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	<title>Sozialtheoristen &#187; Gesellschaft</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>Demokratische Informationsgewinnung durch Komplexität reduzierende Kollektiv-Maschinenintelligenz</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 15:31:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtstudio]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>

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		<description><![CDATA[Das ZDF-Nachtstudio übers Internet mit Sascha Lobo, Mario Sixtus, Astrid Herbold und Peter Kruse ist weder interessant noch unterhaltsam. Mit Sascha Lobo als Außnahme reden sich alle beim Internetbeschreiben in Rage, nutzen Begriffe die nicht ganz klar sind und führen vernunft- und homozentrische Paradigmen, die schon vor 50 Jahren als albern abgehakt wurden. Die Sendung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-818" title="nachtstudio" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/04/nachtstudio.jpg" alt="" width="550" height="258" /></p>
<p>Das <a href="http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,8054783,00.html">ZDF-Nachtstudio</a> übers Internet mit Sascha Lobo, Mario Sixtus, Astrid Herbold und Peter Kruse ist weder interessant noch unterhaltsam. Mit Sascha Lobo als Außnahme reden sich alle beim Internetbeschreiben in Rage, nutzen Begriffe die nicht ganz klar sind und führen vernunft- und homozentrische Paradigmen, die schon vor 50 Jahren als albern abgehakt wurden. Die Sendung verlief ungefähr so:</p>
<p><span id="more-803"></span></p>
<ul>
<li>Astrid Herbold meint, die Interneteurphorie störte sie. Sixtus fragt, wer denn das Internet so bejubelt. Sie traut sich aber nicht ihn selbst und seinen <a href="http://sozialtheoristen.de/2010/02/05/das-rundum-gute-internet/">blind-jubelnden</a>, amtsmüden Elektrischen Reporter zu nennen.</li>
<li>Lobo wird gefragt, warum das Internet mehr (sozial) ist als bloß eine (sachliche) Suchmaschine. Er erzählt: jede Metapher die das Internet beschreibt, greift zu kurz. Es ist jeden Tag ein neues Netz, daher kann man es nicht beschreiben. Aber es ist irgendwas damit.</li>
<li>Peter Kruse meint: Der Geist kann ja wohl schlecht aus der Maschine kommen. Die Aufgabe der Verknüpfung der Information kann nur von Menschen gelöst werden. Später meint er: Man darf die alten Methoden nicht auf die neuen Medien anwenden, sondern (und das ist wohl neu?) Musterbildung zulassen. &#8220;Musterbildung schafft Wahrheit&#8221;. Mit Musterbildung meint er aber Mustererkennung, und somit eine Aufgabe des erkennenden Menschen und nicht des Mediums, der Maschine.</li>
<li>Peter Kruse meint: Das Internet und die &#8220;Realität&#8221; sind beide (zu) komplex aber wir wissen nur, wie wir mit der einen Art umzugehen haben &#8211; die onlineige Komplexität ist uns (noch) fremd.</li>
<li>Peter Kruse meint, das Internet hält kontextfreie Information bereit. (Er vergisst jedoch zu erwähnen, was das bedeutet und was er damit sagen will.)</li>
<li>Sascha Lobo meint, es gibt eine &#8220;Qualität in der Maschine&#8221;. Aber ihm wird widersprochen &#8211; es sei nur ein Algorithmus für Käuferstatistiken usw..</li>
<li>&#8220;Kollektive Intelligenz&#8221; &#8211; Es wird 5 Minuten zu diesem Begriff frei assoziiert.</li>
<li>Kruse sagt &#8220;Soziale Systeme&#8221; und meint Menschengruppen.</li>
<li>Sascha Lobo erzählt von &#8220;sozialen Filtern&#8221; &#8211; Kruse: Vertrauensverluste in Informationen und Experten.</li>
<li>Mit &#8220;Reduktion von Komplexität&#8221; meinen alle irgendwas, keiner sagt, was genau.</li>
<li>&#8220;Demokratiesierung des Wissens&#8221; &#8211; niemand sagt, was er damit meint &#8211; Sixtus sagt: &#8220;persönliche Entscheidungen können besser werden&#8221;.</li>
<li>Astrid Herbold (Peter Kruse zustimmend): Die Macht kommt nicht von Google, sondern von den Menschen. Kruse: &#8220;Wenn es Google nicht macht, macht es jemand anderes.&#8221;</li>
</ul>
<p>Es sind also viele offene Punkte, für die genügend Zeit gewesen wäre. Z.B.:</p>
<p>Worin besteht das Erfolgsrezept von Google? Peter Kruse meint, es hilft dem Menschen beim Auffinden von Informationen, die &#8220;kontextfrei&#8221; zur Verfügung gestellt werden und mit denen sich erkennende Musterbildung betreiben lässt, die die Welt &#8220;aus dem Kleinen zum großen Ganzen&#8221; zusammensetzt. Die (exakte) Gegenthese, die mir viel einleuchtender erscheint ist aber, dass Googles Erfolg darin besteht, gerade die Kontextualisierung samt Musterbildung (die Peter Kruse dem Nutzer zuschreibt) besonders erfolgreich zu betreiben und den Nutzer von diesen Aufgaben zu entlasten. Google ist am erfolgreichsten, weil es uns am besten hilft. (Die Gegenfrage wäre, ob Peter Kruse sich das Internet als Quelltext anguckt und sich den Rest selbst denkt, so wie der eine Operator in The Matrix.)</p>
<p>Sascha Lobo wird heftig widersprochen, als er erwähnt, dass der Maschine eine Qualität zuzusprechen ist. Dabei war dies der klügste Satz der ganzen Diskussion. Nur darf man nicht so an die Sache rangehen, zu behaupten, erst die Computer-Maschine hält mensch-externe Denk/Intelligenz-Qualität bereit (er als Riesenmaschinist weiß das, die anderen weigern sich). Wenn wir Menschen tatsächlich jede Entscheidung selbst treffen müssten, kämen wir zu nichts. Also überlassen wir viele Entscheidungen der Gesellschaft: Wann fährt der Bus?, was gibts zu kaufen?, wann muss man in die Schule?, wann wird Alkoholgetrunken? (Natürlich kann man ein sehr unbequemes Leben führen und die Entscheidungen doch selbst treffen. ;-) Kruse würde jetzt widersprechen und sagen: Aber es sind doch alles Menschen (im Hintergrund) und man müsste sagen: Ja, überall sind Menschen, dennoch sind diese gesellschaftlichen Prämissen Ergebnisse von <span style="text-decoration: underline;">sozialen</span> Entscheidungs<span style="text-decoration: underline;">verfahren</span>: von Planung. Niemand einzeln wäre an ihnen Schuld. Menschen bringen sich ein, bringen sich nicht ein, müssen sich einbringen, verpassen sich einzubringen &#8211; das Regulativ für diese Koordinationsleistungen sind soziale, keine psychischen Mechanismen. (Das kann man aber als Organisationsberater wie Peter Kruse einer ist nicht akzeptieren, wem sollte man diese Entmächtigung des Einzelnen verkaufen? &#8211; &#8220;Führungskräften&#8221; jedenfalls nicht.)</p>
<p>Ich will es mal dabei belassen, obwohl man noch eine Weile so weitermachen könnte. Peter Kruse meinte z.B. auch, und das entspricht seinem Tenor, die Macht geht nicht von Google (bzw. Facebook) aus, sondern von den Menschen. Das Argument: Wenn es Google nicht macht, macht es jemand anderes. (Das hat er nicht selbst gesagt, aber entschieden bejaht.) Das ist natürlich merkwürdig. Wenn es Facebook nicht gäbe, liefe dann 14% des Internets über StudiVZ (die Anderen)? Ebenso redet er stets von &#8220;Reduktion von Komplexität&#8221;, beschreibt aber ein Problem, dass eher zu seinem Mustererkennungsmethoden gehört. Es handelt sich also auch dabei um irgendwas psychisches. Ebenso könnte man sich noch Gedanken über die &#8220;Demokratisierung von Information&#8221; machen. In dem Begriff &#8220;Demokratisierung&#8221; steckt dabei immer so ein Hinweis auf etwas das passiert, wenn Information frei(er) verfügbar ist. Die interessante Frage ist, worauf dieser Hinweis zielt &#8211; doch darüber wurde nichts gesagt.</p>
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		<title>Gesellschaftlich abgemeldet / individuell eingerichtet</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 11:17:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensqualität]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Text „Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzen“ von Gunnar Heinsohn ist etwas merkwürdig. Ich hab ihn zuerst überflogen, dachte mir dabei, es sei wohl wieder so ein Text der eine dieser Feuilleton-Debatte anschieben soll, sofern DIE ZEIT noch weitere Moralprofessoren in der Hinterhand hat, sah dann jedoch, dass es ein Beitrag von Gunnar Heinsohn ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-793" title="Relaxing" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/03/Unbenannt-11.jpg" alt="" width="550" height="300" /></p>
<p>Dieser Text <a href="http://www.faz.net/s/Rub0B44038177824280BB9F799BC91030B0/Doc~E0AC5A2CD5A6A481EABE50FAE2AEBA30B~ATpl~Ecommon~Scontent.html">„Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzen“</a> von Gunnar Heinsohn ist etwas merkwürdig. Ich hab ihn zuerst überflogen, dachte mir dabei, es sei wohl wieder so ein Text der eine dieser Feuilleton-Debatte anschieben soll, sofern DIE ZEIT noch weitere Moralprofessoren in der Hinterhand hat, sah dann jedoch, dass es ein Beitrag von Gunnar Heinsohn ist und las ihn nochmal gründlicher.</p>
<p>Naja, vielleicht gibt es noch einen zweiten Gunnar Heinsohn. Dem den ich bisher kannte, hätte ich solche Sätze nicht zugeschrieben:</p>
<blockquote><p>Die deutsche politische Führung scheint fest entschlossen, weiter auf dem erfolglosen, immer teurer werdenden Weg der verfehlten Einwanderungs- und Sozialpolitik zu gehen.</p></blockquote>
<blockquote><p>Solange die Regierung das Recht auf Kinder als Recht auf beliebig viel öffentlich zu finanzierenden Nachwuchs auslegt, werden Frauen der Unterschicht ihre Schwangerschaften als Kapital ansehen.</p></blockquote>
<p>Naja.</p>
<p><span id="more-789"></span>Die zentrale Aussage des Textes ist: Der deutsche Sozialstaat fördert zu viel ungebildeten und kriminellen Nachwuchs. Dieses Problem wird weder durch die Sozialpolitik, noch durch die Einwanderungspolitik behandelt. Die „Leistungs“-„Elite“ dünnt aus, 2060 wird es in Deutschland nur noch 65 Millionen Menschen geben, davon weniger als die Hälfte im produktiven Alter und viele aus der Gesellschaft abgemeldet. Und Deutschland solle sich ein Vorbild an Clintons Amerika nehmen. Dort hatte man ein ähnliches Problem und hat es gelöst.</p>
<p>Ich glaube ja, man kann weder Deutschland mit den USA vergleichen, vor allem nicht sozialpolitisch oder kulturell, noch irgendeine Aussage über das Jahr 2060 machen. Es sei denn, man beachtet auch die 2.7 Mrd. Toten des dritten Weltkriegs nach 2035 und die Entdeckung des Triliciums, das alle Energieprobleme löst aber die Welt ab 2045 von Afrika abhängig macht. Aber das soll nicht die eigentliche Kritik am Text sein.</p>
<p>Viel wichtiger scheint zu sein, dass heute schon abzusehen ist, dass die gesellschaftliche Isolation ganzer Bevölkerungsteile kein individuell schwerwiegendes Problem mehr ist. Mit Hartz-IV kann man sich sein Leben einrichten. Insbesondere wenn man seinen Medienkonsum einstellt, sich also nicht mehr von dem Leistungsgeschwätz verunsichern lässt, kann man ein zufriedenes Leben führen. Vor 60 Jahren war Lebensqualität noch eine Kostenfrage, das hat sich radikal geändert. 2009 war das Jahr, in dem die Höhe der Technik, das iPhone, von jedem bezahlbar war und ein Milliardär aus Lebensunlust vor einen Zug sprang. Das ist eine soziale Wirklichkeit die zu kaum einer aktuellen, vor allem nicht massenmedial-politisch propagierten, Ideologien passt.</p>
<p>Deutlich wird dies auch beim Teilproblem Bildung. Seit 5-10 Jahren gibt es grundlegende Verschiebungen in Deutschland. Es zählt nur noch das Abitur. In meiner Heimatstadt Jena werden selbst Backwarenfachverkäufer(innen)-Bewerbungen mit Abizeugnis bevorzugt. Politiker stellen sich die Frage, warum Haupt- und Realschüler so früh aufgeben, schon ab der 8 Klasse auffällig werden und ab der 9 kaum mehr Unterricht durchführbar ist. Die Antwort ist so einfach: Weil es für diese Schüler in der Schule nichts zu holen gibt. Der Unterschied Hartz-IV und Backwarenfachverkäufer ist so gering, er rechtfertigt fast keine Anstrengung – eine die zum Abitur führt keinesfalls.</p>
<p>Das Problem der Einhaltung des Lohnabstandsgebots kann nun dahingehend behandelt werden, dass man Hartz-IV absenkt. Die Folgeprobleme sind dann: weniger Konsum, mehr Kriminalität und vielleicht auch die brisante Aussicht, dass sich Hartz-IVler irgendwann mehr als nur in vereinzelten kriminellen Vereinigungen organisieren. Auch Gunnar Heinsohn, der die Forderung in der FAZ-Überschrift nicht expliziert, bleibt bei einer Problembeschreibung und bietet keine praktische Lösung an.</p>
<p>Es könnte aber eine darin liegen: 1. Einsicht, das „Leistung“ die sich eine „Elite“ gern auf die Fahne schreibt kein menschliches Phänomen mehr ist. Roboter bauen die Güter, Maschinen transportieren sie, Computer planen sie. 2. Die Gesellschaft 2010 ist keine Arbeits- sondern eine Konsumgesellschaft. Wenn Arbeitslohn zu 100% dem Arbeiter zugutekommt und erst der Konsum mit, sagen wir, 50% besteuert wird – dann wird die soziale Wirklichkeit wieder auf die Füße gestellt. (Die Konsumgüter würden dadurch kaum teurer, die Steuer- und Abgabenlast verlagert sich nur von Herstellung auf Verkauf. <em>(Jaja, Binnenmarkt, Weltmarkt, unrealistisch&#8230;)</em>)</p>
<p>Die Beschreibung der Gesellschaft hängt der sozialen Wirklichkeit der Gesellschaft stets Jahre bis Jahrzehnte hinterher. Und: Die meisten Beschreibungen der Gesellschaft sind generalisierende Beschreibungen politischer oder wirtschaftlicher Phänomene und in dieser Form für kaum etwas zu gebrauchen. Gunnar Heinsohn ist ein kluger Mann, er ist einer der wenigen, die ihrem Fach ein Standardwerk vorgelegt haben. Aber dieser Text in der FAZ, seine Argumentation, seine Grundlagen, seine Mathematik, seine vorsichtig angedeuteten Lösungen für das was er als Problem beschreibt – sind nichts wert. Geradezu sinnlos. (Aber DIE ZEIT wird wieder darauf reinfallen und überdreht zurückschießen.)</p>
<p><em>(Bild: </em><a href="http://www.flickr.com/photos/jeezny/3882380510/"><em>Jeezny</em></a><em>)</em></p>
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		<title>FDP &#8211; Fremdbestimmung, Demokratur, Planwirtschaft</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/02/21/fdp-fremdbestimmung-demokratur-planwirtschaft/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 12:45:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Ideologien]]></category>
		<category><![CDATA[Invertierung]]></category>
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		<description><![CDATA[Dass die Soziologie mit Absicht kontraintuitives, ungeselliges Gerede bedeutet, gilt nur prinzipiell. Es gibt auch Beobachtungen von Einzelfällen, die auf strenge soziologische Forschung zurückgehen, für deren Verständnis kein kompletter Nachvollzug ausschweifender Theorien oder Kontextwissen größerer Zusammenhänge erforderlich ist. Mein Lieblingsphänomen aus dieser Riege ist das der „Invertierung sozialer Codes“. Es beruht auf der Unterscheidung von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-744" title="liberty" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/02/liberty.jpg" alt="" width="550" height="279" /></p>
<p>Dass die Soziologie mit Absicht <a href="http://sozialtheoristen.de/2010/02/18/guido-westerwelles-einsame-suche-nach-schuld/">kontraintuitives, ungeselliges Gerede</a> bedeutet, gilt nur prinzipiell. Es gibt auch Beobachtungen von Einzelfällen, die auf strenge soziologische Forschung zurückgehen, für deren Verständnis kein kompletter Nachvollzug ausschweifender Theorien oder Kontextwissen größerer Zusammenhänge erforderlich ist. Mein Lieblingsphänomen aus dieser Riege ist das der „Invertierung sozialer Codes“.</p>
<p>Es beruht auf der Unterscheidung von Organisation und Gesellschaft und führt zu Aussagen wie denen: Gerade demokratische Parteien sind wie Armeen organisiert. Gerade das Erarbeiten oder Erfinden von Innovationen ist nur in einem geregelten und routinierten Arbeitsumfeld möglich. Gerade in Schulen, in denen Menschen selbstbestimmtes Denken lernen sollen, darf man sich nur nach Genehmigung zu Wort und Tat melden.</p>
<p><span id="more-743"></span></p>
<p>Das Argument läuft immer gleich. Es wird eine Organisation beobachtet, die sich einem gesellschaftlichen Wert besonders verpflichtet sieht (Parteien und <em>Demokratie</em>, Unternehmen und <em>Innovation</em>, Schulen und <em>Erziehung zur Selbstbestimmung</em>). Doch um diesem Wert zu genügen, darf sie ihn nicht in ihre Organisationsstruktur kopieren, sondern muss ihn invertieren. Die Organisation nimmt auf den Wert Bezug, kehrt ihn jedoch um.</p>
<p>Zentral ist, dass ein <em>gesellschaftlicher</em> Wert und eine <em>organisationale</em> Struktur sich gegenseitig Orientierungsleistung erfüllen. Auf eine externe Struktur wird also intern Bezug genommen, allerdings nur mit umgekehrten Vorzeichen. Das heißt, eine Partei darf nicht plötzlich dazu übergehen zu propagieren, dass Demokratie für eine Gesellschaft schlecht und Schweinestallhierarchie gut ist, weil diese als ihre eigene organisationale Struktur gut funktioniert. Umgekehrt dürfen Firmen, die alle zwei Monate ein innovatives, neues Produkt präsentiert nicht dazu übergehen, diese ständigen Strukturbrüche der Innovation in ihrer organisationalen Struktur zu akzeptieren. Und auch für Schulen gilt, selbstbestimmtes Arbeiten und Denken ist das Ziel, dass nur erreicht wird, wenn man es klar vom Weg dahin unterscheiden kann.</p>
<p>Tagespolitisch konkret: Die FDP ist die „Freie Demokratische Partei“ Deutschlands. Sie orientiert sich an den Werten „Freiheit“ und „Demokratie“. Es sollte also nicht überraschen, dass die FDP eine Organisation ist, die durch besonders eindeutige Hierarchie und interne Kommunikationsbarrieren auffällt. Entscheidungen und Leitlinien werden gerade nicht demokratisch von unten nach oben entschieden sondern an der Spitze vorgegeben. Soweit so unüberraschend.</p>
<p>Bei der FDP fällt aber ein weiterer Aspekt auf. Sie begrenzt den Folgenreichtum ihrer „Freiheit“-Semantik nicht nur in ihrer Organisationsstruktur, sondern auch in der Gesellschaft. Sie <em>kopiert</em> (statt invertiert) die Ansprüche an ihre Organisationsstruktur in die Gesellschaft. Sie propagiert gerade keine auf der Freiheit des Einzelnen beruhende Gesellschaft. Einige Beispiele:</p>
<p>(1.) Zur Freiheit des modernen Menschen gehört es, sich von personalen Abhängigkeiten freizusetzen. Das grundlegende Prinzip dafür ist die Benutzung von Geld. Wer Geld benutzt, ist seinem Handelspartner zu keinem persönlichen Dank, zu keiner Rechtfertigung, zu keiner Absichtserklärung verpflichtet. Geld kann benutzt werden egal wo es herkommt, egal was man als nächstes damit macht und egal wem gegenüber man es benutzt. Geld stellt die zeitlichen-, sozialen- und sachlichen Bezüge seiner Benutzung frei. Die einzige Einschränkung die Geld bedeutet ist, dass es knapp ist. Aber man ist in der Benutzung von Geld nur sich selbst verpflichtet. Also: Die Benutzung von Geld ist die Reinform des Prinzips persönlicher Freiheit.</p>
<p>Die FDP geht aber nun dazu über, die wohlfahrtsstaatlichen Leistungen in <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,679291,00.html">Gutscheinen</a> ausgeben zu wollen. Gutscheine sind &#8211; genau entgegengesetzt zu Geld &#8211; sachlich, zeitlich und sozial spezifiziert. Man kann ein Gutscheinsystem nun für adäquat oder nicht halten. Ganz sicher widerspricht sie dem Prinzip Freiheit, dass sich die FDP auf die Fahne geschrieben hat. Nicht nur, kann der Bürger nun nicht mehr frei entscheiden, was er mit seinen Geld/Gutschein macht, auch die Wirtschaft bekommt dadurch weniger Möglichkeiten, auf Geld zuzugreifen. Marktwirtschaftlicher Konsum ist zwingend auf die Benutzung von Geld angewiesen. Ein Gutscheinsystem bedeutet zwangsläufig <strong>Planwirtschaft</strong> weil über die Spezifizität von Gutscheinen vor seiner Benutzung staatlich entschieden werden muss.</p>
<p>(2.) Eine zweite Einschränkung, die von der FDP mitentschieden und auch mitgetragen wird, ist die der <strong>wirtschaftlichen Sippenhaft</strong>. Hartz IV beruht auf dem Prinzip der Bedarfsgemeinschaft. Nicht mehr der einzelne Mensch, sondern sein nächstes Lebensumfeld ist für die wirtschaftliche Situation des Einzelnen verantwortlich. Auch hier muss nicht festgelegt werden, ob das Prinzip der Bedarfsgemeinschaft, dass sich Menschen in verwandtschaft(sähn)licher Beziehung erst einmal gegenseitig in materiellen Notlagen unterstützen sollen, adäquat ist oder nicht. Fest steht jedoch, dass dieses Prinzip dem von der FDP propagiertem Prinzip der Eigenverantwortung und persönlicher Leistungsbereitschaft widerspricht. Man ist nicht seines eigenen Glückes Schmied, wenn man sich in frühen Lebensphasen, in denen man den Bildungsweg gerade hinter sich hat aber noch keine gute Startposition für eigenes Einkommen/Vermögen gefunden hat in die wirtschaftliche Abhängigkeit anderer begeben muss.</p>
<p>Dieses Prinzip erfährt eine radikale Verschärfung, wenn auf ungleich verteilte Vermögensbestände dieser Bedarfsgemeinschaft eingegangen wird:</p>
<p>(2,5.) Die FDP positioniert sich klar gegen die Besteuerung von Vermögen. Sie hat in diesem Punkt ein bisschen Glück, da keiner der klugen Juristen weiß, wie man Vermögen messen und abgrenzen kann. Die FDP positioniert sich jedoch nicht auf allen Ebenen gegen das Prinzip des <strong>staatlichen Zugriffs auf Privatvermögen</strong>. Personen in Bedarfsgemeinschaften haben keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung, wenn die <em>andere</em> Person der Bedarfsgemeinschaft Vermögen hat. Vermögen kann an dieser Stelle, auch wenn es nicht in der Form „Bargeld“ vorliegt, wie Geld definiert werden. Es ist generalisiert benutzbar. In einer hier skizzierten Bedarfsgemeinschaft kann der Staat jedoch in die Bedarfsgemeinschaft eingreifen, und von außen regulieren, wie dieses Vermögen benutzt werden soll: nämlich für den alltäglichen Lebensunterhalt desjenigen, der kein Vermögen hat.</p>
<p>Auch hier lassen sich wieder viele moralische, juristische oder sonstige Gründe finden, dieses System für adäquat zu halten oder nicht. Aber: Es widerspricht der Freiheitsideologie der FDP. Der Staat widerspricht dem Prinzip der Eigenverantwortung des Einzelnen und übergibt die Verantwortung der Grundversorgung an eine Person, die dadurch in ihrer persönlichen und finanziellen Freiheit eingeschränkt wird. (Die <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2276">Erhöhung der Schonvermögen</a> unterstützt dieses Argument des staatlich-regulierten Zugriffs auf Privatvermögen übrigens!)</p>
<p>(3.) Das dritte Argument kann man sich selber suchen. Man findet es in der Freiheit des Internets, in der Freiheit der informationellen Selbstbestimmung des Einzelnen oder in der Bewegungs- und Handlungsfreiheit derjenigen, die Sozialleistungen beziehen.</p>
<p>Die FDP ist weder streng genommen, noch auf den ersten Blick eine Freiheitspartei. Sie hat sich, wie jede Partei, einen gesellschaftlichen Wert gesucht den sie als Vehikel (Ideologie) für alles Weitere benutzt. Jedes Argument der FDP lässt sich ebenso verchristlichen, versozialdemokratisieren oder gar versozialisieren. (Man hätte diesen Text also über jede Partei schreiben können, ohne viele Worte austauschen zu müssen.) Nur die Grünen fallen durch einen sonderbaren gesellschaftlichen Wert auf, der sich nicht so einfach abwandeln und übertragen lässt(, sich aber auch nicht für jedes politische Thema eignet).</p>
<p>(<a href="http://www.flickr.com/photos/genista/2827171563/">Bild</a>)</p>
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		<title>Guido Westerwelles einsame Suche nach Schuld</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 18:43:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Geschehen der Welt mit soziologischen Prämissen zu behandeln ist nicht besonders geselligkeitsfördernd. Man vermeidet Eigennamen, Grenzüberschreitungen, Verallgemeinerungen und die Benutzung von Zahlen. Man tut also nichts von dem, was am Stammtisch aufheitert und fasziniert. Man würde sich nicht einfach ein Thema nehmen und loslegen: Goldman Sachs (Eigenname) hat Griechenland (Eigenname) beim Staatsfinanzenschummeln – 13% [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-731" title="Westerwelle" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/02/Westerwelle.jpg" alt="" width="550" height="250" /></p>
<p>Das Geschehen der Welt mit soziologischen Prämissen zu behandeln ist nicht besonders geselligkeitsfördernd. Man vermeidet Eigennamen, Grenzüberschreitungen, Verallgemeinerungen und die Benutzung von Zahlen. Man tut also nichts von dem, was am Stammtisch aufheitert und fasziniert. Man würde sich nicht einfach ein Thema nehmen und loslegen: Goldman Sachs (Eigenname) hat Griechenland (Eigenname) beim Staatsfinanzenschummeln – 13% Haushaltsdefizit (Zahlen) &#8211; geholfen, deswegen steht jetzt dem Euro (Eigenname) und jedem anderen europäischen Land (Grenzüberschreitung) der Euro-Schicksalsgemeinschaft großer Schaden (Verallgemeinerung) bevor.</p>
<p><span id="more-730"></span></p>
<p>Soziologisch gewinnt man am ehesten Erkenntnis, wenn man auf die Strukturen dieser Phänomene schaut und es erstmal dabei belässt. Diese Strukturen können dann eher <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/politische-gier/">psychisch</a> oder <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/vertrauenskrise-die-45-billionen-dollar-luge/">sozial</a> sein – und schon ist ein ausreichendes Grundgerüst für weiteren Soziologiespaß gelegt.</p>
<p>Diese Strategie erfüllt, meiner Meinung nach, eine zentrale Funktion: Sie soll ablassen von der Idee, dass man die Welt durch Aufklärung heilen könnte. Das Aufstöbern von Eigennamen und Zahlen und das Interpretieren von Projektionen und Verallgemeinerungen hat, so will ich es mal waghalsig auf eine Aufgabe reduzieren, die Funktion, Schuldige ausfindig zu machen. Wenn man weiß wer schuld ist, hat man viel gewonnen: (1) Man entlastet sich selbst, weil man dann weiß, dass es nicht an einem selbst lag. (2) Man kann die quälende Suche nach Ursachen stoppen. Das Finden eines Schuldigen erfüllt beinah idealtypisch die Funktion des Reflexionsstopps. Und (3) man kann mit Therapie beginnen (und zwar gerade nicht mit der Therapie der Welt oder Eigentherapie, sondern mit der Therapie des Schuldigen, während man selbst zum eigentlichen Tagesgeschäft zurückkehrt).</p>
<p>Das Suchen und Finden von Schuldigen hat also neben seiner rechtlichen Funktion, Ursachen auf Entscheidungen zurückzuführen und Verantwortlichkeiten zuzurechnen um Vorkehrungen und Wiedergutmachen zu regeln auch die Funktion, die Rest-Gesellschaft in ihrem Weltlauf zu bestätigen. Das Prinzip der Schuld markiert und isoliert das zu Auffällige und schickt den Schuldigen ins gesellschaftliche Exil.</p>
<p><em>Zwischenfazit: Die soziologische Betrachtung der Welt – gerade keine Schuld zu suchen &#8211; ist ungewöhnlich und läuft vielen menschlichen Bedürfnissen der Weltbetrachtung zuwider.</em> In dem Sinne ist es verwunderlich, dass die Wirtschaftskrisendebatte in ihrem dritten Jahr noch immer ohne echte Schuldige auskommt. In Deutschland sitzen noch immer die <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1934/der-hassliche-deutsche">gleichen Personen</a> im TV um auf gleiche Weise über Wirtschaft zu reden, als ob es keine grundlegende Veränderung der Wirtschaft und ihrer Beobachtung gäbe. Und das ist erstaunlich. Die Bundesregierung nimmt hunderte Milliarden Euro in die Hand, als Zahlung oder Bürgschaft, und niemand stört sich ernsthaft daran: Die „Systemfrage“ zu stellen ist nach wie vor tabuisiert. Neben dem wird die „spätrömische Dekadenz“ der Unanfechtbaren (Bonizahlung) akzeptiert. Sowie auch, dass „Findige“ ihr Geld an jeder Verantwortung vorbei auf versteckte Konten verbringen.</p>
<p>Was in der Finanzkrisendebatte erstaunt, erstaunt nun auch bei Guido Westerwelles Weltentwurf. Glaubt er tatsächlich, dass einem Wähler, dem eine 15 Mio. Euro Bonuszahlung für Totalversagen (Karstadt) nur ein Schulterzucken hervorruft, nun geholfen werden muss, einen Schuldigen für das Zerbröseln des Sozialstaats zu finden? Wer soll glauben, dass das Ausschlafen und 500-Euro-‚Abkassieren‘ des, vielleicht ja doch stadtbekannt-faulen, Nachbars ernsthafte gesellschaftliche Schieflagen verursacht. (Meiner Meinung nach kann eh jeder normale Bürger die Hartz-IV-Realität besser einschätzen, als jeder  Anne-Will-„Sozialexperte“.)</p>
<p>Man liest und hört derzeit viel. Gerade Feuilletonisten kommen nicht umhin, Vermutungen über Westerwelles Strategien und Zwecke zu erarbeiten. Dabei ist die Lösung meiner Meinung nach einfach: Westerwelle ist auch nur ein Mensch, der sich derzeit in zu vielen und für ihn zu unbekannten Rollen bewegt und gerade einfach scheitert. Er hatte einen Plan und er hatte seit 8 Jahren eine Idee im Kopf und nichts von dem geht auf. Seine Handlungen sind instinktgesteuertes Verlegenheitsverhalten, dass 2010 keine Chance auf Erfolg hat. Er ist überfordert und überlastet. Und: nur wenig kann ihn Retten. Er muss seine Rollen entflechten – das gelingt jedoch nur durch Abgabe von Macht. Er muss sich auf eine Linie reduzieren – und er hat sich für die des zur Diplomatie gezwungenen Außenministers entschieden, die seiner Persönlichkeit und seinem Können widerspricht. Er muss seinen Beraterstab aufs Regieren umpolen – Opposition macht zwar Spaß, kann aber nicht ernsthaft der Sinn der Strategien sein.</p>
<p>Wie auch immer. Bis zum 9. Mai kann Herr Westerwelle noch durch seine Traumwelt stolpern, dann muss er sich der Realität stellen.</p>
<p>(<a href="http://www.flickr.com/photos/fdp-bundestagsfraktion/4039760078/">Bild</a>)</p>
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		<title>Die üblichen Klagen</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/12/21/die-ublichen-klagen/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Dec 2009 13:22:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Banken]]></category>
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		<description><![CDATA[Das gegenwärtige Jahrzehnt klingt aus und während sich vielerorts ein kleiner Neustart gewünscht wird, ist das nächste Jahrzehnt schon weithin vorbestimmt. Zu viele Hausaufgaben blieben unerledigt. An den Unis wird protestiert. Wir wissen weiterhin nicht, was das Internet mit uns im Einzelnen und der Gesellschaft macht. Das Klima bleibt ungerettet und die kleine Riege von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-680" title="Unbenannt-1" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2009/12/Unbenannt-1.jpg" alt="" width="550" height="206" /></p>
<p>Das gegenwärtige Jahrzehnt klingt aus und während sich vielerorts ein kleiner Neustart gewünscht wird, ist das nächste Jahrzehnt schon weithin vorbestimmt. Zu viele Hausaufgaben blieben unerledigt. An den Unis wird protestiert. Wir wissen weiterhin nicht, was das Internet mit uns im Einzelnen und der Gesellschaft macht. Das Klima bleibt ungerettet und die kleine Riege von Topbankern ist gut bezahlt und exklusiv wie nie zuvor.</p>
<p>Diese vier Themen bilden die thematischen Eckpfeiler in allen Kanälen den Stammtischen, den RTL-2 Nachrichten und der FAZ. Sie sind die Mainstream-Diskussionen, die in den Archiven der Gesellschaft bestehen werden und aufzeigbar sind, wenn man einmal zurückblickt.</p>
<p><span id="more-672"></span>Was haben alle vier Diskussionen gemeinsam? Sie werden ziel- und richtungslos geführt. Der Uniprotest bleibt verhältnismässig verhalten, weil keiner genau weiss und festlegen kann, wo es hinführen soll. Die ersten <a href="http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E4213E778475E4204BC51DBEC113B45F0~ATpl~Ecommon~Scontent.html">konstruktiven Feststellungen und Vorschläge</a> werden erst gemacht. Ähnliches beim Klima. Die Einigung auf das Ziel, die Erde nur noch um bestimmte Celsiusgrade zu erwärmen ist angesichts der völligen Befreiung jeglicher programmatischen Festlegung eine absolut sinnfreie Entscheidung. Das das „2-Grad-Ziel“ ein Ziel sein soll, ist total lächerlich. Was mit den Bankern geschehen soll ist auch ungeklärt. Banken sind „symstemrelevant“ wurde festgestellt oder festgelegt und die Abschaffung oder Ersetzung des Finanzkreditsystems steht ausser Frage. Und auch das Internet entwickelt sich unkontrolliert vor sich hin, so das eine <a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E4734952DE7A84F3EA8E224A98264EA4C~ATpl~Ecommon~Scontent.html">gewisse Alarmhaltung</a> nicht unanbegrachte ist, angesichts der Tatsache, dass man nicht weiss, was die „digitale Zukunft“ bringt.</p>
<p>Die Diagnose der Ziellosigkeit der Entwicklung und ihrer Diskussionen ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die der unbekannten oder verklärten Vergangenheit. Die üblichen Klagen führen nicht zu innovativen Vorschlägen, weil man nicht genau weiss, was eigentlich wie verändert werden muss. Wir lassen uns von der digitalen Zukunft verunsichern, dabei wissen wir nicht mal über unsere „…“-Gegenwart bescheid. Wir wünschen uns was anderes als Bachelor/Master-Studiengänge und verklären die bisherigen Studiengänge als Bildungsparadies, als ob die deutschen Unis keine Neuerungen benötigt hätten. Wir ärgern uns über den Kapitalimus, als hätten wir die letzten 60 Jahre tatsächlich in einer sozial(er)en Marktwirtschaft gelebt, die anderen Formen „moralisch überlegen“ ist. Und das Klima soll vor der Industrialisierung tatsächlich <em>besser</em> (für wen?) gewesen sein..?</p>
<p>Die Diskussionen zu verändern, indem klare Zielrichtungen formuliert werden, ist dabei der Anschluss an die weit weniger fruchtbare Seite der Medaille. Was die Zukunft bringt kann man schlicht nicht wissen und jede Prognose verkommt zum Witz, wenn sie später wiedergefunden wird. Eine Diagnose über die Vergangenheits kann der Diskussion allerdings ernsthaft helfen. Beispielweise, indem Studierende mit der Plage ihres Studiums, welche sie nur aus ihrer persönlichen Alltagsbetroffenheit heraus formulieren können ernsthaft Unterstützung bekommen von denjenigen, die als Lehrende bisher nur durch Solidaritätsadressen aufgefallen sind, oder gar durch die Eltern- und Arbeitsgebergruppen, die eine gesellschaftliche Notwendigkeit der Veränderung erkennt und formuliert. Ähnliches bei den Banken. Das ein Jahresgehalt von 25 Mio. nur schwer akzeptiert werden kann, wenn man es nicht selbst erhält ist klar. Doch es hat vor 30 Jahren exakt gleich <em>funktioniert</em>. Damals wurde jedoch noch nicht jeder Dachziegel verbrieft und innerhalb von zehntelsekunden ins Nirvana gehandelt. Vielleicht sollte man sich einfach mal die Zeit anschauen, als man sich noch nicht finanziell gegen den Staatsbankrott der USA <em>absichern</em> konnte. (Ein Satz, den man nur mit 100 augenrollenden Smileys schreiben kann.) Diese Welt ist gar nicht so lange her, zwischen ihr und heute liegen weniger als 5 politische Entscheidungen. Und die Algorithmen, die uns Suchergebnisse aus einer Blackbox liefern, ohne das wir wissen, wie sie funktionieren und wie sie informationstechnisch und -inhaltlich gefüttert werden..? Ist nicht jede Zeitungsredaktion eine Blackbox für den Leser? Ist das potentielle Bespitzeln eine neue Angelegenheit mit gesellschaftlicher Tragweite? Ist das Problem der Geschwindigkeit der Information nicht nur eins der individuellen Medienkompetenz, das schon immer bestand aber erst jetzt mit sichtbaren Konsequenzen zum Handeln zwingt?</p>
<p>Und das Klima..? Die beste Überschrift zu dem Kopenhagen-Theater war „<a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EB4B2FC8630564F74BB876E94905AAF89~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Erspart uns doch endlich den Kitsch!</a>“. Dass das Klima gerettet werden muss ist eine Aussage, die kaum simpler oder sinnbefreiter getätigt werden kann. Als ob es dem Klima oder den Wäldern und Ozeanen was ausmacht, wenn sie verändert werden. <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,665732,00.html">Die einzigen, die die Klimaveränderungen leidend registrieren können, sind die Menschen</a> – „Umweltschutz“ ist in dem Sinne zwar der richtige Begriff, allerdings ist doch weder die Zielrichtung noch die Ausgangslage in irgendeiner Weise geklärt. Die Menschheit hat sich so oft ins Zentrum der Welt gestellt, aber in der Diskussion, in der es tatsächlich um den Menschen gehen sollte, redet man über Bäume und Plankton.</p>
<p>Den gegenwärtigen Diskussionen fehlt es an dem, was es braucht, konstruktiv zu sein. Dabei mangelt es allerdings nicht an dem Wissen, das diese Diskussionen befruchten könnte – dieses liegt in den Bibliotheken der Welt politisch und gesellschaftlich ignoriert herum. Die Diskussionen sind also nicht aussichtslos, es fehlt nur noch der entsprechende Leidensdruck – aber so wie die Menschen die Welt kennengelernt haben, ist auch das nur eine Frage der Zeit.</p>
<p><em>(Bild </em><a href="http://www.flickr.com/photos/h-k-d/"><em>h.koppdelaney</em></a><em>)</em></p>
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		<title>(Neu-) Ordnungen der Massenmedien.</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/ordnungen-der-massenmedien/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 17:40:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Plönges</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Der vorliegende Artikel geht auf Stefans Angebot zurück, hier ein eigenes (zwischenzeitliches) Resümee der Diskussion um die künftige Rolle der Massenmedien veröffentlichen zu können. Die Diskussion selbst schließt an den ursprünglichen Artikel über die Selektionskriterien der Wikipedia an. Alle wesentlichen Gedanken dazu finden sich bereits in den entsprechenden Kommentaren – hier soll noch einmal explizit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der vorliegende Artikel geht auf <a href="http://sozialtheoristen.de/author/admin/">Stefans</a> Angebot zurück, hier ein eigenes (zwischenzeitliches) Resümee der Diskussion um die künftige Rolle der Massenmedien veröffentlichen zu können. Die <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/20/zum-fehlenden-externen-selektionsmechanismus-der-wikipedia/#comments">Diskussion</a></em><em> selbst schließt an den ursprünglichen <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/20/zum-fehlenden-externen-selektionsmechanismus-der-wikipedia/">Artikel</a> über die Selektionskriterien der Wikipedia an. Alle wesentlichen Gedanken dazu finden sich bereits in den entsprechenden Kommentaren – hier soll noch einmal explizit auf einige für mich besonders bedeutende Aspekte der Diskussion hingewiesen werden. Die Überlegungen bleiben, was ihrem Gegenstand geschuldet ist, notwendig hypothetisch – mehr als ohnehin findet der Flug über den Wolken statt.</em></p>
<p><strong>Die Organisation.</strong></p>
<p>Wie ist die Wikipedia, an der einige der folgenden Überlegungen exemplarisch durchgespielt werden sollen, formal organisiert? In Unterscheidung zu anderen sozialen Systemen stehen bei der Beobachtung von Organisationen ihre Anerkennungs- bzw. Mitgliedschaftsregeln im Zentrum der Aufmerksamkeit: Für die Kommunikationen im sogenannten „Web2.0“ (im Allgemeinen) und für jene innerhalb der Wikipedia (im Besonderen) stellt sich daher zunächst die Frage der Mitgliedschaft. <span id="more-612"></span>Eine Rollenspezifikation als „Autor“ erlaubt eine niedrigschwellige Partizipation und damit die Mitgliedschaft in der Organisation qua Eintritt. Nur schwer sind einfachere Bedingungen vorstellbar, um die Grenze in Richtung Mitgliedschaft zu kreuzen; sie markiert die Innenseite der Form und ist in genau dieser Niedrigschwelligkeit von der Organisation festgelegt worden &#8211; sie ist ihr kleinster uns größter Nenner zugleich.</p>
<p>Damit ist noch keine Aussage über die Prämissen getroffen, die den Bereich der potentiellen  Kommunikation (in Form von Entscheidungen) in qualitativer Hinsicht strukturieren. Neben der Rollenspezifikation dient ein Rückgriff auf Programme, entlang derer die Entscheidungen formatiert werden, der Einschränkung von Kommunikationsoptionen – man schreibt schließlich gemeinsam an der „freien Enzyklopädie“ (oder am Wissen der Welt in 6/26/600 Bänden, aber nicht an einem Reiseführer für die Bielefelder Unterwelt). Was bedeutet die rezente Kontroverse der Wikipedia, die entlang einer Differenz von Relevanz/Irrelvanz prozessiert wird und paradigmatisch im Streit zwischen „Inklusionisten“ und „Exklusionisten“ eine frühe Form fand? Der Einfachheit halber sei Relevanz hier nominalistisch auf Informationswerte reduziert, mit Gregory Bateson also auf Unterschiede, die einen Unterschied machen.¹ Um die Einheit der Differenz zu beobachten, ist eine Beobachtung zweiter Ordnung nötig, gegebenenfalls sogar eine eigene Reflexionstheorie.</p>
<p><strong>Funktionssystem &amp; Science Fiction.</strong></p>
<p>Kein Funktionssystem kann auf (eine) Organisation reduziert werden. Es stellt sich also die noch grundsätzlichere Frage: Zu welchem ausdifferenzierten System gehören die Kommunikationen der Wikipedia? Mutmaßlich ist die Wikipedia dem System der Massenmedien zuzuordnen. Der grundsätzliche Code Information/Nicht-Information strukturiert die Elemente der Kommunikation und seligiert so die eigenen Operationen² &#8211; neben idiosynkratischen Relevanzzumutungen (die obendrein in der Regel zu konfligieren scheinen) geschieht das bislang ausschließlich in quantitativer Hinsicht.</p>
<p>Nun zu meiner Vermutung: Wir haben es nicht mit der Ausdifferenzierung eines neuen Funktionssystems zu tun.³ Und auch den zentralen Code können wir bis auf weiteres unangetastet lassen. Aber mit dem Aufkommen des Computers und des Internets als neuen Hauptverbreitungsmedien ist die Gesellschaft mit Überschusssinn konfrontiert, auf den sie in der einen oder anderen Weise zu reagieren lernen wird. Erste Anzeichen beobachten wir auf Ebene der Organisation, deren klassisch-hierarchischer Aufbau schon seit geraumer Zeit nicht mehr angemessen erscheint; dies gilt dann insbesondere auch für die Administration der (deutschsprachigen) Wikipedia, die unter dem Deckmantel der Selbstverwaltung an hierarchisierter Autorität festhält und damit ein Zentrum und die Möglichkeit von Steuerung suggeriert – was aber geschieht, wenn alle Mitglieder zugleich handeln?</p>
<p>Möglicherweise, aber das bleibt Spekulation, sind wir Zeuge der internen Neustrukturierung der Organisation. Für die Massenmedien beschreibt Stefan diesen Vorgang als eine <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/22/relevanz-als-symbolisch-generalisiertes-kommunikationsmedium/">Nivellierung von Zentrum und Peripherie</a> (bzw. Autor/Leser).⁴ Radikaler formuliert: Entscheidende Bedeutung erlangt eine zunehmende Zurechnung der Kommunikation auf die Kommunikation.⁵ Diese Entscheidung kann Bedeutung auf Programmebene erlangen. Wir sollten den Gedanken im Hinterkopf behalten, dass die Wikipedia hier nur exemplarisch gewählt worden ist und es auch darüber hinaus an Sinnzumutungen nicht mangelt: Alles ist potentiell relevant und gleichzeitig mehr denn je verfügbar. Die Synchronisation von Sinn als Hintergrundrealität ist und bleibt Funktion der Massenmedien (und die Möglichkeit ihrer Transformation in Zahlungen Motivation für die anhaltende Forschung an neuen Suchmaschinen). Die Frage nach Qualität und Etablierung der Normalisierung von Information ohne Zurechnung auf Autoren, also Personen &#8211; und ihre Reputation, bleibt offen. Ebenso Fragen nach der Qualität von Nicht-Wissen. Am Horizont: Das Ende der Buchdruckgesellschaft.</p>
<hr /><strong>Anmerkungen.</strong></p>
<p>¹ Damit ist zunächst jeder Eintrag relevant, sei es beispielsweise für den Verfasser oder auch den Betreiber des Servers, der wieder ein paar Bytes mehr zu verwalten hat. Streng genommen übrigens auch Artikel zu willkürlichen Zeichenfolgen.</p>
<p>² Grundsätzlich wäre auch eine Orientierung anhand der Unterscheidung wahr/nicht-wahr denkbar. Die genaue Positionierung der Wikipedia zwischen Wissenschaft und Massenmedien mit Blick auf ihre Funktion der Erzeugung von Realität wäre eine eigene Behandlung wert;  intuitiv ist ein Medium analog zur öffentlichen Meinung als Kopplung von Massenmedien und Politik denkbar: „Populärwissenschaft“ als Kopplung von Wissenschaft und Massenmedien (insbesondere, nachdem die Rolle des Intellektuellen mehr und mehr als antiquiert zu gelten hat)? Wir sehen hier der Einfachheit halber von der Möglichkeit wissenschaftlicher Forschung im Rahmen der Wikipedia ab und beschränken ihre Funktion auf die Kommunikation von Information.</p>
<p>³ Was allerdings generell in Anbetracht ungewisser Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann.</p>
<p>⁴ <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/">Enno merkt kritisch an</a>, ein qualitativer Unterschied bestehe auch weiterhin. Dem ist nicht zu widersprechen, mit Blick auf die Funktion des Mikrobloggingdienstes Twitter während der Wirren nach der iranischen Präsidentschaftswahl und der vergleichsweise sorglosen Adaption von Informationen durch europäische „Qualitätsmedien“ aber zumindest ein Fragezeichen hinzuzufügen.</p>
<p>⁵ So kann die Autorenschaft eines Artikels bereits heute beispielsweise auf IP-Adressen statt auf Personen zugerechnet werden. Eine Abstraktionsleistung, die die Konstruktion organisationsinterner Lebensläufe zur Qualifikation für Leitungsposten (z.B. Administration) erschwert und somit Idiosynkrasien vorbeugen kann; auch die von Enno beschriebene <a href="http://carta.info/16739/stat-monkey-journalismus-computer-automatisierung/">Automatisierung von Berichterstattung</a> scheint mir auf diesen Punkt, die Abstraktion vom Autoren, hinauszulaufen. Und damit in die Nähe des Diktums  Niklas Luhmanns zu rücken, dass in der Wissenschaft der Gesellschaft, Seite 11, Fußnote 1 zu finden ist: Mittelalterliche Textgepflogenheiten, die das Buch selbst wie einen Autor sprechen lassen, haben den Buchdruck nicht überlebt [Luhmann scheint hier vor allem die Kopisten in den klösterlichen Scriptorien im Sinn zu haben, S.P.]. Es wäre nicht ganz abwegig, sie wiederaufzugreifen, denn schließlich stammt, jedenfalls wo es »wissenschaftlich« zugeht, nur sehr weniges, was in einem Buch zu lesen ist, von dem Autor selbst.”</p>
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		<title>Zum Umbau des Systems der Massenmedien</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 09:53:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung von Theorie und Gesellschaft ein vergleichendes Beobachten unmöglich macht. Ich plädiere daher für eine konservative [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung von Theorie und Gesellschaft ein vergleichendes Beobachten unmöglich macht. Ich plädiere daher für eine konservative Anwendung systemtheoretischer Überlegungen zum Funktionssystem der Massenmedien, weil es mir nicht zwingend notwendig erscheint, mit einem massiven Eingriff in theoretische Grundannahmen zu reagieren, um neue Phänomene zu beschreiben.<br />
<span id="more-584"></span></p>
<p>Ganz konkret möchte ich auf <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/22/relevanz-als-symbolisch-generalisiertes-kommunikationsmedium/">Stefans interessante Ausführungen</a> eingehen. Er schreibt:</p>
<blockquote><p>Die Einführung des Internets ist ein verheerender Entwicklungssprung. Denn bisher galt: “Die Abnehmer machen sich allenfalls quantitativ bemerkbar: durch Absatzzahlen, durch Einschaltquoten”. (Luhmann, RdM: 34) Dies ist nun anders. Galten bisher qualitative Maßstäbe in den Redaktionen und quantitative Maßstäbe im Absatzmarkt – gelten nun auch in den Absatzmärkten qualitative Maßstäbe, da das Internet einen Rückkanal bereithält, über den dies geleistet werden kann.</p>
<p>Die Folge der Rückkopplung führt zu dem Phänomen, dass plötzlich alle <a href="http://seedmagazine.com/content/article/a_writing_revolution/">Autoren</a> sind. Das System der Massenmedien kann nicht mehr oder nur noch schwerlich zwischen Leistungs- und Publikumsrollen und Zentrum und Peripherie unterscheiden. Und wenn alle/viele durch Rezeption auch produzieren – nimmt der Umfang an kommunizierter Information zwangsläufig zu.</p></blockquote>
<p>Geht man weiterhin davon aus, dass die Massenmedien nach wie vor am zentralen Code Information/Nicht-Information festhalten, so ist als erstes festzuhalten, dass zwar jeder potentiell zum Autor werden kann. Aber das bedeutet nicht, dass eine Rückkopplung in dem Sinne gelingt, dass Publikums- und Leistungsrollen verschwimmen und jeder nun potentiell zum dauerhaften und konstanten Massenkommunikator werden könnte. Kein Blogger könnte die Autorität von SPIEGELonline oder der Tagesschau ersetzen, weil die gesellschaftlichen Zuschreibungen auf eben jene Institutionen nicht so fluide sind, wie es in den Großmachtphantasien einiger Blogger ausgemalt wird. Ein qualitativer Ersatz ist nicht in Sicht.</p>
<p>Auch eine quantitative Aggregation eines &#8220;Feedback-Channels&#8221; dürfte kaum funktionieren, weil eine massenhafte Kommunikation einzelner Blogger nicht in der Lage sein wird, die Komplexität der mitgeteilten Informationen soweit zu reduzieren, wie es die klassischen massenmedialen Kommunikationen nach wie vor leisten. Wenn einmal eine Welle der Empörung in den Blogs ihren Ursprung hat, ist sie gesellschaftlich übergreifend erst dann relevant, wenn sie in den traditionellen Medien Anschluss gefunden hat. Nur weil 15% der Blogger über ein Thema schreiben, ist es noch lange nicht wichtig.</p>
<p>Dennoch kann man nicht abstreiten, dass sich das System der Massenmedien massiv verändert und auf technische Neuerungen und ihre Implementation in den Alltag reagieren muss. Ich würde hier eher vermuten, dass der zentrale Code nach wie vor stabil funktioniert, aber die Produktionsmöglichkeiten massenmedialer Kommunikation dahingend in eine zunehmend auseinander klaffende Schere geraten, dass auf der einen Seite ein zunehmend großer Teil der Informationen standadisiert reproduziert werden und ein immer geringer Anteil an qualitativ hochwertigen Informationen verbreitet werden, die die Welt, wie wir sie kennen, in einem neuen Licht erscheinen lässt. Dazu zwei Überlegungen:</p>
<p>Vor allem durch die Art der wiedergekäuten und aufbereiteten Informationen des Immergleichen werden zwar an Hand der Nachrichtenwerte konstant Neuigkeiten hervorgebracht, aber die Welt im Prinzip in den immer gleichen Formeln beschrieben. Man kennt das aus der Unterhaltungsindustrie, den nahezu identischen TV-Formaten quer durch alle Kanäle, die floskelhafte Berichterstattung über die Politik und vor allem im Sport, der sich in erster Linie durch quantifizierbare Vergleiche beschreiben lässt. Und da ist es nur konsequent, einen <a href="http://carta.info/16739/stat-monkey-journalismus-computer-automatisierung/">Statistik-Roboter zu programmieren</a>, der es ohne weitere menschliche Hilfe fertig bringt, <a href="http://mediadecoder.blogs.nytimes.com/2009/10/19/the-robots-are-coming-oh-theyre-here/">akzeptable Spielberichte zu produzieren</a>. Das Prinzip der schablonierten Berichterstattung ist auch auf andere Bereiche übertragbar, sobald es gelänge die Selektionsmechanismen einerseits zu standardisieren und auch zu etablieren, sodass sie zuverlässig reproduzierbar werden. Die allgemeine Zunahme an Kommunikationsmüll, der massenmedial produziert wird, schafft dafür die besten Voraussetzungen. Es geht also nicht um Relevanz, sondern um quanititative Entwertung von qualitativer Kommunikation.</p>
<p>Die zweite Überlegung wendet sich nun der anderen Seite zu: Wenn der Absatzmarkt tatsächlich zunehmend zersplittert und der Großteil mit redundanten Quasi-Neuigkeiten versorgt werden kann, wird es für den qualitativ-anspruchsvollen Journalismus schwierig, rentable Absatzmärkte zu finden. Insofern sind die Überlegungen amerikanischer und auch deutscher Medienkonzerne nur die logische Konsequenz: Wer sich exklusive Meinungen und Berichte abseits des Informationsmülls leisten möchte, <a href="http://blogbar.de/archiv/2009/08/13/bezahlinhalte-schon-wieder/">wird kräftig dafür bezahlen müssen</a>.</p>
<p>Sollte die Schere weiter auseinanderdriften, so muss die soziologische Theorie die Frage beantworten, ob das System der Massenmedien nach wie vor dafür sorgen kann, für ein potentiell unterstellbares, gemeinsam geteiltes Bild von der Welt zu sorgen. Und falls ja, wie und falls nein, warum nicht (mehr)? Für einen Umbau des Codes spricht in meinen Augen jedenfalls wenig.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Blablabla, Twitter, Facebook, bla, History, bla</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/06/22/blablabla-twitter-facebook-bla-history-bla/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/06/22/blablabla-twitter-facebook-bla-history-bla/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 12:26:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Es macht ja viel Spaß, Soziologie zu betreiben und daraus Schlüsse für den Alltag zu ziehen. Man erkennt, dass Taxifahrer ebenso zutreffend über Politik reden können wie Anne-Will-Gäste, dass poetische Vierzeiler mehr über die Welt aussagen als Jahrtausende alte Religionstexte oder dass meine Oma mehr über Rückenschmerzhilfe weiß als mein Arzt. All dies ermöglicht die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es macht ja viel Spaß, Soziologie zu betreiben und daraus Schlüsse für den Alltag zu ziehen. Man erkennt, dass Taxifahrer ebenso zutreffend über Politik reden können wie Anne-Will-Gäste, dass poetische Vierzeiler mehr über die Welt aussagen als Jahrtausende alte Religionstexte oder dass meine Oma mehr über Rückenschmerzhilfe weiß als mein Arzt. All dies ermöglicht die ständig präsente Unterscheidung von Gerede und Gemache. Keiner hat ein Vorrecht darauf (oder die Möglichkeit), die Wahrheit des Gemaches zu ergründen, nur weil er es sich zum Thema des Geredes erwählt hat. Alles funktioniert einfach, weil es funktioniert und ob man darüber redet oder nicht, entscheidet noch nicht, wie es funktioniert oder ob überhaupt.</p>
<p>Gerede bleibt Gerede und Gemache bleibt Gemache.</p>
<p><span id="more-536"></span>Das zu akzeptieren ist natürlich schwer. Weder Hubertus Heil, noch meine Oma, noch Ich möchten gerne des Wunschdenkens, Träumens oder der Autosuggestion überführt werden. Der Mensch ist eben die Kreation, der neben Wahrnehmungen auch Vorstellungen zur Verfügung stehen, um sich ein Bild von der Welt zu machen.</p>
<p>Trotzdem. Manchmal, wenn wieder so eine Welle von Gerede die Welt erfasst, kann man nicht umhin sich selbst eine Meinung darüber zu bilden. Heute: Die Internetfaselei derjenigen, die gerne wollten aber nicht können. Ich interpretiere es mal so: Auf der einen Seite gibt es Regionen in der Welt, in denen kriegsähnliche Zustände herrschen, Menschen leiden und unmittelbar Not herrscht. Dort bedeutet das Internet ein wahres Glück für Kommunikationsanliegen. Es füllt die Lücken etablierter Massenmedien und erlaubt, über alles zu berichten was um einen herum passiert. Es sorgt für Anteilnahme, Hilfe und Solidarität, die ansonsten nicht möglich wäre.</p>
<p>Auf der anderen Seite gibt es Regionen in der Welt, die befriedet sind, in denen Luxusprobleme vorherrschen und jeder so ziemlich das Machen darf was er machen will. In diesen Regionen, Kalifornien oder Hamburg, werden die Internetkommunikationsmittel, die oben erwähnt sind, entwickelt und zur Verfügung gestellt. An einem mangelt es jedoch: an der Notwendigkeit, sie <em>so sinnvoll</em> einzusetzen, wie in den oben genannten Regionen.</p>
<p>Was macht man also? Man feiert, huldigt und bewundert die Technik, die so eindrucksvoll eingesetzt wird.</p>
<p>Und ehrlich: Genau das nervt. Das sich die Twitterleute selbst so zurückhalten finde ich großartig. Dass jedoch ein Filmemacher nach dem anderen und alle Tedtalker zusammen sich andauernd über die großartige neue Welt freuen die, wer sollte daran Zweifeln, «Geschaffen um zu helfen», nun zur Verfügung steht, nervt. Das Abfeiern der neuen Kommunikationstechnologien ist nerviges und zeitverschwendendes Gerede. Der Glaube, dass das Gerede auf das Gemache Einfluss hat oder erkenntnisträchtig ist, bleibt Glaube und die Verlautbarerei ist teilweise peinlich.</p>
<p>Das Abfeiern von Twitter und Co. wäre dabei eigentlich das richtige Stammtischthema, denn um mehr als gute Laune, Erheiterung und Freude geht es dabei nicht. Es ist das richtige Thema für Geselligkeit, Ermächtigungsgedanken des kleinen Mannes (die berechtigt sind), usw.</p>
<p>Für diejenigen, die dennoch auf derartiges abfahren oder wissen möchten, worum es geht hier zwei Links. Ganz profan ohne Einbettung.</p>
<p><em>Und falls der falsche Eindruck entstand: Twitter ist das großartigste Ding im Internet, nur das blinde Gefeiere auf großen Bühnen nervt.</em></p>
<p><a href="http://www.ted.com/talks/clay_shirky_how_cellphones_twitter_facebook_can_make_history.html">Film</a> &amp; <a href="http://www.vimeo.com/4489849">Talk</a></p>
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		<title>Religiöser und anderer Glaube</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/02/12/religioser-und-anderer-glaube/</link>
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		<pubDate>Thu, 12 Feb 2009 16:50:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
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		<category><![CDATA[Ideologie]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Dawkins]]></category>
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		<description><![CDATA[Religion, Gott und Glaube, das sind die Schlagworte der Texte, die mich die Woche am meisten interessiert haben. Irgendwie ist Richard Dawkins „Gotteswahn&#8221;, ein Buch, das ich aus Prinzip nicht lesen würde, hochgekocht und wurde, wie es das Thema hergibt, kontrovers und teilweise leicht emotional besprochen. Ergebnisse sind: Religion ist Bullshit, Gott ist keine so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Religion, Gott und Glaube, das sind die Schlagworte der Texte, die mich die Woche am meisten interessiert haben. Irgendwie ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dawkins">Richard Dawkins</a> „Gotteswahn&#8221;, ein Buch, das ich aus Prinzip nicht lesen würde, hochgekocht und wurde, wie es das Thema hergibt, kontrovers und teilweise leicht emotional besprochen. Ergebnisse sind: <a href="http://www.nerdcore.de/wp/2009/02/10/richard-dawkins-meets-ted-haggard/">Religion ist Bullshit</a>, <a href="http://www.spreeblick.com/2009/02/11/richard-dawkins-der-gotteswahn/">Gott ist keine so einfach zu umreißendes Phänomen</a> und: <a href="http://mspro.blogspot.com/2009/02/bekenntnis.html">es ist ein interessantes Thema</a>, aber eben nur, solange es Thema bleibt.</p>
<p>Das Problem der Religion ist, das die Gesellschaft nicht ohne sie auskommt und nie ohne sie auskam. Religion ist der, wenn alle anderen Stricke des Weltbildes (Familienzusammenhalt, Karriereplanung, Fitnessplanung, &#8230;) reißen, letztlich übrig bleibende, ununterschiedene, absolut gesetzte Rückhalt, den man als Individuum, mit anderen Individuen, findet. Besonders wenn man sich einer unzähmbaren, unsicheren, unstabilen und inkonsistenten gesellschaftlichen Realität gegenüber ausgeliefert sieht.</p>
<p><span id="more-404"></span>Das Argument, die Gesellschaft braucht keine Religion mehr, weil es jetzt Wissenschaft gäbe, ist dabei der am häufigsten auftretende Schluss. Dawkins Buch scheint dieses Argument wohl zentral zu stellen. Dabei scheint die gegensätzliche Argumentation viel plausibler. Könne nicht die Wissenschaft gerade als Motor der Religionen verstanden werden? Das, was in der Welt passiert, ist sowieso kaum verständlich. Früher waren es Blitz und Donner, die aus dem Nichts herbeikamen und als Zeichen gedeutet wurden. Heute ist es die Finanzkrise, die Polkappenschmelze und Aids. Es scheint ziemlich offensichtlich, dass es nicht der Mensch ist, der das Ruder in der Hand hat (obwohl er soviel Ursachen beisteuert, hat er letztlich nur wenige der Folgen und Wirkungen im Griff). Es ist irgendeine dunkle Macht, unsichtbare Hand oder sonst was, die uns steuert, muss es ja sein. Niemand kann bestreiten, dass wir den Vorgängen der Welt relativ hilflos ausgeliefert sind. Und obwohl wir wissen, dass die Natur, die Gesellschaft und der Kosmos, tut, was eben ansteht, ohne Plan, Verstand und Vernunft begeben wir uns, die wir mit einem Gedächtnis und Intelligenz ausgestattet sind, auf die Suche nach Bedeutung und Kausalität. Da fängt meiner Meinung nach Religion bereits an. Schon das Aufstellen einer wissenschaftlichen Hypothese kommt nicht ohne solche Art Vorstellung aus. Denn, rational müssten wir sagen: Es ist, wie es eben ist. Aber unsere Intelligenz, die für uns, unsichtbar, am laufenden Band Abkürzungen, Erklärungen, Vereinfachungen, Abstraktionen und Generalisierungen managt und fertig darlegt, gaukelt uns immer wieder Handlungsspielräume und Hellseherkompetenzen vor. Das Einzige, was wir allerdings sicher wissen können (und nicht glauben müssen) ist, dass es erstens anders kommt, und zweitens auch noch anders, als wir denken. Oder: dass alles anders sein und/oder alles anders erzählt werden kann. Nichts ist wahr, nur eben, und besser bekommen wir es nicht hin, nicht unbedingt falsch.</p>
<p>Und das führt direkt zum nächsten Begriff, dem „Glauben&#8221;. Vielleicht sollte man zwischen Glauben und „religiösem Glauben&#8221; unterscheiden. Religiöser Glaube ist tatsächlich eine merkwürdige Sache, eben weil man darüber nicht entscheiden kann, es sei denn dagegen. Aber auch hier liegt schon keine Entscheidung mehr vor, sondern nur eine Erklärung. Für religiösen Glauben gibt es keinen Maßstab.</p>
<p>Vom religiösen Glauben abgesehen, finden wir Glauben aber überall in der Gesellschaft. Beispielsweise ist es ein wirtschaftlicher Glaube, dass man sich die Finanzwelt anhand einiger Kennzahlen vergegenwärtigen kann. Oder es ist pädagogischer Glaube, dass Kinder psychisch gesünder leben, wenn sie wenig Playstation spielen. Und es benötigt wissenschaftlichen Glauben, zu argumentieren, dass Gott durch wissenschaftliche Erklärungen entzaubert, erklärt oder ersetzt werden könne. (Als ob das entscheidende bei Gott sein Wesen ist und es Sinn machte zu errechnen, wie lange er im Weltall überlebt und was er da atmet.)</p>
<p>Genau solche Behauptungen, dass ein gesellschaftliches Teilsystem ein anderes ersetzten kann, sind im Übrigen nichts Neues und erst recht nichts Besonderes. Volkswirte glauben, bessere Politiker zu sein. Politiker glauben, bessere Banker zu sein. Lehrer glauben, bessere Prediger zu sein, usw. Immer dann, wenn Akteure eines Teilsystems gerne für andere Teilsysteme oder die ganze Gesellschaft sprechen und genau zu wissen vorgeben, was am ‚richtigsten&#8217; sei, spricht man von Ideologien. Bisher ist die Wissenschaft, von den politisch angeheizten Klimaforschern abgesehen, kaum durch ideologische Akteure weithin aufgefallen. Sind es doch eher die Juristen, Wirtschaftler und Politiker, die ihre Sache gerne für das große Ganze erklären und ihre Spartenkonzepte für Gesellschaftstheorie halten. Richard Dawkins legt mit seinem Versuch, einen streng wissenschaftlichen Ansatz für die Erklärung von Gott und der Welt zu fahren, mit seinen Arbeiten vor.</p>
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		<title>Urteil zur Moderne: Nicht gut genug.</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/01/13/urteil-zur-moderne-nicht-gut-genug/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Jan 2009 18:02:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Solch eine normative These will natürlich auch ausführlich normativ durchargumentiert sein: Wenn man in die Geschichtsbücher blickt, entdeckt man eine Welt voller Wunder. Ägypter bauten Pyramiden, Römer Abwasserkanäle, Amerikaner Riesenstädte und Russen Raumfahrzeuge. Oft bis immer ging es darum, vorhandene Dinge und Zustände besser zu machen. Die Entdeckung des Feuers führte zu warmer Speise und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Solch eine normative These will natürlich auch ausführlich normativ durchargumentiert sein:</em></p>
<p>Wenn man in die Geschichtsbücher blickt, entdeckt man eine Welt voller Wunder. Ägypter bauten Pyramiden, Römer Abwasserkanäle, Amerikaner Riesenstädte und Russen Raumfahrzeuge. Oft bis immer ging es darum, vorhandene Dinge und Zustände besser zu machen. Die Entdeckung des Feuers führte zu warmer Speise und neuem Werkzeug, spezielle Sand-Wasser-Mischungen führten zu künstlichen Steinen für stabile Häuser und der Buchdruck führte zu Verfassungen, Organisationen, Staaten und leistungsfähigeren Sozialordnungen. Soweit so gut. Dieser Weg lässt sich als die Erfolgsstraße der menschlichen Zivilisation beschreiben. Vom kurzlebigen, einsamen wetter- und schicksalergebenen Homo sapiens zum langlebigen, gesunden, fröhlichen Homo sociologicus.</p>
<p><span id="more-375"></span>Mit dem zivilisatorischem Schicksalsschlag des Zweiten Weltkriegs, scheint diese Entwicklung, hin zum Besseren, jedoch ein Ende genommen zu haben. Seit der Nachkriegszeit, so paradox es klingt, scheint <em>früher</em> alles besser gewesen zu sein.</p>
<p>Und tatsächlich: Aufgrund ungesunder Ernährung und kontraproduktiver Fitnessmedizinerei sterben wir wieder früher. Aufgrund zu früher Lebenszielsetzungen und Schichtarbeit leben wir unglücklicher. Aufgrund verbesserter Transportmöglichkeiten vernachlässigen wir die unmittelbar erlebbare Lebenswelt. Aufgrund leichtflüssiger Informationskanäle bekommen wir weniger mit, als wir verpassen (alle anderen mitbekommen). Aufgrund von Pschotherapeuten haben wir nur noch vereinsamende Fröhlichkeitsfreundschaften. Und an allem ist nur eine Schuld: unsere moderne Gesellschaft.</p>
<p>Ihr Eigenleben sorgt dafür, dass alle leiden. Die einen an Hunger die anderen an Fettleibigkeit. Die einen an Armut, die <a href="http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc%7EE9C26B6E099A649D28690156392B1D47D%7EATpl%7EEcommon%7ESspezial.html?rss_aktuell">anderen</a> an <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Merckle">Verzweiflung</a>.</p>
<p>Unsere moderne Gesellschaft macht nur noch sehr wenige glücklich. Wundert mich, dass das Lebensmodell der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zisterzienser">Zisterzienser</a> nicht wieder neu auflebt. Und das soll auch die abschließende Prognose sein: Wenn die Rückabwicklung der Globalisierung durch ist, werden sich neue, am 12 Jhr. orientierte, quasi-Klöstergemeinschaften nach dem Prinzip „Lebensfreude durch kollektive, aktive Einschränkung&#8221;, kurz: „Freude durch Verzicht&#8221; bilden. Alle Möglichkeiten der Gesellschaft ohne Sinn und Verstand zu nutzen, wird dann herablächelnd als Naivität bezeichnet. Die Welt wird also einmal auf Links gekrämpelt.</p>
<p><em>Prognose II: Wir werden aus unseren Fehlern nicht lernen und alle traurig sterben.</em></p>
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