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	<title>Sozialtheoristen &#187; Frank Schirrmacher</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>Der unsoziale Charakter der neuen Zweitgehirne</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 22:32:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Echtzeit-Internet, es bleibt hier noch eine Weile als Thema erhalten. Diesmal durch die wirklich gute Idee, das Internet als Exoskelett des Denkens zu bezeichnen. Seit Mitte 2007 kann man das Internet und mit ihm das gesammelte Weltwissen, in der Hosentasche mit sich tragen. Es ist nicht mehr an den (großen) Computer und damit weder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-715" title="soziales Netzwerk" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/02/sozialeInternet.jpg" alt="" width="550" height="293" /></p>
<p>Das Echtzeit-Internet, es bleibt hier noch eine Weile als Thema erhalten. Diesmal durch die wirklich gute Idee, das <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/crtl-verlust/archive/2010/02/16/wir-das-buecherregal-twitter-und-mein-mentales-exoskelett.aspx">Internet als Exoskelett des Denkens</a> zu bezeichnen. Seit Mitte 2007 kann man das Internet und mit ihm das gesammelte Weltwissen, in der Hosentasche mit sich tragen. Es ist nicht mehr an den (großen) Computer und damit weder an einen festen Standort noch an anwendungsaufwendige Technologie gebunden. Es ist einfach da, wenn man es braucht – auf Knopfdruck.</p>
<p><span id="more-716"></span></p>
<p>Vor etwa einem Jahr bin ich dazu übergegangen, mein iPhone als vollwertiges, manchmal sogar mehrwertiges „Zweitgehirn“ zu betrachten und es auch so zu nennen. Jeder Text, der diese Idee teilt, erhält meine volle Aufmerksamkeit.</p>
<p>Michael Seemann versucht sich nun daran das Phänomen für Außenstehende zu erfassen und zu beschreiben. Sympathischer Weise stützt er sich auf Soziologen, inhaltlich und namentlich. Ich denke allerdings, er setzt auf einer, wenn man sie auflöst, nicht haltbaren Problemstellung auf. Denn wieder einmal wird versucht, ein Phänomen als <em>neu</em> zu beschreiben, obwohl weniger seine Neuheit als die Andersartigkeit das Problem ist. (Bei der Markierung von Phänomenen als „neu“ ist zudem stets die soziologische Testfrage angebracht, ob es sich tatsächlich um ein neues Phänomen oder nur um eine neue Idee (s)einer Beschreibung handelt. Beim Thema hier müsste man sagen, dass eine Struktur seit langem gegeben ist, der nun eine adäquate Beschreibung nacheilt.)</p>
<p>Die These des verlinkten Textes: Das mobile Internet erlaubt uns, Gehirnleistungen zu externalisieren. Die nicht hinterfragte Frage ist allerdings: Ist das Phänomen der Externalisierung von Gedächtnis und Intelligenz erst durch das Internet geschaffen worden?</p>
<p>Dazu zwei Anmerkungen:</p>
<p>(1) Für keine historische Zeit kann man davon ausgehen, dass das menschliche Gehirn (bzw. Bewusstsein) das einzige selbstreferentielle System ist, dass sich mit Methoden und Programmen der Erkenntnisproduktion der Welt zuwendet. Auch ohne Internet, Computer, ARD/ZDF oder gar Buchdruck ist der Mensch von sozialen Systemen „umhüllt“, die durch ihre Struktur Orientierungsleistungen <em>erbringen</em>. Diese Strukturen reduzieren Möglichkeiten, legen objektive Gegebenheiten fest und schränken Erwartungen ein. Dieser Bereich lässt sich nur mit großen Mühen umschreiben und unterscheiden – es reicht hier allerdings auf die Kurzformel „Kultur“ zurückzugreifen.</p>
<p>Jedes soziale Umfeld, sei es eine mittelalterliche Villikation im 9. Jhd., ein Königshof im 14. Jhd., eine Fabrik im 18. Jhd. oder ein Webforum im 21. Jhd. ist geprägt, bevor man als Einwohner, Angestellter, Mitarbeiter oder „Internetcommunitybenutzer“ hinzutritt. Das fällt besonders auf, wenn man zum ersten Mal auf ein spezifisches Umfeld stößt. Man erlebt einen „Praxisschock“ in der ersten Firma oder den berüchtigten „Kulturschock“ an spanischen Bushaltestellen.</p>
<p>In all den Fällen erlebt die Person das Problem der Externalisierung von Gehirnleistungen, weil es auf soziale Strukturen, Identitäten und Gedächtnisse trifft und diese mit der psychischen Struktur und Identität (Gedächtnis) in Einklang bringen muss. Nachdenken ist schwierig und zeitaufwendig und wird am liebsten vermieden. Die Strategie ist, seit ewig, auf externe Vorleistungen zurückzugreifen.</p>
<p>(2) Das Internet reiht sich in diese Reihe von Maschinen zur Bereitstellung von Strukturen ein. Es fällt allerdings durch Besonderheiten auf. Während die stetig fortgeschriebene Dorfgeschichte, das Ritual am Hof oder das Abendprogramm des Fernsehens so beschränkt ist, dass es implizit als für jeden gleich gegeben unterstellt werden kann, ist das Internet ein Medium, dass jeder individuell erlebt. Während man eine TV-Sendung gesehen hat oder nicht, kann man Sachen aus dem Internet wissen, nicht wissen, über Bande erfahren haben, dort oder dort gelesen haben, gerade erst gelesen haben, schon häufig gelesen haben, lange nicht mehr gelesen haben, … . Das Internet hilft im Alltag ungemein, aber kaum bei der Herstellung von Gesprächsgrundlagen.</p>
<p>Die Externalisierung von Gedächtnisleistungen ist durch das Internet kaum anders gegeben, als durch viele andere „kulturelle Medien“. Doch es fällt durch seinen unsozialen Charakter auf. <em>Mein</em> iPhone erweitert <em>mein</em> Gehirn. Man ist zwar ständig versucht, diese Leistung durch Twitter-Facebook-Buzz-Sharings auch anderen Gehirnen zur Verfügung zu stellen, aber im Vergleich zu den traditionellen Massenmedien gelingt dies kaum bis überhaupt nicht.</p>
<p>Zusammengefasst:</p>
<p>Das Internet externalisiert auf <em>neue</em> und hervorragende Weise individuelle Gehirnleistungen. Es lässt uns Zitate speichern, Zusammenhänge recherchieren, Bilder und Videos festhalten und ansehen, Dinge rechnen, Fakten und Orte suchen. Die Leistung der Komplexitätsreduktion gilt aber immer nur mit Bezug auf ein Individuum.</p>
<p>Und um das Durcheinander des Textes perfekt zu machen, noch ein paar Thesen:</p>
<p>- Das Internet ist unsozial. Gegenwärtig erinnert es an eine riesige iPod-Party. Alle sind da und tanzen, aber jeder hat die Ohren zu, hört seine eigene Musik und niemand hört die Musik des anderen.</p>
<p>- Das „sharen“ von Internetinhalten ändert an diesem iPod-Party-Phänomen kaum etwas.</p>
<p>- Während das Internet die Personen weiter individualisiert, objektiviert es auf der anderen Seite die Nutzer. Das Internet interessiert sich für objektivierte Merkmale seine Nutzer.</p>
<p>Unterthese: Der Unterschied und das Verhältnis von „individualisierte Person“ und „objektivierter Nutzer“ ist nicht nur unerforscht, sondern unbekannt – wird jedoch die Zukunft prägen.</p>
<p>- „Frank Schirrmacher hat <span style="text-decoration: underline;">recht</span>, wenn er sagt, dass das Denken aus den Köpfen in die Maschinen auswandert“. (Zitat: verlinkter Text) Bis vor wenigen Jahren wurde von Personen entschieden was im Radio läuft, wie ein Supermarkt aufgebaut ist, welche Lackfarben produziert werden, wer am Flughafen genauer kontrolliert wird. In diesen und vielen weiteren Bereichen (von den wir vielleicht nichts wissen), wurde die Denk- und Entscheidungslast an Maschinen abgegeben.</p>
<p>- Das iPhone oder jede andere Internetmaschine, die blitzschnell herangezogen werden kann, um Fakten zu untermauern oder Vergessenes zu erinnern, wird in Interaktion immer ein Fremdkörper bleiben.</p>
<p>(<a href="http://www.flickr.com/photos/27403767@N00/3033724807/">Bild</a>)</p>
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		<title>Das rundum gute Internet</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 14:04:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Internet macht Spaß, hilft, vereinfacht, beschleunigt, stellt Nähe her, unterhält und informiert. Das Internet kann in seinem gegenwärtigen Zustand als rundum gut bezeichnet und beschrieben werden. Und wer doch was zu mäkeln hat, hat es eben noch nicht richtig verstanden. Aber das Internet hilft auch da weiter, man kann sich mithilfe des Internets über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-698" title="anonymitaet" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/02/anonymitaet.jpg" alt="" width="550" height="289" /></p>
<p>Das Internet macht Spaß, hilft, vereinfacht, beschleunigt, stellt Nähe her, unterhält und informiert. Das Internet kann in seinem gegenwärtigen Zustand als rundum gut bezeichnet und beschrieben werden. Und wer doch was zu mäkeln hat, hat es eben noch nicht richtig verstanden. Aber das Internet hilft auch da weiter, man kann sich mithilfe des Internets über das Internet selbst informieren. Es stellt sich in gewisser Weise ein Anti-Teufelskreis ein. Man muss sich vom Internet nur infizieren lassen, dann findet man es, wie sollte es anders sein, zwangsläufig gut.</p>
<p><span id="more-695"></span>Dies scheint der aktuelle Stand der „Diskussion“ zu sein. Jeder Versuch das Internet und seine auffälligen Merkmale mal nicht von der Prämisse „das Internet ist gut“ aus zu beschreiben, muss sich Frechheiten gefallen lassen. Es sind eben die „<a href="http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/200/">Schirrmacher dieser Welt</a>“, die die Stimmung vermiesen und sich profilieren, ach ja, und sie sind ja gleichzeitig die Verleger – kein Wunder, dass sie kritisieren.</p>
<p>Aber sind es nicht gerade die Feuilletonisten, die die Aufgabe haben vor Gefahren zu warnen, wo es sonst vielleicht noch niemand tut. Auf die Wissenschaftler hört niemand mehr. Und jetzt werden auch die Feuilletonisten allmählich diskreditiert, als Nicht-Versteher abgestempelt und als Belustigungsfolie genutzt.</p>
<p>Historische Parallelen dieser Art des vereinfachten Gutfindens: Noch 1970 konnte man im Fernsehen als Professor auftreten und behaupten, die Rohstoffe der Erde sind unerschöpflich. Einen Verbrennungsmotor zu benutzen hat nur Vorteile. Bis 1990 konnte man mit gleicher Ernsthaftigkeit und Reputation behaupten, der Kapitalismus würde von einer unsichtbaren Hand geregelt und brauche darüber hinaus keine weitere, erst recht keine menschliche, Einmischung. Waffenbesitz, Atomstrom, Gentechnologie – das alles lässt sich blind feiern. Alle diese Ideologien setzen eine Idee zentral und vergessen, dass es sich nicht um ein Naturgesetz, sondern nur um eine Idee handelt, die ebenso anders lauten könnte.</p>
<p>Es gibt aber nur ein sicheres gesellschaftliches Naturgesetz: Alles hat Gefahren. Nichts auf der Welt entsteht, weil es einfach gut ist, sondern weil die guten Seiten überwiegen. Und es sollte bedenklich stimmen, dass die schlechte Seite des Internets so unerforscht ist. Unbekannt ist sie längst nicht mehr.</p>
<p>Anstatt den x-ten toll aufgemachten Elektrischen Reporter zu gucken sollte man sich lieber den Textwerken des <a href="http://www.ccc.de/">CCC</a>, des <a href="http://www.foebud.org/">FoeBud</a> und der <a href="http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~E74363D27AD1A4C139AEC69629C90BD9E~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Feuilletons</a> annehmen. Und man sollte nicht zu schnell verzagen, weil die Debatten dort ohne Eigennamen auskommen, also kein Google-Facebook-Apple-Bashing stattfindet, sondern die Strukturen selbst thematisiert werden.</p>
<p>Über die Zeit habe ich festgestellt, dass besonders diejenigen, die über Bande von sich behaupten das Internet verstanden zu haben, am wenigsten verstehen. Dazu zählen Personen wie <a href="http://lumma.de/">Nico Lumma</a>, <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/">Thomas Knüwer</a>, <a href="http://medialdigital.de/2010/02/02/jeff-jarvis-die-zukunft-des-journalismus-ist-unternehmerisch/">Jeff Jarvis</a> und viele Weitere.</p>
<p>Wenn man sich davon löst, sich zu freuen, dass Flugzeugunglücke 20 min. schneller auf Twitter als auf den Zeitungswebseiten die Runde machen, kann man sich den ernsten Fragen zuwenden: Wie kann ich eine Zeitung lesen, ohne dass irgendjemand mitbekommt, was ich lese? Wie kann ich Sachen kaufen und dabei mit Bargeld bezahlen, ohne das der Vorgang registriert oder gar gespeichert wird? Wie kann ich erfahren, was meine Bank über mich weiß und wer von meiner Bank Sachen über mich weiß? Wie kann ich sicherstellen, dass meine Darstellung auf meiner Person fußt, anstatt auf der Aggregation von Merkmalen meiner Umwelt? Wie lässt sich die lebensnotwendige Anonymität und Flüchtigkeit auch im Internet herstellen?</p>
<p>(Als großer Fan des Internets und seiner Annehmlichkeiten muss ich sagen, dass mir das Problembewusstsein von Frank Schirrmacher dennoch am realistischsten erscheint. Nur eine Sache muss ich auch bei ihm kritisieren: die ständige Unterscheidung von online und &#8216;wirklicher&#8217; Welt. Die finde ich, auch wenn sie nur zur Illustration benutzt wird, immer verschleiernd.)</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/larskflem/95757299/">Lars Kristian Flem</a>)</em></p>
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