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	<title>Sozialtheoristen &#187; Geld</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>Aufklärung und Meinungsbildung (mit FAS-Hilfe)</title>
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		<pubDate>Sun, 09 May 2010 17:07:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die EU-Finanzmisere mit Deutschland und Griechenland in den Hauptrollen wird meiner Ansicht nach soziologisch interessant, weil sie und ihr rahmendes Medientheater aufzeigen, dass es bei der Behandlung der Krise um alles geht aber nicht um Aufklärung.  Wer Bescheid wissen will, kann alle notwendigen Fakten nachlesen. Sich eine eigene Meinung zu bilden ist ebenso leicht. Hier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-868 aligncenter" title="Alle brauchen Urlaub" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/05/Unbenannt-11.jpg" alt="" width="550" height="300" /></p>
<p>Die EU-Finanzmisere mit Deutschland und Griechenland in den Hauptrollen wird meiner Ansicht nach soziologisch interessant, weil sie und ihr rahmendes Medientheater aufzeigen, dass es bei der Behandlung der Krise um alles geht aber nicht um Aufklärung.  Wer Bescheid wissen will, kann alle notwendigen Fakten nachlesen. Sich eine eigene Meinung zu bilden ist ebenso leicht. Hier die zwei Etappen.</p>
<p>Zur vollständigen persönlichen Aufklärung reicht allein die Lektüre der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Es finden sich etliche Texte in verschiedenen Umfängen zum Thema in ihr. An unterschiedlichen Perspektiven mangelt es auch nicht. Meine kleine Auswahl:<br />
<span id="more-865"></span></p>
<p style="text-align: center;">* Aufklärung *</p>
<p>Seite 8 &#8211; Ein kurzes Wort zur Tageslage in Griechenland.</p>
<p>Seite 25 – <strong>Harald Staun: Dummheit mit System</strong>. Michael Lewis hat ein Buch über die moderne Finanzwirtschaft geschrieben und aus der anfänglichen Wut des Rezensionisten wurde im Verlaufe des Lesens Verwunderung über die Tatsächlichkeit der Wahnwitzigkeit des auf Spekulation und x-fach-Verbriefung basierenden Finanzwesens. Der Zauber des einen Händlers, der durch Asberger und besondere Mustererkennungsqualitäten auffiel, bestand darin, in Broschüren <em>nachzulesen</em>, dass eine verbriefte Kreditversicherung einen ¾-Millionen-Kredit betrifft der von einem Arbeiter mit 15.000 Dollar Jahresgehalt gehalten wird. Tatsächlich ein sehr intelligenter Zug das Nachlesen und den anderen Marktteilnehmern anscheinende weit voraus…</p>
<p>Seite 28 – Wie geht eigentlich der Deutsche Bundestag mit der Griechenhilfeentscheidung um?</p>
<p>Seite 44 – <strong>Patrick Bernau: Im Porträt: Kenneth Rogoff – Der Krisenversteher</strong>. Herr Rogoff hat „Finanzkrisen“ bis ins 13. Jhrd. zurück untersucht und festgestellt: Geschichte wiederholt sich doch. Zitat aus dem Text: „Als er erfährt, dass in den griechischen Protesten drei Menschen gestorben sind, sagt er: ‚Das ist tragisch – aber auch das ist nichts Neues in einer solchen Krise, wir kennen das schon aus Kairo.‘“ Herr Rogoff scheint einer dieser hofierten „Professoren aus Amerika“ zu sein, die auf der ganzen Welt in Keynotes Dinge erklären. Allerdings scheint er in seiner Arbeit auch eine Unmenge an historischem Material gesammelt zu haben, dass sicher nicht uninteressant für weitere Analysen ist.</p>
<p>Seite 47 – <strong>Georg Meck</strong> im Gespräch mit <strong>Claus Vogt: „In acht Jahren ist unser Geld nur noch die Hälfte wert“</strong> – Herr Vogt ist der „Chefstratege der Quirin Bank“ und eröffnet eine interessante Perspektive auf die Investmentsucherei aus einer Praktikerperspektive. Fazit: Der Aktienmarktaufschwung geschah durch zu viel Geld, das nach Investitionsmöglichkeiten sucht und führte zu totaler Überbewertung. Das weitere Geld, das durch die Notenbank-Aktionen der letzten Monate hinzukam wird zu der Horroraussicht der Überschrift führen. Die einzig sichere Investitionsmöglichkeit ist: Konsum (noch schnell ;-) und Gold o.ä.</p>
<p>Seite 53 – <strong>Alexander Marquier</strong> führt ein Interview mit dem Mathe-Prof. <strong>Claus Peter Ortlieb: „Ökonomie ist eigentlich keine Wissenschaft“</strong>. Kurzes aber sehr interessantes Gespräch. Die Ökonomie bediene sich als Sozialwissenschaft bei der Mathematik, weil sie scharf ist auf die Objektivitätsverheißungen und Vergleichsmöglichkeiten der Zahlen. Dadurch mutiert sie allerdings zu einer „Sozialphysik“, die sich selber nicht im Griff hat. Die Vermathematisierung der Ökonomie führt zwar zu der Möglichkeit mit Zahlen Eindruck zu schinden. Das darauf basierende neoklassische Paradigma fällt aber vor allem durch seine Stammtischnähe auf und übersieht, dass es den Bereich der Wissenschaft verlässt.</p>
<p style="text-align: center;">* Meinung *</p>
<p>Nach der Lektüre, die mich über die Einzelheiten der Prinzipien von Staatsschulden, Konsum, Investition und die politischen Handlungsmöglichkeiten aufklärt komme ich zu folgenden Schluss.</p>
<p>Es gibt nicht nur eine, alternativlose Lösung für die Finanzmisere, sondern anscheinend ein paar mehr.</p>
<p>1. Die aktuelle Lösung. Die Länder springen ein und geben Kredite, auf deren Rückzahlung sie im Notfall, der wohl sicher eintreten wird, verzichten. Dafür steht nun mehr Geld im Raum um die privaten Gläubiger Griechenlands rauszuhauen. Das soll anscheinend für einen kleinen Vertrauensbump sorgen. Kredite mit mehr Krediten zu stabilisieren sieht aber nicht nur komisch aus, sondern ist es anscheinend auch. Der einzige Grund für diese Alternative ist, das jetzige System wie es ist noch länger zu halten. Im Hintergrund immer die Idee, dass sich Staatsschulden durch Wachstum abbauen lassen und dass Staatsschulden irgendwann tatsächlich getilgt werden. ;-)</p>
<p>2. Alternative. Die Milliarden fließen nicht in zweitklassige Griechenlandkredite, sondern gehen direkt an Gläubiger, so dass die Staatsschuld Griechenlands insgesamt verringert wird. Wie das genau funktionieren soll weiß ich nicht. Allerdings erscheint mir die Idee, durch Geld Kredite zurückzuzahlen eine gute Idee in einer Kreditkrise.</p>
<p>3. Alternative. Jeder EU-Bürger muss, wenn er 2010 eine Griechenlandreise länger als 3 Tage plant, nur 150 Euro zahlen. Den Rest der Kosten übernimmt das Heimatland. Der finanzielle Aufwand wäre um ein vielfaches geringer, dafür würden der gr. Tourismus und der Währungsimport florieren. Nützliche Nebenfolge: Alle machen mal Urlaub und kühlen in der griechischen Sonne etwas runter. Nicht nur Finanzminister brauchen mal etwas Ruhe.</p>
<p>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/sofiagenato/225801048/">OneGreatClick</a>)</p>
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		<title>Gesellschaftlich abgemeldet / individuell eingerichtet</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 11:17:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Text „Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzen“ von Gunnar Heinsohn ist etwas merkwürdig. Ich hab ihn zuerst überflogen, dachte mir dabei, es sei wohl wieder so ein Text der eine dieser Feuilleton-Debatte anschieben soll, sofern DIE ZEIT noch weitere Moralprofessoren in der Hinterhand hat, sah dann jedoch, dass es ein Beitrag von Gunnar Heinsohn ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-793" title="Relaxing" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/03/Unbenannt-11.jpg" alt="" width="550" height="300" /></p>
<p>Dieser Text <a href="http://www.faz.net/s/Rub0B44038177824280BB9F799BC91030B0/Doc~E0AC5A2CD5A6A481EABE50FAE2AEBA30B~ATpl~Ecommon~Scontent.html">„Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzen“</a> von Gunnar Heinsohn ist etwas merkwürdig. Ich hab ihn zuerst überflogen, dachte mir dabei, es sei wohl wieder so ein Text der eine dieser Feuilleton-Debatte anschieben soll, sofern DIE ZEIT noch weitere Moralprofessoren in der Hinterhand hat, sah dann jedoch, dass es ein Beitrag von Gunnar Heinsohn ist und las ihn nochmal gründlicher.</p>
<p>Naja, vielleicht gibt es noch einen zweiten Gunnar Heinsohn. Dem den ich bisher kannte, hätte ich solche Sätze nicht zugeschrieben:</p>
<blockquote><p>Die deutsche politische Führung scheint fest entschlossen, weiter auf dem erfolglosen, immer teurer werdenden Weg der verfehlten Einwanderungs- und Sozialpolitik zu gehen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Solange die Regierung das Recht auf Kinder als Recht auf beliebig viel öffentlich zu finanzierenden Nachwuchs auslegt, werden Frauen der Unterschicht ihre Schwangerschaften als Kapital ansehen.</p></blockquote>
<p>Naja.</p>
<p><span id="more-789"></span>Die zentrale Aussage des Textes ist: Der deutsche Sozialstaat fördert zu viel ungebildeten und kriminellen Nachwuchs. Dieses Problem wird weder durch die Sozialpolitik, noch durch die Einwanderungspolitik behandelt. Die „Leistungs“-„Elite“ dünnt aus, 2060 wird es in Deutschland nur noch 65 Millionen Menschen geben, davon weniger als die Hälfte im produktiven Alter und viele aus der Gesellschaft abgemeldet. Und Deutschland solle sich ein Vorbild an Clintons Amerika nehmen. Dort hatte man ein ähnliches Problem und hat es gelöst.</p>
<p>Ich glaube ja, man kann weder Deutschland mit den USA vergleichen, vor allem nicht sozialpolitisch oder kulturell, noch irgendeine Aussage über das Jahr 2060 machen. Es sei denn, man beachtet auch die 2.7 Mrd. Toten des dritten Weltkriegs nach 2035 und die Entdeckung des Triliciums, das alle Energieprobleme löst aber die Welt ab 2045 von Afrika abhängig macht. Aber das soll nicht die eigentliche Kritik am Text sein.</p>
<p>Viel wichtiger scheint zu sein, dass heute schon abzusehen ist, dass die gesellschaftliche Isolation ganzer Bevölkerungsteile kein individuell schwerwiegendes Problem mehr ist. Mit Hartz-IV kann man sich sein Leben einrichten. Insbesondere wenn man seinen Medienkonsum einstellt, sich also nicht mehr von dem Leistungsgeschwätz verunsichern lässt, kann man ein zufriedenes Leben führen. Vor 60 Jahren war Lebensqualität noch eine Kostenfrage, das hat sich radikal geändert. 2009 war das Jahr, in dem die Höhe der Technik, das iPhone, von jedem bezahlbar war und ein Milliardär aus Lebensunlust vor einen Zug sprang. Das ist eine soziale Wirklichkeit die zu kaum einer aktuellen, vor allem nicht massenmedial-politisch propagierten, Ideologien passt.</p>
<p>Deutlich wird dies auch beim Teilproblem Bildung. Seit 5-10 Jahren gibt es grundlegende Verschiebungen in Deutschland. Es zählt nur noch das Abitur. In meiner Heimatstadt Jena werden selbst Backwarenfachverkäufer(innen)-Bewerbungen mit Abizeugnis bevorzugt. Politiker stellen sich die Frage, warum Haupt- und Realschüler so früh aufgeben, schon ab der 8 Klasse auffällig werden und ab der 9 kaum mehr Unterricht durchführbar ist. Die Antwort ist so einfach: Weil es für diese Schüler in der Schule nichts zu holen gibt. Der Unterschied Hartz-IV und Backwarenfachverkäufer ist so gering, er rechtfertigt fast keine Anstrengung – eine die zum Abitur führt keinesfalls.</p>
<p>Das Problem der Einhaltung des Lohnabstandsgebots kann nun dahingehend behandelt werden, dass man Hartz-IV absenkt. Die Folgeprobleme sind dann: weniger Konsum, mehr Kriminalität und vielleicht auch die brisante Aussicht, dass sich Hartz-IVler irgendwann mehr als nur in vereinzelten kriminellen Vereinigungen organisieren. Auch Gunnar Heinsohn, der die Forderung in der FAZ-Überschrift nicht expliziert, bleibt bei einer Problembeschreibung und bietet keine praktische Lösung an.</p>
<p>Es könnte aber eine darin liegen: 1. Einsicht, das „Leistung“ die sich eine „Elite“ gern auf die Fahne schreibt kein menschliches Phänomen mehr ist. Roboter bauen die Güter, Maschinen transportieren sie, Computer planen sie. 2. Die Gesellschaft 2010 ist keine Arbeits- sondern eine Konsumgesellschaft. Wenn Arbeitslohn zu 100% dem Arbeiter zugutekommt und erst der Konsum mit, sagen wir, 50% besteuert wird – dann wird die soziale Wirklichkeit wieder auf die Füße gestellt. (Die Konsumgüter würden dadurch kaum teurer, die Steuer- und Abgabenlast verlagert sich nur von Herstellung auf Verkauf. <em>(Jaja, Binnenmarkt, Weltmarkt, unrealistisch&#8230;)</em>)</p>
<p>Die Beschreibung der Gesellschaft hängt der sozialen Wirklichkeit der Gesellschaft stets Jahre bis Jahrzehnte hinterher. Und: Die meisten Beschreibungen der Gesellschaft sind generalisierende Beschreibungen politischer oder wirtschaftlicher Phänomene und in dieser Form für kaum etwas zu gebrauchen. Gunnar Heinsohn ist ein kluger Mann, er ist einer der wenigen, die ihrem Fach ein Standardwerk vorgelegt haben. Aber dieser Text in der FAZ, seine Argumentation, seine Grundlagen, seine Mathematik, seine vorsichtig angedeuteten Lösungen für das was er als Problem beschreibt – sind nichts wert. Geradezu sinnlos. (Aber DIE ZEIT wird wieder darauf reinfallen und überdreht zurückschießen.)</p>
<p><em>(Bild: </em><a href="http://www.flickr.com/photos/jeezny/3882380510/"><em>Jeezny</em></a><em>)</em></p>
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		<title>Politische und Persönliche Hilfe</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jan 2009 16:47:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Jahresende wird ja immer sehr rituell begangen. Anfang Dezember läuten die Medien mit Jahresrückblicken die Zeit der Besinnung ein, und wenn dann der Blick auf das Selbst und das was man so getan hat geweitet ist, stellt man fest, eigentlich geht&#8217;s einem ganz gut aber vielen anderen Menschen auf der Welt nicht. Und so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Jahresende wird ja immer sehr rituell begangen. Anfang Dezember läuten die Medien mit Jahresrückblicken die Zeit der Besinnung ein, und wenn dann der Blick auf das Selbst und das was man so getan hat geweitet ist, stellt man fest, eigentlich geht&#8217;s einem ganz gut aber vielen anderen Menschen auf der Welt nicht. Und so folgt dann zum tatsächlichen Jahresende die Charitywelle, die von der Vorweihnachtszeit bis zur Brot-statt-Böller-Aktion reicht. Sobald das neue Jahr dann angefangen hat, ist damit und somit dann auch mit dem alten Jahr Schluss.</p>
<p>Warum ausgerechnet das Jahresende so dermaßen mit dem ‚Guten Zweck&#8217; überfrachtet wird, ist mir ein Rätsel. Vielleicht hat es mit Weihnachten und der Rückbesinnung auf christliche Werte zu tun, vielleicht liegt es an den das Jahr über vernachlässigten Guten Vorsätzen, die einem Sylvester nahend wieder bewusst werden. Vielleicht liegt es an der Langeweile, wenn Geschenke gekauft, vielleicht schon wieder ausgepackt sind und die ganzen Feiertage sinnvoll gefüllt werden müssen. Vielleicht ist es auch einfach Tradition, im Dezember Jose&#8217; Carreras zu gucken und beim Anblick von Schnee an die Frierenden zu denken.</p>
<p><span id="more-354"></span>Ganz egal woran es liegt, der ‚Gute Wille&#8217; und viel Geld ist da. Stellt sich jedoch die Frage, was bringt es und funktioniert es so, wies gemacht wird am besten?</p>
<p>Charityaktionen funktionieren an sich wie unsere Gesellschaft im kleinen Maßstab. Viele geben ein kleines bisschen, damit letztlich ein Ergebnis herauskommt, dass die meisten befürworten aber keiner alleine hätte leisten können. So werden Autobahnen gebaut, volksberuhigende Polizisten ausgerüstet und Versicherungen organisiert. Der Unterschied des Aufgezählten zu Charity ist allerdings, dass ich zur Vergesellschaftung verpflichtet bin, ich mir meine Charityaktivitäten aber je nach meiner Befindlichkeit aussuchen kann.</p>
<p>Wenn die Gesellschaft nach Befindlichkeiten strukturiert wäre, gäbe es in meinem Deutschland nur 6 Autobahnen, keinen Käse, Nahverkehrs-ICEs, keine Einkaufsstraßen, keine Telefone sondern nur E-Mail und IM-Terminals usw. Es hätte mit unserer aktuellen Welt kaum noch was zu tun und es gäbe nur einen Nutznießer &#8211; mich. Da das ziemlich hinderlich für alle anderen wäre, ist die Gesellschaft eben nicht nach meiner und auch nach keiner anderen einzelnen Befindlichkeit strukturiert, sondern ergibt sich auf andere Weise. Für Deutschland und viele umliegende Länder klappt das soweit eigentlich ganz gut.</p>
<p>In vielen Regionen der Welt klappt es mit dem &#8220;Gesellschaftsvertrag&#8221; jedoch nicht ganz so gut. Menschen hungern, sterben durch Gewalt und leiden hilf- und hoffnungslos.</p>
<p>Was also tun wenn die Politik versagt, nach entsprechendem Menschenrechtsmaßstab ausreichend kollektiv bindend zu entscheiden? Auf Befindlichkeit setzen und hoffen, dass einige einsehen, Geld abzugeben, damit es anderen besser geht? Da noch nie so viele Menschen gehungert haben wie heute, ist kaum erkennbar, welchen helfenden Unterschied Charity in der Welt macht. Also, Charity für gescheitert erklären und abschaffen? Ich denke Charity spielt oftmals sowieso keine entscheidende Rolle. Im Vergleich zu politischen Geldtöpfen fällt eine Charity-Geldsammelaktion nicht ins Gewicht. Dadurch, dass sich nicht alle beteiligen und die die sich beteiligen mehrheitlich unterhalb ihrer persönlichen-Verzichtsgrenze bleiben wenn sie spenden, kommt nichts bei rum was einen Unterschied machen würde.</p>
<p>Viel „schlimmer&#8221; scheint da nur der Fall, wenn Charity-Geldsammelaktionen doch einen Unterschied machen. Denn dann beruhen schnell Notwendigkeiten auf Befindlichkeiten. Das sieht man immer häufiger in Amerika. Notwendige medizinische Versorgung, Hungerbewältigung oder Obdachlosigkeitsbekämpfung kann in vielen Regionen des Landes nur noch durch Charitygeld geleistet werden. Der Staat hat sich aus diesen Bereichen so weit zurückgezogen, dass man kaum noch eine Definition findet, um „Staat&#8221; zu beschreiben.</p>
<p>Und das eigentliche Charityproblem ist, je mehr Menschen Spenden, desto größer wird die Kluft zwischen politischer und persönlicher Problemlösung, umso mehr zieht sich die Politik zurück. Politiker, die kein Geld für Betreuung und Ernährung armer Kinder ausgeben müssen, weil diese Aufgabe bereits von privater, ehrenamtlicher Hand übernommen wird, sehen auch keinen Anlass, in die Bezahlung wieder einzusteigen.</p>
<p>Alle Spendengelder, die der konkreten Leidensabhilfe zukommen, zeigen an, das dieses konkrete Problem nicht politisch sondern persönlich gelöst wird. So kommt natürlich Geld zusammen, aber anstatt, dass ehrenamtliche Helfer Zeit investieren sich politisch zu engagieren, um Unterstützung zu bekommen, investieren sie Zeit in das Einsammeln von Geldern. Lieber den Spatz auf der Hand.</p>
<p>Neben <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/11/19/we-teach-the-world/">executive Coaching</a> fällt mir kein soziales Phänomen ein, dass in seinem Sinne ähnlich kontraproduktiv ist, wie das Charity-Fundraising. Dabei will ich es mal belassen. Dass diese Charity-Events, wenn man sie mal im Einzelnen auflöst, das reinste Kuriositätenkabinett sind &#8211; geschenkt.</p>
<p>Aber: Das soll nicht heißen, dass Geldspenden und -sammeln für den ‚Guten Zweck&#8217; eine kontraproduktive Sache ist, und die Menschen die das tun (Fundraising-Charityladies mal ausgenommen) schlechte Menschen sind. Das ist ganz und gar nicht so, jedoch sollte man scharf unterscheiden, ob es beim konkreten ‚Guten Zweck&#8217; um Menschenwürde und pures Überleben geht oder ob es sich um gesell. Bedürfnisse handelt, die etwas weiter oben auf der zu kreierenden Bedürfnispyramide angesiedelt sind.</p>
<p>Zur Weltverbesserung möchte ich vorschlagen, die Bilder und Filme, die zum Spenden anregen sollen, direkt an den Bundestag weiter zu leiten. Da bestünde zumindest die Möglichkeit, auch über pures Geld hinaus, zu helfen. Ob es was bringt, weiß man nicht. Somit hätte man aber den Notruf bestmöglich abgesetzt.</p>
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		<title>Vertrauenskrise? Die 45-Billionen-Dollar-Lüge</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/vertrauenskrise-die-45-billionen-dollar-luge/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 Oct 2008 18:29:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den Medien ist aktuell überall die Rede davon, dass die Börsenlage einen ausgetrockneten Kreditmarkt zwischen den Banken geschuldet ist, dies wiederum sei auf einen Vertrauensverlust zurückzuführen. Hier mal die Wahrheit: Die Akteure der Finanzwirtschaft wissen gar nicht, was Vertrauen ist, da sie es bereits vor etwa einem Jahrzehnt abgeschafft haben. Vertrauen ist, ganz ursprünglich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den Medien ist aktuell überall die Rede davon, dass die Börsenlage einen ausgetrockneten Kreditmarkt zwischen den Banken geschuldet ist, dies wiederum sei auf einen Vertrauensverlust zurückzuführen.</p>
<p>Hier mal die Wahrheit: Die Akteure der Finanzwirtschaft wissen gar nicht, was Vertrauen ist, da sie es bereits vor etwa einem Jahrzehnt abgeschafft haben. Vertrauen ist, ganz ursprünglich gedacht, der grundlegende Mechanismus, der greift, wenn durch Kontinuität Vereinfachungen akzeptiert werden. Man erwartet, dass das zwanzigste Ereignis, wie die neunzehn vorherigen ablaufen. Man erwartet von seiner Familien Unterstützung, von Freunden Freude und von Gegnern Missbilligung. Vertrauen stützt Erwartungen, positive wie negative. Allerdings bleibt Vertrauen normalerweise immer unbestimmt und diffus, basiert auf Intuition und ist an Personen gebunden. Seit die Welt komplizierter wurde, spielte auch Systemvertrauen eine Rolle, aber grundsätzlich unterscheidet es sich vom beschriebenen Personenvertrauen nicht. Solange wir nicht erfolgreich in die Zukunft gucken können, brauchen wir Vertrauen.</p>
<p><span id="more-171"></span></p>
<p>Die Finanzjongleure der Börsen und Investmentabteilungen der Banken wollten das nicht länger akzeptieren. Vertrauen bedeutet Risiko und Risiko musste minimiert werden. Irgendwann kam man auf die Idee, die Risiken einfach abzuschaffen. Anstatt dem Vertragspartner zu vertrauen, dass geliehenes Geld termingerecht zurückfließt, hat man sich gegen den Ausfall des Rückflusses versichert. Die Kosten dieser Versicherungen drückten zwar etwas auf den Gewinn, jedoch wurde dafür das Risiko des Geschäftes ausgemerzt. Es bestand sogar die Möglichkeit, eine viel höhere Summe als die des zu versichernden Kreditvolumens zu versichern. Ein Ausfall des Kredits hätte also viel höhere Gewinne gebracht als das ordentliche Geschäft.</p>
<p>Besonders witzig war der Moment, in dem man begann, sich gegen den Ausfall von Staatsanleihen zu versichern. Wenn man eine Staatsanleihe der USA, sagen wir für 1000 Euro, erwirbt, kann man sich für weitere <a href="http://egghat.blogspot.com/2008/09/usaa.html">2.60 Euro pro Jahr</a> dagegen versichern, im Falle eines Bankrotts der USA leer auszugehen.</p>
<p>Kleiner Exkurs: Bankrott der USA bedeutet ungefähr, dass 10 Billionen Dollar von heute auf Morgen nichts mehr bedeuten und das die Soldaten der weitesten verbreiteten und bestausgerüsteten Armee der Welt mit ihren Atombomben und Panzern um ihr unmittelbares Überleben kämpfen müssen, da sie nicht mehr finanziert werden. Bzw. keiner weiß, was es bedeutet.</p>
<p>Wie kann man behaupten, dass bis letztes Jahr „Vertrauen&#8221; darin bestand, dass diese Versicherungen was bringen??? Es ist undurchdachtes Geschwätz.</p>
<p>Seit 10 Jahren hat man sich gegen jeden und alles versichert. Bereits im Januar diesen Jahres gab es in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~E4CF2686B4D2540C3BFD3B8D00CD9BEC0~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ einen Text</a>, der beschrieb, wie sich das Geschäft der Kreditversicherungen entwickelte. Wenn der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Credit_Default_Swap">CDS-Markt</a> das Bruttoweltprodukt übersteigt, wer wundert sich denn da, dass da irgendwann eine Grenze erreicht ist?</p>
<p>„Vertrauenskrise&#8221; ist als Semantik entweder gelogen oder beruht auf Unwissenheit. <a href="http://www.ftd.de/boersen_maerkte/:Appell-des-Notenbankchefs-Trichet-ruft-Finanzakteure-zur-Vernunft/423888.html">JC Trichet forderte gestern Optimismus und Vertrauen</a>, dabei sollte er als oberster Banker wissen, dass Vertrauen kein Dinge für Banker ist. Banker brauchen Zahlen, und die bekommen sie nur durch Versicherungsgeschäfte und nicht durch Vertrauen. Allerdings ist der 45 Billionen Versicherungsmarkt nichts mehr wert. Seit den Pleiten von AIG und Lehman Brothers wissen die Akteure, dass Kreditversicherungen gar nichts Absichern und die Banken keine materiellen Sicherheiten haben. Von Lehman Brothers ist letztlich nur noch der 1.7-Mrd.-Dollar-Wert des Gebäudes übrig geblieben, alles andere war heiße Luft.</p>
<p>Die Finanzmarktkrise wird so lange dauern, bis die 45 Billionen substanzlose Dollar abgetragen sind. Wenn die Welt bereit ist, 10% ihrer Wertschöpfung dafür zu investieren und nicht auf Pump zu leben, dann dauert es 10 Jahre. Diese Rechnung ist grob über den Daumen gepeilt und genauso im Nebel erstochert wie alle anderen Berichte heute auch, Gegenargumente fallen mir jedoch nicht ein.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Geld, ein Kommunikationsmedium voller Tücke</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Sep 2008 12:24:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn Soziologen von „Medium und Form&#8221; reden, benutzen sie zur Anschauung oft die Sprache. Als Medium der Sprache gelten die nackten 26 Buchstaben unseres Alphabets, aus denen sich unendlich viele Formen (Wörter) schöpfen lassen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass sich ein Medium durch Benutzung weder abnutzt, noch verbraucht. Das Medium verweist auf Möglichkeiten, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Soziologen von „Medium und Form&#8221; reden, benutzen sie zur Anschauung oft die Sprache. Als Medium der Sprache gelten die nackten 26 Buchstaben unseres Alphabets, aus denen sich unendlich viele Formen (Wörter) schöpfen lassen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass sich ein Medium durch Benutzung weder abnutzt, noch verbraucht. Das Medium verweist auf Möglichkeiten, die sich in Formen manifestieren. Formen wiederum stellen immer einen Bezug zum zu Grunde liegenden Medium dar und verweise so auf andere, nur potenzielle, gegenwärtig nicht manifestierte, Formen.</p>
<p>Geld wird von eingefleischten Kennern als ein ebensolches Medium dargestellt. Eventuell muss man jedoch einige Abstriche machen &#8211; die Finanzkrise entblößt das Geldmedium gerade in entscheidenden Punkten.</p>
<p>1971 wurde unter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Nixon#Pr.C3.A4sidentschaft_.281969.E2.80.931974.29">Präsident Nixon</a> die Kopplung von Dollar und Gold aufgehoben. Bis dahin, so stand es auf allen Dollarscheinen, war ein Dollar einen bestimmten Silber- oder Goldbetrag wert. Geld repräsentierte also einen substanziellen Wert. Wer mehr Geld wollte, musste in kalifornischen Bergbächen Gold finden und es dem Zahlungsverkehr zuführen. Diese Möglichkeit der Geldschöpfung ist natürlich auch heute noch möglich, da Gold 1971 nicht entwertet wurde, sondern nur seine Funktion als Wirtschaftsbasis verlor.</p>
<p><span id="more-150"></span>Die moderne Geldschöpfung erfolgt nun viel einfacher. Geld wird immer dann erzeugt, wenn man sich in Banken einen Kredit holt. Dieses Geld, das durch Kreditgewährung ausgezahlt wird, gab es vor der Kreditbewilligung schlicht nicht. Europäische Geschäftsbanken dürfen auf diese Weise das 50-fache ihrer tatsächlichen Bestände als Kredite vergeben, dies nennt sich passend <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geldsch%C3%B6pfung#Krediterteilung">multiple Geldschöpfung</a>. Geld wird so tatsächlich, wie Sprache, aus dem Nichts erzeugt. „Out of thin air&#8221;, wie man so schön und passend sagt. Durch Benutzung wird kein „wahrer Bestand&#8221; des Mediums im Hintergrund geschmälert oder verbraucht. Falls Geschäftsbanken, und nicht überall gilt die 2%-Reserveregel, Geld benötigen, stehen ihnen die Zentralbanken zur Verfügung, die letztlich beinah direkten Zugang zu den staatlichen Geldpressen haben. Geld ist also tatsächlich ein Medium im systemtheoretischen Sinne.</p>
<p>Allerdings führt diese Konstruktion zu handfesten Problemen. Wenn die Geldmenge nicht auf Substanz zurückzuführen ist, wie etwa auf Gold (Amerika besitzt zurzeit runde 8000 Tonnen Gold, mit einem gegenwärtigen Wert von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Goldreserve">151 Mrd. Dollar</a>), fragt man sich, wie überhaupt Vertrauen im System aufgebaut werden kann (werden konnte). Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge">Geldmenge</a> ergibt sich heute als Summe aller laufenden Kredite (und übersteigt die Goldbestände um eine Fantastilliarde). Aber Kredite sind nichts als der Glaube, dass man verliehene Werte auf Sicht zurückbekommt. Wenn man in diesem System nicht sozialisiert worden wäre, man könnte es nicht glauben.</p>
<p>Hinzu kommt, das diese Motivation, Geld zu verleihen dadurch unterstützt wird, dass man mittels Zins mehr Geld zurückbekommt. Das macht das Kreditwesen so attraktiv. Geld, das jetzt verliehen wird, kommt zurück und ist dann mehr Geld. Nur steckt hinter dem „mehr&#8221; keine echte Wertschöpfung, sondern absolut substanzfreie Geldschöpfung. Das ganze Kreditwesen, und damit das ganze Wirtschaftswesen und damit schlicht alles, ist ein reines Schneeballsystem, das nur durch stetiges Wachstum am Leben erhalten werden kann.</p>
<p>Zurzeit stellt die Welt fest, dass die Wirtschaft und damit das gesellschaftliche Leben, nicht durch Verschuldung ohne Rückhalt alleine weiterexistieren kann und verschuldet sich, um allein beim US-Staat zu bleiben, um weitere 700 Mrd. Dollar. Dadurch sollen zumindest die Bereiche der Wirtschaft gestützt werden, in denen in den letzten Jahren nicht völlig in Luftleeren raum geschossen wurde. Dabei stellt sich nur noch eine Frage, <a href="http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1222717/">warum sollten wir noch vertrauen</a>?</p>
<p>Aktuell steht der amerikanischen Goldreserve von 151 Mrd. Dollar eine staatliche <a href="http://de.reuters.com/article/topNews/idDEHUM13256520080921">Verschuldungsgrenze</a> von 11.315 Mrd. Dollar gegenüber. Dem Kreditmarkt, der insgesamt, börslich und außerbörslich geschätzte <a href="http://egghat.blogspot.com/2008/09/der-bab-bailout-aller-bailouts-ist-700.html">600 Billionen Dollar</a> beträgt, stehen 50 Mrd. Einlagensicherung gegenüber. (Wer hier Angst bekommt, möge bitte auf eigene Faust recherchieren. Man findet nicht viel Handfestes außer einem Zitat von Waren Buffett, er sagt dazu: „<a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/business/2817995.stm">Derivatives are financial weapons of mass destruction</a>&#8220;.Stichwort: OTC-Derivate)</p>
<p>Geld ist als reines Kommunikationsmedium gescheitert. Die Gesellschaft hat sich beim Geld zu sehr auf ihre Kommunikation verlassen und anstatt auf Substanz auf dumme Zahlungswilligkeit gesetzt, die man immer schwieriger findet. Es ist sehr treffend, wenn man in den Medien beim Thema Derivate von „Aufschwatzen&#8221; spricht. Diese Form des Kapitalismus ist nun 37 Jahre alt und hält bereits 10 Jahre länger durch als der Ostblock nach seiner radikalen Abschottung 1961. Allerdings hatte der Westen eben dieses „Glück&#8221;, eine halbe Welt assimilieren zu können. Diesesmal steht jedoch keine weitere Weltregion zur Verfügung, die sich schröpfen lässt. Asien schröpft sich selber und in Afrika gibt es nichts zu holen.</p>
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		<title>Die Erblindung der Gesellschaft (update)</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/09/16/die-erblindung-der-gesellschaft/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Sep 2008 17:39:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was macht man eigentlich mit einem Mathematikstudium, wenn man lieber handfest arbeitet, anstatt philosophisch und zahlenfrei über den Grundproblemen zu brüten? Man heuert bestenfalls in einer Investmentbank oder einem Rückversicherer an. Der Einstieg geschieht wohl am ehesten über Erstversicherer und normale Banken. Bei ihnen errechnet man kundenspezifische Finanzströme, ermittelt Werte, legt Preise fest und gibt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was macht man eigentlich mit einem Mathematikstudium, wenn man lieber handfest arbeitet, anstatt philosophisch und zahlenfrei über den Grundproblemen zu brüten? Man heuert bestenfalls in einer Investmentbank oder einem Rückversicherer an. Der Einstieg geschieht wohl am ehesten über Erstversicherer und normale Banken. Bei ihnen errechnet man kundenspezifische Finanzströme, ermittelt Werte, legt Preise fest und gibt dann seinen Klienten über die eigenen Rechenergebnisse bescheid. In diesen Positionen ist man ein fachmännischer Finanzdienstleister für den kleinen und einzelnen Kunden.</p>
<p>Die angesprochene Ebene höher, bei Investmentbanken und Rückversicherern, sieht der Alltag ähnlich aber doch auch ganz anders aus. Man rechnet ebenfalls mit Zahlen, hat Klienten, errechnet Preise und legt Werte fest – nur eben nicht für den kleinen Einzelkunden, sondern für Gesellschaften, Märkte und Kollegen. Man spricht hier nicht mehr von Finanzdienstleistern sondern von Analysten.</p>
<p><span id="more-144"></span></p>
<p>Finanzdienstleister braucht jeder der irgendwo ein Konto, egal welcher Art, hat. In der funktional differenzierten Gesellschaft ist jeder auf andere angewiesen. Jeder ist ein Fachidiot, der von der Fachidiotie der anderen profitiert. Wer 8h am Tag mit Dachdecken beschäftigt ist, greift für alle anderen Belange seines Lebens auf andere Fachleute zurück, geht zum Fleischer, Bäcker, Arzt und Steuerberater. So greifen alle Räder ineinander und erwirken Prosperität und Lebensfreude für jeden Einzelnen (oder zumindest der Mehrheit).</p>
<p>Allerdings darf keines der Rädchen ausfallen. Wenn Fachsparten der Gesellschaft, beispielsweise Ärzte oder Piloten, streiken, führt das zu einem Orientierungsverlust, der vom Betroffenen allein nicht zu kompensieren ist. Ab einer gewissen Größe einer Gesellschaft ist solch ein fachspezifischer Komplettausfall, abgesehen von Streiks, nicht zu befürchten. Wenn ein Arzt, Pilot oder Finanzdienstleister ausfällt, steht ein nächster qualifizierter Agent bereit.</p>
<p>Dieses „Harmoniebild“ lässt sich jedoch, um bei den Finanzdienstleistern zu bleiben, nicht so einfach auf die Ebene der Analysten übertragen. Analysten sind keine Einzelkämpfer, die sich wie „kleine“ Steuerberater oder Finanzdienstleister allein mit ihrer Motivation zum Arbeiten, ihrer Ausbildung + Erfahrung und dem Gesetzbuch herumschlagen müssen. Analysten sind untereinander aufeinander angewiesen. Sie beobachten vor allem sich selbst. Sie raten, bewerten und finanzieren sich gegenseitig. Normale Finanzdienstleister profitieren von den Analysten, da sie sich von deren Analysen leiten lassen können. Auf gleiche Weise wie Analysten so dem Markt helfen, sich selbst zu beobachten, helfen Meinungsforscher den Politikern beim Reflektieren und Spartenjournalisten den restlichen Gesellschaftssparten. Jedes Funktionssystem verfügt so über einen eigenen Begriff von Öffentlichkeit, in dem sich die Akteure wie im Spiegel selbst beobachten.</p>
<p>Wenn in den Medien die letzten Monate von Analysten die Rede ist, geht es vor allem um die anhaltende Finanzkrise und das aktuelle Bankensterben. Dabei dominieren jedoch, obwohl man so viel erzählen könnte, fast ausschließlich Namen und Zahlen die Berichterstattung. „Lehmann Brothers“ und „613 Mrd. Dollar Schulden, die nicht bedient werden können“ – das sind Nachrichtenwerte, mit denen keiner, der ansonsten nur Tages- und Sportschau guckt etwas anfangen kann. Trotzdem sind dies die einzigen Kategorien, die den medialen Raum erobern.</p>
<p>Hier soll daher mal ein anderes Problem thematisiert werden: Die gesellschaftliche Funktion der Analysten und das Problem, das durch ihre Verunsicherung bzw. ihr Verschwinden akut wird.</p>
<p>Eingeleitet mit dem wie immer handfesten Beispiel Öl. Öl ist ein Gut, das gehandelt werden muss. Hauptsächlich sprudelt es dort, wo es nicht gebraucht wird und nicht aus dem Grund desjenigen, der es benötigt. Also muss es klassisch durch Handel seinen Besitzer wechseln. Nur wird, auf den ersten Blick auf erstaunlich Weise, der Preis des Öls nicht zwischen Verkäufer und Käufer ausgehandelt, sondern weit entfernt an Ölbörsen. Bei 95% des weltweit gehandelten Öls stehen Käufer und Verkäufer, nicht aber der Preis, lange vor der Transaktion fest. Der Preis wird an fernen Börsen ermittelt und gilt dann als Richtwert für alle Öltransfers. Für die Ermittlung des Ölpreises werden tatsächlich nur 5% des Öls als „echte“ Handelsmasse benötigt (Quelle: Quark und Co. WDR-Fernsehen). Aber auch die sieht niemand der Parketthändler jemals tatsächlich. Markt und Preisgestaltung sind also physisch entkoppelt. Gehandelt wird nur an Börsen, fernab der „Realwirtschaft“. Beim Öl ist dieser Vorgang extrem ausgeprägt. Aber auch sonst, im Supermarkt, an der Tankstelle, im Blumenladen &#8211; überall wo Güter auf “echte Bedürfnisse“ statt auf „Nachfrage“ treffen, wird nur noch gekauft und nicht mehr gehandelt.</p>
<p>Analysten und Rückversicherer haben in diesem Geflecht nun eine besondere Aufgabe, sie sind der Rückhalt für alles und jeden. Sie ermitteln den Wert chinesischer Turnschuhe, errechnen die Haltbarkeit der Alpen als Skiort und versichern asiatische Küsten für den Fall weiterer Tsunamis. Nur beziehen sie sich nicht direkt auf die Objekte, sondern beobachten die Erstversicherer- und Finanzdienstleistungsagenturen, welche die Objekte direkt beobachten, kaufen, handeln. Als Rückversicherer versichern sie Versicherungen, als Analysten, beispielsweise in Investmentbanken, finanzieren sie Finanziers. Nur durch sie, ihr „Gehampel“ an Börsen oder ihre Vermutungen, ob sich ein „Ike“-Hurrikan alle 3, 10 oder 20 Jahre wiederholt, wird das moderne gesellschaftliche Gefüge zusammengehalten bzw. überhaupt erst ermöglicht.</p>
<p>Man kann Investmentbanken, wie sie gerade ins Gerede kommen, vorwerfen, durch Eigen-Fremdkapital-Kredithebel von 1:35 ihre gesellschaftliche Funktion absolut eigensinnig und unverantwortlich ausgefüllt zu haben, man kann ihre gesellschaftliche Funktion negieren und ihnen den „Tod“ wünschen – aber man darf nicht übersehen, dass ab einer gewissen Größe des Bankensterbens mehr gesellschaftlicher Wert vernichtet wird als bloßes Papiergeld.</p>
<p>Niemand kann wissen, wie unsere Gesellschaft mit der Situation umgehen wird, dass es demnächst eventuell nur noch eine unabhängige Investmentbank an der größten Finanzbörse der Welt geben wird. Es wird eine bisher unbekannte Orientierungslosigkeit einsetzen, deren Folgen und Reichweite noch nicht absehbar sind. Die Finanzströme in dieser Sphäre, die für die Finanzströme der „Realwirtschaft“ unabdingbar sind, werden meiner Meinung nach sowieso viel mehr von Voodoo, „psychologischen Effekten“, Rating-Listenpanik und Meinungen als von „echter Mathematik“ geprägt, trotzdem bilden sie, insgesamt gesehen, eine Art Golfstrom des Wirtschaftsklimas, der nun leicht ins Stocken geraten ist. Für Soziologen nicht ganz uninteressant.</p>
<p><em><strong>Update 17.09.2008, 15 Uhr:</strong></em> Seit heute wissen wir, dass das &#8220;leichte Stocken&#8221; des Finanzgolfstroms eher schwer ausgefallen ist, bzw. teilweise einem Aussetzen entspricht. Es gibt sehr viele Verweise die hier gemacht werden könnten, von allen möchte ich eine empfehlen: <a href="http://www.weissgarnix.de/?p=500">Game over! Nur in welchem Spiel?</a></p>
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		<title>Funktion und Folgen von F&#246;rdervereinen</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 09:35:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieser Tage beginnt für viele Kinder der schulische Ernst des Lebens. Für viele andere wird er in weiterführenden Schulen noch einmal verschärft. Was für die Kinder mit neuen Belastungen einhergeht, sollte für Eltern eigentlich mit Entlastung verbunden sein. Kinder in staatlicher Obhut, das gibt wieder Freiraum für das eigene Leben. Seit etwa (grob geschätzten) 15 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Tage beginnt für viele Kinder der schulische Ernst des Lebens. Für viele andere wird er in weiterführenden Schulen noch einmal verschärft. Was für die Kinder mit neuen Belastungen einhergeht, sollte für Eltern eigentlich mit Entlastung verbunden sein. Kinder in staatlicher Obhut, das gibt wieder Freiraum für das eigene Leben.</p>
<p>Seit etwa (grob geschätzten) 15 Jahren sind es jedoch nicht nur die Kinder, die eingeschult werden, sondern in Maßen auch wieder deren Eltern. Kaum eine deutsche Einschulungszeremonie kommt dieser Tage ohne die Bitten um elterliches Engagement und die Vorstellung des Fördervereins der Schule aus.</p>
<p>Und es sind gerade die Einschulungsveranstaltungen, die genutzt werden, Eltern mit Mitgliedschaftsanträgen für Fördervereine zu überrumpeln. Wahrscheinlich, weil die Stimmung gut und der Gruppenzwang ausgeprägt ist. Wenn die Umgebung neu ist, orientiert man sich an den anderen. Wenn so das erste Elternpaar vor den Augen der anderen im Sack ist, lassen sich die anderen leicht nachziehen. Wer wollte an diesem wichtigen Tag schon Widerworte geben &#8211; geht ja auch nur um 10 Euro.</p>
<p><span id="more-88"></span></p>
<p>Das Zugpferd der Fördervereine sind dabei die &#8220;schrumpfenden öffentlichen Kassen&#8221;, die kompensiert werden müssen. Zumal es hier um &#8220;ihre Kinder&#8221; geht. Wenn man diese gut gemeinte Fördervereinskonstruktion funktionalistisch durchanalysiert, erhält man jedoch ein eher erschreckendes Bild.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=F%C3%B6rderverein&amp;oldid=49031813">Fördervereine</a> sind nach Wikipedia Verbindungen von &#8220;potenziellen Geldgebern&#8221; und &#8220;unterfinanzierten gemeinnützigen Projekten&#8221;. Ich denke es liegt auf der Hand, das Eltern in Deutschland mehrheitlich nicht als &#8220;potenzielle Geldgeber&#8221; zu betrachten sind. Genauso wenig sind Schulen &#8220;gemeinnützige Projekte&#8221;. Zumindest nicht in dem Sinne, der hier wohl gemeint ist.</p>
<p>Förderverein verlagern die Verantwortung des Staates in die privaten, direkt involvierten Hände der Eltern. Die einzelne Schule wird dabei zur grundlegenden Kategorie. Welche sich nicht selbst hilft, geht unter. Eltern werden, neben ihrer grundsätzlichen gesellschaftlichen Belastung durch ihren Nachwuchs noch direkter in Verantwortung und unverhältnismässiges Engagement gedrängt. Im Grunde sind Mitgliedsbeiträge für schulische Fördervereine als versteckte Schulgebühren zu begreifen. Dabei könnte es genau umgekehrt sein, dass Bürger ohne Kinder ihre Freiheit zumindest finanziell kompensieren. Denn die Vorteile gesellschaftlichen Nachwuchses genießen sie auch.</p>
<p>Wieso hat sich diese Struktur von Fördervereinen dennoch durchgesetzt um Schulen am Leben zu erhalten? Wie immer, weil sie funktioniert &#8211; und zu meiner Erklärung, weshalb das so ist, möchte ich meine allererste Gender-Studie in Worte fassen, sie beruht auf genau einem von mir beobachteten Fall einer NRW-Grundschule:</p>
<p>Erste Beobachtung: Der Förderverein besteht aus engagierten Frauen. Zumindest ist er bei der Einschulung nur durch weibliche Mitglieder, die stapelweise Mitgliedschaftsbögen verteilt haben, in Erscheinung getreten. Zweite Beobachtung: Die Bögen ausgefüllt und teilweise vor Ort bezahlt, haben zumeist Männer.</p>
<p>Mein Erklärung dazu ist simpel und ein bisschen holprig. Aber, Frauen interessieren sich verhältnismäßig seltener für das &#8220;abstrakte Große und Ganze&#8221;, Männer sind eher von Kleinigkeiten genervt und absolvieren sie ohne viel nachzudenken, Hauptsache es geht vorbei.</p>
<p>Und genau das äußert sich bei Fördervereinen. Mütter gehen zwei Stunden lang von Elternpaar zu Elternpaar, um sich für die gute Sache einzusetzen. Väter dagegen sind nach 20 Sek. Kontakt mit dem Förderverein schon bedient, und machen gute Mine zum nervigen Spiel, das am besten gelingt, wenn sie ganz schnell bezahlen.</p>
<p>Die Eltern werden gegeneinander ausgespielt, und der eigentliche Verursacher der Misere, bleibt außen vor. Der (im Wortsinne) unfassbare Staat tritt allenfalls in Sitzungen des Fördervereins als Motivationsgrundlage zutage, doch anstatt in diesem Moment aktiv angegangen zu werden, konzentrieren sich die Anwesenden lieber auf die unmittelbaren Projekte des Fördervereins.</p>
<p>Meiner Meinung nach sollte das anders laufen. Wenn ich für einen schulischen Förderverein bezahlen würde, würde ich mich in ihm engagieren und darauf hinwirken, dass man mit den Mitgliedsbeiträgen einmal dort Krach macht, wo das eigentliche Übel zu verorten ist. Die jährlichen Mitgliedsbeiträge eines Bundeslandes dürfte doch reichen um einmal die Ministerpräsidenten auf Verbesserung ihres Gewissens zu verklagen bzw. auf Aufgabe ihrer Verpflichtung gegenüber ihres Gewissens. Aber zu so was wird es in Deutschland nie kommen, da fehlt uns französischer Geist.</p>
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		<title>Politik: Placebo oder Homöopathie?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/07/09/politik-placebo-oder-homoopathie/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Jul 2008 21:38:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist die Unterstellung im Raum, dass das Politiksystem, das „seine&#8221; Probleme selbst schafft indem es sich als Adressat und Lösungsbringer zur Verfügung stellt, diese Probleme gar nicht löst, sondern einfach nur bestimmte „Behandlungsmethoden&#8221; (semantische Ökonomisierung) gewissermaßen darstellt, die dem Patienten, also allen wohlfahrtsstaatlich gesinnten Bürgern, wie beim Verabreichen von Placebomedikamenten einredet, dass (und manchmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist die Unterstellung im Raum, dass das Politiksystem, das „seine&#8221; Probleme selbst schafft indem es sich als Adressat und Lösungsbringer zur Verfügung stellt, diese Probleme gar nicht löst, sondern einfach nur bestimmte „Behandlungsmethoden&#8221; (<a href="http://sozialtheoristen.de/2008/07/07/der-placebo-effekt-des-politischen-systems/">semantische Ökonomisierung</a>) gewissermaßen <em>darstellt</em>, die dem Patienten, also allen wohlfahrtsstaatlich gesinnten Bürgern, wie beim Verabreichen von Placebomedikamenten einredet, dass (und manchmal <em>wie</em>) sie wirken.</p>
<p>Placebo bedeutet, dass die „systemische Veränderung&#8221; des Patienten, substantiell von ihm selbst ausgeht und nur der Auslöser quasi extern zu verorten ist. Nun hat es aber einen Unterschied, ob man, um auf die Gesellschaft als „Placebo-Patienten&#8221; zu sprechen zu kommen, Geld verspricht oder tatsächlich zahlt.</p>
<p><span id="more-27"></span>Die Ankündigung kann mobilisierend wirken, sobald beim Patienten jedoch Kosten entstehen, ist eine substantielle Untermauerung der Ankündung notwendig um einen folgenreichen Effekt zu entfachen. Die Gesellschaft und ihre Teilsysteme lassen sich zwar manchmal durch kluge und passende Semantik überlisten, sie verfügen jedoch nicht (in allen Belangen) über eine eigene Hormonproduktion, die gewissermaßen nur einer Anregung von außen bedarf um selbstorganisiert tätig zu werden.</p>
<p>Sehr oft muss Geld fließen. Und so sorgsam die Politiker auch mit ihren Karrierevorstellungen im politischen Tagesgeschäft umgehen, die politisch regulierten Steuer- und Investitionsgeldströme (und weiteres), sind Fakt.</p>
<p>Politik kann in ihrer gesellschaftlichen Umwelt nicht operieren. Soweit die Theorie. Praktisch gibt es jedoch einen Unterschied ob man damit Irritieren, Regulieren, Kontrollieren und Steuern meint. Politiker können nur über den Informationsaspekt der Kommunikation Referenz zur gesell. Umwelt herstellen. Das Nicht-Operieren meint daher nur, dass der Mitteilungsaspekt zwingend Selbstreferenz bedeutet.</p>
<p>Die Frage ist jedoch, spielt der Mitteilungsaspekt eine Rolle? Muss sich der private Investor von der Abgeltungssteuer politisch <em>angesprochen</em> fühlen, damit sie faktische Wirkung hat oder reicht es, zu beschreiben, dass er ebenfalls, ohne das der Mitteilungsaspekt eine Rolle spielt, von einer Information seiner Umwelt irritiert wird. Wenn es diese faktische Wirkung im Handeln und Erleben des Investors gibt, haben wir es mit einer Regulierung durch Politik zu tun, die das Maß von Placebo weit überschreitet.</p>
<p>Daher die generelle Frage: Sind strukturelle Kopplungen eigentlich immer Kommunikation? Die richtige Antwort ist natürlich: Ja. Es gibt aber viele Beispiele, in denen die Rolle der Mitteilung sehr unwichtig „erscheint&#8221;. Beispielsweise (um vom Beispiel der Geldzahlung wegzukommen) bremst man auf der Autobahn gleichermaßen, egal ob (politisch reguliert) ein Schild aufgestellt wurde oder die Natur einen Baum halb auf die Fahrbahn geworfen hat. Wichtig ist hier doch nur die Information „Achtung, langsam fahren&#8221;. Und erst wenn ein Erzeugnis einer (politisch regulierten) strukturellen Kopplung als „sinnlos&#8221; erscheint, regt man sich über „die da oben&#8221; auf, die dieses und jenes veranlasst (eben mitgeteilt) haben.</p>
<p>Man käme so weg vom Erklärungsmodell des Placebos hin zur Homöopathie, einer Behandlungsmethode die substantiell wirkt, obwohl die eigentliche Substanz in den Hintergrund getreten ist, notfalls aber in ihrer Dosis erhöht werden kann.</p>
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