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	<title>Sozialtheoristen &#187; Verantwortung</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>Funktion und Folgen von F&#246;rdervereinen</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Aug 2008 09:35:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Tage beginnt für viele Kinder der schulische Ernst des Lebens. Für viele andere wird er in weiterführenden Schulen noch einmal verschärft. Was für die Kinder mit neuen Belastungen einhergeht, sollte für Eltern eigentlich mit Entlastung verbunden sein. Kinder in staatlicher Obhut, das gibt wieder Freiraum für das eigene Leben. Seit etwa (grob geschätzten) 15 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Tage beginnt für viele Kinder der schulische Ernst des Lebens. Für viele andere wird er in weiterführenden Schulen noch einmal verschärft. Was für die Kinder mit neuen Belastungen einhergeht, sollte für Eltern eigentlich mit Entlastung verbunden sein. Kinder in staatlicher Obhut, das gibt wieder Freiraum für das eigene Leben.</p>
<p>Seit etwa (grob geschätzten) 15 Jahren sind es jedoch nicht nur die Kinder, die eingeschult werden, sondern in Maßen auch wieder deren Eltern. Kaum eine deutsche Einschulungszeremonie kommt dieser Tage ohne die Bitten um elterliches Engagement und die Vorstellung des Fördervereins der Schule aus.</p>
<p>Und es sind gerade die Einschulungsveranstaltungen, die genutzt werden, Eltern mit Mitgliedschaftsanträgen für Fördervereine zu überrumpeln. Wahrscheinlich, weil die Stimmung gut und der Gruppenzwang ausgeprägt ist. Wenn die Umgebung neu ist, orientiert man sich an den anderen. Wenn so das erste Elternpaar vor den Augen der anderen im Sack ist, lassen sich die anderen leicht nachziehen. Wer wollte an diesem wichtigen Tag schon Widerworte geben &#8211; geht ja auch nur um 10 Euro.</p>
<p><span id="more-88"></span></p>
<p>Das Zugpferd der Fördervereine sind dabei die &#8220;schrumpfenden öffentlichen Kassen&#8221;, die kompensiert werden müssen. Zumal es hier um &#8220;ihre Kinder&#8221; geht. Wenn man diese gut gemeinte Fördervereinskonstruktion funktionalistisch durchanalysiert, erhält man jedoch ein eher erschreckendes Bild.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=F%C3%B6rderverein&amp;oldid=49031813">Fördervereine</a> sind nach Wikipedia Verbindungen von &#8220;potenziellen Geldgebern&#8221; und &#8220;unterfinanzierten gemeinnützigen Projekten&#8221;. Ich denke es liegt auf der Hand, das Eltern in Deutschland mehrheitlich nicht als &#8220;potenzielle Geldgeber&#8221; zu betrachten sind. Genauso wenig sind Schulen &#8220;gemeinnützige Projekte&#8221;. Zumindest nicht in dem Sinne, der hier wohl gemeint ist.</p>
<p>Förderverein verlagern die Verantwortung des Staates in die privaten, direkt involvierten Hände der Eltern. Die einzelne Schule wird dabei zur grundlegenden Kategorie. Welche sich nicht selbst hilft, geht unter. Eltern werden, neben ihrer grundsätzlichen gesellschaftlichen Belastung durch ihren Nachwuchs noch direkter in Verantwortung und unverhältnismässiges Engagement gedrängt. Im Grunde sind Mitgliedsbeiträge für schulische Fördervereine als versteckte Schulgebühren zu begreifen. Dabei könnte es genau umgekehrt sein, dass Bürger ohne Kinder ihre Freiheit zumindest finanziell kompensieren. Denn die Vorteile gesellschaftlichen Nachwuchses genießen sie auch.</p>
<p>Wieso hat sich diese Struktur von Fördervereinen dennoch durchgesetzt um Schulen am Leben zu erhalten? Wie immer, weil sie funktioniert &#8211; und zu meiner Erklärung, weshalb das so ist, möchte ich meine allererste Gender-Studie in Worte fassen, sie beruht auf genau einem von mir beobachteten Fall einer NRW-Grundschule:</p>
<p>Erste Beobachtung: Der Förderverein besteht aus engagierten Frauen. Zumindest ist er bei der Einschulung nur durch weibliche Mitglieder, die stapelweise Mitgliedschaftsbögen verteilt haben, in Erscheinung getreten. Zweite Beobachtung: Die Bögen ausgefüllt und teilweise vor Ort bezahlt, haben zumeist Männer.</p>
<p>Mein Erklärung dazu ist simpel und ein bisschen holprig. Aber, Frauen interessieren sich verhältnismäßig seltener für das &#8220;abstrakte Große und Ganze&#8221;, Männer sind eher von Kleinigkeiten genervt und absolvieren sie ohne viel nachzudenken, Hauptsache es geht vorbei.</p>
<p>Und genau das äußert sich bei Fördervereinen. Mütter gehen zwei Stunden lang von Elternpaar zu Elternpaar, um sich für die gute Sache einzusetzen. Väter dagegen sind nach 20 Sek. Kontakt mit dem Förderverein schon bedient, und machen gute Mine zum nervigen Spiel, das am besten gelingt, wenn sie ganz schnell bezahlen.</p>
<p>Die Eltern werden gegeneinander ausgespielt, und der eigentliche Verursacher der Misere, bleibt außen vor. Der (im Wortsinne) unfassbare Staat tritt allenfalls in Sitzungen des Fördervereins als Motivationsgrundlage zutage, doch anstatt in diesem Moment aktiv angegangen zu werden, konzentrieren sich die Anwesenden lieber auf die unmittelbaren Projekte des Fördervereins.</p>
<p>Meiner Meinung nach sollte das anders laufen. Wenn ich für einen schulischen Förderverein bezahlen würde, würde ich mich in ihm engagieren und darauf hinwirken, dass man mit den Mitgliedsbeiträgen einmal dort Krach macht, wo das eigentliche Übel zu verorten ist. Die jährlichen Mitgliedsbeiträge eines Bundeslandes dürfte doch reichen um einmal die Ministerpräsidenten auf Verbesserung ihres Gewissens zu verklagen bzw. auf Aufgabe ihrer Verpflichtung gegenüber ihres Gewissens. Aber zu so was wird es in Deutschland nie kommen, da fehlt uns französischer Geist.</p>
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		<title>Google ist nicht subjektiv</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Jul 2008 20:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
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		<description><![CDATA[Fast jeder Internetnutzer kennt die Google-Suche und die meisten benutzen sie auch. In Deutschland hat der Konzern bei der Internetsuche so einen großen Marktanteil (rechts unten &#8220;Suchmaschinen&#8221; auswählen), dass man getrost von einem Monopol sprechen kann. Monopole sind nicht nur aus marktwirtschaftlicher Sicht bedenklich. Denn Google&#8217;s Suchergebnisse sind in der Regel das Tor zu bisher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fast jeder Internetnutzer kennt die Google-Suche und die meisten benutzen sie auch. In Deutschland hat der Konzern bei der Internetsuche so einen <a href="http://www.webhits.de/deutsch/index.shtml?webstats.html">großen Marktanteil</a> (rechts unten &#8220;Suchmaschinen&#8221; auswählen), dass man getrost von einem Monopol sprechen kann. Monopole sind nicht nur aus marktwirtschaftlicher Sicht bedenklich. Denn Google&#8217;s Suchergebnisse sind in der Regel das Tor zu bisher unbekannten Informationen aus dem Internet. Und der Türsteher bestimmt bekanntlich, wer rein kommt und wer vor der Tür abgewiesen wird. Das Bild des <a href="http://talkpress.de/artikel/google-schwingt-die-grosse-keule-gegen-gehackte-blogs">Türstehers</a> in Verbindung mit Google ist geläufig, aber bei genauerer Betrachtung nicht treffend. Denn es ist ja so, dass Google niemanden abweist, der auf der Suche nach Informationen ist. Google hat es jedoch in der Hand, <em>welche</em> Informationen es sind, die auch angezeigt werden. Die Suche übernimmt daher eher die Aufgabe eines Partnervermittlers und bestimmt, wer dem Suchenden als erstes und wer als ihm als letztes vorgeschlagen wird. Und statistische Auswertungen zeigen, dass die erste Empfehlung auch diejenige ist, die am häufigsten angenommen wird. Wer nicht unter den ersten 10 Suchtreffern zu finden ist, der führt ein Leben zweiter Klasse. Aber der Weltmarktführer hat beim Sortieren der Informationen keine bösen Absichten. <a href="http://investor.google.com/conduct.html">&#8220;Don&#8217;t be evil&#8221;</a> schreibt sich Google selbst auf die Fahnen. Kritische, ängstliche oder unabhängige Geister mag das kaum beruhigen. Denn zu jeder Unterscheidung gehört die andere Seite. Und welche Seite als die gute bezeichnet wird, das ist nun mal vom Beobachter abhängig. So können die guten Absichten des Suchmaschinengiganten durchaus den Schaden für andere bedeuten. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,397153,00.html">Zensur</a> im Auftrag der chinesischen Gutmenschen, die ein ganzes Volk unterdrücken, ist aus Google&#8217;s Perspektive nicht böse. Dieser Kampf ist jedoch ausgefochten, Google zensiert weiter fleißig und ist dennoch in den Augen der meisten Nutzer auf der Seite des Guten zu verorten. Aber wie schafft Google das?<span id="more-28"></span></p>
<p>Der Trick ist einfach. Der Konzern distanziert sich von dem, was er tut. Google ist nicht subjektiv. Die Entscheidung, welche Ergebnisse angezeigt werden, berechnen verschiedene, ineinander greifende Algorithmen. Wie das genau funktioniert, ist geheim. Sicher ist jedoch, dass unter anderem Sprachmodelle (die Fähigkeit Sätze, Synonyme, diakritische Zeichen, Schreibfehler etc. zu interpretieren), Anfragemodelle (hier geht es ist nicht nur Sprache, sondern auch um die Art, in der sie heutzutage verwendet wird), Zeitmodelle (manche Anfragen sind mitunter am besten mit einer 30 Minuten alten Seite zu beantworten und manche sind besser mit einer alten und etablierten Seite bedient) sowie personalisierte Modelle (nicht alle Leute erwarten dasselbe) <a href="http://googlewebmastercentral-de.blogspot.com/2008/05/eine-einfuehrung-in-google-search.html">dazu gehören</a>. Die Komplexität dieses Rechen- bzw. Entscheidungsvorgangs ist so groß, dass man die einzelnen Schritte, Analysen und Rankings keiner konkreten Verantwortung mehr zurechnen kann. Die Ergebnisse sind dann einfach da, wie von Wunderhand. Da fällt es leicht die Komplexität des Entscheidungsprozesses für die eigene Darstellung zu instrumentalisieren und zu behaupten, die Ergebnisse seien <a href="http://googlewebmastercentral-de.blogspot.com/2008/07/einfuehrung-in-sachen-google-ranking.html">nicht von Menschenhand beeinflusst</a>.</p>
<p>Ja, tatsächlich: Google schreibt den zusammenarbeitenden Algorithmen eine objektive Selektionsfähigkeit zu. Und das scheint in einer technikgläubigen Welt auch zu überzeugen. Man muss aber an dieser Darstellung einiges kritisieren. Denn zum einen <a href="http://www.die-antwort-auf-alle-fragen.de/blog/11-07-2008/662-Schwindelt-Google.html">fragt Mark</a> zu Recht, wozu es denn dann die ganzen <a href="http://www.google.com/support/jobs/bin/answer.py?hl=en&amp;answer=54183">Quality-Rater</a> bräuchte. Da pfuscht wohl jemand noch ganz gewaltig in den vermeintlich objektiven Ergebnissen herum. Und zum anderen sind Zahlen &#8211; unabhängig davon, wie komplex ihre Berechnung ist &#8211; nichts anderes als kommunkative Konstruktionen von Personen, Organisationen und/oder Gesellschaft. In diesem Fall stellt die Organisation Google seine Algorithmen selbst zusammen und ist daher für die Ergebnisse verantwortlich und gegebenenfalls auch verantwortlich zu machen.</p>
<p>Man stelle sich nur einmal vor, dass eine Regierung eines demokratischen Staates ihrer Bevölkerung per E-Mail mitteilt: &#8220;Es wurde eine Entscheidung getroffen. Sie ist die einzig richtige. Das versteht sich ja von selbst, weil wir für sie, das Volk, nur das Beste wollen. Die Entscheidung ist desweiteren auch nicht anfechtbar. Denn in jahrelangen Sitzungen, unter Beteiligung aller relevanten Gruppen und nach Anhörung aller einschlägiger Experten hat sich diese Entscheidung von selbst ergeben. Es ist nicht bekannt, wer den Ausschlag gegeben hat, wo sie sich herauskristallisiert hat und wann sie getroffen wurde. Nun ist sie jedoch da. Und sie wird umgesetzt. Wenn sie daran kein Interesse haben, können sie sich abmelden und ihre Staatsbürgerschaft löschen lassen.&#8221;</p>
<p>Warum muss eine Regierung ihre Entscheidungen verantworten? Und &#8211; das erscheint mir die wichtigere Frage zu sein &#8211; warum muss eine Organisation wie Google ihre Entscheidungen nicht weiter begründen, bzw. wie schafft sie es, sich hinter Zahlen zu verstecken?</p>
<p>Technikgläubikeit? Wirtschaftsorganisation? Die Möglichkeit &#8211; trotz Quasi-Monopol &#8211; den Anbieter zu wechseln?&#8230;</p>
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		<title>Lösungsprobleme und Problemlösungen</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jun 2008 15:05:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Hoebel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Beispiel des Atommülllagers Asse II in Niedersachsen lässt sich gegenwärtig beobachten, wie Lösungen zum Problem werden können. Christoph Seidler von DER SPIEGEL berichtet, dass hier etwa 130.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall in einem ehemaligen Bergwerk lagern, das Gestein jedoch zunehmend porös werde, so dass Einsturzgefahr bestehe. Folgt man der Darstellung, ist das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Beispiel des Atommülllagers Asse II in Niedersachsen lässt sich gegenwärtig beobachten, wie Lösungen zum Problem werden können. Christoph Seidler von DER SPIEGEL <a title="SPIEGEL ONLINE: Strahlende Fracht, düstere Zukunft, 26.6.2008" href="http://http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,562263,00.html" target="_blank">berichtet</a>, dass hier etwa 130.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall in einem ehemaligen Bergwerk lagern, das Gestein jedoch zunehmend porös werde, so dass Einsturzgefahr bestehe. Folgt man der Darstellung, ist das Einsickern von Salzwasser bereits seit Ende der 1980er Jahre bekannt. Es gilt als Ursache dafür, dass man es in Asse zunehmend mit marodem Gemäuer zu tun hat. Und dann ist da noch diese <a title="SPIEGEL ONLINE: Expertengruppe soll über " href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,561832,00.html">dubiose radioaktive Lauge</a> &#8230;</p>
<p><span id="more-22"></span>Bemerkenswert ist der Fall, weil Asse II in den 1960er und 1970er als &#8220;Testlabor&#8221; geplant und eingesetzt wurde: um Atomabfälle &#8220;versuchsweise endzulagern&#8221;, wie in einem Infokasten zu lesen ist, mit dem DER SPIEGEL seine Berichterstattung ergänzt. &#8220;Versuchsweise Endlagern&#8221;: dieser Begriff kennzeichnet wohl in kaum zu übertreffender Weise die paradoxe Situation, mit der sich nun Anlagenbetreiber und politische Regulierer konfrontiert sehen. Denn: wenn die Endlagerung ein Versuch bleibt, ist sie keine Endlagerung. Versuche, Tests, Experimente u.ä. führen bereits das mögliche Scheitern des begonnenen Vorgangs mit. Umso erstaunlicher erscheint es, dass man in Asse dennoch für die Ewigkeit geplant hat.</p>
<p>Abstrakter formuliert lässt sich die Situation dadurch kennzeichnen, dass die Lösung zum Problem geworden ist &#8211; und zwar die Lösung für ein Problem, das selbst einmal Lösung war: die Atomenergie.</p>
<p>Wie lässt sich nun das Problem fassen, mit dem wir es in Asse zu tun haben? Man ist geneigt, das Ganze als Umwelt- und Gesundheitsproblem aufzufassen &#8211;  wie z.B. im Rahmen der <a title="Zum Wortlaut der " href="http://www.asse2.de/remlinger-erklaerung.html" target="_blank">&#8220;Remlinger Erklärung&#8221;</a> von Ortsansässigen und Aktivisten, die sich gegen eine Flutung des Stollens wenden. Diese Flutung (ohne dann noch Zugriff auf den Müll zu haben) wurde zwischenzeitlich als neue Lösung angeboten, um der Lage Herr zu werden.</p>
<p>Man kann aber auch den Eindruck gewinnen, dass in Bezug auf Asse ganz andere Probleme verhandelt werden. Aufschluss gibt möglicherweise ein Vergleichsfall aus den USA von 1981, den Lee Clarke aus sozialwissenschaftlicher Perspektive untersucht hat (&#8220;<a title="Zusammenfassung des Buches " href="http://www.beyondintractability.org/booksummary/10116/" target="_blank">Acceptable Risk</a>&#8220;, University of California Press, 1989). Es handelt sich um einen Brand in einem Verwaltungsgebäude in Binghamton/ New York, im Zuge dessen das mehrstöckige Hochhaus und angrenzende Flächen mit dem Gift PCB kontaminiert  wurden. Clarke beschreibt, dass sich in Anschluss an dieses Ereignis notwendigerweise Entscheidungsbedarfe ergeben haben, um Fragen zu klären wie &#8220;was ist genau passiert?&#8221;, &#8220;was wurde freigesetzt?&#8221;, &#8220;in welcher Dosis?&#8221;, &#8220;wer kümmert sich um die Opfer?&#8221;. Dazu muss man wissen, dass man zu diesem Zeitpunkt noch wenig Erfahrungen mit den gesundheitsgefährdenden Wirkungen von PCB hatte.</p>
<p>Es dauerte allerdings mehrere Monate, bis sich ein &#8220;action set&#8221; herauskristallisierte, das einen konkreten Aktionsplan vorlegte, wie z.B. die kontaminierten Personen zu behandeln seien. Zuvor war das ganze Setting durch konkurrierende Problemdefinitionen, konkurriende Lösungsangebote und nicht zuletzt durch konkurrierende Organisationen und Politikebenen gekennzeichnet &#8211; von Clarke in Anschluss an ein organisationssoziologisches Konzept als  &#8220;garbage can&#8221; bezeichnet (vgl. Cohen u.a., &#8220;A Garbage Can Model of Organizational Choice&#8221;, Administrative Science Quarterly 17(1), 1972). Seine These ist, dass es so lange gedauert hat, bis man eine Lösung vorlegte, weil die Verantwortlichkeiten zwischen den Beteiligten nicht geklärt waren. Gerade politische Entscheidungsträger erwiesen sich als risikoavers in der Weise, als dass sie keine Verantwortung für eine Problembearbeitung übernehmen wollten, bei der unklar war, ob sie überhaupt dem Problem entsprach. &#8220;Ihr&#8221; eigentliches Problem sahen sie gleichwohl nicht so sehr darin, dass Menschen zu Schaden gekommen waren, sondern in der Möglichkeit, für die &#8220;falsche&#8221; Problemlösung zur Rechenschaft gezogen zu werden. Nicht zuletzt deswegen reagierte man allem in der Weise, das Ereignis möglichst genau zu untersuchen, um die Informationsgrundlage für &#8220;richtiges Entscheiden&#8221; auszuweiten. Zeitverluste waren die Folge. Oder eben Zeitgewinne &#8211; es kommt auf die Perspektive an.</p>
<p>In Bezug auf Asse scheint der Fall ähnlich gelagert zu sein. Zwar wurde im Zuge verstärkter Berichterstattung ein politischer Krisengipfel einberufen. Allerdings konnten sich die formal verantwortlichen Ressorts aus Niedersachsen und auf Bundesebene augenscheinlich nicht einigen, wie nun weiter zu verfahren sei. So wurde zunächst einmal eine Task-Force gegründet, die während des Sommers Vorschläge erarbeiten soll. Auf die &#8220;versuchsweise Problemlösung&#8221; darf man gespannt sein.</p>
<p><strong>Luhmann, Niklas 2002</strong>: Die Politik der Gesellschaft. Franfurt am Main, S. 220-243.</p>
<p><strong>Luhmann, Niklas 2004</strong>: Ökologische Kommunikation. Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen. 4. Auflage. Wiesbaden.</p>
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		<title>Die strategische Inszenierung einer Naturkatastrophe</title>
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		<pubDate>Mon, 26 May 2008 16:26:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es sind nicht die ersten Leichen, die den Weg der chinesischen Führung begleiten. Aber seit dem sich die Welt nicht mehr in kapitalistische und sozialistische Blöcke teilt, gab es wohl kaum einen Zeitpunkt an dem die zahlreichen Toten für die politische Führung Chinas günstiger waren als der jetzige mit den Erdbebenopfern in Südwestchina. Es scheint [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es sind nicht die ersten Leichen</strong>, die den Weg der chinesischen Führung begleiten. Aber seit dem sich die Welt nicht mehr in kapitalistische und sozialistische Blöcke teilt, gab es wohl kaum einen Zeitpunkt an dem die zahlreichen Toten für die politische Führung Chinas günstiger waren als der jetzige mit den Erdbebenopfern in Südwestchina. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Zahl der Opfer die Marke von 100.000 überschreitet. Die Medienberichte nehmen kaum ein Ende, täglich gibt es neue Bilder, Berichte, Filme und Kommentare aus dem Katastrophengebiet, was nicht zu letzt auf Grund einer bis hierhin nie gekannten chinesischen Offenheit gegenüber internationalen Presseberichten möglich ist. Die Führung Chinas präsentiert sich in öffentlicher Trauer, doch man wird vermuten müssen, dass ihr die Toten geradezu willkommen sind.</p>
<p><strong>An dieser Stelle werden sich die ersten Abwehrreaktionen zeigen</strong> und der geneigte Leser wird sich irritiert bis empört fragen, wie ich denn nur so etwas Absonderliches und Unverschämtes unterstellen könne. Es erscheint kaum vorstellbar, dass eine Regierung die Toten der eigenen Bevölkerung durch eine Erdbebenkatastrophe als politisch wertvoll einstufen wird. Gerade diese kontraintuitive These und die durch sie hervorgerufene Abwehrreaktion ist für mein Argument jedoch sehr lehrreich.</p>
<p><span id="more-11"></span><strong>Denn in der politischen Reaktion Chinas</strong> zeigt sich, dass der welt- und innenpolitisch unter Druck geratene Kader sehr gut zu verstehen scheint, wie er die Opfer der Erdbeben geschickt für die eigenen Zwecke nutzen kann. Möglich wird dieses taktische Manöver erst, da die Ursache der Katastrophe auf die gesellschaftliche Umwelt zugerechnet werden kann und politisches Entscheiden als Zurechnungkategorie nicht zur Verfügung steht. Für welche politische Entscheidung könnte die chinesische Führung auch in Verantwortung gezogen werden wenn es um die Beurteilung des Schadens geht? Hierin unterscheidet sich die Erdbebenkatastrophe von den anderen chinesischen Themen, die in den letzten Monaten und Jahren immer wieder im Fokus der Weltöffentlichkeit standen: Die Toten des Erdbebens konnten politisch nicht verhindert werden, weshalb sich die Führung der weltweiten Solidarität sicher sein kann. Dass die Solidarisierung nur funktioniert, wenn die Massenmedien die bekannten Bilder über den Globus funken, ist auch für Chinas Elite selbstverständlich. Das allein erklärt die bisher unbekannte Offenheit Chinas aber noch nicht hinreichend.</p>
<p><strong>Denn es ist sicherlich nicht die schlimmste Naturkatastrophe</strong>, die China in den letzten Jahren heimgesucht hat. Aber es ist die erste, die weltweit Aufmerksamkeit erhält. Vorher wurden entsprechende Vorfälle unter Verschluss gehalten. Weder die staatlichen Medien, geschweige denn die internationale Presse konnten von den Katastrophen berichten. Sickerte doch einmal eine Meldung durch, dann wurden &#8220;Vorfälle&#8221; nur zufällig bekannt und die Nachrichtenlage war vage und unübersichtlich. Was bewog die Führung dieses Mal den Vorhang für die internationale Presseberichterstattung zu öffnen? Die <a href="http://www.welt.de/meinung/article2007595/Westen_sollte_Chinas_neue_Offenheit_honorieren.html">&#8220;neue Offenheit&#8221; Chinas</a> lässt sich nur erklären, wenn man die politisch brisanten Themen der jüngsten Vergangenheit wieder hervorholt.</p>
<p><strong>Wer spricht heute noch von den Repressionen in Tibet</strong>, von den Missständen rund um die Olympischen Spiele, von der mangelnde Demokratie, den Menschenrechtsverletzungen oder der Agressivität gegenüber Taiwan? Die massenmedial inszenierte Katastrophe mit zahlreichen Opfern ist ein funktionales Äquvivalent für politische Reformen, Dialog- und Kompromissbereitschaft, die im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die genannten Themen gefordert wurde. So wird der Blick frei auf das politisch-taktische Kalkül der &#8220;neuen Offenheit&#8221;, das den fast 100.000 Toten Hohn spricht.</p>
<p><strong>Das schamlose Ausnutzen von Taktgefühl</strong> beschreibt das taktische Manöver Chinas wohl am treffendsten. Denn taktvolles Verhalten kann von Trauernden in ihrer gesellschaftlichen Umwelt vorausgesetzt werden und beschreibt die gesellschaftliche Erwartung, dass man sein Gegenüber in seiner Darstellung nicht stören oder diese gar unterlaufen sollte. Die Darstellung von Trauer darf als weltweit geachtet und geschützt gelten. Es ist pietäts- und anstandslos, wenn man den Trauernden in seiner Darstellung nicht nur nicht unterstützt, sondern ihm den Raum dafür nimmt, indem man ihn kritisiert. Daraus resultiert die oben genannte Abwehrreaktion, die als durchaus vorhersehbar und kalkuliert einzustufen ist. Das gesellschaftliche Erwartung eines taktvollen Verhaltens nötigte dann selbst den <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=3345235">Dalai Lama</a> für die Zeit der Trauer von weiteren Protesten Abstand zu nehmen und seine Anhänger zur Zurückhaltung aufzurufen.</p>
<p><strong>So präsentiert sich China als verletzte Nation</strong>, die von nicht zu verantwortenden Umwelteinflüssen getroffen wurde und reklamiert dabei ein ordentliches Recht zur Trauer für sich. Wer darin aber eine neue Offenheit sieht, der unterschätzt das strategische Kalkül in der Reaktion auf die Katastrophe. Denn die offen dargestellte und geschickt inszenierte Trauer ermöglicht es der chinesischen Führung sich gegen Kritik und Protest zu immunisieren. Wenn sich der Fokus der Weltöffentlichkeit nach den Olympischen Spielen nicht mehr so sehr auf China richten wird, werden die nächsten Säuberungsaktionen in Tibet, die gigantische Umweltverschmutzung durch den Bau des Drei-Schluchten-Damm und die massiven Repressionen im Umfeld der Olympischen Spiele in Zukunft wieder unter Verschluss gehalten. Eine neue Offenheit oder gar eine Demokratisierung kann ich in dem Verhalten Chinas nicht erkennen. Vielmer sehe ich ein neues Level der strategischen Inszenierung von Naturkatastrophen.</p>
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