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	<title>Sozialtheoristen &#187; Massenmedien</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>„Deine Meinung zählt!“</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 19:37:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rena Schwarting</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
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		<description><![CDATA[Massenmedien als riskante Meinungsmärkte &#8211; Gezahlt wird mit prekärer Aufmerksamkeit Überall wird nach Meinungen gesucht. Ob man den Supermarkt, die Universität, das Kirchengemeindehaus, das Museum oder das Bürgerbüro seiner Stadt betritt, irgendwo findet sich immer ein verstaubter Kummerkasten, ein zu langer Fragebogen oder ein unlesbares Gästebuch. Aber schon lange geht es hier nicht mehr nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://sozialtheoristen.de/2012/02/17/%e2%80%9edeine-meinung-zahlt/abstimmung_deutsche_fotothek_cc-by-sa/" rel="attachment wp-att-3186"><img class="alignnone  wp-image-3186" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2012/02/abstimmung_deutsche_fotothek_cc-by-sa.jpg" alt="" width="648" height="261" /></a></strong></p>
<p style="text-align: left"><strong>Massenmedien als riskante Meinungsmärkte &#8211; Gezahlt wird mit prekärer Aufmerksamkeit</strong></p>
<p>Überall wird nach Meinungen gesucht. Ob man den Supermarkt, die Universität, das Kirchengemeindehaus, das Museum oder das Bürgerbüro seiner Stadt betritt, irgendwo findet sich immer ein verstaubter Kummerkasten, ein zu langer Fragebogen oder ein unlesbares Gästebuch. Aber schon lange geht es hier nicht mehr nur um <em>mitmachen und gewinnen</em>, sondern sozial viel folgenreicher: um Achtung, Missachtung und Verachtung.</p>
<p>Früher kannte man Abstimmungsprozesse fast ausnahmslos vom letzten Wahlgang. Heute ist jeder Tag ein <em>Wahltag</em>. Nicht nur die Marktforschungsinstitute veröffentlichen fast täglich neue Stimmungsbilder und Produktbarometer. Im Netz wimmelt es von Befragungstools über den Rücktritt von Politikern, über den neuesten Hit, das coolste Outfit oder die günstigste Krankenversicherung. Während Wahl- und Parteienforschung regelmäßig über sinkende Wählerquoten und wachsende <em>Politikverdrossenheit</em> klagen, kann von <em>Meinungsverdrossenheit</em> keine Rede sein.<span id="more-3182"></span></p>
<p><strong>Von der öffentlichen Meinung</strong></p>
<p>In interaktiv mitbestimmbaren Massenmedien wird es dabei schwer, private und öffentliche Meinung zu trennen. Der <em>Strukturwandel der Öffentlichkeit</em> hat sich gewandelt. Es ist nicht (mehr) das aus der Privatsphäre hervorgetretende, belesene und wohlgeborene Herrenpublikum, das sich in den Kaffeehäusern, Salons und Tischgesellschaften des 17. und 18. Jahrhunderts wahrheits- und vernunftbegabt im potentiell verallgemeinerungsfähigen Diskurs übt, denn: öffentlich bekundete Meinungen von selbsternannten Eliten müssen nicht unbedingt kritischer, intellektueller oder demokratischer sein als andere. Es lässt sich nicht ohne Weiteres von einer Meinung auf die soziale Herkunft schließen.</p>
<p>In den Massenmedien ist dagegen der Name Programm. Sie suchen nach Masse und nicht nach Klasse. Die Klick-, Einschalt- oder Hörerquote zählt und nicht die Qualität der Meinung. Woran sollte sich diese in einer pluralisierten Gesellschaft, die sich von ihren moralischen Fesseln gelöst hat, auch messen lassen? Der Preis für diese Freiheit ist der Verlust wohlgemeinter und wohlgepflegter Werte und Unterscheidungen, wie einst die zwischen Laien- und Expertenmeinungen. Und warum sollte die Diskussion im Salon moralisch gehaltvoller oder politisch verträglicher sein, als die Gespräche im Wirtshaus, beim Telefon-Joker oder im Internetforum? Es gibt gebildete Rassisten und und dumme Pazifisten.</p>
<p><strong>„Sie sind der Meinung das war&#8230;“</strong></p>
<p>Je nach Verbreitungsmedium treten neue Kanäle zum Einfangen der <em>Echtzeit-Responsiveness</em> auf. Verlage lassen in ihrem jeweiligen Erscheinungsturnus Bücher rezensieren, Zeitungen drucken täglich Leserbriefe und Radiosender kann man stündlich anrufen. Wer im Fernsehen von der passiven Publikumsrolle in die aktive Leistungsrolle schlüpfen möchte, braucht Sympathie, Attraktivität, und/oder andere medientaugliche Gesangs- Moderations- und Tanz-Qualifikationen, die auch hier unermüdlich aufs Neue getestet und bewertet werden. Am Neujahrstag twittert <a href="https://twitter.com/#%21/schlenzalot/status/153572631650635776">Schlenzalot</a>: <em>Plan für 2012: Weltfrieden und eine Castingshow für Twitterer</em>.</p>
<p><strong>Werten und Bewerten</strong></p>
<p>Auch online ist Meinung allerorts gefragt. Ob Plattform, Forum oder Blog, stets ist man aufgefordert zu verlinken, zu empfehlen und zu kommentieren. Eine Invasion von Share Buttons, Leserbriefen und Hörzeiten soll helfen die versteckten Präferenzen und Vorlieben der <em>Audienz</em> aufzuspüren. An diesen <em>unsichereren Orten</em> geht es tendenziell zu wie an den Spitzen von Organisationen, die zu allem eine Meinung haben, aber von nichts eine Ahnung. So ist in modernen Massenmedien alles, was sich irgendwie als <em>Meinung</em> qualifiziert – was einen irgendwie anschlussfähigen Beitrag abgibt – begehrt, weil scheinbar wünschens-, wissens- und vermarktungswert. Ständig sollen wir unseren Senf abgeben und ständig scheren auch wir uns um das gemein(t)e Geschwätz anderer Leute. Ganz selbstverständlich fragen wir nach den Bewertungen Dritter über Kunden oder Hersteller und suchen nach den Fixsternen am standardisierten Verbaucher-Himmel names TÜV, Waren- oder Ökotest. Und geht es weniger um klassische Kauf- als um hohe Kreditentscheidungen, orientiert man sich am finsteren Firmament der Finanzmärkte, wo ein unverrückbares 3er-Gestirn von Bonitätswächtern neue Buchstabenkombinationen aufblitzen lässt, um wieder eine<em> unabhängige Meinung</em> unter vielen anzubieten.</p>
<p><strong>Meinung dient der Vermarktung</strong></p>
<p>Meinung abzugeben wird technisch immer einfacher. Der Facebook <em>I like</em>-Button und die <em>Google-Verplussung</em> sind das Tor für ein milliardenschweres <em>Ad Tracking</em>. Die Selbst- und Fremdkommentierungen von Bild-, Text, und Video-Nachrichten werden dank algorithmischer Kategorisierungen dabei zu Selbstverstärkern unerkannter Wünsche und Trends. Allein dass jede Suche und jeder Seitenaufruf im Netz von Google anonym mitgeschrieben wird, erlaubt bereits ganz neue Möglichkeiten bei der Einpreisung von Online-Anzeigen. Auch wenn einer kausalen Gleichschaltung zwischen Werbeinformation und Warenkauf viele kognitive Grenzen gesetzt sind, ihre Auswahl und Darstellung auf der Seitenleiste beeinflusst dennoch irgendwie ganz ungeniert, unautorisiert und unerforscht das, was wir zu meinen scheinen (werden). Und sei es nicht zuletzt als Ärger über eben diese unintelligente Form der Meinungsvermarktung.</p>
<p><strong>Meinungsmärkte handeln zugleich mit Aufmerksamkeit</strong></p>
<p>Technisch sind Meinungen zwar leicht vermittelbar, aber kognitiv und kommunikativ haben sie ihren doppelten Preis: Jeder Klick und jeder Kommentar wird zur festen Währung auf Meinungsmärkten. Im Vergleich zu anderen Konsumgütern wird Meinung in <em>Aufmerksamkeit</em> gemessen. Sie lässt sich ständig losgelöst vom ursprünglichen Produzenten wieder verlinken und verwerten, und dies entlang einer ständig verlängerbaren (Er)-Schöpfungskette. Texte, Videos und Bilder lassen sich millionenfach anklicken, endlos und sinnlos kommentieren. Gerade wer seine Meinung schriftlich preisgibt, wird dann auch kritisierbarer als in mündlicher Kommunikation. Was in Seminaren oder Meetings noch schnell bestritten oder revidiert werden konnte (eben weil keiner mitschreibt oder auf record drückt), kann im digitalisierten Text beim Wort genommen werden. Meinungsmärkte sind deshalb riskant. Sie verlangen von den Beteiligten ein delikates Aushandeln von Selbst- und Fremderwartungen, dem sie sich immer wieder stellen müssen &#8211; wenn es denn nicht gelöscht oder anders verhindert wird.</p>
<p><strong><em>Asoziale</em> Netzwerke</strong></p>
<p>Wie in geselliger Interaktion ist Aufmerksamkeit ein knappes Gut, das sich sozial, zeitlich und sachlich ungleich verteilt. Wer, wann, und mit wem kommuniziert, kann im Netz jedoch ungleich leichter limitiert, organisiert und vertagt werden. Zutrittsbarrieren lassen sich auf Facebook, LinkedIn &amp; Google+ über die Profil- und Kontoeinstellungen festlegen, die Onlinepresse kann eAbos vergeben und generell ist überall, wo <em>User-Content</em> generiert und genutzt wird, eine Anmelde-Schranke zwischengeschaltet. Während Unterhaltungen schnell wieder in einzelne Zwischengespräche zerfallen, wenn sie kein simultanes Aufmerksamkeitszentrum halten können, kann Aufmerksamkeit im Internet sukessiv auf- und abgebaut werden. Sie kann im Netz damit nicht nur technisch einfacher gesteuert werden, sie ist dort auch einfacher beobachtbar.</p>
<p>Share-Buttons, Statusnachrichten und threads machen Aufmerksamkeit für Meinungen zudem vergleichbar, weil sie messbar und unterscheidbar werden. Klickraten gerinnen zu Themen, die dem öffentlichen Gedächtnis zur Verfügung stehen, da sie ihm helfen zwischen erinnern und vergessen zu unterscheiden. Aber wer auf diesen Märkten keine hohen Werte für seine Meinungen erzielt, gerät dann auch leicht ins Abseits. Denn wer nicht kommentiert, wer nicht retweetet oder empfiehlt, straft seine Autoren mit Nichtbeachtung: Stell Dir vor Du postest eine Nachricht, und keiner liest sie. Stell Dir vor, Du stellst Dateien ins Netz und keiner nutzt sie. Der Entzug und die Gewährung von Aufmerksamkeit hängen dabei eng zusammen mit Fragen der Achtung und Missachtung.</p>
<p><strong>Meinungsinvasion als Ausdruck gesteigerter massenmedialer Konkurrenz</strong></p>
<p>Wenn die Erwartung auf Anschluss und Aufmerksamkeit enttäuscht wird, kann ihre Richtung umschlagen. Ignoranz wird dann zu einem wirksamen Mittel, um andere <em>mit Verachtung</em> zu strafen. Wo es die Möglichkeit zur Meinungskommunikation gibt, da wird Ihr Ausbleiben prekär, denn wer nicht dafür stimmt – sei es per Mausklick, Email, sms oder Telefon – von dem wird das Gegenteil angenommen – sei es gegen die Form oder gegen den Inhalt. Eine unbegründete und unbestimmte <em>Dislike</em>-Information läuft dann ständig implizit mit. Diese Unbestimmtheit kann unerträgliche Erwartungserwartungen provozieren: Wieso ist keiner im Chat? Wieso meldet sich keiner? Wieso wird nicht kommentiert? Öffentliche Meinungskommunikation macht sich dabei immer sichtbarer von der Bewertung Dritter abhängig. Meinungen treten dabei in Wettbewerb um Achtung und Missachtung. Der neurotische Suchzwang nach interaktiven Dritten in den unterschiedlichsten Massenmedien ist damit zugleich auch Spiegel verstärkter Konkurrenz um aufmerksame Beobachter. Und wo sich diese bündeln, da ist auch die ersehnte <em>Relevanz</em>, von der einsame Nutzer, verbissene Unternehmensrivalen und ungekrönte Blogger träumen.</p>
<p>(Bild: <a href="http://www.mediaculture-online.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/abstimmung_deutsche_fotothek_cc-by-sa.jpg">Anja Lochner</a>)</p>
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		<title>Die Perfidie der freien Wahl?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2011/12/09/die-perfidie-der-freien-wahl/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 18:05:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Mürlebach</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>

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		<description><![CDATA[Melanie Mühl setzt sich im Feuilleton der FAZ mit einem Buch Michèle Rotens (&#8220;Wie Frau sein. Protokoll einer Verwirrung&#8221;) auseinander. An dieser Stelle soll der Versuch einer positiven (Re-)Interpretation der Problemstellung unternommen werden, indem gefragt wird, was unter Freiheit heute eigentlich noch zu verstehen ist. Artikel und Buch beschäftigen sich mit einer neuen Generation junger [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://sozialtheoristen.de/2011/12/09/die-perfidie-der-freien-wahl/freie_wahl/" rel="attachment wp-att-2827"><img src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2011/12/freie_wahl.jpg" alt="Ausschnitt aus der FAZ, 09.12.2011, S. 33" width="650" height="250" class="aligncenter size-full wp-image-2827" /></a></p>
<p>Melanie Mühl setzt sich <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/gleichberechtigung-meine-freie-wahl-11555460.html" target="_blank">im Feuilleton der FAZ</a> mit einem Buch Michèle Rotens (&#8220;Wie Frau sein. Protokoll einer Verwirrung&#8221;) auseinander. An dieser Stelle soll der Versuch einer positiven (Re-)Interpretation der Problemstellung unternommen werden, indem gefragt wird, was unter Freiheit heute eigentlich noch zu verstehen ist.<br />
<span id="more-2826"></span><br />
Artikel und Buch beschäftigen sich mit einer neuen Generation junger Frauen, die sich vom Feminismus verabschiedet habe. &#8220;Vergnügt genießt sie die Illusion, sie hätte alle ihre Lebensumstände frei gewählt.&#8221; Frauen dieser Generation blieben zu Hause, &#8216;verschönerten&#8217; ihre Körper, nähmen den Namen des Ehemannes an und besorgten die Hausarbeit. Damit reproduzieren sie genau die Geschlechterrollen, die sie für überholt halten &#8211; diesmal allerdings ganz &#8216;freiwillig&#8217; und mit offenbar zumindest subjektiv überzeugenden Argumenten.</p>
<p>Melanie Mühl stößt damit auf ein Problem der modernen Gesellschaft: Wie kann heute noch erkannt werden, ob jemand frei handelt, wenn nicht daran, dass er oder sie nicht gezwungen wird (vgl. <a href="http://www.uni-bielefeld.de/sozsys/leseproben/luhmann.htm" title="" target="_blank">Luhmann 1995:14</a>)? Für die Autorin gehört die Überzeugung, absolute Wahlfreiheit zu genießen, &#8220;zum Selbstbild der modernen Frau wie ihr Schuh-Tick.&#8221; Von der Organisationssoziologie lässt sich lernen, dass Freiwilligkeit ein wesentlich stärkerer Motivator sein kann als etwa Geld und dass Menschen bereit sind Dinge zu tun, vor denen sie unter allen anderen Umständen zurückgeschreckt wären &#8211; weil sie es freiwillig tun (<a href="http://www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/view/1183/720" title="" target="_blank">Kühl 2005:98ff.</a>).</p>
<p>Die Frage ist, welche Schlüsse daraus zu ziehen sind. Einerseits, und so sieht es die Autorin, ist zu befürchten, dass die aktuelle Generation junger Frauen leichtfertig Errungenschaften riskiert, für die &#8220;sie nicht einmal kämpfen mussten und [deren] Vorzüge für sie wie ein Geschenk vom Himmel fielen.&#8221; Andererseits steckt in dieser Position auch eine gehörige Portion Paternalismus (leider &#8211; positiverweise? &#8211; scheint eine weibliche Form dieses Wortes nicht zu existieren): Mit welchem Recht wirft Frau Mühl eigentlich anderen Frauen vor, &#8220;lieber zum Brazilian-Waxing als zum Wählen&#8221; zu gehen? Ist ein auf politisches Engagement oder berufliche Selbstverwirklichung zielender Lebensentwurf denn objektiv &#8216;besser&#8217;, als der einer mehr auf Äußerlichkeiten bedachten Frau, die ihren ganzen Ehrgeiz darauf richtet, einen solventen Ehepartner zu finden?</p>
<p>Als Mann ist es &#8216;gefährlich&#8217; solche Fragen zu stellen, zumindest in dem Sinne, dass man(n) sich allzu leicht dem Vorwurf aussetzt, den Status Quo, also die eigenen Vorteile aus dem gegebenen Geschlechterverhältnis, erhalten zu wollen. Die &#8216;Gefahr&#8217; besteht allerdings (anders als die Kritiker einer angeblich übermächtigen &#8216;Political Correctness&#8217; glauben mögen) in erster Linie darin, einen Angriffspunkt für Polemik zu bieten, die dann alle anderen Argumente zu überlagern droht. Dieses Risiko lässt sich eingehen, spricht heute doch alles dafür, jungen Menschen von einem solchen Lebensziel abzuraten &#8211; zumal mit Blick auf aktuelle Scheidungsraten und die Vergänglichkeit aller Schönheit &#8211; aber letztlich bleibt es doch jeder und jedem selbst überlassen, welchen Lebensweg sie oder er einschlägt. (Fast könnte es als ermutigendes Zeichen aufgefasst werden, dass es heute eben nicht mehr nur &#8216;Trophy-Wives&#8217;, sondern auch erste &#8216;Trophy-Husbands&#8217; gibt, wäre nicht fragwürdig, ob gerade diese männlichen Verhaltensmuster reproduziert werden sollten.)</p>
<p>Nicht zu bestreiten dürfte aber auch sein, dass mit der Konzentration auf die neusten Moden in Sachen Körperbehaarung andere Probleme in den Hintergrund treten. So lässt sich durchaus vermuten, dass ein angenehmeres Leben führt, wer sich nicht täglich mit den neusten Katastrophenmeldungen aus Berlin, Brüssel oder New York belastet (ganz zu schweigen von den wirklichen Tragödien, die sich tagtäglich außerhalb der westlichen Welt ereignen). Als politischer und normativ denkender Mensch mag man den Mangel an Engagement bedauern, aber wer mag sich anmaßen, den Weg anderer zu ihrem individuellen Glück zu beurteilen?</p>
<p>Die Perfidie der Freiwilligkeit scheint nun darauf zu beruhen, dass junge Frauen heute Geschlechtergerechtigkeit für verwirklicht halten und alte Rollenmuster reproduzieren &#8211; freiwillig. Sie würden damit Geschlechterrollen reanimieren, die früher zwangsweise durchgesetzt wurden. Aber weist diese Beobachtung nicht im Grunde darauf hin, dass heute kein entsprechender Zwang mehr besteht? Dass die <em>wirklichen</em> Ungerechtigkeiten kaum noch anzutreffen sind?</p>
<p>&#8220;Freiheit ist ein soziales Konstrukt, und Wissen ist die Form, in der Beschränkungen eingeführt werden, um Entscheidungen zu ermöglichen.&#8221; (Luhmann 1995:16) Um eine Wahl (eine Entscheidung) zu treffen, bedarf es demnach des Wissens um Alternativen; so weit so trivial. Aber könnte diese Einsicht nicht dazu dienen, die Problemstellung zu reformulieren? &#8220;[F]ormulierte Normen provozieren geradezu die Freiheit, gegen die Norm zu verstoßen.&#8221; (ebd.) Ließe sich also sagen, dass heute weniger Normen formuliert sind und entsprechend die Freiheit schwindet, gegen sie zu verstoßen? Dass das Wissen um früher bestehende Normen &#8216;verloren&#8217; geht (wer würde es vermissen?) und entsprechend das Wissen um die Alternativen zur heutigen Situation? Und wäre das nicht positiv zu werten?</p>
<p>Mühls Satz, &#8220;Frauen können studieren, [...] die Scheidung einreichen und eine Frau heiraten&#8221;, ist mit einem Ausrufezeichen zu beenden! Das soll keineswegs bedeuten, dass heute alles gut wäre, oder dass der Kampf für Gleichberechtigung beendet werden könnte: Fraglos existieren noch genug Normen und Missstände, gegen die sich zu argumentieren lohnt. Anzuerkennen ist aber auch, wie unwahrscheinlich diese Entwicklung vor 50 Jahren gewirkt haben mag (man denke nur an die Serie &#8216;Mad Men&#8217;). Zudem wird auf diese noch bestehenden Probleme sehr wohl aufmerksam gemacht: Es werden Bücher darüber geschrieben und selbst in (<a href="http://www.wolfgangmichal.de/?p=1380" title="" target="_blank">wohl immer noch</a>) eher konservativ zu nennenden Zeitungen wie der FAZ, können Redakteurinnen (sic!) an prominenter Stelle darüber sinnieren.</p>
<p>Statt sich also für &#8216;die Jugend von heute&#8217; zu bedauern und zu beklagen, dass über die Frauenquote noch diskutiert werden muss, lässt sich die Problemstellung positiv betrachten: Wenn Bücher darüber geschrieben werden, dass die neue Generation mit Feminismus wenig am Hut habe, lässt sich das auch so interpretieren, dass (neue) Normen formuliert wurden, gegen die jetzt wiederum verstoßen werden kann. Über das Erreichte kann man sich freuen, daraus Kraft ziehen, gute Argumente (etwa für die Quote) zu formulieren und aushalten, dass es Menschen gibt, die sich dafür nicht (mehr) interessieren (müssen).</p>
<p>PS: Auffällig in dieser Hinsicht auch die Vehemenz, mit der sich über junge Frauen <a href="http://9gag.com/gag/57287/" title="" target="_blank">lustig gemacht wird</a>, die alte Rollenmuster noch meinen verteidigen zu müssen.</p>
<p>PPS: Das diesen Post verzierende Symbolbild diente eigentlich der Illustration des in der Print-FAZ nebenstehenden Artikels über einen alternden &#8216;Partykönig&#8217;, ist aber durchaus in doppelter Hinsicht sinnig.</p>
<p>Literatur:<br />
<a href="http://www.uni-bielefeld.de/sozsys/leseproben/luhmann.htm" target="_blank">Luhmann, Niklas (1995):</a> Kausalität im Süden, in: Soziale Systeme 1.1, 7-28.<br />
<a href="http://www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/view/1183/720" target="_blank">Kühl, Stefan (2005):</a> Ganz normale Organisationen &#8211; Organisationsoziologische Interpretationen simulierter Brutalitäten, in: Zeitschrift für Soziologie 34.2, 90-111.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Digitale Revolution ohne Verantwortung?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2011/06/16/digitale-revolution-ohne-verantwortung/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 15:12:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Sascha Lobo ist sicher nicht der einzige, aber sicherlich ein relativ prominenter Vertreter, der wiederholt mehr E-Government und mehr Mitbestimmung, bzw. Bürgerbeteiligung durch das Internet fordert. Aktuell tut er dies via Spon und schließt: Was wir jetzt nicht brauchen, sind keine Experimente. Und die müssen so lange durchgeführt werden, bis ausreichend viele und unterschiedliche Leute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" src="http://farm3.static.flickr.com/2525/4125136601_f27f5decf5_d.jpg" alt="" width="500" height="288" /></p>
<p>Sascha Lobo ist sicher nicht der einzige, aber sicherlich ein relativ prominenter Vertreter, der wiederholt mehr E-Government und mehr Mitbestimmung, bzw. Bürgerbeteiligung durch das Internet fordert. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,768496,00.html">Aktuell tut er dies via Spon und schließt</a>:</p>
<blockquote><p>Was wir jetzt nicht brauchen, sind keine Experimente. Und die müssen so  lange durchgeführt werden, bis ausreichend viele und unterschiedliche  Leute mitmachen.</p></blockquote>
<p>Mitbestimmung oder Bürgerbeteiligung via Internet, oder jetzt Neudeutsch: E-Government, klingen ideal, wünschenswert und erfreulich. Das virtuelle &#8216;Hurra, jetzt geht es los&#8217;-Geschrei scheint einem fast aus jedem solcher Statements entgegen zu kommen. Doch es passiert nichts. Seit Jahren übrigens. Und dass, obwohl technisch längst alle Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Die digitale Revolution des politischen Systems bleibt aus. Und das hat Gründe.</p>
<p><span id="more-1837"></span></p>
<p>Die Gründe liegen allerdings nicht darin, dass bisher zu wenig Experimente stattgefunden haben. Es liegt auch nicht an der allgemeinen Politikverdrossenheit oder an dem Unwillen der breiten Bevölkerung, sich politisch im Netz zu engagieren. Es liegt auch nicht an den Politikern, die nicht &#8216;auf ihr Volk hören&#8217; wollten. Die Gründe für das Ausbleiben der digitalen Revolution liegen darin, dass alle bisher diskutierten Vorschläge am Problem der Komplexitätsreduktion scheitern. Mit der Unterscheidung von <em>Beteiligung am politischen Diskurs vs. Beteiligung an einem politischen Verfahren</em> und der Unterscheidung von <em>Meinungäußerung vs. Verantwortungsübernahme</em> lässt sich das ganz gut zeigen.</p>
<p>Das Problem an Lobos Beitrag ist, dass er nicht zwischen Beteiligung am Diskurs und Beteiligung am Verfahren des politischen Systems unterscheidet. Woran das Netz sicherlich nicht krankt, ist die Beteiligung am politischen Diskurs. Es gab wohl noch nie eine so pluralistische, milieu- und raumüberschreitende Auseinandersetzung wie heute. Möglich geworden ist das durch das Internet. Keine Frage, es handelt sich dabei um eine unumkehrbare Errungenschaft der letzten Jahre. Die Beteiligungsmöglichkeiten am öffentlichen Diskurs werden immer breiter und vielfältiger genutzt. Ein Ende dieser Entwicklung ist kaum abzusehen. Es gibt keine gesellschaftlichen Bereiche mehr, die nicht politisiert werden können. Im Diskurs wird durch das Einbringen von Meinungen, Perspektiven, Fakten usw. Komplexität geschaffen. Unterschiede werden sichtbar, es läuft auf Dissenz hinaus. Auch wenn man sich einigt, springen sogleich die doppelte Anzahl an Gegenspielern aus den Weiten des Netzes und markieren die andere Seite der Unterscheidung. Nichts anderes passiert während der Debatten (nicht bei den Wahlen!) des Bundestages oder der Parteitage: Es wird Dissens markiert und Komplexität erzeugt.</p>
<p>Die Beteiligung am politischen Diskurs ist aber nicht gleichzusetzen mit der Beteiligung an einem politischen Verfahren. Ein Verfahren geht die umgekehrte Richtung. Es reduziert die Komplexität nach einer bestimmten Regel solange, bis ein Sollwert erreicht ist. Am Ende steht in der Regel eine einfache Unterscheidung: Ja oder nein. Oder: Eins aus zehn. Warum ist es wichtig zwischen der Beteiligung am Diskurs und am Verfahren zu unterscheiden? Es ist offensichtlich, dass man sich nicht mit den gleichen Mechanismen am Verfahren beteiligen kann, die man im Diskurs nutzt. Aber genau dieser Unterschied wird nicht deutlich, wenn man so wie Lobo nur auf den Euphorie-Button drückt und den Eindruck erweckt, jeder müsse nur überall seine Meinung kund tun dürfen. Dann würde das schon was werden, mit aktiver Bürgerbeteiligung im Netz.</p>
<p>Meinungsäußerung funktioniert schon ganz hervorragend im Internet. Vielleicht sogar zu gut. Es macht aber einen Unterschied, ob es technisch möglich ist, seine Meinung zu äußern oder ob man eine breite Verantwortungsübernahme der Bevölkerung einfordert. Auch hier verwischt Lobo die Grenzen der Unterscheidung geschickt mit dem euphorischen Verweis auf die technischen Möglichkeiten. Eine Meinung zu haben und diese öffentlich zu äußern, mag für das Individuum große Bedeutung und Tragweite haben, ist jedoch weitestgehend folgenlos für die Gesellschaft. Die Verantwortungübernahme der Meinungsäußerung beschränkt sich nämlich auf sich selbst. In einem politischen Verfahren zu entscheiden hat dagegen Folgen für die Gesellschaft. Man trägt mit dieser Entscheidung eine übergeordnete Verantwortung, die weit über den eigenen Horizont, die eigene Erfahrungswelt und die individuellen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und -verarbeitung liegen.</p>
<p>Als Einzelner ist man nicht in der Lage, diese Komplexität zu reduzieren. Man entscheidet zwangläufig nach Maßgabe unzureichender Information und emotionaler Irrationalität. Auch Politiker tun dies, wie man offenkundig immer wieder vorgeführt bekommt. Ihre Entscheidung ist aber stark gebunden an die Möglichkeit zur Verantwortung gezogen zu werden. Sie übernehmen Verantwortung, indem sie sich am politischen Verfahren als Gewählte beteiligen und die Möglichkeit institutionalisiert ist, die Herrschenden abzuwählen. Hier wird deutlich, warum es sich lohnt zwischen Meinungsäußerung und Verantwortungsübernahme zu unterscheiden. Was würde nämlich passieren in den Experimenten, die Lobo fordert: Man würde Ergebnisse kollektiver Dummheit und Irrationalität erzeugen, für die man nicht einmal jemanden verantwortlich machen könnte. Auch wenn wir von unserem Wahlrecht Gebrauch machen, erzeugen wir Ergebnisse kollektiver Irrationalität. Allerdings ist hierbei noch nichts an konkreten Entscheidungen vorweg genommen worden. Lediglich die Komplexität wurde soweit reduziert, dass die Gewählten sich einen Reim auf die kollektiv erzeugte Irrationalität machen müssen. Wenn sie dabei falsch liegen, werden sie abgewählt. Wie letztlich die Komplexität reduziert wird, ist daher nicht entscheidend. Denn es ist nicht in erster Linie wichtig eine Meinung zu haben und diese äußern zu können. Viel wichtiger ist die Frage, wer Verantwortung übernimmt. Und genau diese Frage bleibt bei Lobo ungeklärt.</p>
<p>Abschließend sei angemerkt, dass ich kein Feind von Innovationen des politischen Systems bin und mich ausdrücklich freuen würde, wenn es gelänge das politische Verfahren durch die Möglichkeiten des Internet zu bereichern. Allerdings wünsche ich mir eine differenziertere Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Partizipation. Und so bedauerlich es sein mag, von dieser Art Diskurs sind wir noch viel zu weit entfernt., um uns realistische Hoffnungen auf Veränderungen machen zu können.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/charliedees/">charlesdyer</a></p>
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		<title>Demokratische Informationsgewinnung durch Komplexität reduzierende Kollektiv-Maschinenintelligenz</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/04/11/demokratische-komplexitatsreduktion-durch-kollektiv-maschinenintelligenz/</link>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 15:31:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Internet]]></category>
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		<description><![CDATA[Das ZDF-Nachtstudio übers Internet mit Sascha Lobo, Mario Sixtus, Astrid Herbold und Peter Kruse ist weder interessant noch unterhaltsam. Mit Sascha Lobo als Außnahme reden sich alle beim Internetbeschreiben in Rage, nutzen Begriffe die nicht ganz klar sind und führen vernunft- und homozentrische Paradigmen, die schon vor 50 Jahren als albern abgehakt wurden. Die Sendung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-818" title="nachtstudio" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/04/nachtstudio.jpg" alt="" width="550" height="258" /></p>
<p>Das <a href="http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,8054783,00.html">ZDF-Nachtstudio</a> übers Internet mit Sascha Lobo, Mario Sixtus, Astrid Herbold und Peter Kruse ist weder interessant noch unterhaltsam. Mit Sascha Lobo als Außnahme reden sich alle beim Internetbeschreiben in Rage, nutzen Begriffe die nicht ganz klar sind und führen vernunft- und homozentrische Paradigmen, die schon vor 50 Jahren als albern abgehakt wurden. Die Sendung verlief ungefähr so:</p>
<p><span id="more-803"></span></p>
<ul>
<li>Astrid Herbold meint, die Interneteurphorie störte sie. Sixtus fragt, wer denn das Internet so bejubelt. Sie traut sich aber nicht ihn selbst und seinen <a href="http://sozialtheoristen.de/2010/02/05/das-rundum-gute-internet/">blind-jubelnden</a>, amtsmüden Elektrischen Reporter zu nennen.</li>
<li>Lobo wird gefragt, warum das Internet mehr (sozial) ist als bloß eine (sachliche) Suchmaschine. Er erzählt: jede Metapher die das Internet beschreibt, greift zu kurz. Es ist jeden Tag ein neues Netz, daher kann man es nicht beschreiben. Aber es ist irgendwas damit.</li>
<li>Peter Kruse meint: Der Geist kann ja wohl schlecht aus der Maschine kommen. Die Aufgabe der Verknüpfung der Information kann nur von Menschen gelöst werden. Später meint er: Man darf die alten Methoden nicht auf die neuen Medien anwenden, sondern (und das ist wohl neu?) Musterbildung zulassen. &#8220;Musterbildung schafft Wahrheit&#8221;. Mit Musterbildung meint er aber Mustererkennung, und somit eine Aufgabe des erkennenden Menschen und nicht des Mediums, der Maschine.</li>
<li>Peter Kruse meint: Das Internet und die &#8220;Realität&#8221; sind beide (zu) komplex aber wir wissen nur, wie wir mit der einen Art umzugehen haben &#8211; die onlineige Komplexität ist uns (noch) fremd.</li>
<li>Peter Kruse meint, das Internet hält kontextfreie Information bereit. (Er vergisst jedoch zu erwähnen, was das bedeutet und was er damit sagen will.)</li>
<li>Sascha Lobo meint, es gibt eine &#8220;Qualität in der Maschine&#8221;. Aber ihm wird widersprochen &#8211; es sei nur ein Algorithmus für Käuferstatistiken usw..</li>
<li>&#8220;Kollektive Intelligenz&#8221; &#8211; Es wird 5 Minuten zu diesem Begriff frei assoziiert.</li>
<li>Kruse sagt &#8220;Soziale Systeme&#8221; und meint Menschengruppen.</li>
<li>Sascha Lobo erzählt von &#8220;sozialen Filtern&#8221; &#8211; Kruse: Vertrauensverluste in Informationen und Experten.</li>
<li>Mit &#8220;Reduktion von Komplexität&#8221; meinen alle irgendwas, keiner sagt, was genau.</li>
<li>&#8220;Demokratiesierung des Wissens&#8221; &#8211; niemand sagt, was er damit meint &#8211; Sixtus sagt: &#8220;persönliche Entscheidungen können besser werden&#8221;.</li>
<li>Astrid Herbold (Peter Kruse zustimmend): Die Macht kommt nicht von Google, sondern von den Menschen. Kruse: &#8220;Wenn es Google nicht macht, macht es jemand anderes.&#8221;</li>
</ul>
<p>Es sind also viele offene Punkte, für die genügend Zeit gewesen wäre. Z.B.:</p>
<p>Worin besteht das Erfolgsrezept von Google? Peter Kruse meint, es hilft dem Menschen beim Auffinden von Informationen, die &#8220;kontextfrei&#8221; zur Verfügung gestellt werden und mit denen sich erkennende Musterbildung betreiben lässt, die die Welt &#8220;aus dem Kleinen zum großen Ganzen&#8221; zusammensetzt. Die (exakte) Gegenthese, die mir viel einleuchtender erscheint ist aber, dass Googles Erfolg darin besteht, gerade die Kontextualisierung samt Musterbildung (die Peter Kruse dem Nutzer zuschreibt) besonders erfolgreich zu betreiben und den Nutzer von diesen Aufgaben zu entlasten. Google ist am erfolgreichsten, weil es uns am besten hilft. (Die Gegenfrage wäre, ob Peter Kruse sich das Internet als Quelltext anguckt und sich den Rest selbst denkt, so wie der eine Operator in The Matrix.)</p>
<p>Sascha Lobo wird heftig widersprochen, als er erwähnt, dass der Maschine eine Qualität zuzusprechen ist. Dabei war dies der klügste Satz der ganzen Diskussion. Nur darf man nicht so an die Sache rangehen, zu behaupten, erst die Computer-Maschine hält mensch-externe Denk/Intelligenz-Qualität bereit (er als Riesenmaschinist weiß das, die anderen weigern sich). Wenn wir Menschen tatsächlich jede Entscheidung selbst treffen müssten, kämen wir zu nichts. Also überlassen wir viele Entscheidungen der Gesellschaft: Wann fährt der Bus?, was gibts zu kaufen?, wann muss man in die Schule?, wann wird Alkoholgetrunken? (Natürlich kann man ein sehr unbequemes Leben führen und die Entscheidungen doch selbst treffen. ;-) Kruse würde jetzt widersprechen und sagen: Aber es sind doch alles Menschen (im Hintergrund) und man müsste sagen: Ja, überall sind Menschen, dennoch sind diese gesellschaftlichen Prämissen Ergebnisse von <span style="text-decoration: underline;">sozialen</span> Entscheidungs<span style="text-decoration: underline;">verfahren</span>: von Planung. Niemand einzeln wäre an ihnen Schuld. Menschen bringen sich ein, bringen sich nicht ein, müssen sich einbringen, verpassen sich einzubringen &#8211; das Regulativ für diese Koordinationsleistungen sind soziale, keine psychischen Mechanismen. (Das kann man aber als Organisationsberater wie Peter Kruse einer ist nicht akzeptieren, wem sollte man diese Entmächtigung des Einzelnen verkaufen? &#8211; &#8220;Führungskräften&#8221; jedenfalls nicht.)</p>
<p>Ich will es mal dabei belassen, obwohl man noch eine Weile so weitermachen könnte. Peter Kruse meinte z.B. auch, und das entspricht seinem Tenor, die Macht geht nicht von Google (bzw. Facebook) aus, sondern von den Menschen. Das Argument: Wenn es Google nicht macht, macht es jemand anderes. (Das hat er nicht selbst gesagt, aber entschieden bejaht.) Das ist natürlich merkwürdig. Wenn es Facebook nicht gäbe, liefe dann 14% des Internets über StudiVZ (die Anderen)? Ebenso redet er stets von &#8220;Reduktion von Komplexität&#8221;, beschreibt aber ein Problem, dass eher zu seinem Mustererkennungsmethoden gehört. Es handelt sich also auch dabei um irgendwas psychisches. Ebenso könnte man sich noch Gedanken über die &#8220;Demokratisierung von Information&#8221; machen. In dem Begriff &#8220;Demokratisierung&#8221; steckt dabei immer so ein Hinweis auf etwas das passiert, wenn Information frei(er) verfügbar ist. Die interessante Frage ist, worauf dieser Hinweis zielt &#8211; doch darüber wurde nichts gesagt.</p>
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		<title>Der unsoziale Charakter der neuen Zweitgehirne</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/02/16/der-unsoziale-charakter-der-neuen-zweitgehirne/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 22:32:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Buzz]]></category>
		<category><![CDATA[Echtzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Echtzeit-Internet, es bleibt hier noch eine Weile als Thema erhalten. Diesmal durch die wirklich gute Idee, das Internet als Exoskelett des Denkens zu bezeichnen. Seit Mitte 2007 kann man das Internet und mit ihm das gesammelte Weltwissen, in der Hosentasche mit sich tragen. Es ist nicht mehr an den (großen) Computer und damit weder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-715" title="soziales Netzwerk" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/02/sozialeInternet.jpg" alt="" width="550" height="293" /></p>
<p>Das Echtzeit-Internet, es bleibt hier noch eine Weile als Thema erhalten. Diesmal durch die wirklich gute Idee, das <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/crtl-verlust/archive/2010/02/16/wir-das-buecherregal-twitter-und-mein-mentales-exoskelett.aspx">Internet als Exoskelett des Denkens</a> zu bezeichnen. Seit Mitte 2007 kann man das Internet und mit ihm das gesammelte Weltwissen, in der Hosentasche mit sich tragen. Es ist nicht mehr an den (großen) Computer und damit weder an einen festen Standort noch an anwendungsaufwendige Technologie gebunden. Es ist einfach da, wenn man es braucht – auf Knopfdruck.</p>
<p><span id="more-716"></span></p>
<p>Vor etwa einem Jahr bin ich dazu übergegangen, mein iPhone als vollwertiges, manchmal sogar mehrwertiges „Zweitgehirn“ zu betrachten und es auch so zu nennen. Jeder Text, der diese Idee teilt, erhält meine volle Aufmerksamkeit.</p>
<p>Michael Seemann versucht sich nun daran das Phänomen für Außenstehende zu erfassen und zu beschreiben. Sympathischer Weise stützt er sich auf Soziologen, inhaltlich und namentlich. Ich denke allerdings, er setzt auf einer, wenn man sie auflöst, nicht haltbaren Problemstellung auf. Denn wieder einmal wird versucht, ein Phänomen als <em>neu</em> zu beschreiben, obwohl weniger seine Neuheit als die Andersartigkeit das Problem ist. (Bei der Markierung von Phänomenen als „neu“ ist zudem stets die soziologische Testfrage angebracht, ob es sich tatsächlich um ein neues Phänomen oder nur um eine neue Idee (s)einer Beschreibung handelt. Beim Thema hier müsste man sagen, dass eine Struktur seit langem gegeben ist, der nun eine adäquate Beschreibung nacheilt.)</p>
<p>Die These des verlinkten Textes: Das mobile Internet erlaubt uns, Gehirnleistungen zu externalisieren. Die nicht hinterfragte Frage ist allerdings: Ist das Phänomen der Externalisierung von Gedächtnis und Intelligenz erst durch das Internet geschaffen worden?</p>
<p>Dazu zwei Anmerkungen:</p>
<p>(1) Für keine historische Zeit kann man davon ausgehen, dass das menschliche Gehirn (bzw. Bewusstsein) das einzige selbstreferentielle System ist, dass sich mit Methoden und Programmen der Erkenntnisproduktion der Welt zuwendet. Auch ohne Internet, Computer, ARD/ZDF oder gar Buchdruck ist der Mensch von sozialen Systemen „umhüllt“, die durch ihre Struktur Orientierungsleistungen <em>erbringen</em>. Diese Strukturen reduzieren Möglichkeiten, legen objektive Gegebenheiten fest und schränken Erwartungen ein. Dieser Bereich lässt sich nur mit großen Mühen umschreiben und unterscheiden – es reicht hier allerdings auf die Kurzformel „Kultur“ zurückzugreifen.</p>
<p>Jedes soziale Umfeld, sei es eine mittelalterliche Villikation im 9. Jhd., ein Königshof im 14. Jhd., eine Fabrik im 18. Jhd. oder ein Webforum im 21. Jhd. ist geprägt, bevor man als Einwohner, Angestellter, Mitarbeiter oder „Internetcommunitybenutzer“ hinzutritt. Das fällt besonders auf, wenn man zum ersten Mal auf ein spezifisches Umfeld stößt. Man erlebt einen „Praxisschock“ in der ersten Firma oder den berüchtigten „Kulturschock“ an spanischen Bushaltestellen.</p>
<p>In all den Fällen erlebt die Person das Problem der Externalisierung von Gehirnleistungen, weil es auf soziale Strukturen, Identitäten und Gedächtnisse trifft und diese mit der psychischen Struktur und Identität (Gedächtnis) in Einklang bringen muss. Nachdenken ist schwierig und zeitaufwendig und wird am liebsten vermieden. Die Strategie ist, seit ewig, auf externe Vorleistungen zurückzugreifen.</p>
<p>(2) Das Internet reiht sich in diese Reihe von Maschinen zur Bereitstellung von Strukturen ein. Es fällt allerdings durch Besonderheiten auf. Während die stetig fortgeschriebene Dorfgeschichte, das Ritual am Hof oder das Abendprogramm des Fernsehens so beschränkt ist, dass es implizit als für jeden gleich gegeben unterstellt werden kann, ist das Internet ein Medium, dass jeder individuell erlebt. Während man eine TV-Sendung gesehen hat oder nicht, kann man Sachen aus dem Internet wissen, nicht wissen, über Bande erfahren haben, dort oder dort gelesen haben, gerade erst gelesen haben, schon häufig gelesen haben, lange nicht mehr gelesen haben, … . Das Internet hilft im Alltag ungemein, aber kaum bei der Herstellung von Gesprächsgrundlagen.</p>
<p>Die Externalisierung von Gedächtnisleistungen ist durch das Internet kaum anders gegeben, als durch viele andere „kulturelle Medien“. Doch es fällt durch seinen unsozialen Charakter auf. <em>Mein</em> iPhone erweitert <em>mein</em> Gehirn. Man ist zwar ständig versucht, diese Leistung durch Twitter-Facebook-Buzz-Sharings auch anderen Gehirnen zur Verfügung zu stellen, aber im Vergleich zu den traditionellen Massenmedien gelingt dies kaum bis überhaupt nicht.</p>
<p>Zusammengefasst:</p>
<p>Das Internet externalisiert auf <em>neue</em> und hervorragende Weise individuelle Gehirnleistungen. Es lässt uns Zitate speichern, Zusammenhänge recherchieren, Bilder und Videos festhalten und ansehen, Dinge rechnen, Fakten und Orte suchen. Die Leistung der Komplexitätsreduktion gilt aber immer nur mit Bezug auf ein Individuum.</p>
<p>Und um das Durcheinander des Textes perfekt zu machen, noch ein paar Thesen:</p>
<p>- Das Internet ist unsozial. Gegenwärtig erinnert es an eine riesige iPod-Party. Alle sind da und tanzen, aber jeder hat die Ohren zu, hört seine eigene Musik und niemand hört die Musik des anderen.</p>
<p>- Das „sharen“ von Internetinhalten ändert an diesem iPod-Party-Phänomen kaum etwas.</p>
<p>- Während das Internet die Personen weiter individualisiert, objektiviert es auf der anderen Seite die Nutzer. Das Internet interessiert sich für objektivierte Merkmale seine Nutzer.</p>
<p>Unterthese: Der Unterschied und das Verhältnis von „individualisierte Person“ und „objektivierter Nutzer“ ist nicht nur unerforscht, sondern unbekannt – wird jedoch die Zukunft prägen.</p>
<p>- „Frank Schirrmacher hat <span style="text-decoration: underline;">recht</span>, wenn er sagt, dass das Denken aus den Köpfen in die Maschinen auswandert“. (Zitat: verlinkter Text) Bis vor wenigen Jahren wurde von Personen entschieden was im Radio läuft, wie ein Supermarkt aufgebaut ist, welche Lackfarben produziert werden, wer am Flughafen genauer kontrolliert wird. In diesen und vielen weiteren Bereichen (von den wir vielleicht nichts wissen), wurde die Denk- und Entscheidungslast an Maschinen abgegeben.</p>
<p>- Das iPhone oder jede andere Internetmaschine, die blitzschnell herangezogen werden kann, um Fakten zu untermauern oder Vergessenes zu erinnern, wird in Interaktion immer ein Fremdkörper bleiben.</p>
<p>(<a href="http://www.flickr.com/photos/27403767@N00/3033724807/">Bild</a>)</p>
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		<title>Das rundum gute Internet</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/02/05/das-rundum-gute-internet/</link>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 14:04:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Internet macht Spaß, hilft, vereinfacht, beschleunigt, stellt Nähe her, unterhält und informiert. Das Internet kann in seinem gegenwärtigen Zustand als rundum gut bezeichnet und beschrieben werden. Und wer doch was zu mäkeln hat, hat es eben noch nicht richtig verstanden. Aber das Internet hilft auch da weiter, man kann sich mithilfe des Internets über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-698" title="anonymitaet" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/02/anonymitaet.jpg" alt="" width="550" height="289" /></p>
<p>Das Internet macht Spaß, hilft, vereinfacht, beschleunigt, stellt Nähe her, unterhält und informiert. Das Internet kann in seinem gegenwärtigen Zustand als rundum gut bezeichnet und beschrieben werden. Und wer doch was zu mäkeln hat, hat es eben noch nicht richtig verstanden. Aber das Internet hilft auch da weiter, man kann sich mithilfe des Internets über das Internet selbst informieren. Es stellt sich in gewisser Weise ein Anti-Teufelskreis ein. Man muss sich vom Internet nur infizieren lassen, dann findet man es, wie sollte es anders sein, zwangsläufig gut.</p>
<p><span id="more-695"></span>Dies scheint der aktuelle Stand der „Diskussion“ zu sein. Jeder Versuch das Internet und seine auffälligen Merkmale mal nicht von der Prämisse „das Internet ist gut“ aus zu beschreiben, muss sich Frechheiten gefallen lassen. Es sind eben die „<a href="http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/200/">Schirrmacher dieser Welt</a>“, die die Stimmung vermiesen und sich profilieren, ach ja, und sie sind ja gleichzeitig die Verleger – kein Wunder, dass sie kritisieren.</p>
<p>Aber sind es nicht gerade die Feuilletonisten, die die Aufgabe haben vor Gefahren zu warnen, wo es sonst vielleicht noch niemand tut. Auf die Wissenschaftler hört niemand mehr. Und jetzt werden auch die Feuilletonisten allmählich diskreditiert, als Nicht-Versteher abgestempelt und als Belustigungsfolie genutzt.</p>
<p>Historische Parallelen dieser Art des vereinfachten Gutfindens: Noch 1970 konnte man im Fernsehen als Professor auftreten und behaupten, die Rohstoffe der Erde sind unerschöpflich. Einen Verbrennungsmotor zu benutzen hat nur Vorteile. Bis 1990 konnte man mit gleicher Ernsthaftigkeit und Reputation behaupten, der Kapitalismus würde von einer unsichtbaren Hand geregelt und brauche darüber hinaus keine weitere, erst recht keine menschliche, Einmischung. Waffenbesitz, Atomstrom, Gentechnologie – das alles lässt sich blind feiern. Alle diese Ideologien setzen eine Idee zentral und vergessen, dass es sich nicht um ein Naturgesetz, sondern nur um eine Idee handelt, die ebenso anders lauten könnte.</p>
<p>Es gibt aber nur ein sicheres gesellschaftliches Naturgesetz: Alles hat Gefahren. Nichts auf der Welt entsteht, weil es einfach gut ist, sondern weil die guten Seiten überwiegen. Und es sollte bedenklich stimmen, dass die schlechte Seite des Internets so unerforscht ist. Unbekannt ist sie längst nicht mehr.</p>
<p>Anstatt den x-ten toll aufgemachten Elektrischen Reporter zu gucken sollte man sich lieber den Textwerken des <a href="http://www.ccc.de/">CCC</a>, des <a href="http://www.foebud.org/">FoeBud</a> und der <a href="http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~E74363D27AD1A4C139AEC69629C90BD9E~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Feuilletons</a> annehmen. Und man sollte nicht zu schnell verzagen, weil die Debatten dort ohne Eigennamen auskommen, also kein Google-Facebook-Apple-Bashing stattfindet, sondern die Strukturen selbst thematisiert werden.</p>
<p>Über die Zeit habe ich festgestellt, dass besonders diejenigen, die über Bande von sich behaupten das Internet verstanden zu haben, am wenigsten verstehen. Dazu zählen Personen wie <a href="http://lumma.de/">Nico Lumma</a>, <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/">Thomas Knüwer</a>, <a href="http://medialdigital.de/2010/02/02/jeff-jarvis-die-zukunft-des-journalismus-ist-unternehmerisch/">Jeff Jarvis</a> und viele Weitere.</p>
<p>Wenn man sich davon löst, sich zu freuen, dass Flugzeugunglücke 20 min. schneller auf Twitter als auf den Zeitungswebseiten die Runde machen, kann man sich den ernsten Fragen zuwenden: Wie kann ich eine Zeitung lesen, ohne dass irgendjemand mitbekommt, was ich lese? Wie kann ich Sachen kaufen und dabei mit Bargeld bezahlen, ohne das der Vorgang registriert oder gar gespeichert wird? Wie kann ich erfahren, was meine Bank über mich weiß und wer von meiner Bank Sachen über mich weiß? Wie kann ich sicherstellen, dass meine Darstellung auf meiner Person fußt, anstatt auf der Aggregation von Merkmalen meiner Umwelt? Wie lässt sich die lebensnotwendige Anonymität und Flüchtigkeit auch im Internet herstellen?</p>
<p>(Als großer Fan des Internets und seiner Annehmlichkeiten muss ich sagen, dass mir das Problembewusstsein von Frank Schirrmacher dennoch am realistischsten erscheint. Nur eine Sache muss ich auch bei ihm kritisieren: die ständige Unterscheidung von online und &#8216;wirklicher&#8217; Welt. Die finde ich, auch wenn sie nur zur Illustration benutzt wird, immer verschleiernd.)</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/larskflem/95757299/">Lars Kristian Flem</a>)</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>(Neu-) Ordnungen der Massenmedien.</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/ordnungen-der-massenmedien/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 17:40:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Plönges</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>

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		<description><![CDATA[Der vorliegende Artikel geht auf Stefans Angebot zurück, hier ein eigenes (zwischenzeitliches) Resümee der Diskussion um die künftige Rolle der Massenmedien veröffentlichen zu können. Die Diskussion selbst schließt an den ursprünglichen Artikel über die Selektionskriterien der Wikipedia an. Alle wesentlichen Gedanken dazu finden sich bereits in den entsprechenden Kommentaren – hier soll noch einmal explizit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der vorliegende Artikel geht auf <a href="http://sozialtheoristen.de/author/admin/">Stefans</a> Angebot zurück, hier ein eigenes (zwischenzeitliches) Resümee der Diskussion um die künftige Rolle der Massenmedien veröffentlichen zu können. Die <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/20/zum-fehlenden-externen-selektionsmechanismus-der-wikipedia/#comments">Diskussion</a></em><em> selbst schließt an den ursprünglichen <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/20/zum-fehlenden-externen-selektionsmechanismus-der-wikipedia/">Artikel</a> über die Selektionskriterien der Wikipedia an. Alle wesentlichen Gedanken dazu finden sich bereits in den entsprechenden Kommentaren – hier soll noch einmal explizit auf einige für mich besonders bedeutende Aspekte der Diskussion hingewiesen werden. Die Überlegungen bleiben, was ihrem Gegenstand geschuldet ist, notwendig hypothetisch – mehr als ohnehin findet der Flug über den Wolken statt.</em></p>
<p><strong>Die Organisation.</strong></p>
<p>Wie ist die Wikipedia, an der einige der folgenden Überlegungen exemplarisch durchgespielt werden sollen, formal organisiert? In Unterscheidung zu anderen sozialen Systemen stehen bei der Beobachtung von Organisationen ihre Anerkennungs- bzw. Mitgliedschaftsregeln im Zentrum der Aufmerksamkeit: Für die Kommunikationen im sogenannten „Web2.0“ (im Allgemeinen) und für jene innerhalb der Wikipedia (im Besonderen) stellt sich daher zunächst die Frage der Mitgliedschaft. <span id="more-612"></span>Eine Rollenspezifikation als „Autor“ erlaubt eine niedrigschwellige Partizipation und damit die Mitgliedschaft in der Organisation qua Eintritt. Nur schwer sind einfachere Bedingungen vorstellbar, um die Grenze in Richtung Mitgliedschaft zu kreuzen; sie markiert die Innenseite der Form und ist in genau dieser Niedrigschwelligkeit von der Organisation festgelegt worden &#8211; sie ist ihr kleinster uns größter Nenner zugleich.</p>
<p>Damit ist noch keine Aussage über die Prämissen getroffen, die den Bereich der potentiellen  Kommunikation (in Form von Entscheidungen) in qualitativer Hinsicht strukturieren. Neben der Rollenspezifikation dient ein Rückgriff auf Programme, entlang derer die Entscheidungen formatiert werden, der Einschränkung von Kommunikationsoptionen – man schreibt schließlich gemeinsam an der „freien Enzyklopädie“ (oder am Wissen der Welt in 6/26/600 Bänden, aber nicht an einem Reiseführer für die Bielefelder Unterwelt). Was bedeutet die rezente Kontroverse der Wikipedia, die entlang einer Differenz von Relevanz/Irrelvanz prozessiert wird und paradigmatisch im Streit zwischen „Inklusionisten“ und „Exklusionisten“ eine frühe Form fand? Der Einfachheit halber sei Relevanz hier nominalistisch auf Informationswerte reduziert, mit Gregory Bateson also auf Unterschiede, die einen Unterschied machen.¹ Um die Einheit der Differenz zu beobachten, ist eine Beobachtung zweiter Ordnung nötig, gegebenenfalls sogar eine eigene Reflexionstheorie.</p>
<p><strong>Funktionssystem &amp; Science Fiction.</strong></p>
<p>Kein Funktionssystem kann auf (eine) Organisation reduziert werden. Es stellt sich also die noch grundsätzlichere Frage: Zu welchem ausdifferenzierten System gehören die Kommunikationen der Wikipedia? Mutmaßlich ist die Wikipedia dem System der Massenmedien zuzuordnen. Der grundsätzliche Code Information/Nicht-Information strukturiert die Elemente der Kommunikation und seligiert so die eigenen Operationen² &#8211; neben idiosynkratischen Relevanzzumutungen (die obendrein in der Regel zu konfligieren scheinen) geschieht das bislang ausschließlich in quantitativer Hinsicht.</p>
<p>Nun zu meiner Vermutung: Wir haben es nicht mit der Ausdifferenzierung eines neuen Funktionssystems zu tun.³ Und auch den zentralen Code können wir bis auf weiteres unangetastet lassen. Aber mit dem Aufkommen des Computers und des Internets als neuen Hauptverbreitungsmedien ist die Gesellschaft mit Überschusssinn konfrontiert, auf den sie in der einen oder anderen Weise zu reagieren lernen wird. Erste Anzeichen beobachten wir auf Ebene der Organisation, deren klassisch-hierarchischer Aufbau schon seit geraumer Zeit nicht mehr angemessen erscheint; dies gilt dann insbesondere auch für die Administration der (deutschsprachigen) Wikipedia, die unter dem Deckmantel der Selbstverwaltung an hierarchisierter Autorität festhält und damit ein Zentrum und die Möglichkeit von Steuerung suggeriert – was aber geschieht, wenn alle Mitglieder zugleich handeln?</p>
<p>Möglicherweise, aber das bleibt Spekulation, sind wir Zeuge der internen Neustrukturierung der Organisation. Für die Massenmedien beschreibt Stefan diesen Vorgang als eine <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/22/relevanz-als-symbolisch-generalisiertes-kommunikationsmedium/">Nivellierung von Zentrum und Peripherie</a> (bzw. Autor/Leser).⁴ Radikaler formuliert: Entscheidende Bedeutung erlangt eine zunehmende Zurechnung der Kommunikation auf die Kommunikation.⁵ Diese Entscheidung kann Bedeutung auf Programmebene erlangen. Wir sollten den Gedanken im Hinterkopf behalten, dass die Wikipedia hier nur exemplarisch gewählt worden ist und es auch darüber hinaus an Sinnzumutungen nicht mangelt: Alles ist potentiell relevant und gleichzeitig mehr denn je verfügbar. Die Synchronisation von Sinn als Hintergrundrealität ist und bleibt Funktion der Massenmedien (und die Möglichkeit ihrer Transformation in Zahlungen Motivation für die anhaltende Forschung an neuen Suchmaschinen). Die Frage nach Qualität und Etablierung der Normalisierung von Information ohne Zurechnung auf Autoren, also Personen &#8211; und ihre Reputation, bleibt offen. Ebenso Fragen nach der Qualität von Nicht-Wissen. Am Horizont: Das Ende der Buchdruckgesellschaft.</p>
<hr /><strong>Anmerkungen.</strong></p>
<p>¹ Damit ist zunächst jeder Eintrag relevant, sei es beispielsweise für den Verfasser oder auch den Betreiber des Servers, der wieder ein paar Bytes mehr zu verwalten hat. Streng genommen übrigens auch Artikel zu willkürlichen Zeichenfolgen.</p>
<p>² Grundsätzlich wäre auch eine Orientierung anhand der Unterscheidung wahr/nicht-wahr denkbar. Die genaue Positionierung der Wikipedia zwischen Wissenschaft und Massenmedien mit Blick auf ihre Funktion der Erzeugung von Realität wäre eine eigene Behandlung wert;  intuitiv ist ein Medium analog zur öffentlichen Meinung als Kopplung von Massenmedien und Politik denkbar: „Populärwissenschaft“ als Kopplung von Wissenschaft und Massenmedien (insbesondere, nachdem die Rolle des Intellektuellen mehr und mehr als antiquiert zu gelten hat)? Wir sehen hier der Einfachheit halber von der Möglichkeit wissenschaftlicher Forschung im Rahmen der Wikipedia ab und beschränken ihre Funktion auf die Kommunikation von Information.</p>
<p>³ Was allerdings generell in Anbetracht ungewisser Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann.</p>
<p>⁴ <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/">Enno merkt kritisch an</a>, ein qualitativer Unterschied bestehe auch weiterhin. Dem ist nicht zu widersprechen, mit Blick auf die Funktion des Mikrobloggingdienstes Twitter während der Wirren nach der iranischen Präsidentschaftswahl und der vergleichsweise sorglosen Adaption von Informationen durch europäische „Qualitätsmedien“ aber zumindest ein Fragezeichen hinzuzufügen.</p>
<p>⁵ So kann die Autorenschaft eines Artikels bereits heute beispielsweise auf IP-Adressen statt auf Personen zugerechnet werden. Eine Abstraktionsleistung, die die Konstruktion organisationsinterner Lebensläufe zur Qualifikation für Leitungsposten (z.B. Administration) erschwert und somit Idiosynkrasien vorbeugen kann; auch die von Enno beschriebene <a href="http://carta.info/16739/stat-monkey-journalismus-computer-automatisierung/">Automatisierung von Berichterstattung</a> scheint mir auf diesen Punkt, die Abstraktion vom Autoren, hinauszulaufen. Und damit in die Nähe des Diktums  Niklas Luhmanns zu rücken, dass in der Wissenschaft der Gesellschaft, Seite 11, Fußnote 1 zu finden ist: Mittelalterliche Textgepflogenheiten, die das Buch selbst wie einen Autor sprechen lassen, haben den Buchdruck nicht überlebt [Luhmann scheint hier vor allem die Kopisten in den klösterlichen Scriptorien im Sinn zu haben, S.P.]. Es wäre nicht ganz abwegig, sie wiederaufzugreifen, denn schließlich stammt, jedenfalls wo es »wissenschaftlich« zugeht, nur sehr weniges, was in einem Buch zu lesen ist, von dem Autor selbst.”</p>
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		<title>Wie beobachten wir Politik(er)?</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 09:15:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Barack Obama hat den Friedensnobelpreis bekommen, Bodo Ramelow verzichtet darauf, als Wahlgewinner Ministerpräsident zu werden, Angela Merkel führt Koalitionsverhandlungen, in denen nur die FDP Abstriche von eigenen Zielen machen muss. Diese Vorgänge in der Politik bekommt eigentlich jeder mit. Man informiert sich in den Medien und bildet sich eine Meinung. Eventuell tauscht man sich noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Barack Obama hat den Friedensnobelpreis bekommen, Bodo Ramelow verzichtet darauf, als Wahlgewinner Ministerpräsident zu werden, Angela Merkel führt Koalitionsverhandlungen, in denen nur die FDP Abstriche von eigenen Zielen machen muss. Diese Vorgänge in der Politik bekommt eigentlich jeder mit. Man informiert sich in den Medien und bildet sich eine Meinung. Eventuell tauscht man sich noch mit anderen aus und bemerkt, dass andere zu anderen Schlussfolgerungen kommen.</p>
<p>Die Frage &#8220;was soll man davon halten?&#8221;, beruht dabei auf einer noch viel grundlegenderen, normalerweise impliziten Frage: Wie kann man diese politischen Vorgänge überhaupt beobachten? Wie kommt man zu sinnvollen Schlussfolgerungen. (Man soll ja gelegentlich auch Wählen.) Zumindest soziologisch lassen sich drei Hinweise formulieren, die dieses Problem explizieren, also im Blick behalten lassen, wenn schon keine Lösung gefunden werden kann.</p>
<p><span id="more-547"></span><em>1. politische Akteure</em> &#8211; Politisches Personal übt nicht wirklich einen Beruf aus. Zumindest würden wir es dem politischen Spitzenpersonal nicht verzeihen, wenn sie plötzlich Feierabend machten um dann am Abend ihre wirkliche Meinung zu präsentieren. Ein Politiker ist weder Person noch Rolle sondern stets auf beiden Seiten dieser Unterscheidung zu finden. Massenmedial lässt sich dies jedoch nicht abbilden. Mit Bezug auf die amerikanische Regierungsspitze handelt es sich entweder um Barack Obama, den Kinder habenden Hundekäufer oder den amerikanischen Präsidenten, den mächtigsten Mann der Welt. Die richtige Mischung aus beiden ist nur schwer zu fassen. Man sah es beim außerehelichen Sex habenden Bill Clinton, beim kriegsführenden Golfspieler George W. Bush und aktuelle beim <a href="http://www.flickr.com/photos/whitehouse/3611575620/">rumlungernden Barack Obama</a>. Die Frage, ob ein Präsident auch Mensch sein darf, ist eines der größten Politik thematisierenden massenmedialen Dramas, dass sich inszinieren lässt.</p>
<p><em>2. Massenmedien</em> &#8211; Wir kennen die Spitzenpolitiker beim Namen, sehen sie jedoch nie persönlich, sondern immer nur massenmedial inszeniert. Das die Massenmedien ihr Bild- und Tonmaterial nicht nach Gefallen und auch nicht, einzelne Politiker bevorzugend, nach politischen Machtchancen, sondern nach Aktualität und Informationshaltigkeit sortieren und selbst entscheiden, was informativ zu sein hat und was nicht, verbaut dem Publikum beinah jede Möglichkeit, dass zu sehen was tatsächlich interessiert. Wenn man an die Koalitionsverhandlungen von CDU/FDP denkt, interessiert nicht wirklich die Verlautbarung von Pofalle und Niebel, sondern all das, was nicht gezeigt wird, weil es sich nicht rechtfertigen lassen würde, zu zeigen: der ganze Gossipkram, den man sich nicht, oder erst nach Jahren, traut zu zeigen.</p>
<p><em>3. Interaktion</em> &#8211; Der politische Alltag besteht aus Taktieren und viel Schauspiel. Informationen werden zurückgehalten, falsche gestreut, Testballons werden gestartet, usw. All das was möglich ist, in einem interaktiven Setting, das auf der Metaebene, auf der nächste Schritte geplant und vorangegangene Ausgewertet werden, nur streng in Lagern geteilt behandelt wird. Massenmedial darstellen lässt sich das alles nicht, weil das Schauspiel sofort zusammenfallen würde. Was bleibt ist, dass sich die Massenmedien auf schriftliche Verlautbarungen, gestylte Verkündungen und auf die politischen Ergebnisse statt Prozesse konzentrieren muss.</p>
<p>Unter Beachtung dieser drei Punkte muss man sagen, dass ein normaler Bürger sich eigentlich keine <em>vernünftige</em> Meinung über Politiker und politische Vorgänge machen kann. Politik funktioniert wie sie funktioniert und wir beobachten was wir beobachten &#8211; das sind zwei sehr getrennte Sphären des gleichen politischen Systems.</p>
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		<title>Wer hat wozu und wieso überhaupt &#8220;Zeitungen&#8221;?</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 15:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zur Einstimmung bitte auch folgenden verlinkten Text lesen, um zu überprüfen, welcher von beiden sinnloser ist: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Kiosk-Schluss-Mit Es ist eine allgemeine Qual, Therapeuten sind entsetzt und eigentlich wissen wir es alle. Man erahnt es instinktiv und dennoch begegnet man demselben Frevel überall. Ca. 20 Mio. Menschen, vorrangig Männer, verbringen ihr Leben in Familien, verheimlichen jedoch, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zur Einstimmung bitte auch folgenden verlinkten Text lesen, um zu überprüfen, welcher von beiden sinnloser ist: <a href="http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Kiosk-Schluss-Mit">http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Kiosk-Schluss-Mit</a></em></p>
<p>Es ist eine allgemeine Qual, Therapeuten sind entsetzt und eigentlich wissen wir es alle. Man erahnt es instinktiv und dennoch begegnet man demselben Frevel überall. Ca. 20 Mio. Menschen, vorrangig Männer, verbringen ihr Leben in Familien, verheimlichen jedoch, dass sie in Wahrheit allenfalls, sofern überhaupt, physisch anwesend sind. Geistig schwirren sie durch die Welt, verbringen Zeit in Gedanken und verstecken sich hinter quadratmetergroßen Papierzetteln, die sie moralisch aufgeladen als „Lektüre&#8221; oder „Zeitung&#8221; ohne weitere Erklärung höher als ihre Familien und Freunde bewerten.</p>
<p><span id="more-504"></span>Besonders ist diese Realitätsflucht an alltäglichen Morgenden zu beobachten. Anstatt das Familientagesgeschäft gemeinschaftlich zu organisieren, verkriechen sie sich hinter ihren „Zeitungen&#8221; und verstecken ihre Familienmüdigkeit im geheuchelten Interesse an <em>Gesabbel</em> unzähliger Journalisten, die behaupten, besser (sic.) über die Welt urteilen zu können als sie selbst.</p>
<p>Wodurch dieser Anspruch auf <em>besser</em> herrührt, ist dabei bis heute nicht geklärt. Die Vermutungen, dass regionale Nähe zu Ereignissen oder Erfahrung mit Themen Begründungen sind, lagen lange nahe. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch, dass gerade Nähe zu Ereignissen oder ein reicher Erfahrungsschatz auszuschließen ist. Dies legen jedenfalls Verlautbarungen von „Journalisten&#8221; nahe, die neuerdings mit erfahrenen Auskennern vor Ort um die Wette schreiben und an ihren Konkurrenten kein gutes Haar lassen.</p>
<p>Weitere Vermutungen konzentrieren sich auf die berufliche Ausbildung zum Schreiben. Da jedoch mittlerweile jeder Bürger lesen und schreiben lernt, hilft auch diese Fokussierung auf die Problemstellung journalistischer Professionalität wenig. (Einige erzählen, einige schrieben „einfach besser&#8221; als andere &#8211; das können wir als Geschmacksurteil schlicht ignorieren.)</p>
<p>Die allerneuste Erkenntnis ist jedenfalls, dass „Zeitungen&#8221; nicht wegen ihrer Inhalte wegen, sondern ihres Schutzschirmcharakters wegen gesellschaftliches Ansehen genießen. Um eine aufgeschlagene „Zeitung&#8221; kann man nicht herumgucken, vor allem nicht in einer 8-m²-Küche. Eine „Zeitung&#8221; auf der Wiese oder dem Mensatisch signalisiert, dass man bereits mit „Wichtigem&#8221; befasst ist und menschliche Nähe unangebracht ist. Eine „Zeitung&#8221; heißt „Zeitung&#8221;, weil sie kurze Zeitspannen von Unsicherheit im Alltag überbrücken. (So wie eine Gabelung einen Weg gabelt oder eine Wässerung irgendetwas wässert, schlägt die „Zeitung&#8221; das zu-viel-an Zeit tot.) Wer eine „Zeitung&#8221; in der Hand hat, <em>hat zu tun</em>. Ähnliches lässt sich bei Wasserflaschen im Sport oder neuerdings auf Wir-Reden-über-Medien-undso-Bühnen beobachten.</p>
<p>Während Wasserflaschen und Zeigestäbe vorrangig be<em>hand</em>elt werden, um vom Körper abzulenken (im Sinne von: Was mach ich eigentlich mit meinen Händen, während ich nur meinen Kopf brauche), dienen „Zeitungen&#8221; noch immer, um die Abwesenheit des Geistes, gesellschaftlich tragbar zu entschuldigen. Daher werden „Zeitungen&#8221; auch nie in ihren Maßen schrumpfen, etwa auch halbwegs erträgliches Lesemaß von DIN-A3.</p>
<p>Das mit den „Zeitungen&#8221; bleibende Problem ist, dass es zur Beschriftung von „Zeitungen&#8221; noch immer Personal bedarf, dass sich angesichts seiner faktischen Rolle heillos überbewertet (etwa indem es glaubt, dass man <em>sie</em> liest).</p>
<p>Aber das wird sich auch noch ändern. Schließlich ist die andere funktionale Komponente der „Zeitung&#8221;, die Untermauerung eigener Behauptungen durch den Hinweis „in der „Zeitung&#8221; gelesen&#8221;, bereits Geschichte.</p>
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		<title>Weniger (Information) ist vielleicht mehr (Stabilität)</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Nov 2008 20:28:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie kommt es eigentlich, dass der allgemeine, gebildete Weltbürger der westlichen Hemisphäre so angetan ist, von den modernen Informationskanälen und seinen frei florierenden Inhalten? Die ganze Internetbevölkerung ergötzt sich an Twitterstreams, RSS-Feeds und Youtube-Kanälen, dass eine Beschreibung wie „sexuell stimuliert&#8221; am ehesten passt. Ein besonderer Star der Szene, die jegliche Einschränkung der Internetmöglichkeiten mit dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie kommt es eigentlich, dass der allgemeine, gebildete Weltbürger der westlichen Hemisphäre so angetan ist, von den modernen Informationskanälen und seinen frei florierenden Inhalten?</p>
<p>Die ganze Internetbevölkerung ergötzt sich an Twitterstreams, RSS-Feeds und Youtube-Kanälen, dass eine Beschreibung wie „sexuell stimuliert&#8221; am ehesten passt.</p>
<p>Ein besonderer Star der Szene, die jegliche Einschränkung der Internetmöglichkeiten mit dem Kommentar „&#8230; hat mal wieder nichts verstanden&#8221; straft und informationelle Stauseebildungen für die einzig sinnvolle Zielrichtung der Geschichte hält, ist <a href="http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/index.php">Thomas Knüwer</a>, der beruflich für das Handelsblatt schreibt und ansonsten gerne seine Meinung im Internet kundtut.</p>
<p><span id="more-324"></span></p>
<p>Heute war mit Bezug auf die Tragödie in Bombay bei ihm (verzerrend zusammengefasst) Folgendes <a href="http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=1978">zu lesen</a>:</p>
<blockquote><p>„Während seit rund einer Stunde die ersten Meldungen über mehrere Schießereien und Explosionen gen USA gedrungen waren und dort von einigen Twitteranern diskutiert wurden, war auf deutschen mobilen Web-Seiten allein bei FAZ.net eine Meldung zu finden. (&#8230;) Der heutige Tat wird ein Durchbruch werden auf dem Weg Twitters zum Massenmedium.  (&#8230;) Der <a href="http://twitter.com/vinu">Twitter-Feed von Vinu </a>sorgte bei mir für eisige Schauer. (&#8230;) Er ging hinaus, machte Fotos, veröffentlichte sie auf <a href="http://flickr.com/photos/vinu/sets/72157610144709049/">Flickr</a>. (&#8230;) Dann ist da <a href="http://twitter.com/dina">Dina</a>. Sie ist zur Dreh- und Angelscheibe geworden, ohne dass jemand sie dazu aufgerufen hätte. Sie initiierte ein Blog mit Notfallnummern und Hilfe, twitterte Aufrufe zur Blutspende, und stellte Kontakt zwischen internationalen Medien und Twitterern in der Stadt her. (&#8230;) Er startete den Twitter-Feed <a href="http://twitter.com/mumbaiupdates">Mumbaiupdates</a>. Und er vermeldete, dass die Behörden bei Twitter ersucht haben, die <a href="http://www.flickr.com/photos/lloydshep/3063323802/">Suche nach dem Wort Mumbai zu blockieren</a> &#8211; die Berichte von den Orten des Geschehens könnten Militäraktionen schaden. (&#8230;) Das Instrument Twitter wurde zur schnellsten Nachrichtendrehscheibe für Meldungen aus Bombay.</p>
<p>&#8220;Und auch wenn ich die Behörden in Bombay in dem Fall verstehe: Ich finde das auch gut so.&#8221;, sagte Jarvis. (Knüwer und Jarvis telefonierten Anmk. S.S.)</p></blockquote>
<p>Mal im Ernst, welche Funktion hat die Zunahme der Geschwindigkeit von Informationsflüssen, warum ist sie gut und begrüßenswert und weshalb hat es Vorteile, möglichst <em>diese</em> Informationshäppchen aufzusammeln, die von einer Aura der Unmittelbarkeit, Orientierungslosigkeit oder Emotionalität desjenigen angereichert werden, der erlebte.</p>
<p>Ich verstehe das nicht.</p>
<p>Auf CNN habe ich in den letzten 2h mindestens fünfmal eine Szene in Form eines Teasers gesehen, in der sich eine Korrespondentin in Bombay, auf der Straße in die Kamera sprechend, fürchterlich erschreckt, weil hinter ihr plötzlich Schüsse zu hören sind.</p>
<p>Was soll diese unmittelbare Weise der Berichterstattung..? Glaubt tatsächlich jemand, unsere komplizierte, überkomplexe und riesige Welt verstehen wir mit unserem einfachen, unterkomplexen und kleinen Hirn „besser&#8221;, wenn wir möglichst unmittelbar erleben, am besten in der unsortierten und chaotischen Weise, wie das Erleben vor Ort geschieht?</p>
<p>Unsere Gesellschaft, so unverhohlen sei mir eine Fundamentaldiagnose erlaubt, braucht nicht mehr Unsicherheit, die durch diese ganzen Informationen erzeugt wird, sondern wieder ein bisschen mehr stabilisierende Ordnung. In Mexiko erschießen Mafiosi den Innenminister, in Thailand sperren Revoluzzer die Flughäfen, in Indien schießt eine Jugendgruppe, die keiner kennt, wild um sich. Dazu Finanzkrise, Hungerkatastrophe und der schlechteste amerikanische Präsident aller Zeiten immer noch im Amt.</p>
<p>Das ist alles nicht gut (in der Welt) und unerträglich (in unseren Gehirnen) &#8211; das führt alles nur ins Chaos. Das Internet und die freien Informationskanäle, das führt alles dazu, dass der eine nicht mehr weiß, was der andere weiß, und der eine Dinge kann, die der andere sich nicht mal vorstellen kann und überhaupt: Es ist alles viel zu kompliziert. Wir kommen nicht mehr klar &#8211; die Gesellschaft verliert ihren Resonanzboden.</p>
<p>Das könnte vielleicht mal so problematisch werden, wie wir es gerade auf anderem Gebiet erleben. Man glaubte Jahrzehnte, dass sich die Wirtschaft frei von Zwängen, allein durch Glaube an das letztlich Gute positiv für alle entwickeln kann. Nun, nach nur drei Monaten Extremfinanzkrise, sind selbst die <a href="http://www.weissgarnix.de/?p=726">striktesten Vertreter</a> dieses Glaubens abgeklärte Realisten geworden. Ich denke, mit den Massenmedien droht ein ähnliches Schicksal. Diese informationelle Wolke, die sich gerade über die Gesellschaft legt, das kann einfach nicht in dem Maße „schön und gut&#8221; sein, wie es überall implizit erklärt wird. Ich erwarte in nicht allzuferner Zukunft ein erschrockenes Erwachen und bleibe verwundert über die Reflexionslosigkeit der rücksichtslosen Informations(ver)treiber.</p>
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