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	<title>Sozialtheoristen &#187; Tollerei</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>Bücherwelten</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 18:58:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore from Moonbot Studios on Vimeo. Wahrscheinlich fände ich die netztechnokratische Utopie von Post-Privacy und Post-Piracy attraktiver, wenn sie nur einmal anschaulich dargeboten würde. Wer will schon in einer Welt leben, die in jedem Hollywood-Zukunftsentwurf mißlingt um mit immer wieder gleicher und immer wieder schöner Nächstenlieberomantik zu enden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/35404908?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" frameborder="0" width="549" height="309"></iframe></p>
<p><a href="http://vimeo.com/35404908">The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore</a> from <a href="http://vimeo.com/moonbot">Moonbot Studios</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
<p>Wahrscheinlich fände ich die netztechnokratische Utopie von Post-Privacy und Post-Piracy attraktiver, wenn sie nur einmal anschaulich dargeboten würde. Wer will schon in einer Welt leben, die in jedem Hollywood-Zukunftsentwurf mißlingt um mit immer wieder gleicher und immer wieder schöner Nächstenlieberomantik zu enden. Überall Internet, das überzeugt nicht. Und da es ja nicht auf Sachverstand, sondern Lebensgefühl ankommt, empfehle ich zur fünfzehnminütigen Steigerung der Lebensfreude einen Film, der den Gegenentwurf obiger Utopie präsentiert. Sozusagen als impressionistische Dokumentation einer Lebenswelt, in der Bücher machen, was sie eben machen: ein mitreißendes Eigenleben führen. </p>
<p><span id="more-3082"></span></p>
<p>(Nur vier Minuten durchhalten und dann weiter durchs Internet klicken gilt übrigens nicht. Der Film ist entweder nur einen Blick aufs Vorschaubild oder seine 15 Minuten wert.)</p>
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		<title>Apple befreit Schüler von nervigem Text</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/01/20/die-bei-apple-sollten-mehr-lesen/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 15:05:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach den ersten fünf Minuten der gestrigen Bildungs-Präsentation von Apple muss man sich vor Ergriffenheit fast eine Träne verdrücken. Die Erfindung des Buches sei ja schön und gut, aber jetzt, da Apple das bewegte Bild erfunden hat, kommt die eigentliche Revolution: Interaktive, swipeable, zoomeable Schulbücher, auf Maß und Gewicht getrimmt; viele bunte Bilder, noch mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3069" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-3069" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-17.jpg" alt="" width="550" height="271" /><p class="wp-caption-text">Aussterbende Kulturpraxis: Bücherverschlingen</p></div>
<p>Nach den ersten fünf Minuten der gestrigen Bildungs-Präsentation von Apple muss man sich vor Ergriffenheit fast eine Träne verdrücken. Die Erfindung des Buches sei ja schön und gut, aber jetzt, da Apple das bewegte Bild erfunden hat, kommt die eigentliche Revolution: Interaktive, swipeable, zoomeable Schulbücher, auf Maß und Gewicht getrimmt; viele bunte Bilder, noch mehr Bewegung und Text, der sich von selbst aktualisiert, auf der Seite immer schön knappgehalten ist und der per Fingerschnipp entfernt werden kann, damit die 3D-Form des Bildes noch praller erscheint. Kurz: Schnick-Schnack statt Schulbuch. Hat sich Frau Schavan schon auf Knien dafür bedankt? Die Rettung des Bildungssystems steht bevor.</p>
<p><span id="more-3064"></span>Es gab mal eine Zeit, da zog der Film ins Klassenzimmer ein. Statt Lehrerunterricht gab es ein Video. Und wenn man sich zurückerinnert, weiß man, dass damit die langweiligsten Unterrichtsstunden gestaltet wurden. Nicht nur, weil der Film zumeist die didaktische Option der Lehrer war, die eh keine Lust mehr auf Unterricht hatten, sondern auch, weil ein Film sich immer dann anbot, wenn sich der Unterrichtsinhalt schön präsentieren lies: Vögel im Urwald, Gebirge, Schiffe: Sachunterricht also, der weniger auf Verstehen, als auf Wissen abstellt. Man kann Schüler kaum mehr langweilen.</p>
<p>Die eigentliche Revolution des Schulbuches wäre seine Abschaffung gewesen. In der Schule braucht man keine Bücher, weil Bücher zum Lesen da sind und in der Schule nicht zu viel gelesen werden sollte, zumindest nicht in Büchern. Wenigstens in einem Aspekt kann man die Meinung mit Apple teilen: Schulrucksäcke sind zu schwer und es liegt an den Büchern. Ich hatte mal einen Geschichtslehrer, der hat die interessantesten Sachen in den 10 Minuten erzählt, die er uns gab, um einen Text zu lesen. Er hat sich, während wir uns seine Textgrundlage für die kommenden Minuten aneigneten, gelangweilt und begann, seiner Ansicht nach, Belangloses zu erzählen. Weil wir uns auf unsere Texte konzentrieren wollten, versuchten wir am absichtsvollsten nicht hinzuhören, was dadurch natürlich gerade gar nicht gelang. Statt des Textinhalts prägten seine Nebensächlichkeiten diese 10 Leseminuten und an sie schlossen auch die Inhalte der restlichen Stunde an. Bildung bedeutet Assoziieren, ab vom Plan, gemeinsam oder alleine. Bald bekommen Lehrer nur noch eine Frage von ihren Schülern: &#8220;Wieso soll ich das lernen/verstehen, wenn es die Antworten-Maschine doch alles schon und viel besser kann?&#8221; Und vielleicht bleibt noch die Frage: &#8220;Das sollen wir alles lesen? Haben Sie kein iBook 2 dafür?&#8221;</p>
<p>Bildung und Lehre, das heißt vor allem, Zufall zuzulassen, Chancen erkennen und Gelegenheiten ergreifen. Wenn jedoch die Algorithmen nun auch noch in die Klassenzimmerinteraktion einziehen sollen, braucht sich niemand wundern, wenn die Schule durchgescriptet ist wie das RTL-Nachmittagsprogramm. Beides hat den gleichen Zug zur Realität.</p>
<p>Und das alles ganz zu schweigen ab von dem Umstand, dass die Inhalte des aktualisierbaren Schulbuchs natürlich nur Apple gehören, sonst nirgendwo zweitveröffentlicht werden dürfen und Apple sich jederzeit das Recht nimmt, Inhalte zu ändern oder zurückzuweisen. Wie soll man das ohne Zynismus kommentieren?</p>
<p>Apple entwickelt sich zu einer wirklichen Katastrophe. Wenn sie eine nützliche, folgenreiche und konstruktive Investition in ihr &#8220;Education-Business&#8221; tätigen wollen, sollten sie mal mit den Familien ihrer Foxconn-Mitarbeiter anfangen.</p>
<p>Aber, kann man sich ja trotzdem <a href="http://events.apple.com.edgesuite.net/1201oihbafvpihboijhpihbasdouhbasv/event/index.html">mal angucken</a>.</p>
<p><em>Editorische Notiz: Es kann sein, dass ich einfach nur das süffisante Grinsen von Roger Rosner nicht ertragen konnte, er spricht so lang&#8230; Ich lehne den Vorstoss von Apple eigentlich gar nicht vollständig ab. Etwa 15% der Idee finde ich gut.<br />
</em></p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/etolane/127724254/in/photostream/">Etolane</a>)</em></p>
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		<title>Offene Briefe &#8211; wohin &amp; womit?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/01/13/offene-briefe-wohin-womit/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 12:41:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Wulff-Angelegenheit Briefe zu schreiben zahlt sich aus. Noch immer ist der, wenn auch nicht handgeschriebene, aber doch auf Papier gedruckte und frankierte, Brief das Medium, das die öffentliche Meinung am zielsichersten ins Paul-Löbe-Haus bugsiert. Der Brief an den (eigenen) Abgeordneten ist die eine Lösung, der direkt adressierte offene Brief die andere. Doch sollte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3055" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-16.jpg" alt="" width="550" height="216" /></p>
<p>In der Wulff-Angelegenheit Briefe zu schreiben zahlt sich aus. Noch immer ist der, wenn auch nicht handgeschriebene, aber doch auf Papier gedruckte und frankierte, Brief das Medium, das die öffentliche Meinung am zielsichersten ins Paul-Löbe-Haus bugsiert. Der Brief an den (eigenen) Abgeordneten ist die eine Lösung, der direkt adressierte offene Brief die andere.</p>
<p><span id="more-3051"></span>Doch sollte man <a href="http://kielspratineurope.com/2012/01/08/ein-offener-brief-an-den-bundesprasidenten/">vorm Schreiben kurz nachdenken</a>, an wen er explizit gerichtet ist und was er enthalten soll. Im Fall Wulff hat sich herausgestellt, dass auch ein parlamentarischer Geschäftsführer der größeren Partei einer Regierungskoalition den &#8220;Christian&#8221; nicht zu einer vernünftigen Haltung motivieren kann:</p>
<blockquote class="twitter-tweet tw-align-center" lang="de"><p>Ich mach mich jetzt vom Acker. Wünsche mir, dass Christian seine Anwälte an die Leine legt und die Fragen/Antworten ins Netz stellt.</p>
<p>&mdash; Peter Altmaier (@peteraltmaier) <a href="https://twitter.com/peteraltmaier/status/156880853631373312" data-datetime="2012-01-10T23:31:24+00:00">Januar 10, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Man muss also die Taktik ändern. Christian Wulff ist nicht mehr zu erreichen. Man sollte über Bande gehen. Alle Wege führen über die Kanzlerin! Offene Briefe sind an sie zu richten. Inhaltlich sollte man nicht zu sehr auf die Emo-Schiene abdriften. Alle Argumente gegen Wulff stimmen. Doch es hilft wenig, sie ständig wieder zu wiederholen. Schon macht sich die privatmeinungs-mediale Erlahmung breit.</p>
<p>In einem offenen Brief an die Kanzlerin sollte darauf hingewiesen werden, wie eng Christian Wulff über Amt und Person mit der gegenwärtigen Schwarz/Gelben-Koalition verbunden ist. Alle Glaubwürdigkeitsverluste und alle Lügenunterstellungen vererben sich auf die Politik allgemein, auf Schwarz/Gelb im Besonderen. Wulff zu wählen war damals für viele ein zu großer Fehler, der der Koalition angelastet wird. Wulff jetzt zu halten, oder gar aktiv zu unterstützen ist der nächste, noch größere.</p>
<p>Zu 2/3 sollte ein offener Brief an die Kanzlerin den kommenden Bundestagswahlkampf vorwegnehmen. Schwarz/Gelb wird keine Versprechen machen können, wird keine Kümmerer in die Lande schicken können und wird auch nicht in der Lage sein, die so typischen Ein-Wort-Kampagnen führen zu können. Die SPD, die wohl am ehesten Peer Steinbrück ins Rennen schickt, wird nicht nur einen besseren Kanzler vorschlagen, sondern auch eine gehörige Portion &#8220;besserer Präsident&#8221;. Die Stelle, die Wulff derzeit ausfüllt, ist jetzt schon vakant – irgendwer wird diese Lücke füllen. Dass ein Wahlkampf ansteht, passt der SPD wohl sehr gut.</p>
<p>Man sollte sich nicht weiter wundern, dass die Kritik an Wulff aus der CDU-Hinterbank derzeit größer ist als die der SPD-Spitze.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/selago/867815040/in/photostream/">aroid</a>)</em></p>
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		<title>Mitmachen und Bessermachen</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 14:51:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Man muss nicht immer eine Olympiade daraus machen, doch auf der Liste der merkwürdigen Wörter 2011 gehört eines nach ganz oben: Demokratisierung. Sei es als kühne Idee, sei es als handfestes Kriterium. Alles, was 2011 mit dem Begriff &#8220;Demokratisierung&#8221; dekoriert wurde, ging schief. Nach der &#8220;Arabellion&#8221; regiert in Tunesien die Generation 60+, in Ägypten das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3047" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-15.jpg" alt="" width="550" height="291" /></p>
<p>Man muss nicht immer eine Olympiade daraus machen, doch auf der Liste der merkwürdigen Wörter 2011 gehört eines nach ganz oben: Demokratisierung. Sei es als kühne Idee, sei es als handfestes Kriterium. Alles, was 2011 mit dem Begriff &#8220;Demokratisierung&#8221; dekoriert wurde, ging schief. Nach der &#8220;Arabellion&#8221; regiert in Tunesien die Generation 60+, in Ägypten das Militär und in Libyen das Chaos und auch die hiesigen Demokratisierungsversprechen sind durch die Bank merkwürdig. Allen voran das Bekenntnis: Wenn wir es allen zur Verfügung stellen, haben wir es demokratisiert. Wozu brauchen wir einen Begriff, den wir für alles verwenden?</p>
<p><span id="more-3042"></span>Dabei ist mit Demokratie so viel mehr gemeint als: Jeder kann mitmachen und der Diktator ist tot. Er steht für spezifische Prinzipien und Möglichkeiten. Erstaunlicherweise ist die Piratenpartei noch der ertragreichste Demokratieförderer. Nach kritikwürdiger Holprigkeit haben sie die Demokratie bisweilen gut im Griff – besonders, weil die Piratenpartei endlich eine Organisation geworden ist. Denn das heißt vor allem: Es darf zwar jeder mitmachen, aber nicht einfach so.</p>
<p>Das größte Problem des Prinzips &#8220;Demokratisierung&#8221;: <em>Alle dürfen mitmachen</em> ist nämlich, dass dann alle mitmachen, ohne zuzulassen, dass die sich einstellenden Überforderungen von Personen und Institutionen kompensiert werden müssen. Das <a href="http://zombietetris.de/blog/das-ist-nicht-die-partei-in-die-ich-mich-verliebt-habe/">Umdenken</a> ist im Gang, rechtzeitig vor 2013.</p>
<p>Die Verramschung des Demokratiebegriffs ist glücklicherweise noch nicht auf den Begriff der Legitimation durchgeschlagen. Denn diesen Begriff benötigen wir noch, wenn dieses Jahr <a href="http://gruen-digital.de/2012/01/bundesregierung-testet-spionagesoftware-finspy-als-ersatz-fuer-bundestrojaner/">FinSpy</a> Aufmerksamkeit erregt, wenn bei der Fussball-EM <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/INDECT">INDECT</a> getestet wird und wenn all die merkwürdigen Dinge passieren, die uns vorher nicht aufgefallen sind, weil sie so in keinem Gesetzestext auftauchen und trotzdem unter dem Deckmantel der Demokratie geschehen. Für das ein oder andere Problem, das sich abzeichnet und das nur europäisch zu lösen ist, gibt es bislang nicht mal einen ausformulierten grundgesetzchrakterlichen Text.</p>
<p>Die Demokratisierungen sind 2011 gründlich schiefgegangen, vielleicht lässt sich einiges wieder hinbiegen, wenn 2012 versucht wird, das ein oder andere zu <em>legitimieren</em>. Nur sollte man schon mal beginnen, zwischen Partizipation und Protest zu unterscheiden. Das eine findet im Internet und auf der Straße statt, das andere in Parlamenten und Parteien. Legitimation lässt sich nicht auf der Straße aufsammeln, auch nicht im Schwarm und erst recht nicht durch die ‚Intelligenz&#8217; einer Masse.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/kalyan02/5458325252/in/photostream/">Kalyan Chakravathy</a>)</em></p>
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		<title>Personen, Ämter, Apparate</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/01/07/personen-amter-apparate/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 10:50:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war lustig und verständlich, als Wolfgang Schäuble in seiner damaligen 100.000-Mark-Show der Öffentlichkeit mitteilte, er wisse nicht, mit wem er sich im Laufe seiner Amtszeit getroffen habe, er wolle aber seinen &#8220;Terminkalender daraufhin sichten lassen&#8221;. Dieser Wortlaut ist ein interessantes Indiz. Es zeigt, wie sehr Politiker in einer Welt, oder besser: einer Gegenwart, leben, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2997" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-13.jpg" alt="" width="550" height="250" /></p>
<p>Es war lustig und verständlich, als Wolfgang Schäuble in seiner damaligen 100.000-Mark-Show der Öffentlichkeit mitteilte, er wisse nicht, mit wem er sich im Laufe seiner Amtszeit getroffen habe, er wolle aber seinen &#8220;Terminkalender daraufhin sichten lassen&#8221;.</p>
<p><span id="more-2993"></span>Dieser Wortlaut ist ein interessantes Indiz. Es zeigt, wie sehr Politiker in einer Welt, oder besser: einer Gegenwart, leben, die sie fast nicht mitgestalten. Sie sind angetreten die Welt zu verändern, doch sie haben nicht mal die Übersicht über ihre eigenen Tagesabläufe. Sie werden ihnen bereitet, sie vollziehen sie und vergessen sie sogleich wieder. Eine wichtige Person in einem hohen Amt muss sich auf ihren Apparat verlassen.</p>
<p>Die Kanzlerin beispielsweise hat für ihre Amtsführung einen eigenen Bundesminister und verfügt über ein Jahresbudget von 1,94 Milliarden Euro. Im Grundgesetz kann man sich über das Kanzleramt informieren und in den geschriebenen Biographien über Angela Merkel. Wolle man aber wirklich etwas Interessantes über die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Amtsführung erfahren, muss man sich an den laufenden Kanzleramts-Apparat wenden. Und mit der Person A. Merkel hätte man wohl währenddessen nie etwas zu tun. Nur wenn etwas Größeres misslingt, dann muss sie sich erklären.</p>
<p>Mit dem Bundespräsidenten verhält es sich wohl kaum anders. Fast niemand, der mit dem Bundespräsidialamt zu tun hat, hat mit Christian Wulff zu tun und nur weniges von dem, was das Bundespräsidialamt tut, macht Christian Wulff selbst. Im Gespräch mit der Öffentlichkeit ins &#8220;man&#8221; auszuweichen, wenn es um Entschuldigungen, Veranlassungen und Erklärungen geht, ist also recht konsequent. Es wirkt nur merkwürdig, weil wir doch eine eindeutige und uns bekannte Person sehen, die – von sich selbst – als <em>man</em> spricht.</p>
<p>Vielleicht muss man etwas mehr Verständnis dafür aufbringen, wenn Christian Wulff davon spricht, dass der Wechsel von Hannover nach Berlin nicht reibungslos verlief. Nicht nur er ist umgezogen, sondern ein ganzer Apparat musste eine &#8220;Transition&#8221; absolvieren. Von einem Ort zum nächsten, von einer Aufgabe in die nächste. Das muss nicht immer gelingen.</p>
<p>Was das mit dem aktuellen Fall zu tun hat? In Wulffs Fall eigentlich gar nichts. Bei Wulff steht nicht der Amts-Apparat in der Kritik, sondern nur er persönlich. Je mehr man versucht, Erklärungen zu suchen und Verständnis zu gewinnen, desto mehr erhärtet sich das eigene Urteil über Christian Wulff.</p>
<p>Wie romantisch waren die Zeiten, in denen es um Parteispenden ging, also Einzelne ihren Parteidienst über ihren Landesdienst stellten. Wulff dagegen ist überhaupt nichts heilig, alles, was derzeit auf dem Tisch liegt (bequemeres Fliegen, billigeres Wohnen, schöneres Aussehen von Bettina), ist <em>ihm</em> anzulasten.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/zigazou76/5264174576/in/photostream/">Frédéric BISSON</a>)</em></p>
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		<title>Männer denken zu viel, Frauen träumen zu viel</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/01/06/manner-denken-zu-viel-frauen-traumen-zu-viel/</link>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 12:32:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologielinks]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Na gut, nehmen wir einmal an, sie hat hiermit recht: Die ‚neuen Männer&#8217; sind rücksichtsvoll verlegen, mutlos und durch ständiges Denken in ihren Taten gehemmt. Was wäre die Konsequenz? Soll man es als Plädoyer lesen, als Mann (wieder?) tatkräftig, undurchdacht und fordernd mit Frauen umzugehen? Mich erinnert das lesen des Textes an eine kurze Interviewepisode [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2972" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-2972 " src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-12.jpg" alt="" width="550" height="278" /><p class="wp-caption-text">Man kann es immer übertreiben, gerade in der Liebe.</p></div>
<p>Na gut, nehmen wir einmal an, <a href="http://www.zeit.de/2012/02/Maenner">sie hat hiermit recht</a>: Die ‚neuen Männer&#8217; sind rücksichtsvoll verlegen, mutlos und durch ständiges Denken in ihren Taten gehemmt. Was wäre die Konsequenz? Soll man es als Plädoyer lesen, als Mann (wieder?) tatkräftig, undurchdacht und fordernd mit Frauen umzugehen?</p>
<p><span id="more-2969"></span>Mich erinnert das lesen des Textes an eine kurze Interviewepisode mit Heiner Lauterbach. Er saß im TV in großer Runde und beschwerte sich darüber, dass die Jugend den Mädchen so viel einfacher fällt als den Jungen. Denn diese müssen rackern und arbeiten, während die Mädels einfach an der Bar sitzen und sich ansprechen lassen können. Auf den Hinweis aus der Runde, dass dies aber nur für sehr wenige Mädels zutrifft und fast alle anderen unbeachtet und leidend neben diesen Mädels sitzen, schwieg er kurz und ergänzte dann, das habe er wohl übersehen, aber naja.</p>
<p>Ich möchte aus dem Text von Nina Pauer kein Plädoyer herauslesen. Viel zu schlüssig und plausibel erscheinen mir die <a href="http://www.google.de/search?q=Eva+Illouz+Interview&amp;hl=de">von Eva Illouz</a> bislang zum Thema lesbaren. Nicht nur die Männer verändern sich, sondern das Prinzip und die Funktionsweise der Liebe selbst. Wenige Frauen können sich auf ihre Physiognomie verlassen und werden sich, zumindest in ihrer Jugend, niemals langweilen. Diese Frauen können darauf hoffen, dass es immer Männer gibt, die sich für sie interessieren, sodass sie ihr Annehmen-Ablehnen-Spiel spielen können.</p>
<p>Für den Rest, eventuell die Mehrheit, ist Liebe aber vielleicht wieder mehr als ein Spielchen, dass man in der Jugend mit Freude und später mit Anstrengung spielt. Es sind nicht mehr die 80er heute. Eckhard von Hirschhausen, &#8220;<a href="http://www.hirschhausen.com/glueck/kompass.php">Glücksexperte</a>&#8220;, hat immer den guten Hinweis parat, schon am Anfang des Kennenlernens keine Dinnerspielerei zu machen, sondern sich direkt ins Leben zu stürzen. Warum nicht gleich eine Alltagsprobe machen? Eine berechtigte Frage. Für Romantik bleibt immer noch Zeit, nachdem man sich vertraut geworden ist.</p>
<p>Es ist heute schwierig genug. Eroberungswillige Frauen, die von den Männern noch immer die 95% Initiative einfordern, ständige Opferbereitschaft verlangen und nicht zum kleinsten Anzeichen von Sicherheit bereit sind, müssen eben manchmal sehen, wo sie bleiben. Sich über junge Männer in diesem Ton zu beschweren, oder gar lustig zu machen, während gleich nebenan berechtigterweise auf die Rape-Culture hingewiesen wird, ist weder dumm noch klug, aber ziemlich verwirrend. Es könnte für viel junge Männer schlicht einfacher sein, wenn die jungen Frauen ihre neue Rolle finden würden, anstatt der alten Prinzessinnenidee hinterherzutrauern.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/alicelingching/5332064897/in/photostream/">alice_ling</a>)</em></p>
<p><em>Nachtrag</em>: <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/allerseelen/archive/2012/01/07/richtig-kuessen-frau-pauer.aspx">Weiterführende Leseempfehlung</a>.</p>
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		<title>Würde und Ehre</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/01/05/wurde-und-ehre/</link>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 19:57:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Christian Wulff hat in seinem gestrigen Interview mehrfach den Versuch unternommen, eine Erklärung als Entschuldigung zu verkaufen. Die Welt sei eine andere geworden, die Aufgabe eines Bundespräsidenten eine schwierigere und überhaupt, er musste seine Rolle zu schnell finden, er konnte das ja alles nicht ahnen, wurde vom Amt überrumpelt und nun sieht er sich im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2961" title="Atlas" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-11.jpg" alt="" width="550" height="295" /></p>
<p>Christian Wulff hat in seinem gestrigen Interview mehrfach den Versuch unternommen, eine Erklärung als Entschuldigung zu verkaufen. Die Welt sei eine andere geworden, die Aufgabe eines Bundespräsidenten eine schwierigere und überhaupt, er musste seine Rolle zu schnell finden, er konnte das ja alles nicht ahnen, wurde vom Amt überrumpelt und nun sieht er sich im Recht einer zweiten Chance.</p>
<p><span id="more-2956"></span>Der Feststellung, dass Wulff nicht (mehr) ins Amt des Bundespräsidenten passt, folgt eine offene Frage: Wie soll er sein, der nächste Bundespräsident? Klar ist, meiner Ansicht nach, nur, dass er sich auf die Würde des Amtes nicht mehr verlassen darf. Wer Präsident ist, muss auch ohne Amt präsidiabel sein. Als Präsident aller Deutschen wäre man nicht nur auch Präsident des Islams, der zu Deutschland gehört, sondern auch Präsident aller Hartz-IV-Empfänger. Die Frage, ob man Präsident eines Landes sein möchte, in dem es zuweilen fast strafrechtlich verboten ist, Geld per Kredit oder Schenkung von jedermann anzunehmen, wäre dann prinzipiell zu bejahen. Auch sollte man dann ein Präsident sein, der bereit ist, zur Miete und mit Unbekannten in einem gemeinsamen, nicht dem eigenen, Haus zu leben. Die Kinder sollten öffentliche Schulen und Spielplätze besuchen.</p>
<p>Der nächste Bundespräsident sollte sich nicht hinter einer Nichterklärung verstecken müssen. Er sollte niemals Angst vor einem öffentlichen Auftritt haben. Er sollte sich nicht erst im Amt als fähig erweisen, sondern fähig sein, sodass ihm auch mal etwas misslingen darf. Er sollte nichts tun, was ihm als Fehler ausgelegt werden kann, weil er selbst wissen sollte, was ein Fehler ist.</p>
<p>Kurz: Der nächste Bundespräsident muss sich persönliche Ehre und Respekt erarbeitet haben und das Amt verdienen. Der moralische Maßstab ist kein überholtes Konzept der letzten Gesellschaft, sondern das einzige Maß, das für einen Bundespräsidenten gilt. Er soll nicht nur Reden halten, sondern urteilen können und für ihn bleibt nur das moralische Urteil, das sich aufgrund seiner Argumente wie von selbst trägt und für seine Wirkung nichts weiter braucht als die Autorität desjenigen, der es ausspricht.</p>
<p>Dieser sollte, sollte, sollte &#8211; Anforderungskatalog klingt jetzt sehr hochgesteckt. Aber wie sollte es anders gehen, sollte man das Amt nicht aufgeben wollen. Benötigt wird es. Und es gäbe vor allem viele, die für es infrage kämen. Vielleicht muss man es nur weiter von der Politik entkoppeln. Man kann sich für das Amt des Bundespräsidenten fast keine bessere Disqualifikation vorstellen, als ein Leben lang durch einen Parteiapparat getrieben worden zu sein.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/kriese/310414690/in/photostream/">Christopher Kriese</a>)</em></p>
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		<title>Ohne Glanz und Würde</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 19:54:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die „Würde“ des Amts ist doch allen egal. Es geht nur um die Person Wulff. Viele mochten sie nie und mittlerweile wissen alle, dass es niemanden (mehr) gibt, der von ihm noch etwas hält oder erwartet. Man weiß auch, warum er nicht zurücktritt. Weil völlig unklar ist, was er danach tun sollte. KT Guttenberg hielt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2948" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-1.jpg" alt="" width="550" height="266" /></p>
<p>Die „Würde“ des Amts ist doch allen egal. Es geht nur um die Person Wulff. Viele mochten sie nie und mittlerweile wissen alle, dass es niemanden (mehr) gibt, der von ihm noch etwas hält oder erwartet. Man weiß auch, warum er nicht zurücktritt. Weil völlig unklar ist, was er danach tun sollte. KT Guttenberg hielt es mit 400 Millionen Vermögen nicht zuhause aus, S Berlusconi, der Medien und Milliarden beherrscht, will unbedingt zurück in die Politik. Was sollte Christian Wulff aus Osnabrück noch in der Welt wollen, ohne Amt? Alles hatte er wegen seinen Ämtern. Nun behält er es. Aber was nützt es ihm? Er kann es für kein anderes Amt mehr verlassen, es ist sein letztes und er glänzt nicht mehr darin.</p>
<p><span id="more-2943"></span>Wulff stellt in seinem Interview fest, dass er sein Verhältnis mit den Medien ändern muss. Er möchte sie als Mittler mehr einbinden. Er hat erkannt, dass dies wichtig ist, in einer Demokratie. Mit Medien meint er die Bild-Zeitung und mit seinem Verhältnis zu den Medien seinen dämlichen Anruf einer Mailbox. Guten Morgen, Herr Präsident! Wer 2012 „Medien“ sagt, sollte eigentlich was anderes meinen: Twitter und so weiter. Denn, das was im Internet passiert, ist ein guter Indikator für ganz andere Vorgänge, auf die Wulff mit seinem Privatsphären-Gerede implizit verweist.</p>
<p>Es ist diese grundlegende Überforderung. Nicht der Einzelne ist überfordert, sondern die Gesellschaft selbst. Sie bietet Kommunikationswege, von denen niemand weiß, wie sie zu benutzen sind und welche Folgen ihre Benutzung hat. Man ist sich nur sicher, dass man sie nutzen muss. Erst einmal behilft man sich mit Humor – aber, das kann man sicher sagen, nur aus Verlegenheit.</p>
<p>Jeder Halbsatz von Wulff ist Anlass für das nächste Mem; inzwischen hat er Angst vor öffentlichen Terminen (Weihnachtsansprache, Sternsinger, …). Das Prinzip der öffentlichen Person muss ziemlich neu gedacht werden. Wenn jede persönliche Regung nicht nur mit Gedanken, sondern mit sofort für alle &amp; von allen einsehbaren Assoziationen begleitet wird. Wulffs Interview wurde veröffentlicht und kollektiv transkribiert, also zitierfähig und verlinkbar gemacht, als es fast noch unausgesprochen war. Jetzt, da es gerade im TV lief, ist es schon allen bekannt, die Perlen sind bereits karikiert und die Meinung ist kollektiv gebildet.</p>
<p>Es ist also wirklich fast egal, was als Nächstes sachlich passiert. Die Urteile sind gebildet und um Würde geht es überhaupt nicht mehr. Früher, als auf die Würde eines Amtes per Siegel verwiesen wurde und die Person schon deshalb kaum eine Rolle spielte, weil sie abwesend und optisch unbekannt war, da funktionierte es noch. Heute jedoch geht es nur noch um Personen. Und wenn eine Person öffentlich verbrannt ist, dann ist egal ob und welches Amt sie hat.</p>
<p>Vielleicht geht es einmal so weit, dass die Eigenschaften einer Person sich auf ein Amt vererben – umgekehrt, alt hergebracht, funktioniert es nicht mehr.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/jcarlosn/3758512806/in/photostream/">Jose Carlos Norte</a>)</em></p>
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		<title>Wozu sich Gedanken machen&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 09:43:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230; ich hab&#8217; nicht mal Lust, ein passendens Bild rauszusuchen. Was Nils Minkmar in der FAZ schreibt, stimmt wohl. „Christian Wulff klingt dort wie ein Ex, der noch lange nach der Trennung zwischen Rachedurst und Sehnsucht schwankt und beseelt zum spätabendlichen Monolog ansetzt &#8211; es ist der Stoff, aus dem Countrysongs gedichtet werden.“ Noch kennt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8230; ich hab&#8217; nicht mal Lust, ein passendens Bild rauszusuchen.</em></p>
<p><span id="more-2934"></span>Was <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wulffs-drohung-der-anruf-des-bundespraesidenten-11588714.html">Nils Minkmar in der FAZ</a> schreibt, stimmt wohl. „Christian Wulff klingt dort wie ein Ex, der noch lange nach der Trennung zwischen Rachedurst und Sehnsucht schwankt und beseelt zum spätabendlichen Monolog ansetzt &#8211; es ist der Stoff, aus dem Countrysongs gedichtet werden.“ Noch kennt man den AB-Mitschnitt nicht öffentlich. Aber es ist zu erwarten, dass es ein klein wenig schlimmer ist als in Countrysongs. Denn solcher Schruz ist vor allem der Stoff, aus dem Seifenopern bestehen, wie sie das gemeine Publikum in Deutschland kennt. Man kann es kaum noch unterscheiden. Die abendlichen Nachrichten werden nur etwas getragener und stilsicherer vorgetragen, als die Stories, die in Eile in die Seifenoper-Skripte geschmiert werden.</p>
<p>Die eigentliche Frage ist doch, wie man mit einem Bundespräsidenten umgeht, der sein Amt gar nicht mehr ausfüllen kann und dennoch nicht zurücktritt. Wulff muss gar nicht zurücktreten, er ist schon jetzt kein <em>Bundespräsident</em> mehr. Er ist ein Occupier, an einem Ort an den er nicht gehört. Solche Gebaren müssen nicht grundsätzlich abgelehnt werden. Die anderen, eigentlichen Occupier die wir heute kennen, sind dort, wo sie sind, weil sie sich einer gewissen Unterstützung sicher sein können. Wulff dagegen ist ein einsamer Occupier, er lebt in seiner ganz eigenen Welt und so langsam sagt man sich: na soll er doch. Brauchen tun wir einen (bzw. diesen) Bundespräsidenten eh nicht, es wäre nur schön, einen zu haben. Sollte demnächst etwas Schlimmes in Deutschland passieren, hätte sowieso niemand auf ein Wort von Wulff gewartet. Ein solches hätte eine merkwürdige Lage wohl eher nur noch merkwürdiger gemacht.</p>
<p>Ich finde, Wulff ist nur noch als Person interessant. Ein <a href="https://pinboard.in/u:diplix/b:9d18ac21ef70">Kommentar von Felix Schwenzel</a> liegt mir wohl am nächsten:</p>
<blockquote><p>es sind gar nicht die unzureichenden finanziellen mittel, es ist wulffs unfähigkeit selbstbewusstsein ohne machtinsignien zu spüren. es ist nicht die macht (seiner) worte oder seiner taten oder seines könnens die ihm selbstbewusstsein verleihen, sondern seine ämter, sein haus, seine frau, seine vermeintliche stellung. dahinter verschanzt er sich und verklagt oder bedroht kritiker.</p></blockquote>
<p>Also-Aber, kann man eignetlich nicht mal über Wulffs Person reden, weil er gar keine <em>persönlichen</em> Merkmale hat, sondern sich komplett über Externalitäten definiert: Haus, Frau, Amt, &#8220;Freunde&#8221;. Sei&#8217;s drum. Lassen wir Wulff einfach Wulff sein, verzichten wir eine Weile auf einen Bundespräsidenten und lassen wir es zu, dass Wulff die Nachrichten okkupiert. Je mehr Wulff desto weniger Krisen-Lifeticker in den Medien, so verkehrt ist das auch nicht. Wenn es schon alles zur Seifenoper verkommt, dann wenigstens diese.</p>
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		<title>Auch Piraten brauchen ein Schiff</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2011/12/18/auch-piraten-brauchen-ein-schiff/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 11:20:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine der frühen Empfehlungen an die Piratenpartei war, sich nicht vom ‚alten System‘ vereinnahmen zu lassen. Die Riege der meist jungen Engagierten, die nach der Europawahl ihren ersten Höhenflug erlebten, wollten Politik machen &#8211; selber, anders und besser. Nun haben sie erste parlamentarische Pflichten, müssen sich als Partei organisieren und sie sind, inzwischen recht mutig, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2916" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-2916" title="Papierpiraten" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2011/12/Unbenannt-14.jpg" alt="" width="550" height="290" /><p class="wp-caption-text">Wer im Parlament sitzt, muss sich mit Papier beschäftigen und kreativ sein.</p></div>
<p>Eine der frühen Empfehlungen an die Piratenpartei war, sich nicht vom ‚alten System‘ vereinnahmen zu lassen. Die Riege der meist jungen Engagierten, die nach der Europawahl ihren ersten Höhenflug erlebten, wollten Politik machen &#8211; selber, anders und besser. Nun haben sie erste parlamentarische Pflichten, müssen sich als Partei organisieren und sie sind, inzwischen recht mutig, auf der Suche nach mehr Mobilisierung.</p>
<p><span id="more-2909"></span>Es ist jetzt also ein guter Zeitpunkt, sich über den Status der Piraten zu erkundigen. Die üblichen Fragen wurden schon gestellt. Ein paar soziologische sind noch offen. Eine recht interessante ist: Wie geht eine Partei, die aufgestellt ist, wie die Piraten, mit dem Problem der Raumgebundenheit um? Man stellt fest, dass auch die Piraten Parteitage veranstalten, dass sie über Mandate Parlaments<em>sitze</em> haben und dass sie ihre angehenden Stars in die Talkshowmaschine der Massenmedien entsenden.</p>
<p>Die eigentliche Idee war aber eine andere. Liquid Feedback sollte den Takt vorgeben, die Unterscheidung von Politik und Publikum sollte aufgehoben werden, ebenso die Unterscheidung von politischer Vorder- und Hinterbühne. Das klappt, aber eben nur dort, wo es zulässig ist. So wie die gestandenen Stars der etablierten Parteien – die ganz auf massenmediale Präsenz getrimmt sind – von Zeit zu Zeit doch auf Marktplätzen und im Ortsbüro Präsenz zeigen müssen, sind die Piraten angehalten, aus dem Internet in die Massenmedien zu gehen, um Orientierungsmarken zu setzen.</p>
<p>Die Funktionslogik der Demokratie verwehrt sich gegen übermäßige Utopieisierung. Kompromisse sind schon notwendig, um überhaupt die Bedingungen für inhaltliches Arbeiten zu schaffen. Die Trennung von Politik und Publikum bleibt bestehen, aber in welcher Form? Marina Weisband, ohne Mandat aber mit Parteiamt und massenmedialer Attraktivität <a href="http://www.marinaslied.de/?p=682">schrieb gestern Abend aus ihrer neuen Perspektive</a> über diese Unterscheidung. Aus ihrer Empörung über „die da oben“ ist offensichtlich Enttäuschung über „die da unten“ geworden.</p>
<blockquote><p>Es scheint so zu sein, dass zu einer gewissem Bekanntheit ganz automatisch ein paar Leute mitgeliefert werden, die einen ohne Grund hassen, die beleidigen, die meinen, einen zu kennen und zu durchschauen, ohne einem je begegnet zu sein. Es ist völlig egal, was man tut, diese Personen sind immer da und sie sind laut. Und wenn man sie aufmerksam liest, verletzen sie einen einfach, ohne irgendwas Besseres zu hinterlassen.</p>
<p>Und natürlich gibt es auch die – weit weniger schlimmen – Kandidaten, die glauben, dass man alles tun und alles richten kann. Sie wenden sich dann persönlich an einen mit einem Nachbarschaftsstreit oder mit einer problematischen Lebenslage und hoffen, dass man ihnen helfen kann. Irgendwann werden diese vereinzelten Anfragen zu einer Lawine, unter der man unterzugehen droht.</p></blockquote>
<p>Die Idee der Politik – Konstruktivität durch Organisation und Wissen – geht wieder einmal nur unzureichend und anders als gedacht auf. Die individuelle Enttäuschung lässt sich gut nachvollziehen, aber sie läßt sich wohl nur (ebenso individuell) behandeln, nicht lösen. Lösen lassen sich dafür ganz andere Probleme. Heute weiß man viel besser, was in der Welt passiert und man weiß viel weniger, was andere über die Welt wissen. Das Medienverhalten ist individualisiert, die massenmediale Deutungshoheit (nicht die Informationshoheit) ging verloren – und aufgefangen werden diese Defizite über Humor. Politischer Mut heißt heute, Mut unkonventionell zu sein und der eigenen Deutung zu vertrauen &#8211; egal wie staatstragend der Kontext ist. Was absurd ist, muss als Absurdes behandelt werden – auch in Parlamenten.</p>
<p><iframe width="550" height="403" src="http://www.youtube-nocookie.com/embed/lMeUgcQL-b4?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Christopher Lauer hat sich als ein eindrucksvoller Pirat erwiesen. Er respektiert alle Limitierungen, die ihm die Funktionslogik der Politik aufbürden, und fällt trotzdem als selbstbestimmter, anderer und besserer Politiker auf. Und das hat, wie so oft in der Politik, nur sekundär mit Inhalten zu tun.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/scarygami/4035896864/">Gerwin Sturm</a>)</em></p>
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