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	<title>Sozialtheoristen &#187; Kreditkrise</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>&#8220;Politische Gier&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Oct 2008 13:27:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Die Gier&#8221;, das egoistische und rücksichtslose Verhalten, ist das Übel der Wirtschaftskrise, sagen all die, die nicht zwischen sozialen Strukturen und ihren Akteuren unterscheiden können, bzw. nur problematische Akteure sehen und keinen Sinn für Gesellschaftsstrukturen haben. Bestes Beispiel dafür ist die FDP mit all ihren Hampelmännern, die mit Händen und Füßen kämpfen, um ihre Ideologie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Die Gier&#8221;, das egoistische und rücksichtslose Verhalten, ist das Übel der Wirtschaftskrise, sagen all die, die nicht zwischen sozialen Strukturen und ihren Akteuren unterscheiden können, bzw. nur problematische Akteure sehen und keinen Sinn für Gesellschaftsstrukturen haben. Bestes Beispiel dafür ist die FDP mit all ihren Hampelmännern, die mit Händen und Füßen kämpfen, um ihre Ideologie zu retten. „Der Markt ist in Ordnung, das ist, liegt ja teilweise&#8230; überwiegend auch an den Managern&#8221; ist von FDP MdBs zu hören (<a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/der-markt-selber-ist-ok/">hier länger und lustiger</a>).</p>
<p>Das Gier, als menschliche Eigenschaft, nicht Ursache des Übels sein kann liegt auf der Hand. Für „Gier&#8221; gibt es, wie für jede andere Instanz menschlicher Motivation, keinen absoluten Maßstab. Alle Wertungen beruhen auf Ansichten, die auch anders ausfallen können, weshalb es sich lohnt, darüber politisch zu streiten. Man braucht sich aber keine Illusionen machen, darüber auch entscheiden zu können. Moralische Appelle in diesen Dimensionen haben nur die Funktionen, die zu besänftigen in deren Sinne gesprochen wird.</p>
<p><span id="more-167"></span>Gier ist allerdings keine rein wirtschaftliche Motivationsgrundlage. Die Semantik „Gier&#8221; lässt sich soziologisch als Übertreibung der Positivseite des Wirtschaftscodes (des Finanzmarktes) Profit/Verlust zuweisen. Alle wollen Geld gewinnen, aber wer zu viel will, ist gierig. Allerdings lässt sich diese Übertreibung neben der Wirtschaft in allen Funktionssystemen konstruieren. Auch dopende Sportler sind „gierig&#8221;. Genau wie profilierungssüchtige und zitationenzählende Wissenschaftler oder bühnengeile Aufmerksamkeitsjunkies in den Medien.</p>
<p>Oder aber, machtbesessene Politiker. Was den Börsenhändlern ihr Geld ist den Politikern ihr Amt. Ob „geldgierig&#8221; oder „machtbesessen&#8221; es geht um das gleiche Phänomen, im beinah gleichen gesellschaftlichen Kontext, nur das Thema ist ein anderes. Allerdings brauchen sie für die Befriedigung ihrer Gier Anerkennung, die sich in Wählergunst darstellt.</p>
<p>Daher ist es besonders perfide, wenn Politiker, wie gestern bei <a href="http://maybritillner.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,1021235_idDispatch:8022762,00.html">Maybrit Illner</a> und <a href="http://jbk.zdf.de/ZDFde/inhalt/22/0,1872,1020214_idDispatch:8022765,00.html">Johannes B. Kerner</a> meinen, sie könnten im ersten Atemzug den Finanzakteuren Gier vorwerfen um im zweiten Atemzug dem politischen Gegner vorhalten, unfähig und inkompetent zu sein. Es gestaltete sich gestern ungefähr so:</p>
<p>Ein Börsenhändler, Dirk Müller, erklärte eindringlich, dass zurzeit niemand wisse, mit was für einer Situation man gegenwärtig zu tun hat. Die Anzeichen seien aber Besorgnis erregend, man müsse nun nach Orientierung suchen und zusammenarbeiten. Was macht daraufhin Hubertus Heil? Er zieht ein Blatt Papier aus seiner Tasche und liest Otto Fricke von der FDP alte Zitate und Programmpunkte dessen Partei vor. Man kann der FDP inhaltlich natürlich alles vorwerfen, aber in einer Regierungs- und Entscheidungsverantwortung waren sie die letzten 10 Jahre auf Bundesebene nicht. Hubertus Heils SPD dagegen schon und als einzige Partei sogar durchgehend. In der folgenden Sendung, bei Kerner, äußerte sich Hans Eichel, welcher zweiteilig sogar Finanzminister war, und meinte sinngemäß: „Ich habe ja damals dagegen angekämpft, dass wir in Deutschland einen Finanzmarkt wie den im Amerika bekommen um Krisen wie diese frühzeitig abzuwehren.&#8221; Man könnte diese Aussage einem kurzen Fakten-Check unterziehen aber schon die Lächerlichkeit dieser behaupteten Voraussicht soll an dieser Stelle genügen.</p>
<p>Es ist nicht schwierig politischen Gestaltungswillen und Machtgier zu unterscheiden. Politische und wirtschaftliche Gier sind, wenn schon, gleich übel. Amerika erlebt es gerade, die „Geldgierfolgeprobleme&#8221; hätte man vielleicht besser im Griff, wenn man nicht gleichzeitig all seine politische Gier nach Macht in zwei Kriegen ausgespielt hätte.</p>
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		<title>Geld, ein Kommunikationsmedium voller Tücke</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Sep 2008 12:24:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Soziologen von „Medium und Form&#8221; reden, benutzen sie zur Anschauung oft die Sprache. Als Medium der Sprache gelten die nackten 26 Buchstaben unseres Alphabets, aus denen sich unendlich viele Formen (Wörter) schöpfen lassen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass sich ein Medium durch Benutzung weder abnutzt, noch verbraucht. Das Medium verweist auf Möglichkeiten, die sich in Formen manifestieren. Formen wiederum stellen immer einen Bezug zum zu Grunde liegenden Medium dar und verweise so auf andere, nur potenzielle, gegenwärtig nicht manifestierte, Formen.</p>
<p>Geld wird von eingefleischten Kennern als ein ebensolches Medium dargestellt. Eventuell muss man jedoch einige Abstriche machen &#8211; die Finanzkrise entblößt das Geldmedium gerade in entscheidenden Punkten.</p>
<p>1971 wurde unter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Nixon#Pr.C3.A4sidentschaft_.281969.E2.80.931974.29">Präsident Nixon</a> die Kopplung von Dollar und Gold aufgehoben. Bis dahin, so stand es auf allen Dollarscheinen, war ein Dollar einen bestimmten Silber- oder Goldbetrag wert. Geld repräsentierte also einen substanziellen Wert. Wer mehr Geld wollte, musste in kalifornischen Bergbächen Gold finden und es dem Zahlungsverkehr zuführen. Diese Möglichkeit der Geldschöpfung ist natürlich auch heute noch möglich, da Gold 1971 nicht entwertet wurde, sondern nur seine Funktion als Wirtschaftsbasis verlor.</p>
<p><span id="more-150"></span>Die moderne Geldschöpfung erfolgt nun viel einfacher. Geld wird immer dann erzeugt, wenn man sich in Banken einen Kredit holt. Dieses Geld, das durch Kreditgewährung ausgezahlt wird, gab es vor der Kreditbewilligung schlicht nicht. Europäische Geschäftsbanken dürfen auf diese Weise das 50-fache ihrer tatsächlichen Bestände als Kredite vergeben, dies nennt sich passend <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geldsch%C3%B6pfung#Krediterteilung">multiple Geldschöpfung</a>. Geld wird so tatsächlich, wie Sprache, aus dem Nichts erzeugt. „Out of thin air&#8221;, wie man so schön und passend sagt. Durch Benutzung wird kein „wahrer Bestand&#8221; des Mediums im Hintergrund geschmälert oder verbraucht. Falls Geschäftsbanken, und nicht überall gilt die 2%-Reserveregel, Geld benötigen, stehen ihnen die Zentralbanken zur Verfügung, die letztlich beinah direkten Zugang zu den staatlichen Geldpressen haben. Geld ist also tatsächlich ein Medium im systemtheoretischen Sinne.</p>
<p>Allerdings führt diese Konstruktion zu handfesten Problemen. Wenn die Geldmenge nicht auf Substanz zurückzuführen ist, wie etwa auf Gold (Amerika besitzt zurzeit runde 8000 Tonnen Gold, mit einem gegenwärtigen Wert von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Goldreserve">151 Mrd. Dollar</a>), fragt man sich, wie überhaupt Vertrauen im System aufgebaut werden kann (werden konnte). Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge">Geldmenge</a> ergibt sich heute als Summe aller laufenden Kredite (und übersteigt die Goldbestände um eine Fantastilliarde). Aber Kredite sind nichts als der Glaube, dass man verliehene Werte auf Sicht zurückbekommt. Wenn man in diesem System nicht sozialisiert worden wäre, man könnte es nicht glauben.</p>
<p>Hinzu kommt, das diese Motivation, Geld zu verleihen dadurch unterstützt wird, dass man mittels Zins mehr Geld zurückbekommt. Das macht das Kreditwesen so attraktiv. Geld, das jetzt verliehen wird, kommt zurück und ist dann mehr Geld. Nur steckt hinter dem „mehr&#8221; keine echte Wertschöpfung, sondern absolut substanzfreie Geldschöpfung. Das ganze Kreditwesen, und damit das ganze Wirtschaftswesen und damit schlicht alles, ist ein reines Schneeballsystem, das nur durch stetiges Wachstum am Leben erhalten werden kann.</p>
<p>Zurzeit stellt die Welt fest, dass die Wirtschaft und damit das gesellschaftliche Leben, nicht durch Verschuldung ohne Rückhalt alleine weiterexistieren kann und verschuldet sich, um allein beim US-Staat zu bleiben, um weitere 700 Mrd. Dollar. Dadurch sollen zumindest die Bereiche der Wirtschaft gestützt werden, in denen in den letzten Jahren nicht völlig in Luftleeren raum geschossen wurde. Dabei stellt sich nur noch eine Frage, <a href="http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1222717/">warum sollten wir noch vertrauen</a>?</p>
<p>Aktuell steht der amerikanischen Goldreserve von 151 Mrd. Dollar eine staatliche <a href="http://de.reuters.com/article/topNews/idDEHUM13256520080921">Verschuldungsgrenze</a> von 11.315 Mrd. Dollar gegenüber. Dem Kreditmarkt, der insgesamt, börslich und außerbörslich geschätzte <a href="http://egghat.blogspot.com/2008/09/der-bab-bailout-aller-bailouts-ist-700.html">600 Billionen Dollar</a> beträgt, stehen 50 Mrd. Einlagensicherung gegenüber. (Wer hier Angst bekommt, möge bitte auf eigene Faust recherchieren. Man findet nicht viel Handfestes außer einem Zitat von Waren Buffett, er sagt dazu: „<a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/business/2817995.stm">Derivatives are financial weapons of mass destruction</a>&#8220;.Stichwort: OTC-Derivate)</p>
<p>Geld ist als reines Kommunikationsmedium gescheitert. Die Gesellschaft hat sich beim Geld zu sehr auf ihre Kommunikation verlassen und anstatt auf Substanz auf dumme Zahlungswilligkeit gesetzt, die man immer schwieriger findet. Es ist sehr treffend, wenn man in den Medien beim Thema Derivate von „Aufschwatzen&#8221; spricht. Diese Form des Kapitalismus ist nun 37 Jahre alt und hält bereits 10 Jahre länger durch als der Ostblock nach seiner radikalen Abschottung 1961. Allerdings hatte der Westen eben dieses „Glück&#8221;, eine halbe Welt assimilieren zu können. Diesesmal steht jedoch keine weitere Weltregion zur Verfügung, die sich schröpfen lässt. Asien schröpft sich selber und in Afrika gibt es nichts zu holen.</p>
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