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Enno Aljets, 23.10.2009
Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung von Theorie und Gesellschaft ein vergleichendes Beobachten unmöglich macht. Ich plädiere daher für eine konservative Anwendung systemtheoretischer Überlegungen zum Funktionssystem der Massenmedien, weil es mir nicht zwingend notwendig erscheint, mit einem massiven Eingriff in theoretische Grundannahmen zu reagieren, um neue Phänomene zu beschreiben.
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Stefan Schulz, 03.09.2008
Wenn man die luhmannsche Systemtheorie in den Punkten, in denen sie Gesellschaft beschreibt, abstrakt und streng auslegt, sich also von Empirie nicht allzu sehr verunsichern lässt und eher auf der Suche nach symmetrischer Harmonie ist, kommt man schnell zu dem Gesellschaftsbild, das gleichrangige und unterschiedliche, mit klaren Grenzen versehene Funktionssysteme beschreibt, die sich evolutionär und damit nicht beliebig, sondern funktionsorientiert ausdifferenzierten. “Ausdifferenzierung” nimmt dabei Bezug auf die Zeit und verweist auf einen gleichen Ursprung und Gründe für die Entwicklung.
Man findet in Bruchstücken auf ein paar Texte verteilt Hinweise, wie diese Funktionssysteme genauer zueinander stehen. Eigentlich sagt man: “die Funktionssysteme gleichen sich in ihrer Ungleichheit”. Das ist kein Zitat, sondern ein geliebter Spruch derjenigen, die sich mit geliebten Sprüchen zufrieden geben. In die unterstellte, funktionsorienterte “Symmetrie der Gesellschaft” einzusteigen ist nicht einfach, Luhmann selbst hat dazu wenig aber mindestens an einer Stelle Denkwürdiges geschrieben. In “Die Realität der Massenmedien” schreibt er (S. 175): “Die Aufteilung kognitiv / normativ auf Wissenschaft und Recht kann jedoch niemals den gesamten Orientierungsbedarf gesellschaftlicher Kommunikation unter sich aufteilen und damit abdecken.”
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Kai Mürlebach, 12.08.2008
REZENSION
Das vorliegende Buch (hier in einer Übersetzung von 1913) verfasste Niccolò Machiavelli im Jahre 1513. Nach falschen Anschuldigungen über eine Beteiligung an einer Verschwörung gegen die in Florenz herrschende Familie der Medici, hatte er sich aufs Land zurückziehen müssen. 1516 widmete er den Text in der Handschrift dem jüngeren Lorenzo de Medici (1492-1519), der gerade Urbino erobert hatte und dort Herzog geworden war. Auch deshalb wurde das Buch oft als Versuch Machiavellis gewertet, sich mit den Medici gut zu stellen und seine gesellschaftliche Stellung wiederzuerlangen.
Der Text selbst liest sich in weiten Teilen wie eine Art ‘Herrschen für Anfänger’. Machiavelli nennt als Ziel seiner Überlegungen zu erörtern, was Herrschaft ist, welche verschiedenen Arten es gibt, wie sie erworben, erhalten, und weshalb sie verloren wird (S. 12). Anhand zahlreicher, vorwiegend antiker Beispiele versucht er, allgemein gültige Regeln aufzustellen, die es einem Fürsten ermöglichen sollen, erfolgreich zu herrschen.
Das Werk kann grob in drei Abschnitte untergliedert werden: Der erste (Kapitel I. – XI.) geht auf die verschiedenen Arten der Herrschaft und die Mittel, sie zu erlangen und zu behaupten ein. Teil zwei (Kapitel XII. und XIII.) beschäftigt sich mit militärischen Aspekten der Herrschaft, während in den Kapiteln XIV. – XXVI. Machiavellis Beobachtungen bezüglich der notwendigen Eigenschaften eines Herrschers, sowie der Natur der Menschen im Allgemeinen, darlegt werden.
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Thomas Hoebel, 09.08.2008
Taugt der Begriff des Imperiums eigentlich noch für die Analyse gegenwärtiger (Welt-) Politik? Herfried Münkler hat dazu im Jahr 2005 eine Studie vorgelegt, im Rahmen derer er auslotet, was der Begriff für die politiktheoretische Analyse leisten kann. In historischer Perspektive kommt er zu dem Schluss, dass das heutige Europa nicht ohne Anleihen beim Ordnungsmodell „Imperium“ auskommen wird, will es trotz interner Vielfalt sein Gewicht in weltpolitischen Fragen geltend machen. Kurz: Münkler hält den Begriff des Imperiums politiktheoretisch für anschlussfähig, um Erkenntnisse über die gegenwärtige Lage der Weltgesellschaft zu gewinnen.
Diese Sicht teile ich nicht, zumindest nicht auf der Grundlage seiner Studie. Die begriffliche Bestimmung von Imperien weist zu viele Ungereimtheiten auf. Insbesondere der von Münkler in Anschluss an Michael W. Doyle verwendete Begriff der „augusteischen Schwelle“ verdeutlicht Inkonsistenzen in der Darstellung. weiterlesen »
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Enno Aljets, 15.07.2008
REZENSION
Die 1969 erschienene Monographie Legitimation durch Verfahren von Niklas Luhmann gehört zu den Werken deutschsprachiger Soziologie, die nicht ohne Grund als „Klassiker“ der soziologischen Disziplin angesehen werden
Das Buch gliedert sich in einen ersten Teil, der die theoretischen Grundlagen des Verfahrens darlegt, zwei anschließende Teile, die die vorgestellten Grundlagen am Beispiel von Gerichtsverfahren und politischen Verfahren anwenden und einen abschließenden Teil, der Folgerungen und Erweiterungen der vorgestellten Analysen enthält. weiterlesen »
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Enno Aljets, 02.07.2008
Sinn und Unsinn von Praktikervorträgen
Die BA-Studiengänge sollen berufsqualifizierend sein. Dass hier ein gap zwischen Wunsch und Wirklichkeit besteht, ist offensichtlich. Vorträge von “Praktikern” werden in Reformdiskursen als das Allheilmittel dargestellt um die wissenschaftliche Theorie mit der beruflichen Praxis zu verbinden. Leider sind die meisten Praktikervorträge, die in Universitäten organisiert werden, kontraproduktiv. Denn Praktiker, die über sich und ihre Berufsfindung sprechen, idealisieren oder bagatellisieren ihren eigenen Werdegang derart, dass orientierungsbedürftige Studierende entweder auf Grund der biografischen Geschlossenheit der Darstellung verunsichert werden oder ihr Studium vollkommen naiv zu Ende bringen.
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