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	<title>Sozialtheoristen &#187; Twitter</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>Wissenschaft 2.0</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Jan 2011 16:04:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angesichts der Entwicklungen neuer Kommunikationstechniken rund um das Internet sehen sich die Produktionspraktiken einiger Funktionssysteme vor große Herausforderungen gestellt. Die &#8220;Holzmedien&#8221; wissen nicht, wie sie mit den werbefinanzierten Angeboten im Internet umgehen sollen und die Akteure des Gesundheitssystems haben einen virtuellen Horror vor öffentlich einsehbaren Rankings ihrer Dienstleistungen. Auch das Publizieren wissenschaftlicher Forschungsergebnisse verändert sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" src="http://farm1.static.flickr.com/9/13553883_1f97989a2d.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Angesichts der Entwicklungen neuer Kommunikationstechniken rund um das Internet sehen sich die Produktionspraktiken einiger Funktionssysteme vor große Herausforderungen gestellt. Die &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Holzmedien">Holzmedien</a>&#8221; wissen nicht, wie sie mit den werbefinanzierten Angeboten im Internet umgehen sollen und die Akteure des Gesundheitssystems haben einen virtuellen Horror vor öffentlich einsehbaren Rankings ihrer Dienstleistungen. Auch das Publizieren wissenschaftlicher Forschungsergebnisse verändert sich durch das technisch Machbare. Ein paar Gedanken zum Thema &#8220;Wissenschaft 2.0&#8243;.<span id="more-1160"></span></p>
<p><a href="http://arxiv.org/">Preprints</a> werden mittlerweile auch bei kleineren Verlagen und außerhalb der Naturwissenschaften angeboten. Wer Erkenntnisse schneller veröffentlichen möchte als es die traditionellen Produktionszyklen von Zeitschriftenausgaben zulassen, kann seine Schnellschüsse direkt auf den Verlagsseiten veröffentlichen, bevor die Erkenntnisse auf dem üblichen Wege ihre papierene Form finden. Die Qualitätssicherung des Peer-Reviews bleibt allerdings erhalten. Nur wird auch das Review-Verfahren dem Druck ausgesetzt, möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen. Gerade in der Naturwissenschaft sind die Zyklen enorm kurz geworden, in denen überhaupt noch etwas Neues publiziert werden kann. Daher müssen Verleger und Zeitschriften mit einer schnellen Begutachtung reagieren. Sonst veröffentlicht der Wissenschaftler halt woanders. Impact-Faktoren einer Zeitschrift &#8211; also letztlich die Frage, wie sehr eine Zeitschrift etabliert ist &#8211; hängen auch von ihrer technischen Realisierung ab. Ein wissenschaftlich fragwürdiges Qualitätskriterium.</p>
<p>Die Digitalisierung der wissenschaftlichen Zeitschriftenlandschaft bringt nicht nur die zwangsläufige Flut an &#8220;Apps&#8221; mit sich. Auch die Diskussionskultur kann sich verändern. Zwar verbirgt nature.com ihre Inhalte weitestgehend hinter den Wänden einer Bezahlstruktur, wodurch wohl weitestgehend verhindert wird, dass nicht-wissenschaftliches Publikum Zutritt erhält. Aber ist man einmal drin, kann man zu Artikeln oder Letters gleich einen Kommentar schreiben. Zwar noch selten, aber wohl zunehmend antworten die Autoren des Artikels direkt auf die Kommentare. So werden Versuchsaufbauten erläutert, weitere Forschungsmöglichkeiten diskutiert und kritische Punkte ausgeleuchtet. Und zwar auf direktem Wege. Man muss nicht warten, bis man den Autor auf einer Konferenz trifft, man muss keinen Grund finden, einen eigenen Artikel zu schreiben (der ja immerhin so gut sein muss, dass er das Begutachtungsverfahren durchläuft). Enthusiasten könnten hier von einer Demokratisierung der Forschungspublikation sprechen. Wer in der Sache eine Anmerkung zu machen hat, kann es tun. Egal, ob Student oder Professor. Hier hat die Bezahlstruktur einen positiven Effekt: Die fachlich Informierten können unter sich bleiben und mehr oder weniger ungestört diskutieren.</p>
<p>Die Sichtbarkeit der Forschungsaktivitäten ist für Universitäten ein zunehmend wichtiger Aspekt ihrer eigenen Vermarktungsstrategie. Daher wundert es nicht, wenn im Kontext des Erscheinens wissenschaftlicher Fachartikel in der Regel sofort (teils) medienwirksame Pressemitteilungen von den Universitäten veröffentlicht werden. Aber auch einige Wissenschaftler bedienen die medienwirksame Platzierung ihrer Forschungsergebnisse. Auch wenn man annehmen muss, dass es sich dabei wohl in erster Linie um stark anwendungsbezogene oder sogar kommerzielle Forschungsprojekte handeln wird, kann man fragen, ob es einen zunehmenden <a href="http://richarddawkins.net/articles/582774-peer-review-trial-by-twitter">trial by twitter</a> der Wissenschaft geben wird und damit eine ganz neue Form des Peer-Review entsteht. Gerade in den USA ist zu beobachten, dass Wissenschaftler Blogs und/oder Twitter nutzen, um ihre Forschung öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Teils mag daraus sogar ein wissenschaftlich anspruchsvoller Dialog entstehen. Ein neues Peer-Review-Verfahren wird sich aber nicht dadurch ergeben, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse in Zukunft vor der Masse des Laienpublikums und der öffentlichen Meinung wird beweisen müssen. Die Anforderungen an öffentlichkeitswirksamer Darstellung der Forschungsergebnisse wird zukünftig sicherlich steigen (wenngleich das sehr stark auf die konkreten Disziplinen ankommt), weil die Finanzierung der Forschung mitunter auch von ihrer (potentiellen) Sichtbarkeit abhängt. Aber die fachliche Begutachtung der Forschungsergebnisse kann funktional nicht durch eine plebiszitäre Abstimmung ersetzt werden. Die Fiktion von Demokratie, die im &#8220;Mitmachweb&#8221; immer wieder propagiert wird, scheiterte schon an viel leichteren Übungen. Häufig verstand nicht einmal die Scientific Community ein neues Forschungsvorhaben, das sich im Verlauf der Zeit allerdings als bahnbrechend herausstellt. Wie sollte dann die öffentliche Meinung darüber entscheiden können?</p>
<p>Mir scheint, dass die Wissenschaft zwar lernen muss &#8220;auf der Klaviatur der öffentlichen Meinung zu spielen&#8221; und für ihre Diskussionen auch neue Technologien heranziehen kann. Aber eine Öffnung im Sinne des freien Zugangs zu Inhalten scheint im Falle der Wissenschaft nicht sinnvoll zu sein. Ganz zu schweigen von einer breiten Beteiligung der Öffentlichkeit an einer inhaltlichen Diskussion über Wahrheit.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/estherase/">estherase</a></p>
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		<title>Der unsoziale Charakter der neuen Zweitgehirne</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2010/02/16/der-unsoziale-charakter-der-neuen-zweitgehirne/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 22:32:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Echtzeit-Internet, es bleibt hier noch eine Weile als Thema erhalten. Diesmal durch die wirklich gute Idee, das Internet als Exoskelett des Denkens zu bezeichnen. Seit Mitte 2007 kann man das Internet und mit ihm das gesammelte Weltwissen, in der Hosentasche mit sich tragen. Es ist nicht mehr an den (großen) Computer und damit weder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-715" title="soziales Netzwerk" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/02/sozialeInternet.jpg" alt="" width="550" height="293" /></p>
<p>Das Echtzeit-Internet, es bleibt hier noch eine Weile als Thema erhalten. Diesmal durch die wirklich gute Idee, das <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/crtl-verlust/archive/2010/02/16/wir-das-buecherregal-twitter-und-mein-mentales-exoskelett.aspx">Internet als Exoskelett des Denkens</a> zu bezeichnen. Seit Mitte 2007 kann man das Internet und mit ihm das gesammelte Weltwissen, in der Hosentasche mit sich tragen. Es ist nicht mehr an den (großen) Computer und damit weder an einen festen Standort noch an anwendungsaufwendige Technologie gebunden. Es ist einfach da, wenn man es braucht – auf Knopfdruck.</p>
<p><span id="more-716"></span></p>
<p>Vor etwa einem Jahr bin ich dazu übergegangen, mein iPhone als vollwertiges, manchmal sogar mehrwertiges „Zweitgehirn“ zu betrachten und es auch so zu nennen. Jeder Text, der diese Idee teilt, erhält meine volle Aufmerksamkeit.</p>
<p>Michael Seemann versucht sich nun daran das Phänomen für Außenstehende zu erfassen und zu beschreiben. Sympathischer Weise stützt er sich auf Soziologen, inhaltlich und namentlich. Ich denke allerdings, er setzt auf einer, wenn man sie auflöst, nicht haltbaren Problemstellung auf. Denn wieder einmal wird versucht, ein Phänomen als <em>neu</em> zu beschreiben, obwohl weniger seine Neuheit als die Andersartigkeit das Problem ist. (Bei der Markierung von Phänomenen als „neu“ ist zudem stets die soziologische Testfrage angebracht, ob es sich tatsächlich um ein neues Phänomen oder nur um eine neue Idee (s)einer Beschreibung handelt. Beim Thema hier müsste man sagen, dass eine Struktur seit langem gegeben ist, der nun eine adäquate Beschreibung nacheilt.)</p>
<p>Die These des verlinkten Textes: Das mobile Internet erlaubt uns, Gehirnleistungen zu externalisieren. Die nicht hinterfragte Frage ist allerdings: Ist das Phänomen der Externalisierung von Gedächtnis und Intelligenz erst durch das Internet geschaffen worden?</p>
<p>Dazu zwei Anmerkungen:</p>
<p>(1) Für keine historische Zeit kann man davon ausgehen, dass das menschliche Gehirn (bzw. Bewusstsein) das einzige selbstreferentielle System ist, dass sich mit Methoden und Programmen der Erkenntnisproduktion der Welt zuwendet. Auch ohne Internet, Computer, ARD/ZDF oder gar Buchdruck ist der Mensch von sozialen Systemen „umhüllt“, die durch ihre Struktur Orientierungsleistungen <em>erbringen</em>. Diese Strukturen reduzieren Möglichkeiten, legen objektive Gegebenheiten fest und schränken Erwartungen ein. Dieser Bereich lässt sich nur mit großen Mühen umschreiben und unterscheiden – es reicht hier allerdings auf die Kurzformel „Kultur“ zurückzugreifen.</p>
<p>Jedes soziale Umfeld, sei es eine mittelalterliche Villikation im 9. Jhd., ein Königshof im 14. Jhd., eine Fabrik im 18. Jhd. oder ein Webforum im 21. Jhd. ist geprägt, bevor man als Einwohner, Angestellter, Mitarbeiter oder „Internetcommunitybenutzer“ hinzutritt. Das fällt besonders auf, wenn man zum ersten Mal auf ein spezifisches Umfeld stößt. Man erlebt einen „Praxisschock“ in der ersten Firma oder den berüchtigten „Kulturschock“ an spanischen Bushaltestellen.</p>
<p>In all den Fällen erlebt die Person das Problem der Externalisierung von Gehirnleistungen, weil es auf soziale Strukturen, Identitäten und Gedächtnisse trifft und diese mit der psychischen Struktur und Identität (Gedächtnis) in Einklang bringen muss. Nachdenken ist schwierig und zeitaufwendig und wird am liebsten vermieden. Die Strategie ist, seit ewig, auf externe Vorleistungen zurückzugreifen.</p>
<p>(2) Das Internet reiht sich in diese Reihe von Maschinen zur Bereitstellung von Strukturen ein. Es fällt allerdings durch Besonderheiten auf. Während die stetig fortgeschriebene Dorfgeschichte, das Ritual am Hof oder das Abendprogramm des Fernsehens so beschränkt ist, dass es implizit als für jeden gleich gegeben unterstellt werden kann, ist das Internet ein Medium, dass jeder individuell erlebt. Während man eine TV-Sendung gesehen hat oder nicht, kann man Sachen aus dem Internet wissen, nicht wissen, über Bande erfahren haben, dort oder dort gelesen haben, gerade erst gelesen haben, schon häufig gelesen haben, lange nicht mehr gelesen haben, … . Das Internet hilft im Alltag ungemein, aber kaum bei der Herstellung von Gesprächsgrundlagen.</p>
<p>Die Externalisierung von Gedächtnisleistungen ist durch das Internet kaum anders gegeben, als durch viele andere „kulturelle Medien“. Doch es fällt durch seinen unsozialen Charakter auf. <em>Mein</em> iPhone erweitert <em>mein</em> Gehirn. Man ist zwar ständig versucht, diese Leistung durch Twitter-Facebook-Buzz-Sharings auch anderen Gehirnen zur Verfügung zu stellen, aber im Vergleich zu den traditionellen Massenmedien gelingt dies kaum bis überhaupt nicht.</p>
<p>Zusammengefasst:</p>
<p>Das Internet externalisiert auf <em>neue</em> und hervorragende Weise individuelle Gehirnleistungen. Es lässt uns Zitate speichern, Zusammenhänge recherchieren, Bilder und Videos festhalten und ansehen, Dinge rechnen, Fakten und Orte suchen. Die Leistung der Komplexitätsreduktion gilt aber immer nur mit Bezug auf ein Individuum.</p>
<p>Und um das Durcheinander des Textes perfekt zu machen, noch ein paar Thesen:</p>
<p>- Das Internet ist unsozial. Gegenwärtig erinnert es an eine riesige iPod-Party. Alle sind da und tanzen, aber jeder hat die Ohren zu, hört seine eigene Musik und niemand hört die Musik des anderen.</p>
<p>- Das „sharen“ von Internetinhalten ändert an diesem iPod-Party-Phänomen kaum etwas.</p>
<p>- Während das Internet die Personen weiter individualisiert, objektiviert es auf der anderen Seite die Nutzer. Das Internet interessiert sich für objektivierte Merkmale seine Nutzer.</p>
<p>Unterthese: Der Unterschied und das Verhältnis von „individualisierte Person“ und „objektivierter Nutzer“ ist nicht nur unerforscht, sondern unbekannt – wird jedoch die Zukunft prägen.</p>
<p>- „Frank Schirrmacher hat <span style="text-decoration: underline;">recht</span>, wenn er sagt, dass das Denken aus den Köpfen in die Maschinen auswandert“. (Zitat: verlinkter Text) Bis vor wenigen Jahren wurde von Personen entschieden was im Radio läuft, wie ein Supermarkt aufgebaut ist, welche Lackfarben produziert werden, wer am Flughafen genauer kontrolliert wird. In diesen und vielen weiteren Bereichen (von den wir vielleicht nichts wissen), wurde die Denk- und Entscheidungslast an Maschinen abgegeben.</p>
<p>- Das iPhone oder jede andere Internetmaschine, die blitzschnell herangezogen werden kann, um Fakten zu untermauern oder Vergessenes zu erinnern, wird in Interaktion immer ein Fremdkörper bleiben.</p>
<p>(<a href="http://www.flickr.com/photos/27403767@N00/3033724807/">Bild</a>)</p>
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		<title>Das rundum gute Internet</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 14:04:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Internet macht Spaß, hilft, vereinfacht, beschleunigt, stellt Nähe her, unterhält und informiert. Das Internet kann in seinem gegenwärtigen Zustand als rundum gut bezeichnet und beschrieben werden. Und wer doch was zu mäkeln hat, hat es eben noch nicht richtig verstanden. Aber das Internet hilft auch da weiter, man kann sich mithilfe des Internets über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-698" title="anonymitaet" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/02/anonymitaet.jpg" alt="" width="550" height="289" /></p>
<p>Das Internet macht Spaß, hilft, vereinfacht, beschleunigt, stellt Nähe her, unterhält und informiert. Das Internet kann in seinem gegenwärtigen Zustand als rundum gut bezeichnet und beschrieben werden. Und wer doch was zu mäkeln hat, hat es eben noch nicht richtig verstanden. Aber das Internet hilft auch da weiter, man kann sich mithilfe des Internets über das Internet selbst informieren. Es stellt sich in gewisser Weise ein Anti-Teufelskreis ein. Man muss sich vom Internet nur infizieren lassen, dann findet man es, wie sollte es anders sein, zwangsläufig gut.</p>
<p><span id="more-695"></span>Dies scheint der aktuelle Stand der „Diskussion“ zu sein. Jeder Versuch das Internet und seine auffälligen Merkmale mal nicht von der Prämisse „das Internet ist gut“ aus zu beschreiben, muss sich Frechheiten gefallen lassen. Es sind eben die „<a href="http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/200/">Schirrmacher dieser Welt</a>“, die die Stimmung vermiesen und sich profilieren, ach ja, und sie sind ja gleichzeitig die Verleger – kein Wunder, dass sie kritisieren.</p>
<p>Aber sind es nicht gerade die Feuilletonisten, die die Aufgabe haben vor Gefahren zu warnen, wo es sonst vielleicht noch niemand tut. Auf die Wissenschaftler hört niemand mehr. Und jetzt werden auch die Feuilletonisten allmählich diskreditiert, als Nicht-Versteher abgestempelt und als Belustigungsfolie genutzt.</p>
<p>Historische Parallelen dieser Art des vereinfachten Gutfindens: Noch 1970 konnte man im Fernsehen als Professor auftreten und behaupten, die Rohstoffe der Erde sind unerschöpflich. Einen Verbrennungsmotor zu benutzen hat nur Vorteile. Bis 1990 konnte man mit gleicher Ernsthaftigkeit und Reputation behaupten, der Kapitalismus würde von einer unsichtbaren Hand geregelt und brauche darüber hinaus keine weitere, erst recht keine menschliche, Einmischung. Waffenbesitz, Atomstrom, Gentechnologie – das alles lässt sich blind feiern. Alle diese Ideologien setzen eine Idee zentral und vergessen, dass es sich nicht um ein Naturgesetz, sondern nur um eine Idee handelt, die ebenso anders lauten könnte.</p>
<p>Es gibt aber nur ein sicheres gesellschaftliches Naturgesetz: Alles hat Gefahren. Nichts auf der Welt entsteht, weil es einfach gut ist, sondern weil die guten Seiten überwiegen. Und es sollte bedenklich stimmen, dass die schlechte Seite des Internets so unerforscht ist. Unbekannt ist sie längst nicht mehr.</p>
<p>Anstatt den x-ten toll aufgemachten Elektrischen Reporter zu gucken sollte man sich lieber den Textwerken des <a href="http://www.ccc.de/">CCC</a>, des <a href="http://www.foebud.org/">FoeBud</a> und der <a href="http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~E74363D27AD1A4C139AEC69629C90BD9E~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Feuilletons</a> annehmen. Und man sollte nicht zu schnell verzagen, weil die Debatten dort ohne Eigennamen auskommen, also kein Google-Facebook-Apple-Bashing stattfindet, sondern die Strukturen selbst thematisiert werden.</p>
<p>Über die Zeit habe ich festgestellt, dass besonders diejenigen, die über Bande von sich behaupten das Internet verstanden zu haben, am wenigsten verstehen. Dazu zählen Personen wie <a href="http://lumma.de/">Nico Lumma</a>, <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/">Thomas Knüwer</a>, <a href="http://medialdigital.de/2010/02/02/jeff-jarvis-die-zukunft-des-journalismus-ist-unternehmerisch/">Jeff Jarvis</a> und viele Weitere.</p>
<p>Wenn man sich davon löst, sich zu freuen, dass Flugzeugunglücke 20 min. schneller auf Twitter als auf den Zeitungswebseiten die Runde machen, kann man sich den ernsten Fragen zuwenden: Wie kann ich eine Zeitung lesen, ohne dass irgendjemand mitbekommt, was ich lese? Wie kann ich Sachen kaufen und dabei mit Bargeld bezahlen, ohne das der Vorgang registriert oder gar gespeichert wird? Wie kann ich erfahren, was meine Bank über mich weiß und wer von meiner Bank Sachen über mich weiß? Wie kann ich sicherstellen, dass meine Darstellung auf meiner Person fußt, anstatt auf der Aggregation von Merkmalen meiner Umwelt? Wie lässt sich die lebensnotwendige Anonymität und Flüchtigkeit auch im Internet herstellen?</p>
<p>(Als großer Fan des Internets und seiner Annehmlichkeiten muss ich sagen, dass mir das Problembewusstsein von Frank Schirrmacher dennoch am realistischsten erscheint. Nur eine Sache muss ich auch bei ihm kritisieren: die ständige Unterscheidung von online und &#8216;wirklicher&#8217; Welt. Die finde ich, auch wenn sie nur zur Illustration benutzt wird, immer verschleiernd.)</p>
<p><em>(Bild: <a href="http://www.flickr.com/photos/larskflem/95757299/">Lars Kristian Flem</a>)</em></p>
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		<title>Blablabla, Twitter, Facebook, bla, History, bla</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 12:26:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es macht ja viel Spaß, Soziologie zu betreiben und daraus Schlüsse für den Alltag zu ziehen. Man erkennt, dass Taxifahrer ebenso zutreffend über Politik reden können wie Anne-Will-Gäste, dass poetische Vierzeiler mehr über die Welt aussagen als Jahrtausende alte Religionstexte oder dass meine Oma mehr über Rückenschmerzhilfe weiß als mein Arzt. All dies ermöglicht die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es macht ja viel Spaß, Soziologie zu betreiben und daraus Schlüsse für den Alltag zu ziehen. Man erkennt, dass Taxifahrer ebenso zutreffend über Politik reden können wie Anne-Will-Gäste, dass poetische Vierzeiler mehr über die Welt aussagen als Jahrtausende alte Religionstexte oder dass meine Oma mehr über Rückenschmerzhilfe weiß als mein Arzt. All dies ermöglicht die ständig präsente Unterscheidung von Gerede und Gemache. Keiner hat ein Vorrecht darauf (oder die Möglichkeit), die Wahrheit des Gemaches zu ergründen, nur weil er es sich zum Thema des Geredes erwählt hat. Alles funktioniert einfach, weil es funktioniert und ob man darüber redet oder nicht, entscheidet noch nicht, wie es funktioniert oder ob überhaupt.</p>
<p>Gerede bleibt Gerede und Gemache bleibt Gemache.</p>
<p><span id="more-536"></span>Das zu akzeptieren ist natürlich schwer. Weder Hubertus Heil, noch meine Oma, noch Ich möchten gerne des Wunschdenkens, Träumens oder der Autosuggestion überführt werden. Der Mensch ist eben die Kreation, der neben Wahrnehmungen auch Vorstellungen zur Verfügung stehen, um sich ein Bild von der Welt zu machen.</p>
<p>Trotzdem. Manchmal, wenn wieder so eine Welle von Gerede die Welt erfasst, kann man nicht umhin sich selbst eine Meinung darüber zu bilden. Heute: Die Internetfaselei derjenigen, die gerne wollten aber nicht können. Ich interpretiere es mal so: Auf der einen Seite gibt es Regionen in der Welt, in denen kriegsähnliche Zustände herrschen, Menschen leiden und unmittelbar Not herrscht. Dort bedeutet das Internet ein wahres Glück für Kommunikationsanliegen. Es füllt die Lücken etablierter Massenmedien und erlaubt, über alles zu berichten was um einen herum passiert. Es sorgt für Anteilnahme, Hilfe und Solidarität, die ansonsten nicht möglich wäre.</p>
<p>Auf der anderen Seite gibt es Regionen in der Welt, die befriedet sind, in denen Luxusprobleme vorherrschen und jeder so ziemlich das Machen darf was er machen will. In diesen Regionen, Kalifornien oder Hamburg, werden die Internetkommunikationsmittel, die oben erwähnt sind, entwickelt und zur Verfügung gestellt. An einem mangelt es jedoch: an der Notwendigkeit, sie <em>so sinnvoll</em> einzusetzen, wie in den oben genannten Regionen.</p>
<p>Was macht man also? Man feiert, huldigt und bewundert die Technik, die so eindrucksvoll eingesetzt wird.</p>
<p>Und ehrlich: Genau das nervt. Das sich die Twitterleute selbst so zurückhalten finde ich großartig. Dass jedoch ein Filmemacher nach dem anderen und alle Tedtalker zusammen sich andauernd über die großartige neue Welt freuen die, wer sollte daran Zweifeln, «Geschaffen um zu helfen», nun zur Verfügung steht, nervt. Das Abfeiern der neuen Kommunikationstechnologien ist nerviges und zeitverschwendendes Gerede. Der Glaube, dass das Gerede auf das Gemache Einfluss hat oder erkenntnisträchtig ist, bleibt Glaube und die Verlautbarerei ist teilweise peinlich.</p>
<p>Das Abfeiern von Twitter und Co. wäre dabei eigentlich das richtige Stammtischthema, denn um mehr als gute Laune, Erheiterung und Freude geht es dabei nicht. Es ist das richtige Thema für Geselligkeit, Ermächtigungsgedanken des kleinen Mannes (die berechtigt sind), usw.</p>
<p>Für diejenigen, die dennoch auf derartiges abfahren oder wissen möchten, worum es geht hier zwei Links. Ganz profan ohne Einbettung.</p>
<p><em>Und falls der falsche Eindruck entstand: Twitter ist das großartigste Ding im Internet, nur das blinde Gefeiere auf großen Bühnen nervt.</em></p>
<p><a href="http://www.ted.com/talks/clay_shirky_how_cellphones_twitter_facebook_can_make_history.html">Film</a> &amp; <a href="http://www.vimeo.com/4489849">Talk</a></p>
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		</item>
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		<title>Wer hat wozu und wieso überhaupt &#8220;Zeitungen&#8221;?</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/06/03/wer-hat-wozu-und-wieso-uberhaupt-zeitungen/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 15:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zur Einstimmung bitte auch folgenden verlinkten Text lesen, um zu überprüfen, welcher von beiden sinnloser ist: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Kiosk-Schluss-Mit Es ist eine allgemeine Qual, Therapeuten sind entsetzt und eigentlich wissen wir es alle. Man erahnt es instinktiv und dennoch begegnet man demselben Frevel überall. Ca. 20 Mio. Menschen, vorrangig Männer, verbringen ihr Leben in Familien, verheimlichen jedoch, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zur Einstimmung bitte auch folgenden verlinkten Text lesen, um zu überprüfen, welcher von beiden sinnloser ist: <a href="http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Kiosk-Schluss-Mit">http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Kiosk-Schluss-Mit</a></em></p>
<p>Es ist eine allgemeine Qual, Therapeuten sind entsetzt und eigentlich wissen wir es alle. Man erahnt es instinktiv und dennoch begegnet man demselben Frevel überall. Ca. 20 Mio. Menschen, vorrangig Männer, verbringen ihr Leben in Familien, verheimlichen jedoch, dass sie in Wahrheit allenfalls, sofern überhaupt, physisch anwesend sind. Geistig schwirren sie durch die Welt, verbringen Zeit in Gedanken und verstecken sich hinter quadratmetergroßen Papierzetteln, die sie moralisch aufgeladen als „Lektüre&#8221; oder „Zeitung&#8221; ohne weitere Erklärung höher als ihre Familien und Freunde bewerten.</p>
<p><span id="more-504"></span>Besonders ist diese Realitätsflucht an alltäglichen Morgenden zu beobachten. Anstatt das Familientagesgeschäft gemeinschaftlich zu organisieren, verkriechen sie sich hinter ihren „Zeitungen&#8221; und verstecken ihre Familienmüdigkeit im geheuchelten Interesse an <em>Gesabbel</em> unzähliger Journalisten, die behaupten, besser (sic.) über die Welt urteilen zu können als sie selbst.</p>
<p>Wodurch dieser Anspruch auf <em>besser</em> herrührt, ist dabei bis heute nicht geklärt. Die Vermutungen, dass regionale Nähe zu Ereignissen oder Erfahrung mit Themen Begründungen sind, lagen lange nahe. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch, dass gerade Nähe zu Ereignissen oder ein reicher Erfahrungsschatz auszuschließen ist. Dies legen jedenfalls Verlautbarungen von „Journalisten&#8221; nahe, die neuerdings mit erfahrenen Auskennern vor Ort um die Wette schreiben und an ihren Konkurrenten kein gutes Haar lassen.</p>
<p>Weitere Vermutungen konzentrieren sich auf die berufliche Ausbildung zum Schreiben. Da jedoch mittlerweile jeder Bürger lesen und schreiben lernt, hilft auch diese Fokussierung auf die Problemstellung journalistischer Professionalität wenig. (Einige erzählen, einige schrieben „einfach besser&#8221; als andere &#8211; das können wir als Geschmacksurteil schlicht ignorieren.)</p>
<p>Die allerneuste Erkenntnis ist jedenfalls, dass „Zeitungen&#8221; nicht wegen ihrer Inhalte wegen, sondern ihres Schutzschirmcharakters wegen gesellschaftliches Ansehen genießen. Um eine aufgeschlagene „Zeitung&#8221; kann man nicht herumgucken, vor allem nicht in einer 8-m²-Küche. Eine „Zeitung&#8221; auf der Wiese oder dem Mensatisch signalisiert, dass man bereits mit „Wichtigem&#8221; befasst ist und menschliche Nähe unangebracht ist. Eine „Zeitung&#8221; heißt „Zeitung&#8221;, weil sie kurze Zeitspannen von Unsicherheit im Alltag überbrücken. (So wie eine Gabelung einen Weg gabelt oder eine Wässerung irgendetwas wässert, schlägt die „Zeitung&#8221; das zu-viel-an Zeit tot.) Wer eine „Zeitung&#8221; in der Hand hat, <em>hat zu tun</em>. Ähnliches lässt sich bei Wasserflaschen im Sport oder neuerdings auf Wir-Reden-über-Medien-undso-Bühnen beobachten.</p>
<p>Während Wasserflaschen und Zeigestäbe vorrangig be<em>hand</em>elt werden, um vom Körper abzulenken (im Sinne von: Was mach ich eigentlich mit meinen Händen, während ich nur meinen Kopf brauche), dienen „Zeitungen&#8221; noch immer, um die Abwesenheit des Geistes, gesellschaftlich tragbar zu entschuldigen. Daher werden „Zeitungen&#8221; auch nie in ihren Maßen schrumpfen, etwa auch halbwegs erträgliches Lesemaß von DIN-A3.</p>
<p>Das mit den „Zeitungen&#8221; bleibende Problem ist, dass es zur Beschriftung von „Zeitungen&#8221; noch immer Personal bedarf, dass sich angesichts seiner faktischen Rolle heillos überbewertet (etwa indem es glaubt, dass man <em>sie</em> liest).</p>
<p>Aber das wird sich auch noch ändern. Schließlich ist die andere funktionale Komponente der „Zeitung&#8221;, die Untermauerung eigener Behauptungen durch den Hinweis „in der „Zeitung&#8221; gelesen&#8221;, bereits Geschichte.</p>
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