<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sozialtheoristen &#187; Kunst</title>
	<atom:link href="http://sozialtheoristen.de/category/horizontal/kunst/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://sozialtheoristen.de</link>
	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
	<lastBuildDate>Sat, 19 May 2012 13:37:40 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
		<item>
		<title>Bis zum bitteren Ende</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/05/05/bis-zum-bitteren-ende/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2012/05/05/bis-zum-bitteren-ende/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 05 May 2012 19:52:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henrik Dosdall</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=3838</guid>
		<description><![CDATA[16 eigene und 15 „geklaute“ Lieder. Fast durchgehend positives mediales Echo und eine Resonanz in den deutschen Zeitungen, die der letzten Veröffentlichung eines der so genannten deutschen Urgesteine- das Mal aber aus Berlin (aus Berlin), nicht aus Düsseldorf- in nichts nachsteht. Und während die Ärzte in einer der letzten, im freien TV empfänglichen, Harald Schmidt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left"><img class="aligncenter size-medium wp-image-3844" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/05/81JJtMbMUBL._AA1400_3-550x550.jpg" alt="" width="550" height="550" /></p>
<p style="text-align: left">16 eigene und 15 „geklaute“ Lieder. Fast durchgehend positives mediales Echo und eine Resonanz in den deutschen Zeitungen, die der letzten Veröffentlichung eines der so genannten deutschen Urgesteine- das Mal aber aus Berlin (aus Berlin), nicht aus Düsseldorf- in nichts nachsteht. Und während die Ärzte in einer der letzten, im freien TV empfänglichen, Harald Schmidt Sendungen ihren legendären Auftritt aus dem Jahre 1999 fast noch toppen, redet Campino lieber mit der <a href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/campino-im-gespraech-ich-will-euphorie-und-niederlage-spueren-11737339.html">FAZ</a> über Günther Grass und Fußball.</p>
<p><span id="more-3838"></span></p>
<p>Die Wahrnehmung beider Bands könnte indes unterschiedlicher nicht sein. Wurzeln beide Bands in der Idee „Punk“, die – wie man wiederum an beiden Bands ablesen kann – keineswegs so einheitlich ist wie es der Name Glauben machen möchte, so kristallisieren sich heute trotz „gemeinsamer Herkunft“ doch deutliche Unterschiede heraus. Während man den Hosen nachsagt, sie betrieben ihr Alterswerk und versuchen in Würde zu altern, wird den Ärzten immer wieder gerne unterstellt, dass sie schlicht und ergreifend Berufsjugendliche seien, die ihren Zenit überschritten haben. Tatsächlich lässt sich bei den Ärzten – nehmen wir „Jazz ist anders“ einmal aus – an und für sich fast keine Veränderung feststellen. Zwar wildert man heute mehr als früher – sicherlich auch der wachsenden musikalischen Kompetenz geschuldet &#8211; in angrenzenden Musikstilen. An der Grundausrichtung, Ironie gegenüber allem und insbesondere gegenüber Beziehungsthemen zu besingen, und sich dabei im gleichen Atemzug auf den Arm zu nehmen, hat sich allerdings nicht viel geändert. Anstatt zu versuchen, dies zu erklären, zitiert man lieber den weisen <a href="http://www.rollingstone.de/reviews/alben/article288272/die-aerzte-auch.html">Rolling Stone</a>, der es prägnant auf den Punkt bringt: „Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum die Ärzte von vielen nicht gemocht werden: Man fühlt sich schnell zu alt für sie. Obwohl man’s gar nicht ist. Wenn jetzt noch einer sagt, das könnte doch Punk sein – dann hat er vielleicht sogar ein bisschen recht.“ Und vielleicht ist der charakteristischste Unterschied zu den Hosen dann auch der, dass One Night Stands bei Campino überm Klo (Zwei Drittel Liebe) enden und bei Farin wahlweise an Transvestiten oder vorzeitigen Samenergüssen scheitern (N 483).</p>
<p>Verlassen sich die Ärzte wenn nicht immer auf Humor so doch meist auf Ironie – die ein beständigeres Fundament bildet als der kontinuierliche Versuch witzig zu sein -, laufen die Hosen immer noch eher dann zur Höchstform auf, wenn sie sich Themen widmen, die man mit dem so genannten heiligen Ernst behandeln kann – sei dies nun Fußball oder aus dem Fußball abgeleitete Lebensweisheiten (Auswärtsspiel). Auch dieser Ernst ist sicher nicht immer ernst gemeint, scheint aber eine Form von Ironie zu sein, die der Band eher liegt, da weniger offensichtlich. Ausflüge ins humoristische misslingen oftmals: „Linkin spielen am Park/und wir am Ring“. Stark sind die Texte besonders dann, wenn sie sich ohne ins platitüdenhafte abzudriften ernsthafter Themen annehmen – dem Flüchtlingsproblem Europas (im gleichnamigen Song) oder aber der schwierigen Beziehung Campinos zu seinem Vater (Draußen vor der Tür).</p>
<p>Das charakteristische der Hosen ist dabei schwer zu fassen. Wahrscheinlich kann man, so man sich denn darauf einlässt, die Authentizität der Band nur schwerlich ignorieren. Sich über Jahrzehnte jedes pseudo-coolen Rockstargehabes enthalten zu haben, im 30sten Jahr und längst finanziell so unabhängig wie man als deutschsprachiger Künstler nur irgendwie werden kann, wieder eine<a href="http://www.dietotenhosen.de/dtd/der-tag-danach.html"> Magical Mistery Tour</a> zu machen und von sich behaupten, dass man statt Kunst wohl doch eher Handwerk macht. Das ringt Respekt ab. Und lässt den Gang Charakter, den die Toten Hosen im Subtext immer noch – nicht mehr so offensiv wie in Opel Gang -  transportieren, authentisch erscheinen. Dass es insbesondere in den 90ern Zeiten gab, in denen die mediale Präsenz zu viel des Guten war, ist damit nicht bestritten. Dennoch ist Authentizität und Selbstidentifizierung der Unterschied zu anderen Größen der deutschen Musik. Bestehen Rammstein Shows primär aus Flammenwerfern und nicht vorhandenen Publikumsansagen, so beginnen die Hosen im Kölner Gloria ihr 1Live Konzert mit den Worten: „Ja, es ist wahr. Die Toten Hosen spielen in Köln.“ Es ist schwer bei so viel persönlichem (Stadt-)Committment keine Sympathie zu empfinden. Ob es nun als richtig oder falsch empfunden wird, ob man dies als Kommerzialisierung empfindet, ob man Fan der Fortuna ist, aus Düsseldorf kommt, oder nicht. Immer hat schließlich der Redende gegenüber dem Schweigenden den Nachteil, dass er etwas von sich preisgibt, das zu kritisieren ist, während der öffentlich Schweigende sich immer auf das Sicherheitsnetz der Privatheit zurückziehen kann. Dennoch: man kann es auch schlecht finden – wenn man „Deutschland sucht den Superstar“ für das Maximum an Schaffenskraft deutscher Musik hält, grundsätzlich der Meinung ist, dass Dieter Bohlen das Prädikat Musiker verdient hat, jedes härtere Guitarrenriff (und hier reden wir über eine Band, die bei Connaisseuren härterer Spielvarianten maximal ein Lächeln hervorlockt ) mit dem Zuhalten der Ohren quittiert, oder aber sich als letzter Mohikaner des Punkrock versteht (üblicherweise ohne „Punk“ zu sein). Irgendwie beeindruckt es dann aber doch. Wahrscheinlich könnten Campino &amp; Co statt der erfahrungsgemäßen Preise am Ende der 30€ Skala auch 60€ plus für ihre Konzerte nehmen. Und die sicher noch anstehende Tour durch die deutschen Städte – abseits der großen Festivals – wäre dennoch ausverkauft.</p>
<p>Deswegen muss man nicht alles gut finden. Man kann „Tage wie diese“ durchaus kritisch gegenüber stehen. Der Vergleich zu U2 im Sinne eines rein auf Stadien ausgerichteten Rocks kommt nicht von ungefähr. Selbiges gilt sicher auch für „Das ist der Moment“ und „Schade, wie kann das passieren?“. Aber man kann es einer Band, die ihr 30-jähriges Bestehen feiert und die mitlaufende Nostalgie musikalisch ins Feld- oder besser: ins Stadion- führen möchte, auch verzeihen. Man hat sowieso den Eindruck, dass die Ausflüge in den Stadionrock nicht ob Einfallslosigkeit, sondern aus purer Intention – der Inrechnungstellung der Wirkmacht besagter Songs in einem Live-Setting – entstehen. Dass verstärkt Lieder aus der früheren Schaffensphase in die Setlist miteinfließen, verstärkt den Kontrast, den man zu schaffen sucht. Und das Kuddel im Video zu „Tage wie diese“ ostentativ eine doch eher an Altersgebrechen erinnernde Brille trägt, tut diesem Ziel erst recht keinen Abbruch. Alterswerk? Eher Spiel mit Erwartungen.</p>
<p>Wichtiger scheint in der Tat das zu sein, was der <a href="http://www.rollingstone.de/reviews/alben/article291965/die-toten-hosen-ballast-der-republik.html">Rolling Stone</a> festhält: wenn der Bombast des Stadionrocks, den die Hosen wie keine zweite deutsche Band beherrschen, hinter sich gelassen werden soll, &#8211; wie bei Zwei Drittel Liebe – dann kracht´s!</p>
<p>Und dass es live keine deutsche Band, die den „alten Säcken“ aus Düsseldorf in Sachen Energieleistung das Wasser reichen kann…das können ohnehin nur Menschen in Zweifel ziehen, die entweder noch nie ein Hosenkonzert gesehen oder aber vergessen haben wie es ist, wenn Campino &#8220;Take it away Vom&#8221; brüllt und es endlich losgeht&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Quelle Bild: <a href="http://www.dth.de">www.dth.de</a>)</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2012/05/05/bis-zum-bitteren-ende/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Punk ist… Oder: wie viel sind 2000 Mädchen?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/04/18/punk-ist-oder-wie-viel-sind-2000-madchen/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2012/04/18/punk-ist-oder-wie-viel-sind-2000-madchen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 14:10:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henrik Dosdall</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=3751</guid>
		<description><![CDATA[Mit jeder neu erschienenen Platte einer der (so genannten) deutschen Punkbands kommt die ebenso intelligente wie auch überlebensnotwendige Frage auf, ob das noch „Punkrock sei“. Seien es Die Ärzte oder die Toten Hosen, es spielt im Endeffekt keine Rolle, welche Band mit welcher musikalischen Ausprägung – die Frage bleibt stets dieselbe. Und da die Ärzte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><img class="wp-image-3763 aligncenter" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/04/dieaerzte_auch_6002-550x550.jpg" alt="" width="368" height="368" /></p>
<p>Mit jeder neu erschienenen Platte einer der (so genannten) deutschen Punkbands kommt die ebenso intelligente wie auch überlebensnotwendige Frage auf, ob das noch „Punkrock sei“. Seien es Die Ärzte oder die Toten Hosen, es spielt im Endeffekt keine Rolle, welche Band mit welcher musikalischen Ausprägung – die Frage bleibt stets dieselbe. Und da die Ärzte am 13.04. ihr neues Album, das schlicht „auch“ betitelt ist, veröffentlicht haben, sind auch die Gralshüter des Punk wieder dazu aufgerufen, die Argumente runterzubeten, die sie (eigentlich) bei jeder Veröffentlichung von sich geben. Die Argumente aufzuzählen, ist wohl in der Tat einigermaßen witzlos, da jeder, der sich auch nur ein Fünkchen für Musik interessiert, alle Argumente kennt. Kommerzialisierung, empörte Aufschreie, dass das letzte Album ja noch so gerade eben durchgehe, aber <em>das</em> ja nun wirklich (!!!) kein Punk mehr sei, Anspielungen auf das Alter der Protagonisten und Aufforderungen, die Instrumente doch nun bitte <em>endlich</em> in den Schrank zu stellen und dergleichen mehr. Dass die Hallen der Tour – in diesem Fall – von Die Ärzte restlos ausverkauft sind, wird als kollektive Geschmacksverwirrung der Zuschauer disqualifiziert. Schließlich liegt die Deutungshoheit über gute Musik im deutschen Musikjournalismus. Und wer sich dessen Einschätzung gegenüber deviant zeigt … dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen.</p>
<p><span id="more-3751"></span></p>
<p>Dass die Reflektionsschleife der Kritiker dabei freilich in guten Momenten von der Tapete zur Wand reicht, muss fast nicht erwähnt werden. Wenn das Unwort „Kommerzialisierung“ fällt, möchte man am liebsten zurückfragen, ob der jeweilige Kritiker von Brot und Luft lebt. Oder präziser: ob die Tatsache, dass auch bei laut.de Geld verdient wird, nicht eo ipso Beweis der Kommerzialisierung des Musikjournalismus ist? Weiter gefragt: wenn Bands nicht mehr authentisch sind, weil sie mit ihrer Musik (viel?!) Geld verdienen, wie kann es dann der Kritiker, der mit Kritiken seinen Lebensunterhalt verdient, sein? Sind die Musiker schuld, dass ihre Musik gefällt? Und überhaupt: wer nimmt denn ernsthaft an, Musik sei ohne wirtschaftliche Infrastruktur zu realisieren? Alles Hinweisen auf Gehaltsunterschiede zwischen Musikern und Kritikern ist hier substanzlos, da es um den logischen Aufbau des Arguments geht und nicht um Einkommensunterschiede – wäre dies der Fall, müsste man wohl jedem Verriss Neid unterstellen. Auch das Insistieren auf das Alter<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> der musikalischen Protagonisten und ihre Disqualifikation als „Berufsjugendliche“, möchte man mit der Frage zurückspiegeln, ob nicht gerade der Musikjournalismus der Ort ist, an dem sich lächerliche Neologismen, schlechte Anglizismen und auf (pseudo-)cool getrimmte Texte die Hand geben…angereichert mit Ausflügen ins „Englische“, die ernsthafte Zweifel an der Fremdsprachenkompetenz der jeweiligen Autoren wecken. Was wohl Götz Kühnemund auf die Frage, warum man seine Rezensionen noch lesen sollte, da er in ungefähr demselben Alter der Kritisierten ist, antwortet? Trifft das Argument, das Musiker zu alt sind, nicht auch auf die Kritiker zu? Wie viel sprachliche Innovation kann man erwarten, wenn jemand die x-te Rezension seines Lebens schreibt? Und wischt nicht die Routine des Schreibens das Einfühlen in eine neue Platte weg? Und was kostet es eigentlich, Redakteure nach Übersee zu fliegen, um Interviews ohne Neuigkeitswert zu produzieren? Gelten eventuell für Kritiker andere Kriterien als für Schaffende? Und wenn ja, wo stehen diese? Man hört das petitio principii förmlich trapsen.</p>
<p>Aber sind die „alten Sachen“ nicht trotzdem besser? Nun, möchte man mit leichtem Zweifel festhalten, „Planet Punk“, „Le Frisur“, „13“ und all die anderen Alben, die als Kontrasmittel herangezogen werden, sind ja schon geschrieben. Warum also noch einmal?</p>
<p>Das bedeutet im Übrigen nicht, dass es keine <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/cd-der-woche-die-aerzte-das-ist-ja-schon-wieder-punkrock-11716584.html">guten Rezensionen</a> mehr gibt. Zu oft aber ist die Hybris zu <a href="http://www.welt.de/kultur/musik/article106192257/Die-Aerzte-plappern-durch-Zoten-und-Gewissensfragen.html">offensichtlich</a>.</p>
<p>Die Selbstsicherheit des Musikjournalismus überrascht dann eben – wenn auch unbeabsichtigt – doch. Woher weiß man denn, was Punk <em>ist</em>? Ob der Kritiker wohl selber in der Innenstadt rumlungert und Passanten anschnorrt? Man weiß es nicht. Man kann nur raten. Würde er es, wäre zwar die Frage nach dem, was Punk ist, noch nicht beantwortet, aber der Kritiker hätte sich Authentizität verdient. Aber das Ausklammern des Kritikers als Person aus dem Fließtext ist selbstredend wichtig, um die Illusion der Objektivität aufrecht zu erhalten. Eine Antwort ist also eher nicht zu erwarten.</p>
<p>Was „ist“ nun aber „auch“? Und was sagt man über ein Album, das mit den Worten „Fick dich und deine Schwestern“ beginnt? Ohne jeden Zweifel ist das Album eine Ansammlung von Stücken, die bereits auf den ersten Blick den drei Protagonisten zugeordnet werden können. Man hört bei jedem Stück die Orchestrierung der Band als Dreifaltigkeit heraus. Hier gibt es dann gute (Bettmagnet, Sohn der Leere, Die Hard), bessere (Das darfst du, das quietischige Tamagotchi, Das find ich gut) und superbe (TCR, Fiasko, Miststück, M&amp;F, Cpt. Metal, Waldspaziergang mit Folgen) Lieder. Und sogar ein Lied über die Beobachterrelativität der Moderne hat es auf die Platte geschafft (denn es gibt besseres zu tun/es gibt auch schlechteres zu tun/[…] als Die Ärzte zu hörn). Dass „Schneller Leben“ immer noch unerreicht und nicht jeder Reim/Gedanke lustig ist, versteht sich fast von selbst. Ob man den Eindruck hat, dass die Band aus Berlin (aus Berlin) sich selber ernst nimmt? In Anbetracht von Zeilen wie: “Punk ist der Mainstream jetzt/mach du mal schön dein Ding“, gibt es wohl unbenommen keine Band, die mit mehr heiligem Ernst versucht, Punk zu „sein“.</p>
<p>Was unterscheidet also Die Ärzte von ihren Kritikern? Sicherlich das Maß an Selbstgewissheit, das sie sich selber zu Grunde legen. Man könnte auch sagen der (auf diesem Album) ironische Umgang mit sich selber.</p>
<p>Ist das also noch Punk? Ziehen wir Richard Rorty zu Rate: &#8220;Ironie ist reaktiv, wenn nicht gar ihrem Wesen nach ablehnend. Ironiker brauchen etwas, woran sie zweifeln können, dem sie entfremdet sind.&#8221;</p>
<p>Und wessen möchte man sich lieber entfremden als der Selbstsicherheit des professionellen Musikjournalisten?</p>
<div></div>
<div></div>
<div></div>
<div>
<p>(Bild: <a href="http://www.bademeister.com/v9/news/auch_cover.html">bademeister.com</a>)</p>
</div>
<div></div>
<div></div>
<div></div>
<div>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Selbstredend war früher alles besser. „In aller Stille“ ist ein schlechteres Album als „Opel Gang“ und „auch“ wird wohl nie in die intellektuellen Höhen von „Uns geht’s prima“ vorstoßen.</p>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2012/04/18/punk-ist-oder-wie-viel-sind-2000-madchen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gespräche über Kunst</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2011/06/20/gesprache-uber-kunst/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2011/06/20/gesprache-uber-kunst/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 20 Jun 2011 08:48:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=1860</guid>
		<description><![CDATA[Über Kunst kann man schlecht sprechen. Es verbietet sich beinah per Definition und auch wir trauen uns hier recht selten, etwas kluges zu Kunst zu sagen. Es soll daher nur kurz die Überraschung geteilt werden, dass es doch gelingen kann. Wie in folgendem Video. via Peter Glaser.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über Kunst kann man schlecht sprechen. Es verbietet sich beinah per Definition und auch wir trauen uns hier recht selten, etwas kluges zu Kunst zu sagen. Es soll daher nur kurz die Überraschung geteilt werden, dass es doch gelingen kann. Wie in folgendem Video.</p>
<p><object width="550" height="343"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/K2jFs2StW6o?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/K2jFs2StW6o?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" width="550" height="343" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>via <a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/kunst/2011/06/20/was-ist-kunst-das-hier-das-hier-ist-einfach-umwerfend/">Peter Glaser</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2011/06/20/gesprache-uber-kunst/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Politische Reflexion im Wohlfahrtsstaat</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2011/03/17/politische-reflexion-im-wohlfahrtsstaat/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2011/03/17/politische-reflexion-im-wohlfahrtsstaat/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 13:52:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe_Stefan]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=1322</guid>
		<description><![CDATA[“Die Politik stößt gegenwärtig an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Die Illusionen des Wohlfahrtsstaates zerbrechen, seine ungewollten Nebenfolgen konterkarieren längst seine guten Absichten: Der Wohlfahrtsstaat gerät zwischen die Mahlsteine der Probleme, die er selbst verursacht. Die Politik re(a)giert ratlos.” So steht es seit 30 Jahren auf der Rückseite eines der sonderbarsten Texte der politischen Soziologie, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1325" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2011/03/Unbenannt-16.jpg" alt="" width="550" height="308" /></p>
<p>“Die Politik stößt gegenwärtig an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Die Illusionen des Wohlfahrtsstaates zerbrechen, seine ungewollten Nebenfolgen konterkarieren längst seine guten Absichten: Der Wohlfahrtsstaat gerät zwischen die Mahlsteine der Probleme, die er selbst verursacht. Die Politik re(a)giert ratlos.” So steht es seit 30 Jahren auf der Rückseite eines der sonderbarsten Texte der politischen Soziologie, das Niklas Luhmann mit dem Titel “Politische Theorie im Wohlfahrtsstaat” schrieb.</p>
<p><span id="more-1322"></span>Es bietet sich förmlich an, dieses Zitat mit den gesell. Erfahrungen der letzten 30 Jahre inhaltlich zu dramatisieren. Zur Plausibilisierung und Aktualisierung reicht es allerdings, auf drei ergänzende Strukturmerkmale moderner Politik hinzuweisen. Erstens: Eine (formale, folgenreiche) politische Entscheidung, sei es im Parlament, im Kanzleramt oder in einer Parteizentrale orientiert sich normativ an der Idee der Herstellung oder Beibehaltung des Gemeinwohls. Sie setzt sich damit ein Ideal, an dem sie stets und zwangsläufig scheitert, weil selbst das demokratische Prinzip &#8211; der Mehrheit &#8211; in jeder Entscheidung eine enttäuschte Minderheit hinterlässt. Zweitens: Durch politische Entscheidungen outen sich politische Akteure und Institutionen als zuständig. Durch die Politisierung von Themen und das Zuspitzen auf Entscheidungen werden alle Konsequenzen ursächlich der Politik zugeschrieben. Drittens: Durch die Unterscheidung von Regierung und Opposition findet die enttäuschte Minderheit des Publikums eine Adresse <em>in</em> der Politik, nämlich die Opposition, die ihrerseits durch Themensetzung (bzw. Themenpolitisierung) die Regierung in ständigen Entscheidungsdruck versetzt.</p>
<p>Alle drei Merkmale (die ebenfalls bei N. Luhmann nachzulesen sind) zusammengenommen führen zu der Diagnose des Anfangs: Die Politik <em>wird getrieben</em> von einem Themen-, Problem- und Entscheidungsstrudel, der weder gebremst noch kontrolliert, erst recht nicht gesteuert werden kann. Nur eines lässt sich feststellen, die Ursache dieser Blockade durch Überlastung ist die Politik selbst, nicht ihr Alltag, nicht ihr Personal, sondern ihr Prinzip.</p>
<p>Sprung ins F.A.S.-Feuilleton vom letzten Sonntag. Hier wartet Frank Schirrmacher mit folgender Diagnose auf: “Die politische Macht, die wirkliche Macht, hat ein neues Instrument entdeckt: Sie schweigt. Die unglaubliche Fülle an stündlich neu einströmenden Informationen verdeckt diesen Sachverhalt immer mehr: Im Auge des Orkans wird nicht geredet, nicht bekannt, nicht diskutiert. Angela Merkel, die vernetzteste Kanzlerin aller Zeiten, ist dafür das Symbol.”</p>
<p>Inhaltlich sind die feuilletonistische und die soziologische Diagnose deckungsgleich. Die Politik verstrudelt sich in einem Orkan, der bislang keine Auswege aufzeigt, sondern gerade noch eine Möglichkeit lässt: Schweigen. Angela Merkel hat sich im Auge des Orkans eingerichtet – sie thematisiert und entscheidet nicht. Aber, bei N. Luhmann handelt es sich um die Folge eines gesellschaftlichen Problems bei Schirrmacher um eine Ursache. Mit dem Schweigen der Politik verschwieg ebenso die politische Literatur. Sie wandte sich anderen Themen zu.</p>
<p>Beide Texte verstehen sich als Plädoyer. Schirrmacher fordert die Literatur auf, sich in die mühseligen Niederrungen der politischen Wirklichkeit hinabzulassen, Luhmann fordert, auf seine zurückhaltende Weise, eine wirklichkeitsgetreue politische Theorie.</p>
<p>Mir fehlt beinah jeder Wissens- als auch Gefühlszugang zur Literatur, die vor 30 Jahren mit sich und der Politik ihre Kämpfe austrug. Dennoch sind Schirrmachers Ausführungen allzu gut verständlich: Die schweigende Politik <a href="http://www.youtube.com/watch?v=v_Jrqf_VaU4">schwätzt</a> und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=x6N44ipUoGw">schwätzt</a> und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=UXGRYaYxe1A">schwätzt</a> (der letzte Link gefällt mir besonders, wegen der „verschärft gesteigerten“ Sicherheit) und niemand möchte ihr Zuhören, geschweige denn noch reflektierend Tiefbohren. Die Politik bietet für Literatur weder Schlacht- noch Übungsfeld – viel eher kann ich jeden Autor verstehen, der mit seinem Werk eine Weltflucht, für sich und seine Leser, anbietet, statt im politischen Tagesgeschäft klare, kritisierbare Linien ausfindig zu machen und tätig zu werden.</p>
<p>Vielleicht haben die Literaten erkannt, dass sie, wenn sie sich der Politik zuwenden keine Adressen für visionäre Hinweise finden, sondern erstmal die aktuelle Verwaltungsohnmacht beschreiben müssten. Europa befasst sich praktisch nur noch mit der Nachregulierung des selbst geschaffenen Ausnahmezustands. Belgien stellt jeden Tag einen neuen Weltrekord in Regierungslosigkeit auf und jedes europäische Land, außer Deutschland, Frankreich, England, ist abhängig von politischen Entscheidungen, die irgendwo aber nicht in der eigenen Hauptstadt getroffen werden. Wie kann man die Literatur motivieren, Ideen vorzulegen, die letztlich niemanden konstruktiv beeindrucken können?</p>
<p>Glücklicherweise ist meine Fragestellung falsch. Und es lohnt sich, nicht nur die Literatur im Blick zu haben, sondern den ganzen Bereich zwischen politischer Theorie und politischer Literatur. Wenn man begrifflich und konzeptionell fein differenziert erhellt man eine Unterscheidung von der Politik und dem Politischen. Ebenso erhellend ist der Unterschied von Literatur und anderer Kunst. Wenn auch die politische Literatur ihren Antrieb, Anlass und Auftrieb verlor, so ist damit noch recht wenig über die politische Reflexion im Wohlfahrtsstaat insgesamt gesagt.</p>
<p>In Weimar werden beispielsweise <a href="http://www.nationaltheater-weimar.de/frontend/index.php?page_id=52&amp;v=repertoire_list&amp;sp=28&amp;mid=22">politische Reden</a> demnächst wieder im Theater gehalten. Die Redner gehören dabei fast ausschließlich zum politischen Publikum. In Amerika erklomm, zwei Jahre vor Obama, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_West_Wing">Senator Matt Santos</a> den Gipfel der Macht – nur fiktiv, kann man jetzt sagen, aber <a href="http://www.imdb.com/title/tt0745691/">die Fiktion war teilweise so real wie die politische Wirklichkeit</a>. Als drittes Beispiel genügt an dieser Stelle ein Hinweis auf den Internethumor, der sich – beispielsweise in meiner Twitter-Timeline – als ebenso kreativ-künstlerisch wie politisch erweist. Jedes dieser Formate befasst sich mit Alltag und Vision des Politischen auf seine Weise. Per sachlichem Ernst, emotionaler Performance oder spontanem Humor – immer mit einer ordentlichen Portion politischer Wirklichkeit.</p>
<p>Vielleicht gibt es also keinen Grund, allzu schwarzmalerisch zu sein. Die Politik ist, grob gesprochen, kaputt. Sie hat jeglichen, nach vorn gerichteten Gestaltungsspielraum verloren und reagiert nur noch im Hinblick auf Lobby-, Wähler- und Richterpublikum ohne selbst inhaltlich konstruktiv vor- und einzugreifen. Politische Entscheidungen sind praktischerweise nur noch das Abnicken von Beschlussvorlagen, deren inhaltlicher Gehalt in den Tiefen der ministerialen Verwaltung erarbeitet, oder gleich aus den EU-Institutionen importiert wird – niemand kann mehr ernsthaft von sich behaupten, die „Richtlinienkompetenz“ zu haben.</p>
<p>Kleiner Exkurs: Gregor Gysi hielt vorhin eine Bundestagsrede zur Fukushima-Katastrophe. Ohne den Nachhall abzuwarten, lässt sich jetzt schon sagen, dass seine Forderungen nach sofortigem Ausstieg aus der zivilen und militärischen Atomkraft und der staatlichen Regulierung des Strompreises ihre natürliche, instinktive aber intelligenzbefreite Kritik hervorrufen wird. ‚Er ist der Linke, er will den Sozialismus‘. Doch könnte man ebenso sagen, die Forderungen von Gysi sind keine linken, realitätsfernen Forderungen, sondern es ist die letzte Form von praktischer Politik, die sich noch nicht komplett selbst aufgegeben hat. Die LINKE ist die einzige Fraktion im Bundestag, die noch mit einen konstruktiven statt allein regulativen Anspruch Politik betreiben möchte. Sie ist, in gewisser Weise, die letzte Fraktion, die überhaupt noch Politik macht. Exkurs Ende.</p>
<p>Jetzt stellt sich die Frage, wie eine politische Reflexion im Wohlfahrtsstaat überhaupt noch gelingen kann. Die politische Theorie hat es in den letzten 30 Jahren nicht geschafft, der Wirklichkeit gerecht zu werden. Zwar gibt es Theorien, mit denen man auf der Höhe der Zeit ist – doch sie werden vom akademischen Aktionismus verdeckt, der als „Politikwissenschaft“ in den letzten Jahrzehnten Einzug gehalten hat aber eines eigentlich nicht ist: Politik reflektierende Wissenschaft. Viel eher hat sich die Politikwissenschaft ebenso im Alltag verloren, wie die Politik selbst. Man kann es in fast jedem Graduiertenkolleg programmatisch nachlesen. Und auch die literarischen Stolpersteine verloren ihre Wirkung, weil es am aufrechten Gang der Politik fehlt. Sie stolpert ohnehin nur noch, auch ohne intellektuelle Herausforderung.</p>
<p>Vielleicht reicht es, der politischen Theorie und Literatur ihre Zeit zu geben, sich an die neuen Sachlagen anzupassen. Es ist jedenfalls nicht vorstellbar, dass die <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518294180/ref=pd_lpo_k2_dp_sr_2?pf_rd_p=471061493&amp;pf_rd_s=lpo-top-stripe&amp;pf_rd_t=201&amp;pf_rd_i=3476018989&amp;pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&amp;pf_rd_r=0ZH4MK37AMM0RW5C6K0C">Geschichte des politischen Denkens</a> plötzlich aufhört. Viele Beiträge, die <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/29123.html">das Verschwinden der Politik</a> beschreiben, sind schlicht falsch (oder nicht zu Ende gedacht, mindestens aber merkwürdig argumentiert). Die Politik, die sich seit 2008 im sachlichen Ausnahmezustand befindet und seit Fukushima zum Handeln gezwungen ist, wird sich verändern und mit ihr die Form der politischen Reflexion.</p>
<p>Und bis alles wieder Tritt gefunden hat, hilft die Reflexionsform, die ebenso liquide, sprunghaft und spontan an die Wirklichkeit angepasst werden kann wie früher die Literatur: das Kabarett. Zwar zeichnet sich das Kabarett durch zwei wenig ermutigende Merkmale aus: Es ist nicht konstruktiv und seine Wirkung verweht mit dem Applaus. Doch das heutige Kabarett verwischt die Grenze zwischen Bühne und Publikum. Das Kabarett findet <a href="http://www.google.de/webhp?sourceid=chrome-instant&amp;ie=UTF-8&amp;ion=1&amp;nord=1#q=pro+guttenberg+demo&amp;hl=de&amp;prmd=ivns&amp;source=lnms&amp;tbs=vid:1&amp;ei=6OeBTdOkOM-84AbZqoTDCA&amp;sa=X&amp;oi=mode_link&amp;ct=mode&amp;cd=3&amp;ved=0CBYQ_AUoAg&amp;fp=6a916b6e7033bcc6&amp;ion=1">auf der Straße</a> oder durch Twitter: in der eigenen Handfläche statt und jeder der teilnimmt, steuert bei. Viele der Tweets die ich den ganzen Tag lese würde ich als Literatur qualifizieren, obwohl die Textmasse zwischen den Pointen fehlt – doch diese ist einfach auch nicht nötig, weil die Zeit zwischen den Pointen mit Wirklichkeit aufgefüllt wird – und die Pointen funktionieren trotzdem oder gerade deswegen.</p>
<p>Um es ganz optimistisch zu sagen: Noch nie waren das Politische und die politische Reflexion so eng miteinander verwoben, wie heute. Schirrmacher hat recht, wenn er sagt, die Politik redet nicht über unsere Köpfe hinweg, sondern in sie hinein. Aber, es fehlt mit der Literatur, die sich einmischt, eben nur „eine“ reflektierende Stimme.</p>
<p>Umso länger der Text wird, desto mehr wird es ein Twitter-Plädoyer. ;-) Wobei Twitter immer weniger konkret Twitter meint, sondern als Chiffre die neuen Möglichkeiten bezeichnet, die anscheinend (jetzt) wirklich revolutionäres Potenzial haben. Jedenfalls zeigt sich, nicht nur bei mir, dass die Möglichkeiten der Alltagsbegleitung durch Twitter Einfluss auf das Politischsein an sich haben. Statt Sprach- und Fassungslosigkeit bestimmen neuerdings Zuversicht und Haltung den Alltag des politisch Ausgelieferten – und somit besteht auch Aussicht auf neue Konstruktivität. Und es begründet sich auch eine gehörige Portion Hoffnung darin, dass alles noch in den Kinderschuhen steckt. Ich kenne zwar niemanden, der versteht was <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/14843.html">Giorgio Agamben hier schreibt</a>, doch der Titel  – „Die kommende Gemeinschaft“ – scheint der richtige zu sein.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/mallix/2586969604/in/photostream/">mallix</a> &#8211; mit interessanter Bildunterschrift)</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2011/03/17/politische-reflexion-im-wohlfahrtsstaat/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>These zur amerikanischen Religiosität</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/11/07/these-zur-amerikanischen-religiositat/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/11/07/these-zur-amerikanischen-religiositat/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 07 Nov 2008 21:06:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Religiosität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=274</guid>
		<description><![CDATA[Da schrieb ich gestern noch: Ähnliche Verständnisschwierigkeiten haben wir, wenn wir uns anschauen, wie religiös Amerika ist und wie sehr die Religion die Politik beeinflusst, obwohl es kaum ein Land gibt, dass die Säkularität ernster nimmt. Das scheint tatsächlich so paradox zu sein, dass allein ein schnell hergeleiteter Ansatz fehlt, das zu erklären. Fällt es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da schrieb ich <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/11/06/argumente-fur-begrundete-hoffnung-beim-blick-uber-den-atlantik/">gestern</a> noch:</p>
<blockquote><p>Ähnliche Verständnisschwierigkeiten haben wir, wenn wir uns anschauen, wie religiös Amerika ist und wie sehr die Religion die Politik beeinflusst, obwohl es kaum ein Land gibt, dass die Säkularität ernster nimmt.</p>
<p>Das scheint tatsächlich so paradox zu sein, dass allein ein schnell hergeleiteter Ansatz fehlt, das zu erklären.</p></blockquote>
<p>Fällt es mir heute, beim <a href="http://www.arte.tv/de/Willkommen/woche/244,broadcastingNum=954605,day=7,week=45,year=2008.html">Fernsehen gucken</a>, wie Schuppen von den Augen. Es gibt tatsächlich eine Erklärung, die den amerikanischen Pragmatismus und die extreme Religiosität zufrieden stellend fassen kann.</p>
<p><span id="more-274"></span></p>
<p>In der verlinkten Reportage führt Woody Allen durch die amerikanische Kulturpolitik und befördert für Europäer Erstaunliches zu Tage. Es gibt keine Kulturpolitik in Amerika. Gleich zu Anfang wird ein Ausschnitt einer Rede von Jimmy Carter gezeigt, in der er sich erfreut darüber zeigt, dass das amerikanische Volk die Sache mit der Kultur und der Kunst selbst in die Hand nimmt. Im weiteren werden zwei Aspekte betont. Erstens, die Kultur ist, seien es Museen, Theater, Festivals oder Weiteres eng mit dem Volk verbunden. Es gibt kaum öffentliche Fördertöpfe aber ein riesiges Netzwerk an Künstlern und Kunstkonsumenten, die über Nacht Millionen Dollar an Privatspenden oder tausende Beschwerdebriefe an Politiker organisieren können. Zweitens werden Künstler gezeigt, die darunter leiden, dass sie zu sehr von ihrem Publikum abhängig sind, dass sie sich nicht ausleben können und das sie sich, um überhaupt künstlerisch tätig sein zu können, zu sehr dem Mainstream verschreiben und nebenher in zwei einträglicheren Berufen arbeiten müssen.</p>
<p>Es zeigt sich also auch beim Blick auf die Kunst ein Pragmatismus, der in dem Fall der gesellschaftlichen Funktion von Kunst im Wege steht. Kunst kann gesellschaftliche Zustände verzerrt, also als anders möglich darstellen. Sie kann provozieren, inspirieren, das Gehirn fordern und fördern. Sie kann ein Spiegel der Gesellschaft sein, der zu offensichtlich Verstecktes freizügig präsentiert. Das kann die Kunst aber umso besser, je weniger sie von ihrem Publikum und deren Geldbeutel abhängig ist.</p>
<p>In Europa begann bereits Shakespeare damit, das Publikum mehr zu verwirren, als zu unterhalten. In Hamlet wird auf der Theaterbühne Theater gespielt, und die Protagonisten sehen sich in ihrem Theaterstück selbst, während das reale Publikum den Protagonisten als Publikum auf der Bühne dabei zusieht, wie es sich selbst zusieht. Das ist heute, da wir darüber reden können, noch großartiger als es damals war. Wenn er vom Geld des Publikums abhängig gewesen wäre, hätte er komplett unlösbare Geldschwierigkeiten gehabt und auf dem Feld gearbeitet.</p>
<p>In Europa ist es auch nicht unüblich, das Bühnenstücke 5h dauern. Selbst über zwanzigstündige und längere Aufführungen stößt man zuweilen. Und falls nicht die Länge überfordert, ist es die Ekelhaftigkeit in der Darstellung, die manchmal dazu führt, das Unvorbereitete den Publikumsraum schreiend verlassen. Gleichsam kann man aber in Europa Kunst finden, die wirkt als wäre sie für einen höchstpersönlich geschaffen.</p>
<p>Es ist nicht schwierig, sich in Europa vom Alltag abzulenken. Ein einfacher Gang ins Museum oder Theater genügt. Und Museen und Theater gibt es an jeder Ecke. Es ist eine Nachwirkung der einstigen Kleinstaaterei, das es beispielsweise in Thüringen in jedem 30.000 Einwohnerstädtchen mindestens ein Theater und in Großstädten unzählige gibt.</p>
<p>In Amerika ist das alles nicht so. Museen und Theater mit Niveau gibt es nur in Ballungsräumen oder traditionsreichen Universitätsstädten. Und das, was dort geboten wird, ist aus europäischer Perspektive nur sensationell. An New York lässt sich das verdeutlichen. Im MoMA gibt es nur großartige Kunst. Dabei handelt es sich entweder um europäische Importe oder farbenfrohe Basteleien von Andy Warhol. Alles, was dort an Bildern hängt, kennt man bereits vorher aus Büchern und von Fotos. Keine endlosen Gänge wie im Louvre, in denen man sich ohne Weiteres in tausenden Exponaten aus Zentralafrika oder Indonesien verlieren kann. Was in New York auf den großen Musicalbühnen stattfindet, ist so pompös, dass man kaum Zeit und Kapazität hat, über den Unterhaltungsaspekt hinaus zu schauen &#8211; das Erlebte verschwindet so schnell, wie es hervorpreschte, und bleibt dabei ziemlich anspruchslos.</p>
<p>Wer in Amerika dem Alltag entfliehen will, und sich mit Grübeln nicht zufriedengibt, kann nicht auf ähnlich einfache Weise losziehen und sich in dem Massenangebot der Künstler verlieren. So sehr die Nachfrage danach ist, es gibt schlicht kein Angebot, das über die pure Unterhaltung hinausreicht. Wer „das andere&#8221; erfahren will, findet es eher in der Kirche. Dort kann man in der Masse zu sich selbst finden. Die Religion leistet den Alltagsausgleich, den in Europa die Kunst übernimmt.</p>
<p><em>Eine Ausnahme ist der Film. Allerdings scheint das auf das besondere Verbreitungsmedium zurückführbar. Ein Film zu zeigen ist nicht besonders aufwändig, er findet schnell ein Massenpublikum &#8211; so konnten sich in Hollywood immer ohne Probleme gesellschaftskritische, fantastische oder abwägig-fiktionale Spartenfilme durchsetzen.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/11/07/these-zur-amerikanischen-religiositat/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

