<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sozialtheoristen &#187; Soziologie</title>
	<atom:link href="http://sozialtheoristen.de/tag/soziologie/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://sozialtheoristen.de</link>
	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
	<lastBuildDate>Mon, 06 Feb 2012 09:48:53 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Digitale Revolution ohne Verantwortung?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2011/06/16/digitale-revolution-ohne-verantwortung/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2011/06/16/digitale-revolution-ohne-verantwortung/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 15:12:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidung]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Verfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=1837</guid>
		<description><![CDATA[Sascha Lobo ist sicher nicht der einzige, aber sicherlich ein relativ prominenter Vertreter, der wiederholt mehr E-Government und mehr Mitbestimmung, bzw. Bürgerbeteiligung durch das Internet fordert. Aktuell tut er dies via Spon und schließt: Was wir jetzt nicht brauchen, sind keine Experimente. Und die müssen so lange durchgeführt werden, bis ausreichend viele und unterschiedliche Leute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" src="http://farm3.static.flickr.com/2525/4125136601_f27f5decf5_d.jpg" alt="" width="500" height="288" /></p>
<p>Sascha Lobo ist sicher nicht der einzige, aber sicherlich ein relativ prominenter Vertreter, der wiederholt mehr E-Government und mehr Mitbestimmung, bzw. Bürgerbeteiligung durch das Internet fordert. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,768496,00.html">Aktuell tut er dies via Spon und schließt</a>:</p>
<blockquote><p>Was wir jetzt nicht brauchen, sind keine Experimente. Und die müssen so  lange durchgeführt werden, bis ausreichend viele und unterschiedliche  Leute mitmachen.</p></blockquote>
<p>Mitbestimmung oder Bürgerbeteiligung via Internet, oder jetzt Neudeutsch: E-Government, klingen ideal, wünschenswert und erfreulich. Das virtuelle &#8216;Hurra, jetzt geht es los&#8217;-Geschrei scheint einem fast aus jedem solcher Statements entgegen zu kommen. Doch es passiert nichts. Seit Jahren übrigens. Und dass, obwohl technisch längst alle Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Die digitale Revolution des politischen Systems bleibt aus. Und das hat Gründe.</p>
<p><span id="more-1837"></span></p>
<p>Die Gründe liegen allerdings nicht darin, dass bisher zu wenig Experimente stattgefunden haben. Es liegt auch nicht an der allgemeinen Politikverdrossenheit oder an dem Unwillen der breiten Bevölkerung, sich politisch im Netz zu engagieren. Es liegt auch nicht an den Politikern, die nicht &#8216;auf ihr Volk hören&#8217; wollten. Die Gründe für das Ausbleiben der digitalen Revolution liegen darin, dass alle bisher diskutierten Vorschläge am Problem der Komplexitätsreduktion scheitern. Mit der Unterscheidung von <em>Beteiligung am politischen Diskurs vs. Beteiligung an einem politischen Verfahren</em> und der Unterscheidung von <em>Meinungäußerung vs. Verantwortungsübernahme</em> lässt sich das ganz gut zeigen.</p>
<p>Das Problem an Lobos Beitrag ist, dass er nicht zwischen Beteiligung am Diskurs und Beteiligung am Verfahren des politischen Systems unterscheidet. Woran das Netz sicherlich nicht krankt, ist die Beteiligung am politischen Diskurs. Es gab wohl noch nie eine so pluralistische, milieu- und raumüberschreitende Auseinandersetzung wie heute. Möglich geworden ist das durch das Internet. Keine Frage, es handelt sich dabei um eine unumkehrbare Errungenschaft der letzten Jahre. Die Beteiligungsmöglichkeiten am öffentlichen Diskurs werden immer breiter und vielfältiger genutzt. Ein Ende dieser Entwicklung ist kaum abzusehen. Es gibt keine gesellschaftlichen Bereiche mehr, die nicht politisiert werden können. Im Diskurs wird durch das Einbringen von Meinungen, Perspektiven, Fakten usw. Komplexität geschaffen. Unterschiede werden sichtbar, es läuft auf Dissenz hinaus. Auch wenn man sich einigt, springen sogleich die doppelte Anzahl an Gegenspielern aus den Weiten des Netzes und markieren die andere Seite der Unterscheidung. Nichts anderes passiert während der Debatten (nicht bei den Wahlen!) des Bundestages oder der Parteitage: Es wird Dissens markiert und Komplexität erzeugt.</p>
<p>Die Beteiligung am politischen Diskurs ist aber nicht gleichzusetzen mit der Beteiligung an einem politischen Verfahren. Ein Verfahren geht die umgekehrte Richtung. Es reduziert die Komplexität nach einer bestimmten Regel solange, bis ein Sollwert erreicht ist. Am Ende steht in der Regel eine einfache Unterscheidung: Ja oder nein. Oder: Eins aus zehn. Warum ist es wichtig zwischen der Beteiligung am Diskurs und am Verfahren zu unterscheiden? Es ist offensichtlich, dass man sich nicht mit den gleichen Mechanismen am Verfahren beteiligen kann, die man im Diskurs nutzt. Aber genau dieser Unterschied wird nicht deutlich, wenn man so wie Lobo nur auf den Euphorie-Button drückt und den Eindruck erweckt, jeder müsse nur überall seine Meinung kund tun dürfen. Dann würde das schon was werden, mit aktiver Bürgerbeteiligung im Netz.</p>
<p>Meinungsäußerung funktioniert schon ganz hervorragend im Internet. Vielleicht sogar zu gut. Es macht aber einen Unterschied, ob es technisch möglich ist, seine Meinung zu äußern oder ob man eine breite Verantwortungsübernahme der Bevölkerung einfordert. Auch hier verwischt Lobo die Grenzen der Unterscheidung geschickt mit dem euphorischen Verweis auf die technischen Möglichkeiten. Eine Meinung zu haben und diese öffentlich zu äußern, mag für das Individuum große Bedeutung und Tragweite haben, ist jedoch weitestgehend folgenlos für die Gesellschaft. Die Verantwortungübernahme der Meinungsäußerung beschränkt sich nämlich auf sich selbst. In einem politischen Verfahren zu entscheiden hat dagegen Folgen für die Gesellschaft. Man trägt mit dieser Entscheidung eine übergeordnete Verantwortung, die weit über den eigenen Horizont, die eigene Erfahrungswelt und die individuellen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und -verarbeitung liegen.</p>
<p>Als Einzelner ist man nicht in der Lage, diese Komplexität zu reduzieren. Man entscheidet zwangläufig nach Maßgabe unzureichender Information und emotionaler Irrationalität. Auch Politiker tun dies, wie man offenkundig immer wieder vorgeführt bekommt. Ihre Entscheidung ist aber stark gebunden an die Möglichkeit zur Verantwortung gezogen zu werden. Sie übernehmen Verantwortung, indem sie sich am politischen Verfahren als Gewählte beteiligen und die Möglichkeit institutionalisiert ist, die Herrschenden abzuwählen. Hier wird deutlich, warum es sich lohnt zwischen Meinungsäußerung und Verantwortungsübernahme zu unterscheiden. Was würde nämlich passieren in den Experimenten, die Lobo fordert: Man würde Ergebnisse kollektiver Dummheit und Irrationalität erzeugen, für die man nicht einmal jemanden verantwortlich machen könnte. Auch wenn wir von unserem Wahlrecht Gebrauch machen, erzeugen wir Ergebnisse kollektiver Irrationalität. Allerdings ist hierbei noch nichts an konkreten Entscheidungen vorweg genommen worden. Lediglich die Komplexität wurde soweit reduziert, dass die Gewählten sich einen Reim auf die kollektiv erzeugte Irrationalität machen müssen. Wenn sie dabei falsch liegen, werden sie abgewählt. Wie letztlich die Komplexität reduziert wird, ist daher nicht entscheidend. Denn es ist nicht in erster Linie wichtig eine Meinung zu haben und diese äußern zu können. Viel wichtiger ist die Frage, wer Verantwortung übernimmt. Und genau diese Frage bleibt bei Lobo ungeklärt.</p>
<p>Abschließend sei angemerkt, dass ich kein Feind von Innovationen des politischen Systems bin und mich ausdrücklich freuen würde, wenn es gelänge das politische Verfahren durch die Möglichkeiten des Internet zu bereichern. Allerdings wünsche ich mir eine differenziertere Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Partizipation. Und so bedauerlich es sein mag, von dieser Art Diskurs sind wir noch viel zu weit entfernt., um uns realistische Hoffnungen auf Veränderungen machen zu können.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/charliedees/">charlesdyer</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2011/06/16/digitale-revolution-ohne-verantwortung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Differenzen der Hochschulen</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/11/19/differenzen-der-hochschulen/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2010/11/19/differenzen-der-hochschulen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 19 Nov 2010 10:36:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Hoebel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Differenz]]></category>
		<category><![CDATA[Differenzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Kausalität]]></category>
		<category><![CDATA[Konkurrenz]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerung]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=1104</guid>
		<description><![CDATA[In seiner Abschiedsrede als Präsident der Humboldt Universität zu Berlin überrascht Christoph Markschies mit der Überlegung, dass in Deutschland trotz Abschwächung ideologischer Borniertheiten immer noch keine wirkliche Differenzierung von Hochschultypen möglich sei („Universitäten können nicht allen alles bieten“, FAZ vom 28.10.2010). Überraschend ist ebenfalls seine Schlussfolgerung. Die deutsche Hochschullandschaft sei „also“ nicht konkurrenzfähig, weder im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seiner Abschiedsrede als Präsident der Humboldt Universität zu Berlin überrascht Christoph Markschies mit der Überlegung, dass in Deutschland trotz Abschwächung ideologischer Borniertheiten immer noch keine wirkliche Differenzierung von Hochschultypen möglich sei („Universitäten können nicht allen alles bieten“, FAZ vom 28.10.2010). Überraschend ist ebenfalls seine Schlussfolgerung. Die deutsche Hochschullandschaft sei „also“ nicht konkurrenzfähig, weder im Verhältnis mit angloamerikanischen Spitzenuniversitäten („entschlossene Elitenförderung“) noch in Bezug auf das Ziel, „die breite Masse“ adäquat auszubilden.</p>
<p><span id="more-1104"></span>Diese Verknüpfung von Ursache und Wirkung ist bemerkenswert, steht und fällt das Argument doch mit der Frage nach der faktischen Differenzierung in und zwischen den Hochschulen. Mein Eindruck ist, dass Markschies sich womöglich eine andere Ursache suchen muss, um seine These mangelnder Konkurrenzfähigkeit zu behaupten. Denn eine solche Binnen- und Typendifferenzierung mag vielleicht nicht möglich sein. Existent ist sie schon. Man muss sich dafür nur vor Augen führen, welche faktischen Differenzen den verschiedenen Mitgliedern von deutschen Hochschulen in ihrer täglichen Auseinandersetzung mit diesen eigentümlichen Organisationen begegnen. (Früher hätte man statt „verschiedene Mitglieder“ wahrscheinlich Statusgruppen gesagt. Das ist insofern obsolet, weil sich herausgestellt hat, dass diese gar keine einigermaßen geschlossenen Gruppen bilden.)</p>
<p>Wohlgemerkt, es geht um faktische, nicht um ideelle Differenzen! Ideell sind ja vor allem solche Unterschiede, deren Geist zwar immer wieder beschworen wird, die aber auf das Verhalten in der Organisation kaum bis gar keinen Einfluss haben. Die Differenz von Forschung und Lehre ist da sicherlich die prominenteste. Ihre Einheit gilt es, so zumindest die Idee, fortlaufend zu erreichen. Aber nahezu keiner orientiert sich daran.</p>
<p>Faktische Differenzen sind demgegenüber diejenigen von Universitäten und (Fach-)Hochschulen entlang der Frage des Promotionsrechts; von Volluniversitäten und ihren spezialisierten technischen, medizinischen oder künstlerischen Pendants; von Natur- und Geisteswissenschaften und den dazwischen oszillierenden Sozialwissenschaften; von öffentlich und privat finanzierten Einrichtungen; von reiner Wissenschaft und instrumenteller Anwendungsorientierung; von traditioneller Alma mater und Reformuniversität; von Großstadtflair und Provinzmief; von Leuchttürmen und Massenuniversitäten; von exzellenten und unauffälligen Hochschulen mit „Nischencharakter“; von unterfinanzierten Fakultäten und Organisationseinheiten mit ausreichendem Mittelzufluss; von akkreditierten „Systemen“ oder Studiengängen und solchen, die darauf (noch oder mal wieder) warten – um nur einige zu nennen.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-1105" href="http://sozialtheoristen.de/2010/11/19/differenzen-der-hochschulen/3903807295_174196b2ea_z/"><img class="size-medium wp-image-1105 alignnone" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/11/3903807295_174196b2ea_z-550x412.jpg" alt="The Meeting House, University of Sussex" width="550" height="412" /></a></p>
<p>Der Chicagoer Soziologie <a title="Drei Formen der Ignoranz" href="http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E274496C7F4254A67A3519782422DDEDC~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Andrew Abbott</a> verfolgt in Bezug auf eine oftmals undurchsichtige Gemengelage von Differenzen einen Gedanken, der auch für die Betrachtung der deutschen Hochschullandschaft und einer von Markschies angemahnten Typendifferenzierung interessant ist. Soziale Einheiten wie zum Beispiel wissenschaftliche Disziplinen oder Professionen entstehen dadurch, dass in mehr oder weniger übersichtlichen Konstellationen interessierter Personen Differenzen miteinander verknüpft und geordnet werden – und zwar über Jahrzehnte. Die Differenzen bestehen bereits vorab, nicht aber die sozialen Einheiten, denen ihr Zusammenspiel schließlich Gestalt (und in der Regel einen Eigennamen) verleiht. <a title="Things of Boundaries" href="http://findarticles.com/p/articles/mi_m2267/is_n4_v62/ai_18229216/" target="_blank">„Boundaries come first, then entities.”</a></p>
<p>Die zentrale Überlegung dabei ist, dass sich letztlich beständige Gruppen konstituieren, indem sie nach und nach jeweils eine Seite einer Vielzahl von Differenzen besetzen. Durch die damit verbundene Erzeugung zahlreicher Grenzen gegen Dritte gewinnen sie Stabilität und ein besonderes „Image“. Abbott spielt einen solchen historischen Prozess am Beispiel der Sozialen Arbeit („gegen“ die Psychatrie und die Medizin) in den USA durch. Anfang des 20. Jahrhunderts koppeln sich hier aus seiner Sicht die drei Seiten Weiblichkeit, Betreuung nur bestimmter und vor allem staatlich gekennzeichneter Klienten und Arbeitsplätze außerhalb kirchlicher Zusammenhänge.</p>
<p>Organisieren sich die deutschen Hochschulen als soziale Einheiten in ähnlicher Weise? Sicherlich in Ansätzen, könnte die Antwort lauten, wenn man sich dafür interessiert, welche Präferenzen sich je nach Situation und Kontext für jeweils eine Seite der zahlreichen genannten Differenzen finden lassen. In vielen Fachhochschulen verbinden sich Anwendungsorientierung, Reformorientierung und Nischendasein. Einrichtungen, die mittlerweile den Zusatz „Fach“ streichen, machen sich dagegen auf, anwendungsorientierte und massentaugliche Universität zu werden – als ein Realexperiment mit ungewissem Ausgang. Beide setzen sich darüber gegen andere Hochschulen ab, gewinnen folglich ihr Profil, weil es auch andere Typen gibt. Markschies‘ These mangelnder Typendifferenzierung in der aktuellen Hochschullandschaft ist somit mindestens überdenkenswert.</p>
<p>Fragt man jedoch danach, in welchen Konstellationen interessierter Stellen die Differenzen neu bzw. anders geordnet oder ohne viel Bewegung befestigt werden, liegt der springende Punkt der Abschiedsrede jenseits einer fragwürdigen Kausalitätsvorstellung von verursachender Differenzierung und erwirkter Konkurrenzfähigkeit. Kritisch erscheint vielmehr, ob die Hochschulen selbst in der organisatorischen Lage sind, Differenzen zu erkennen, Präferenzen zu entwickeln und sie für sich in Differenz zu anderen Einrichtungen zu ordnen – und dabei auch Gegensätze wie die Förderung vermeintlicher Eliten und fundierter Ausbildung aufzulösen. (Denn ob die Idee, sich als Elitehochschule zu positionieren, als organisatorische Ordnungsvorstellung mit Attraktionspotential für eine nennenswerte Anzahl von Studierenden sowie für unterstützende Dritte taugt, kann als offene Frage gelten.)</p>
<p>Es wird häufig auf politisch-rechtliche Autonomiebeschränkungen verwiesen, welche die organisatorischen Freiheitsgrade der Hochschulen verringern. Das ist sicherlich richtig. Über viele Differenzen können die Hochschulen kaum selbst befinden. Man denke an die Akkreditierungsanforderungen. Stellen wir uns aber vor, dass diese Beschränkungen von heute auf morgen wegfallen würden. Welche nennenswerten <a title="Organisation and Legitimation. Die Selbssteuerungsimperative der Organisation und das Problem der Legitimation" href="http://www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/view/2247" target="_blank">„Selbststeuerungskapazitäten“ (Karl Gabriel)</a> gibt es in der deutschen Hochschullandschaft? Diese Frage sollte nicht nur Soziologen beschäftigen.</p>
<p>Foto: <a title="mira66" href="http://www.flickr.com/photos/21804434@N02/">mira66</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2010/11/19/differenzen-der-hochschulen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zum Umbau des Systems der Massenmedien</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 09:53:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Beobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=584</guid>
		<description><![CDATA[Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung von Theorie und Gesellschaft ein vergleichendes Beobachten unmöglich macht. Ich plädiere daher für eine konservative [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung von Theorie und Gesellschaft ein vergleichendes Beobachten unmöglich macht. Ich plädiere daher für eine konservative Anwendung systemtheoretischer Überlegungen zum Funktionssystem der Massenmedien, weil es mir nicht zwingend notwendig erscheint, mit einem massiven Eingriff in theoretische Grundannahmen zu reagieren, um neue Phänomene zu beschreiben.<br />
<span id="more-584"></span></p>
<p>Ganz konkret möchte ich auf <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/22/relevanz-als-symbolisch-generalisiertes-kommunikationsmedium/">Stefans interessante Ausführungen</a> eingehen. Er schreibt:</p>
<blockquote><p>Die Einführung des Internets ist ein verheerender Entwicklungssprung. Denn bisher galt: “Die Abnehmer machen sich allenfalls quantitativ bemerkbar: durch Absatzzahlen, durch Einschaltquoten”. (Luhmann, RdM: 34) Dies ist nun anders. Galten bisher qualitative Maßstäbe in den Redaktionen und quantitative Maßstäbe im Absatzmarkt – gelten nun auch in den Absatzmärkten qualitative Maßstäbe, da das Internet einen Rückkanal bereithält, über den dies geleistet werden kann.</p>
<p>Die Folge der Rückkopplung führt zu dem Phänomen, dass plötzlich alle <a href="http://seedmagazine.com/content/article/a_writing_revolution/">Autoren</a> sind. Das System der Massenmedien kann nicht mehr oder nur noch schwerlich zwischen Leistungs- und Publikumsrollen und Zentrum und Peripherie unterscheiden. Und wenn alle/viele durch Rezeption auch produzieren – nimmt der Umfang an kommunizierter Information zwangsläufig zu.</p></blockquote>
<p>Geht man weiterhin davon aus, dass die Massenmedien nach wie vor am zentralen Code Information/Nicht-Information festhalten, so ist als erstes festzuhalten, dass zwar jeder potentiell zum Autor werden kann. Aber das bedeutet nicht, dass eine Rückkopplung in dem Sinne gelingt, dass Publikums- und Leistungsrollen verschwimmen und jeder nun potentiell zum dauerhaften und konstanten Massenkommunikator werden könnte. Kein Blogger könnte die Autorität von SPIEGELonline oder der Tagesschau ersetzen, weil die gesellschaftlichen Zuschreibungen auf eben jene Institutionen nicht so fluide sind, wie es in den Großmachtphantasien einiger Blogger ausgemalt wird. Ein qualitativer Ersatz ist nicht in Sicht.</p>
<p>Auch eine quantitative Aggregation eines &#8220;Feedback-Channels&#8221; dürfte kaum funktionieren, weil eine massenhafte Kommunikation einzelner Blogger nicht in der Lage sein wird, die Komplexität der mitgeteilten Informationen soweit zu reduzieren, wie es die klassischen massenmedialen Kommunikationen nach wie vor leisten. Wenn einmal eine Welle der Empörung in den Blogs ihren Ursprung hat, ist sie gesellschaftlich übergreifend erst dann relevant, wenn sie in den traditionellen Medien Anschluss gefunden hat. Nur weil 15% der Blogger über ein Thema schreiben, ist es noch lange nicht wichtig.</p>
<p>Dennoch kann man nicht abstreiten, dass sich das System der Massenmedien massiv verändert und auf technische Neuerungen und ihre Implementation in den Alltag reagieren muss. Ich würde hier eher vermuten, dass der zentrale Code nach wie vor stabil funktioniert, aber die Produktionsmöglichkeiten massenmedialer Kommunikation dahingend in eine zunehmend auseinander klaffende Schere geraten, dass auf der einen Seite ein zunehmend großer Teil der Informationen standadisiert reproduziert werden und ein immer geringer Anteil an qualitativ hochwertigen Informationen verbreitet werden, die die Welt, wie wir sie kennen, in einem neuen Licht erscheinen lässt. Dazu zwei Überlegungen:</p>
<p>Vor allem durch die Art der wiedergekäuten und aufbereiteten Informationen des Immergleichen werden zwar an Hand der Nachrichtenwerte konstant Neuigkeiten hervorgebracht, aber die Welt im Prinzip in den immer gleichen Formeln beschrieben. Man kennt das aus der Unterhaltungsindustrie, den nahezu identischen TV-Formaten quer durch alle Kanäle, die floskelhafte Berichterstattung über die Politik und vor allem im Sport, der sich in erster Linie durch quantifizierbare Vergleiche beschreiben lässt. Und da ist es nur konsequent, einen <a href="http://carta.info/16739/stat-monkey-journalismus-computer-automatisierung/">Statistik-Roboter zu programmieren</a>, der es ohne weitere menschliche Hilfe fertig bringt, <a href="http://mediadecoder.blogs.nytimes.com/2009/10/19/the-robots-are-coming-oh-theyre-here/">akzeptable Spielberichte zu produzieren</a>. Das Prinzip der schablonierten Berichterstattung ist auch auf andere Bereiche übertragbar, sobald es gelänge die Selektionsmechanismen einerseits zu standardisieren und auch zu etablieren, sodass sie zuverlässig reproduzierbar werden. Die allgemeine Zunahme an Kommunikationsmüll, der massenmedial produziert wird, schafft dafür die besten Voraussetzungen. Es geht also nicht um Relevanz, sondern um quanititative Entwertung von qualitativer Kommunikation.</p>
<p>Die zweite Überlegung wendet sich nun der anderen Seite zu: Wenn der Absatzmarkt tatsächlich zunehmend zersplittert und der Großteil mit redundanten Quasi-Neuigkeiten versorgt werden kann, wird es für den qualitativ-anspruchsvollen Journalismus schwierig, rentable Absatzmärkte zu finden. Insofern sind die Überlegungen amerikanischer und auch deutscher Medienkonzerne nur die logische Konsequenz: Wer sich exklusive Meinungen und Berichte abseits des Informationsmülls leisten möchte, <a href="http://blogbar.de/archiv/2009/08/13/bezahlinhalte-schon-wieder/">wird kräftig dafür bezahlen müssen</a>.</p>
<p>Sollte die Schere weiter auseinanderdriften, so muss die soziologische Theorie die Frage beantworten, ob das System der Massenmedien nach wie vor dafür sorgen kann, für ein potentiell unterstellbares, gemeinsam geteiltes Bild von der Welt zu sorgen. Und falls ja, wie und falls nein, warum nicht (mehr)? Für einen Umbau des Codes spricht in meinen Augen jedenfalls wenig.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Was nicht passt, wird passend gedacht.</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/01/18/was-nicht-passt-wird-passend-gedacht/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2009/01/18/was-nicht-passt-wird-passend-gedacht/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 18 Jan 2009 12:29:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tollerei]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Niklas Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Seminar]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Uni]]></category>
		<category><![CDATA[Unterricht]]></category>
		<category><![CDATA[Verstehen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=387</guid>
		<description><![CDATA[Uni-Seminare haben ja die große Eigenart auszuufern. Dass das aber nicht das Problem sondern die Lösung für Verständnis ist, wird meistens übersehen. Man muss zwar Themen portionieren, sequenziell vorgehen und pragmatisch Grenzen festlegen. Von dieser Vorgehensweise sollte man sich jedoch nicht vorgaukeln lassen, dass der gefasste Plan der beste und die Abweichung von ihm kontraproduktiv [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Uni-Seminare haben ja die große Eigenart auszuufern. Dass das aber nicht das Problem sondern die Lösung für Verständnis ist, wird meistens übersehen. Man muss zwar Themen portionieren, sequenziell vorgehen und pragmatisch Grenzen festlegen. Von dieser Vorgehensweise sollte man sich jedoch nicht vorgaukeln lassen, dass der gefasste Plan der beste und die Abweichung von ihm kontraproduktiv sei. Zu Seminaren gäbe es bestimmt Interessantes zu finden, die folgenden Textstellen zu Texten lagen aber gerade parat. Daher, hier ein paar Begründungen und Sichtweisen von Luhmann, weshalb es an prägnanten Stellen sinnvoll ist, gerade keine Lehrbücher zu schreiben oder zu lesen.<span id="more-387"></span></p>
<blockquote><p>„(&#8230;) Die eine Seite zieht aus einer komplexen Sachlage mit aller Vorsicht gewisse Schlüsse. Die andere stützt ihre Anschlussoperation nicht mehr auf die Sachlage, sondern nur noch auf die Schlüsse. Wenn hinzukommt, dass das Abgabeprestige gar nicht auf Wissen beruht, sondern auf Auflösevermögen, wird gerade Verständlichkeit zum Problem, und man möchte sich Sprachformen wünschen, die ein hinreichendes Maß an Vorbehalten mitvermitteln und ein zu rasches Verstehen verhindern. Sonst gerät die Soziologie tatsächlich in die Situation einer ideenpolitischen Vorherrschaft, die ihr übel bekommen würde.</p></blockquote>
<p>(<a href="http://www.vs-verlag.de/index.php;do=show/actno=70806123/isbn=3-531-51394-X/sid=9c9301a4efe9a044dc90b92afa1e5781">Luhmann, Niklas: „Unverständliche Wissenschaft &#8211; <em>Probleme einer theorieeigenen Sprache</em>&#8220;, in: Soziologische Aufklärung 3, VS Verlag, Seite 199</a>)</p>
<blockquote><p>„Die Selbstständigkeit ist also einer der großen Vorteile, und die Systemtheorie kann das durch ihren Relativismus nur begünstigen, denn man muss ja immer von einer Systemreferenz ausgehen. Dazu gehört auch die Ironie in der Präsentation der Systemtheorie selbst. In allen Büchern ist irgendein heimlicher Unsinn drin, der nicht immer entdeckt wird, aber auch in den Vorlesungen kommt viel dieser Art vor, um eine Orthodoxierung des Lehrguts zu vermeiden. Das geschieht in der Absicht, zur Reflexion anzustoßen oder zum Weiterdenken anzustoßen, ohne irgendwie zu zügeln. Abgesehen davon aber liegt es mir auch vom Naturell her.</p></blockquote>
<p>(<a href="http://www.haux-seminare.de/content/buch2.html">Luhmann, Niklas: Antwort auf die Frage, ob es sich bei der Systemtheorie um eine absichtlich begründete Schule handelt. In: „Universität als Milieu&#8221;, Seite 103</a>)</p>
<blockquote><p>„(&#8230;) Wiederum andere Anforderungen stellt das Lesen wissenschaftlicher Texte. Ich denke hier an sprachlich formulierte Texte, also nicht an Texte, die in der Geheimschrift der mathematischen oder logischen Kalküle abgefasst sind. Auch Wissenschaftler müssen, wenn sie publizieren wollen, Sätze bilden. In der dafür notwendigen Wortwahl herrscht jedoch ein für die meisten Leser unvorstellbares Maß an Zufall. Auch die Wissenschaftler selbst machen sich dies selten klar. Der weitaus größte Teil der Texte könnte auch anders formuliert sein und würde auch anders formuliert sein, wenn er am nächsten Tag geschrieben worden wäre. Die Füllmasse der Worte, die zur Satzbildung erforderlich sind, entzieht sich jeder begrifflichen Regulierung.</p></blockquote>
<p>(<a href="http://www.systemagazin.de/buecher/neuvorstellungen/2005/06/luhmann_short_cuts.php">Luhmann, Niklas 2000: „Lesen lernen&#8221;, in: ders., Short Cuts, Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 150-157</a>)</p>
<p>Es gibt also keinen Grund zu sagen: Man habe noch nicht ausreichend verstanden und könne daher nichts sagen. Oder etwas übertrieben pointiert ausgedrückt: Wer sagt, noch nicht verstanden zu haben, hat tatsächlich nocht nicht verstanden. Verstehen im Sinne der 1:1 Nachbildung von Wissensinformation im eigenen Kopf gibt es manchmal einfach nicht. Wodurch man den Begriff ersetzen kann, ist mir dabei auch unklar.</p>
<p>Für Texte gilt: Text einfach mal Text sein lassen und dessen Gegenstand ernst nehmen. Für Seminare könnte gelten: Es gibt nicht für alle wichtigen Aspekte eines Seminares eine gute Planung und Vorbereitung. Oftmals müssen die Anwesenden ihre Vorstellungen über Seminare Vorstellungen sein lassen, und einfach das beste aus der gegebenen Situation machen. (Weils passt: Ein Hoch auf die neue <span style="text-decoration: line-through;">Unilandschaft</span> <a href="http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E55AD24DD2C5E472A84CA69FCBA13D3ED~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Tretmühle</a>.)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2009/01/18/was-nicht-passt-wird-passend-gedacht/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Soziologische Stilblüten (II)</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/09/04/soziologische-stilbluten-ii/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/09/04/soziologische-stilbluten-ii/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 04 Sep 2008 08:56:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Hoebel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stilblüten]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Simmel]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=123</guid>
		<description><![CDATA[Wenn es richtig ist, daß das menschliche Erkennen sich aus praktischen Notwendigkeiten entwickelt hat, weil das Wissen des Wahren eine Waffe im Kampf ums Dasein ist, sowohl gegenüber dem außermenschlichen Sein wie in der Konkurrenz der Menschen untereinander &#8211; so ist es doch an diese Herkunft längst nicht mehr gebunden, und ist aus einem bloßen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wenn es richtig ist, daß das menschliche Erkennen sich aus praktischen Notwendigkeiten entwickelt hat, weil das Wissen des Wahren eine Waffe im Kampf ums Dasein ist, sowohl gegenüber dem außermenschlichen Sein wie in der Konkurrenz der Menschen untereinander &#8211; so ist es doch an diese Herkunft längst nicht mehr gebunden, und ist aus einem bloßen Mittel für die Zwecke des Handelns selbst zu einem endgültigen Zwecke geworden.</p></blockquote>
<p>Simmel, Georg (1908): Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung. Gesamtausgabe Band 11, hg. von Otthein Rammstedt, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992. S. 13.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/09/04/soziologische-stilbluten-ii/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Legitimation durch Verfahren (Niklas Luhmann, 1969)</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/07/15/legitimation-durch-verfahren-niklas-luhmann-1969/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/07/15/legitimation-durch-verfahren-niklas-luhmann-1969/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 15 Jul 2008 17:03:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Argumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidung]]></category>
		<category><![CDATA[Legitimation]]></category>
		<category><![CDATA[Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Verfahren]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=34</guid>
		<description><![CDATA[REZENSION Die 1969 erschienene Monographie Legitimation durch Verfahren von Niklas Luhmann gehört zu den Werken deutschsprachiger Soziologie, die nicht ohne Grund als „Klassiker“ der soziologischen Disziplin angesehen werden Das Buch gliedert sich in einen ersten Teil, der die theoretischen Grundlagen des Verfahrens darlegt, zwei anschließende Teile, die die vorgestellten Grundlagen am Beispiel von Gerichtsverfahren und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>REZENSION</p>
<p>Die 1969 erschienene Monographie Legitimation durch Verfahren von Niklas Luhmann gehört zu den Werken deutschsprachiger Soziologie, die nicht ohne Grund als „Klassiker“ der soziologischen Disziplin angesehen werden<br />
Das Buch gliedert sich in einen ersten Teil, der die theoretischen Grundlagen des Verfahrens darlegt, zwei anschließende Teile, die die vorgestellten Grundlagen am Beispiel von Gerichtsverfahren und politischen Verfahren anwenden und einen abschließenden Teil, der Folgerungen und Erweiterungen der vorgestellten Analysen enthält.<span id="more-34"></span><br />
Gegen die in der Wissenschaftstradition erwartbaren Frage nach Wahrheit und Richtigkeit einer Entscheidung grenzt Luhmann seine Untersuchung von Verfahren ab, weil Wahrheit und Richtigkeit allein die Anerkennung der Entscheidung nicht garantieren können. Am Verfahren interessiert Luhmann vielmehr die latente Funktion der Legitimation einer Entscheidung. Um diese Umstellung der Analyse zu bewerkstelligen, reinterpretiert er den Begriff der Legitimität, wobei er von der motivierten Überzeugung des Einzelnen auf eine generalisierte Anerkennung einer Entscheidung umstellt. Zentral in der Argumentation ist, dass das Verfahren als soziales System die Komplexität einer entscheidungsbedürftigen Situation soweit reduziert, dass sie erstens entscheidbar ist und zweitens das Ergebnis von allen Betroffenen &#8211; unabhängig von ihrer psychischen Einstellung zur getroffenen Entscheidung &#8211; akzeptiert wird. Diese Doppelfunktion kann nur durch drei konkrete Bedingungen erfüllt werden: Das Verfahren muss erstens durch organisations- bzw. rechtsspezifische Normen und gesellschaftlich institutionalisierte Rollentrennung als besonderes Handlungssystem ausdifferenziert sein. Es muss zweitens eine gewisse Autonomie des Ablaufs erhalten, um eine eigene Geschichte zu entwickeln und es muss drittens komplex genug sein, um Konflikte zulassen zu können. Erst dann werden Betroffene motiviert, an eigenen sozialen Rollen mitzuwirken. Die Involviertheit in das Verfahren wird sie dazu veranlassen, Verhaltensalternativen aufzugeben. Durch diese Komplexitätsreduktion des Systems kann eine Entscheidung getroffen werden, die den Betroffenen psychische Anpassungsmöglichkeiten offen lassen, welche von der Gesellschaft nicht weiter beachtet werden müssen.<br />
Luhmann präsentiert auf diese Weise eine soziologische Argumentation, die aufzeigt, dass sich das Entstehen und Akzeptieren von Entscheidungen gerade nicht auf individuelle Zustimmung verlassen kann, sondern dass die sozialen Mechanismen für die Akzeptanz von Entscheidungen verantwortlich sind. Obwohl das Buch bereits vor fast 30 erschienen ist, sorgt die funktionale Analyse Luhmanns durch die konktraintuitiven Einsichten nach wie vor für positive Irritationen.<br />
Seit der „autopoietischen Wende“ der Systemtheorie, die mit dem Erscheinen von Soziale Systeme 1984 eingeleitet wurde, sind zwar Begriffe wie z.B. Rolle, System und Erwartung innerhalb des Aufbaus der Theorie mit anderen Stellenwerten und Funktionen besetzt worden, sodass die soziologische Systemtheorie insgesamt ein höheres Abstraktionsniveau erreichen konnte. Die Analyse des Verfahrens bleibt aber im Kern zeitlos und anschlussfähig, nicht zuletzt, weil die Theorie hier in einer direkten Sprache und klar gegliederten Zusammenhängen präsentiert wird.</p>
<p><strong>Luhmann, Niklas 1969: Legitimation durch Verfahren. Frankfurt a.M.: Suhrkamp</strong></p>
<p><strong>€ 12,50 (ISBN 3518280430)</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/07/15/legitimation-durch-verfahren-niklas-luhmann-1969/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Streit (Georg Simmel, 1908)</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/07/14/simmel-georg-1908-der-streit/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/07/14/simmel-georg-1908-der-streit/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 13 Jul 2008 22:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rena Schwarting</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konkurrenz]]></category>
		<category><![CDATA[Simmel]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Streit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=32</guid>
		<description><![CDATA[REZENSION Von der „wunderbaren Unzerreissbarkeit der Gesellschaft&#8221; Was konstituiert die Soziologie als eigenständige Wissenschaft? Georg Simmel beantwortet diese Frage in dem Band „Soziologie&#8221; differenztheoretisch über die Unterscheidung von Inhalt und Form. Als Inhalt bezeichnet er die individuellen Motive, Interessen und Zwecke, die die Materie der Vergesellschaftung bilden und selbst noch keine Sozialität konstituieren. Erst indem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>REZENSION<em><br />
</em></p>
<p><strong>Von der „wunderbaren Unzerreissbarkeit der Gesellschaft&#8221;</strong></p>
<p>Was konstituiert die Soziologie als eigenständige Wissenschaft? Georg Simmel beantwortet diese Frage in dem Band „Soziologie&#8221; differenztheoretisch über die Unterscheidung von Inhalt und Form. Als Inhalt bezeichnet er die individuellen Motive, Interessen und Zwecke, die die Materie der Vergesellschaftung bilden und selbst noch keine Sozialität konstituieren. Erst indem sich das isolierte Nebeneinander der Individuen zu bestimmten Formen des Miteinander und Füreinander gestaltet, entsteht Vergesellschaftung. Simmel grenzt dabei die Soziologie von einer ontologisch begründeten Wissenschaft ab, indem er betont, dass die besonderen Wechselwirkungen zwischen Individuen nicht eindeutig erfasst werden können, sondern je nach Betrachter begrifflich unterschiedlich zu deuten sind.</p>
<p><span id="more-32"></span>Im 4. Kapitel des Werkes, dem diese Rezension gewidmet ist, behandelt Simmel unterschiedliche Formen des „Streits&#8221;. Im Rahmen einer Typologie des „Streits&#8221; ergänzt Simmel den makrosoziologischen Untersuchungsgegenstand der Organisationen (wie Parteien, Staaten, Familien und Zünfte) um die mikrosoziologischen Sozialformen der Interaktion zwischen Individuen und behandelt ihre jeweiligen sozialen Wirkungen. In diesem Zusammenhang erfährt der „Streit&#8221; als Vergesellschaftungsform seine soziologische Bedeutsamkeit dadurch, dass er selbst neue Sozialformen auf der Makro-Ebene bedingt und modifiziert. „Streit&#8221; wird von Simmel allgemein als Einheit aus Differenzen verstanden, die einer immanenten Logik folgt und sich kausaler Rationalität entzieht: Im Prozess des Konflikts verliert sich das ursprüngliche Motiv und der Konflikt greift auf Elemente über, die bislang außerhalb des „Streits&#8221; lagen. Mit Verweis auf die sozial konstitutiven und strukturellen Effekte des Zusammenwirkens von negativen und positiven Elementen, stellt Simmel die Funktionalität des „Streits&#8221; heraus.</p>
<p>In seiner Typologie legt Simmel eine ausführliche Beschreibung unterschiedlicher Streitphänomene vor. So zeichne sich der Rechtsstreit durch seinen Fokus auf Sachlichkeit, religiöse Konflikte durch Konkurrenzausschluss und das indische Kastenwesen durch seine integrative und sozialisierende Wirkung aus. Als zentrales Beispiel behandelt er den Typus des Konkurrenzkampfes. Konkurrenz unterscheide sich von anderen Typen des Kampfes darin, dass die beteiligten Parteien auf ein Ziel zustrebten, ohne Kraft auf den Gegner zu verwenden. Dieser Mechanismus entfalte eine enorme vergesellschaftende Wirkung. In der Konkurrenz gelinge, was sonst nur die Liebe vermag: „das Ausspähen der innersten Wünsche eines anderen, bevor sie ihm selbst bewusst geworden sind&#8221;. So wirbt der Kaufmann um die Gunst des Publikums und der Parlamentarier um die Zustimmung der Wählerschaft.</p>
<p>Das Kapitel des 1908 erschienenen Bandes kann zu den bedeutendsten Arbeiten Georg Simmels gezählt werden. Seine Erkenntnis, dass sich Sozialität erst durch die Wechselwirkung zwischen Individuen konstituiert, führte zu einer neuen analytischen Betrachtungsweise der Geisteswissenschaften. Simmels Ausführungen stehen im Kontext der Werke zeitgenössischer Klassiker der Soziologie: So kontrastiert er anhand des Zunftwesens die Prinzipien von Konkurrenz und Gleichheit und verweist damit indirekt auf Emile Durkheims Konzepte der mechanischen und organischen Solidarität. Auch wird der soziologisch interessierte Leser das vorbereitende Argument für Norbert Elias&#8217; „Höfische Gesellschaft&#8221; entdecken, wenn Simmel die spezielle Konstellation des Konkurrenzkampfes als Werben um die Gunst des Dritten beschreibt. Elias&#8217; Königsmechanismus &#8211; der Zwang zur Prestigekonkurrenz innerhalb der französischen Aristokratie als sozial-integratives Instrument absolutistischer Herrschaft &#8211; kann vor diesem Hintergrund als Sonderfall des Simmelschen Konkurrenzprinzips interpretiert werden.</p>
<p>Indem Simmel Zwecke und psychische Dispositionen als Materie der Vergesellschaftung begreift und gleichzeitig den Fokus auf die Form und weniger auf den Inhalt legt, grenzt er sich von utilitaristischen Theorien nachfolgender Klassiker (Max Weber) ab. Was Simmel als Wechselwirkung zwischen Individuen beschreibt, fasst die Systemtheorie Niklas Luhmanns rund 60 Jahre später als Kommunikation in sozialen Systemen. Mit Luhmann verbindet Simmel nicht nur eine funktionale und unterscheidungstheoretische Analyse von Konflikten, sondern auch die Anlage für eine sozialkonstruktivistische Perspektive, der implizite Verweis auf die Binnendifferenzierung der Gesellschaft sowie die Differenz zwischen Gesellschaftsstruktur und Semantik &#8211; auch wenn diese bei Simmel nicht im Rahmen einer universalistischen Theorie ausgearbeitet sind. In den Implikationen des funktionalistischen Zugangs treten die Unterschiede der Simmelschen Soziologie zu normativen bzw. modernisierungstheoretischen Gesellschaftstheorien (Talcott Parsons) bzw. konsensorientierten Ansätzen (Jürgen Habermas) besonders deutlich hervor.</p>
<p>Obwohl Simmel „Streit&#8221; als Vergesellschaftungsform aus empirisch-historischer Perspektive rekonstruiert ohne weder ein klares Begriffsinstrumentarium noch eine systematische Gliederung als Folie für die Entwicklung einer eigenständigen (Konflikt-)Theorie anzufertigen, können seine Beschreibungen dennoch als Vorbereitung auf die Entstehung der Konfliktsoziologie angesehen werden. Argumente wie die Funktionalität von Antagonismen, die einer Eigendynamik folgen und unterschiedliche Wirkungen in Bezug auf die Struktur von Gesellschaft entfalten, haben nicht nur die deutsche Soziologie beeinflusst. Auch international hat das Werk Resonanz gefunden und in den 1950er und 1960er Jahren den Weg für die Etablierung einer eigenständigen Konflikttheorie wie die Lewis Cosers und Robert Mertons geebnet. Die Suggestivkraft und Aktualität seiner Analyse scheinen dabei nicht nur angesichts der disziplinübergreifenden Popularität von Streitschlichtungsmethoden und Mediationsverfahren ungebrochen. Simmels postulierte positive Wirkungen von sozialen Antagonismen finden sich auch in aktuellen Werken diskurstheoretischer Couleur einer Chantal Mouffe („Über das Politische&#8221;) wieder.</p>
<p>Auch wenn dem modernen Leser die Sprache als ungewohnt und „holprig&#8221; vorkommen mag, so beeindruckt Simmels „Streit&#8221; durch die Breite der Themen und den außergewöhnlichen Blick für latente Funktionen. Darüber hinaus gewinnen seine Untersuchungen aufgrund der empirischen Nähe und Präzision &#8211; wie beispielsweise über die Ausführungen zur deutschen Arbeiterbewegung, zur englischen Parteien- und Parlamentsgeschichte oder zu unterschiedlichen Religionsgemeinschaften &#8211; einen historischen Gehalt. Selbst Geschlechterfragen widmet sich die Gründerfigur der Soziologie, indem das Prinzip der Sitte und die Solidarität unter Frauen als kollektiver Schutzmechanismus gegenüber der Überlegenheit des männlichen Geschlechts gewertet werden. In Simmels theoriefreiem Zugang liegt einerseits ein analytisches Strukturdefizit begründet, andererseits lässt sich gerade darin ein noch unerschöpftes Potential vermuten.</p>
<p><strong>S</strong><strong>immel, Georg 1908: Der Streit</strong>, in: Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung. Band 11 der Gesamtausgabe, herausgegeben von Otthein Rammstedt. Frankfurt am Main, 186-255.</p>
<p>Erschienen am 18.05.1992. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 811. 1051 Seiten.</p>
<p><strong>Euro 20,00 (ISBN 978-3-518-28411-7)</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/07/14/simmel-georg-1908-der-streit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Asoziale Soziologen</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/06/27/asoziale-soziologen/</link>
		<comments>http://sozialtheoristen.de/2008/06/27/asoziale-soziologen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 27 Jun 2008 19:10:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Zynismus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://sozialtheoristen.de/?p=17</guid>
		<description><![CDATA[Über eine rein analytische Disziplin Könnte es sein, dass sich unter Soziologen und Soziologinnen eine besonders hohe Zahl von Menschen befindet, die mit einer sehr geringen Sozialkompetenz ausgestattet sind, sprich häufig asozial auftreten? Man kennt die unbestätigte These, dass besonders viele geistig, emotional oder psychisch versehrte Menschen dazu neigen ein Psychologiestudium zu beginnen. Quasi als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Über eine rein analytische Disziplin</strong></em></p>
<p>Könnte es sein, dass sich unter Soziologen und Soziologinnen eine besonders hohe Zahl von Menschen befindet, die mit einer sehr geringen Sozialkompetenz ausgestattet sind, sprich häufig asozial auftreten?</p>
<p>Man kennt die unbestätigte These, dass besonders viele geistig, emotional oder psychisch versehrte Menschen dazu neigen ein Psychologiestudium zu beginnen. Quasi als Selbsttherapie. In der Hoffnung, dass sich durch das Studium ihre Probleme lösen, die sie sich vor sich selbst oder einem Therapeuten nicht eingestehen wollen, lernen sie andere Leute zu therapieren. Eine gewagte Aufgabe. Vielleicht ist das noch nicht einmal eine These, sondern einfach nur ein Klischee. Mag sein.<span id="more-17"></span></p>
<p>Mir geht es aber erst einmal darum, diesen Gedanken (so unhaltbar er vielleicht für Psychologen sein mag) auf die Disziplin der Soziologie zu übertragen. Und da kenne ich mich auf Grund eigener Erfahrung deutlich besser aus. Daher stelle ich die These auf, dass überdurchschnittlich viele Soziologen mit einer geradezu erbärmlichen Sozialkompetenz ausgestattet sind, die sie dadurch auszugleichen suchen, dass sie sich in Interaktionsanalysen vertiefen, Organisationszusammenhänge aufdecken und Weltgesellschaftsphantasien ausspinnen. Dabei versuchen sie auffallend oft &#8211; und zwar nicht nur gegenüber Menschen aus der eigenen Disziplin &#8211; ihre eigenen Mängel im gesellschaftlichen Umgang durch eine vermeintliche Fachsprache zu übertünchen. Einige Beispiele:</p>
<p><strong>Interaktionsinkompetenz</strong><br />
Das entspannte, ungezwungene Gespräch ist dem Soziologen ein Graus. Nach einigen Bieren sieht das vielleicht anders aus, aber bis dahin ist er entweder scheu oder skurril. <em>Kritik</em> in der Interaktion gibt es überhaupt nicht. Denn auf der einen Seite traut der Soziologe sich nicht Kritik offen und direkt zu formulieren, auf der anderen Seite wird Kritik als Majestätsbeleidigung empfunden. Das Thema der Kritik wird damit zum Tabu. Geht es um <em>Inhalte</em>, wird es dem Theoretiker schnell zu banal. Er schaltet ab oder reißt das Gespräch durch langatmige Monologe an sich (in der Regel analysiert er dabei die aktuelle oder auffallend ähnliche Interaktionssituationen). Den Sozialforschern unter den Soziologen sind Gespräche schon deshalb nicht mehr möglich, weil sie sich permanent &#8220;im Feld&#8221; befinden. Die Reflexionsschleife wird zum Dauerballast. <em>Smalltalk</em> gibt es sowieso nicht. Oder hat jemand schon einmal mit einem Soziologen über das Wetter geredet?</p>
<p><strong>Organisationsversagen</strong><br />
Soziologen können Organisationen analysieren. Aber Soziologen können Organisationen nicht organisieren. Da scheitert es schon daran, dass der Kollege seinem Kollegen nicht sagen kann, was Sache ist, weil es ja der Kollege ist, den es zu respektieren gilt. Und hat er mal eine andere Meinung erkennen lassen oder auch nur vielleicht den Anschein erweckt, dass er eine andere Meinung vertreten könnte, wenn es denn mal zu einer Situation käme&#8230; Jedenfalls hält man lieber hinter dem Berg mit dem, was es zu organisieren gibt. Soziologen malen sich vielmehr die Situation aus, wie sie sein könnte, für den Fall, dass dieses oder jenes passieren würde. In der Welt des Konjunktiv lässt es sich in der Organisation auch recht wohnlich einrichten. Zumindest für Soziologen.</p>
<p>Diese passiven <em>Konjunktiv-Soziologen</em> in Organisationen sind aber noch ganz gut zu ertragen. Denn sie zeigen sich nicht. Es gibt da aber auch noch die <em>Macher</em> unter den Soziologen, die ihrem Selbstbild den Part des Organisationstalents hinzugefügt haben und das soziologisch natürlich fundiert haben. Problematisch wird dieses Organisationstalent aber dadurch, dass es sich vielmehr um aktive Organisationsinkompetenz handelt. Denn alte Konzepte in neue Worte zu fassen und als eigenes Werk auszugeben ist erstens nicht originell und zweitens nicht sonderlich hilfreich. Hat sich der Organisationsmacher-Soziologe aber erst einmal positioniert, gibt es kein zurück mehr. Da er aber nicht organisieren kann, und auch in der Interaktion kein Meister ist (s.o.), wählt er die Option der Intrige. Hinter den Rücken vermeintlicher Gegner werden Absprachen getroffen, Koalitionen geschmiedet und Reformpakete verabschiedet. Hinterher will es niemand gewesen sein. Aber dann können die Organisationssoziologen ja auf die Evolution eines Systems verweisen und wieder von vorne beginnen.</p>
<p><strong>Gesellschaftskritik</strong><br />
Es ist herrlich, wie gut Soziologen darin sind, die Welt zu demaskieren. Es ist immer wieder beeindruckend, wie Soziologen es schaffen zu zeigen, dass die Dinge nicht so sind, wie sie zu sein scheinen. Sie zeigen auf, wo es hakt in der Gesellschaft, wo die Missstände zu lokalisieren sind und wo die gewichtigen Probleme liegen, die es zu lösen gilt.</p>
<p>Leider sind Soziologen <em>Zyniker</em> und decken zwar die sozialen Tatbestände auf, entziehen sich aber der Verantwortung. Sie ermöglichen zwar Kritik, arbeiten aber nicht an Vorschlägen für Lösungen. Vielmehr zieht sich der Soziologe mit hochgezogenem Mundwinkel und einem Spruch aus der Affäre: &#8220;Hab ich es euch nicht gesagt?!&#8221; Das war es dann aber auch. Aufräumen dürfen andere. Und da diejenigen, die sich um Lösungen bemühen ja nichts von der Materie verstehen, kann der Soziologe über ihre erbärmlichen Versuche nur schmunzeln. Aber es gibt ihm wenigstens die Möglichkeit für einen weiteren zynischen Auftritt: &#8220;Hab ich es euch denn nicht schon einmal gesagt?!&#8221;</p>
<p><strong>Soziale Soziologen?</strong><br />
Nur um einem Missverständnis vorzubeugen, muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass die Soziologie eine Lehre des Zusammenlebens der Menschen ist und dabei lediglich analytische Ansprüche hegt. Insofern kann man nicht erwarten, dass Soziologen besonders soziale Menschen sein sollten. Das nicht. Aber es ist doch schon erstaunlich, dass Soziologen erstens in der Interaktion durch Inkompetenz glänzen und dies dann mit ihrer Goffman-Leküre rechtfertigen und darauf verweisen, dass das Interaktionsgeschäft doch so tückisch sei. Es verwundert ebenso, dass sie ihr Organisationsversagen mit den Erkenntnissen der Organisationssoziologie begründen, da man ja wissen könne, dass Organisationen nicht zu steuern sind. Und man kann erstaunt sein, wenn Soziologen ihren Zynismus dadurch rechtfertigen, dass man doch sehen könne, dass trotz Soziologie die Welt immer noch eine schlechte sei. Warum also etwas ändern wollen? Es ist einfach auffällig, dass besonders viele sozial-inkompetente Menschen dazu neigen, ein Soziologiestudium aufzunehmen. Sie schaffen es dann nämlich ihre eigene Inkompetenz mit soziologischen Analysen zu übertünchen. Dass die Soziologie dabei nicht sonderlich hilfreich ist, die Schwächen ihrer Schüler zu beheben, bestätigt nur, dass Soziologie lediglich analytische Ansprüche an sich selber stellt. Leider, meine ich.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://sozialtheoristen.de/2008/06/27/asoziale-soziologen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

