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	<title>Sozialtheoristen &#187; Wandel</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>Die Grünen &#8211; Zurück zu sich selbst?</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 14:13:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Grünen hätten das Verhältnis zu sich selbst verloren, kritisiert Georg Diez im aktuellen SZ-Magazin. Er bezieht sich dabei in erster Linie auf die Aussagen eines resignierten Mitbegründers der Grünen, Ludger Volmer. Ich frage mich bei solchen Thesen immer, was denn dieses ominöse &#8220;Selbst&#8221; sein soll, das irgendwo verloren gegangen ist. Die Frage ist deshalb [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Grünen hätten das Verhältnis zu sich selbst verloren, kritisiert <a href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/31504/">Georg Diez im aktuellen SZ-Magazin</a>. Er bezieht sich dabei in erster Linie auf die Aussagen eines resignierten Mitbegründers der Grünen, <a href="http://www.ludger-volmer.de/">Ludger Volmer</a>. Ich frage mich bei solchen Thesen immer, was denn dieses ominöse &#8220;Selbst&#8221; sein soll, das irgendwo verloren gegangen ist. Die Frage ist deshalb soziologisch höchst interessant, weil die typische Antwort in der Regel so unsoziologisch daher kommt, dass man sich dazu genötigt fühlt, für etwas soziologische Aufklärung zu sorgen.</p>
<p><span id="more-662"></span></p>
<p>Wiederholen wir noch einmal die bekannte Problemdiagnose:</p>
<blockquote><p><span>Die Grünen sind eine Partei wie alle anderen; die Frage ist, was das für Konsequenzen hat. (&#8230;). </span><span>Einst waren sie Avantgarde, heute sind sie wie alle. Sie sind ökologischer Mainstream und damit auf dem Weg zur grünen Volkspartei. (&#8230;). </span><span>Die Grünen sind zerrissen zwischen der eigenen Folklore und der Realität einer ganz normalen Funktionärspartei. </span></p></blockquote>
<p><span>Jedes Problem braucht angebbare Gründe, die möglichst nachvollziehbare Kausalitäten beinhalten. Für die &#8220;Identitätskrise&#8221;, bzw. für den verlorenen Bezug der Partei zu sich selbst, werden dann die Mitglieder verantwortlich gemacht:</span></p>
<blockquote><p><span>Aber warum verhalten sie sich so defensiv? So ängstlich? So ungrün? Hat das mit den »Kampfschweinen« zu tun, die in den Diskussionsschlachten der Siebzigerjahre gestählt wurden? Den Funktionären, die diese einst basisdemokratische Partei im festen Griff halten? Die gelernt haben, ihre Siege zu genießen, weil sie wissen, wie gut es sich anfühlt, Macht zu haben und nicht zu den Verlierern zu gehören? Die sich wie Denkmäler benehmen, die auf ihren eigenen Staub stolz sind?</span></p>
<p>Oder hat es auch mit der etwas antriebsschwachen Riege der 30- bis 40-Jährigen zu tun, die nicht von Visionen geplagt werden, dafür von der generationstypischen Beißhemmung? Denen vieles leichter gefallen ist, die deshalb nie einen wirklichen Machtinstinkt erworben haben, die lieber ein guter Vater sein wollen als ein guter Vatermörder? Wie will man mit solchen Angestellten eine Revolution machen? Oder wenigstens auf dem Parteitag einen kontroversen Antrag durchboxen?</p></blockquote>
<p><span>Soziologisch gesehen, ist es Unsinn, die Gründe für die Identitätskrise <em>in</em> den Mitglieder zu suchen und zu finden. Diese Art der Begründung hat zwar eine lange Tradition in der Parteienforschung und geht auf die Arbeiten Robert Michels zurück. Aber so alt die Tradition ist, so wenig plausibel ist sie angesichts der modernen Theorieentwicklung der Soziologie. </span></p>
<p><span>Organisationen &#8211; also auch Parteien &#8211; bestehen nicht aus ihren Mitgliedern. Eine Partei ist kein Personenverband, der seine Mitglieder als Personen vollumfassend einschließt. Organisierte Sozialsysteme werden in Anschluss an die neuere Systemtheorie Niklas Luhmanns stattdessen als komplementär spezifizierte, ausdifferenzierte Erwatungszusammenhänge beobachtet, die sich nach einem konkreten Rollengefüge ordnen. Das Mitglied als Person mit seinen eigenen anderen Rollen gehört damit nicht zur Partei, sondern zur innergesellschaftlichen Umwelt des Systems. Dementsprechend sind die oben zitierten Fragen &#8211; soziologisch &#8211; falsch gestellt, betreffen sie doch gar nicht die Partei, sondern ihre personale Umwelt.<br />
</span></p>
<p><span>Begreift man Parteien als selbstreferentielle Systeme, lassen sich die Fragen nach Identität neu stellen, und zwar nach funktionalen Gesichtspunkten. Was ist mit &#8220;Identitätskrise&#8221; gemeint? Was ist denn ein &#8220;fehlender Bezug zu sich selbst&#8221;? Der Bezug zu den eigenen anderen Rollen der Mitglieder kann kaum gemeint sein, weil die Partei dann lediglich von einer Grenze der Umwelt komplett beherrscht werden würde. In dieser Vorstellung reflektieren die Mitglieder ihre Erfahrungen in anderen, unpolitischen Rollen, wenn sie am Programm der Partei mitwirken. Auf diese Weise werden unpolitische Relevanzen in politische transformiert.<br />
</span></p>
<p><span>Diese Vorstellung mag für soziale Bewegungen, die weitestgehend monothematisch ausgerichtet sind, rational sein. Will diese Bewegung als Partei jedoch in den Parlamenten an der politischen Entscheidungsarbeit beteiligt sein, muss sie Mehrheiten gewinnen, die nur bis zu einer niedrigen Schwelle mit einer monothematischen Ausrichtung realisiert werden kann. Protestparteien sind aber in stabilen Demokratien nicht in der Lage, die Schwelle zu überschreiten, an der sie die Macht erlangen, Entscheidungen durchsetzen zu können, also an der Regierung beteiligt zu sein.<br />
</span></p>
<p><span> Zielerreichung in der Demokratie bedeutet deshalb für Parteien immer Mitglieder- und Stimmenmaximierung. Das stellte bereits Michels fest. Die Konsequenz für die Partei liegt dann aber darin, &#8220;sich selbst zu verleugnen&#8221; und sich stattdessen auf die Interessen der Wähler auszurichten und deswegen auch jedes Thema potentiell bedienen zu können. Das bedeutet organisationalen Wandel, der die Grenze zu der besonderen Kategorie der Nicht-Mitglieder, den potentiellen Wählern, besonders betonen muss. Im Vollzug dieses Wandels verliert die Partei zwangsläufig den Bezug zu sich selbst.</span></p>
<p><span>Die Identitätskrisen moderner Parteien besteht dann in der Diskrepanz zwischen Gründungsidealen und Ansprüchen der modernen Demokratie, nämlich &#8220;Volkspartei&#8221; sein zu müssen. Bei den Grünen wird diese Spannung eklatant, weil sie als &#8220;Volkspartei&#8221; so erfolgreich sind, wie noch nie zuvor in ihrer Geschichte. Dabei mussten sie aber viele Ideale einer sozialen Bewegung hinter sich lassen, die heute tatsächlich nicht mehr sind als &#8220;Folklore&#8221;. </span></p>
<p><span>Gleichzeitig ist der relative Erfolg der Grünen ein Stabilitätsfaktor, der Innovationen und weiteren organisationelen Wandel schwierig macht. Wer stetig seine Anteile bei Wahlen erhöht, ist auf dem richtigen Weg und kann sich gegenüber neuen Vorschlägen mit dem Verweis auf den erbrachten Erfolg immunisieren. Erfolg ist eine substantielle Bedingung von Parteien, die sich dem demokratischen Wettbewerb stellen.<br />
</span></p>
<p><span>Welche konkreten Ziele dabei verfolgt werden, ist in modernen Demokratien sekundär. Das mag moralisch gesehen, eine frappierende Aussage sein. Für die Soziologie steht für dieses Phänomen das Prinzip der Zweck-Mittel-Vertauschung zur Verfügung. Der von Luhmann geprägte Begriff geht auf Schumpeter, Downs, sogar auf Michels zurück und ist insofern keine neue Erkenntnis. Die Führer der Partei sind in dieser Perspektive nicht ausschließlich persönlich an der Macht interessiert, sondern die <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2414">Rollenträger der Zweck-Mittel-Vertauschung</a>.<br />
</span></p>
<p>Umso erstaunlicher ist es, dass sich in der politikwissenschaftlichen und soziologischen Parteienforschung nach wie vor der moralische Anspruch hält, dass Parteien &#8220;zu sich selbst finden&#8221; sollen. Das würde nichts anderes bedeuten, als den Machtanspruch aufzugeben und in einen weniger differenzierten Zustand einer sozialen Bewegung zurück zu kehren. Damit würde die Partei jedoch in den bedeutungslosen Wirkungskreis der außerparlamentarischen Opposition geraten. Soll der Weg zurück &#8220;zu sich selbst&#8221; wirklich dort enden?</p>
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		<title>Planwirtschaft reloaded</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Nov 2008 17:14:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Dynamik]]></category>
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		<description><![CDATA[Durch Innovationsbemühungen vorwärts in die Vergangenheit? Die Planwirtschaft ist wieder auf dem Vormarsch. Fast jeder wird dies im Alltag beobachten können. Und um Missverständnisse auszuräumen, sei vorweg gesagt, worum es nicht geht: Die Planwirtschaft wird den Kapitalismus nach der Bankenkrise nicht ersetzen. Auch wenn sich einige dies wünschen mögen, gibt es die Planwirtschaft nicht zurück (es sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Durch Innovationsbemühungen vorwärts in die Vergangenheit?</strong></p>
<p>Die Planwirtschaft ist wieder auf dem Vormarsch. Fast jeder wird dies im Alltag beobachten können. Und um Missverständnisse auszuräumen, sei vorweg gesagt, worum es <em>nicht</em> geht: Die Planwirtschaft wird den Kapitalismus nach der <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/vertrauenskrise-die-45-billionen-dollar-luge/">Bankenkrise</a> nicht ersetzen. Auch wenn sich <a href="http://www.20min.ch/news/ausland/story/Ostdeutsche-wuenschen-sich-die-Planwirtschaft-zurueck-30709803">einige dies wünschen</a> mögen, gibt es die Planwirtschaft nicht zurück (es sind halt die Leser der <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt8m1/kultur/614/312528/text/">SuperIllu</a>&#8230;). Und doch finden sich unmissverständliche Anzeichen für den Rückkehr der Planwirtschaft. Der Wandel vollzieht sich allerdings nicht im politischen System, sondern vielmehr auf allgemeiner organisationaler Ebene und ist eng mit den Stichworten Qualitätssicherung, Zielvereinbarung, leistungsbezogene Vergütung, Evaluation und Reform verbunden. Es sieht ganz danach aus, als ob die Planwirtschaft auf organisationaler Ebene eine Renaissance erlebt, die abseits intendierter Ziele ganz praktisch realisiert wird. Wie konnte es dazu kommen?</p>
<p><span id="more-304"></span></p>
<p>Machen wir also einen kleinen Ausflug in die blumige Semantik-Welt der Berater, Coaches und Innovatoren, die den Organisationen solange eingeredet haben, dass wir in einer <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/11/14/zur-dynamik-der-wissensgesellschaft/">dynamischen Wissensgesellschaft</a> leben, dass sie diesen Mythos mittlerweile selbst glauben. Es klingt ja auch allzu verlockend:</p>
<blockquote><p>Die Leitbildentwicklung stärkt die Identität der Organisation und die Identifikation der Beschäftigten. Die Auseinandersetzung mit der Definition gelungenen Lernens bewirkt eine Zunahme der pädagogischen Professionalität. Die Bildungsarbeit orientiert sich stärker an den Bedürfnissen der Lernenden. Die Evaluation führt zum Erkennen von Entwicklungspotenzialen und neuen Chancen. Die genaue Definition von Prozessen und Arbeitsabläufen strafft und systematisiert die Ablauforganisation. Die Klärung und Definition von Schnittstellen und Verantwortlichkeiten in der Organisation schafft Transparenz und erleichtert die Arbeit. Der Überblick über die verschiedenen Arbeitsbereiche systematisiert und verbessert die Zusammenarbeit. Durch eindeutige Ziele kann die Organisation sicher gesteuert werden. Teilschritte der Zielerreichung können kontrolliert und Erfolge können bewertet werden. Durch ein bewusstes Marketing der Qualität wird die Außendarstellung der Organisation verbessert. Die Führung der Organisation orientiert sich an gemeinsamen Grundsätzen.<br />
Die Beteiligung der Beschäftigten an der Qualitätsentwicklung fördert die Selbstreflexion und lässt die Wertigkeit der eigenen Arbeit erkennen. Die gesamte Organisation richtet ihre Arbeit strukturell an den Interessen ihrer Kunden aus.</p>
<p>(<a href="http://www.artset-lqw.de/cms/index.php?id=lqw-verfahren">Quelle</a>, hier finden sich noch weitere Textgattungen der Kategorie &#8220;Begriffsmüll&#8221;)</p></blockquote>
<p><strong>Vorwärts immer, rückwärts nimmer!</strong></p>
<p>Nach einer Vielzahl von Reformen sind die Organisationen verunsichert, weil sie ihre eigene Geschichte vergessen haben und sind daher den &#8220;Erfolgsrezepten&#8221; der Wunderheiler hoffnungslos ausgeliefert. Sie wissen es ja schleißlich nicht mehr besser. So glauben sie tatsächlich an den Berater-Sprech, so wie Kinder glauben, dass man durch Nutella zum Nationalspieler wird. Auch Kinder wissen es nicht besser. Allerdings werden sie es noch lernen, wobei &#8220;lernende Organisationen&#8221; verlernt haben zu erinnern und daher nicht mehr lernen, sondern nur noch reformieren, Innovationen hinterherhecheln und Qualität sicherstellen. Der Zyklus von Innvationen und neuen Konzepten, mit denen sich Organisationen, die aus Sicht der Berater &#8220;modern&#8221; agieren, auseinandersetzen müssen, wird immer geringer, das Vergessen immer größer. Für Lernen bleibt einfach keine Zeit mehr, so schnell ist ein neues Konzept (oder wie die meisten Berater ehrlicher formulieren: Produkt) am Markt, das eingeführt werden muss. So kann aus vorangegangenen Innovationen nichts gelernt werden, weil die Zeit fehlt, die Wirkungen im Sinne systemrationaler Zurechnungen auf die Ursachen der Reform zurückzuführen. Innovative Organisationen werden nicht nur vergesslich, sondern gedächtnislos.</p>
<p><strong>Lieber hundertmal mit der Partei irren als sich einmal gegen die Partei stellen.</strong></p>
<p>Warum nun aber Planwirtschaft? Im Diskurs der Berater findet sich zwar immer eine Welt, die schneller und dynamischer wird, in der es flexibel zu handeln gilt, jedoch ist das Resultat einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Qualit%C3%A4tssicherung">Qualitätssicherung</a> und einer Zielvereinbarung in der Regel ein recht starres, unbewegliches Konstrukt: ein Plan. Es werden Pläne geschmiedet, für die Organisation als ganze, mit Zielen, die es zu erreichen gilt und wie sie nach Innen und Außen zu vertreten sind, aber auch für den Einzelnen, was er zu leisten hat, wie er dort ankommt und was diese Erträge für die Organisation bedeuten. So arbeitet jedes Einzelteil und die gesamte Organisation nach einem fixen, starren Plan und hat Glück, wenn sie am Ende des Zeitrahmens mit Übererfüllung dastehen. Ob die Produkte dann noch Abnehmer finden, ist ein anderes Problem. Der Plan hat sich bis dahin ja schon verselbstständigt. Es ist nunmal so, dass jede noch so innovative, bürokratiefeindliche und rationale Reform dazu führt, dass sie den Mitarbeitern verständlich gemacht werden muss. Für eine Evaluation muss geschult, diskutiert, dokumentiert, ausgewertet, diskutiert, präsentiert, usw. usf. werden. Das kostet Ressourcen, die mit produktiver Arbeit wenig gemein haben. Zielvereinbarungen müssen getroffen, kontrolliert, bewertet, festgestellt, vergütet werden. Das hat mit produktiver Arbeit nichts zu tun. Übrigens müssen Mitarbeiter auch darin geschult werden, dass sie nun nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zielvereinbarung">Zielvereinbarungen</a> arbeiten. Da gehen locker zwei Tage einer ganzen Abteilung drauf. Eine Einführung in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/TV%C3%B6D#Leistungbezogene_Verg.C3.BCtung">leistungsbezogene Vergütung im TVOED</a> dauert kaum weniger lang. Dann gäbe es da noch Familienschutz, Umweltbewusstsein, Qualitätszirkel usw. usf. Und wer so viel Aufwand für einen Plan betreibt, der muss auch an ihn glauben. Ansonsten müsste jeder vernünftig denkende Arbeitnehmer gegen die Umsetzung und Einführung protestieren. Da die Organisation aber über kein Gedächtnis mehr verfügt, kann sie nicht zu dem Schluss kommen, dass sie sich zunehmend mit sich selbst beschäftigt. So gibt es keinen Raum, in der sich berechtigte Kritik Gehör veschaffen kann. Und alle machen mit.</p>
<p><strong>Macht kaputt, was euch kaputt macht!</strong></p>
<p>Es kommen Zweifel bei den Beteiligten auf. Und es liegt nahe, zu überlegen, ob es eine Chance gibt, dass Organisationen aus dem Reformkreislaufs des Teufels aussteigt und endlich anfängt zu lernen. Auch die Berater-Industrie wird vorsichtig und schmückt sich mit vermeintlich <a href="http://www.coachplus.de/zielvereinbarungen/zielvereinbarungen.html">kritischen Ansätzen</a>. Dabei warnt sie, dass man vieles falsch verstehen kann. Aus der Kritik folgt allerdings nicht, dass man Reformen gleich ganz sein lassen kann, sondern dass man es erst richtig versuchen müsse. Geschickt machen sie dem Süchtigen klar, dass er beim Konsum von Drogen viel falsch machen kann und bei falscher Anwendung letztlich selber Schuld sei und dann beim nächsten Schuss besser auf eine qualitativ hochwertige (meint: teurere) Ware zurückgreifen muss. Organisationale Planwirtschaft ist ein verhängnisvolles Spiel, das viele Organisationen mit dem Leben bezahlen müssen. Das ist tragisch, aber für die Planwirtschaft nun einmal üblich.</p>
<p><strong>Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. </strong></p>
<p>Hinzu kommt noch, dass Kritiker einen Schattenkampf aufführen müssen, weil sich die organisationale Planwirtschaft in einem Punkt von ihrem politischen Vorbild unterscheidet: Wurden im Realsozialismus die Pläne zentral bestimmt und verwaltet, weshalb auch von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Planwirtschaft">Zentralverwaltungswirtschaft</a> gesprochen wird, so wird im Organisationmodell mit einer Vielzahl dezentraler Pläne gearbeitet, was euphemistisch &#8220;Mitarbeiter-Partizipation&#8221; genannt wird. Das führt dazu, dass Kritiker quasi mundtot gemacht werden, da es keinen zentralen Angriffspunkt mehr gibt. Insbesondere Gewerkschafter, die hier eine kritische Rolle einnehmen könnten, werden zur Untätigkeit verdammt, da sie erstens selbst an den Plänen beteiligt sind und zweitens ihr eigenes Klientel für die Konstruktion der Pläne verantwortlich machen müssten. So marschiert die planwirtschaftlich strukturierte Organisation zwangsläufig sehenden Auges, aber manovrierunfähig in ihr eigenes Verderben. So wie der Realsozialismus das vorgelebt (-oder gestorben) hat.</p>
<p><a href="http://www.20min.ch/news/ausland/story/Ostdeutsche-wuenschen-sich-die-Planwirtschaft-zurueck-30709803"></a></p>
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		<title>Zur Dynamik der Wissensgesellschaft</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Nov 2008 15:15:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Polemik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Oder: die Mythen der Bildungsforschung Ich werde niemanden damit überraschen, wenn ich schreibe, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben, deren gesellschaftlicher, organisationaler und individueller Wandel immer schneller voranschreitet und in der wissensbasierte Qualifikationen und lebenslanges Lernen von höchster Priorität sind, um den mehrdimensionalen Wandel nicht nur zu bewältigen, sondern auch gestalten zu können. Jeder kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Oder: die Mythen der Bildungsforschung</strong></p>
<p>Ich werde niemanden damit überraschen, wenn ich schreibe, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben, deren gesellschaftlicher, organisationaler und individueller Wandel immer schneller voranschreitet und in der wissensbasierte Qualifikationen und lebenslanges Lernen von höchster Priorität sind, um den mehrdimensionalen Wandel nicht nur zu bewältigen, sondern auch gestalten zu können. Jeder kann und darf unhinterfragt behaupten, dass wir es mit einer dynamischen Wissensgesellschaft zu hätten. Die fraglose Verbreitung dieser beiden gesellschaftlichen Mythen überrascht mich allerdings jedes mal aufs Neue. Wer oder was ist denn die &#8220;Wissensgesellschaft&#8221; und wo ist der Tacho, auf dem man die zunehmende Geschwindigkeit des gesellschaftlichen Wandels ablesen kann?</p>
<p><span id="more-298"></span></p>
<p><strong>Höher! Schneller! Weiter!</strong><br />
Warum darf sogar in wissenschaftlichen Publikationen, quer durch die Disziplinen in den Einleitungen immer wieder behauptet werden, dass der gesellschaftliche Wandel (hier ließe sich je nach Thema oder Disziplin auch etwas spezifischeres einsetzen) immer schneller voranschreite, ohne dass dafür irgendein Beleg angeführt werden muss? Mal angenommen, es gäbe noch ein ernsthaftes Lektorat, warum werden solche Behauptungen nicht gestrichen? Bei der Behauptung der gesellschaftlichen Dynamik handelt es sich um einen Alltagsmythos, der unreflektiert auch in der Wissenschaft verwendet wird, weil er immer wieder Begründungen für die abenteuerlichsten Forschungsvorhaben liefert. Da alles immer schneller wird und alle zu erfoschenden Phänomene dementsprechend etwas neues an sich haben müssen, legitimiert dieser Mythos nahezu jede Fragestellung. Das führt dazu, dass Projekte immer wieder aufs Neue durchgeführt werden können, was unter forschungsökonomischen Gesichtspunkten natürlich eine großartige Chance ist. Das Resultat ist eine ahistorische Forschung, die ihre eigene Geschichte und Tradition negiert, ja vergessen und ignorieren muss. Der wissenschaftliche Wandel, der sich ja ebenso rasant entwickelt, bringt zwar in immer schnelleren Zyklen neue Begriffe, Theorien und Moden hervor. Aber die Veränderungen spielen sich dabei eben meist auf der semantischen Oberfläche ab und auf der inhaltichen Ebene wird das Rad für jede Publikation neu erfunden. Neues entsteht dabei selten und wenn, dann nur aus Zufall.</p>
<p><strong>Wissensgesellschaft?</strong><br />
Mal davon abgesehen, dass die Gesellschaft nicht aus Wissen, sondern durch Kommunikation besteht, bleibt doch die Frage, ob es tatsächlich immer &#8220;geistiger&#8221; zugeht. Zumindest was das Fernsehen angeht, kann man mit Reich Ranicki gegenteiliger Meinung sein.<br />
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Das Fernsehen mag ein singuläres Phänomen sein, dem ja schon seit seinem Bestehen &#8220;Verblödung&#8221; vorgeworfen wird. Aber auch andere Bereiche, insbesondere Schule, Universität und Ausbildung erleiden einen Wandel, der durch Bemühungen der Wissensgesellschaftsgläubigen gekennzeichnet ist. Hier trifft man auf das gleiche mythologische Phänomen, das ich oben schon beschrieben habe. Lehr- und Lernprozesse werden mit dem Verweis auf die zunehmende Bedeutung der Wissensgesellschaft ständig neu erfunden. Dabei wird die Wissensgesellschaft einfach behauptet und im wissenschaftlichen Kontext so gut wie nie belegt. Die Bildungsforschung im besonderen Fall wird dadurch besonders ahistorisch und semantisch marktschreierisch, weil sie gleich zwei gesellschaftlichen Mythen in einer obskuren, aber etablierten Verbindung aufsitzt. So kommt es dazu, dass immer neue Kompetenzen entdeckt, &#8220;gemessen&#8221; und gefordert werden und mittlerweile der Komplettmensch in Form von Humankapital in das Visier der Wertschöpfungsbemühungen geraten ist und sich die Bildungsambitionen nicht mehr nur auf die fachlichen Ressourcen beschränken. Selbstkompetenz, lebenslanges Lernen, lernende Organisationen, Qualitätssystem, Schlüsselqualifikationen und Gestaltungsphantasien sind das Resultat der letzten Jahrzehnte Bildungsforschung und -beratung. Die Kakophonie semantischer Feuerwerke erzeugt ein Gewitter greller Begriffe, die die Bildungsbeteiligten erfürchtig staunen und letztlich verblöden lässt. Denn vor allem die ahistorische, ehemals etablierte Erkenntnisse negierende Forschung und Beratung im Bildungsbereich führt zu einer Reformspirale, die Lernprozesse (egal auf welcher Ebene) in der Regel verhindert. Lernen des Lernens Willen. Pädagogische Bemühungen zum Selbstzweck. Soweit ist es mittlerweile vielerorts gekommen. Es ließen sich mannigfaltige Beispiel aus den verschiedensten Bereichen heranziehen. Letztlich sind sie offensichtlich, werden aber durch mythisch begründete Begriffserfindungen überdeckt. Und für das Bildungssystem und die daran interessierte Forschung ist das nur funktional: Es ermöglicht, immer weiter zu machen, da sie ihre eigenen Prämissen nicht benennt.<br />
Publikationen, die die Dynamik des gesellschaftlichen Wandels unbelegt behaupten oder propagieren, man lebe in einer Wissensgesellschaft, sollten mit Skepsis gelesen werden. Bücher, die beides in Verbindung behaupten, können eigentlich gleich wieder in das Regal gestellt werden.</p>
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