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	<title>Sozialtheoristen</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
	<lastBuildDate>Thu, 02 Sep 2010 22:25:03 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Autorenverbrennung</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 22:03:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum Thema Sarrazin etwas Lesenswertes, Konstruktives zu finden war nicht ganz einfach. Dass der Mann ein Geschichtswissenschaftler mit einer beeindruckenden Publikationsliste ist, bleibt im Medientheater verborgen. Man kennt ihn als Finanzsenator und Bankvorstand und als Meinungsbekundler. Seine zuletzt vorgetragenen Meinungen sind derart haarsträubend, dass man inhaltlich dazu nichts sagen muss. Wie man zu vielen anderen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-944" title="Strohmann" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/09/Unbenannt-11.jpg" alt="" width="550" height="295" /></p>
<p>Zum Thema Sarrazin etwas Lesenswertes, Konstruktives zu finden war nicht ganz einfach. Dass der Mann ein Geschichtswissenschaftler mit einer beeindruckenden Publikationsliste ist, bleibt im Medientheater verborgen. Man kennt ihn als Finanzsenator und Bankvorstand und als Meinungsbekundler.</p>
<p>Seine zuletzt vorgetragenen Meinungen sind derart haarsträubend, dass man inhaltlich dazu nichts sagen muss. Wie man zu vielen anderen Autoren auch nichts sagt, weil man sie nicht kennt oder sie nach Buchdeckellektüre links liegen lässt.</p>
<p>Die Frage ist, wie schaffte es Thilo Sarrazin die Medien in einen derartigen Aufruhr zu versetzen..? Es lag offensichtlich nicht allein daran, dass er momentan Vorstandsmitglied in der Bundesbank oder Mitglied der SPD ist.</p>
<p><span id="more-943"></span>Eine meiner Meinung nach recht nachvollziehbare Begründung lieferte letztes WE Frank Schirrmacher: „<a href="http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E1E30FB65E1E44794BFFEB5A2B73DE7EA~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Thilo Sarrazin ist der Ghostwriter einer verängstigten Gesellschaft.</a>“ Das erscheint schlüssig. Den Deutschen wird ja sowieso die „german angst“ nachgesagt. Wie groß und konkret sie tatsächlich ist, sah man erst kürzlich bei der Hamburger Bürgerbefragung zum Schulsystem. Die Gesellschaft ist verängstigt und orientierungslos. Selbst Menschen, die einen Uni-Master mit 1.0 abschließen, leben mit einer 3-Monats-Perspektive und fürchten sich vor dem Tag hinter diesem Horizont.</p>
<p>Und so stürzt man sich gern ins unbekannte Terrain des Biologismus. Wenn schon die Gesellschaft keine Orientierungspunkte mehr liefert, so ist es doch sicherlich die gottgegebene Biologie, die uns Wahrheit und Halt liefert. Das nun gerade die Intelligenz als Begriffsanker herhalten muss, ist in der Wir-sind-alle-hochbegabt-Hysterie des letzten Jahrzehnts nachvollziehbar. Doch weiß man doch mittlerweile durch die Statistik und Literatur auch, dass es gerade die Intelligenten sind, die ihren Zwang zum Nachdenken durch Depression und Fundamentalismus ausgleichen. Intelligent(er) zu sein, ist sicherlich kein Grund zur unbedingten Freude.</p>
<p>Eine weitere Erklärung für den sarrazinesken Medienstress liefert aber sicher auch noch ein anderer Punkt: Die wütende Gesellschaft. Es gibt so viel Grund, momentan so richtig wütend zu sein: Krise, Kriege, Katastrophen – und niemand ist Schuld oder verantwortlich zu machen. Wie lange hat man sich danach gesehnt, mal wieder richtig personenbezogen Hassen zu können. Und zwar nicht platt und vorwurfsvoll, sondern elegant und durchdacht mit dem zwanglosen Zwang des besseren Arguments im Ärmel. Sarrazin sei Dank, kann und darf nun jeder einmal die Wahrheit sagen. Es ist nicht Mal nötig, etwas über Epigenetik zu wissen oder darüber, wie kritikwürdig die Mehrheit der Intelligenztests gestaltet ist. Es reichte zu wissen, &#8220;das es so einfach&#8221; und &#8220;volksverhetzend&#8221; ja nicht sein kann/darf.</p>
<p>Thilo Sarrazin ist jetzt erstmal Privatmann. Das Medientheater hat damit hoffentlich ein Ende. Nicht, weil es wichtigere Themen gibt, sondern weil sich die profilierungsgeile Politiker- und Journalistenscharr beim abfackeln ihres selbstgebauten Strohmannes zu offensichtlich blamiert.</p>
<p><em>(Bild: </em><a href="http://www.flickr.com/photos/36755713@N00/95598535/"><em>Aaron Logan</em></a><em>)</em></p>
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		<title>Schwarz/Gelbe Wahlkampfnachwehen</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 00:01:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Im letzten Text (Schwarz/Gelb-Kritik-Kritik) ging es um die Feststellung, dass die aktuelle Bundesregierung eine äußerst demokratische Veranstaltung ist. Das für diese Aussage ausschlaggebende Phänomen ist die enge Verknüpfung zweier im politischen Tagesgeschäft eigentlich streng getrennter und sich widersprechender Verfahrenslogiken: 1. Legitimationserzeugung, 2. Entscheidungsfindung. Derartige Momente sind selten. Das letzte Mal, dass eine Regierung derart öffentlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-930" title="Unbenannt-1" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/09/Unbenannt-1.jpg" alt="" width="550" height="268" /></p>
<p>Im letzten Text (<a href="http://sozialtheoristen.de/2010/08/29/schwarzgelb-kritik-kritik/">Schwarz/Gelb-Kritik-Kritik</a>) ging es um die Feststellung, dass die aktuelle Bundesregierung eine äußerst demokratische Veranstaltung ist. Das für diese Aussage ausschlaggebende Phänomen ist die enge Verknüpfung zweier im politischen Tagesgeschäft eigentlich streng getrennter und sich widersprechender Verfahrenslogiken: 1. Legitimationserzeugung, 2. Entscheidungsfindung.</p>
<p><span id="more-929"></span>Derartige Momente sind selten. Das letzte Mal, dass eine Regierung derart öffentlich Perspektiven präsentiert und Alternativen diskutiert hat war, meiner Ansicht nach, vor der Entscheidung zur Teilnahme am aktuellen Afghanistan-Krieg. Dies wurde sogar so weit getrieben, dass die „Fraktionsdisziplin“ ausgesetzt wurde. (Aber wie grotesk wäre es auch anders…)</p>
<p>Beim Blick auf Schwarz/Gelb stellt sich die Frage: Warum wird die Atompolitik, Gesundheitspolitik, Familienpolitik, Verteidigungspolitik, … so öffentlich und vor allem so lange diskutiert? Warum greifen nicht die üblichen Mechanismen Ausschussarbeit, formale Debatte, Abstimmung (mit „Fraktionsdisziplin“)? Warum ist die Regierung daran interessiert die Konflikte in die politische Peripherie zu tragen und sie lange zu führen? Antwort: Weil sie sich für die politische Entscheidung der Themen nicht ausreichend legitimiert fühlt und Ärger (Protest, Verfassungsgericht) im Nachhinein befürchtet.</p>
<p>In der Politik geht es um zwei Sachen: Köpfe und Konzepte, Personen und Themen. Angela Merkel hat in ihren letzten Wahlkämpfen allerdings zwei Sachen gelernt. Vor der Wahl Personen (Paul Kirchhof) und Themen (Mehrwertsteuererhöhung) zu präsentieren zahlt sich (für sie) nicht aus. So führte die CDU 2009 einen <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2039">inhaltsleeren</a> <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2288">Wahlkampf</a>, sie überließ ihre Schwarz/Gelbe-Machtübernahme der leicht schiefen <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2058">Wahlmathematik</a> und diskutierte die Ämterverteilung kaum vor der Verhandlung des Koalitionsvertrages.</p>
<p>Dadurch wurde zwar das Parlament (trotz FDP-Höhenflug) zu ihren Gunsten voll. Doch inhaltlich befand sie sich in einem luftleeren Raum. Es ist an dieser Stelle notwendig, sich die Funktion der Wahl aus Perspektive der Politik zu verdeutlichen. (Nur für das Publikum geht es tatsächlich um Personen. Einer Regierung ist es relativ egal, ob vor einer Abstimmung Fraktionsmitglied Schmidt oder Meier auf Linie gebracht werden muss.) Politik ist eine Angelegenheit, die hauptsächlich in ihrem eigenen Saft schmort. Der Bundestag ist ein Raumschiff und für die Abgeordneten gibt es nur zwei Wege, etwas über ihre Klientel zu erfahren: Den Mikrokosmos des eigenen Wahlkreises und die Zuarbeiten der wissenschaftlichen Dienste/Massenmedien – beides durch Lobbyismus verfärbt. Um sich zu erden und die politischen Instrumente zu eichen ist die Politik darauf angewiesen, in regelmäßigen Abständen Innezuhalten und sich dem „Volkswillen“ unterzuordnen. Jede Partei bringt nach bestem Bemühen zurechenbare, unterscheidbare Themen und Personen in Stellung und hofft auf möglichst großen Erfolg. Wie viel blanke Hoffnung bei Wahlen im Spiel ist, sieht man an der Emotionalität eines Wahlabends. Es geht um alles, die Gegner sind stark, die Prognosen recht unnütz (siehe „Demoskopie-Desaster“ 2005 das einen Bundeskanzler um den Verstand brachte).</p>
<p>Wer aber den Zuschlag bekommt, kann sich auf die Fahnen schreiben, legitimiert zu sein. Welche konkreten Probleme auch aufkommen, die generelle Richtung wurde vom Wähler abgesegnet. Eine legitimierte Regierung muss sich nicht mit der Frage beschäftigen, wie sie ihre Entscheidungen durchsetzt, weil dieses Problem gar nicht existiert – es wurde bereits gelöst. Der Korridor des Möglichen wird vor der Wahl abgesteckt, durch die Wahl bestätigt und nach der Wahl entlang gegangen.</p>
<p>Diesen Moment der externen Rückversicherung grundlegender Leitlinien hat die aktuelle Regierung verpasst. Sie ist mit Nichts in die Wahl gegangen und muss jetzt damit leben, dass unangenehme Entscheidungen Widerstand und Protest hervorrufen. (Das ausgerechnet ein Werk wie das „Wachstumgsbeschleunigungsgesetzt“ als erstes verabschiedet wurde, zeugt von besonderer Brillanz der Verantwortlichen.) Die Regierung muss die Konflikte über Themen jetzt nachholen. Obwohl jetzt nicht die Zeit dafür ist und die Politik auch kaum in der Lage ist, Legitimationserzeugung und Sachentscheidung gleichzeitig durchzuführen. Das während Wahlkämpfen keine Politik stattfindet, ist nämlich kein Bug sondern ein Feature der Demokratie, damit nach der Wahl Politik gemacht werden kann, ohne gleichzeitig Wahlkampf machen zu müssen. Die Unterstützung für die Sachentscheidungen wurde ja schon erteilt.</p>
<p>Dass die Regierung gerade zutiefst bilderbuchdemokratisch agiert, weil sie den politischen Konflikt und die politische Entscheidungsfindung kombiniert, kann zwar als „schön“ bewertet werden, stellt sie aber vor kaum zu leistende Anforderungen. Legitimationserzeugung zielt auf Gewinnung von politischer Unterstützung, politisches Entscheiden ruft Enttäuschung hervor – dass kann man hintereinander erledigen (immer in der Hoffnung, das die Enttäuschung bis zur nächsten Wahl vergessen ist) aber nicht parallel.</p>
<p>Im letzten Text wurde gesagt: Die Regierung ist nicht per se schlecht (jedenfalls nicht, weil sie sich ernsthaft streitet) &amp; Es ist möglich, dass in dieser Legislaturperiode viele wichtige Entscheidungen getroffen werden können (weil eben Lobbyismus diesmal nicht so einfach vom Publikum akzeptiert wird). Es kann aber, aus genannten Gründen, auch alles viel früher einfach vorbei sein. Vielleicht ist Angela Merkel ja an einem, zumindest kleinen, inhaltlichen Vermächtnis interessiert, die Chancen dafür stehen, meiner Meinung nach, nicht sooo schlecht…</p>
<p>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/doug88888/3843456676/in/photostream/">Doug Wheller</a>)</p>
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		<title>Schwarz/Gelb-Kritik-Kritik</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 20:29:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Die FAS titelt heute „Neues Deutschland“ und bildet dazu die in Nachdenklichkeit versunkenen aber auch Engagement zeigenden Köpfe der Minister: Schröder, von der Leyen, zu Guttenberg und Röttgen ab. Den Weg  vom Briefkasten zurück war ich überrascht, denn eigentlich ist gerade überhaupt nicht die Zeit, in der eines der besseren Printmedien anfangen könnte, Schwarz/Gelb schönzureden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-919" title="Kommunikationsprobleme" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/08/Unbenannt-1.jpg" alt="" width="550" height="293" /></p>
<p>Die FAS titelt heute „<span style="color: #ff0000;"><strong>Neues</strong></span><strong> Deutschland</strong>“ und bildet dazu die in Nachdenklichkeit versunkenen aber auch Engagement zeigenden Köpfe der Minister: Schröder, von der Leyen, zu Guttenberg und Röttgen ab. Den Weg  vom Briefkasten zurück war ich überrascht, denn eigentlich ist gerade überhaupt nicht die Zeit, in der eines der besseren Printmedien anfangen könnte, Schwarz/Gelb schönzureden. Aber noch bevor ich oben ankam, wandelte sich mein Gedankengang.</p>
<p><span id="more-908"></span>Denn ich dachte im Modus meiner aktuellen Lieblingsthese: In der Politik geschieht im Großen und Ganzen immer genau das Gegenteil von dem, was man erwartet. Diese These eignet sich nicht zum Diskutieren, sondern ist eher eine aus Erfahrung geronnene Erwartung, die eine Portion persönliches Überzeugtsein und parteipolitisches Unabhängigsein erfordert. Falls man eine Argumentation anstrebte, würde sie so laufen: Schwarz/Gelb erschuf und sicherte den Sozialstaat, Rot/Grün stutzte ihn radikal zurecht; Schwarz/Gelb schuf eine stabile, friedliche Rolle Deutschlands in der Welt, Rot/Grün begann Kriege (Plural!) und legte sich mit anderen Ländern offensiv an, Schwarz/Gelb ist zwar der Kindergarten nicht so wichtig, Rot/Grün schafft aber direkt das Uni-Diplom in Deutschland ab.</p>
<p>Ohne weitere Erörterung historischer Zustände, politischer Sachstände und Kenntnisse über politische Verfahrenslogiken lässt sich festhalten: Jede Regierung hält Überraschungen parat und Bürgerprotest scheint erheblich ergiebiger, wenn gerade das andere Lager an der Macht und zu kritisieren ist.</p>
<p>Im Sinne dieser Logik ist gerade Interessantes zu beobachten. Es ist die SPD, die den letzten „Basta“-Kanzler vorzuweisen hat. Und sie ist es auch, die zuletzt einen Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten präsentierte, der sein „Regierungsprogramm“ im kleinen Kreis ausarbeitete und die Öffentlichkeit nur noch nutze, um es als alternativloses Heiligtum <a href="http://www.youtube.com/watch?v=NGwSbDOpL6g">feiern und bejubeln</a> zu lassen. Dagegen ist es der „Kanzlerwahlverein“ CDU, der gerade dadurch auffällt, dass die politischen Debatten nicht im Kanzleramt entschieden, sondern erst mal da ausgetragen werden, wo sie in einer Bilderbuchdemokratie hingehören: in die Ministerien, in den Zeitungen, bei den Stammtischen und bei den Betroffenen.</p>
<p>Die politischen Debatten werden gerade derart offenherzig geführt, dass sich die <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3473">Betroffenen selbst ins Knie schießen</a>, sich die <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,713303,00.html">Beteiligten persönlich blamieren</a> und lange Zeit <a href="http://www.google.com/search?q=guttenberg+wehrpflicht&amp;hl=de&amp;prmd=n&amp;source=univ&amp;tbs=nws:1&amp;tbo=u&amp;ei=Kq16TPKjLNSd4QbO9oiEBg&amp;sa=X&amp;oi=news_group&amp;ct=title&amp;resnum=1&amp;ved=0CCoQsQQwAA">undenkbare Alternativen diskutiert</a> werden. Das groteskere Phänomen ist, dass nun schon die Bürger ihre Regierung zur Geschlossenheit aufrufen und nur noch unerträglichen (&#8220;Gurkentruppe&#8221;, &#8220;Wildsau&#8221;) Streit und Konflikt in der Regierung sehen.</p>
<p>Die Bevölkerung möchte gerne über „Politik“ diskutieren, doch das sollte den Street-View-Blödsinn oder die Frage „Wie böse ist Sarrazin?“ anscheinend nicht übertreffen. Man ist geneigt zu sagen, die Deutschen haben nicht nur eine Regierung, die sie nicht verdienen, sondern auch eine Regierungsform, die sich nicht verdienen. Aus Blickrichtung Russland, Italien oder anderen Teilen der Welt stellt sich Deutschland gerade als politisches Paradies dar. Nicht nur, weil öffentlich gestritten wird, sondern auch, weil ergebnissoffen weite Teile der Gesellschaft beteiligt werden.</p>
<p>In der Energie-, „Armuts“- und Verteidigungspolitik zofft sich die Regierung gerade öffentlich. Die Argumente werden dabei gerade nicht im Hinterzimmer ausgetragen und es ist auch völlig offen, was dabei herauskommt. Es besteht jedoch ernsthaft die Möglichkeit, dass es schon nächstes Jahr keine Wehrpflicht mehr gibt und die Debatte dadurch endgültig in die „Sozialarbeits-Niedriglohn-Debatte“ gewandelt wird, die sie eigentlich ist. Auch könnte der Atomstrom-Streit so entschieden werden, dass eventuell 8 oder 12 Jahre mehr Laufzeit bleiben, dafür das Thema aber ein für alle Mal entschieden ist (weil es eben Schwarz/Gelb entschied und nicht Rot/Grün). Ganz zu schweigen, dass eine nächste Schwarz/Gelbe-Regierung gezwungen sein könnte, tatsächlich eine Finanzmarktsteuer einzuführen, das &#8220;Diplom&#8221; zurückzuholen oder die erste Stufe des bedingungslosen Grundeinkommens zu beschließen&#8230;</p>
<p>Natürlich kann man sich eine Ebene tiefer weiter über Westerwelle belustigen und Aigner sachliche Inkompetenz vorwerfen – muss man auch. Doch ist es eben gut, solche personenbezogenen Zustände immer noch erkennen zu können anstatt sich, viel komplizierter, beschweren zu müssen, dass alles in Herrenriegen geregelt wird oder einfach im „EU-Politbüro“ (Kommission) verschwindet und als Richtlinie oder Verordnung oktroyiert wird.</p>
<p>Die aktuelle Regierung ist eine gute Regierung. Sie bringt viel Witzigkeit und Unterhaltung auf der Personenebene, sie fördert politisches Engagement im Publikum und wird rückblickend, spätestens wenn wieder ein Lagerwechsel durchgeführt wurde oder alle Anliegen europäisch geklärt werden, als eine sehr demokratische Regierung in Erinnerung bleiben.</p>
<p><em>Wie immer bei politischen Themen ist es schwierig sachlich und „objektiv“ zu sein. ;-) Ich bin absolut kein Freund von Schwarz-Geld, wie sie treffender bezeichnet werden. Dennoch ist es nicht so, dass gerade die schlechteste Regierung aller Zeiten an der Macht ist, weil das eine unzutreffende Beschönigung der vorherigen wäre.</em></p>
<p><em>(Bild:  <a href="http://www.flickr.com/photos/joshfassbind/4584323789/in/photostream/">Josh Fassbind</a>)</em></p>
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		<title>Schirrmacher &#8211; über gute Politiker statt schlechte Journalisten</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/06/21/schirrmacher-uber-gute-politiker-statt-schlechte-journalisten/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 13:55:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Folgender kurzer Text ist nicht im soziologisch abgeklärten Erklärungsmodus geschrieben, passt aber dennoch hier hin. Das Problem der Politik ist, dass ein Volk die Regierung bekommt, die es verdient. Das ist ein netter Spruch, der tatsächlich irgendwie stimmt. Der Spruch stimmt aber nicht nur, weil Politiker vom Volk gewählt werden, die dadurch schuld an ihrer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-898" title="Pressek" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/06/Unbenannt-1.jpg" alt="" width="550" height="285" /><br />
<em>Folgender kurzer Text ist nicht im soziologisch abgeklärten Erklärungsmodus geschrieben, passt aber dennoch hier hin.</em></p>
<p>Das Problem der Politik ist, dass ein Volk die Regierung bekommt, die es verdient. Das ist ein netter Spruch, der tatsächlich irgendwie stimmt. Der Spruch stimmt aber nicht nur, weil Politiker vom Volk gewählt werden, die dadurch schuld an ihrer Politik sind. Ein Aspekt an dem Punkt, dass ein Volk selbst Schuld sei, ist auch: Niemand sonst kann schuld sein – und darin ist die Politik ziemlich einzigartig.</p>
<p><span id="more-894"></span>An schlechten Lehrern sind nicht die Eltern oder Schüler, an Gammelfleisch nicht die Kunden, an Verlusten nicht die Investoren, an Umweltverschmutzung nicht die Konsumenten schuld. Für fast jede gesellschaftliche Einrichtung gibt es einen Sicherheitsmechanismus, der das Volk davon entlastet, alles selbst mit Ahnung überwachen zu müssen. Die moderne Gesellschaft funktioniert nach einem Prinzip ausgeprägter Arbeitsteilung mit ausgeklügelten Checks und Balances inkl. Entschädigungsmöglichkeiten – oft mit Hilfe des Rechts.</p>
<p>Nur die Politik, und man möchte es gegenwärtig jedem einzelnen Regierungsbeteiligten einzeln vorwerfen, muss ständig in Einzelleistung kontrolliert werden, damit nicht am nächsten Tag noch größerer Unfug angestellt wird als am Tag zuvor. Bei der Wahl kann man keinen Politiker auf Interessen, nicht mal auf Versprechen, festnageln und später zur Rechenschaft ziehen. Mit seiner Wählerstimme ist man den Einflußmöglichkeiten anderer „Mitspieler“ machtlos ausgeliefert.</p>
<p>Ach halt! Es gibt doch auch in der Moderne ein Kontrollmechanismus für die Politik -&gt; unsere Qualitätspresse. Es muss sich nämlich doch nicht jeder einzelne Volkszugehörige mit Politik beschäftigen, sofern er auf die Arbeit inkl. Fehler und Unstimmigkeiten der Politik durch unabhängige, fleißige und interessierte Journalisten hingewiesen wird, so dass eine folgende Wahlentscheidung entsprechend ausfallen kann.</p>
<p>So. Und nun sollte man mal <a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E4EB62D0D7F564CC28E1DA88877B094DF~ATpl~Ecommon~Scontent.html">diesen Schirrmacher-Text aus der gestrigen FAS</a> lesen. Ich finde das schon ziemlich frech. Und überhaupt: Wieso ist der Bundespräsident ein „politisches“ Amt? Wobei die FAZ noch zu den Zeitungen gehört, die ausgeglichen und mit großer thematischer Bandbreite informieren. Aber. Solch ein Anklagetext sollte sich, wenn überhaupt, nicht gegen die Bürger oder Politiker (wie wär&#8217;s mal mit der SPD und ihrer unterirdischen &#8220;Opposition&#8221;) sondern die Massenmedien richten.</p>
<p>(<a href="http://www.flickr.com/photos/fdp-bundestagsfraktion/4039758624/">Bild</a>)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Too fast for Love &#8211; Systems theory´s Mimicry</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/05/29/too-fast-for-love-systems-theory%c2%b4s-mimicry/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2010/05/29/too-fast-for-love-systems-theory%c2%b4s-mimicry/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 May 2010 15:16:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henrik Dosdall</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[Systems theory is, doubtless, a controversial and contentious field of sociological theory-building. Nonetheless or rather because of it, the theory seems to, to a surprisingly great extent, attract critics – may that be critique uttered by social scientists or students. The matter by itself is, of course, not actually surprising as science is based upon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Systems theory is, doubtless, a controversial and contentious field of sociological theory-building. Nonetheless or rather because of it, the theory seems to, to a surprisingly great extent, attract critics – may that be critique uttered by social scientists or students. The matter by itself is, of course, not actually surprising as science is based upon the ongoing process of criticizing the work of others. What, indeed, stuns is the quality of most of the critiques – or better: the lack of quality most discussions are characterized by and their willingness to abide by this standard – if that.</p>
<p>In the course of time one happens to grow accustomed to the fanciest critiques. They range from “where is the subject/ actor” to “oh, way too complicated”. The favorite is for sure: no one outside of Bielefeld uses Luhmann. All this stuff is ideally suited to make an earnest observer crack up. And, by the way, it doesn´t really matter if the critique comes from most scientific articles or is uttered in a seminar: the bottom line is always the same. Let´s just take this classic regional thing: one tends to the assertion that the analytical value of a theory doesn´t depend upon its regional use &#8211; especially not of the use in or outside of Bielefeld. Obviously, for some obscure reasons, this just doesn´t seem to be right for the users of the regional argument&#8230; Incidentally… yes, the coinjoinability of science is the main counterargument. But to be earnest: measured by the publications as to systems theory the theory doesn´t run the risk of vanishing but rather to play, admittedly, a smaller role in today´s sociology which is truly kind of scaring as other theories normally don´t match systems theory´s level of dissolving everyday life categories and re- describe them.</p>
<p><span id="more-887"></span></p>
<p>A further, pretty nice, example is the, mentioned above, complaining about the missing actor. This is something worth giving attention to. As a matter of fact actors don´t really matter for Luhmann, except for the person as a <em>form </em>and<em> the attribution of communication to actors.</em> This seems to be autocatalytic for every kind of criticism. The best one is, indeed, to press for the re- implementing of the actor. In a manner of speaking this is non-sense. Why even out the differences between theories? Why would one turn systems theory into an actor-based theory? It should be clear that these kinds of notions are as dazzling as they are not able to entangle the messed up discussion.</p>
<p>Notwithstanding this: one keeps wondering why no one asks what systems theory is offering <em>instead</em>. As a matter of fact, one has <em>not</em> to read every single article or monograph to take the edge off of this argument. A short glance at Social Systems contains the answer. The actor is <em>analytically </em>replaced by (the attribution of) communication, which just doesn´t mean that the actor isn´t around any longer but that there are other, more sophisticated, categories to describe sociality. And theorizing is about <em>describing</em> reality. It´s not about depicting a one to one picture of it. For this purpose, reality is way too complex and epistemologically unobservable as a whole.</p>
<p>Taking a little detour at the mentioned epistemological fundament of systems theory, Luhmann makes clear that theory is an instrument to throw light upon a necessarily unknown reality. Nevertheless, theory never corresponds to reality. By implication, this means that one theory is just <em>one</em> way to illuminate reality. There are other, different ways, for instance theories which work with actors as main category. And it is this fact that prompted Luhmanns (in)famous statement as to other theories: “do it differently, but do it just as well”. On this notion´s basis theories can be judged by the degree of complexity they are able to project. It is here that systems theory has its head start.</p>
<p>Again: one doesn´t have to be familiar with all theoretical details of systems theory, especially not if actual research interests are different. But nonetheless it is hard to see, and much harder to understand why the question what system theory offers instead of everyday life categories is not evoked automatically.</p>
<p>This abstract question is supposed to be the main consequence of this argument. There is no need to explain every single misunderstanding, but there definitely is a need to point towards the fact that systems theory explains sociality. In a manner of speaking, the theory aims at the same object – society – as the next sociological theory. This should arouse the attentiveness of commentators and readers of the theory to ask the mentioned question: what offers systems theory instead and why does it do it in such a contra- intuitive way? The answer is not really important for it is hidden in the thousands of pages of the theory. But it is important to take the time to think about that there <em>could</em> be an answer to it.</p>
<p>To drop a last word on this matter: the combination of communication and epistemological foundation of systems theory seems, unfortunately, to be the, in slight modification of the word´s original meaning, mimicry of the theory as there are a lot of theoretical parts which have to be stuck together to get a more or less appropriate answer to the question in focus. The theory accidentally disguises itself and therefore gives rise to the theories’ refusal.</p>
<p>But not even this relieves the commentator on systems theory from being curious about the question, why systems theory describes society the way it in fact does. The latter is what this article is about. It is kind of puzzling that, by all indications, no one seems to be interested in this &#8216;why&#8217;. And it is this question that should be tackled in every contention with systems theory. Whether one is interested in the answers systems theory gives or not – this is a distinct issue from asking the question anyway.</p>
<p>Anyways, one should not be too fast with this theory. It is worth its while.</p>
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		<title>Aufklärung und Meinungsbildung (mit FAS-Hilfe)</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/05/09/aufklarung-und-meinungsbildung-mit-fas-hilfe/</link>
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		<pubDate>Sun, 09 May 2010 17:07:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>
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		<description><![CDATA[Die EU-Finanzmisere mit Deutschland und Griechenland in den Hauptrollen wird meiner Ansicht nach soziologisch interessant, weil sie und ihr rahmendes Medientheater aufzeigen, dass es bei der Behandlung der Krise um alles geht aber nicht um Aufklärung.  Wer Bescheid wissen will, kann alle notwendigen Fakten nachlesen. Sich eine eigene Meinung zu bilden ist ebenso leicht. Hier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-868 aligncenter" title="Alle brauchen Urlaub" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/05/Unbenannt-11.jpg" alt="" width="550" height="300" /></p>
<p>Die EU-Finanzmisere mit Deutschland und Griechenland in den Hauptrollen wird meiner Ansicht nach soziologisch interessant, weil sie und ihr rahmendes Medientheater aufzeigen, dass es bei der Behandlung der Krise um alles geht aber nicht um Aufklärung.  Wer Bescheid wissen will, kann alle notwendigen Fakten nachlesen. Sich eine eigene Meinung zu bilden ist ebenso leicht. Hier die zwei Etappen.</p>
<p>Zur vollständigen persönlichen Aufklärung reicht allein die Lektüre der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Es finden sich etliche Texte in verschiedenen Umfängen zum Thema in ihr. An unterschiedlichen Perspektiven mangelt es auch nicht. Meine kleine Auswahl:<br />
<span id="more-865"></span></p>
<p style="text-align: center;">* Aufklärung *</p>
<p>Seite 8 &#8211; Ein kurzes Wort zur Tageslage in Griechenland.</p>
<p>Seite 25 – <strong>Harald Staun: Dummheit mit System</strong>. Michael Lewis hat ein Buch über die moderne Finanzwirtschaft geschrieben und aus der anfänglichen Wut des Rezensionisten wurde im Verlaufe des Lesens Verwunderung über die Tatsächlichkeit der Wahnwitzigkeit des auf Spekulation und x-fach-Verbriefung basierenden Finanzwesens. Der Zauber des einen Händlers, der durch Asberger und besondere Mustererkennungsqualitäten auffiel, bestand darin, in Broschüren <em>nachzulesen</em>, dass eine verbriefte Kreditversicherung einen ¾-Millionen-Kredit betrifft der von einem Arbeiter mit 15.000 Dollar Jahresgehalt gehalten wird. Tatsächlich ein sehr intelligenter Zug das Nachlesen und den anderen Marktteilnehmern anscheinende weit voraus…</p>
<p>Seite 28 – Wie geht eigentlich der Deutsche Bundestag mit der Griechenhilfeentscheidung um?</p>
<p>Seite 44 – <strong>Patrick Bernau: Im Porträt: Kenneth Rogoff – Der Krisenversteher</strong>. Herr Rogoff hat „Finanzkrisen“ bis ins 13. Jhrd. zurück untersucht und festgestellt: Geschichte wiederholt sich doch. Zitat aus dem Text: „Als er erfährt, dass in den griechischen Protesten drei Menschen gestorben sind, sagt er: ‚Das ist tragisch – aber auch das ist nichts Neues in einer solchen Krise, wir kennen das schon aus Kairo.‘“ Herr Rogoff scheint einer dieser hofierten „Professoren aus Amerika“ zu sein, die auf der ganzen Welt in Keynotes Dinge erklären. Allerdings scheint er in seiner Arbeit auch eine Unmenge an historischem Material gesammelt zu haben, dass sicher nicht uninteressant für weitere Analysen ist.</p>
<p>Seite 47 – <strong>Georg Meck</strong> im Gespräch mit <strong>Claus Vogt: „In acht Jahren ist unser Geld nur noch die Hälfte wert“</strong> – Herr Vogt ist der „Chefstratege der Quirin Bank“ und eröffnet eine interessante Perspektive auf die Investmentsucherei aus einer Praktikerperspektive. Fazit: Der Aktienmarktaufschwung geschah durch zu viel Geld, das nach Investitionsmöglichkeiten sucht und führte zu totaler Überbewertung. Das weitere Geld, das durch die Notenbank-Aktionen der letzten Monate hinzukam wird zu der Horroraussicht der Überschrift führen. Die einzig sichere Investitionsmöglichkeit ist: Konsum (noch schnell ;-) und Gold o.ä.</p>
<p>Seite 53 – <strong>Alexander Marquier</strong> führt ein Interview mit dem Mathe-Prof. <strong>Claus Peter Ortlieb: „Ökonomie ist eigentlich keine Wissenschaft“</strong>. Kurzes aber sehr interessantes Gespräch. Die Ökonomie bediene sich als Sozialwissenschaft bei der Mathematik, weil sie scharf ist auf die Objektivitätsverheißungen und Vergleichsmöglichkeiten der Zahlen. Dadurch mutiert sie allerdings zu einer „Sozialphysik“, die sich selber nicht im Griff hat. Die Vermathematisierung der Ökonomie führt zwar zu der Möglichkeit mit Zahlen Eindruck zu schinden. Das darauf basierende neoklassische Paradigma fällt aber vor allem durch seine Stammtischnähe auf und übersieht, dass es den Bereich der Wissenschaft verlässt.</p>
<p style="text-align: center;">* Meinung *</p>
<p>Nach der Lektüre, die mich über die Einzelheiten der Prinzipien von Staatsschulden, Konsum, Investition und die politischen Handlungsmöglichkeiten aufklärt komme ich zu folgenden Schluss.</p>
<p>Es gibt nicht nur eine, alternativlose Lösung für die Finanzmisere, sondern anscheinend ein paar mehr.</p>
<p>1. Die aktuelle Lösung. Die Länder springen ein und geben Kredite, auf deren Rückzahlung sie im Notfall, der wohl sicher eintreten wird, verzichten. Dafür steht nun mehr Geld im Raum um die privaten Gläubiger Griechenlands rauszuhauen. Das soll anscheinend für einen kleinen Vertrauensbump sorgen. Kredite mit mehr Krediten zu stabilisieren sieht aber nicht nur komisch aus, sondern ist es anscheinend auch. Der einzige Grund für diese Alternative ist, das jetzige System wie es ist noch länger zu halten. Im Hintergrund immer die Idee, dass sich Staatsschulden durch Wachstum abbauen lassen und dass Staatsschulden irgendwann tatsächlich getilgt werden. ;-)</p>
<p>2. Alternative. Die Milliarden fließen nicht in zweitklassige Griechenlandkredite, sondern gehen direkt an Gläubiger, so dass die Staatsschuld Griechenlands insgesamt verringert wird. Wie das genau funktionieren soll weiß ich nicht. Allerdings erscheint mir die Idee, durch Geld Kredite zurückzuzahlen eine gute Idee in einer Kreditkrise.</p>
<p>3. Alternative. Jeder EU-Bürger muss, wenn er 2010 eine Griechenlandreise länger als 3 Tage plant, nur 150 Euro zahlen. Den Rest der Kosten übernimmt das Heimatland. Der finanzielle Aufwand wäre um ein vielfaches geringer, dafür würden der gr. Tourismus und der Währungsimport florieren. Nützliche Nebenfolge: Alle machen mal Urlaub und kühlen in der griechischen Sonne etwas runter. Nicht nur Finanzminister brauchen mal etwas Ruhe.</p>
<p>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/sofiagenato/225801048/">OneGreatClick</a>)</p>
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		<title>Lesetipp: Der Wille zum System &#8211; Niklas Luhmann revisited</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/05/06/lesetipp-der-wille-zum-system-niklas-luhmann-revisited/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 May 2010 14:59:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Mürlebach</dc:creator>
				<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologielinks]]></category>
		<category><![CDATA[Niklas Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rationalität]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf andere Blogs wird hier zwar selten verlinkt, aber der im Literaturmagazin Glanz&#38;Elend zu findende Artikel von Goedart Palm wäre auch eine Zierde dieser Seiten: &#8216;Der Wille zum System &#8211; Niklas Luhmann revisited&#8216; tut erst so, als sei er eine Rezension des gerade erschienenen &#8216;neuesten&#8217; Buch Niklas Luhmanns (Politische Soziologie), kommt dann aber schnell dazu, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf andere Blogs wird hier zwar selten verlinkt, aber der im Literaturmagazin <a href="http://www.glanzundelend.de">Glanz&amp;Elend</a> zu findende Artikel von <a href="http://www.goedartpalm.de">Goedart Palm</a> wäre auch eine Zierde dieser Seiten:</p>
<p><span id="more-854"></span>&#8216;<a href="http://www.glanzundelend.de/Artikel/niklas_luhmann.htm">Der Wille zum System &#8211; Niklas Luhmann revisited</a>&#8216; tut erst so, als sei er eine Rezension des gerade erschienenen &#8216;neuesten&#8217; Buch Niklas Luhmanns (<a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/politische_soziologie-niklas_luhmann_58541.html">Politische Soziologie</a>), kommt dann aber schnell dazu, <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,691821,00.html">Gordon Browns</a> &#8216;<a href="http://waugh.standard.co.uk/2010/04/what-did-gordon-think-mrs-duffy-said.html">insult-the-voter masterpiece</a>&#8216; aus systemtheoretischer Sicht zu betrachten.<br />
Von dort ausgehend wird auf Luhmanns Überlegungen zu &#8216;Rationalität in der Politik&#8217; eingegangen und dessen Rat an die Wähler (hier schiele ich in Richtung <a href="http://www.im.nrw.de/bue/406.htm#">Sonntag</a>) in Erinnerung gerufen, wonach es für diese letztlich rationaler wäre, sich in der Wahlkabine nach nichtrationalen Kriterien zu entscheiden. Und sogar dabei hilft uns heute: <a href="http://www.wahl-o-mat.de">das Internet</a>.</p>
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		<title>Soziale oder gesellschaftliche Vernetzung?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/05/03/soziale-oder-gesellschaftliche-vernetzung/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 14:43:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Integratio]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Vernetzung]]></category>
		<category><![CDATA[Vernetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man sich vor einem Soziologiestudium Gedanken darüber macht, über was man etwas lernen möchte, denkt man sicherlich schnell an &#8220;die Gesellschaft&#8221; und &#8220;soziale Beziehungen&#8221;. Wenn man das Nachdenk- und Lesestudium dann absolviert hat, bemerkt man, dass gerade in diesen beiden Hinsichten nur weitere Fragen dazugekommen sind. &#8220;Die Gesellschaft&#8221; und &#8220;soziale Beziehungen&#8221; sind einfach stetig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/05/Unbenannt-1.jpg" alt="" title="soziales Lesen" width="550" height="260" class="aligncenter size-full wp-image-836" /></p>
<p>Wenn man sich vor einem Soziologiestudium Gedanken darüber macht, über was man etwas lernen möchte, denkt man sicherlich schnell an &#8220;die Gesellschaft&#8221; und &#8220;soziale Beziehungen&#8221;. Wenn man das Nachdenk- und Lesestudium dann absolviert hat, bemerkt man, dass gerade in diesen beiden Hinsichten nur weitere Fragen dazugekommen sind. &#8220;Die Gesellschaft&#8221; und &#8220;soziale Beziehungen&#8221; sind einfach stetig offene Punkte, um sie legen sich die Problemstellungen, wie das alles möglich sei und daran arbeitet man sich ab. (Auch der kleine Artikel hier weist nur auf Probleme hin ohne Antworten zu präsentieren.) Jeder hält seine eigenen Antworten parat, die Einzeln selten befriedigend sind und sich oft nur mit Mühe gegenseitig ergänzen.</p>
<p><span id="more-833"></span></p>
<p>Sätze wie der Folgende sind im Rahmen ernsthafter Soziologie kaum hinzunehmen: &#8220;Doch scheint die Gesellschaft auch ein halbes Jahrzehnt nach dem Aufkommen der sozialen Netzwerke nicht wirklich besser dran zu sein als davor.&#8221; (Quelle: <a href="http://carta.info/26515/die-social-media-blase-nennen-wir-es-beziehungsinflation/">Carta</a>)</p>
<p>Was soll es denn bedeuten? Seit einem halben Jahr gibt es im Internet soziale Netzwerke aber die Gesellschaft ist immer noch nicht besser dran..? Vielleicht ist die restliche Welt ja so viel schlechter geworden, dass das bisschen besser durch die Netzwerke im Gesamten dennoch eine negative Bilanz aufweist..? ;-)</p>
<p>Wenn man die Idee der &#8220;sozialen Vernetzung&#8221; in einem theoretischem Rahmen aufgreift, also von praktischen Aspekten wie &#8211; es gab schon immer direkte Nachbarschaftshilfe &#8211; in Dörfern, die soziale Kontrolle bedeuten &#8211; neben Städten, in denen man auf dem Markt handeln konnte &#8211; absieht, ist der, meiner Meinung nach letzte sinnvolle Einstieg in die Theorie, die Idee von Max Weber, dass in einer sozialen Beziehung Akteure ihr Handlungen aufeinander, bzw. den anderen beziehen. Als der Akteur als Subjekt die Theorie verlässt, ist die, meiner Ansicht nach, aktuellste Fassung die systemtheoretische Idee, zwischen sozialer und gesellschaftlicher Integration zu unterscheiden.</p>
<p>Und die Frage ist &#8211; integriert das Internet sozial oder gesellschaftlich? Meiner Ansicht nach orientiert man sich kaum, nicht mal beim Twitterlesen, an anderen Menschen, sondern nur an der Maschine, die diesen Strom aus Wortwitzen und Bilderlinks bereithält. Jedenfalls ziehe ich mir kein T-Shirt über, wenn ich morgens das erste Mal in meine Timeline schaue, weil eben niemand der vielen Menschen an den anderen Enden der Internetleitungen zurückguckt, wie ich sie lese.</p>
<p>Das Internet integriert also in dem Punkt, wenn ich nicht direkt sondern indirekt adressiert werde, eher gesellschaftlich statt sozial. Ich orientiere mich primär nicht an (spezifischen) Anderen, sondern an der Kategorie des &#8220;Internetcommunitybenutzers&#8221;. Den Aspekt des &#8220;Sozialen&#8221; könnte man beim beschreiben der Vernetzung also ruhig nochmal grundlegend überdenken. (Muss man aber nicht. Man kann auch mit der Beschreibung einer akteurszentrierten, vernunftbeseelten Gesellschaft, in der sich Freundlichkeit an der Lidl-Kasse <em>auszahlt</em>, zufrieden sein.)</p>
<p>Über &#8220;soziale Vernetzung&#8221; und ihre Auswirkungen auf die &#8220;Gesellschaft&#8221; sinnvolle Aussagen zu treffen verbietet sich nicht aber es ist so viel schwerer als man auf den ersten Blick glaubt. Die Gefahren der &#8220;gefühlten Empirie&#8221; sind, da hier auch stets nur Selbstbeschreibungen vorliegen, ebenfalls nicht zu vernachlässigen.</p>
<p>(Allerdings muss man keinen wissenschaftlichen Maßstab an die Gesellschaftsbeschreibung anlegen. Nur könnte man dann auch offen dazusagen, dass die aufgestellten Listen der Unterhaltung, Huldigung, Bildung, &#8230; dienen sollen, statt eine <em>wahre</em> Wahrheit darzustellen. Denn: &#8220;Das Soziale sollte vielmehr geprägt sein von Vertrauen, Verbindung und Gemeinschaftsgefühl.&#8221; finde ich auch. Nur würde ich es nicht <em>einfach so</em> sagen.)</p>
<p>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/question_everything/2483031991/">Let Ideas Compete</a>)</p>
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		</item>
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		<title>Demokratische Informationsgewinnung durch Komplexität reduzierende Kollektiv-Maschinenintelligenz</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/04/11/demokratische-komplexitatsreduktion-durch-kollektiv-maschinenintelligenz/</link>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 15:31:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
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		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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		<category><![CDATA[Online]]></category>

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		<description><![CDATA[Das ZDF-Nachtstudio übers Internet mit Sascha Lobo, Mario Sixtus, Astrid Herbold und Peter Kruse ist weder interessant noch unterhaltsam. Mit Sascha Lobo als Außnahme reden sich alle beim Internetbeschreiben in Rage, nutzen Begriffe die nicht ganz klar sind und führen vernunft- und homozentrische Paradigmen, die schon vor 50 Jahren als albern abgehakt wurden. Die Sendung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-818" title="nachtstudio" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/04/nachtstudio.jpg" alt="" width="550" height="258" /></p>
<p>Das <a href="http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,8054783,00.html">ZDF-Nachtstudio</a> übers Internet mit Sascha Lobo, Mario Sixtus, Astrid Herbold und Peter Kruse ist weder interessant noch unterhaltsam. Mit Sascha Lobo als Außnahme reden sich alle beim Internetbeschreiben in Rage, nutzen Begriffe die nicht ganz klar sind und führen vernunft- und homozentrische Paradigmen, die schon vor 50 Jahren als albern abgehakt wurden. Die Sendung verlief ungefähr so:</p>
<p><span id="more-803"></span></p>
<ul>
<li>Astrid Herbold meint, die Interneteurphorie störte sie. Sixtus fragt, wer denn das Internet so bejubelt. Sie traut sich aber nicht ihn selbst und seinen <a href="http://sozialtheoristen.de/2010/02/05/das-rundum-gute-internet/">blind-jubelnden</a>, amtsmüden Elektrischen Reporter zu nennen.</li>
<li>Lobo wird gefragt, warum das Internet mehr (sozial) ist als bloß eine (sachliche) Suchmaschine. Er erzählt: jede Metapher die das Internet beschreibt, greift zu kurz. Es ist jeden Tag ein neues Netz, daher kann man es nicht beschreiben. Aber es ist irgendwas damit.</li>
<li>Peter Kruse meint: Der Geist kann ja wohl schlecht aus der Maschine kommen. Die Aufgabe der Verknüpfung der Information kann nur von Menschen gelöst werden. Später meint er: Man darf die alten Methoden nicht auf die neuen Medien anwenden, sondern (und das ist wohl neu?) Musterbildung zulassen. &#8220;Musterbildung schafft Wahrheit&#8221;. Mit Musterbildung meint er aber Mustererkennung, und somit eine Aufgabe des erkennenden Menschen und nicht des Mediums, der Maschine.</li>
<li>Peter Kruse meint: Das Internet und die &#8220;Realität&#8221; sind beide (zu) komplex aber wir wissen nur, wie wir mit der einen Art umzugehen haben &#8211; die onlineige Komplexität ist uns (noch) fremd.</li>
<li>Peter Kruse meint, das Internet hält kontextfreie Information bereit. (Er vergisst jedoch zu erwähnen, was das bedeutet und was er damit sagen will.)</li>
<li>Sascha Lobo meint, es gibt eine &#8220;Qualität in der Maschine&#8221;. Aber ihm wird widersprochen &#8211; es sei nur ein Algorithmus für Käuferstatistiken usw..</li>
<li>&#8220;Kollektive Intelligenz&#8221; &#8211; Es wird 5 Minuten zu diesem Begriff frei assoziiert.</li>
<li>Kruse sagt &#8220;Soziale Systeme&#8221; und meint Menschengruppen.</li>
<li>Sascha Lobo erzählt von &#8220;sozialen Filtern&#8221; &#8211; Kruse: Vertrauensverluste in Informationen und Experten.</li>
<li>Mit &#8220;Reduktion von Komplexität&#8221; meinen alle irgendwas, keiner sagt, was genau.</li>
<li>&#8220;Demokratiesierung des Wissens&#8221; &#8211; niemand sagt, was er damit meint &#8211; Sixtus sagt: &#8220;persönliche Entscheidungen können besser werden&#8221;.</li>
<li>Astrid Herbold (Peter Kruse zustimmend): Die Macht kommt nicht von Google, sondern von den Menschen. Kruse: &#8220;Wenn es Google nicht macht, macht es jemand anderes.&#8221;</li>
</ul>
<p>Es sind also viele offene Punkte, für die genügend Zeit gewesen wäre. Z.B.:</p>
<p>Worin besteht das Erfolgsrezept von Google? Peter Kruse meint, es hilft dem Menschen beim Auffinden von Informationen, die &#8220;kontextfrei&#8221; zur Verfügung gestellt werden und mit denen sich erkennende Musterbildung betreiben lässt, die die Welt &#8220;aus dem Kleinen zum großen Ganzen&#8221; zusammensetzt. Die (exakte) Gegenthese, die mir viel einleuchtender erscheint ist aber, dass Googles Erfolg darin besteht, gerade die Kontextualisierung samt Musterbildung (die Peter Kruse dem Nutzer zuschreibt) besonders erfolgreich zu betreiben und den Nutzer von diesen Aufgaben zu entlasten. Google ist am erfolgreichsten, weil es uns am besten hilft. (Die Gegenfrage wäre, ob Peter Kruse sich das Internet als Quelltext anguckt und sich den Rest selbst denkt, so wie der eine Operator in The Matrix.)</p>
<p>Sascha Lobo wird heftig widersprochen, als er erwähnt, dass der Maschine eine Qualität zuzusprechen ist. Dabei war dies der klügste Satz der ganzen Diskussion. Nur darf man nicht so an die Sache rangehen, zu behaupten, erst die Computer-Maschine hält mensch-externe Denk/Intelligenz-Qualität bereit (er als Riesenmaschinist weiß das, die anderen weigern sich). Wenn wir Menschen tatsächlich jede Entscheidung selbst treffen müssten, kämen wir zu nichts. Also überlassen wir viele Entscheidungen der Gesellschaft: Wann fährt der Bus?, was gibts zu kaufen?, wann muss man in die Schule?, wann wird Alkoholgetrunken? (Natürlich kann man ein sehr unbequemes Leben führen und die Entscheidungen doch selbst treffen. ;-) Kruse würde jetzt widersprechen und sagen: Aber es sind doch alles Menschen (im Hintergrund) und man müsste sagen: Ja, überall sind Menschen, dennoch sind diese gesellschaftlichen Prämissen Ergebnisse von <span style="text-decoration: underline;">sozialen</span> Entscheidungs<span style="text-decoration: underline;">verfahren</span>: von Planung. Niemand einzeln wäre an ihnen Schuld. Menschen bringen sich ein, bringen sich nicht ein, müssen sich einbringen, verpassen sich einzubringen &#8211; das Regulativ für diese Koordinationsleistungen sind soziale, keine psychischen Mechanismen. (Das kann man aber als Organisationsberater wie Peter Kruse einer ist nicht akzeptieren, wem sollte man diese Entmächtigung des Einzelnen verkaufen? &#8211; &#8220;Führungskräften&#8221; jedenfalls nicht.)</p>
<p>Ich will es mal dabei belassen, obwohl man noch eine Weile so weitermachen könnte. Peter Kruse meinte z.B. auch, und das entspricht seinem Tenor, die Macht geht nicht von Google (bzw. Facebook) aus, sondern von den Menschen. Das Argument: Wenn es Google nicht macht, macht es jemand anderes. (Das hat er nicht selbst gesagt, aber entschieden bejaht.) Das ist natürlich merkwürdig. Wenn es Facebook nicht gäbe, liefe dann 14% des Internets über StudiVZ (die Anderen)? Ebenso redet er stets von &#8220;Reduktion von Komplexität&#8221;, beschreibt aber ein Problem, dass eher zu seinem Mustererkennungsmethoden gehört. Es handelt sich also auch dabei um irgendwas psychisches. Ebenso könnte man sich noch Gedanken über die &#8220;Demokratisierung von Information&#8221; machen. In dem Begriff &#8220;Demokratisierung&#8221; steckt dabei immer so ein Hinweis auf etwas das passiert, wenn Information frei(er) verfügbar ist. Die interessante Frage ist, worauf dieser Hinweis zielt &#8211; doch darüber wurde nichts gesagt.</p>
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		<title>Gesellschaftlich abgemeldet / individuell eingerichtet</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/03/18/gesellschaftlich-abgemeldet-individuell-eingerichtet/</link>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 11:17:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensqualität]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Text „Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzen“ von Gunnar Heinsohn ist etwas merkwürdig. Ich hab ihn zuerst überflogen, dachte mir dabei, es sei wohl wieder so ein Text der eine dieser Feuilleton-Debatte anschieben soll, sofern DIE ZEIT noch weitere Moralprofessoren in der Hinterhand hat, sah dann jedoch, dass es ein Beitrag von Gunnar Heinsohn ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-793" title="Relaxing" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/03/Unbenannt-11.jpg" alt="" width="550" height="300" /></p>
<p>Dieser Text <a href="http://www.faz.net/s/Rub0B44038177824280BB9F799BC91030B0/Doc~E0AC5A2CD5A6A481EABE50FAE2AEBA30B~ATpl~Ecommon~Scontent.html">„Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzen“</a> von Gunnar Heinsohn ist etwas merkwürdig. Ich hab ihn zuerst überflogen, dachte mir dabei, es sei wohl wieder so ein Text der eine dieser Feuilleton-Debatte anschieben soll, sofern DIE ZEIT noch weitere Moralprofessoren in der Hinterhand hat, sah dann jedoch, dass es ein Beitrag von Gunnar Heinsohn ist und las ihn nochmal gründlicher.</p>
<p>Naja, vielleicht gibt es noch einen zweiten Gunnar Heinsohn. Dem den ich bisher kannte, hätte ich solche Sätze nicht zugeschrieben:</p>
<blockquote><p>Die deutsche politische Führung scheint fest entschlossen, weiter auf dem erfolglosen, immer teurer werdenden Weg der verfehlten Einwanderungs- und Sozialpolitik zu gehen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Solange die Regierung das Recht auf Kinder als Recht auf beliebig viel öffentlich zu finanzierenden Nachwuchs auslegt, werden Frauen der Unterschicht ihre Schwangerschaften als Kapital ansehen.</p></blockquote>
<p>Naja.</p>
<p><span id="more-789"></span>Die zentrale Aussage des Textes ist: Der deutsche Sozialstaat fördert zu viel ungebildeten und kriminellen Nachwuchs. Dieses Problem wird weder durch die Sozialpolitik, noch durch die Einwanderungspolitik behandelt. Die „Leistungs“-„Elite“ dünnt aus, 2060 wird es in Deutschland nur noch 65 Millionen Menschen geben, davon weniger als die Hälfte im produktiven Alter und viele aus der Gesellschaft abgemeldet. Und Deutschland solle sich ein Vorbild an Clintons Amerika nehmen. Dort hatte man ein ähnliches Problem und hat es gelöst.</p>
<p>Ich glaube ja, man kann weder Deutschland mit den USA vergleichen, vor allem nicht sozialpolitisch oder kulturell, noch irgendeine Aussage über das Jahr 2060 machen. Es sei denn, man beachtet auch die 2.7 Mrd. Toten des dritten Weltkriegs nach 2035 und die Entdeckung des Triliciums, das alle Energieprobleme löst aber die Welt ab 2045 von Afrika abhängig macht. Aber das soll nicht die eigentliche Kritik am Text sein.</p>
<p>Viel wichtiger scheint zu sein, dass heute schon abzusehen ist, dass die gesellschaftliche Isolation ganzer Bevölkerungsteile kein individuell schwerwiegendes Problem mehr ist. Mit Hartz-IV kann man sich sein Leben einrichten. Insbesondere wenn man seinen Medienkonsum einstellt, sich also nicht mehr von dem Leistungsgeschwätz verunsichern lässt, kann man ein zufriedenes Leben führen. Vor 60 Jahren war Lebensqualität noch eine Kostenfrage, das hat sich radikal geändert. 2009 war das Jahr, in dem die Höhe der Technik, das iPhone, von jedem bezahlbar war und ein Milliardär aus Lebensunlust vor einen Zug sprang. Das ist eine soziale Wirklichkeit die zu kaum einer aktuellen, vor allem nicht massenmedial-politisch propagierten, Ideologien passt.</p>
<p>Deutlich wird dies auch beim Teilproblem Bildung. Seit 5-10 Jahren gibt es grundlegende Verschiebungen in Deutschland. Es zählt nur noch das Abitur. In meiner Heimatstadt Jena werden selbst Backwarenfachverkäufer(innen)-Bewerbungen mit Abizeugnis bevorzugt. Politiker stellen sich die Frage, warum Haupt- und Realschüler so früh aufgeben, schon ab der 8 Klasse auffällig werden und ab der 9 kaum mehr Unterricht durchführbar ist. Die Antwort ist so einfach: Weil es für diese Schüler in der Schule nichts zu holen gibt. Der Unterschied Hartz-IV und Backwarenfachverkäufer ist so gering, er rechtfertigt fast keine Anstrengung – eine die zum Abitur führt keinesfalls.</p>
<p>Das Problem der Einhaltung des Lohnabstandsgebots kann nun dahingehend behandelt werden, dass man Hartz-IV absenkt. Die Folgeprobleme sind dann: weniger Konsum, mehr Kriminalität und vielleicht auch die brisante Aussicht, dass sich Hartz-IVler irgendwann mehr als nur in vereinzelten kriminellen Vereinigungen organisieren. Auch Gunnar Heinsohn, der die Forderung in der FAZ-Überschrift nicht expliziert, bleibt bei einer Problembeschreibung und bietet keine praktische Lösung an.</p>
<p>Es könnte aber eine darin liegen: 1. Einsicht, das „Leistung“ die sich eine „Elite“ gern auf die Fahne schreibt kein menschliches Phänomen mehr ist. Roboter bauen die Güter, Maschinen transportieren sie, Computer planen sie. 2. Die Gesellschaft 2010 ist keine Arbeits- sondern eine Konsumgesellschaft. Wenn Arbeitslohn zu 100% dem Arbeiter zugutekommt und erst der Konsum mit, sagen wir, 50% besteuert wird – dann wird die soziale Wirklichkeit wieder auf die Füße gestellt. (Die Konsumgüter würden dadurch kaum teurer, die Steuer- und Abgabenlast verlagert sich nur von Herstellung auf Verkauf. <em>(Jaja, Binnenmarkt, Weltmarkt, unrealistisch&#8230;)</em>)</p>
<p>Die Beschreibung der Gesellschaft hängt der sozialen Wirklichkeit der Gesellschaft stets Jahre bis Jahrzehnte hinterher. Und: Die meisten Beschreibungen der Gesellschaft sind generalisierende Beschreibungen politischer oder wirtschaftlicher Phänomene und in dieser Form für kaum etwas zu gebrauchen. Gunnar Heinsohn ist ein kluger Mann, er ist einer der wenigen, die ihrem Fach ein Standardwerk vorgelegt haben. Aber dieser Text in der FAZ, seine Argumentation, seine Grundlagen, seine Mathematik, seine vorsichtig angedeuteten Lösungen für das was er als Problem beschreibt – sind nichts wert. Geradezu sinnlos. (Aber DIE ZEIT wird wieder darauf reinfallen und überdreht zurückschießen.)</p>
<p><em>(Bild: </em><a href="http://www.flickr.com/photos/jeezny/3882380510/"><em>Jeezny</em></a><em>)</em></p>
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		<title>Sicherheit in einem unendlichen Universum</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/03/13/sicherheit-in-einem-unendlichen-universum/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Mar 2010 13:01:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Soziologielinks]]></category>
		<category><![CDATA[Andrej Holm]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Physik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialphysik]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Universum]]></category>

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		<description><![CDATA[In unregelmäßigen Abständen werden wir auf soziologisches und soziologisch interessantes Material im Internet verlinken. Ausgabe 1: 1. Quarks &#38; Co. &#8211; Nackt aber sicher? Wie viel Sicherheit verträgt die Demokratie? (Video) Die Sendung ist ganz interessant. Der Soziologe Andrej Holm ist zu Gast und berichtet von der Situation, die er (und seine Familie) als Terrorverdächtiger [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-782" title="Sterne" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/03/Unbenannt-1.jpg" alt="" width="550" height="250" /></p>
<p>In unregelmäßigen Abständen werden wir auf soziologisches und soziologisch interessantes Material im Internet verlinken. Ausgabe 1:</p>
<p><span id="more-776"></span>1. <strong>Quarks &amp; Co.</strong> &#8211; <a href="http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2010/0309/uebersicht_sicherheit.jsp">Nackt aber sicher? Wie viel Sicherheit verträgt die Demokratie?</a> (<a href="http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?ref=70087">Video</a>)</p>
<p>Die Sendung ist ganz interessant. Der <a href="http://www.social-science.hu-berlin.de/lehrbereiche/stadtsoz/mitarbeiterinnen/a-z/holm/ah_publ">Soziologe Andrej Holm</a> ist zu Gast und berichtet von der Situation, die er (und seine Familie) als Terrorverdächtiger bewältigen muss. (<a href="http://annalist.noblogs.org/">Seine Frau schreibt regelmäßig zum Thema</a>.) Leider ist Herr Holm eher als Opfer von Überwachungsmaßnahmen, als auch als soziologischer Beobachter eingeladen. Viele der interessanten Fragen beantwortet daher ein Psychologe mit Emotionen und seinem Verständnis von politischem Aktionismus.</p>
<p>Die Sendung gibt dennoch gute und soziologisch interessante Einblicke in das individuelle Verhalten in Gefahr- und Risikosituationen, die Eigendynamik von gesellschaftlichen (Überwachungs-) Strukturen und die Verknüpfung von politischen Entscheidungen und technologischen Entwicklungen.</p>
<p>2. <strong>Chaosradio Express</strong> &#8211; <a href="http://blog.chaosradio.ccc.de/index.php/2010/03/07/cre147-mikrokosmos-makrokosmos/">147 Mikrokosmos, Makrokosmos</a> (<a href="http://chaosradio.ccc.de/cre147.html">Audio</a>)</p>
<p>Als es die Soziologie noch nicht gab, hieß sie Sozialphysik. Hier kann man Tim Pritlove beim Fragen und dem Physiker <a href="http://www.atdotde.de/">Robert Helling</a> beim Erzählen über das Universum zuhören und sich darüber wundern, wie ähnlich sich beide Wissenschaft doch (immer noch) sind.</p>
<p>Sie teilen weder die empirischen noch methodischen Aspekte, doch sehr ihre Problemstellungen: Man fragt nicht nach dem Anfang und dem „Warum?“ sondern sucht die grundlegenden Prinzipien und fragt nach dem „Wie?“. Die grundlegenden Elemente führen eine dreifache Binnendifferenz. Die großen Zusammenhänge funktionieren nach eigenen Regeln, Reduktionismus ist logisch möglich aber nicht intelligent. Der Beobachter kann seinen Gegenstand nicht von außen beobachten. Usw. Für systemtheoretische Soziologen ist das Zuhören überaus interessant.</p>
<p>3. <strong>contextblog.ch</strong> – <a href="http://www.contextblog.ch/?cat=3">Interviews mit Bruno Latour, Rudolf Stichweh, Umberto Eco und Peter Fuchs</a> (Video &amp; Text)</p>
<p>Ich hab’s mir selbst noch nicht angesehen, verlinke aber sehr gerne im Vorfeld meiner eigenen Kenntnis. ;-)</p>
<p><em>(</em><a href="http://www.flickr.com/photos/_belial/481126091/"><em>Bild</em></a><em> &#8211; Carl Jones)</em></p>
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		<title>Inflation raten</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/03/08/inflation-raten/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 10:39:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Entscheidung]]></category>
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		<category><![CDATA[Inflatonsrate]]></category>
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		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn wir uns in der Welt zurechtfinden wollen, gibt es gar nicht so viele gute Anhaltspunkte, die uns Orientierung bieten, wie man zuerst glaubt. Nichts ist so objektiv und abgesichert, dass man sich gefahrlos blindlinks darauf verlassen könnte. Dieses Problem kann man im Kleinen noch gut meistern. Bei anstehenden, etwas folgenreicheren Lebensentscheidungen verlässt man sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-766" title="inflation" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/03/inflation.jpg" alt="" width="550" height="226" /></p>
<p>Wenn wir uns in der Welt zurechtfinden wollen, gibt es gar nicht so viele gute Anhaltspunkte, die uns Orientierung bieten, wie man zuerst glaubt. Nichts ist so objektiv und abgesichert, dass man sich gefahrlos blindlinks darauf verlassen könnte. Dieses Problem kann man im Kleinen noch gut meistern. Bei anstehenden, etwas folgenreicheren Lebensentscheidungen verlässt man sich auf Ratgeber wie die eigenen Erfahrungen, Freunde, Zeitschriften oder teure Gutachter. Wenn&#8217;s schief geht ist eben ein entsprechender Teil des Jahreslohns weg…</p>
<p>Die Politik schlägt sich auf ganz anderen Ebenen mit dem Problem der Fehlbarkeit von Prognosen herum. Jede Entscheidung birgt Risiken und Gefahren. Nur dass das Risiko der 600 Parlamentarier in Berlin Gefahren mit gesellschaftsweiter Tragweite bedeutet. Eine kleine Gruppe entscheidet und ganze Völker sind betroffen.</p>
<p><span id="more-765"></span>Die Absicherung einer Entscheidung durch Berater und Freunde reicht da kaum. Aus <a href="http://books.google.de/books?id=ptJnSTf1JDEC&amp;lpg=PA65&amp;ots=OEq5a5QMwL&amp;dq=%22Zahlen%2C%20Wissen%2C%20Objektivit%C3%A4t%22%20bettina%20heintz&amp;pg=PA65#v=onepage&amp;q=%22Zahlen,%20Wissen,%20Objektivit%C3%A4t%22%20bettina%20heintz&amp;f=false">unterschiedlichen Gründen</a> zählen gerade in der Politik, in der mit Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung geworben wird, nur Zahlen. Nicht nur in der Politik geht nichts über eine gute Kennziffer. Sie gibt <a href="http://www.hertha-blog.de/abstiegskampfquotient.html">Hoffnung</a>, lässt <a href="http://www.apple.com/itunes/10-billion-song-countdown/">staunen</a>, erschüttert oder <a href="http://www.seiten.faz-archiv.de/fas/20090809/sd1200908092371765.html">überrascht</a> (Schade, dass dieser Text nicht online ist – ich verlinke ihn trotzdem). Viele Zahlen sind <a href="http://www.shortnews.de/id/533002/Schaetzung-Vier-Milliarden-Fernsehzuschauer-verfolgten-Olympiaeroeffnung-in-Athen">sinnlos</a>, andere <a href="http://egghat.blogspot.com/search/label/zahldestages">interessant</a>.</p>
<p>Zahlen sind toll. Sie müssen nicht erklären wie sie zustande und wo sie herkommen, sie sind in einer Sekunde darstellbar, ermöglichen Vergleiche, lassen ihre Deutung offen, usw. Zahlen sind die ultimative Waffe, noch viel mehr als das Wort.</p>
<p>Eine zentrale politische Kennziffer, neben Arbeitslosenzahl, BIP und Leitzins, ist die Inflationsrate. Sie stellt, so wurde es in der Schule („Teuerungsrate“) gelehrt, dar, wie sich die Preise im Verlauf der Zeit verändern. Wenn sie nach oben geht, ist das nicht gut, wenn sie zu niedrig ist, wissen wir nicht was es bedeutet. Zuletzt haben wir gelernt, dass auch Deflation, also negative Inflation, irgendwie besorgniserregend ist.</p>
<p>Wir wissen kaum etwas über das Prinzip „Inflationsrate“. Weder wie sie errechnet wird, noch was sie politisch bedeutet oder was sie aussagt ist uns klar. Neben der Herstellung des Problembewusstseins daher hier zwei Lesetipps: 1. Ein kleiner (älterer) Hinweis zur „<a href="http://luhmannius-differenztheorie.blogspot.com/2008/03/beruf-hausfrau.html">gefühlten Inflation</a>“. Und 2. Ein nicht zu knapp verfasster <a href="http://www.weissgarnix.de/2010/03/06/wie-der-frosch-im-kochtopf/">Text zum Prinzip der Inflation</a>, der eine Etage unterhalb des Zahlenwertes ansetzt und sich daher als besonders lehrreich auszeichnet.</p>
<p>Als wir letztens im kleinen Kreis über die Kennziffer „Inflationsrate“ nachgedacht haben, wurde schnell klar, dass sie eine, wie viele andere Kennziffern, dürftige Aussage ist. Der Warenkorb ist schön und gut, doch wollen wir wissen, was 1 Liter Benzin kostet? – Oder ist es nicht viel interessanter zu wissen, was es einen Privatmann kostet, sich auf eigene Faust 100 Kilometer fortzubewegen? Doch müsste man dann nicht auch die Steigerung der Effektivität der Automotoren, die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, usw. mit einbeziehen? Oder: Wie viel Prozent meines Jahresgehalts kostet mich mein iPhone und wie hat sich dieser Wert verändert – in den letzten 5 Jahren. (Oh, es gab da noch gar kein iPhone.)</p>
<p>Eine <em>Rechnung</em> aufzustellen, deren wichtigstes Prinzip es ist, auf Zahlen reduzierbar zu sein, hat einen entscheidenden Nachteil: Sie ist unkontrolliert abgekoppelt von den wirklichen Umständen, über die sie Aussagen treffen soll. Warum werden sie dennoch benutzt? Wahrscheinlich, weil es wichtiger ist, die beste Möglichkeit der Orientierung zu nutzen, als gar keine. Das hat dann aber weniger mit Vernunft als mit Legitimation von politischen Entscheidungen zu tun.</p>
<p>(<a href="http://www.flickr.com/photos/amazeman/3371651050/"><em>Bild</em></a>)</p>
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