 13:52:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe_Stefan]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=1322</guid>
		<description><![CDATA[“Die Politik stößt gegenwärtig an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Die Illusionen des Wohlfahrtsstaates zerbrechen, seine ungewollten Nebenfolgen konterkarieren längst seine guten Absichten: Der Wohlfahrtsstaat gerät zwischen die Mahlsteine der Probleme, die er selbst verursacht. Die Politik re(a)giert ratlos.” So steht es seit 30 Jahren auf der Rückseite eines der sonderbarsten Texte der politischen Soziologie, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1325" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2011/03/Unbenannt-16.jpg" alt="" width="550" height="308" /></p>
<p>“Die Politik stößt gegenwärtig an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Die Illusionen des Wohlfahrtsstaates zerbrechen, seine ungewollten Nebenfolgen konterkarieren längst seine guten Absichten: Der Wohlfahrtsstaat gerät zwischen die Mahlsteine der Probleme, die er selbst verursacht. Die Politik re(a)giert ratlos.” So steht es seit 30 Jahren auf der Rückseite eines der sonderbarsten Texte der politischen Soziologie, das Niklas Luhmann mit dem Titel “Politische Theorie im Wohlfahrtsstaat” schrieb.</p>
<p><span id="more-1322"></span>Es bietet sich förmlich an, dieses Zitat mit den gesell. Erfahrungen der letzten 30 Jahre inhaltlich zu dramatisieren. Zur Plausibilisierung und Aktualisierung reicht es allerdings, auf drei ergänzende Strukturmerkmale moderner Politik hinzuweisen. Erstens: Eine (formale, folgenreiche) politische Entscheidung, sei es im Parlament, im Kanzleramt oder in einer Parteizentrale orientiert sich normativ an der Idee der Herstellung oder Beibehaltung des Gemeinwohls. Sie setzt sich damit ein Ideal, an dem sie stets und zwangsläufig scheitert, weil selbst das demokratische Prinzip &#8211; der Mehrheit &#8211; in jeder Entscheidung eine enttäuschte Minderheit hinterlässt. Zweitens: Durch politische Entscheidungen outen sich politische Akteure und Institutionen als zuständig. Durch die Politisierung von Themen und das Zuspitzen auf Entscheidungen werden alle Konsequenzen ursächlich der Politik zugeschrieben. Drittens: Durch die Unterscheidung von Regierung und Opposition findet die enttäuschte Minderheit des Publikums eine Adresse <em>in</em> der Politik, nämlich die Opposition, die ihrerseits durch Themensetzung (bzw. Themenpolitisierung) die Regierung in ständigen Entscheidungsdruck versetzt.</p>
<p>Alle drei Merkmale (die ebenfalls bei N. Luhmann nachzulesen sind) zusammengenommen führen zu der Diagnose des Anfangs: Die Politik <em>wird getrieben</em> von einem Themen-, Problem- und Entscheidungsstrudel, der weder gebremst noch kontrolliert, erst recht nicht gesteuert werden kann. Nur eines lässt sich feststellen, die Ursache dieser Blockade durch Überlastung ist die Politik selbst, nicht ihr Alltag, nicht ihr Personal, sondern ihr Prinzip.</p>
<p>Sprung ins F.A.S.-Feuilleton vom letzten Sonntag. Hier wartet Frank Schirrmacher mit folgender Diagnose auf: “Die politische Macht, die wirkliche Macht, hat ein neues Instrument entdeckt: Sie schweigt. Die unglaubliche Fülle an stündlich neu einströmenden Informationen verdeckt diesen Sachverhalt immer mehr: Im Auge des Orkans wird nicht geredet, nicht bekannt, nicht diskutiert. Angela Merkel, die vernetzteste Kanzlerin aller Zeiten, ist dafür das Symbol.”</p>
<p>Inhaltlich sind die feuilletonistische und die soziologische Diagnose deckungsgleich. Die Politik verstrudelt sich in einem Orkan, der bislang keine Auswege aufzeigt, sondern gerade noch eine Möglichkeit lässt: Schweigen. Angela Merkel hat sich im Auge des Orkans eingerichtet – sie thematisiert und entscheidet nicht. Aber, bei N. Luhmann handelt es sich um die Folge eines gesellschaftlichen Problems bei Schirrmacher um eine Ursache. Mit dem Schweigen der Politik verschwieg ebenso die politische Literatur. Sie wandte sich anderen Themen zu.</p>
<p>Beide Texte verstehen sich als Plädoyer. Schirrmacher fordert die Literatur auf, sich in die mühseligen Niederrungen der politischen Wirklichkeit hinabzulassen, Luhmann fordert, auf seine zurückhaltende Weise, eine wirklichkeitsgetreue politische Theorie.</p>
<p>Mir fehlt beinah jeder Wissens- als auch Gefühlszugang zur Literatur, die vor 30 Jahren mit sich und der Politik ihre Kämpfe austrug. Dennoch sind Schirrmachers Ausführungen allzu gut verständlich: Die schweigende Politik <a href="http://www.youtube.com/watch?v=v_Jrqf_VaU4">schwätzt</a> und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=x6N44ipUoGw">schwätzt</a> und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=UXGRYaYxe1A">schwätzt</a> (der letzte Link gefällt mir besonders, wegen der „verschärft gesteigerten“ Sicherheit) und niemand möchte ihr Zuhören, geschweige denn noch reflektierend Tiefbohren. Die Politik bietet für Literatur weder Schlacht- noch Übungsfeld – viel eher kann ich jeden Autor verstehen, der mit seinem Werk eine Weltflucht, für sich und seine Leser, anbietet, statt im politischen Tagesgeschäft klare, kritisierbare Linien ausfindig zu machen und tätig zu werden.</p>
<p>Vielleicht haben die Literaten erkannt, dass sie, wenn sie sich der Politik zuwenden keine Adressen für visionäre Hinweise finden, sondern erstmal die aktuelle Verwaltungsohnmacht beschreiben müssten. Europa befasst sich praktisch nur noch mit der Nachregulierung des selbst geschaffenen Ausnahmezustands. Belgien stellt jeden Tag einen neuen Weltrekord in Regierungslosigkeit auf und jedes europäische Land, außer Deutschland, Frankreich, England, ist abhängig von politischen Entscheidungen, die irgendwo aber nicht in der eigenen Hauptstadt getroffen werden. Wie kann man die Literatur motivieren, Ideen vorzulegen, die letztlich niemanden konstruktiv beeindrucken können?</p>
<p>Glücklicherweise ist meine Fragestellung falsch. Und es lohnt sich, nicht nur die Literatur im Blick zu haben, sondern den ganzen Bereich zwischen politischer Theorie und politischer Literatur. Wenn man begrifflich und konzeptionell fein differenziert erhellt man eine Unterscheidung von der Politik und dem Politischen. Ebenso erhellend ist der Unterschied von Literatur und anderer Kunst. Wenn auch die politische Literatur ihren Antrieb, Anlass und Auftrieb verlor, so ist damit noch recht wenig über die politische Reflexion im Wohlfahrtsstaat insgesamt gesagt.</p>
<p>In Weimar werden beispielsweise <a href="http://www.nationaltheater-weimar.de/frontend/index.php?page_id=52&amp;v=repertoire_list&amp;sp=28&amp;mid=22">politische Reden</a> demnächst wieder im Theater gehalten. Die Redner gehören dabei fast ausschließlich zum politischen Publikum. In Amerika erklomm, zwei Jahre vor Obama, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_West_Wing">Senator Matt Santos</a> den Gipfel der Macht – nur fiktiv, kann man jetzt sagen, aber <a href="http://www.imdb.com/title/tt0745691/">die Fiktion war teilweise so real wie die politische Wirklichkeit</a>. Als drittes Beispiel genügt an dieser Stelle ein Hinweis auf den Internethumor, der sich – beispielsweise in meiner Twitter-Timeline – als ebenso kreativ-künstlerisch wie politisch erweist. Jedes dieser Formate befasst sich mit Alltag und Vision des Politischen auf seine Weise. Per sachlichem Ernst, emotionaler Performance oder spontanem Humor – immer mit einer ordentlichen Portion politischer Wirklichkeit.</p>
<p>Vielleicht gibt es also keinen Grund, allzu schwarzmalerisch zu sein. Die Politik ist, grob gesprochen, kaputt. Sie hat jeglichen, nach vorn gerichteten Gestaltungsspielraum verloren und reagiert nur noch im Hinblick auf Lobby-, Wähler- und Richterpublikum ohne selbst inhaltlich konstruktiv vor- und einzugreifen. Politische Entscheidungen sind praktischerweise nur noch das Abnicken von Beschlussvorlagen, deren inhaltlicher Gehalt in den Tiefen der ministerialen Verwaltung erarbeitet, oder gleich aus den EU-Institutionen importiert wird – niemand kann mehr ernsthaft von sich behaupten, die „Richtlinienkompetenz“ zu haben.</p>
<p>Kleiner Exkurs: Gregor Gysi hielt vorhin eine Bundestagsrede zur Fukushima-Katastrophe. Ohne den Nachhall abzuwarten, lässt sich jetzt schon sagen, dass seine Forderungen nach sofortigem Ausstieg aus der zivilen und militärischen Atomkraft und der staatlichen Regulierung des Strompreises ihre natürliche, instinktive aber intelligenzbefreite Kritik hervorrufen wird. ‚Er ist der Linke, er will den Sozialismus‘. Doch könnte man ebenso sagen, die Forderungen von Gysi sind keine linken, realitätsfernen Forderungen, sondern es ist die letzte Form von praktischer Politik, die sich noch nicht komplett selbst aufgegeben hat. Die LINKE ist die einzige Fraktion im Bundestag, die noch mit einen konstruktiven statt allein regulativen Anspruch Politik betreiben möchte. Sie ist, in gewisser Weise, die letzte Fraktion, die überhaupt noch Politik macht. Exkurs Ende.</p>
<p>Jetzt stellt sich die Frage, wie eine politische Reflexion im Wohlfahrtsstaat überhaupt noch gelingen kann. Die politische Theorie hat es in den letzten 30 Jahren nicht geschafft, der Wirklichkeit gerecht zu werden. Zwar gibt es Theorien, mit denen man auf der Höhe der Zeit ist – doch sie werden vom akademischen Aktionismus verdeckt, der als „Politikwissenschaft“ in den letzten Jahrzehnten Einzug gehalten hat aber eines eigentlich nicht ist: Politik reflektierende Wissenschaft. Viel eher hat sich die Politikwissenschaft ebenso im Alltag verloren, wie die Politik selbst. Man kann es in fast jedem Graduiertenkolleg programmatisch nachlesen. Und auch die literarischen Stolpersteine verloren ihre Wirkung, weil es am aufrechten Gang der Politik fehlt. Sie stolpert ohnehin nur noch, auch ohne intellektuelle Herausforderung.</p>
<p>Vielleicht reicht es, der politischen Theorie und Literatur ihre Zeit zu geben, sich an die neuen Sachlagen anzupassen. Es ist jedenfalls nicht vorstellbar, dass die <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518294180/ref=pd_lpo_k2_dp_sr_2?pf_rd_p=471061493&amp;pf_rd_s=lpo-top-stripe&amp;pf_rd_t=201&amp;pf_rd_i=3476018989&amp;pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&amp;pf_rd_r=0ZH4MK37AMM0RW5C6K0C">Geschichte des politischen Denkens</a> plötzlich aufhört. Viele Beiträge, die <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/29123.html">das Verschwinden der Politik</a> beschreiben, sind schlicht falsch (oder nicht zu Ende gedacht, mindestens aber merkwürdig argumentiert). Die Politik, die sich seit 2008 im sachlichen Ausnahmezustand befindet und seit Fukushima zum Handeln gezwungen ist, wird sich verändern und mit ihr die Form der politischen Reflexion.</p>
<p>Und bis alles wieder Tritt gefunden hat, hilft die Reflexionsform, die ebenso liquide, sprunghaft und spontan an die Wirklichkeit angepasst werden kann wie früher die Literatur: das Kabarett. Zwar zeichnet sich das Kabarett durch zwei wenig ermutigende Merkmale aus: Es ist nicht konstruktiv und seine Wirkung verweht mit dem Applaus. Doch das heutige Kabarett verwischt die Grenze zwischen Bühne und Publikum. Das Kabarett findet <a href="http://www.google.de/webhp?sourceid=chrome-instant&amp;ie=UTF-8&amp;ion=1&amp;nord=1#q=pro+guttenberg+demo&amp;hl=de&amp;prmd=ivns&amp;source=lnms&amp;tbs=vid:1&amp;ei=6OeBTdOkOM-84AbZqoTDCA&amp;sa=X&amp;oi=mode_link&amp;ct=mode&amp;cd=3&amp;ved=0CBYQ_AUoAg&amp;fp=6a916b6e7033bcc6&amp;ion=1">auf der Straße</a> oder durch Twitter: in der eigenen Handfläche statt und jeder der teilnimmt, steuert bei. Viele der Tweets die ich den ganzen Tag lese würde ich als Literatur qualifizieren, obwohl die Textmasse zwischen den Pointen fehlt – doch diese ist einfach auch nicht nötig, weil die Zeit zwischen den Pointen mit Wirklichkeit aufgefüllt wird – und die Pointen funktionieren trotzdem oder gerade deswegen.</p>
<p>Um es ganz optimistisch zu sagen: Noch nie waren das Politische und die politische Reflexion so eng miteinander verwoben, wie heute. Schirrmacher hat recht, wenn er sagt, die Politik redet nicht über unsere Köpfe hinweg, sondern in sie hinein. Aber, es fehlt mit der Literatur, die sich einmischt, eben nur „eine“ reflektierende Stimme.</p>
<p>Umso länger der Text wird, desto mehr wird es ein Twitter-Plädoyer. ;-) Wobei Twitter immer weniger konkret Twitter meint, sondern als Chiffre die neuen Möglichkeiten bezeichnet, die anscheinend (jetzt) wirklich revolutionäres Potenzial haben. Jedenfalls zeigt sich, nicht nur bei mir, dass die Möglichkeiten der Alltagsbegleitung durch Twitter Einfluss auf das Politischsein an sich haben. Statt Sprach- und Fassungslosigkeit bestimmen neuerdings Zuversicht und Haltung den Alltag des politisch Ausgelieferten – und somit besteht auch Aussicht auf neue Konstruktivität. Und es begründet sich auch eine gehörige Portion Hoffnung darin, dass alles noch in den Kinderschuhen steckt. Ich kenne zwar niemanden, der versteht was <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/14843.html">Giorgio Agamben hier schreibt</a>, doch der Titel  – „Die kommende Gemeinschaft“ – scheint der richtige zu sein.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/mallix/2586969604/in/photostream/">mallix</a> &#8211; mit interessanter Bildunterschrift)</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2011/03/17/politische-reflexion-im-wohlfahrtsstaat/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>These zur amerikanischen Religiosität</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/11/07/these-zur-amerikanischen-religiositat/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/11/07/these-zur-amerikanischen-religiositat/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 07 Nov 2008 21:06:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Religiosität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=274</guid>
		<description><![CDATA[Da schrieb ich gestern noch: Ähnliche Verständnisschwierigkeiten haben wir, wenn wir uns anschauen, wie religiös Amerika ist und wie sehr die Religion die Politik beeinflusst, obwohl es kaum ein Land gibt, dass die Säkularität ernster nimmt. Das scheint tatsächlich so paradox zu sein, dass allein ein schnell hergeleiteter Ansatz fehlt, das zu erklären. Fällt es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da schrieb ich <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/11/06/argumente-fur-begrundete-hoffnung-beim-blick-uber-den-atlantik/">gestern</a> noch:</p>
<blockquote><p>Ähnliche Verständnisschwierigkeiten haben wir, wenn wir uns anschauen, wie religiös Amerika ist und wie sehr die Religion die Politik beeinflusst, obwohl es kaum ein Land gibt, dass die Säkularität ernster nimmt.</p>
<p>Das scheint tatsächlich so paradox zu sein, dass allein ein schnell hergeleiteter Ansatz fehlt, das zu erklären.</p></blockquote>
<p>Fällt es mir heute, beim <a href="http://www.arte.tv/de/Willkommen/woche/244,broadcastingNum=954605,day=7,week=45,year=2008.html">Fernsehen gucken</a>, wie Schuppen von den Augen. Es gibt tatsächlich eine Erklärung, die den amerikanischen Pragmatismus und die extreme Religiosität zufrieden stellend fassen kann.</p>
<p><span id="more-274"></span></p>
<p>In der verlinkten Reportage führt Woody Allen durch die amerikanische Kulturpolitik und befördert für Europäer Erstaunliches zu Tage. Es gibt keine Kulturpolitik in Amerika. Gleich zu Anfang wird ein Ausschnitt einer Rede von Jimmy Carter gezeigt, in der er sich erfreut darüber zeigt, dass das amerikanische Volk die Sache mit der Kultur und der Kunst selbst in die Hand nimmt. Im weiteren werden zwei Aspekte betont. Erstens, die Kultur ist, seien es Museen, Theater, Festivals oder Weiteres eng mit dem Volk verbunden. Es gibt kaum öffentliche Fördertöpfe aber ein riesiges Netzwerk an Künstlern und Kunstkonsumenten, die über Nacht Millionen Dollar an Privatspenden oder tausende Beschwerdebriefe an Politiker organisieren können. Zweitens werden Künstler gezeigt, die darunter leiden, dass sie zu sehr von ihrem Publikum abhängig sind, dass sie sich nicht ausleben können und das sie sich, um überhaupt künstlerisch tätig sein zu können, zu sehr dem Mainstream verschreiben und nebenher in zwei einträglicheren Berufen arbeiten müssen.</p>
<p>Es zeigt sich also auch beim Blick auf die Kunst ein Pragmatismus, der in dem Fall der gesellschaftlichen Funktion von Kunst im Wege steht. Kunst kann gesellschaftliche Zustände verzerrt, also als anders möglich darstellen. Sie kann provozieren, inspirieren, das Gehirn fordern und fördern. Sie kann ein Spiegel der Gesellschaft sein, der zu offensichtlich Verstecktes freizügig präsentiert. Das kann die Kunst aber umso besser, je weniger sie von ihrem Publikum und deren Geldbeutel abhängig ist.</p>
<p>In Europa begann bereits Shakespeare damit, das Publikum mehr zu verwirren, als zu unterhalten. In Hamlet wird auf der Theaterbühne Theater gespielt, und die Protagonisten sehen sich in ihrem Theaterstück selbst, während das reale Publikum den Protagonisten als Publikum auf der Bühne dabei zusieht, wie es sich selbst zusieht. Das ist heute, da wir darüber reden können, noch großartiger als es damals war. Wenn er vom Geld des Publikums abhängig gewesen wäre, hätte er komplett unlösbare Geldschwierigkeiten gehabt und auf dem Feld gearbeitet.</p>
<p>In Europa ist es auch nicht unüblich, das Bühnenstücke 5h dauern. Selbst über zwanzigstündige und längere Aufführungen stößt man zuweilen. Und falls nicht die Länge überfordert, ist es die Ekelhaftigkeit in der Darstellung, die manchmal dazu führt, das Unvorbereitete den Publikumsraum schreiend verlassen. Gleichsam kann man aber in Europa Kunst finden, die wirkt als wäre sie für einen höchstpersönlich geschaffen.</p>
<p>Es ist nicht schwierig, sich in Europa vom Alltag abzulenken. Ein einfacher Gang ins Museum oder Theater genügt. Und Museen und Theater gibt es an jeder Ecke. Es ist eine Nachwirkung der einstigen Kleinstaaterei, das es beispielsweise in Thüringen in jedem 30.000 Einwohnerstädtchen mindestens ein Theater und in Großstädten unzählige gibt.</p>
<p>In Amerika ist das alles nicht so. Museen und Theater mit Niveau gibt es nur in Ballungsräumen oder traditionsreichen Universitätsstädten. Und das, was dort geboten wird, ist aus europäischer Perspektive nur sensationell. An New York lässt sich das verdeutlichen. Im MoMA gibt es nur großartige Kunst. Dabei handelt es sich entweder um europäische Importe oder farbenfrohe Basteleien von Andy Warhol. Alles, was dort an Bildern hängt, kennt man bereits vorher aus Büchern und von Fotos. Keine endlosen Gänge wie im Louvre, in denen man sich ohne Weiteres in tausenden Exponaten aus Zentralafrika oder Indonesien verlieren kann. Was in New York auf den großen Musicalbühnen stattfindet, ist so pompös, dass man kaum Zeit und Kapazität hat, über den Unterhaltungsaspekt hinaus zu schauen &#8211; das Erlebte verschwindet so schnell, wie es hervorpreschte, und bleibt dabei ziemlich anspruchslos.</p>
<p>Wer in Amerika dem Alltag entfliehen will, und sich mit Grübeln nicht zufriedengibt, kann nicht auf ähnlich einfache Weise losziehen und sich in dem Massenangebot der Künstler verlieren. So sehr die Nachfrage danach ist, es gibt schlicht kein Angebot, das über die pure Unterhaltung hinausreicht. Wer „das andere&#8221; erfahren will, findet es eher in der Kirche. Dort kann man in der Masse zu sich selbst finden. Die Religion leistet den Alltagsausgleich, den in Europa die Kunst übernimmt.</p>
<p><em>Eine Ausnahme ist der Film. Allerdings scheint das auf das besondere Verbreitungsmedium zurückführbar. Ein Film zu zeigen ist nicht besonders aufwändig, er findet schnell ein Massenpublikum &#8211; so konnten sich in Hollywood immer ohne Probleme gesellschaftskritische, fantastische oder abwägig-fiktionale Spartenfilme durchsetzen.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/11/07/these-zur-amerikanischen-religiositat/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

