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	<title>Sozialtheoristen</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>&#8220;supposed to be fair&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 12:01:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Vergangene Woche fand in Bielefeld eine Tagung mit dem Titel &#8220;Dealing with the Disasters of Others&#8221; statt*. Darin gab es einen Vortrag des britischen Historikers Stephen Mosley über &#8220;Disaster in Slow Motion&#8220;. In englischen Städten starben zum Ende des 19. Jahrhunderts etwa 100 von 100.000 Menschen an Bronchitis, weil die Städte von den Industrieanlagen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3124" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/02/Unbenannt-1.jpg" alt="" width="550" height="300" /></p>
<p>Vergangene Woche fand in Bielefeld eine Tagung mit dem Titel &#8220;<a href="http://www.uni-bielefeld.de/ZIF/FG/2010CommunicatingDisaster/Events/01-2628-Closing_Conference.html">Dealing with the Disasters of Others</a>&#8221; statt*. Darin gab es einen Vortrag des britischen Historikers Stephen Mosley über &#8220;<a href="http://www.uni-bielefeld.de/ZIF/FG/2010CommunicatingDisaster/Events/Closing_Conference_Abstracts/Abstract_Web_Mosley.pdf">Disaster in Slow Motion</a>&#8220;. In englischen Städten starben zum Ende des 19. Jahrhunderts etwa 100 von 100.000 Menschen an Bronchitis, weil die Städte von den Industrieanlagen und privaten Schornsteinen zugequalmt waren. Die Todesrate durch Luftverschmutzung war zwanzig Mal so hoch wie zu gleicher Zeit in anderen europäischen Ländern. Die Luftverschmutzung war fünfmal tödlicher als Krankheiten und Epidemien, um die sich damals die Medizin bereits im industriellen Maßstab kümmerte. 1905 hat man aus Fog und Smoke das Wort <em>Smog</em> geschöpft. Und am interessantesten: Der Zeitgeist hat diesen Zustand honoriert. Auf Panorama-Postkarten wurde der Smog betont, es gab Gedichte über &#8220;schmutzige Städte, die gedeihen&#8221; und den &#8220;profitable dirt&#8221;, weil man sich darauf einigte: &#8220;Where There&#8217;s Smoke, There&#8217;s Money&#8221;.</p>
<p><span id="more-3118"></span>Zur Sozialen Frage gesellte sich also ein Problem, dass einfach in der Luft lag und keinen direkten Schuldigen kannte. Denn es waren hier nicht die Fabrikbesitzer, die ihre Arbeiter ins Verderben schickten, sondern eben auch die Frauen zuhause, die, insbesondere montags, zum Waschtag, das Übel verursachten. Erst nach und nach fand ein Besinnungswandel statt. Die Gewerkschaften riefen die <em>working class</em> zu Veranstaltungen in Gemeindehäusern zusammen um sie darüber aufzuklären, welche gesundheitlichen Folgen der Smog hat und wie man sich vor ihm schützt. Die Aushänge unterscheiden sich nur in der Aufmachung von heutigen Aufrufen zu Veranstaltungen, die über Atomanlagen und Fluglärm aufklären.</p>
<p>Was wurde in den letzten einhundert Jahren erreicht? Die zweite Soziale Frage, die heutige Katastrophe der <em>working class</em>, gibt es (für uns) nur noch virtuell. Der Lebensstandard unserer &#8220;Wissensgesellschaft&#8221; ruht noch immer auf Ausbeutung und der Nichtbeachtung vieler Facetten der Menschenwürde. Nur handelt es sich diesmal um die Katastrophe der anderen. Rechnerisch kommen wahrscheinlich auf zehn Technikkäufer in Europa ein Arbeitssklave in China. Auf jeden millionenschweren Softwareartisten in Amerika kommen einhundert kasernierte Hardewarebauer. Und wahrscheinlich verdient jeder der maßgeblich an der Kreation beteiligt ist mehr als alle, die die Geräte zusammenbauen, zusammen. Und das Zahlenverhältnis ist wahrscheinlich irgendwo bei 1 zu 100.000 zu verorten. 13 Mrd. Quartalsgewinn (Apple) macht, bei geschätzten 100.000 Foxconn-Mitarbeitern (Apple-Anteil), ein Jahresgewinn pro Person von etwa einer halben Million Dollar. Könnte man 10% davon als Lohn für Arbeit an die Menschen weitergeben? Nein, das macht man nicht.</p>
<p>Folgt man der Diskussion, gibt es dafür auch gute Gründe. Man kann Menschen, die 18 Stunden am Tag ohne Tageslicht und mit gefährlichen Substanzen arbeiten das Geld nicht geben weil… Weil es <em>nicht üblich</em> ist. Es ist nicht nur eine Katastrophe der anderen, sondern auch eine in slow motion. Alle wissen bescheid, alles bleibt wie es ist. Aber es wird wenigstens <a href="http://www.thisamericanlife.org/radio-archives/episode/454/mr-daisey-and-the-apple-factory">darüber gesprochen</a>. Und die <a href="http://mobilemacs.de/2012/01/mm079-folgen-heist-maul-halten.html">deutschen Apple-Fanboys</a> werden zu dem komplizierten Argumentationsstunt gezwungen die übliche &#8220;Apple ist besser, schöner und vor allem ganz anders&#8221;-Semantik in eine &#8220;Nicht nur Apple&#8221;-Rhetorik zu biegen. Doch <em>gerade</em> hier gilt, dass Apple hervorsticht. Apple war Vorreiter aller Entwicklungen, die derzeit in der Technologiebranche beobachtbar sind und dazu zählt auch die Deindustrialisierung der Entwicklerstandorte und die Kasernierung der Handarbeiter am anderen Ende der Welt.</p>
<p>Während die deutschen Apple-Fanboys (namentlich Tim Pritlove, <a href="http://mobilemacs.de/">mobilemacs</a> und Martin Pittenauer, <a href="http://fanbóys.org/">fanbóys</a>) für ihren amerikanischen Podcast-Kollegen <a href="https://www.google.com/search?q=john+c+dvorak">John C. Dvorak</a> nur Hohn und Spott übrig haben, fiel dieser <a href="http://twit.tv/show/this-week-in-tech/338">jüngst</a> einer jungen Amerikanerin, die in erstaunlichem Ausmaß mit deutschem Zynismus ausgestattet ist, mit dem bemerkenswerten Satz ins Wort: &#8220;Capitalism is supposed to be fair!&#8221;</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/36009825?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" frameborder="0" width="549" height="309"></iframe></p>
<p>Nun kann man sich darüber streiten, ob er recht hat und wie man Moral und Achtung auch in Chinas Wirtschaft installieren kann. Doch man sollte die Zeit nicht weiter verschwenden. In allen großen Firmen, die hier mitschuldig sind, sitzen Menschen, die sehr genau beobachten wie man im Internet und sonst überall über sie spricht und die Veränderung setzt umso schneller ein, desto zügiger man den Zynismus ablegt! Auch Tim Pritlove trägt Verantwortung und es ist nicht schwer, in einem Podcast mal kurz zu sagen: &#8220;Was Apple macht, ist falsch und sollte geändert werden. Möglichst bald.&#8221;</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/alatryste/5215377570/in/photostream/">Alatryste</a>)</em></p>
<p>* <em>Besprechung von mir heute in der F.A.Z.</em></p>
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		<title>Weiterleitung: Aufruf zur Reflektion</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/01/31/weiterleitung-aufruf-zur-reflektion/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 21:50:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Soziologielinks]]></category>

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		<description><![CDATA[Man darf Soziologen vorwerfen, dass sie sich am liebsten mit sich selbst beschäftigen und im Gespräch immer recht schnell zurück auf die Soziologie kommen, obwohl sie sich damit brüsten, über Gott und die Welt aussagen zu können. Aber diese Vorwürfe sind weder berechtigte Vorhaltungen noch korrekte Beobachtungen. Es ist schlicht die soziologische Praxis von dem, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man darf Soziologen vorwerfen, dass sie sich am liebsten mit sich selbst beschäftigen und im Gespräch immer recht schnell zurück auf die Soziologie kommen, obwohl sie sich damit brüsten, über Gott und die Welt aussagen zu können. Aber diese Vorwürfe sind weder berechtigte Vorhaltungen noch korrekte Beobachtungen. Es ist schlicht die soziologische Praxis von dem, was in der übrigen Praxis passiert: Die absichernde Beschäftigung mit sich selbst unter der Bedingung geringer aber folgenreicher Sensibilität für alles andere.</p>
<p><span id="more-3099"></span>Junge Frankfurter Soziologen laden anlässlich einer <a href="http://www.methodenkritik.de/">Tagung</a> zu qualitativer Forschung im Mai zu einer Podiumsdiskussion. Sie freuen sich auf</p>
<blockquote><p>Einblicke in Eure aktuellen empirischen Forschungsprozesse oder theoretischen Auseinandersetzungen, die sich mit Ansprüchen und Konzepten (selbst-)kritischer Methodologien in der Sozialforschung beschäftigen. Was bedeutet (Selbst-)Reflexivität in Eurer konkreten Forschungspraxis? Wo liegen für Euch deren Grenzen? Was ist Euer Verständnis von kritischer Methodologie? Welche theoretischen Grundlagen erscheinen Euch am geeignetsten für eine gelungene kritische Reflexion im Feld?</p></blockquote>
<p>Der Bitte um allgemeine Weiterleitung kommen wir gerne nach. Hier der Brief als PDF <a href="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/CfA-Methodentagung-Studierende.pdf">CfA Methodentagung Studierende</a></p>
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		<title>Bücherwelten</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/01/29/bucherwelten/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 18:58:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore from Moonbot Studios on Vimeo. Wahrscheinlich fände ich die netztechnokratische Utopie von Post-Privacy und Post-Piracy attraktiver, wenn sie nur einmal anschaulich dargeboten würde. Wer will schon in einer Welt leben, die in jedem Hollywood-Zukunftsentwurf mißlingt um mit immer wieder gleicher und immer wieder schöner Nächstenlieberomantik zu enden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/35404908?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" frameborder="0" width="549" height="309"></iframe></p>
<p><a href="http://vimeo.com/35404908">The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore</a> from <a href="http://vimeo.com/moonbot">Moonbot Studios</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
<p>Wahrscheinlich fände ich die netztechnokratische Utopie von Post-Privacy und Post-Piracy attraktiver, wenn sie nur einmal anschaulich dargeboten würde. Wer will schon in einer Welt leben, die in jedem Hollywood-Zukunftsentwurf mißlingt um mit immer wieder gleicher und immer wieder schöner Nächstenlieberomantik zu enden. Überall Internet, das überzeugt nicht. Und da es ja nicht auf Sachverstand, sondern Lebensgefühl ankommt, empfehle ich zur fünfzehnminütigen Steigerung der Lebensfreude einen Film, der den Gegenentwurf obiger Utopie präsentiert. Sozusagen als impressionistische Dokumentation einer Lebenswelt, in der Bücher machen, was sie eben machen: ein mitreißendes Eigenleben führen. </p>
<p><span id="more-3082"></span></p>
<p>(Nur vier Minuten durchhalten und dann weiter durchs Internet klicken gilt übrigens nicht. Der Film ist entweder nur einen Blick aufs Vorschaubild oder seine 15 Minuten wert.)</p>
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		<title>Apple befreit Schüler von nervigem Text</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/01/20/die-bei-apple-sollten-mehr-lesen/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 15:05:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach den ersten fünf Minuten der gestrigen Bildungs-Präsentation von Apple muss man sich vor Ergriffenheit fast eine Träne verdrücken. Die Erfindung des Buches sei ja schön und gut, aber jetzt, da Apple das bewegte Bild erfunden hat, kommt die eigentliche Revolution: Interaktive, swipeable, zoomeable Schulbücher, auf Maß und Gewicht getrimmt; viele bunte Bilder, noch mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3069" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-3069" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-17.jpg" alt="" width="550" height="271" /><p class="wp-caption-text">Aussterbende Kulturpraxis: Bücherverschlingen</p></div>
<p>Nach den ersten fünf Minuten der gestrigen Bildungs-Präsentation von Apple muss man sich vor Ergriffenheit fast eine Träne verdrücken. Die Erfindung des Buches sei ja schön und gut, aber jetzt, da Apple das bewegte Bild erfunden hat, kommt die eigentliche Revolution: Interaktive, swipeable, zoomeable Schulbücher, auf Maß und Gewicht getrimmt; viele bunte Bilder, noch mehr Bewegung und Text, der sich von selbst aktualisiert, auf der Seite immer schön knappgehalten ist und der per Fingerschnipp entfernt werden kann, damit die 3D-Form des Bildes noch praller erscheint. Kurz: Schnick-Schnack statt Schulbuch. Hat sich Frau Schavan schon auf Knien dafür bedankt? Die Rettung des Bildungssystems steht bevor.</p>
<p><span id="more-3064"></span>Es gab mal eine Zeit, da zog der Film ins Klassenzimmer ein. Statt Lehrerunterricht gab es ein Video. Und wenn man sich zurückerinnert, weiß man, dass damit die langweiligsten Unterrichtsstunden gestaltet wurden. Nicht nur, weil der Film zumeist die didaktische Option der Lehrer war, die eh keine Lust mehr auf Unterricht hatten, sondern auch, weil ein Film sich immer dann anbot, wenn sich der Unterrichtsinhalt schön präsentieren lies: Vögel im Urwald, Gebirge, Schiffe: Sachunterricht also, der weniger auf Verstehen, als auf Wissen abstellt. Man kann Schüler kaum mehr langweilen.</p>
<p>Die eigentliche Revolution des Schulbuches wäre seine Abschaffung gewesen. In der Schule braucht man keine Bücher, weil Bücher zum Lesen da sind und in der Schule nicht zu viel gelesen werden sollte, zumindest nicht in Büchern. Wenigstens in einem Aspekt kann man die Meinung mit Apple teilen: Schulrucksäcke sind zu schwer und es liegt an den Büchern. Ich hatte mal einen Geschichtslehrer, der hat die interessantesten Sachen in den 10 Minuten erzählt, die er uns gab, um einen Text zu lesen. Er hat sich, während wir uns seine Textgrundlage für die kommenden Minuten aneigneten, gelangweilt und begann, seiner Ansicht nach, Belangloses zu erzählen. Weil wir uns auf unsere Texte konzentrieren wollten, versuchten wir am absichtsvollsten nicht hinzuhören, was dadurch natürlich gerade gar nicht gelang. Statt des Textinhalts prägten seine Nebensächlichkeiten diese 10 Leseminuten und an sie schlossen auch die Inhalte der restlichen Stunde an. Bildung bedeutet Assoziieren, ab vom Plan, gemeinsam oder alleine. Bald bekommen Lehrer nur noch eine Frage von ihren Schülern: &#8220;Wieso soll ich das lernen/verstehen, wenn es die Antworten-Maschine doch alles schon und viel besser kann?&#8221; Und vielleicht bleibt noch die Frage: &#8220;Das sollen wir alles lesen? Haben Sie kein iBook 2 dafür?&#8221;</p>
<p>Bildung und Lehre, das heißt vor allem, Zufall zuzulassen, Chancen erkennen und Gelegenheiten ergreifen. Wenn jedoch die Algorithmen nun auch noch in die Klassenzimmerinteraktion einziehen sollen, braucht sich niemand wundern, wenn die Schule durchgescriptet ist wie das RTL-Nachmittagsprogramm. Beides hat den gleichen Zug zur Realität.</p>
<p>Und das alles ganz zu schweigen ab von dem Umstand, dass die Inhalte des aktualisierbaren Schulbuchs natürlich nur Apple gehören, sonst nirgendwo zweitveröffentlicht werden dürfen und Apple sich jederzeit das Recht nimmt, Inhalte zu ändern oder zurückzuweisen. Wie soll man das ohne Zynismus kommentieren?</p>
<p>Apple entwickelt sich zu einer wirklichen Katastrophe. Wenn sie eine nützliche, folgenreiche und konstruktive Investition in ihr &#8220;Education-Business&#8221; tätigen wollen, sollten sie mal mit den Familien ihrer Foxconn-Mitarbeiter anfangen.</p>
<p>Aber, kann man sich ja trotzdem <a href="http://events.apple.com.edgesuite.net/1201oihbafvpihboijhpihbasdouhbasv/event/index.html">mal angucken</a>.</p>
<p><em>Editorische Notiz: Es kann sein, dass ich einfach nur das süffisante Grinsen von Roger Rosner nicht ertragen konnte, er spricht so lang&#8230; Ich lehne den Vorstoss von Apple eigentlich gar nicht vollständig ab. Etwa 15% der Idee finde ich gut.<br />
</em></p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/etolane/127724254/in/photostream/">Etolane</a>)</em></p>
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		</item>
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		<title>Offene Briefe &#8211; wohin &amp; womit?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2012/01/13/offene-briefe-wohin-womit/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 12:41:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Wulff-Angelegenheit Briefe zu schreiben zahlt sich aus. Noch immer ist der, wenn auch nicht handgeschriebene, aber doch auf Papier gedruckte und frankierte, Brief das Medium, das die öffentliche Meinung am zielsichersten ins Paul-Löbe-Haus bugsiert. Der Brief an den (eigenen) Abgeordneten ist die eine Lösung, der direkt adressierte offene Brief die andere. Doch sollte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3055" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-16.jpg" alt="" width="550" height="216" /></p>
<p>In der Wulff-Angelegenheit Briefe zu schreiben zahlt sich aus. Noch immer ist der, wenn auch nicht handgeschriebene, aber doch auf Papier gedruckte und frankierte, Brief das Medium, das die öffentliche Meinung am zielsichersten ins Paul-Löbe-Haus bugsiert. Der Brief an den (eigenen) Abgeordneten ist die eine Lösung, der direkt adressierte offene Brief die andere.</p>
<p><span id="more-3051"></span>Doch sollte man <a href="http://kielspratineurope.com/2012/01/08/ein-offener-brief-an-den-bundesprasidenten/">vorm Schreiben kurz nachdenken</a>, an wen er explizit gerichtet ist und was er enthalten soll. Im Fall Wulff hat sich herausgestellt, dass auch ein parlamentarischer Geschäftsführer der größeren Partei einer Regierungskoalition den &#8220;Christian&#8221; nicht zu einer vernünftigen Haltung motivieren kann:</p>
<blockquote class="twitter-tweet tw-align-center" lang="de"><p>Ich mach mich jetzt vom Acker. Wünsche mir, dass Christian seine Anwälte an die Leine legt und die Fragen/Antworten ins Netz stellt.</p>
<p>&mdash; Peter Altmaier (@peteraltmaier) <a href="https://twitter.com/peteraltmaier/status/156880853631373312" data-datetime="2012-01-10T23:31:24+00:00">Januar 10, 2012</a></p></blockquote>
<p><script src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Man muss also die Taktik ändern. Christian Wulff ist nicht mehr zu erreichen. Man sollte über Bande gehen. Alle Wege führen über die Kanzlerin! Offene Briefe sind an sie zu richten. Inhaltlich sollte man nicht zu sehr auf die Emo-Schiene abdriften. Alle Argumente gegen Wulff stimmen. Doch es hilft wenig, sie ständig wieder zu wiederholen. Schon macht sich die privatmeinungs-mediale Erlahmung breit.</p>
<p>In einem offenen Brief an die Kanzlerin sollte darauf hingewiesen werden, wie eng Christian Wulff über Amt und Person mit der gegenwärtigen Schwarz/Gelben-Koalition verbunden ist. Alle Glaubwürdigkeitsverluste und alle Lügenunterstellungen vererben sich auf die Politik allgemein, auf Schwarz/Gelb im Besonderen. Wulff zu wählen war damals für viele ein zu großer Fehler, der der Koalition angelastet wird. Wulff jetzt zu halten, oder gar aktiv zu unterstützen ist der nächste, noch größere.</p>
<p>Zu 2/3 sollte ein offener Brief an die Kanzlerin den kommenden Bundestagswahlkampf vorwegnehmen. Schwarz/Gelb wird keine Versprechen machen können, wird keine Kümmerer in die Lande schicken können und wird auch nicht in der Lage sein, die so typischen Ein-Wort-Kampagnen führen zu können. Die SPD, die wohl am ehesten Peer Steinbrück ins Rennen schickt, wird nicht nur einen besseren Kanzler vorschlagen, sondern auch eine gehörige Portion &#8220;besserer Präsident&#8221;. Die Stelle, die Wulff derzeit ausfüllt, ist jetzt schon vakant – irgendwer wird diese Lücke füllen. Dass ein Wahlkampf ansteht, passt der SPD wohl sehr gut.</p>
<p>Man sollte sich nicht weiter wundern, dass die Kritik an Wulff aus der CDU-Hinterbank derzeit größer ist als die der SPD-Spitze.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/selago/867815040/in/photostream/">aroid</a>)</em></p>
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		<title>Mitmachen und Bessermachen</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 14:51:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Man muss nicht immer eine Olympiade daraus machen, doch auf der Liste der merkwürdigen Wörter 2011 gehört eines nach ganz oben: Demokratisierung. Sei es als kühne Idee, sei es als handfestes Kriterium. Alles, was 2011 mit dem Begriff &#8220;Demokratisierung&#8221; dekoriert wurde, ging schief. Nach der &#8220;Arabellion&#8221; regiert in Tunesien die Generation 60+, in Ägypten das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3047" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-15.jpg" alt="" width="550" height="291" /></p>
<p>Man muss nicht immer eine Olympiade daraus machen, doch auf der Liste der merkwürdigen Wörter 2011 gehört eines nach ganz oben: Demokratisierung. Sei es als kühne Idee, sei es als handfestes Kriterium. Alles, was 2011 mit dem Begriff &#8220;Demokratisierung&#8221; dekoriert wurde, ging schief. Nach der &#8220;Arabellion&#8221; regiert in Tunesien die Generation 60+, in Ägypten das Militär und in Libyen das Chaos und auch die hiesigen Demokratisierungsversprechen sind durch die Bank merkwürdig. Allen voran das Bekenntnis: Wenn wir es allen zur Verfügung stellen, haben wir es demokratisiert. Wozu brauchen wir einen Begriff, den wir für alles verwenden?</p>
<p><span id="more-3042"></span>Dabei ist mit Demokratie so viel mehr gemeint als: Jeder kann mitmachen und der Diktator ist tot. Er steht für spezifische Prinzipien und Möglichkeiten. Erstaunlicherweise ist die Piratenpartei noch der ertragreichste Demokratieförderer. Nach kritikwürdiger Holprigkeit haben sie die Demokratie bisweilen gut im Griff – besonders, weil die Piratenpartei endlich eine Organisation geworden ist. Denn das heißt vor allem: Es darf zwar jeder mitmachen, aber nicht einfach so.</p>
<p>Das größte Problem des Prinzips &#8220;Demokratisierung&#8221;: <em>Alle dürfen mitmachen</em> ist nämlich, dass dann alle mitmachen, ohne zuzulassen, dass die sich einstellenden Überforderungen von Personen und Institutionen kompensiert werden müssen. Das <a href="http://zombietetris.de/blog/das-ist-nicht-die-partei-in-die-ich-mich-verliebt-habe/">Umdenken</a> ist im Gang, rechtzeitig vor 2013.</p>
<p>Die Verramschung des Demokratiebegriffs ist glücklicherweise noch nicht auf den Begriff der Legitimation durchgeschlagen. Denn diesen Begriff benötigen wir noch, wenn dieses Jahr <a href="http://gruen-digital.de/2012/01/bundesregierung-testet-spionagesoftware-finspy-als-ersatz-fuer-bundestrojaner/">FinSpy</a> Aufmerksamkeit erregt, wenn bei der Fussball-EM <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/INDECT">INDECT</a> getestet wird und wenn all die merkwürdigen Dinge passieren, die uns vorher nicht aufgefallen sind, weil sie so in keinem Gesetzestext auftauchen und trotzdem unter dem Deckmantel der Demokratie geschehen. Für das ein oder andere Problem, das sich abzeichnet und das nur europäisch zu lösen ist, gibt es bislang nicht mal einen ausformulierten grundgesetzchrakterlichen Text.</p>
<p>Die Demokratisierungen sind 2011 gründlich schiefgegangen, vielleicht lässt sich einiges wieder hinbiegen, wenn 2012 versucht wird, das ein oder andere zu <em>legitimieren</em>. Nur sollte man schon mal beginnen, zwischen Partizipation und Protest zu unterscheiden. Das eine findet im Internet und auf der Straße statt, das andere in Parlamenten und Parteien. Legitimation lässt sich nicht auf der Straße aufsammeln, auch nicht im Schwarm und erst recht nicht durch die ‚Intelligenz&#8217; einer Masse.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/kalyan02/5458325252/in/photostream/">Kalyan Chakravathy</a>)</em></p>
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		<title>Glaubwürdigkeit &#8211; woher und wozu?</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 14:50:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Christian Wulffs Schöner-Leben-Affäre steht stellvertretend für vieles, was derzeit nicht mehr richtig funktioniert oder immer nur sehr merkwürdig funktionierte und diese Merkwürdigkeit nun offenbart: Politiker müssen sich in ihrer Karriere gegen Parteikollegen durchsetzen, werden aber nur im Hinblick auf ihren Dienst für die Partei beobachtet; Im Parlament kämpfen Parteien gegeneinander für das Gemeinwohl. Die Demokratie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3025" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-14.jpg" alt="" width="550" height="250" /></p>
<p>Christian Wulffs Schöner-Leben-Affäre steht stellvertretend für vieles, was derzeit nicht mehr richtig funktioniert oder immer nur sehr merkwürdig funktionierte und diese Merkwürdigkeit nun offenbart: Politiker müssen sich in ihrer Karriere gegen Parteikollegen durchsetzen, werden aber nur im Hinblick auf ihren Dienst für die Partei beobachtet; Im Parlament kämpfen Parteien gegeneinander für das Gemeinwohl. Die Demokratie ist im Großen und Ganzen ein schönes, echtes Märchen &#8211; auf einem schwierigem Weg bleibt man beim Glauben an ein Happy End.</p>
<p><span id="more-3013"></span>Wie schwierig es ist, wird heute auch deutlicher, weil ein weiterer Beobachter hinzugekommen ist, der beginnt, seinen Folgenreichtum abzuschätzen: der ausformulierte Gedanke des Publikums. Er sucht sich seinen Raum in der bislang exklusiven Beziehung zwischen Politik und Massenmedien. Man könnte es <a href="http://differentia.wordpress.com/2012/01/06/die-glaubwurdigkeit-der-glaubwurdigkeitsbestreiter-wulff/">so ausdrücken</a>:</p>
<blockquote><p>Und auch die Diskussionen im Netz konzentrieren sich größtenteils auf die Beobachtung einer Person und nicht darauf, dass die konventionellen Massenmedien ganz langsam ein Problem bekommen: Sie müssen ihre Relevanz, ihre Vorrangigkeit gegenüber dem Internet herausstellen.</p></blockquote>
<p>Doch würde man hier implizit eine Unterscheidung mitführen, die auf einer, aber nicht der wichtigsten, Prämisse ruht. Dass nämlich Massenmedien auf der einen Seite stehen und das Internet – das folgenreiche Medium ohne konkrete Masse – auf der anderen. Die entscheidende Prämisse ist viel mehr diese:</p>
<blockquote><p>Journalisten können ihre Privilegien intelligent ausnutzen, die vor allem darin bestehen, exklusiven Kontakt zu Politikern zu pflegen.</p></blockquote>
<p>Der Vorteil den die Massenmedien haben, liegt im Zugriff auf Raum und Zeit. Journalisten haben viel Zeit für Recherchen und sie sind dafür nicht zwingend auf Vermittlung angewiesen, sondern können im Kontakt mit der Politik die Eigenrechte der Interaktion ausnutzen. Die jüngste Empörung über den öffentlich-rechtlichen Fragenkatalog im Wulff-Interview veranschaulicht dies ganz wunderbar. Auf der einen Seite war es die Interaktion unter Dreien, die &#8220;Live-On-Tape&#8221; einfach stattfand, auf der anderen Seite waren es die medienvermittelten Interpretationen, die im Internet stattfanden. Das Gespräch war auf keine Technologie angewiesen, nur seine Verbreitung.</p>
<p>Die technologievermittelten Kommunikationsmöglichkeiten, die neue Zugänge zu Politikern gewähren, werden diese raumgebundene Interaktionssituation wie sie das Interview darstellt nicht ersetzen können. Bzw. andersherum formuliert: Sollte einmal ein junger Journalist, ein Typ wie Richard Gutjahr, seine Kameraerfahrung und Internetreputation ausbeuten und in einem Medienstunt ein U-Stream-Spontaninterview mit der Kanzlerin führen, dann ist er in allen wesentlichen Aspekten ein Massenmedium nach alter Funktionslogik. Was ihm gelänge, würde nur ihm gelingen – nicht weil er der Einzige ist, der über diese Art der Medienkompetenz verfügt und ein Publikum mobilisieren kann, sondern weil die Kanzlerin nur begrenzt Raum und Zeit für ein Interview hat.</p>
<p>Zurück zu Klaus eigentlicher Frage: Wie verhält es sich im Gesellschaftszirkus mit der Glaubwürdigkeit, wenn die Medien ihre gegen die der Politik(er) ausspielen und das Weiterführen des &#8220;Krieges&#8221; die Beteiligten nur weiter in einer Kommunikation verstrickt, die im Grunde nichts anderes ist als paradox: Man kann seine eigene Glaubwürdigkeit nicht behaupten, weil Glaubwürdigkeit ja Bedingung und nicht Folge einer (Glaubwürdigkeits-)Behauptung ist. Können Politiker durch direkten medialen Zugriff auf das Publikum Glaubwürdigkeit implizit mitführen, um so endlich nur inhaltlich, sachzentriert politisch kommunizieren zu können? Es ist ein Wunsch der Zeit, neue Medientechnologien in der Hinsicht auszubeuten, sich auf Sachfragen konzentrieren zu können. Doch es wird wohl nie gelingen, die Komplexität von politischen <em>Entscheidungen</em> allein auf der Sachebene reduzieren zu können.</p>
<p>Das deutsche Stromnetz als politisches Thema beispielsweise ist sachlich vielleicht zu entschlüsseln. Man könnte alle inhaltlichen Aspekte ins Internet schreiben, transparent menschen- und maschinenlesbar aufbereiten. Jeder wird nachsehen können, was es hiermit und damit auf sich hat. Aber man wird es allein dadurch niemals zu einer politischen Entscheidung schaffen.</p>
<p>Die Sachdimension wird immer durch die Sozialdimension entlastet werden müssen. Es wird, so wie in der Politik, in den Medien immer Stars geben &#8211; und sie werden auf Technologie <em>und</em> Institution angewiesen sein. Glaubwürdigkeit ist eine notwendige und soziale Komponente. Wenn ein Politiker im Kontakt mit seinem Publikum ist, benötigt es einen neutralen Dritten, sei es der Wahlhelfer, sei es der Journalist, sei es der Richter. Das Internet vergrößert nur den Bereich derjenigen, die als Dritte infrage kommen. Politik benötigt die Verlautbarung des Politikers und die Zustimmung/Unterstützung im Publikum. Nur vertrauen wir nicht mehr nur gezwungener Maßen den großen Medienstars, sondern auch einzelnen, unbekannten Internetschreibern, die sich Vertrauen verdient haben: Es macht einen großen Unterschied, ob Inhalte von Sascha Lobo erwähnt und empfohlen und vom heute-Journal verbreitet werden oder ob Marius Sixtus ein belangloses &#8220;Was … sagt.&#8221; ins Internet rotzt und die RTL-II-News etwas promoten. Es bleibt beim alten Prinzip. (Die Funktionslogik ändert sich, das ist zu beobachten.)</p>
<p>Das direkte Wort eines Politikers glaubt man nicht. Auch nicht, wenn er es twittert. Irgendwer wird es autorisieren müssen und irgendwie muss es diskutiert und abgewogen werden. Und die Unmöglichkeit, die Sozialdimension aus den Kommunikationslogiken herauszurechnen, um sich allein auf die Sachdimension zu besinnen wird vielleicht klarer, wenn man darauf hinweist, dass es auch eine Zeitdimension gibt. Denn wenn es nur eine Frage der Sache wäre, und wir uns auf Technologie verlassen könnten, würden wir unsere politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen so fällen, wie Investitionsentscheidungen an der Börse gefällt werden: Milliarden in Millisekunden. Dort kann man jetzt schon sehen, was geht und was überhaupt gar nicht funktioniert.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/spike55151/14401063/in/photostream/">Chris</a>)</em></p>
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		<title>Personen, Ämter, Apparate</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 10:50:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war lustig und verständlich, als Wolfgang Schäuble in seiner damaligen 100.000-Mark-Show der Öffentlichkeit mitteilte, er wisse nicht, mit wem er sich im Laufe seiner Amtszeit getroffen habe, er wolle aber seinen &#8220;Terminkalender daraufhin sichten lassen&#8221;. Dieser Wortlaut ist ein interessantes Indiz. Es zeigt, wie sehr Politiker in einer Welt, oder besser: einer Gegenwart, leben, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2997" title="" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-13.jpg" alt="" width="550" height="250" /></p>
<p>Es war lustig und verständlich, als Wolfgang Schäuble in seiner damaligen 100.000-Mark-Show der Öffentlichkeit mitteilte, er wisse nicht, mit wem er sich im Laufe seiner Amtszeit getroffen habe, er wolle aber seinen &#8220;Terminkalender daraufhin sichten lassen&#8221;.</p>
<p><span id="more-2993"></span>Dieser Wortlaut ist ein interessantes Indiz. Es zeigt, wie sehr Politiker in einer Welt, oder besser: einer Gegenwart, leben, die sie fast nicht mitgestalten. Sie sind angetreten die Welt zu verändern, doch sie haben nicht mal die Übersicht über ihre eigenen Tagesabläufe. Sie werden ihnen bereitet, sie vollziehen sie und vergessen sie sogleich wieder. Eine wichtige Person in einem hohen Amt muss sich auf ihren Apparat verlassen.</p>
<p>Die Kanzlerin beispielsweise hat für ihre Amtsführung einen eigenen Bundesminister und verfügt über ein Jahresbudget von 1,94 Milliarden Euro. Im Grundgesetz kann man sich über das Kanzleramt informieren und in den geschriebenen Biographien über Angela Merkel. Wolle man aber wirklich etwas Interessantes über die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Amtsführung erfahren, muss man sich an den laufenden Kanzleramts-Apparat wenden. Und mit der Person A. Merkel hätte man wohl währenddessen nie etwas zu tun. Nur wenn etwas Größeres misslingt, dann muss sie sich erklären.</p>
<p>Mit dem Bundespräsidenten verhält es sich wohl kaum anders. Fast niemand, der mit dem Bundespräsidialamt zu tun hat, hat mit Christian Wulff zu tun und nur weniges von dem, was das Bundespräsidialamt tut, macht Christian Wulff selbst. Im Gespräch mit der Öffentlichkeit ins &#8220;man&#8221; auszuweichen, wenn es um Entschuldigungen, Veranlassungen und Erklärungen geht, ist also recht konsequent. Es wirkt nur merkwürdig, weil wir doch eine eindeutige und uns bekannte Person sehen, die – von sich selbst – als <em>man</em> spricht.</p>
<p>Vielleicht muss man etwas mehr Verständnis dafür aufbringen, wenn Christian Wulff davon spricht, dass der Wechsel von Hannover nach Berlin nicht reibungslos verlief. Nicht nur er ist umgezogen, sondern ein ganzer Apparat musste eine &#8220;Transition&#8221; absolvieren. Von einem Ort zum nächsten, von einer Aufgabe in die nächste. Das muss nicht immer gelingen.</p>
<p>Was das mit dem aktuellen Fall zu tun hat? In Wulffs Fall eigentlich gar nichts. Bei Wulff steht nicht der Amts-Apparat in der Kritik, sondern nur er persönlich. Je mehr man versucht, Erklärungen zu suchen und Verständnis zu gewinnen, desto mehr erhärtet sich das eigene Urteil über Christian Wulff.</p>
<p>Wie romantisch waren die Zeiten, in denen es um Parteispenden ging, also Einzelne ihren Parteidienst über ihren Landesdienst stellten. Wulff dagegen ist überhaupt nichts heilig, alles, was derzeit auf dem Tisch liegt (bequemeres Fliegen, billigeres Wohnen, schöneres Aussehen von Bettina), ist <em>ihm</em> anzulasten.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/zigazou76/5264174576/in/photostream/">Frédéric BISSON</a>)</em></p>
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		<title>Männer denken zu viel, Frauen träumen zu viel</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 12:32:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologielinks]]></category>
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		<description><![CDATA[Na gut, nehmen wir einmal an, sie hat hiermit recht: Die ‚neuen Männer&#8217; sind rücksichtsvoll verlegen, mutlos und durch ständiges Denken in ihren Taten gehemmt. Was wäre die Konsequenz? Soll man es als Plädoyer lesen, als Mann (wieder?) tatkräftig, undurchdacht und fordernd mit Frauen umzugehen? Mich erinnert das lesen des Textes an eine kurze Interviewepisode [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2972" class="wp-caption aligncenter" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-2972 " src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-12.jpg" alt="" width="550" height="278" /><p class="wp-caption-text">Man kann es immer übertreiben, gerade in der Liebe.</p></div>
<p>Na gut, nehmen wir einmal an, <a href="http://www.zeit.de/2012/02/Maenner">sie hat hiermit recht</a>: Die ‚neuen Männer&#8217; sind rücksichtsvoll verlegen, mutlos und durch ständiges Denken in ihren Taten gehemmt. Was wäre die Konsequenz? Soll man es als Plädoyer lesen, als Mann (wieder?) tatkräftig, undurchdacht und fordernd mit Frauen umzugehen?</p>
<p><span id="more-2969"></span>Mich erinnert das lesen des Textes an eine kurze Interviewepisode mit Heiner Lauterbach. Er saß im TV in großer Runde und beschwerte sich darüber, dass die Jugend den Mädchen so viel einfacher fällt als den Jungen. Denn diese müssen rackern und arbeiten, während die Mädels einfach an der Bar sitzen und sich ansprechen lassen können. Auf den Hinweis aus der Runde, dass dies aber nur für sehr wenige Mädels zutrifft und fast alle anderen unbeachtet und leidend neben diesen Mädels sitzen, schwieg er kurz und ergänzte dann, das habe er wohl übersehen, aber naja.</p>
<p>Ich möchte aus dem Text von Nina Pauer kein Plädoyer herauslesen. Viel zu schlüssig und plausibel erscheinen mir die <a href="http://www.google.de/search?q=Eva+Illouz+Interview&amp;hl=de">von Eva Illouz</a> bislang zum Thema lesbaren. Nicht nur die Männer verändern sich, sondern das Prinzip und die Funktionsweise der Liebe selbst. Wenige Frauen können sich auf ihre Physiognomie verlassen und werden sich, zumindest in ihrer Jugend, niemals langweilen. Diese Frauen können darauf hoffen, dass es immer Männer gibt, die sich für sie interessieren, sodass sie ihr Annehmen-Ablehnen-Spiel spielen können.</p>
<p>Für den Rest, eventuell die Mehrheit, ist Liebe aber vielleicht wieder mehr als ein Spielchen, dass man in der Jugend mit Freude und später mit Anstrengung spielt. Es sind nicht mehr die 80er heute. Eckhard von Hirschhausen, &#8220;<a href="http://www.hirschhausen.com/glueck/kompass.php">Glücksexperte</a>&#8220;, hat immer den guten Hinweis parat, schon am Anfang des Kennenlernens keine Dinnerspielerei zu machen, sondern sich direkt ins Leben zu stürzen. Warum nicht gleich eine Alltagsprobe machen? Eine berechtigte Frage. Für Romantik bleibt immer noch Zeit, nachdem man sich vertraut geworden ist.</p>
<p>Es ist heute schwierig genug. Eroberungswillige Frauen, die von den Männern noch immer die 95% Initiative einfordern, ständige Opferbereitschaft verlangen und nicht zum kleinsten Anzeichen von Sicherheit bereit sind, müssen eben manchmal sehen, wo sie bleiben. Sich über junge Männer in diesem Ton zu beschweren, oder gar lustig zu machen, während gleich nebenan berechtigterweise auf die Rape-Culture hingewiesen wird, ist weder dumm noch klug, aber ziemlich verwirrend. Es könnte für viel junge Männer schlicht einfacher sein, wenn die jungen Frauen ihre neue Rolle finden würden, anstatt der alten Prinzessinnenidee hinterherzutrauern.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/alicelingching/5332064897/in/photostream/">alice_ling</a>)</em></p>
<p><em>Nachtrag</em>: <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/allerseelen/archive/2012/01/07/richtig-kuessen-frau-pauer.aspx">Weiterführende Leseempfehlung</a>.</p>
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		<title>Würde und Ehre</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 19:57:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Christian Wulff hat in seinem gestrigen Interview mehrfach den Versuch unternommen, eine Erklärung als Entschuldigung zu verkaufen. Die Welt sei eine andere geworden, die Aufgabe eines Bundespräsidenten eine schwierigere und überhaupt, er musste seine Rolle zu schnell finden, er konnte das ja alles nicht ahnen, wurde vom Amt überrumpelt und nun sieht er sich im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-2961" title="Atlas" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/01/Unbenannt-11.jpg" alt="" width="550" height="295" /></p>
<p>Christian Wulff hat in seinem gestrigen Interview mehrfach den Versuch unternommen, eine Erklärung als Entschuldigung zu verkaufen. Die Welt sei eine andere geworden, die Aufgabe eines Bundespräsidenten eine schwierigere und überhaupt, er musste seine Rolle zu schnell finden, er konnte das ja alles nicht ahnen, wurde vom Amt überrumpelt und nun sieht er sich im Recht einer zweiten Chance.</p>
<p><span id="more-2956"></span>Der Feststellung, dass Wulff nicht (mehr) ins Amt des Bundespräsidenten passt, folgt eine offene Frage: Wie soll er sein, der nächste Bundespräsident? Klar ist, meiner Ansicht nach, nur, dass er sich auf die Würde des Amtes nicht mehr verlassen darf. Wer Präsident ist, muss auch ohne Amt präsidiabel sein. Als Präsident aller Deutschen wäre man nicht nur auch Präsident des Islams, der zu Deutschland gehört, sondern auch Präsident aller Hartz-IV-Empfänger. Die Frage, ob man Präsident eines Landes sein möchte, in dem es zuweilen fast strafrechtlich verboten ist, Geld per Kredit oder Schenkung von jedermann anzunehmen, wäre dann prinzipiell zu bejahen. Auch sollte man dann ein Präsident sein, der bereit ist, zur Miete und mit Unbekannten in einem gemeinsamen, nicht dem eigenen, Haus zu leben. Die Kinder sollten öffentliche Schulen und Spielplätze besuchen.</p>
<p>Der nächste Bundespräsident sollte sich nicht hinter einer Nichterklärung verstecken müssen. Er sollte niemals Angst vor einem öffentlichen Auftritt haben. Er sollte sich nicht erst im Amt als fähig erweisen, sondern fähig sein, sodass ihm auch mal etwas misslingen darf. Er sollte nichts tun, was ihm als Fehler ausgelegt werden kann, weil er selbst wissen sollte, was ein Fehler ist.</p>
<p>Kurz: Der nächste Bundespräsident muss sich persönliche Ehre und Respekt erarbeitet haben und das Amt verdienen. Der moralische Maßstab ist kein überholtes Konzept der letzten Gesellschaft, sondern das einzige Maß, das für einen Bundespräsidenten gilt. Er soll nicht nur Reden halten, sondern urteilen können und für ihn bleibt nur das moralische Urteil, das sich aufgrund seiner Argumente wie von selbst trägt und für seine Wirkung nichts weiter braucht als die Autorität desjenigen, der es ausspricht.</p>
<p>Dieser sollte, sollte, sollte &#8211; Anforderungskatalog klingt jetzt sehr hochgesteckt. Aber wie sollte es anders gehen, sollte man das Amt nicht aufgeben wollen. Benötigt wird es. Und es gäbe vor allem viele, die für es infrage kämen. Vielleicht muss man es nur weiter von der Politik entkoppeln. Man kann sich für das Amt des Bundespräsidenten fast keine bessere Disqualifikation vorstellen, als ein Leben lang durch einen Parteiapparat getrieben worden zu sein.</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/kriese/310414690/in/photostream/">Christopher Kriese</a>)</em></p>
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