<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sozialtheoristen &#187; Banken</title>
	<atom:link href="http://sozialtheoristen.de/tag/banken/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://sozialtheoristen.de</link>
	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
	<lastBuildDate>Sat, 19 May 2012 13:37:40 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
		<item>
		<title>Die üblichen Klagen</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/12/21/die-ublichen-klagen/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/12/21/die-ublichen-klagen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 21 Dec 2009 13:22:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Banken]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna]]></category>
		<category><![CDATA[Debatten]]></category>
		<category><![CDATA[Diskurse]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussionen]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzsystem]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=672</guid>
		<description><![CDATA[Das gegenwärtige Jahrzehnt klingt aus und während sich vielerorts ein kleiner Neustart gewünscht wird, ist das nächste Jahrzehnt schon weithin vorbestimmt. Zu viele Hausaufgaben blieben unerledigt. An den Unis wird protestiert. Wir wissen weiterhin nicht, was das Internet mit uns im Einzelnen und der Gesellschaft macht. Das Klima bleibt ungerettet und die kleine Riege von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-680" title="Unbenannt-1" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2009/12/Unbenannt-1.jpg" alt="" width="550" height="206" /></p>
<p>Das gegenwärtige Jahrzehnt klingt aus und während sich vielerorts ein kleiner Neustart gewünscht wird, ist das nächste Jahrzehnt schon weithin vorbestimmt. Zu viele Hausaufgaben blieben unerledigt. An den Unis wird protestiert. Wir wissen weiterhin nicht, was das Internet mit uns im Einzelnen und der Gesellschaft macht. Das Klima bleibt ungerettet und die kleine Riege von Topbankern ist gut bezahlt und exklusiv wie nie zuvor.</p>
<p>Diese vier Themen bilden die thematischen Eckpfeiler in allen Kanälen den Stammtischen, den RTL-2 Nachrichten und der FAZ. Sie sind die Mainstream-Diskussionen, die in den Archiven der Gesellschaft bestehen werden und aufzeigbar sind, wenn man einmal zurückblickt.</p>
<p><span id="more-672"></span>Was haben alle vier Diskussionen gemeinsam? Sie werden ziel- und richtungslos geführt. Der Uniprotest bleibt verhältnismässig verhalten, weil keiner genau weiss und festlegen kann, wo es hinführen soll. Die ersten <a href="http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E4213E778475E4204BC51DBEC113B45F0~ATpl~Ecommon~Scontent.html">konstruktiven Feststellungen und Vorschläge</a> werden erst gemacht. Ähnliches beim Klima. Die Einigung auf das Ziel, die Erde nur noch um bestimmte Celsiusgrade zu erwärmen ist angesichts der völligen Befreiung jeglicher programmatischen Festlegung eine absolut sinnfreie Entscheidung. Das das „2-Grad-Ziel“ ein Ziel sein soll, ist total lächerlich. Was mit den Bankern geschehen soll ist auch ungeklärt. Banken sind „symstemrelevant“ wurde festgestellt oder festgelegt und die Abschaffung oder Ersetzung des Finanzkreditsystems steht ausser Frage. Und auch das Internet entwickelt sich unkontrolliert vor sich hin, so das eine <a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E4734952DE7A84F3EA8E224A98264EA4C~ATpl~Ecommon~Scontent.html">gewisse Alarmhaltung</a> nicht unanbegrachte ist, angesichts der Tatsache, dass man nicht weiss, was die „digitale Zukunft“ bringt.</p>
<p>Die Diagnose der Ziellosigkeit der Entwicklung und ihrer Diskussionen ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die der unbekannten oder verklärten Vergangenheit. Die üblichen Klagen führen nicht zu innovativen Vorschlägen, weil man nicht genau weiss, was eigentlich wie verändert werden muss. Wir lassen uns von der digitalen Zukunft verunsichern, dabei wissen wir nicht mal über unsere „…“-Gegenwart bescheid. Wir wünschen uns was anderes als Bachelor/Master-Studiengänge und verklären die bisherigen Studiengänge als Bildungsparadies, als ob die deutschen Unis keine Neuerungen benötigt hätten. Wir ärgern uns über den Kapitalimus, als hätten wir die letzten 60 Jahre tatsächlich in einer sozial(er)en Marktwirtschaft gelebt, die anderen Formen „moralisch überlegen“ ist. Und das Klima soll vor der Industrialisierung tatsächlich <em>besser</em> (für wen?) gewesen sein..?</p>
<p>Die Diskussionen zu verändern, indem klare Zielrichtungen formuliert werden, ist dabei der Anschluss an die weit weniger fruchtbare Seite der Medaille. Was die Zukunft bringt kann man schlicht nicht wissen und jede Prognose verkommt zum Witz, wenn sie später wiedergefunden wird. Eine Diagnose über die Vergangenheits kann der Diskussion allerdings ernsthaft helfen. Beispielweise, indem Studierende mit der Plage ihres Studiums, welche sie nur aus ihrer persönlichen Alltagsbetroffenheit heraus formulieren können ernsthaft Unterstützung bekommen von denjenigen, die als Lehrende bisher nur durch Solidaritätsadressen aufgefallen sind, oder gar durch die Eltern- und Arbeitsgebergruppen, die eine gesellschaftliche Notwendigkeit der Veränderung erkennt und formuliert. Ähnliches bei den Banken. Das ein Jahresgehalt von 25 Mio. nur schwer akzeptiert werden kann, wenn man es nicht selbst erhält ist klar. Doch es hat vor 30 Jahren exakt gleich <em>funktioniert</em>. Damals wurde jedoch noch nicht jeder Dachziegel verbrieft und innerhalb von zehntelsekunden ins Nirvana gehandelt. Vielleicht sollte man sich einfach mal die Zeit anschauen, als man sich noch nicht finanziell gegen den Staatsbankrott der USA <em>absichern</em> konnte. (Ein Satz, den man nur mit 100 augenrollenden Smileys schreiben kann.) Diese Welt ist gar nicht so lange her, zwischen ihr und heute liegen weniger als 5 politische Entscheidungen. Und die Algorithmen, die uns Suchergebnisse aus einer Blackbox liefern, ohne das wir wissen, wie sie funktionieren und wie sie informationstechnisch und -inhaltlich gefüttert werden..? Ist nicht jede Zeitungsredaktion eine Blackbox für den Leser? Ist das potentielle Bespitzeln eine neue Angelegenheit mit gesellschaftlicher Tragweite? Ist das Problem der Geschwindigkeit der Information nicht nur eins der individuellen Medienkompetenz, das schon immer bestand aber erst jetzt mit sichtbaren Konsequenzen zum Handeln zwingt?</p>
<p>Und das Klima..? Die beste Überschrift zu dem Kopenhagen-Theater war „<a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EB4B2FC8630564F74BB876E94905AAF89~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Erspart uns doch endlich den Kitsch!</a>“. Dass das Klima gerettet werden muss ist eine Aussage, die kaum simpler oder sinnbefreiter getätigt werden kann. Als ob es dem Klima oder den Wäldern und Ozeanen was ausmacht, wenn sie verändert werden. <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,665732,00.html">Die einzigen, die die Klimaveränderungen leidend registrieren können, sind die Menschen</a> – „Umweltschutz“ ist in dem Sinne zwar der richtige Begriff, allerdings ist doch weder die Zielrichtung noch die Ausgangslage in irgendeiner Weise geklärt. Die Menschheit hat sich so oft ins Zentrum der Welt gestellt, aber in der Diskussion, in der es tatsächlich um den Menschen gehen sollte, redet man über Bäume und Plankton.</p>
<p>Den gegenwärtigen Diskussionen fehlt es an dem, was es braucht, konstruktiv zu sein. Dabei mangelt es allerdings nicht an dem Wissen, das diese Diskussionen befruchten könnte – dieses liegt in den Bibliotheken der Welt politisch und gesellschaftlich ignoriert herum. Die Diskussionen sind also nicht aussichtslos, es fehlt nur noch der entsprechende Leidensdruck – aber so wie die Menschen die Welt kennengelernt haben, ist auch das nur eine Frage der Zeit.</p>
<p><em>(Bild </em><a href="http://www.flickr.com/photos/h-k-d/"><em>h.koppdelaney</em></a><em>)</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/12/21/die-ublichen-klagen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vertrauenskrise? Die 45-Billionen-Dollar-Lüge</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/vertrauenskrise-die-45-billionen-dollar-luge/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/vertrauenskrise-die-45-billionen-dollar-luge/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 Oct 2008 18:29:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Banken]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Kredit]]></category>
		<category><![CDATA[kreditversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe_Stefan]]></category>
		<category><![CDATA[Schulden]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsbankrott]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=171</guid>
		<description><![CDATA[In den Medien ist aktuell überall die Rede davon, dass die Börsenlage einen ausgetrockneten Kreditmarkt zwischen den Banken geschuldet ist, dies wiederum sei auf einen Vertrauensverlust zurückzuführen. Hier mal die Wahrheit: Die Akteure der Finanzwirtschaft wissen gar nicht, was Vertrauen ist, da sie es bereits vor etwa einem Jahrzehnt abgeschafft haben. Vertrauen ist, ganz ursprünglich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den Medien ist aktuell überall die Rede davon, dass die Börsenlage einen ausgetrockneten Kreditmarkt zwischen den Banken geschuldet ist, dies wiederum sei auf einen Vertrauensverlust zurückzuführen.</p>
<p>Hier mal die Wahrheit: Die Akteure der Finanzwirtschaft wissen gar nicht, was Vertrauen ist, da sie es bereits vor etwa einem Jahrzehnt abgeschafft haben. Vertrauen ist, ganz ursprünglich gedacht, der grundlegende Mechanismus, der greift, wenn durch Kontinuität Vereinfachungen akzeptiert werden. Man erwartet, dass das zwanzigste Ereignis, wie die neunzehn vorherigen ablaufen. Man erwartet von seiner Familien Unterstützung, von Freunden Freude und von Gegnern Missbilligung. Vertrauen stützt Erwartungen, positive wie negative. Allerdings bleibt Vertrauen normalerweise immer unbestimmt und diffus, basiert auf Intuition und ist an Personen gebunden. Seit die Welt komplizierter wurde, spielte auch Systemvertrauen eine Rolle, aber grundsätzlich unterscheidet es sich vom beschriebenen Personenvertrauen nicht. Solange wir nicht erfolgreich in die Zukunft gucken können, brauchen wir Vertrauen.</p>
<p><span id="more-171"></span></p>
<p>Die Finanzjongleure der Börsen und Investmentabteilungen der Banken wollten das nicht länger akzeptieren. Vertrauen bedeutet Risiko und Risiko musste minimiert werden. Irgendwann kam man auf die Idee, die Risiken einfach abzuschaffen. Anstatt dem Vertragspartner zu vertrauen, dass geliehenes Geld termingerecht zurückfließt, hat man sich gegen den Ausfall des Rückflusses versichert. Die Kosten dieser Versicherungen drückten zwar etwas auf den Gewinn, jedoch wurde dafür das Risiko des Geschäftes ausgemerzt. Es bestand sogar die Möglichkeit, eine viel höhere Summe als die des zu versichernden Kreditvolumens zu versichern. Ein Ausfall des Kredits hätte also viel höhere Gewinne gebracht als das ordentliche Geschäft.</p>
<p>Besonders witzig war der Moment, in dem man begann, sich gegen den Ausfall von Staatsanleihen zu versichern. Wenn man eine Staatsanleihe der USA, sagen wir für 1000 Euro, erwirbt, kann man sich für weitere <a href="http://egghat.blogspot.com/2008/09/usaa.html">2.60 Euro pro Jahr</a> dagegen versichern, im Falle eines Bankrotts der USA leer auszugehen.</p>
<p>Kleiner Exkurs: Bankrott der USA bedeutet ungefähr, dass 10 Billionen Dollar von heute auf Morgen nichts mehr bedeuten und das die Soldaten der weitesten verbreiteten und bestausgerüsteten Armee der Welt mit ihren Atombomben und Panzern um ihr unmittelbares Überleben kämpfen müssen, da sie nicht mehr finanziert werden. Bzw. keiner weiß, was es bedeutet.</p>
<p>Wie kann man behaupten, dass bis letztes Jahr „Vertrauen&#8221; darin bestand, dass diese Versicherungen was bringen??? Es ist undurchdachtes Geschwätz.</p>
<p>Seit 10 Jahren hat man sich gegen jeden und alles versichert. Bereits im Januar diesen Jahres gab es in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~E4CF2686B4D2540C3BFD3B8D00CD9BEC0~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ einen Text</a>, der beschrieb, wie sich das Geschäft der Kreditversicherungen entwickelte. Wenn der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Credit_Default_Swap">CDS-Markt</a> das Bruttoweltprodukt übersteigt, wer wundert sich denn da, dass da irgendwann eine Grenze erreicht ist?</p>
<p>„Vertrauenskrise&#8221; ist als Semantik entweder gelogen oder beruht auf Unwissenheit. <a href="http://www.ftd.de/boersen_maerkte/:Appell-des-Notenbankchefs-Trichet-ruft-Finanzakteure-zur-Vernunft/423888.html">JC Trichet forderte gestern Optimismus und Vertrauen</a>, dabei sollte er als oberster Banker wissen, dass Vertrauen kein Dinge für Banker ist. Banker brauchen Zahlen, und die bekommen sie nur durch Versicherungsgeschäfte und nicht durch Vertrauen. Allerdings ist der 45 Billionen Versicherungsmarkt nichts mehr wert. Seit den Pleiten von AIG und Lehman Brothers wissen die Akteure, dass Kreditversicherungen gar nichts Absichern und die Banken keine materiellen Sicherheiten haben. Von Lehman Brothers ist letztlich nur noch der 1.7-Mrd.-Dollar-Wert des Gebäudes übrig geblieben, alles andere war heiße Luft.</p>
<p>Die Finanzmarktkrise wird so lange dauern, bis die 45 Billionen substanzlose Dollar abgetragen sind. Wenn die Welt bereit ist, 10% ihrer Wertschöpfung dafür zu investieren und nicht auf Pump zu leben, dann dauert es 10 Jahre. Diese Rechnung ist grob über den Daumen gepeilt und genauso im Nebel erstochert wie alle anderen Berichte heute auch, Gegenargumente fallen mir jedoch nicht ein.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/vertrauenskrise-die-45-billionen-dollar-luge/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>16</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Semantik wirkt (!!!)</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/10/06/semantik-wirkt/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/10/06/semantik-wirkt/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2008 19:51:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Banken]]></category>
		<category><![CDATA[Bankensterben]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstruktur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=162</guid>
		<description><![CDATA[Es gibt Soziologen (wie mich) die pfeifen auf jedwede Aussage von Menschen aus der Wirklichkeit. Erstens, weil „Mensch&#8221; keine Kategorie ist, die etwas soziologisch darstellen kann, lässt sie sich auch noch so gut benennen, bezeichnen, zählen und vergleichen. Zweitens, weil ein human-tonaler Ausspruch zwar Wirklichkeit erzeugt, aber nie Realität widerspiegelt. Kurz: Gerede ist egal. Wer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Soziologen (wie mich) die pfeifen auf jedwede Aussage von Menschen aus der Wirklichkeit. Erstens, weil „Mensch&#8221; keine Kategorie ist, die etwas soziologisch darstellen kann, lässt sie sich auch noch so gut benennen, bezeichnen, <a href="http://blog.metaroll.de/2008/09/18/wenn-social-networks-bundeslaender-waeren/">zählen und vergleichen</a>. Zweitens, weil ein human-tonaler Ausspruch zwar Wirklichkeit erzeugt, aber nie Realität widerspiegelt. Kurz: Gerede ist egal. Wer tatsächlich etwas über die Welt erfahren will, darf nicht die Menschen fragen sondern muss spartenspezifischer vorgehen. Für interessante, soziologisch entschlüsselbare gesellschaftliche Phänomene ist sehr selten werturteilendes, ideologiegeleitetes Gelaber von Bedeutung, viel mehr muss man faktische Geldströme, reines Abstimmungsverhalten oder zufällige Bekanntheitsgrade beobachten.</p>
<p>Solch ein Weltbild hilft ungemein durch den Alltag, man fragt sich, der Trugbildanfälligkeit von Semantik bewusst, aber umso mehr, wie alles überhaupt funktionieren kann, da andere Menschen auf Gerede soviel geben. Statistiken werden gefälscht, Bilanzen werden komponiert, Zukunft wird versprochen und Fakten werden erzeugt. Manchmal enteilt die semantische Wirklichkeit der faktischen Realität so sehr, dass sich die Einheit der Welt von ganz allein infrage stellt.</p>
<p><span id="more-162"></span>Der aktuelle Hintergrund: Die anhaltende Finanz- und Vertrauensmisere. Irland gibt eine staatliche Garantie auf alle Einlagen, die auf irischem Grund getätigt werden und obwohl alle Welt weiß, dass sich diese Bürgschaft im Ernstfall niemals einlösen ließe, funktioniert es. Irische Banken erleben einen Run auf (also „in&#8221;) ihre Bücher und Tresoren. Das gegenseitige Vertrauen, und damit die wahre Währung, profitiert von diesem Backup. Irische Luftschlösser sind mehr wert als amerikanische Holzhäuser. ;-)</p>
<p>Heute Morgen habe ich über die 1.600 Mrd. Bürgschaft aus Berlin noch gelächelt und mich gefragt, wie man 2008 noch einen Götter besänftigenden Regentanz aufführen kann &#8211; aber heute Abend scheint es die beste Idee zu sein, einfach für alle Vermögensstände zu bürgen. Alle werden wissen, dass diese Bürgschaft niemals (komplett) in Anspruch genommen werden darf und trotzdem würde es funktionieren.</p>
<p>Meine Prognose: In den nächsten Tagen wird sich der Europäische Rat oder ein vergleichbares Gremium aufraffen und verkünden, dass man für alles bürgt. Es wird genügen, den langsamen Niedergang in eine sanfte Stagnation und langfristig wieder in zähes Wachstum zu verwandeln. Das Einzige was neben Vertrauen fehlt ist Zeit. Wie man liest, ist die Hypo-Real-Estate nicht pleite, sondern erleidet nur mangelnde „Kostenkongruenz&#8221; (kurzfristig mehr Ausgaben als Einnahmen), das kann aktuell tatsächlich jeder Bank passieren, vor allem wenn einige gerade mal eine <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/406/finanzkrisen-populismus">Eigenkapitalquote von 0,6%</a> haben. Das man bei solchen Zahlen überhaupt noch von einzelnen Banken spricht scheint ebenfalls so ein Semantikvehikel zu sein, das keiner realistischen Darstellung entsprechen kann. Man muss es sich mal in der faktischen Gehirnhälfte vergegenwärtigen, wenn man „DePfa&#8221;, eine Tochterfirma der Hypo-Real-Estate, beim Namen nennt, bezeichnet man nur zu 0,6% tatsächlich die „DePfa&#8221; und zu 99,4% alle ihre Gläubiger, also ganz andere Banken. So lässt sich das Verhältnis von Semantik und Sozialstruktur doch mal wirklich krass in Worte fassen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/10/06/semantik-wirkt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

