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	<title>Sozialtheoristen &#187; Sozialstruktur</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>Semantik als Signal</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Oct 2008 20:28:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Semantik und Sozialstruktur, hier schon oft erwähnt, greift die Differenz zwischen „Ist&#8221; und „Kann sein&#8221; auf, die überall in der Welt, wo sich intelligentes Leben begegnet, eine Rolle spielt. Ausgehend von der Frage: „Warum ist einiges und vieles nicht?&#8221; ergibt sich von ganz allein Gesprächsbedarf über die Welt, der nur in Semantik (Gesprächen, Diskussionen, Gerede [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Semantik und Sozialstruktur, hier schon oft erwähnt, greift die Differenz zwischen „Ist&#8221; und „Kann sein&#8221; auf, die überall in der Welt, wo sich intelligentes Leben begegnet, eine Rolle spielt. Ausgehend von der Frage: „Warum ist einiges und vieles nicht?&#8221; ergibt sich von ganz allein Gesprächsbedarf über die Welt, der nur in Semantik (Gesprächen, Diskussionen, Gerede &#8211; all das was Mensch können aber Tiere nicht) abgearbeitet werden kann. Die Themen sind entweder ganz nah an der Realität gebaut, etwa wenn man sich fragt, ob man, bevor man in die Wüste fährt, nochmal die Wasserflasche vollmachen sollte, oder weiter weg, etwa, wenn man sich im 4. Stock des Elfenbeinturms darüber unterhält, wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welt_als_Wille_und_Vorstellung">Schopenhauer</a>s Quasizitat: „Die Welt ist kein Panorama&#8221; in Bezug auf Gerhart Hauptmanns Naturalismus auszulegen ist.</p>
<p>Was aber nie passiert, ist, dass man sich im Angesicht des Todes über Fotosynthese unterhält. So weit enteilt die Semantik der Struktur nicht. Und falls doch, liegt es nahe, eine Diagnose zu stellen, die einem der Gesprächsteilnehmer die Intelligenz abspricht.</p>
<p>Semantik und Sozialstruktur bedingen einander. Semantik kann genutzt werden, um Sozialstruktur umzubauen oder den Umbau vorzubereiten. Das geht in die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Unternimm_die_Zukunft">eine</a>, wie auch in die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/INSM">andere</a> Richtung und gelingt durch die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spin-Doctor">entsprechende Taktik</a>. (Andersrum können in ruhigen Zeiten Strukturanpassungen langsam in Semantik übertragen werden, die alltägliche Aufgabe der Politik.)</p>
<p><span id="more-225"></span>In normalen Zeiten, der Ruhe und Entspannung, gelingt der von der Semantik ausgehende Umbau der Sozialstruktur am zielgerichtetsten, wenn auch nur mühselig. (Als These dahingestellt.) Wenn die Welt, und man selbst mit ihr, in einem gefühlten Gleichgewicht ist, hat man ein Ohr für Argumente und lässt sich von Hypothesen und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Physiognomie">Physiognomie</a> leiten, um zu erfahren, was alles möglich ist. Die Möglichkeiten der nahen Zukunft spielen sich in diesen Zeiten in einem engen Korridor ab. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und lebt diese Attitüde dann intensiv aus.</p>
<p>Manchmal jedoch wird die Semantik von der Sozialstruktur überrascht. (<a href="http://www.weissgarnix.de/?p=302">Dieses Buch</a> scheint dieses Phänomen aufzugreifen.) Es können ständig Dinge passieren, die im Semantikkatalog (noch) nicht vorgesehen sind. Im kleinen Maßstab kann man im Lotto gewinnen oder einen Unfall haben. Im großen Maßstab können Tsunamis hunderttausende Todesopfer fordern oder 19 Menschen den Lebenstraum einer ganzen Welthalbkugel vernichten. In diesen Momenten überragt die sozialstrukturelle Realität die semantische Possibilität, was sich in Orientierungsverlust äußert. Man kann nur schwerlich heute über Dinge reden, die man gestern noch nicht mal erahnt hat.</p>
<p>Ein historisches, gesellschaftliches Beispiel mit vielen Fassetten ist dafür bspw. der Mauerfall und das Ende des Ostblocks. 1990, in diesem Jahr der Unklarheit/Euphorie darüber, was als Nächstes passiert, wurde Deutschland Fußballweltmeister. Beckenbauer, damals ganz beeindruckt von der Idee, dass nun Ost- und Westdeutschland immer als ein Team auflaufen, meinte damals: „Auf Jahre hinaus wird unsere Nationalmannschaft unschlagbar sein&#8221;. Gleiche Euphorie in Amerika. Nachdem Ronald Reagan die Russen in die Knie gezwungen hatte, George Bush sen. mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/George_H._W._Bush#Pr.C3.A4sidentschaft">426</a> zu 111 Wahlmännerstimmen zum Präsidenten gewählt wurde und kurz darauf dem Osten tatsächlich die Puste ausging, waren sich die amerikanischen Republikaner sicher, es wird lange keinen demokratischen Präsidenten mehr geben.</p>
<p>Doch schicksalhaft wie Faust, gelang es den Beteiligten nicht, die schönen Augenblicke mit ihrer eleganten Semantik zum Verweilen festzuhalten. Sowohl die deutsche Nationalmannschaft, wie auch George Bush sen. fuhren empfindliche Niederlagen ein. Unsere Mannen verloren in New York gegen Bulgarien und George Bush sen. in Washington gegen Bill Clinton, der nicht nur nächster Präsident, sondern auch der „nächste Ronald Reagan&#8221; wurde.</p>
<p>Die Semantik geriet völlig aus den Fugen, weil über die, ihr zu Grunde liegende, Sozialstruktur Unklarheit herrschte. Einen solchen Moment erleben wir 2008 wieder. Die Semantik sprudelt, wie glühende Lava aus einem Vulkan. Niemand weiß, welche Teile des Berges sie restlos verbrennen und wo sie sich in welchen Formen als neuer Stein manifestieren wird. Ein paar Beispiele:</p>
<ul class="unIndentedList">
<li> Marcel Reich Ranicki, ehrenwertes Gewissen Deutschlands, nennt die Inhalte des meistgenutzten Zeitvertreib- und Meinungsmediums „Blödsinn.&#8221;</li>
<li> Peter Sodann, Bundespräsidentschaftskandidat einer deutschen Volkspartei sagt: „Ich halte das, was wir haben, ja nicht für eine Demokratie.&#8221;</li>
<li> Joseph Ackermann, Vorstandvorsitzender der Deutschen Bank verzichtet medienwirksam und freiwillig auf Gehalt und äußerte öffentlich, er würde sich freuen, wenn sich der Staat ein wenig mehr in seinem Geschäftsfeld einmischen würde.</li>
</ul>
<p>All dies wäre in einer Phase, in der sich alle ausgeglichen fühlen unvorstellbar. Diese Semantikbrüche weisen auf tief greifende Strukturveränderungen hin. Die Finanzkrise (als unerwarteter Strukturschock) war vielleicht der größte Auslöser dieser neuen Formen von Meinungsäußerungen, welche jetzt wiederum Anstoß für grundlegende Restrukturierung sind.</p>
<p>Natürlich kann niemand in die Zukunft schauen. Wir können aber schon sagen, dass die Welt in 4 Jahren anders aussehen wird als heute. Schon diese Feststellung ist besonders. Wir wussten auch 2002 nicht, wie viel Spaß wir bei einer WM im eigenen Lande haben werden. Aktuell ist es jedoch so, dass wir 470 Mrd., die wir nur einmal haben, bewegen müssen, um überhaupt durch den Tag zu kommen. Wir sind also zur Restrukturierung verpflichtet, ohne zu wissen, was sie bringt.</p>
<p>Im <a href="http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=28691">Grundlagentext</a> nennt Luhmann die Semantik auch „Historismus&#8221; als Gegensatz zum „Funktionalismus&#8221;. Unter anderem, weil Geschichte das ist, was als Semantik bleibt. Egal was die Zukunft bringt, 2008 wurden schon einige Semantikknaller gesetzt und nächstes Jahr ist Wahlkampf, das Semantikgefecht schlechthin. Würde mich nicht wundern, wenn Norbert Lammert rechtzeitig zu Weihnachten „Mehr Parlament wagen&#8221; auf den Markt bringt. Es stehen alle Signale auf „Zeitenwende&#8221;.</p>
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		<title>Semantik wirkt (!!!)</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Oct 2008 19:51:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt Soziologen (wie mich) die pfeifen auf jedwede Aussage von Menschen aus der Wirklichkeit. Erstens, weil „Mensch&#8221; keine Kategorie ist, die etwas soziologisch darstellen kann, lässt sie sich auch noch so gut benennen, bezeichnen, zählen und vergleichen. Zweitens, weil ein human-tonaler Ausspruch zwar Wirklichkeit erzeugt, aber nie Realität widerspiegelt. Kurz: Gerede ist egal. Wer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Soziologen (wie mich) die pfeifen auf jedwede Aussage von Menschen aus der Wirklichkeit. Erstens, weil „Mensch&#8221; keine Kategorie ist, die etwas soziologisch darstellen kann, lässt sie sich auch noch so gut benennen, bezeichnen, <a href="http://blog.metaroll.de/2008/09/18/wenn-social-networks-bundeslaender-waeren/">zählen und vergleichen</a>. Zweitens, weil ein human-tonaler Ausspruch zwar Wirklichkeit erzeugt, aber nie Realität widerspiegelt. Kurz: Gerede ist egal. Wer tatsächlich etwas über die Welt erfahren will, darf nicht die Menschen fragen sondern muss spartenspezifischer vorgehen. Für interessante, soziologisch entschlüsselbare gesellschaftliche Phänomene ist sehr selten werturteilendes, ideologiegeleitetes Gelaber von Bedeutung, viel mehr muss man faktische Geldströme, reines Abstimmungsverhalten oder zufällige Bekanntheitsgrade beobachten.</p>
<p>Solch ein Weltbild hilft ungemein durch den Alltag, man fragt sich, der Trugbildanfälligkeit von Semantik bewusst, aber umso mehr, wie alles überhaupt funktionieren kann, da andere Menschen auf Gerede soviel geben. Statistiken werden gefälscht, Bilanzen werden komponiert, Zukunft wird versprochen und Fakten werden erzeugt. Manchmal enteilt die semantische Wirklichkeit der faktischen Realität so sehr, dass sich die Einheit der Welt von ganz allein infrage stellt.</p>
<p><span id="more-162"></span>Der aktuelle Hintergrund: Die anhaltende Finanz- und Vertrauensmisere. Irland gibt eine staatliche Garantie auf alle Einlagen, die auf irischem Grund getätigt werden und obwohl alle Welt weiß, dass sich diese Bürgschaft im Ernstfall niemals einlösen ließe, funktioniert es. Irische Banken erleben einen Run auf (also „in&#8221;) ihre Bücher und Tresoren. Das gegenseitige Vertrauen, und damit die wahre Währung, profitiert von diesem Backup. Irische Luftschlösser sind mehr wert als amerikanische Holzhäuser. ;-)</p>
<p>Heute Morgen habe ich über die 1.600 Mrd. Bürgschaft aus Berlin noch gelächelt und mich gefragt, wie man 2008 noch einen Götter besänftigenden Regentanz aufführen kann &#8211; aber heute Abend scheint es die beste Idee zu sein, einfach für alle Vermögensstände zu bürgen. Alle werden wissen, dass diese Bürgschaft niemals (komplett) in Anspruch genommen werden darf und trotzdem würde es funktionieren.</p>
<p>Meine Prognose: In den nächsten Tagen wird sich der Europäische Rat oder ein vergleichbares Gremium aufraffen und verkünden, dass man für alles bürgt. Es wird genügen, den langsamen Niedergang in eine sanfte Stagnation und langfristig wieder in zähes Wachstum zu verwandeln. Das Einzige was neben Vertrauen fehlt ist Zeit. Wie man liest, ist die Hypo-Real-Estate nicht pleite, sondern erleidet nur mangelnde „Kostenkongruenz&#8221; (kurzfristig mehr Ausgaben als Einnahmen), das kann aktuell tatsächlich jeder Bank passieren, vor allem wenn einige gerade mal eine <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/406/finanzkrisen-populismus">Eigenkapitalquote von 0,6%</a> haben. Das man bei solchen Zahlen überhaupt noch von einzelnen Banken spricht scheint ebenfalls so ein Semantikvehikel zu sein, das keiner realistischen Darstellung entsprechen kann. Man muss es sich mal in der faktischen Gehirnhälfte vergegenwärtigen, wenn man „DePfa&#8221;, eine Tochterfirma der Hypo-Real-Estate, beim Namen nennt, bezeichnet man nur zu 0,6% tatsächlich die „DePfa&#8221; und zu 99,4% alle ihre Gläubiger, also ganz andere Banken. So lässt sich das Verhältnis von Semantik und Sozialstruktur doch mal wirklich krass in Worte fassen.</p>
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		<title>Soziologische Begriffs(er)findung II: Rehalit&#228;t</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Aug 2008 11:33:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eigentlich ist es ganz einfach. Wir Menschen haben Sinne, die wir benutzen um uns einen Eindruck von der Welt zu machen. Die entstehenden, erhaltenen Erkenntnisse bringen wir mit dem Begriff &#8220;Realität&#8221; auf den Punkt. Dieser Begriff ist jedoch nicht ganz ausreichend, um auf einem etwas höherem Niveau, auf dem Perspektiven eine Rolle spielen, zu bezeichnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich ist es ganz einfach. Wir Menschen haben Sinne, die wir benutzen um uns einen Eindruck von der Welt zu machen. Die entstehenden, erhaltenen Erkenntnisse bringen wir mit dem Begriff &#8220;Realität&#8221; auf den Punkt. Dieser Begriff ist jedoch nicht ganz ausreichend, um auf einem etwas höherem Niveau, auf dem Perspektiven eine Rolle spielen, zu bezeichnen was gemeint ist.</p>
<p>In unserer Welt, die in beinah allen Belangen auf die Beobachtung zweiter Ebene abgestellt hat, in der wir also Beobachter beobachten und dabei mitbeobachten, dass es sich bei den Beobachtungen eben um Beobachtungen handelt, die auch anders hätten ablaufen, anderes hätten beobachten oder gleiches anders hätten beobachten können, kommen wir schnell zu dem Schluss, dass es <em>eine</em> Realität eigentlich nicht gibt.</p>
<p><span id="more-61"></span></p>
<p>Dies schlägt sich vielfach nieder. Es gibt beispielhaft Unterscheidungen von &#8220;objektiv&#8221; und &#8220;subjektiv&#8221;, &#8220;Semantik&#8221; und &#8220;Gesellschaftsstruktur&#8221; oder <a href="http://www.weissgarnix.de/?p=302">&#8220;Mediocristan&#8221; und &#8220;Extremistan&#8221;</a>. Die jeweils erstgenannten dieser Gegenüberstellungen verweisen auf die Welt wie wir sie uns (gerne) vorstellen: &#8220;objektiv&#8221; &#8211; sie ist für alle gleich; &#8220;Semantik&#8221; &#8211; sie besteht aus dem worüber wir reden, wenn wir sie meinen; &#8220;Mediocristan&#8221; &#8211; die Welt offenbart sich in symmetrischer Eleganz, wie sie unserem ästhetischen Verlangen entspricht. Aber schon die Existenz der Gegenbegriffe zeigt auf, dass die Handhabung der Welt so einfach nicht sein kann.</p>
<p>Nur die Naturwissenschaften können es sich erlauben, die &#8220;einfache&#8221;, offensichtliche Realität für voll zu nehmen um sie mit Mikroskopen und Teleskopen zu entblößen. Die Geisteswissenschaften, die sich eher reflexiv mit dem Menschen, der Menschheit und &#8220;abstrusen&#8221; Fragen wie denen der Philosophie beschäftigen, sind seit langen zu der Erkenntnis gelangt, die der Volksmund schon ewig in sich birgt: Die Realität offenbart sich uns als &#8220;Wirklichkeit&#8221; und dieser Begriff, der auf &#8220;Wirkung&#8221; verweist, braucht eine Instanz auf die &#8220;gewirkt&#8221; wird.</p>
<p>Also, Realität ist der Eindruck der bleibt, nachdem Ursachen gewirkt haben. Welche Ursachen das sind, bleibt erst einmal unbestimmt, da wir nur Zugang zu den Wirkungen, in Form unserer höchstpersönlichen Sinneseindrücke, haben. In der gr. Antike philosophierte man über &#8220;<a href="http://www.google.com/search?rls=de&#038;q=aristoteles+sehstrahlen&#038;ie=utf-8&#038;oe=utf-8">Sehstrahlen</a>&#8220;, die den menschlichen Sinnen noch ein wenig &#8220;Aktivität&#8221; unterjubeln sollten. Heute ist man jedoch überzeugt (nicht alle, aber ich schon), dass wir der Welt sprichwörtlich ausgeliefert sind. Wir können gar nicht alles wissen, was wir wissen möchten. Wir können nicht in die Zukunft sehen, die Vergangenheit bleibt uns nur schemenhaft und viele Sinneseindrücke werden durch unser Unterbewusstsein geschleust. Wir fragen uns zurecht, <a href="http://www.brainlogs.de/blogs/blog/sichtweisen/2008-08-03/wozu-eigentlich-bewusstsein">wozu überhaupt Bewusstsein</a>, <a href="http://tv.rebell.tv/p669.html">wozu Gefühle</a>.</p>
<p>Ganz so weit, möchte ich hier gar nicht gehen. Mir genügt die Feststellung, das es mehrere Stufen gibt Realität zu beschreiben. 1. Realität ist die Welt &#8220;draußen&#8221;. 2. Realität ist, was wir über die Sinne wahrnehmen. 3. Realität ist (das bisschen), was wir bewusst wahrnehmen und reflektierend verarbeiten.</p>
<p>An die dritte Version von Realität anschließend, wurden viele Behandlung-, Heilungs-, und Resozialisierungsmethoden entwickelt die manchmal den Wortstamm &#8220;reha&#8221; (rehabilitatio = Wiederherstellung) in sich tragen.</p>
<p>Rehabilitation zielt darauf ab, die Grenze zwischen &#8220;Mensch&#8221; und &#8220;Welt&#8221; wieder herzustellen. Dies kann sowohl physisch als auch psychisch notwendig sein. Wie so oft wird vor allem am pathologischen Fall, der Rehabilitation erfordert, ersichtlich, was der &#8220;Normalfall&#8221; bedeutet. Rehabilitation ist nötig, wenn bsp. Extremitätenverlust die eingeübten Sinneseindrücke wertlos macht, wenn Zwangsstörungen die Wertigkeit der Sinneseindrücke verändert oder wenn Menschen, um die Grenzen zwischen sich und der Welt zu spüren, sich selbst verletzen. Daran erkennen wir, dass Realität über Widerstände erfahren wird und das diese Erfahrungen von Widerstand manchmal justiert werden müssen.</p>
<p>Phänomenologisch kann man also durchaus von &#8220;Rehalität&#8221; sprechen, wenn man markieren will, das Realität mit &#8220;Herstellung&#8221; oder &#8220;Wiederherstellung&#8221; und deren Instanz zusammenhängt. Dieser konstruktivistische Seitenhieb darf bei vielen Begriffen wie Wahrheit, Rationalität, Wirklichkeit nicht fehlen. Und da all diese Begriffe von &#8220;Realität&#8221; gedeckelt werden, wäre doch ein Begriff wie &#8220;Rehalität&#8221; genau richtig. ;-)</p>
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		<title>Soziologische Begriffs(er)findung I: Somantik</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jul 2008 18:53:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Soziologie braucht mehr eigene Begriffe! Die Gründe dafür sind schnell aufgezählt: 1. Fachbegriffe können unvoreingenommen benutzt werden, da sie nicht schon alltägliches bezeichnen von dem sie erst unterschieden werden müssen. 2. Fachbegriffe sorgen für erhöhten Erfolg von Anschlusskommunikation. Nervige Begriffsauslegungsdiskussionen können so vermieden werden. Die soziologischen Schulen können so besser auseinander gehalten werden. Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Soziologie braucht mehr eigene Begriffe! Die Gründe dafür sind schnell aufgezählt: 1. Fachbegriffe können unvoreingenommen benutzt werden, da sie nicht schon alltägliches bezeichnen von dem sie erst unterschieden werden müssen. 2. Fachbegriffe sorgen für erhöhten Erfolg von Anschlusskommunikation. Nervige Begriffsauslegungsdiskussionen können so vermieden werden. Die soziologischen Schulen können so besser auseinander gehalten werden. Das führt zwar zu weiteren Diversitäten, was &#8220;Soziologie&#8221; als Ganzes betrifft, die einzelnen Schulen können sich so aber mehr auf sich selbst konzentrieren. 3. Fachbegriffe ermöglichen Fachchinesisch und erzeugen so Bewunderung und Anerkennung der Wissenschaft und ihrer Wissenschaftler. ;-)</p>
<p>Los gehts mit dem Begriff &#8220;Somantik&#8221;, einer Begriffssynthese aus &#8220;Semantik&#8221; und &#8220;Somatik&#8221;:</p>
<p><span id="more-41"></span>(1) „Semantik“ – In der Soziologie beziehen wir uns, wenn wir diesen Begriff benutzen (zumeist) auf die Unterscheidung von „Semantik“ und „Sozialstruktur“. Beide Seiten bezeichnen jeweils eine Art von Realität. Die semantische Realität ist die erlebte Realität, das „Gelaber in der Welt“ wenn man so will. Es gibt verschiedene Hinweise die anzeigen, dass sich Menschen auf die semantische Seite der Realität beziehen – z.B. wenn sie ihren eigenen Standpunkt und ihre Meinung im Gespräch zu Generalisieren versuchen, wenn der Volksmund für wahr genommen wird oder wenn Lehrer ihren Eltern sagen, sie sollten gefälligst Nachrichten gucken und lesen um zu wissen was in der Welt wirklich los sei.</p>
<p>„Sozialstruktur“ – dagegen, bezeichnet eine Realität, die nicht so leicht zu fassen ist. Sie bildet, wenn man so will, eine „Basisrealität“ auf der Semantik aufsetzt. Allerdings, und hier wird die Soziologie anspruchsvoll, wird mit dem Verweis auf Sozialstruktur unterstellt, dass man Zugang zu Erkenntnissen über die „wahre Funktionsweise“ der Welt hat, die sich der (simplifizierenden) Wahrnehmung eher entzieht. Eigentlich kann man die Soziologie einzig als Erkenntnisprogramm beschreiben, das versucht hinter die Semantik auf die Sozialstruktur zu schauen. Möglich wird dies wiederum nur durch eine theorie- und methodegeleitete Perspektive, die sich von der Semantik, also von der operativen Wirksamkeit, die Familien, Organisationen und Gesellschaft zusammenhält, distanziert. Auf diese Weise wird der „Regentanz“ entblößt, als Ritual, dass eher zum Zusammenhalt und zur Solidarität der von Trockenheit geplagten Gruppe motiviert anstatt dem eigenen Anspruch, der Regenbeschaffung, gerecht zu werden. Moderne Soziologen beschäftigen sich aber lieber mit modernen Phänomenen wie z. B. Coaching, bei denen personenbezogene Berater in Organisationen oftmals den Organisationen helfen ihr Personal zu stigmatisieren und zu entsorgen anstatt ihrem humanistischen Anspruch, der lebenslangen Soft-Skill-Bildung, Problemaufarbeitung, Leistungssteigerung, &#8230;, gerecht zu werden. (Wir sehen, die semantische Realität besteht aus Ideologien, Rechtfertigungen, Motivunterstellungen, Meinungen, usw. Die sozialstrukturelle Realität besteht dagegen nur aus Funktionen.)</p>
<p>(2)    Somatik – bezeichnet (zumindest dem gr. Wortstamm „soma-„ nach) einen Körperbezug. Wir kennen es von Ausdrücken wie „somatischer Angst“, „psychosomatisch“ oder (chinesisch) „somatopsychisch“. (Mehr zu diesem Begriff brauchen wir nicht, weiß ich auch nicht.)</p>
<p>Einen Begriff wie „Somantik“ einzuführen, wäre also nicht ganz falsch. Weil „Semantik“ ebenfalls einen Körperbezug der Realitätsunterstellung darstellt. Für die Darstellung von „Sozialstruktur“ benötigt man dagegen keine Menschen. Man bezieht sich in dieser Art der Beschreibung eher auf „Adressen“, „Mitglieder“ oder „Inkludierte“ von Interaktionen, Organisationen oder Gesellschaften, die als abstrakte Größe nicht weiter ins Gewicht fallen, vor allem nicht individuell.</p>
<p>Semantik impliziert einen „Körper“, bzw. einen ganzheitlichen Menschen, von dessen Erleben die Realitätsauffassung ausgeht die beschrieben wird. Allerdings ist der Begriff der „Semantik“ schon von vielen wissenschaftlichen Disziplinen okkupiert und gedeutet, sodass es der Soziologie immer schwer fällt, Außenstehenden klar zu machen, was man eigentlich bezeichnen will, wenn man das Wort „Semantik“ benutzt.</p>
<p>Daher mein Vorschlag: „Somantik“ ;-)</p>
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		<title>Im Heute leben, aber über gestern reden</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jul 2008 13:46:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tiere sind alle Autisten. Sie leben einfach vor sich hin, fressen, laufen herum, spielen mit den Gegenständen die ihnen vor ihrer Nase rumkullern und wissen heute nicht was sie morgen tun werden. Sie können nicht wirklich planen, sie sind der Welt zu sehr ausgeliefert, als das sie sich die Natur zum Untertan machen könnten. Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tiere sind alle Autisten. Sie leben einfach vor sich hin, fressen, laufen herum, spielen mit den Gegenständen die ihnen vor ihrer Nase rumkullern und wissen heute nicht was sie morgen tun werden. Sie können nicht wirklich planen, sie sind der Welt zu sehr ausgeliefert, als das sie sich die Natur zum Untertan machen könnten. Sie sind an ihr Schicksal gebunden.</p>
<p>Und das alles nur, weil sie nicht reden können. So klug sie auch sein mögen, sie können sich nicht koordinieren, weil sie sich nicht verstehen. Beim Menschen ist das anders, er muss sich nicht zerfleischen, wenn er sich selbst begegnet &#8211; er kann miteinander reden und sich verständigen, z.B. darüber das der Eintritt ins eigene Territorium was kostet. Das hat Vorteile für beide, der eine überlebt und der andere wird reich.</p>
<p><span id="more-24"></span>Da Begegnungen dieser Art meist Win-Win Situationen ergeben sind sie so populär geworden, dass sich Menschen im Laufe der Jahrtausende immer häufiger begegneten und sich die Welt absichtsvoll so einrichteten, dass sie sich noch häufiger begegneten.</p>
<p>Irgendwann war sie dann fertig, die schöne neue Welt. Die Globalisierung war ausgereizt und alle Ressourcen angezapft. Die Menschheit hatte sich tatsächlich (wenn auch nicht überall) ihr Walhalla geschaffen. Nicht nur sprichwörtlich: Die gegrillten Hänchen flogen durch die Luft, es gab Ströme aus süßem Wein und die Wiesen waren übersät mit Süßigkeiten, die man sich apriori nicht erträumen konnte.</p>
<p>Doch plötzlich, wurde das Öl wässrig, die Milch teuer und das Plastikspielzeug mit billigem aber giftigem Teer versetzt. Was war geschehen? Eine Katastrophe. Die Ressourcen neigten sich dem Ende, Win-Win wurde zu Win-Loose oder Loose-Loose, Geld gab es nur noch mit negativem Vorzeichen. Angst schlich sich ein, man wurde plötzlich vorsorglich beobachtet, da die Walhallaliferanten ihr Paradies schrumpfen und voller Betrüger sahen. Und die, die als erstes aus dem Paradies vertrieben wurden oder immer nur zuschauen durften begannen es von außen durch Terror zu zerstören.</p>
<p>Und warum? Weil die Ressourcen aufgebraucht sind, die Natur zerstört ist und wir uns unseren jetzigen Lebensstandard nicht mehr leisten können. So die herkömmliche Diktion. Dabei liegt das Problem leicht anders. Der Mensch hat sich eine Welt herbeigeredet, die es einfach nicht gibt. So lange sich alles linear und aufwärts entwickelt scheint es gut zu sein &#8211; niemand fragt auf welcher strukturellen Basis das tagesübliche Blabla basiert &#8211; aber wehe, es geht bergab. Dann springen alle im Dreieck und werfen Anker, obwohl schon längst kein Boden unter ihren Laberei mehr vorhanden ist, indem sie sich verankern können. Das Gerede der Menschheit hat keine strukturelle Entsprechung mehr.</p>
<p>Und das ist vielleicht der wichtigste Punkt in der Betrachtung. Das Verhältnis von Laberei und struktureller Realität (Semantik und Sozialstruktur, sagen diszipliniertere Schreiber) ergibt sich nicht von selbst, sondern muss selbst durch Kommunikation hergestellt werden und dafür gibt es nur einen Mechanismus: Man Reagiert auf die Gegenwart und schafft Semantikstrukturen, die jetzt, aber nicht mehr morgen, funktionieren.</p>
<p>Beispiele dafür sind u.a.: (1) Jeder souveräne Nationalstaat, der eine Verfassung hat, die intern integriert aber keine Antwort darauf hat, wie man mit einer globalisierten Wirtschaft umgehen kann. (2) Alle Tageszeitungen, in denen Redakteure aufwändig selegieren, was wichtig und unwichtig ist, ihre Auswahl dann auf Papier drucken und am nächsten Morgen verteilen &#8211; obwohl die Mehrheit der Menschen schon alles was sie interessiert am Tag davor gelesen hat. (3) Firmen die aufwändig TV-Kabel mit Internet-Anschluss verlegen, obwohl schon heute sowohl digitales TV als auch Internet gefunkt wird. &#8230;</p>
<p>Die Welt die wir uns zusammenreden, weil wir es können und weil es entscheidende Vorteile hat, entspricht immer einer Weltstruktur von gestern. Diese Dialektik ist förmlich nicht aufzuhalten. Selbst die klügsten Soziologieprofessoren an unserer Uni staunen darüber, dass Teilnehmer nach Seminaren regelmäßig ihre Handys statt ihre Kommilitonen konsultieren und fragen sich, was das bloß soll. Und die Handyfuzies können auf Nachfrage dazu keine Antwort geben. Das wird erst in zehn Jahren möglich sein &#8211; wenn wieder jemand ein Generation XY Buch geschrieben hat, alle mit der angebotenen Semantik des Buches einverstanden sind und es damit sogleich in die Geschichte eingeht.</p>
<p>Luhmann nennt diese Differenz im Übrigen, obwohl er <a href="http://www.suhrkamp.de/schnellsuche.cfm?suche=Gesellschaftsstruktur+und+Semantik&amp;x=0&amp;y=0&amp;show=titel">vier Bände</a> über „Gesellschaftsstruktur und Semantik&#8221; geschrieben hat, im ersten Band viel treffender „Historismus&#8221; und „Funktionalismus&#8221;. Und mit dieser Wortwahl gewinnt auch der dümmste Antiwitz der Gegenwart ein bisschen Sinn: <em>Warum leckt sich der Hund die Eier? Weil ers kann.</em> Das gleiche gilt für alles andere was die-Jugend-ohne-Geschichtsbewußtsein tut. Warum nutzen sie social networks auf dem Handy? Warum guckt man sich dumme Kurzfilme im Internet an? Warum hackt man fremde Computer? Warum geht man S-Bahn surfen? Warum tauscht man im Internet unbezahlte Musik? Weil es funktioniert! Und weil die Bedingung, dass man eine befriedigende Begründung ins Weltkommunikationsnetz einspeisen kann, keine notwendige ist. Wer darüber reden kann was er tolles macht, lebt zwangsläufig im gestern.</p>
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