<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sozialtheoristen &#187; Kommunikation</title>
	<atom:link href="http://sozialtheoristen.de/tag/kommunikation/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://sozialtheoristen.de</link>
	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
	<lastBuildDate>Sat, 19 May 2012 13:37:40 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
		<item>
		<title>Zum Umbau des Systems der Massenmedien</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 09:53:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=584</guid>
		<description><![CDATA[Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung von Theorie und Gesellschaft ein vergleichendes Beobachten unmöglich macht. Ich plädiere daher für eine konservative [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung von Theorie und Gesellschaft ein vergleichendes Beobachten unmöglich macht. Ich plädiere daher für eine konservative Anwendung systemtheoretischer Überlegungen zum Funktionssystem der Massenmedien, weil es mir nicht zwingend notwendig erscheint, mit einem massiven Eingriff in theoretische Grundannahmen zu reagieren, um neue Phänomene zu beschreiben.<br />
<span id="more-584"></span></p>
<p>Ganz konkret möchte ich auf <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/22/relevanz-als-symbolisch-generalisiertes-kommunikationsmedium/">Stefans interessante Ausführungen</a> eingehen. Er schreibt:</p>
<blockquote><p>Die Einführung des Internets ist ein verheerender Entwicklungssprung. Denn bisher galt: “Die Abnehmer machen sich allenfalls quantitativ bemerkbar: durch Absatzzahlen, durch Einschaltquoten”. (Luhmann, RdM: 34) Dies ist nun anders. Galten bisher qualitative Maßstäbe in den Redaktionen und quantitative Maßstäbe im Absatzmarkt – gelten nun auch in den Absatzmärkten qualitative Maßstäbe, da das Internet einen Rückkanal bereithält, über den dies geleistet werden kann.</p>
<p>Die Folge der Rückkopplung führt zu dem Phänomen, dass plötzlich alle <a href="http://seedmagazine.com/content/article/a_writing_revolution/">Autoren</a> sind. Das System der Massenmedien kann nicht mehr oder nur noch schwerlich zwischen Leistungs- und Publikumsrollen und Zentrum und Peripherie unterscheiden. Und wenn alle/viele durch Rezeption auch produzieren – nimmt der Umfang an kommunizierter Information zwangsläufig zu.</p></blockquote>
<p>Geht man weiterhin davon aus, dass die Massenmedien nach wie vor am zentralen Code Information/Nicht-Information festhalten, so ist als erstes festzuhalten, dass zwar jeder potentiell zum Autor werden kann. Aber das bedeutet nicht, dass eine Rückkopplung in dem Sinne gelingt, dass Publikums- und Leistungsrollen verschwimmen und jeder nun potentiell zum dauerhaften und konstanten Massenkommunikator werden könnte. Kein Blogger könnte die Autorität von SPIEGELonline oder der Tagesschau ersetzen, weil die gesellschaftlichen Zuschreibungen auf eben jene Institutionen nicht so fluide sind, wie es in den Großmachtphantasien einiger Blogger ausgemalt wird. Ein qualitativer Ersatz ist nicht in Sicht.</p>
<p>Auch eine quantitative Aggregation eines &#8220;Feedback-Channels&#8221; dürfte kaum funktionieren, weil eine massenhafte Kommunikation einzelner Blogger nicht in der Lage sein wird, die Komplexität der mitgeteilten Informationen soweit zu reduzieren, wie es die klassischen massenmedialen Kommunikationen nach wie vor leisten. Wenn einmal eine Welle der Empörung in den Blogs ihren Ursprung hat, ist sie gesellschaftlich übergreifend erst dann relevant, wenn sie in den traditionellen Medien Anschluss gefunden hat. Nur weil 15% der Blogger über ein Thema schreiben, ist es noch lange nicht wichtig.</p>
<p>Dennoch kann man nicht abstreiten, dass sich das System der Massenmedien massiv verändert und auf technische Neuerungen und ihre Implementation in den Alltag reagieren muss. Ich würde hier eher vermuten, dass der zentrale Code nach wie vor stabil funktioniert, aber die Produktionsmöglichkeiten massenmedialer Kommunikation dahingend in eine zunehmend auseinander klaffende Schere geraten, dass auf der einen Seite ein zunehmend großer Teil der Informationen standadisiert reproduziert werden und ein immer geringer Anteil an qualitativ hochwertigen Informationen verbreitet werden, die die Welt, wie wir sie kennen, in einem neuen Licht erscheinen lässt. Dazu zwei Überlegungen:</p>
<p>Vor allem durch die Art der wiedergekäuten und aufbereiteten Informationen des Immergleichen werden zwar an Hand der Nachrichtenwerte konstant Neuigkeiten hervorgebracht, aber die Welt im Prinzip in den immer gleichen Formeln beschrieben. Man kennt das aus der Unterhaltungsindustrie, den nahezu identischen TV-Formaten quer durch alle Kanäle, die floskelhafte Berichterstattung über die Politik und vor allem im Sport, der sich in erster Linie durch quantifizierbare Vergleiche beschreiben lässt. Und da ist es nur konsequent, einen <a href="http://carta.info/16739/stat-monkey-journalismus-computer-automatisierung/">Statistik-Roboter zu programmieren</a>, der es ohne weitere menschliche Hilfe fertig bringt, <a href="http://mediadecoder.blogs.nytimes.com/2009/10/19/the-robots-are-coming-oh-theyre-here/">akzeptable Spielberichte zu produzieren</a>. Das Prinzip der schablonierten Berichterstattung ist auch auf andere Bereiche übertragbar, sobald es gelänge die Selektionsmechanismen einerseits zu standardisieren und auch zu etablieren, sodass sie zuverlässig reproduzierbar werden. Die allgemeine Zunahme an Kommunikationsmüll, der massenmedial produziert wird, schafft dafür die besten Voraussetzungen. Es geht also nicht um Relevanz, sondern um quanititative Entwertung von qualitativer Kommunikation.</p>
<p>Die zweite Überlegung wendet sich nun der anderen Seite zu: Wenn der Absatzmarkt tatsächlich zunehmend zersplittert und der Großteil mit redundanten Quasi-Neuigkeiten versorgt werden kann, wird es für den qualitativ-anspruchsvollen Journalismus schwierig, rentable Absatzmärkte zu finden. Insofern sind die Überlegungen amerikanischer und auch deutscher Medienkonzerne nur die logische Konsequenz: Wer sich exklusive Meinungen und Berichte abseits des Informationsmülls leisten möchte, <a href="http://blogbar.de/archiv/2009/08/13/bezahlinhalte-schon-wieder/">wird kräftig dafür bezahlen müssen</a>.</p>
<p>Sollte die Schere weiter auseinanderdriften, so muss die soziologische Theorie die Frage beantworten, ob das System der Massenmedien nach wie vor dafür sorgen kann, für ein potentiell unterstellbares, gemeinsam geteiltes Bild von der Welt zu sorgen. Und falls ja, wie und falls nein, warum nicht (mehr)? Für einen Umbau des Codes spricht in meinen Augen jedenfalls wenig.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Blablabla, Twitter, Facebook, bla, History, bla</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/06/22/blablabla-twitter-facebook-bla-history-bla/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/06/22/blablabla-twitter-facebook-bla-history-bla/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 12:26:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=536</guid>
		<description><![CDATA[Es macht ja viel Spaß, Soziologie zu betreiben und daraus Schlüsse für den Alltag zu ziehen. Man erkennt, dass Taxifahrer ebenso zutreffend über Politik reden können wie Anne-Will-Gäste, dass poetische Vierzeiler mehr über die Welt aussagen als Jahrtausende alte Religionstexte oder dass meine Oma mehr über Rückenschmerzhilfe weiß als mein Arzt. All dies ermöglicht die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es macht ja viel Spaß, Soziologie zu betreiben und daraus Schlüsse für den Alltag zu ziehen. Man erkennt, dass Taxifahrer ebenso zutreffend über Politik reden können wie Anne-Will-Gäste, dass poetische Vierzeiler mehr über die Welt aussagen als Jahrtausende alte Religionstexte oder dass meine Oma mehr über Rückenschmerzhilfe weiß als mein Arzt. All dies ermöglicht die ständig präsente Unterscheidung von Gerede und Gemache. Keiner hat ein Vorrecht darauf (oder die Möglichkeit), die Wahrheit des Gemaches zu ergründen, nur weil er es sich zum Thema des Geredes erwählt hat. Alles funktioniert einfach, weil es funktioniert und ob man darüber redet oder nicht, entscheidet noch nicht, wie es funktioniert oder ob überhaupt.</p>
<p>Gerede bleibt Gerede und Gemache bleibt Gemache.</p>
<p><span id="more-536"></span>Das zu akzeptieren ist natürlich schwer. Weder Hubertus Heil, noch meine Oma, noch Ich möchten gerne des Wunschdenkens, Träumens oder der Autosuggestion überführt werden. Der Mensch ist eben die Kreation, der neben Wahrnehmungen auch Vorstellungen zur Verfügung stehen, um sich ein Bild von der Welt zu machen.</p>
<p>Trotzdem. Manchmal, wenn wieder so eine Welle von Gerede die Welt erfasst, kann man nicht umhin sich selbst eine Meinung darüber zu bilden. Heute: Die Internetfaselei derjenigen, die gerne wollten aber nicht können. Ich interpretiere es mal so: Auf der einen Seite gibt es Regionen in der Welt, in denen kriegsähnliche Zustände herrschen, Menschen leiden und unmittelbar Not herrscht. Dort bedeutet das Internet ein wahres Glück für Kommunikationsanliegen. Es füllt die Lücken etablierter Massenmedien und erlaubt, über alles zu berichten was um einen herum passiert. Es sorgt für Anteilnahme, Hilfe und Solidarität, die ansonsten nicht möglich wäre.</p>
<p>Auf der anderen Seite gibt es Regionen in der Welt, die befriedet sind, in denen Luxusprobleme vorherrschen und jeder so ziemlich das Machen darf was er machen will. In diesen Regionen, Kalifornien oder Hamburg, werden die Internetkommunikationsmittel, die oben erwähnt sind, entwickelt und zur Verfügung gestellt. An einem mangelt es jedoch: an der Notwendigkeit, sie <em>so sinnvoll</em> einzusetzen, wie in den oben genannten Regionen.</p>
<p>Was macht man also? Man feiert, huldigt und bewundert die Technik, die so eindrucksvoll eingesetzt wird.</p>
<p>Und ehrlich: Genau das nervt. Das sich die Twitterleute selbst so zurückhalten finde ich großartig. Dass jedoch ein Filmemacher nach dem anderen und alle Tedtalker zusammen sich andauernd über die großartige neue Welt freuen die, wer sollte daran Zweifeln, «Geschaffen um zu helfen», nun zur Verfügung steht, nervt. Das Abfeiern der neuen Kommunikationstechnologien ist nerviges und zeitverschwendendes Gerede. Der Glaube, dass das Gerede auf das Gemache Einfluss hat oder erkenntnisträchtig ist, bleibt Glaube und die Verlautbarerei ist teilweise peinlich.</p>
<p>Das Abfeiern von Twitter und Co. wäre dabei eigentlich das richtige Stammtischthema, denn um mehr als gute Laune, Erheiterung und Freude geht es dabei nicht. Es ist das richtige Thema für Geselligkeit, Ermächtigungsgedanken des kleinen Mannes (die berechtigt sind), usw.</p>
<p>Für diejenigen, die dennoch auf derartiges abfahren oder wissen möchten, worum es geht hier zwei Links. Ganz profan ohne Einbettung.</p>
<p><em>Und falls der falsche Eindruck entstand: Twitter ist das großartigste Ding im Internet, nur das blinde Gefeiere auf großen Bühnen nervt.</em></p>
<p><a href="http://www.ted.com/talks/clay_shirky_how_cellphones_twitter_facebook_can_make_history.html">Film</a> &amp; <a href="http://www.vimeo.com/4489849">Talk</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/06/22/blablabla-twitter-facebook-bla-history-bla/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wer hat wozu und wieso überhaupt &#8220;Zeitungen&#8221;?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/06/03/wer-hat-wozu-und-wieso-uberhaupt-zeitungen/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/06/03/wer-hat-wozu-und-wieso-uberhaupt-zeitungen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 15:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Polemik]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=504</guid>
		<description><![CDATA[Zur Einstimmung bitte auch folgenden verlinkten Text lesen, um zu überprüfen, welcher von beiden sinnloser ist: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Kiosk-Schluss-Mit Es ist eine allgemeine Qual, Therapeuten sind entsetzt und eigentlich wissen wir es alle. Man erahnt es instinktiv und dennoch begegnet man demselben Frevel überall. Ca. 20 Mio. Menschen, vorrangig Männer, verbringen ihr Leben in Familien, verheimlichen jedoch, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zur Einstimmung bitte auch folgenden verlinkten Text lesen, um zu überprüfen, welcher von beiden sinnloser ist: <a href="http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Kiosk-Schluss-Mit">http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Kiosk-Schluss-Mit</a></em></p>
<p>Es ist eine allgemeine Qual, Therapeuten sind entsetzt und eigentlich wissen wir es alle. Man erahnt es instinktiv und dennoch begegnet man demselben Frevel überall. Ca. 20 Mio. Menschen, vorrangig Männer, verbringen ihr Leben in Familien, verheimlichen jedoch, dass sie in Wahrheit allenfalls, sofern überhaupt, physisch anwesend sind. Geistig schwirren sie durch die Welt, verbringen Zeit in Gedanken und verstecken sich hinter quadratmetergroßen Papierzetteln, die sie moralisch aufgeladen als „Lektüre&#8221; oder „Zeitung&#8221; ohne weitere Erklärung höher als ihre Familien und Freunde bewerten.</p>
<p><span id="more-504"></span>Besonders ist diese Realitätsflucht an alltäglichen Morgenden zu beobachten. Anstatt das Familientagesgeschäft gemeinschaftlich zu organisieren, verkriechen sie sich hinter ihren „Zeitungen&#8221; und verstecken ihre Familienmüdigkeit im geheuchelten Interesse an <em>Gesabbel</em> unzähliger Journalisten, die behaupten, besser (sic.) über die Welt urteilen zu können als sie selbst.</p>
<p>Wodurch dieser Anspruch auf <em>besser</em> herrührt, ist dabei bis heute nicht geklärt. Die Vermutungen, dass regionale Nähe zu Ereignissen oder Erfahrung mit Themen Begründungen sind, lagen lange nahe. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch, dass gerade Nähe zu Ereignissen oder ein reicher Erfahrungsschatz auszuschließen ist. Dies legen jedenfalls Verlautbarungen von „Journalisten&#8221; nahe, die neuerdings mit erfahrenen Auskennern vor Ort um die Wette schreiben und an ihren Konkurrenten kein gutes Haar lassen.</p>
<p>Weitere Vermutungen konzentrieren sich auf die berufliche Ausbildung zum Schreiben. Da jedoch mittlerweile jeder Bürger lesen und schreiben lernt, hilft auch diese Fokussierung auf die Problemstellung journalistischer Professionalität wenig. (Einige erzählen, einige schrieben „einfach besser&#8221; als andere &#8211; das können wir als Geschmacksurteil schlicht ignorieren.)</p>
<p>Die allerneuste Erkenntnis ist jedenfalls, dass „Zeitungen&#8221; nicht wegen ihrer Inhalte wegen, sondern ihres Schutzschirmcharakters wegen gesellschaftliches Ansehen genießen. Um eine aufgeschlagene „Zeitung&#8221; kann man nicht herumgucken, vor allem nicht in einer 8-m²-Küche. Eine „Zeitung&#8221; auf der Wiese oder dem Mensatisch signalisiert, dass man bereits mit „Wichtigem&#8221; befasst ist und menschliche Nähe unangebracht ist. Eine „Zeitung&#8221; heißt „Zeitung&#8221;, weil sie kurze Zeitspannen von Unsicherheit im Alltag überbrücken. (So wie eine Gabelung einen Weg gabelt oder eine Wässerung irgendetwas wässert, schlägt die „Zeitung&#8221; das zu-viel-an Zeit tot.) Wer eine „Zeitung&#8221; in der Hand hat, <em>hat zu tun</em>. Ähnliches lässt sich bei Wasserflaschen im Sport oder neuerdings auf Wir-Reden-über-Medien-undso-Bühnen beobachten.</p>
<p>Während Wasserflaschen und Zeigestäbe vorrangig be<em>hand</em>elt werden, um vom Körper abzulenken (im Sinne von: Was mach ich eigentlich mit meinen Händen, während ich nur meinen Kopf brauche), dienen „Zeitungen&#8221; noch immer, um die Abwesenheit des Geistes, gesellschaftlich tragbar zu entschuldigen. Daher werden „Zeitungen&#8221; auch nie in ihren Maßen schrumpfen, etwa auch halbwegs erträgliches Lesemaß von DIN-A3.</p>
<p>Das mit den „Zeitungen&#8221; bleibende Problem ist, dass es zur Beschriftung von „Zeitungen&#8221; noch immer Personal bedarf, dass sich angesichts seiner faktischen Rolle heillos überbewertet (etwa indem es glaubt, dass man <em>sie</em> liest).</p>
<p>Aber das wird sich auch noch ändern. Schließlich ist die andere funktionale Komponente der „Zeitung&#8221;, die Untermauerung eigener Behauptungen durch den Hinweis „in der „Zeitung&#8221; gelesen&#8221;, bereits Geschichte.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/06/03/wer-hat-wozu-und-wieso-uberhaupt-zeitungen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ein leicht zu kritisierender Text zu einem schweren Thema</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/01/23/ein-leicht-zu-kritisierender-text-zu-einem-schweren-thema/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/01/23/ein-leicht-zu-kritisierender-text-zu-einem-schweren-thema/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 23 Jan 2009 13:24:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tollerei]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstsein]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Psyche]]></category>
		<category><![CDATA[psychisches System]]></category>
		<category><![CDATA[soziales System]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialsystem]]></category>
		<category><![CDATA[strukturelle Kopplung]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=394</guid>
		<description><![CDATA[Folgender Text hat zwar ein Thema und eine Frage, darüber hinaus aber eher Sammelsuriumscharakter&#8230; Es geht um die Frage, wie denn die Kommunikation, und nur sie, kommunizieren kann, obwohl ihr die Fähigkeit fehlt zu Prozessieren. Ich möchte darstelle, dass die Kommunikation weder über ein Gedächtnis noch über einen &#8220;Arbeitsspeicher&#8221; verfügt. Auf beides ist sie jedoch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Folgender Text hat zwar ein Thema und eine Frage, darüber hinaus aber eher Sammelsuriumscharakter&#8230; Es geht um die Frage, wie denn die Kommunikation, und nur sie, kommunizieren kann, obwohl ihr die Fähigkeit fehlt zu Prozessieren. Ich möchte darstelle, dass die Kommunikation weder über ein Gedächtnis noch über einen &#8220;Arbeitsspeicher&#8221; verfügt. Auf beides ist sie jedoch angewiesen. Frage: Kompensiert sie diesen Mangel durch Leistungsbeziehungen zu den strukturell gekoppelten psychischen Bewußtsein(plural)?</em></p>
<p>Dieser Satz: „Der Mensch kann nicht kommunizieren, nur die Kommunikation kann kommunizieren.&#8221; aus „Wissenschaft der Gesellschaft&#8221; (Seite 31) wird erschreckend oft nachgeplapert, ohne dass dabei wirklich geklärt wird, werden kann, was er bedeutet.</p>
<p><span id="more-394"></span>So überraschend ist der Satz nämlich eigentlich nicht. Verwirrung stiftet er nur, wenn man unter Kommunikation die alltagsweltliche Notwendigkeit und Beliebigkeit von Gerede, Absprachen, Unterhaltung, Erzählungen usw. versteht. Von Anfang an jedoch versteht man in der Systemtheorie Kommunikation eben nicht auf diese Weise, sondern als Operation sozialer Systeme. Die, um mit einer schönen Formulierung gleich wieder damit abzuschließen, die Welt nicht mitteilt, sondern einteilt. „Die Kommunikation teilt die Welt nicht mit, sie teilt sie ein in das, was sie mitteilt, und das, was sie nicht mitteilt.&#8221; (Wissenschaft der Gesellschaft, Seite 27)</p>
<p>Nur einen Schritt entfernt, gelangt man bereits zum sozialen System. Kommunikation ist die Operation, die <em>etwas mitteilt</em>. Über das „Etwas&#8221; stellt sie Fremdbezüge her und über die „Mitteilung&#8221; den notwendigen Selbstbezug. Salopp: Das „Etwas&#8221; muss ja jemanden interessieren, dem es mitgeteilt wird.</p>
<p>Die Einteilung der Welt in Mitgeteiltes und nicht mitgeteiltes wäre jedoch auch als pure Beobachtung analytisch beschreibbar. Dann nämlich, wenn man den Mitteilungsaspekt herausrechnet. Beobachtungen teilen die Welt ein, teilen diese Einteilung jedoch nicht mit. Es ist kaum vorstellbar, wie das zu denken sein soll. Manchmal jedoch hat man bei systemtheoretischer Lektüre den Eindruck, als kommt die Beschreibung von Kommunikation nicht darüber hinaus.</p>
<p>Wenn man sagt: die Kommunikation kommuniziert, fehlt die Operativität, bzw. steckt sie augenscheinlich mit drin lässt sich aber beim genauen Betrachten doch nicht finden. Die Kommunikation unterscheidet nämlich nur. Sie hangelt sich, über das Auflösen der Paradoxie der Form notwendigerweise von einer Unterscheidung zur nächsten. Und man fragt sich: Wie konstituiert sich eigentlich der Prozess, die Systembildung. Wie wird die Unterscheidung mit Sinn aufgeladen? Das kann man noch erklären, aber wie werden die Sinnaktualisierungen von Unterscheidung zu Unterscheidung mitgeführt? Kommunikation benötigt Zeit, baut sie aber <em>selbst</em> nicht ein.</p>
<p>In den systemtheoretischen Texten zum Thema ist oft davon die Rede, dass sich die Elemente, also die Operationen, in ihrem Entstehen bereits wieder verflüchtigen. Unter diesem Problem leiden sowohl die Kommunikationstheorien wie auch die Handlungstheorien. Luhmann führt, um die Annahmen von Handlungstheorien weiter aufzulösen, den Begriff Prozess ein. („Temporalstrukturen des Handlungssystems&#8221; in Soziologische Aufklärung 3) Die Argumentation ist schlüssig: Handlungen als Elemente bedeuten erstmal nicht viel. Mit Sinn aufgeladen werden sie, wenn sie Zeit berücksichtigen, in dem sie Vergangenheit und Zukunft unterscheiden, was durch die Unterscheidung von Struktur und Prozess gelingt. Strukturen bilden dabei die Möglichkeiten ab, die zukünftig aktualisiert werden können, Prozesse bilden dagegen die aktualisierten Möglichkeiten ab. Prozesse zeigen Irreversibilität an, Strukturen Reversibilität. Und, wenn man diese Aspekte in Vergangenheit und Zukunft einteilt, liegt dazwischen der kurze Moment der Gegenwart.</p>
<p>Und da wird es etwas unklar. Die Operation kann sich nämlich nicht mit der Gegenwart begnügen. Sie muss die Kontingenz der vorangegangenen und folgenden Operation(en) mitführen, um Zusammenhangslosigkeit und Beliebigkeit vorzubeugen. Die Operation wäre, würde sie diese Unterscheidung zu ihren Nachbaroperationen nicht mitbeachten, bloße Beobachtung. Der Sinn einer Kommunikation ergibt sich nicht über die Summe seiner Beobachtungen und deren Sinn, sondern über die Autopoiesis der Kommunikation, die nicht ohne Zeit denkbar ist.</p>
<p>Eine Operation hat es daher nicht nur mit einer Unterscheidung (Bezeichnung/Unterscheidung) und ihrem Reentry zu tun, sondern wird auch noch durch die Unterscheidung Operation/vorherige-nächste-Operation und deren Reentry aufgeladen. Will die Operation nicht bloße Beobachtung sein, hat sie es mit mehreren Unterscheidungen zu tun, die sie unerklärlicherweise zeitgleich behandeln muss.</p>
<p>Ich denke, Kommunikation als Unterscheidung von Information, Mitteilung und Verstehen zu beschreiben, löst dieses Problem elegant mit <em>einem</em> Kunstgriff. Während Mitteilung und Information die Welt einteilen (Bezeichnetes / Unterschiedenes &#8211; Information) und mitteilen (System/Umwelt &#8211; Mitteilung) beschreibt der Aspekt des Verstehens die notwendige und paradoxe (weil gleichzeitige) Beobachtung, die sowohl Information als auch Mitteilungen bezeichnet und dadurch zwangsläufig eine weitere Unterscheidung, nämlich die zwischen Operation und Prozess (Beobachtung/Operation), vollzieht.</p>
<p>Und jetzt stellt sich die Frage: Wo wird / wer prozessiert? Die Kommunikation hält keine Kapazität für Erinnern/Vergessen bereit. Ihr fehlt dieser Arbeitsspeicher, der Selbstbeobachtung möglich und damit, meiner Meinung nach, das Bewusstsein der Psyche so einzigartig macht. Auch die Systemtheorie hat Schwierigkeiten dies zu erklären. Sie hält zwar den Begriff Kondensierung parat, lässt jedoch offen, wo kondensiert wird. Zumindest eine ontologische oder normative Erklärung fällt ausdrücklich aus. Die Und-so-weiter-Erklärung ist zwar befriedigend aber irgendwie auch unzureichend. Kondensierte, konfirmierte oder sogar symbolisch generalisierte Unterscheidungen sind augenscheinlich schlicht vorhanden und können tatsächlich einfach so aktualisiert werden.  Man wird nicht komisch angeguckt, wenn man im Supermarkt bezahlt. Auch dann nicht, wenn vor einem Niemand vorgemacht hat, wie es geht, und danach keiner kommt, der es nachmacht. Diese Unterscheidungen, wenn man allein Gesellschaft betrachtet, können aus dem nichts sinnvoll in kommunikative Form gebracht werden und sie verschwinden wieder im Nichts.</p>
<p>Die systemtheoretische Lösung ist einfach, und chronisch unterbelichtet: strukturelle Kopplung. Im genaueren leistet dieses Prozessieren, das Bereitstellen von Arbeitsspeicher, die strukturelle Kopplung zwischen Sozialität und Psyche mittels Sprache &#8211; aufseiten der Psyche. Das wird nirgendwo besser beschrieben als im Eingangskapitel zur „Wissenschaft der Gesellschaft&#8221;, „Bewusstwein und Kommunikation.&#8221;</p>
<p>Nichts von dem, steckt nicht schon längst in der Systemtheorie drin. Jedoch verweist es nochmal auf das elementare Problem, dass die Gesellschaft, wenn sie als mehr als die Ansammlung von Beobachtungen beschrieben werden soll, nicht ohne „Prozessoren&#8221; beschrieben werden kann, die die Beobachtungen sinnvoll verknüpfen. Dies kann die Gesellschaft, die Kommunikation nicht selbst tun. Die Frage, wer selegiert?, kann nicht durch die Erklärung, die Kommunikation kommuniziert befriedigend beantwortet werden.</p>
<p>Vielleicht muss man annehmen, dass Sinn nur (von außen und/oder rekursiv) beobachtet werden kann. Luhmann fragt in „Paradoxie der Form&#8221;: „Wer erzählt die Erzählung, und kommt der Erzähler in der Erzählung vor?&#8221; Wenn man hier „nein&#8221; sagt, was zwangsläufig ist, muss man fragen, was bedeutet es eigentlich, dass nur die Kommunikation kommuniziert&#8230;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/01/23/ein-leicht-zu-kritisierender-text-zu-einem-schweren-thema/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Blogs und Kommunikationsherrschaft</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/11/24/blogs-und-kommunikationsherrschaft/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/11/24/blogs-und-kommunikationsherrschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2008 13:11:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Blogging]]></category>
		<category><![CDATA[DFB]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Verbreitungsmedien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=318</guid>
		<description><![CDATA[Die Gunst der öffentlichen Meinung zu haben, ist für alle Organisationen, seien sie politisch oder andersweitig aktiv, von enormer Bedeutung, sofern sie nicht nur öffentlich auftreten, sondern ihre Entscheidungen auch öffentlich rechtfertigen müssen. Parteien und Verbände sind dabei besonders gefordert, sich mit der öffentlichen Meinung und ihrer gekonnten Beeinflussung auseinanderzusetzen. Für öffentlichkeitswirksame Organisationen steht und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gunst der öffentlichen Meinung zu haben, ist für alle Organisationen, seien sie politisch oder andersweitig aktiv, von enormer Bedeutung, sofern sie nicht nur öffentlich auftreten, sondern ihre Entscheidungen auch öffentlich rechtfertigen müssen. Parteien und Verbände sind dabei besonders gefordert, sich mit der öffentlichen Meinung und ihrer gekonnten Beeinflussung auseinanderzusetzen. Für öffentlichkeitswirksame Organisationen steht und fällt ihr Erfolg häufig mit der Anerkennung ihrer Entscheidungen durch die Öffentliche Meinung zusammen. Daher wundert es nicht, dass Theo Zwanziger foldenden Satz zum Credo der Öffentlichkeitsarbeit des DFB gemacht hat:</p>
<blockquote><p>“Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer.”</p></blockquote>
<p>Nur leider lässt sich die öffentliche Meinung nicht so leicht beeinflussen, was vor allem daran liegt, dass es sich hier um ein prinzipiell unabgeschlossenes Konglomerat öffentlicher Kommunikation handelt, die nach einer Eigenlogik operiert und sich nicht linear-kausal steuern lässt. Die Eigenrationalität und Eigenständigkeit öffentlicher Meinungsbildung wird durch das Internet noch einmal verstärkt, was am jüngsten Beispiel einer Auseinandersetzung zwischen DFB und dem freien Sport-Journalisten Jens Weinreich deutlich wird.</p>
<p><span id="more-318"></span></p>
<p>Ein kurzer Abriss des aktuellen Falls: Jens Weinreich nennt Theo Zwanziger in einem Blog-Kommentar einen &#8220;unglaublichen Demagogen&#8221;. Dieser Kommentar wird in einer vielgelesenen <a href="http://www.indirekter-freistoss.de/home/index.html">Presseschau</a> veröffentlicht und einer Vielzahl von Lesern zugänglich gemacht. Der Multiplikationseffekt hat zur Folge, dass der DFB diese Aussage registriert und eine Unterlassungsklage einreicht. Zweimal unterliegt der DFB vor Gericht. Theo Zwanziger Interpretation des Demagogen als &#8220;Volksverherhetzer&#8221; wird vom Gericht nicht geteilt. Um &#8220;Kommunikationsherrschaft&#8221; bemüht, verfasst der DFB eine Presseerklärung und versendet sie an einen illustren Kreis von Politikern und Funktionären. In dieser Pressemitteilung wird der Sachverhalt ziemlich einseitig dargestellt, man könnte sagen verdreht. Eine Übersicht des kompletten Falls dokumentiert Jens Weinreich in seinem <a href="http://jensweinreich.de/?page_id=1780">Webweiser</a>. Grafisch sieht das ganze derzeit so aus:<br />
<iframe width="600" height="400" src="http://www.dipity.com/sportticker/Test/embed_tl" style="border:1px solid #CCC;"></iframe><br />
Ohne hier in die kleinsten Details einzugehen und ohne die nötigen und gerechtfertigten Kritikpunkte am Vorgehen des DFB noch einmal zu wiederholen (denn das lässt sich alles im <a href="http://jensweinreich.de/?page_id=1780">Webweiser</a> nachlesen), möchte ich auf einen soziologisch interessanten Aspekt hinaus: Dieses Beispiel zeigt, dass die Planbarkeit von Kommunikation durch das Medium Internet auf neue Voraussetzungen stößt und mit hergebrachten Methoden nicht mehr zu bewerkstelligen ist.</p>
<p>Die Planbarkeit von Kommunikation ist von jeher &#8211; und in einer funktional differenzierten Gesellschaft erst recht &#8211; im höchsten Maße eingeschränkt. Denn das Prinzip der Kommunikation beruht im Dreischritt von Information &#8211; Mitteilung &#8211; Verstehen. Und erst wenn die mitgeteilte Information verstanden wird, kann man von Kommunikation sprechen. Kommunikationsherrschaft im Sinne Theo Zwanziger bedeutet vor allem die Deutungshoheit des Verstehens von Information und Mitteilung inne zu haben. Traditionelle Lobby- und Pressearbeit von öffentlichkeitsabhängigen Organisationen wie dem DFB sieht in der Regel so aus, dass vor allem die traditionellen Massenmedien (Presse, Funk, Fernsehen) so in ihrer Berichterstattung beeinflusst werden, dass ein gegenüber den Entscheidungen und &#8220;Verstehens-Leistungen&#8221; des DFB unkritische Multiplikationsleistung in der öffentlichen Meinung stattfindet. Dazu ist ein Netzwerk von Gefälligkeiten abhängiger Berichterstatter und Redaktionen notwendig, über welches eine gut vernetzte Öffentlichkeitsabteilung verfügen kann und muss. Damit ist zwar nicht gewährleistet, dass tatsächlich eine Einheitsmeinung in der Berichterstattung und daraus resultierend in der öffentlichen Meinung herrscht. Die Wahrscheinlichkeit ist dennoch groß, weil eben für ein alternative Agenda-Setting kein Raum besteht und gegenläufige Meinungen und Berichterstattungen gegenüber dem Mainstream begründungsnotwendig werden. So kann ein gut organisierter Verband wie der DFB zwar nicht undbedingt im Sinne kausalen Durchgriffs über die öffentliche Meinungsbildung herrschen, aber dennoch wird es ihm gelingen, in einer Mehrheit der Themen die eigene Position deutlich und überwiegend zustimmend in der öffentlichen Meinung zu platzieren.</p>
<p>Der Fall Weinreich zeigt allerdings, dass die Beeinflussung traditioneller Massenmedien nicht immer ausreichen kann, um die Kommunikationsherrschaft sicher zu stellen. Denn es ist zu beobachten, dass der DFB ein grandioses Eigentor geschossen hat und derzeit versucht, einen größeren Schaden vom Verband und der Person Theo Zwanziger abzuwenden. Der Versuch, die Kommunikationsherrschaft auch in diesem Thema an sich zu reißen, ist gescheitert und wurde zum Boomerang für den DFB, sodass sie die Wucht ihrer eigenen Interventionen derzeit selber spüren müssen. Verantwortlich dafür ist ein kommunikationspraktisches Paradox. Der DFB woll seine Aufrichtigkeit beweisen und zeigen, dass er über die einzig richtige Interpretation des Falls verfügt. Die Aufrichtigkeit macht er dabei kommunikativ selbst zum Thema.</p>
<p>Geht es um die umfassende Information der Öffentlichkeit über die eigenen Motive des Handelns, zeigt Luhmann (2003: 165f), dass die Organisationen zwangsläufg in ein Darstellungsproblem geraten, sobald sie den Versuch unternehmen, ihr eigenes Operieren vollkommen transparent nach außen zu tragen. Erstens steht der DFB vor dem Problem, dass es schlichtweg nicht möglich ist, Aufrichtigkeit zu kommunizieren. Daher ist es auch nicht möglich durch solch ein Vorgehen das Vertrauen zu erhöhen. Man mag zwar meinen, dass man durch umfassende Information über Entscheidungsprozesse Vertrauen gewinnen könnte. Aber man muss sich dann fragen, wozu Vertrauen überhaupt nötig ist, wenn alles offen liegt und nichts verschwiegen wird. Man wird dann eher vermuten, dass die Forderung nach umfassender Information aus einem Mangel an Vertrauen resultiert!<br />
Ein Mehr an Information bedeutet ein Mehr an Kommunikation, was die Vertrauenslage aber nicht beeinflussen kann, da eine Kommunikation immer die Möglichkeit der Ablehnung beinhaltet. Mehr Kommunikation bedeutet also nicht automatisch höhere Annahmewahrscheinlichkeit, sondern quantitativ mehr Möglichkeiten der Ablehnung. Und verschärfend kommt hinzu, dass forcierte Kommunikation (in diesem Falle: Informieren und Richtigstellen) den Verdacht gegen denjenigen erweckt, der sich so bemüht. Man bewegt sich während des forcierten Informierens in einem Terrain, in dem man vieles falsch machen kann und weniges richtig (wenn überhaupt). Das gilt soweit für beide Parteien des Konflikts. Der Grund für den Umschwung gegen den DFB liegt an einem weiteren Punkt. Denn bei forcierter Kommunikation stellt sich im der überall lauernde Motivverdacht, da die Manöver der Partei von den Mitgliedern und anderen Beobachtern beobachtet werden. Diese können dabei spezifisch nach Motiven unterscheiden und entsprechend auch andere Motive als die Darstellung transparenter Entscheidungsprozesse unterstellen. Durch Kommunikation wird nun ein universeller, unbehebbarer Verdacht frei, der gerade durch jedes Thematisieren und Beschwichtigen nur neuen Verdacht freisetzt. Der DFB kann daher auch keine Transparenz kommunizieren, da sie durch Kommunikation selbst intransparent wird. Wer betont, dass alles offen liegt, oder jedes Detail einsehbar ist, macht dadurch die andere Seite dieser Unterscheidung (offen/geschlossen, einsehbar/versteckt) sichtbar und erweckt dadurch Zweifel. Somit ist das Problem des Motivverdachts nicht dadurch zu lösen, dass Motive kommuniziert werden (vgl. Luhmann 1987: 207ff.).</p>
<p>Wie schon gesagt, könnte man meinen, dass der Boomerang eher auf Weinreich zurückfallen müsste, weil er den Versuch der Transparenz am deutlichsten betont. Allerdings sind seine Bemühungen um Transparenz jeweils als kommunikative Anschlussakte an Entscheidungen des DFB (Klage, Presseerklärung, Interviews) zu sehen. Er selbst tritt nur einmal als Initiator auf, wenn er als ersten Schritt den vom DFB beantstandeten Kommentar verfasst. Danach kann er sich erfolgreich als David im Kampf gegen den übermächtigen Goliath inszenieren. Wer nun dem Internet und im Speziellen den Blogs den Erfolg des Weinreich-Auftritts zurechnet und sich darüber freut, dass das Zeitalter neuer Medien zu einer <a href="http://www.thilo-baum.de/lounge/die-wunderbare-welt-der-medien/es-gibt-keinen-goliath/">Demokratisierung</a> unserer Gesellschaft und der öffentlichen Meinungsbildung führt, der liegt mit seiner Interpretation der Sachlage falsch.</p>
<p>Ohne die Blogs von <a href="http://jensweinreich.de/">Jens Weinreich</a>, <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/">Stefan Niggemeier</a> und <a href="http://www.direkter-freistoss.de/">Oliver Fritsch </a>wäre die Sache sicher nicht so schnell ins Rollen gekommen. Dennoch ist der Erfolg von Jens Weinreich in der Darstellung seiner Position in der öffentlichen Meinung in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass es sich bei den drei genannten um anerkannte und vor allem um bestens vernetzte Journalisten handelt, die ihre Netzwerke für sich ins Spiel gebracht haben. Die öffentliche Darstellung der eigenen Positionen in den eigenen Blogs hat den Vorteil, dass eine umfassende Information und Darstellung relativ problemlos möglich wird. Dass aber Journalistenverbände aktiv werden, internationale Medienberichterstattungen zum Fall entstehen und damit ein Druck gegenüber dem DFB aufgebaut werden kann, das liegt eben erstens daran, dass professioneller Journalismus sich auch dadurch auszeichnet, für den eigenen Standpunkt werben zu können und zweitens sind die plumpen Vorlagen des DFB einfach bestens dazu geeignet gewesen, die Stimmung kippen zu lassen. Die Kontexte der Kehrtwendung gegen den DFB sind in diesem Fall deutlich wichtiger als die medialen Bedingungen in Form von Blogs.</p>
<p>Trotzdem wird es spannend sein, ob und wie der DFB dieses Eigentor in der zukünftigen Ausrichtung seiner strategischen Öffentlichkeitsarbeit miteinbezieht. Wird es künftig Blogger auf der Payroll des DFB geben, um ggf. in der Blogosphäre Einfluss zu nehmen? Ich denke nicht. Vielmehr ist es denkbar, dass der DFB sich an bestimmte, einflussreiche Blogger wenden wird, um sie mit Gefälligkeiten zu einer DFB-konformen Berichterstattung zu motivieren. Dafür könnten exklusive Materialien und Informationen, Einladungen, etc. sorgen. Und wer würde soetwas ablehnen? Viels Sport-Blogger wären wohl dabei und würden sich hinterher wundern, was von ihnen erwartet wird, wenn es zum Fall der Fälle käme.</p>
<p>Kommerzielle Organisationen wie z.B. Sportartikelhersteller machen das schon länger. Vor dem vergangenen Wochenende wurde einer Vielzahl von Bloggern ein <a href="http://www.wortkurve.de/2008/11/23/superlativ/">(Werbe-)Produkt-Video </a>zur Verfügung gestellt, das Riberys rosa Schuhe zum Thema hat. Bis auf <a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2008/11/24/screensport-am-montag-90-sekunden-bewegungslos/">Premiere</a> (<a href="http://www.blog-g.de/archiv/971">was ein ganz anderes Thema ist</a>!) ist aber kaum jemand auf den Zug aufgesprungen. Blogger eigentlich überhaupt nicht. Das ist kein Einzelfall. Als Autor eines <a href="http://www.welt-hertha-linke.de/">Hertha-Blogs</a> bekomme ich auch häufig solche &#8220;Hinweise&#8221;. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der DFB diese Methode adaptieren wird, denke ich.</p>
<p>Nachtrag zur <strong>Literatur:</strong><br />
Luhmann, Niklas (1987): Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie (2. Auflage 1988). Frankfurt a. M.<br />
Luhmann, Niklas (2003): Soziologie des Risikos. Berlin, New York.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/11/24/blogs-und-kommunikationsherrschaft/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>9</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Politik: Placebo oder Homöopathie?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/07/09/politik-placebo-oder-homoopathie/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/07/09/politik-placebo-oder-homoopathie/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 09 Jul 2008 21:38:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdreferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Information]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Mitteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstreferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Wohlfahrtsstaat]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=27</guid>
		<description><![CDATA[Es ist die Unterstellung im Raum, dass das Politiksystem, das „seine&#8221; Probleme selbst schafft indem es sich als Adressat und Lösungsbringer zur Verfügung stellt, diese Probleme gar nicht löst, sondern einfach nur bestimmte „Behandlungsmethoden&#8221; (semantische Ökonomisierung) gewissermaßen darstellt, die dem Patienten, also allen wohlfahrtsstaatlich gesinnten Bürgern, wie beim Verabreichen von Placebomedikamenten einredet, dass (und manchmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist die Unterstellung im Raum, dass das Politiksystem, das „seine&#8221; Probleme selbst schafft indem es sich als Adressat und Lösungsbringer zur Verfügung stellt, diese Probleme gar nicht löst, sondern einfach nur bestimmte „Behandlungsmethoden&#8221; (<a href="http://sozialtheoristen.de/2008/07/07/der-placebo-effekt-des-politischen-systems/">semantische Ökonomisierung</a>) gewissermaßen <em>darstellt</em>, die dem Patienten, also allen wohlfahrtsstaatlich gesinnten Bürgern, wie beim Verabreichen von Placebomedikamenten einredet, dass (und manchmal <em>wie</em>) sie wirken.</p>
<p>Placebo bedeutet, dass die „systemische Veränderung&#8221; des Patienten, substantiell von ihm selbst ausgeht und nur der Auslöser quasi extern zu verorten ist. Nun hat es aber einen Unterschied, ob man, um auf die Gesellschaft als „Placebo-Patienten&#8221; zu sprechen zu kommen, Geld verspricht oder tatsächlich zahlt.</p>
<p><span id="more-27"></span>Die Ankündigung kann mobilisierend wirken, sobald beim Patienten jedoch Kosten entstehen, ist eine substantielle Untermauerung der Ankündung notwendig um einen folgenreichen Effekt zu entfachen. Die Gesellschaft und ihre Teilsysteme lassen sich zwar manchmal durch kluge und passende Semantik überlisten, sie verfügen jedoch nicht (in allen Belangen) über eine eigene Hormonproduktion, die gewissermaßen nur einer Anregung von außen bedarf um selbstorganisiert tätig zu werden.</p>
<p>Sehr oft muss Geld fließen. Und so sorgsam die Politiker auch mit ihren Karrierevorstellungen im politischen Tagesgeschäft umgehen, die politisch regulierten Steuer- und Investitionsgeldströme (und weiteres), sind Fakt.</p>
<p>Politik kann in ihrer gesellschaftlichen Umwelt nicht operieren. Soweit die Theorie. Praktisch gibt es jedoch einen Unterschied ob man damit Irritieren, Regulieren, Kontrollieren und Steuern meint. Politiker können nur über den Informationsaspekt der Kommunikation Referenz zur gesell. Umwelt herstellen. Das Nicht-Operieren meint daher nur, dass der Mitteilungsaspekt zwingend Selbstreferenz bedeutet.</p>
<p>Die Frage ist jedoch, spielt der Mitteilungsaspekt eine Rolle? Muss sich der private Investor von der Abgeltungssteuer politisch <em>angesprochen</em> fühlen, damit sie faktische Wirkung hat oder reicht es, zu beschreiben, dass er ebenfalls, ohne das der Mitteilungsaspekt eine Rolle spielt, von einer Information seiner Umwelt irritiert wird. Wenn es diese faktische Wirkung im Handeln und Erleben des Investors gibt, haben wir es mit einer Regulierung durch Politik zu tun, die das Maß von Placebo weit überschreitet.</p>
<p>Daher die generelle Frage: Sind strukturelle Kopplungen eigentlich immer Kommunikation? Die richtige Antwort ist natürlich: Ja. Es gibt aber viele Beispiele, in denen die Rolle der Mitteilung sehr unwichtig „erscheint&#8221;. Beispielsweise (um vom Beispiel der Geldzahlung wegzukommen) bremst man auf der Autobahn gleichermaßen, egal ob (politisch reguliert) ein Schild aufgestellt wurde oder die Natur einen Baum halb auf die Fahrbahn geworfen hat. Wichtig ist hier doch nur die Information „Achtung, langsam fahren&#8221;. Und erst wenn ein Erzeugnis einer (politisch regulierten) strukturellen Kopplung als „sinnlos&#8221; erscheint, regt man sich über „die da oben&#8221; auf, die dieses und jenes veranlasst (eben mitgeteilt) haben.</p>
<p>Man käme so weg vom Erklärungsmodell des Placebos hin zur Homöopathie, einer Behandlungsmethode die substantiell wirkt, obwohl die eigentliche Substanz in den Hintergrund getreten ist, notfalls aber in ihrer Dosis erhöht werden kann.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/07/09/politik-placebo-oder-homoopathie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

