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	<title>Sozialtheoristen &#187; Tollerei</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
	<lastBuildDate>Sat, 19 May 2012 13:37:40 +0000</lastBuildDate>
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		<title>So einfach wird es nicht</title>
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		<pubDate>Sat, 19 May 2012 13:25:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Wichtiger Text. Es gehört zur Dramatik historischer Entwicklungen, dass man sie nur rückwärts beobachten kann. Beim Blick nach vorn muss man sich entscheiden, für Hoffnung oder Befürchtung (oder man macht, wie Frank Rieger, beides – kommt immer ein bisschen auf die Kapazität an, die man fürs Denken hat (und damit meine ich für diesen Fall [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3948" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/05/Unbenannt-13.jpg" alt="" width="550" height="270" /><br />
<a href="http://www.faz.net/aktuell/automatisierung-der-gesellschaft-bald-wird-alles-anders-sein-11754772.html">Wichtiger Text</a>. Es gehört zur Dramatik historischer Entwicklungen, dass man sie nur rückwärts beobachten kann. Beim Blick nach vorn muss man sich entscheiden, für Hoffnung oder Befürchtung (oder man macht, wie Frank Rieger, beides – kommt immer ein bisschen auf die Kapazität an, die man fürs Denken hat (und damit meine ich für diesen Fall die Fläche an Zeitungspapier. ;)</p>
<p><span id="more-3943"></span>Es gibt eine interessante <a href="http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0034740">Studie</a> aus Heidelberg (ich beschreibe sie genauer an einem kommenden Mittwoch in der F.A.Z.), in der Forscher eine sehr aktuelle Frage beantworten, die sich vor ein paar Jahren noch unmöglich beantworten ließ: Lässt sich ausrechnen, wer auf der Welt wen kennt (und nicht kennt)? Die Forscher hantieren mit dem Facebook-Datenschatz, sie nutzen, weil sie Informatiker sind, Code als Mittel und Methode und sie kommen zu einem recht beeindruckenden Ergebnis: Ja, man kann heute ausrechnen, ob sich zwei Menschen kennen, unabhängig davon, ob sie selbst bei Facebook registriert sind. Aber die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit des Ergebnisses lässt sich nicht über einen Wert von ca. 85 Prozent hieven.</p>
<p>Man darf es nicht so einfach verallgemeinern, aber man darf vermuten, dass diese 15 Prozent Inkongruenz zwischen Maschinen und Menschen etwas bedeuten. Automatisierung, Digitalisierung, Beschleunigung, Verknüpfung – es gibt offenbar eine natürliche, unüberschreitbare Grenze. So lange Maschinen an Nullen und Einsen (also an die Limitierungen von Syntax) gebunden sind, können sie nur an Geschwindigkeit aber nicht an Qualität zulegen. Beschleunigte Algorithmen werden sich auf neue Arten kombinieren lassen, sie werden neue komplizierte, vielleicht sogar komplexe Aufgaben übernehmen können. Aber sie werden, wenn es demnächst so weit ist, nur Dissertationen schreiben, denen der Forschungsbeitrag fehlt: 90 Prozent Redundanz, dass schaffen sie; 10 Prozent Innovation, dass können sie nicht. Sie können selegieren und regulieren aber nicht variieren und generieren. (Und wer anderes behauptet, verwendet höchstwahrscheinlich die Begriffe falsch. Das kennt man dann schon von der &#8220;intelligenten Maschine&#8221;)</p>
<p>Vor zehn Jahren sind die Maschinen in der Börse eingezogen und seitdem handeln sie <a href="http://efinance.wiwi.uni-frankfurt.de/fileadmin/ordner_name/Pressespiegel/Milliardengewinne_in_Millisekunden.pdf">Milliarden in Millisekunden</a>. Und noch immer hört man im ARD-Börsenreport, dass heute wieder ganz viel Psychologie im Spiel war. So falsch wird die Gegenwartserzählung demnächst auch in einem anderen Feld laufen. Bei <a href="http://news.yahoo.com/canon-seeks-full-automation-camera-production-055447035--finance.html">Canon</a> bauen sich nun komplizierte technologische Apparate selbst. Das bedeutet: Hier gilt überhaupt gar kein Gesetz der Ökonomie mehr. Die Sozialwissenschaften haben ausgedient, wenn Menschen keine Rolle mehr spielen. Was passiert, muss nicht erforscht werden, man kann es im Handbuch nachlesen oder man fragt den, der es zu schreiben versäumt hat. Die Script- und Handbuchschreiber, das sind die 15 Prozent, um die es geht. So gilt es für Organisationen.</p>
<p>Und die Gesellschaft? Die Professionssoziologen unterscheiden seit Jahrzehnten Berufe und Professionen und die Unterscheidung verläuft entlang einer eindeutigen Linie: Die einen haben ein Technologiedefizit, die anderen nicht. Die einen lassen sich von Automaten verdrängen, die anderen helfen. Menschen, die mit Menschen arbeiten (Lehrer, Anwälte, Ärzte, Künstler, …), lassen sich nicht durch Maschinen ersetzen. Auch das sind 15 Prozent. Anwälte werden die Kontrollaufgaben verlieren, aber nicht die Mediation oder das Verhandeln; nur Lehrer können die Fragen von Kindern beantworten, weil sie <a href="http://www.faz.net/aktuell/wissen/mensch-gene/glosse-kinderspiel-11721227.html">ihrerseits zurückfragen</a> können; nur Ärzte können mit Patienten wirklich sprechen; …</p>
<p>Wie dem auch sei: Frank Rieger hat es hoffnungsvoll beschrieben: In der Automatisierung der Gesellschaft liegt die Chance, den Berufen, auf die es ankommt, die Professionen sind, endlich den Stellenwert zuzuweisen, die sie schon immer ohne die entsprechende Anerkennung hatten. Die Gesellschaft würde zu einem plastischen Kunstwerk, Politik würde endlich Sinn haben; und der, der in Frankfurt eine Börsenmaschine bedient, bedient sie eben und fährt abends in der U-Bahn nachhause.</p>
<p>(Bleibt aber eine Frage: Wann kommt die Partei, die es auch so sieht und beschließt, die Maschinen aus der Politik zu verbannen? ;)</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/synthesizers/3201491394/">Synthesizers</a>)</em></p>
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		<title>&#8220;Wir-sind-die-Privilegierten.de&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 13 May 2012 20:12:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich wollte hier einen Text schreiben, über die Beobachtung, dass sich in der Piratenpartei zwar keine Eliten, aber doch ausschließlich Privilegierte tummeln. Privilegiert, weil sie horrende Buchhonorare haben, weil sie verbeamtet sind, weil sie ein 1,0-Abitur vorweisen können. Privilegiert aber auch, weil sie noch keine Familien gegründet haben, noch keiner berufsbedingten Organisationszugehörigkeit gerecht werden müssen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich wollte hier einen Text schreiben, über die Beobachtung, dass sich in der Piratenpartei zwar keine Eliten, aber doch ausschließlich Privilegierte tummeln. Privilegiert, weil sie horrende Buchhonorare haben, weil sie verbeamtet sind, weil sie ein 1,0-Abitur vorweisen können. Privilegiert aber auch, weil sie noch keine Familien gegründet haben, noch keiner berufsbedingten Organisationszugehörigkeit gerecht werden müssen. Und auch deswegen privilegiert, weil sie sich in Deutschland um die Grundsicherheit ihrer Bedürfnispyramide keine Sorgen machen müssen. Privilegiert, weil sie sich um die Folgen ihres Handelns nicht zu sorgen brauchen. Privilegiert, weil sie nichts zu verlieren haben.</p>
<p><span id="more-3900"></span>Ich lass das Schreiben dieses Textes aber bleiben. Es gehört auch zu meinen Privilegien, Ideen einfach so ins Internet zu schreiben, sie zur Verfügung zu stellen, für jeden, der sie möchte, mit einer Lizenz, die Kritik, Weiterdenken, Weiterverschenken zulässt. Ein Privileg, das mir seit ein paar Tagen sehr viel weniger bedeutet, das in meiner Privilegienhierarchie weit nach unten gerutscht ist. Das &#8216;Problem&#8217; des freien Internets ist nämlich das der PirateBay: Es gibt zu viele, die sich bedienen, es gibt zu wenige, die etwas anbieten.</p>
<p><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/piraten-urheberrecht-denn-sie-wissen-nicht-wie-werke-entstehen-11746960.html">Das ist das Argument</a>. Die Hypothese lautet: In zehn Jahren ist kein schützenswertes <em>freies Internet</em> mehr übrig. Aber ja, <a href="https://twitter.com/#!/friiyo/status/200947750966263808">bauen wir es einmal auseinander und wieder zusammen</a>. Vielleicht hilfts&#8230; Die Gruppe mit den größten Privilegien ist die der dummen.</p>
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		<title>Sozialtheoristenzeitung</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 18:41:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Man hat ja so gerne was in der Hand, was haptisches, echtes, zum zusammenknüllen und in die Ecke werfen. Wir F.A.Z. Volontäre haben heute unsere ersten Zeitungsseiten von Grund auf selbst gebaut und gefüllt. Das Thema (wer braucht eins?) lautete &#8220;Kraut und Rüben&#8221;. Also habe ich im Sozialtheoristen-Textbestand nach Piratenstories gesucht. Verbaut sind das Interview [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man hat ja so gerne was in der Hand, was haptisches, echtes, zum zusammenknüllen und in die Ecke werfen. Wir F.A.Z. Volontäre haben heute unsere ersten Zeitungsseiten von Grund auf selbst gebaut und gefüllt. Das Thema (wer braucht eins?) lautete &#8220;Kraut und Rüben&#8221;. Also habe ich im Sozialtheoristen-Textbestand nach Piratenstories gesucht. Verbaut sind das <a href="http://sozialtheoristen.de/2012/04/13/fragen-an-marina-weisband/">Interview mit Marina Weisband</a>, der Text über <a href="http://sozialtheoristen.de/2012/03/29/wie-ware-es-mit-vertrauen/">Politik und Vertrauen</a> und der über die <a href="http://sozialtheoristen.de/2011/11/07/die-roboter-kommen/">Liquid-Feedback-Roboter</a>. Es handelt sich um drei Texte mit 3787 Wörtern. Damit wäre auch eine für mich interessante Frage beantwortet: Würde man den gesamten Textbestand der Sozialtheoristen in F.A.Z.-Style übernehmen und drucken, würde man 54 Seiten füllen, also eine Samstags-F.A.Z.</p>
<p><span id="more-3875"></span></p>
<p><a href="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/05/0231.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-3876" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/05/0231-550x735.jpg" alt="" width="550" height="735" /></a></p>
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		<title>Piratenzäsur</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 18:43:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Diese Piraten… Seit heute Nachmittag ist mein Text über die Piratenpartei, den ich für den Merkur schrieb, online verfügbar. Ich hatte jetzt also ein paar Stunden Zeit, um mir zu überlegen, wie ich ihn hier bewerbe und ich mache es wie folgt: Die Piraten sind eine junge Partei. Wer von den Parteimitgliedern behauptet, schon immer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3801" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-3801" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/04/Unbenannt-12.jpg" alt="" width="550" height="257" /><p class="wp-caption-text">In schweren Zeiten darf man sich etwas gönnen.</p></div>
<p>Diese Piraten… Seit heute Nachmittag ist mein Text über die Piratenpartei, den ich für den <a href="http://www.klett-cotta.de/zeitschrift/MERKUR/7819">Merkur</a> schrieb, online verfügbar. Ich hatte jetzt also ein paar Stunden Zeit, um mir zu überlegen, wie ich ihn hier bewerbe und ich mache es wie folgt:</p>
<p><span id="more-3790"></span>Die Piraten sind eine junge Partei. Wer von den Parteimitgliedern behauptet, schon immer in der Piratenpartei gewesen zu sein, kann damit keinen Zeitraum meinen, der länger als ein gewöhnliches Voll-Studium ist. 11 Semester ist die Partei alt. Am sichtbarsten ist derzeit das Personal, das in die Alterskategorie dieses Bildes passt: späte Studenten. Und um auch für den letzten Aspekt im Bild zu bleiben: Gegen Ende eines jeden Studiums stehen schwere Prüfungen an, die jeder auf seine Art bewältigt. Manchen gelingt es, manchen nicht.</p>
<p>Mein Merkur-Text ist eine Momentaufnahme, sie hält den letzten Moment vor dem beginnenden Piraten-Prüfungssemester fest. Als ich den Text aus der Hand gab, regierte in NRW noch die knappe Rot-Grüne-Koalition. Die schwere Piraten-Prüfung, auf die ich den Text hingeschrieben habe, ist die Bundestagwahl 2013. Die tatsächlichen Ereignisse, dass nun zuvor in NRW gewählt wird, ändert keine meiner Aussagen. Allerdings lassen sie sich nun leichter prüfen, denn vieles, was erst im nächsten Jahr zu erwarten war, passierte nun viel früher und viel intensiver.</p>
<p>Die kommenden Wahlen sind, für die Politiker allemal, auch für die beobachtenden Sozialwissenschaftler, Soziologen, Politologen und Journalisten sehr spannend. Es handelt sich um ein einzigartiges Real-Experiment. Noch ist für viele Piraten Politik kein Beruf und ein Parteitag ein Debattierclub. Noch sind sie dort, wo es wirklich wichtig ist, außerparlamentarische Opposition. Noch interessieren sich nur die Feuilletons für sie, bald aber kommen die Haudegen der Politik-Redaktionen, die weniger Gnade kennen, weil sie klarere Aufträge haben.</p>
<p>Die Piraten, um das obige Bild wieder aufzugreifen, stehen gerade den letzten Moment <em>unbeachtet</em> auf dem Flur vor dem Raum, in dem das Prüfungskomitee sitzt. Am Wochenende dürfen sie kurz in den Raum linsen, bevor sie Anfang Mai hineingebeten werden. Mal sehen, ob sie die <em>richtigen</em> Antworten auf die noch unbekannten aber doch absehbaren Fragen kennen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://volltext.online-merkur.de/">Schulz, Stefan &#8211; Zwischen Netzwerk und Organisation, Zum Erfolg der Piratenpartei</a></p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/amazeman/6829539296/in/photostream">Stefan Schulz</a>)</em></p>
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		<title>Was weiß Google jetzt?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/03/29/was-weis-google-jetzt/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 13:44:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich mag Leo Laporte sehr. Ich weiß nicht, wie man die paar Sekunden oben sieht, wenn man ihn nicht kennt. Er ist ein vorbildhafter Moderator, der im richtigen Moment gute Fragen stellt, seine Gäste kennt, sein (gar nicht so) kleines Unternehmen mit Liebe fortentwickelt und immer nach guten inhaltlichen Argumenten sucht. Wie er sich in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/39411033?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" frameborder="0" width="549" height="309"></iframe></p>
<p>Ich mag Leo Laporte sehr. Ich weiß nicht, wie man die paar Sekunden oben sieht, wenn man ihn nicht kennt. Er ist ein vorbildhafter Moderator, der im richtigen Moment gute Fragen stellt, seine Gäste kennt, sein (gar nicht so) kleines Unternehmen mit Liebe fortentwickelt und immer nach guten inhaltlichen Argumenten sucht. Wie er sich in der gestrigen <a href="http://twit.tv/show/this-week-in-google/140">Twig-Ausgabe</a> äußert, ist einfach vorzüglich.</p>
<p><span id="more-3581"></span>In meinem Text von heute Morgen hatte ich wieder auf die Luhmann-Frage, &#8220;Was ist der Fall und was steckt dahinter?&#8221; verwiesen. Dieser Hinweis kommt somit hier schon zum zweiten Mal. das erste Mal war hier: &#8220;<a href="http://sozialtheoristen.de/2011/07/22/was-weis-google-schon/">Was weiß Google schon?</a>&#8220;. Und die Antwort von Leo Laporte, zu eben dieser Frage, finde ich einfach zu gut. Besonders, weil sie knapp ausfällt und nicht hochkulturell-rationall argumentiert, sondern einfach emotional explodiert &#8211; und die inhaltliche Diskussion trotzdem weitergeht. Und das bedeutet im Falle der aktuellen Twig-Show, dass darüber gesprochen wird, warum es die größte und klügste Internetfirma nicht schafft, ihre Ziele zu erreichen und warum es ihr nicht nur nicht gelingt, sondern warum man ihr (zumindest im sichtbaren Teil) beim langsamen Scheitern auch so gut zusehen kann.</p>
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		<title>Einhundert &#8220;Piraten zweiter Klasse&#8221;*</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/03/25/einhundert-piraten-zweiter-klasse/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Mar 2012 12:02:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorhin gab es keinen Stream aus Münster vom Piratenparteitag zur Vorbereitung der Landtagswahl in NRW. Die Wahl der Landesliste soll geheim bleiben. Jeder Pirat vor Ort hat nun (bei dieser Etappe) 109 Stimmen, die er auf dem riesigen Wahlzettel frei verteilen darf. Schon gestern den gesamten Tag, wie auch heute morgen, war der #lptnrw-hashtag bestückt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3490" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/03/Unbenannt-19.jpg" alt="" width="550" height="220" /></p>
<p>Vorhin gab es keinen Stream aus Münster vom Piratenparteitag zur Vorbereitung der Landtagswahl in NRW. Die Wahl der Landesliste soll geheim bleiben. Jeder Pirat vor Ort hat nun (bei dieser Etappe) 109 Stimmen, die er auf dem riesigen Wahlzettel frei verteilen darf.</p>
<p><span id="more-3473"></span>Schon gestern den gesamten Tag, wie auch heute morgen, war der <a href="https://twitter.com/#!/search/%23lptnrw">#lptnrw</a>-hashtag bestückt mit Tweets, in denen sich die Piraten dafür rühmen, wie gut es läuft, wie transparent die Liste erstellt wird und wie wirklich jeder mitmachen und einblicken darf.</p>
<p>Hunderte Kandidaten bekommen eine Redezeit von 3 Minuten. Einige ziehen ihre Kandidatur sofort zurück, nachdem sie 30 Sekunden herumstammelten. Andere belassen ihre Vorstellung bei der Nennung ihres Namen. Andere versuchen eine Obama-Rede in Miniatur und viele lesen noch einmal ihre wichtigsten Anliegen vor.</p>
<p>Nun kann man zu den Begriffen Politik und Demokratie viel sagen. Man könnte der <a href="https://twitter.com/#!/Afelia/status/183610956415385600">politischen Arroganz</a> der Piraten (&#8220;Ich tröste verwirrte Journalisten. Bei uns ist eben alles ein bisschen anders.&#8221;) eine sozialwissenschaftliche gegenüberstellen: Nein Piraten, auch bei euch bleibt es dabei. (1) Die Funktion der Politik ist die Bereitstellung der Kapazität kollektiv verbindlich zu entscheiden. (2) Demokratie ist das historisch erfolgreichste Politikmodell politische Enttäuschung zu minimieren. (Sie erzeugt Stabilität, ohne existenzbedrohend ressourcenverbrauchend zu sein. Im Kontrast dazu steht die Diktatur, die Munition und Arbeitskraft verbraucht, deliberative Demokratie, die endlos Zeit bindet oder Sakralherrschaft, die auf einen Gott und eine unbändige Natur angewiesen ist.)</p>
<p>Das Vorhaben, eine politische Entscheidung auf eine Art herbeizuführen, bei der man hinterher sagen kann: &#8220;Aber ihr wurdet doch alle gefragt und habt mitentschieden&#8221; ist <em>eine</em> Möglichkeit der Legitimationserzeugung. Ihr Problem ist: Sie gelingt nicht automatisch und benötigt viel Zeit. Jedes Schüren von Erwartung erzeugt Enttäuschungspotenziale. Und die Piraten Schüren viel. Wenn 150 Menschen auf 40 Posten wollen, werden über einhundert von ihnen enttäuscht, und zwar von denjenigen, für die sie sich aufopfern.</p>
<p>Braucht man überhaupt eine Partei, wenn sie nicht die Funktion erfüllt politisches Potenzial zu bündeln und zu kanalisieren? Wenn sie nicht in der Lage ist politisches Talent <em>vor einer Wahl</em> zu <em>testen</em>? Braucht man eine Partei, in der nach einer Entscheidung noch mehr über Alternativen diskutiert wird als vor ihr?</p>
<p>Die Piratenpartei steckt in einem strukturellen Konflikt, den sie selbst gar nicht auflösen kann. Es gibt sie nur, weil man nur per Partei, nur als Organisation, am politischen Kampf um parlamentarische Macht teilnehmen kann. Das führt nun zu dem interessanten Paradox, dass individuelle Freiheitskämpfer, die die Gesellschaft politisch mitgestalten wollen, auf eine Partei angewiesen sind, die den Anspruch hat, nach einer Entscheidung mitzubestimmen. &#8220;Kein imperatives Mandat&#8221; sagt die Partei, sagt das Gesetzt. Doch die Parteistruktur sagt es genau anders: Partizipation und Transparenz.</p>
<p>Die politische Logik der Piratenpartei lautet: Ihr könnt unsere Listenplätze haben, aber wir vertrauen euch nicht, wir kontrollieren euch. Wer nicht spurt wird rausgemobbt. Ein Shitstorm ist kein Risiko eines Kandidaten, sondern ständige Gefahr durch die Partei. Sie lähmt. Es ist <a href="http://www.christopherlauer.de/2012/03/18/definitionsmacht-baby/">wie Christopher Lauer sagte</a>: &#8220;Wir reden viel über Transparenz und Bürgerbeteiligung. Was es für uns konkret bedeutet haben wir nicht definiert.&#8221; Eigentlich ist es schlimmer: Denn über <em>Legitimation</em> – dieser, nicht der Demokratiebegriff, fasst das eigentliche Problem – ließt man gar nichts von der Piratenpartei.</p>
<p>Dabei sind die Testfragen so einfach: Wenn Hunderte Piraten jeweils über 100 Stimmen haben, um ihre Landesliste zu füllen, hat man eine Aufgabe, die sich Mathematisch ganz wunderbar lösen lässt. Man muss nur zählen können. Aber: Wer übernimmt die Verantwortung? Wer ist Schuld, wenn alle mitmachen?</p>
<p>Die Piraten wollen über Politik aufklären, aber sie erklären ihre Partei nicht. In den Tagen und Wochen bis zum 13. Mai wird sich zeigen, wie die Piratenpartei mit den hundert &#8220;Piraten zweiter Klasse&#8221; umgeht, die sie dieses Wochenende hinterläßt. Damit wird zumindest eine der vielen Fragen behandelt, die die Gesellschaft bis zur nächsten Bundestagwahl hat.</p>
<p style="text-align: center;">***</p>
<p>Joachim Paul gratuliere ich zu seiner neuen Rolle als Landeslistenerster. Dass jemand gewählt wurde, der auch in der Lage ist, gegen <a href="http://sozialtheoristen.de/2011/06/16/michael-seemann-schreibmaschine/#comment-1844">irre eher piratennahe Vorstellungswelten zu argumentieren</a>, zeigt, dass die Piraten nicht nur enttäuschen, sondern auch überraschen können.</p>
<p>(*so gehört bei Frank Rieger.)</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/swisscan/5010268432/in/photostream/">Reto Fetz</a>)</em></p>
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		</item>
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		<title>Sinn serviert man am besten konfiguriert</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/03/20/sinn-serviert-man-am-besten-konfiguriert/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2012/03/20/sinn-serviert-man-am-besten-konfiguriert/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 20:12:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Soziologielinks]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal denkt man darüber nach, wie es wäre, wenn die Welt nicht zweigeteilt wäre; wenn es keine unabsichtlichen Lügen, keine unbeabsichtigten Folgen, nicht ständig gute Gründe für Aufklärung gäbe. Aber können wir sie uns vorstellen, die Welt, in der die Produzenten unseres täglichen Essens in mehrfachen 30-Sekunden-Häppchen stündlich berichten, wie viel Tonnen Industrieöle sie diesmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3460" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/03/Unbenannt-18.jpg" alt="" width="550" height="250" /></p>
<p>Manchmal denkt man darüber nach, wie es wäre, wenn die Welt nicht zweigeteilt wäre; wenn es keine unabsichtlichen Lügen, keine unbeabsichtigten Folgen, nicht ständig gute Gründe für Aufklärung gäbe.</p>
<p><span id="more-3456"></span>Aber können wir sie uns vorstellen, die Welt, in der die Produzenten unseres täglichen Essens in mehrfachen 30-Sekunden-Häppchen stündlich berichten, wie viel Tonnen Industrieöle sie diesmal an die Schweine verfüttert haben? Oder wäre es, andersherum, denkbar, dass 10.000.000 Hühner tatsächlich, wie ja erzählt wird, auf jeweils einem eigenen Quadratmeter Freilandboden leben. Wie wäre es denn, wenn sich herausstellen würde, dass die Wirtschaft viel besser funktioniert, wenn Unternehmen ihre Kreditanträge nicht an Privatbanken, sondern an die Bundesbank richteten? Oder, andersherum, wie wäre es, wenn Banken tatsächlich &#8220;den Weg frei&#8221; machen würden?</p>
<p>Fragen über Fragen. Alle nach dem gleichen Muster: Was wäre, wenn die Kluft zwischen Gesellschaftsstruktur und Semantikkultur nicht so weit auseinanderklaffen würde und eine Krise nach der anderen heraufbeschwüre? Eine sehr hypothetische Frage. Denn während sich die Zeitungen derzeit mit der einen Krise befassen, zieht am anderen Ende des Mediensprektrums schon die nächsten herauf. Es endet nie.</p>
<p>Ein paar, vielleicht 25.000, Menschen wünschen sich, dass sich 80.000.000 andere Menschen an politischen Entscheidungen beteiligen. Dabei lesen 70.000.000 von ihnen nicht einmal regelmäßig Nachrichten oder lesen Zeitung. Selbst ernannte Politikpiraten, deren oberstes Ziel es ist, politische Mandate zu entmachten und den politischen Bürger zu ermächtigen, streben plötzlich in Scharen Ämter und Mandate an. Glauben sie nicht einmal selbst an ihre Mission? Das die nächste Kulturkrise bevorsteht muss man gar nicht vorhersehen, man kann zusehen, wie sie hergestellt wird (<a href="http://www.christopherlauer.de/2012/03/18/definitionsmacht-baby/">hier</a>, <a href="http://nonamemanon.tumblr.com/post/19619417800/warum-ich-nicht-fuer-die-liste-kandidiere">hier</a>, <a href="http://www.wiesaussieht.de/2012/03/20/rottgen-die-piraten-und-die-nrw-cdu/">hier</a>, <a href="http://blogbar.de/archiv/2012/03/20/die-schramm-hat-es-sich-mal-wieder-anders-uberlegt/">hier</a>, <a href="https://twitter.com/#!/RealDeuterium/status/182149665976881153">hier</a>, usw. &#8211; eine Auswahl der letzten zwei Tage).</p>
<p>Nicht nur in der Ernährung, in der Wirtschaft oder in der Politik zeigt sich die Kluft. Sie ist überall. Der Text ließe sich unendlich weiterschreiben, über Millionengehälter fürs Umherjetten und Minilöhne in der Betreuung von unter 18-jährigen oder der Pflege von über 80-jährigen; über die Freiheiten des mobilen Internets und die Kasernen der Gerätehersteller. …man sieht schon, das sind nur die Beispiele, die aus moralischen Gründen oben auf der Liste stehen.</p>
<p>Nur ganz selten lässt sich die Kluft tatsächlich fassen und vielleicht auch schließen. Normalerweise kostet es viel Arbeit, sie aufzuspüren und zu ergründen. Aber manchmal fällt sie einem auch sofort ins Auge. Das Internet zum Beispiel kennt ein Heer von Beratern, die alle glauben, dass sie etwas verstanden hätten. Sie bieten für 500 Euro Tagesseminare an und erzählen Kunden, wie zu twittern sei und was ein Pinterest-Pin ist, oder wie man eine Xing-Gruppe einrichtet. Dabei müssten sie, wollten sie wirklich etwas darüber erzählen können, selbst erst einmal in asketischer Manier lernen, wie sie das Internet überhaupt erleben könn(t)en. Diese Selbstschule wäre so hart, dass nur wenige an ihr Ende gelängen, um dann für vorsichtiges Handeln qualifiziert zu sein.</p>
<p>Einer dieser Qualifizierten, der sich nie aufmachte ein Berater zu sein, hat es vor ein paar Tagen (vieleicht schon wenige Wochen) zu Twitter geschafft (der Preis dafür, er löschte seine alten Blogs einfach, war vielleicht etwas hoch). Rudi K. Sander konfiguriert jetzt, mitten in Europa mit Goethe im Blick, in <a href="https://twitter.com/#!/rudolfanders">ganz kleinen Schritten</a> Sinn, bedient sich hier und da, testet, verwirft, prüft und postuliert und fällt regelmäßig auf die Ausgangsfragen zurück. Es ist so, wie es Dirk Baecker (er <a href="https://twitter.com/#!/imtunnel">twittert auch</a> fleißig) derzeit immer behauptet: Man muss das Internet niemandem erklären, jeder der daran teilnimmt kann erleben, was zu verstehen ist. Und Rudi Sander lässt uns auf ganz vorzügliche Art an seinem Erleben teilhaben und teilnehmen.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/cayusa/4421697234/in/photostream/">Cayusa</a>)</em></p>
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		<title>Nachtrag zur Facebook- und Twitterindustrie</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/03/14/nachtrag-zur-facebook-und-twitterindustrie/</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Mar 2012 11:08:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Sascha Lobo hat recht. Mein zuletzt vorgetragener Vergleich von Twitter und der Bahn hinkt. Denn man weiß natürlich, was ein Zug macht und man darf seine Bürgerrechte während der Fahrt behalten, während Online Social Networks es bei einem vagen &#8220;möglicherweise&#8221; in ihren AGB belassen und den ihnen ausgelieferten User fordern. Der &#8220;Zugriff auf die Datenbank [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3432" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/03/Unbenannt-17.jpg" alt="" width="550" height="250" /></p>
<p>Sascha Lobo hat recht. Mein zuletzt vorgetragener <a href="http://sozialtheoristen.de/2012/03/13/social-web-sollte-auch-social-sein/">Vergleich</a> von Twitter und der Bahn hinkt. Denn man weiß natürlich, was ein Zug macht und man darf seine Bürgerrechte während der Fahrt behalten, während Online Social Networks es bei einem vagen &#8220;<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,820864,00.html">möglicherweise</a>&#8221; in ihren AGB belassen und den ihnen ausgelieferten User fordern. Der &#8220;<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/aus-dem-maschinenraum/twitter-archiv-wird-vermarktet-zugriff-auf-die-datenbank-des-denkens-und-fuehlens-11668838.html">Zugriff auf die Datenbank des Denkens und Fühlens</a>&#8221; soll per Marktwirtschaft geschehen und das Scharnier zwischen Individuum, Organisation und Gesellschaft sind die AGB. Warum?</p>
<p><span id="more-3412"></span>Es gibt dafür keine gute Erklärung. Twitter verkauft keine Software oder Server, sondern Inhalte. Diese jedoch hat Twitter nicht selbst geschaffen. Twitter glückte die &#8220;Erziehung der User zur immateriellen Arbeit 2.0&#8243; (Mark Cote und Jennifer Pybus beschreiben es <a href="http://www.transcript-verlag.de/ts1859/ts1859.php">hier</a>). Warum soll alles Twitter gehören, nur weil es in irgendeinem AGB-Text steht, für den sich niemand interessiert?</p>
<p>Die Prüfungsfrage zu dieser Problemstellung lautet: Was ist der Unterschied von Gemeinschaft und Gesellschaft? Schon vor hundert Jahren lautete eine Antwort: Gemeinschaften haben Satzungen, Gesellschaften haben Gesetze. Während zu Gemeinschaften nur Menschen gehören, die einer Satzung explizit zustimmen, gehören zur Gesellschaft grundsätzlich alle. Die Gesetze gelten, unabhängig davon, was der Einzelne von ihnen hält.</p>
<p>Twitter ist, so meine gestrige Feststellung, inzwischen weit mehr als nur eine Gemeinschaft (Organisation, Unternehmen). Twitter ist ein besonderer Teil der Gesellschaft geworden. Natürlich ist alles soziale Teil der Gesellschaft, aber der Verlust von Twitter würde einen spürbaren Unterschied bedeuten. Twitter ist, wie Facebook auch, nicht mehr beliebig austauschbar.</p>
<p>Das ist zum einen ein organisationaler Erfolg, aber damit verbunden ist nun eben auch ein gesellschaftliches Risiko. Und der folgende Vergleich liest sich in einem Satz krass, aber er ist wohldurchdacht: Mit Twitter sollte man gesellschaftlich umgehen wie mit Atomkraftwerken (und vielen anderen Einrichtungen, die Organisationen betreiben). Die Organisation darf über ihre Form in der Gesellschaft nicht allein entscheiden. Wenigstens der Rahmen dessen, was in AGB stehen darf muss auch politisch <em>entscheidbar</em> sein. Der derzeitige Rechtsrahmen ist unbestimmt und kaum exekutierbar. Das eigentliche Problem ist jedoch, dass man gar nicht weiß, wei man die nötige gesellschaftspolitische Diskussion überhaupt führt. Expertensitzungen in Parlamentsausschüssen helfen bislang kaum.</p>
<p>Per allmächtigen AGB soll die Profitabilität von Unternehmen gesteigert werden, die die Idee des Begriffs Produktion nicht kennen. Verwunderlich, dass man den heute nur noch vulgär verwendeten Begriff &#8220;Industrie&#8221; noch nicht den Online Social Networks angehangen hat.</p>
<p><em>(Auch hier handelt es sich um einen Gedankengang, aus dem sich keine Meinung ableiten lässt.)</em></p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/66879463@N00/4946025923/in/photostream/">Oldwoodchuck</a>)</em></p>
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		<title>Social Web sollte auch social sein!</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Mar 2012 17:12:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Der AGB-Unfug muss ein Ende haben. Das Internet macht sich in der Gesellschaft breit, und kaum jemand bekommt es bewusst mit. Aufklärung hilft nicht. Wie auch? Das ist nicht neu. Aufklärung war noch nie eine wirkliche Lösung. Wenn es zu kompliziert ist, ist es zu kompliziert. Noch bevor Sascha Lobo seine Kolumne heute veröffentlichte, twitterte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3410" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/03/Unbenannt-15.jpg" alt="" width="550" height="250" /></p>
<p>Der <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,820864,00.html">AGB-Unfug</a> muss ein Ende haben. Das Internet macht sich in der Gesellschaft breit, und kaum jemand bekommt es bewusst mit. Aufklärung hilft nicht. Wie auch? Das ist nicht neu. Aufklärung war noch nie eine wirkliche Lösung. Wenn es zu kompliziert ist, ist es zu kompliziert. Noch bevor Sascha Lobo seine Kolumne heute veröffentlichte, <a href="https://twitter.com/#!/spreeblick/status/179483302779039746">twitterte </a>Johnny Haeusler: <em>&#8220;Hiermit akzeptiere ich die Allgemeinen Geschäftsbed…&#8221; Klick. </em>Und er hat damit (genau, womit denn?) recht. Die Gesellschaft muss reibungsarm funktionieren. Wenn sie jedoch auffällig merkwürdig funktioniert und uns ständig überrascht und zur Problemlösung anhält, ist der Rat, die Gesellschaft möge in jedem an sie angeschlossenem Gehirn mitprozessiert werden, keine zielführende Antwort.</p>
<p><span id="more-3390"></span>&#8220;Die digitale Aufklärung ist der Ausgang des Nutzers aus seiner selbstverschuldeten Unnerdigkeit&#8221;. Das ist ein schöner Satz. Doch das Problem ist anders gelagert. Das Wort digital bedeutet nämlich nichts grundlegend Neues (außer, dass die Maschinen noch näher an unser Gehirn herangerückt sind). Frank Lübberding trägt einen <a href="https://twitter.com/#!/luebberding/status/179547943991390208">guten Einwand</a> vor. Wenn sich Technologie in der Gesellschaft breitmacht, kann nur die Gesellschaft die Nebenfolgen behandeln. Die &#8220;Nerdisierung&#8221; des Einzelnen hilft bei den Problemen, aber nur die &#8220;Nerdisierung&#8221; der Politik kann die Probleme auch lösen. Twitters Funktionieren ist inzwischen so wichtig wie die pünktliche Bahn. Die Piraten stehen schon bereit. Sie müssen nur noch lernen, wie sie politische Diskussionen auf Entscheidungen zuspitzen, ohne dass danach alle aus Enttäuschung noch mehr diskutieren.</p>
<p>Vielleicht könnte man der AGB-Textflut aber auch noch anders begegnen. Die Teile des Internets, die man als moderner Mensch wirklich braucht, sind überwiegend gar nicht nur kostenlos, sondern tatsächlich frei. Wikipedia, WordPress, Twit.tv. Zustimmungspflichtige AGB gibt es nur dort, wo die Macher im Hintergrund noch Profit vermuten. Twitter hat inzwischen eine Bedeutung gewonnen, bei der man sich wünscht, dass es nicht einfach einem Markt übergeben wird. Twitter hat <a href="http://gawker.com/5891675/">Probleme</a>, was die eigene <a href="http://www.businessinsider.com/what-twitters-leaked-financials-tell-us-about-its-ad-business-2012-3">Finanzierung</a> betrifft. Vielleicht sollten sie sich darum einfach keine weiteren Gedanken machen. Den die nun angestellten Überlegungen schüren ungute Ahnungen. Werbung wird in der Timeline sehr stören, promoted trends sind nahezu sinnlos. Vielleicht schafft es Twitter ein Verfahren zu entwickeln, mit dem am Honorar prominenter User für Werbetweets mitkassiert werden kann. Twitters Optionen für Geschäftsmodelle wurden nie euphorisch diskutiert. Man ist auch im sechsten Jahr sehr ratlos.</p>
<p>Warum sollte man überhaupt weiter ein Geschäftsmodell suchen? User – ich zum Beispiel – würden für Twitter sofort etwas zahlen. Ein Freemium-Modell für begeisterte User, eine Stiftung für Charitywillige, eine Reputationszwangsgebühr für Mitglieder mit mehr als 500.000 Follower (die sich das alle leisten könnten und sehr sicher auch wollen!). Vielleicht wird es Zeit, das Internet auf die nächste Stufe zu heben und es nicht mehr auf den Ideenrahmen von Werbeflächen zu reduzieren. Es wäre wirklich schade, wenn Twitter kaputt ginge, nur weil weniger als 1000 Menschen nicht wissen, wie sie die rare Aufmerksamkeit von 350.000.000 Menschen monetär ausbeuten können. <a href="https://twitter.com/#!/kusanowsky">@kusanowsky</a> hat recht: Kommunikation ist kein Geschäftsmodell. Twitter ist inzwischen Teil des Gesellschaftsmodells.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/yourdon/3599753183/in/photostream/">Ed Yourdon</a>)</em></p>
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		<title>TV-Series of Interest</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/03/10/tv-series-of-interest/</link>
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		<pubDate>Sat, 10 Mar 2012 13:50:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach Luther und Sherlock gibt es eine wirklich gute neue Serie wieder aus Amerika: Person Of Interest. Während Luther eine komische Welt und Sherlock eine merkwürdige Person in den Mittelpunkt stellt, sind es bei Person of Interest die Personen und die Welt. Die Serie spielt in der Jetztzeit, aber eigentlich greift es doch ein paar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-3386 alignnone" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/03/Unbenannt-13.jpg" alt="" width="550" height="260" /></p>
<p>Nach <a href="http://www.bbc.co.uk/programmes/b00vk2lp">Luther</a> und <a href="http://www.bbc.co.uk/programmes/b018ttws">Sherlock</a> gibt es eine wirklich gute neue Serie wieder aus Amerika: <a href="http://www.cbs.com/shows/person_of_interest/">Person Of Interest</a>. Während Luther eine komische Welt und Sherlock eine merkwürdige Person in den Mittelpunkt stellt, sind es bei Person of Interest die Personen und die Welt. Die Serie spielt in der Jetztzeit, aber eigentlich greift es doch ein paar Jahre, vielleicht Jahrzehnte voraus. Ohne zu spoilern, ich habe selbst erst die ersten beiden Folgen gesehen, kann man kurz darüber reden was passiert.</p>
<p><span id="more-3384"></span>Nach dem 11. September wurde eine Maschine entwickelt, die aus der Verknüpfung aller Daten und mit Hilfe von Algorithmen, Terror vorhersagen soll. Die erste Etappe der Entwicklung, das Datensammeln, klappte ganz gut. Die zweite Etappe, das Datenauswerten, ist ein Problem. Das Setup sieht so aus: Kameras und Mikrofone überall in New York City und ein riesiger Serverraum. Die Maschine rechnet für sich, kein Mensch greift mehr in die Algorithmen ein. Auch der Entwickler der Maschine erhält von ihr nichts weiter als Zahlen: Sozialversicherungsnummern von Menschen. Der Rest ist Detektiv- und Polizeiarbeit. Vielleicht ein gelungener 42-Witz. Auf jeden Fall Grund genug für Stoff mehrerer Staffeln.</p>
<p>Denn die Zahlen teilen sich in zwei Arten. Die einen betreffen Terrorismus. Die anderen (tödliche) Kriminalität. Die Maschine wurde zum Schutz der nationalen Sicherheit entwickelt. Der Schutz des Einzelnen ist ein unerwünschtes Nebenprodukt. So geschieht alle 18h in NYC ein Mord und obwohl Opfer oder Täter bekannt sind, wird nicht eingegriffen. Ein schönes Zitat: &#8220;We don&#8217;t build this, to save somebody. We build it, to save everybody.&#8221;</p>
<p>Also, ich kann das nur wärmstens Empfehlen. Denn natürlich gibt es nun den Einzelkämpfer, der sich um die Einzelschicksale kümmert und nach und nach werden die ganzen Fragen aufgeworden. Wer etwas gegen Pre-Crime-Szenarien, Rasterfahndung, Staatsbürgerkontrolle, Postprivacy, INDECT einzuwenden hat, also jeder, möge sich das mal anschauen. Die Serie diskutiert diese Fragen nicht viel, aber sie regt dazu an. Ebenso wird eine andere Utopie/Dystopie-Unterscheidung aufgehoben. Denn die Frage, wer überwacht die Überwacher?, stellt sich in der Serie nicht, weil es keine Überwacher mehr gibt. Niemand, auch der Entwickler nicht, versteht die Maschine. Sie funktioniert einfach und ist nützlich, indem sie einen Datenstrom zur Verfügung stellt, der nichts darüber sagt, wie er zu nutzen ist.</p>
<p>Es ist so ein bisschen wie mit den Datenbergen die Google und Facebook heute produzieren. Sie sind da, aber <a href="http://sozialtheoristen.de/2011/07/22/was-weis-google-schon/">wer weiß schon</a>, was man durch sie nun weiß?</p>
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