Von:
Stefan Schulz, 01.02.2012

Vergangene Woche fand in Bielefeld eine Tagung mit dem Titel “Dealing with the Disasters of Others” statt*. Darin gab es einen Vortrag des britischen Historikers Stephen Mosley über “Disaster in Slow Motion“. In englischen Städten starben zum Ende des 19. Jahrhunderts etwa 100 von 100.000 Menschen an Bronchitis, weil die Städte von den Industrieanlagen und privaten Schornsteinen zugequalmt waren. Die Todesrate durch Luftverschmutzung war zwanzig Mal so hoch wie zu gleicher Zeit in anderen europäischen Ländern. Die Luftverschmutzung war fünfmal tödlicher als Krankheiten und Epidemien, um die sich damals die Medizin bereits im industriellen Maßstab kümmerte. 1905 hat man aus Fog und Smoke das Wort Smog geschöpft. Und am interessantesten: Der Zeitgeist hat diesen Zustand honoriert. Auf Panorama-Postkarten wurde der Smog betont, es gab Gedichte über “schmutzige Städte, die gedeihen” und den “profitable dirt”, weil man sich darauf einigte: “Where There’s Smoke, There’s Money”.
weiterlesen »
Von:
Stefan Schulz, 07.01.2012

Christian Wulffs Schöner-Leben-Affäre steht stellvertretend für vieles, was derzeit nicht mehr richtig funktioniert oder immer nur sehr merkwürdig funktionierte und diese Merkwürdigkeit nun offenbart: Politiker müssen sich in ihrer Karriere gegen Parteikollegen durchsetzen, werden aber nur im Hinblick auf ihren Dienst für die Partei beobachtet; Im Parlament kämpfen Parteien gegeneinander für das Gemeinwohl. Die Demokratie ist im Großen und Ganzen ein schönes, echtes Märchen – auf einem schwierigem Weg bleibt man beim Glauben an ein Happy End.
weiterlesen »
Von:
Stefan Schulz, 06.01.2012

Man kann es immer übertreiben, gerade in der Liebe.
Na gut, nehmen wir einmal an, sie hat hiermit recht: Die ‚neuen Männer’ sind rücksichtsvoll verlegen, mutlos und durch ständiges Denken in ihren Taten gehemmt. Was wäre die Konsequenz? Soll man es als Plädoyer lesen, als Mann (wieder?) tatkräftig, undurchdacht und fordernd mit Frauen umzugehen?
weiterlesen »
Von:
Stefan Schulz, 11.12.2011

Ein schlüssiges Argument ist: Professionalität. Wie schafft es ein Staat, Gefangene über Jahre in sensorischer Deprivation zu halten? Wie schafft es eine Bürokratie, eine Familie zu zerstören, weil sie die Eltern in den Wahnsinn und ein Kind in den Suizid treibt? Wie schafft es ein Polizist, per Amtshandlung einem Mann mit einem Wasser/Pfeffer(?)spray-Gemisch die Augen auszuschießen?
weiterlesen »
Von:
Kai Mürlebach, 09.12.2011

Melanie Mühl setzt sich im Feuilleton der FAZ mit einem Buch Michèle Rotens (“Wie Frau sein. Protokoll einer Verwirrung”) auseinander. An dieser Stelle soll der Versuch einer positiven (Re-)Interpretation der Problemstellung unternommen werden, indem gefragt wird, was unter Freiheit heute eigentlich noch zu verstehen ist.
weiterlesen »
Von:
Rena Schwarting, 07.12.2011

Zwischen Fremd- und Selbstausbeutung – Ein Plädoyer für eine dritte Beobachtungsebene und einen ersten Ausweg
Es sind die sadistischen Auszüge der modernen Leistungsgesellschaft, so die umlaufende Erklärung für die Diagnose eines neu bezeichneten Phänomens: Burn-Out. Eine Nation ist plötzlich ausgelaugt, überlastet und überfordert. Als Rezept gegen die neue Volkskrankheit wird ein Cry-Out verschrieben. Empört Euch! gegenüber einer profit- und skandalgeilen Gesellschaft, die den kapitalistischen Raubbau an der Marke Arbeitskraft salonfähig gemacht hat.
weiterlesen »
Von:
Stefan Schulz, 01.12.2011

Das Internet kann nichts dafür, dass wir es überfordern. Es sind eben doch alles nur Nullen und Einsen, so oft von der Maschine hin und her interpretiert, dass es kaum einen Unterschied macht, ob wir noch einen Interpretationslayer oben drauf legen, nur weil uns so vertraut scheint, was der in und für viele Sinne flache Bildschirm uns vorgaukelt. Über den Begriffsgehalt des Virtuellen sollte noch viel mehr nachgedacht werden. Es bleibt bei Übungen, die uns immer wieder aufzeigen, dass sie ihr Ziel verfehlen. Seien sie auch noch so gut: thenicestplaceontheinter.net
weiterlesen »
Von:
Stefan Schulz, 25.11.2011

Kinder lernen erst spät, sich physisch von ihrer Mutter zu unterscheiden. Doch was lernen sie dabei?
In einer meiner ersten Uni-Veranstaltungen, erstes oder zweites Semester, in einem Sozialpsychologieseminar, hatten wir mit der Dozentin festgestellt, dass es im Grunde keinen Altruismus gibt, weil sich jedes derartige Verhalten auf Egoismus zurückführen lässt. Glücklicherweise war das ein Ausflug in ein fremdes Fach, mein Studium war das der Soziologie. Obwohl ich, um den familiären Fragen auszuweichen, lange behauptet hatte, ich „studiere im Grunde nur Quatsch“, wusste ich ab diesem Seminar, dass ich gerade keinen Quatsch studiere und dass ein Merkmal dafür die Einsicht war, dass es auf gute Fragen eben nicht zwingend gute Antworten gibt. Wer seitdem Obiges (oder Ähnliches) behauptet, wird mit Skepsis beobachtet. Nicht, weil es inhaltlich falsch sein kann, sondern weil schon das Behaupten als solches falsch ist. Altruismus ist einer dieser Begriffe, der zwar pragmatisch benutzt werden kann, der aber keiner inhaltlichen Überprüfung standhält. Wir wissen nicht, was er sagt; wir können es uns nur immer wieder neu fragen.
weiterlesen »
Von:
Stefan Schulz, 07.11.2011

Es ist ein guter Text und eine interessante Diskussion: Was macht die Piratenpartei anders als die bisherigen Parteien? Offensichtlich alles. Vor allem hebeln sie eines der als Grundübel beobachteten Prinzipien der modernen Demokratien aus: Sie kehren die Logik der Fraktionsdisziplin um. Sie vertauschen die Aufgaben von Zentrum und Peripherie, wenn es ums politische Entscheiden geht. Die Peripherie bereitet die Entscheidung vor, das Zentrum setzt sie um (weiterer Diskussionbeitrag dazu).
weiterlesen »
Von:
Rena Schwarting, 31.10.2011

Winterzeit ist Spendenzeit. Aber was und wie spendet man eigentlich? Ob Geld- oder Sachspende, der Zweck soll im Helfen liegen. Und wie spendet man Hilfe?
Wer sich mit Spendenhilfe beschäftigt oder aufmerksamen Blickes Veränderungen in den Einkaufsstraßen seiner Stadt beobachtet, trifft neuer- oder späterdings auf das Phänomen Oxfam. Oxfam Shops sind laut Selbstbeschreibung Secondhand-Läden, in denen ehrenamtliche MitarbeiterInnen gespendete Waren sortieren, auspreisen und verkaufen. Die Frage Würde ich die Ware selbst kaufen? soll dabei ein hilfreiches Qualitätskriterium für die Sachspende sein. Zum Verkauf stehen neben Kleidung auch gebrauchte Bücher und Multimedia-Waren.
weiterlesen »
Von:
Stefan Schulz, 19.10.2011

Natürlich hilft es, Gesetze und Regeln einzuführen, um das eine oder andere Problem in den Griff zu bekommen. Aber das klappt nicht immer. Manchmal sind normative Schranken erfolgreiche Beiwerke umfassenderer Lernprozesse. Hin und wieder stößt man aber auch auf Probleme, die sich durch festgeschriebene Erwartungen und einklagbare Forderungen wohl kaum ändern, sondern nur noch besser vertuschen ließen.
weiterlesen »
Von:
Rena Schwarting, 22.09.2011

Drei andere Kategorien sozialer Ungleichheitsforschung
Die Situation von Frauen in Europa bewegt sich zwischen drei Positionen: Sie dürfen, können oder wollen nicht so richtig inkludiert werden wie ihre männlichen Artgenossen. So drei gängige Zeitdiagnosen. Der Heiratsmarkt sichert Frauen nach wie vor besser ab als der Arbeitsmarkt, schreibt Jutta Allmendinger in der neuesten Ausgabe Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ). Geschlecht sei eine der zentralen Kategorien bei der Untersuchung sozialer Unterschiede in vormodernen wie modernen Gesellschaften. Ihre Evidenzen generiert sodann die postmoderne Ungleichheitsforschung und Strukturanalyse methodisch weitgehend über multivariate Regressionsmodelle und qualitative Biografieforschung. Medial vielzitiert sind v.a. die OECD-Berichte über die Babies and Bosses, die sich auf eine umfangreiche Datenbasis stützen und dabei die Gewinne und Verluste politischer Programme unterschiedlicher Länder erheben, visualisieren und vergleichen.
weiterlesen »
Von:
Stefan Schulz, 07.09.2011

Politische Reden müssen nicht gelingen, um zu überzeugen. Gerade im situativen Scheitern kann das Potential liegen, eine besondere Verbindung zwischen Redner und Publikum herzustellen. Ein Publikum, das eine Rede taktvoll mitfühlt, ist zu anderen Sympathien in der Lage, als eines, das mit druckreifen Appellen beladen wird, seien sie auch noch so zustimmungsfähig. Viele Politiker wissen es: Ein Publikum will gebraucht und bedient werden.
weiterlesen »
Von:
Rena Schwarting, 04.09.2011

Der Fall DSK aus rollentheoretischer Sicht
Der Vorhang des Gerichtsverfahrens gegen den ehemaligen geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds (IMF) ist vor gut einer Woche gefallen. Vergangenen Montag ging er in den Headquarters des Bretton-Woods Pfeilers noch ein letztes Mal auf als sich der einstige Chef von seinen ehemaligen Kollegen verabschiedete und unter warmen Applaus im Auditorium empfangen und gegangen wurde.
weiterlesen »