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	<title>Sozialtheoristen &#187; Wirtschaftskrise</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>Das Technologiedefizit des Wirtschaftssystems</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Oct 2008 13:21:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt keine Ursache für die aktuelle Finanzkrise. Es gibt auf jeden Fall eine Finanzkrise, die sich zur weltweiten Wirtschaftskrise ausdehnt und es gibt gut ebenso angebbare Gründe für das Zusammenbrechen des Finanzsystems, seien es unfassbar große Lügen oder unfassbar große Gier.  Aber es gibt keine Ursache für den Kollaps. Und damit gibt es auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt keine Ursache für die aktuelle Finanzkrise. Es gibt auf jeden Fall eine Finanzkrise, die sich zur weltweiten Wirtschaftskrise ausdehnt und es gibt gut ebenso angebbare Gründe für das Zusammenbrechen des Finanzsystems, seien es <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/vertrauenskrise-die-45-billionen-dollar-luge/">unfassbar große Lügen</a> oder <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/politische-gier/">unfassbar große Gier</a>.  Aber es gibt keine Ursache für den Kollaps. Und damit gibt es auch keine Lösung für das Problem. Begreiflich wird dieser Umstand erst, wenn man die aktuelle Finanzkrise vor dem Hintergrund des Technologiedefizits des Wirtschaftssystems betrachtet.</p>
<p>Der Begriff des Technologiedefizits wurde von Niklas Luhman und Karl E. Schorr entwickelt, um die Unmöglichkeit planbarer Einwirkung auf menschliche Entwicklungs- und Bildungsprozesse durch erzieherische Maßnahmen darzustellen. Der Begriff wird daher meist in der Pädagogik, bzw in der Analyse des Erziehungssystems verwendet, obwohl ihm ein &#8211; wie für die Systemtheorie typisch &#8211; allgemeiner Gedankengang vorausgeht, der alle sozialen Systeme betrifft und bestens auf den Zusammenbruch der Finanzmärkte angewendet werden kann.</p>
<p><span id="more-197"></span></p>
<p>Bezogen auf produzierende Organisation bedeutet Technologie, dass verschiedene Verfahren zusammenwirken, um Materialien mit definierbaren Fehlerquellen und vorhersagbaren Wirkungen von einem Zustand in einen anderen umzuformen. Die vorhandene Technologie bestimmt dann die Sicherheit, mit der gesagt werden kann, ob und unter welchen Bedingungen sich der Erfolg einstellt.</p>
<p>Money-processing-Organisations, die keine Produkte im materiellen Sinne, sondern <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/09/21/geld-ein-kommunikationsmedium-voller-tucke/">Geld,</a> also soziale Konstrukte verändern wollen, stehen vor dem Problem, dass die wesentlichen Komponenten, die für die Benennung einer Technologie nötig sind, nicht identifiziert werden können. Grund hierfür ist die massenhaft auftretende Selbstreferenz sozialer Systeme. Es ist weder für Beteiligte, noch für Außenstehende möglich, zu sagen, welche zeitlichen Eigenschaften das Geld als Kommunikationsmedium hat, welche Wirkungen welche Folgen haben, noch wie die am Prozess direkt und mittelbar Beteiligten Organisationen auf die Eigendynamik des Finanzmarkts reagieren. Dass man eine Blackbox nicht berechnen kann, ist zwar offensichtlich, aber nichtsdestotrotz wird sich der Mythos der Volkswirtschaftlehre weiter mit zweifelhaftem Ruhm bekleckern dürfen.</p>
<p>Das Problem des Technologiedefizits des Finanzsystems bezieht sich auf drei Ebenen:</p>
<ul>
<li>Zeitdimension (Kausalität, bzw. zeitlich-lineare, gesetzmäßige Ordnungsfähigkeit),</li>
<li>Sachdimension (Rationalität nach Maßgabe des Zweck-Mittel-Schemas) und</li>
<li>Sozialdimension (Sozialität, die Selbstrefrenz des Individuums einbeziehend).</li>
</ul>
<p>Nimmt man dies Konzept zur Grundlage der Analyse der aktuellen Finanzkrise, verändert sich die Perspektive grundlegend. So wird auf der Ebene der Sozialdimension nicht mehr von einer Bank-zu-Bank-Tranfer-Problematik ausgegangen, sondern von einer sozialstrukturellen Analyse der Komplexität von Finanztransaktionssytemen. Dabei kommen dann vor allem die Grenzen ihres Wahrnehmungs- und Handlungsvermögens in den Blickpunkt. So gesehen, wird die Finanzspekualtion auf Grund massenhaft auftretender Selbstreferenz unübersichtlich, zumal die Position des Bankers, dem in der Regel die Übersichtsfähigkeit zugerechnet wird, selbst im System involviert ist. Alle Finanzplanung und alle Plandurchführung stehen vor dem Problem multipler Selbstreferenz. Das den Erwartungen häufig widersprechende Auf und Ab der Börsen zeigt dies deutlich.</p>
<p>Ich möchte an dieser Stelle besonders die mit der Zeitdimension verbundene Kausalität hervorheben, weil in der aktuellen Debatte vor allem zeitliche Erwartungen und damit verbundene Maßnahmen und Forderungen im Vordergrund stehen. Es gibt jedoch keine objektiven Kausalgesetze sozialer Kommunikation. Demnach gibt es auch keine Ursachen für beobachtbare Wirkungen und vor allem gibt es keine objektiven Lösungen für die vorhandenen Probleme. Vielmehr muss danach gefragt werden, auf Grund welcher Vorstellungen von Kausalität die Aktuere des Finanzsystems und des Politiksystems handeln. Die tatsächliche Komplexität von kausalen Zusammenhängen ist nämlich immer so hoch, dass man sie nur in reduzierter Form erfassen und verarbeiten kann. Diese Simplifizierungen werden Kausalpläne genannt.</p>
<p>Allen Kausalplänen ist jedoch gemein, dass sie in dem Sinne <em>falsch </em>sind, dass sie nie die gesamte Komplexität abbilden. Da es für Sozialsysteme keine objektiven, bzw. natürlichen Kausalpläne gibt, ist es immer die (empirische) Frage, welche Kausalpläne in Gebrauch sind und welche Rechtfertigungszurechnungen dafür verwendet werden. Die Grundlage jeder Technologie besteht somit aus falschen Kausalplänen. Und geanu das ist der Grund, weshalb ich von einem Technologiedefizit des Wirtschaftsystems spreche. Ob es richtig ist, die Banken zu verstaatlichen? Ob die Gesetze des freien Markts die Wunden heilen mögen? Ob die Manager eine neue Ethik brauchen? Ob der Staat endlich wieder mit starker Hand über das Finanzsystem regieren sollte? Wer könnte es wissen? Selbst wenn es noch schlimmer wird oder es alles wieder nach eitel-Sonnenschein aussieht, wird niemand objektiv sagen können, woran es liegt (ebenso, aber abstrakter und allgemein, erklärt es <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/10/15/183/">Hendrik</a>). Ganze Disziplinen und Funktionssysteme werden sich zwar an dieser Frage abarbeiten (ich denke hier vor allem an die (Wirtschafts-)Wissenschaft, die Politik, die hier ein vortreffliches Wahlkampfthema findet, und die Massenmedien). Es wird vergeblich sein. Soziologisch interessant sind dann allerdings noch zwei Fragen:</p>
<ul>
<li>Wie kann eine wirtschaftliche Organisation handlungsfähig bleiben, ohne sich auf die Sicherheit einer Technologie verlassen zu können? Stefan gab hier schon einige <a href="http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/vertrauenskrise-die-45-billionen-dollar-luge/">Anregungen</a>.</li>
<li>Was lassen die (als dominant inszenierten) Kausalpläne zur &#8220;Rettung des Finansystems&#8221; für Schlüsse auf die Gesellschaft zu?</li>
</ul>
<p><strong>Literatur:</strong> Niklas Luhmann, Karl E. Schorr (1982): Das Technologiedefizit der Erziehung und die Pädagogik. In: ders.: Zwischen Technologie und Selbstferenz. Fragen an die Pädagogik. Frankfurt: Suhrkamp. S. 11-40.</p>
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		<title>Vertrauenskrise? Die 45-Billionen-Dollar-Lüge</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/10/10/vertrauenskrise-die-45-billionen-dollar-luge/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 Oct 2008 18:29:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den Medien ist aktuell überall die Rede davon, dass die Börsenlage einen ausgetrockneten Kreditmarkt zwischen den Banken geschuldet ist, dies wiederum sei auf einen Vertrauensverlust zurückzuführen. Hier mal die Wahrheit: Die Akteure der Finanzwirtschaft wissen gar nicht, was Vertrauen ist, da sie es bereits vor etwa einem Jahrzehnt abgeschafft haben. Vertrauen ist, ganz ursprünglich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den Medien ist aktuell überall die Rede davon, dass die Börsenlage einen ausgetrockneten Kreditmarkt zwischen den Banken geschuldet ist, dies wiederum sei auf einen Vertrauensverlust zurückzuführen.</p>
<p>Hier mal die Wahrheit: Die Akteure der Finanzwirtschaft wissen gar nicht, was Vertrauen ist, da sie es bereits vor etwa einem Jahrzehnt abgeschafft haben. Vertrauen ist, ganz ursprünglich gedacht, der grundlegende Mechanismus, der greift, wenn durch Kontinuität Vereinfachungen akzeptiert werden. Man erwartet, dass das zwanzigste Ereignis, wie die neunzehn vorherigen ablaufen. Man erwartet von seiner Familien Unterstützung, von Freunden Freude und von Gegnern Missbilligung. Vertrauen stützt Erwartungen, positive wie negative. Allerdings bleibt Vertrauen normalerweise immer unbestimmt und diffus, basiert auf Intuition und ist an Personen gebunden. Seit die Welt komplizierter wurde, spielte auch Systemvertrauen eine Rolle, aber grundsätzlich unterscheidet es sich vom beschriebenen Personenvertrauen nicht. Solange wir nicht erfolgreich in die Zukunft gucken können, brauchen wir Vertrauen.</p>
<p><span id="more-171"></span></p>
<p>Die Finanzjongleure der Börsen und Investmentabteilungen der Banken wollten das nicht länger akzeptieren. Vertrauen bedeutet Risiko und Risiko musste minimiert werden. Irgendwann kam man auf die Idee, die Risiken einfach abzuschaffen. Anstatt dem Vertragspartner zu vertrauen, dass geliehenes Geld termingerecht zurückfließt, hat man sich gegen den Ausfall des Rückflusses versichert. Die Kosten dieser Versicherungen drückten zwar etwas auf den Gewinn, jedoch wurde dafür das Risiko des Geschäftes ausgemerzt. Es bestand sogar die Möglichkeit, eine viel höhere Summe als die des zu versichernden Kreditvolumens zu versichern. Ein Ausfall des Kredits hätte also viel höhere Gewinne gebracht als das ordentliche Geschäft.</p>
<p>Besonders witzig war der Moment, in dem man begann, sich gegen den Ausfall von Staatsanleihen zu versichern. Wenn man eine Staatsanleihe der USA, sagen wir für 1000 Euro, erwirbt, kann man sich für weitere <a href="http://egghat.blogspot.com/2008/09/usaa.html">2.60 Euro pro Jahr</a> dagegen versichern, im Falle eines Bankrotts der USA leer auszugehen.</p>
<p>Kleiner Exkurs: Bankrott der USA bedeutet ungefähr, dass 10 Billionen Dollar von heute auf Morgen nichts mehr bedeuten und das die Soldaten der weitesten verbreiteten und bestausgerüsteten Armee der Welt mit ihren Atombomben und Panzern um ihr unmittelbares Überleben kämpfen müssen, da sie nicht mehr finanziert werden. Bzw. keiner weiß, was es bedeutet.</p>
<p>Wie kann man behaupten, dass bis letztes Jahr „Vertrauen&#8221; darin bestand, dass diese Versicherungen was bringen??? Es ist undurchdachtes Geschwätz.</p>
<p>Seit 10 Jahren hat man sich gegen jeden und alles versichert. Bereits im Januar diesen Jahres gab es in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~E4CF2686B4D2540C3BFD3B8D00CD9BEC0~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ einen Text</a>, der beschrieb, wie sich das Geschäft der Kreditversicherungen entwickelte. Wenn der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Credit_Default_Swap">CDS-Markt</a> das Bruttoweltprodukt übersteigt, wer wundert sich denn da, dass da irgendwann eine Grenze erreicht ist?</p>
<p>„Vertrauenskrise&#8221; ist als Semantik entweder gelogen oder beruht auf Unwissenheit. <a href="http://www.ftd.de/boersen_maerkte/:Appell-des-Notenbankchefs-Trichet-ruft-Finanzakteure-zur-Vernunft/423888.html">JC Trichet forderte gestern Optimismus und Vertrauen</a>, dabei sollte er als oberster Banker wissen, dass Vertrauen kein Dinge für Banker ist. Banker brauchen Zahlen, und die bekommen sie nur durch Versicherungsgeschäfte und nicht durch Vertrauen. Allerdings ist der 45 Billionen Versicherungsmarkt nichts mehr wert. Seit den Pleiten von AIG und Lehman Brothers wissen die Akteure, dass Kreditversicherungen gar nichts Absichern und die Banken keine materiellen Sicherheiten haben. Von Lehman Brothers ist letztlich nur noch der 1.7-Mrd.-Dollar-Wert des Gebäudes übrig geblieben, alles andere war heiße Luft.</p>
<p>Die Finanzmarktkrise wird so lange dauern, bis die 45 Billionen substanzlose Dollar abgetragen sind. Wenn die Welt bereit ist, 10% ihrer Wertschöpfung dafür zu investieren und nicht auf Pump zu leben, dann dauert es 10 Jahre. Diese Rechnung ist grob über den Daumen gepeilt und genauso im Nebel erstochert wie alle anderen Berichte heute auch, Gegenargumente fallen mir jedoch nicht ein.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Geld, ein Kommunikationsmedium voller Tücke</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Sep 2008 12:24:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn Soziologen von „Medium und Form&#8221; reden, benutzen sie zur Anschauung oft die Sprache. Als Medium der Sprache gelten die nackten 26 Buchstaben unseres Alphabets, aus denen sich unendlich viele Formen (Wörter) schöpfen lassen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass sich ein Medium durch Benutzung weder abnutzt, noch verbraucht. Das Medium verweist auf Möglichkeiten, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Soziologen von „Medium und Form&#8221; reden, benutzen sie zur Anschauung oft die Sprache. Als Medium der Sprache gelten die nackten 26 Buchstaben unseres Alphabets, aus denen sich unendlich viele Formen (Wörter) schöpfen lassen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass sich ein Medium durch Benutzung weder abnutzt, noch verbraucht. Das Medium verweist auf Möglichkeiten, die sich in Formen manifestieren. Formen wiederum stellen immer einen Bezug zum zu Grunde liegenden Medium dar und verweise so auf andere, nur potenzielle, gegenwärtig nicht manifestierte, Formen.</p>
<p>Geld wird von eingefleischten Kennern als ein ebensolches Medium dargestellt. Eventuell muss man jedoch einige Abstriche machen &#8211; die Finanzkrise entblößt das Geldmedium gerade in entscheidenden Punkten.</p>
<p>1971 wurde unter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Nixon#Pr.C3.A4sidentschaft_.281969.E2.80.931974.29">Präsident Nixon</a> die Kopplung von Dollar und Gold aufgehoben. Bis dahin, so stand es auf allen Dollarscheinen, war ein Dollar einen bestimmten Silber- oder Goldbetrag wert. Geld repräsentierte also einen substanziellen Wert. Wer mehr Geld wollte, musste in kalifornischen Bergbächen Gold finden und es dem Zahlungsverkehr zuführen. Diese Möglichkeit der Geldschöpfung ist natürlich auch heute noch möglich, da Gold 1971 nicht entwertet wurde, sondern nur seine Funktion als Wirtschaftsbasis verlor.</p>
<p><span id="more-150"></span>Die moderne Geldschöpfung erfolgt nun viel einfacher. Geld wird immer dann erzeugt, wenn man sich in Banken einen Kredit holt. Dieses Geld, das durch Kreditgewährung ausgezahlt wird, gab es vor der Kreditbewilligung schlicht nicht. Europäische Geschäftsbanken dürfen auf diese Weise das 50-fache ihrer tatsächlichen Bestände als Kredite vergeben, dies nennt sich passend <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geldsch%C3%B6pfung#Krediterteilung">multiple Geldschöpfung</a>. Geld wird so tatsächlich, wie Sprache, aus dem Nichts erzeugt. „Out of thin air&#8221;, wie man so schön und passend sagt. Durch Benutzung wird kein „wahrer Bestand&#8221; des Mediums im Hintergrund geschmälert oder verbraucht. Falls Geschäftsbanken, und nicht überall gilt die 2%-Reserveregel, Geld benötigen, stehen ihnen die Zentralbanken zur Verfügung, die letztlich beinah direkten Zugang zu den staatlichen Geldpressen haben. Geld ist also tatsächlich ein Medium im systemtheoretischen Sinne.</p>
<p>Allerdings führt diese Konstruktion zu handfesten Problemen. Wenn die Geldmenge nicht auf Substanz zurückzuführen ist, wie etwa auf Gold (Amerika besitzt zurzeit runde 8000 Tonnen Gold, mit einem gegenwärtigen Wert von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Goldreserve">151 Mrd. Dollar</a>), fragt man sich, wie überhaupt Vertrauen im System aufgebaut werden kann (werden konnte). Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge">Geldmenge</a> ergibt sich heute als Summe aller laufenden Kredite (und übersteigt die Goldbestände um eine Fantastilliarde). Aber Kredite sind nichts als der Glaube, dass man verliehene Werte auf Sicht zurückbekommt. Wenn man in diesem System nicht sozialisiert worden wäre, man könnte es nicht glauben.</p>
<p>Hinzu kommt, das diese Motivation, Geld zu verleihen dadurch unterstützt wird, dass man mittels Zins mehr Geld zurückbekommt. Das macht das Kreditwesen so attraktiv. Geld, das jetzt verliehen wird, kommt zurück und ist dann mehr Geld. Nur steckt hinter dem „mehr&#8221; keine echte Wertschöpfung, sondern absolut substanzfreie Geldschöpfung. Das ganze Kreditwesen, und damit das ganze Wirtschaftswesen und damit schlicht alles, ist ein reines Schneeballsystem, das nur durch stetiges Wachstum am Leben erhalten werden kann.</p>
<p>Zurzeit stellt die Welt fest, dass die Wirtschaft und damit das gesellschaftliche Leben, nicht durch Verschuldung ohne Rückhalt alleine weiterexistieren kann und verschuldet sich, um allein beim US-Staat zu bleiben, um weitere 700 Mrd. Dollar. Dadurch sollen zumindest die Bereiche der Wirtschaft gestützt werden, in denen in den letzten Jahren nicht völlig in Luftleeren raum geschossen wurde. Dabei stellt sich nur noch eine Frage, <a href="http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1222717/">warum sollten wir noch vertrauen</a>?</p>
<p>Aktuell steht der amerikanischen Goldreserve von 151 Mrd. Dollar eine staatliche <a href="http://de.reuters.com/article/topNews/idDEHUM13256520080921">Verschuldungsgrenze</a> von 11.315 Mrd. Dollar gegenüber. Dem Kreditmarkt, der insgesamt, börslich und außerbörslich geschätzte <a href="http://egghat.blogspot.com/2008/09/der-bab-bailout-aller-bailouts-ist-700.html">600 Billionen Dollar</a> beträgt, stehen 50 Mrd. Einlagensicherung gegenüber. (Wer hier Angst bekommt, möge bitte auf eigene Faust recherchieren. Man findet nicht viel Handfestes außer einem Zitat von Waren Buffett, er sagt dazu: „<a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/business/2817995.stm">Derivatives are financial weapons of mass destruction</a>&#8220;.Stichwort: OTC-Derivate)</p>
<p>Geld ist als reines Kommunikationsmedium gescheitert. Die Gesellschaft hat sich beim Geld zu sehr auf ihre Kommunikation verlassen und anstatt auf Substanz auf dumme Zahlungswilligkeit gesetzt, die man immer schwieriger findet. Es ist sehr treffend, wenn man in den Medien beim Thema Derivate von „Aufschwatzen&#8221; spricht. Diese Form des Kapitalismus ist nun 37 Jahre alt und hält bereits 10 Jahre länger durch als der Ostblock nach seiner radikalen Abschottung 1961. Allerdings hatte der Westen eben dieses „Glück&#8221;, eine halbe Welt assimilieren zu können. Diesesmal steht jedoch keine weitere Weltregion zur Verfügung, die sich schröpfen lässt. Asien schröpft sich selber und in Afrika gibt es nichts zu holen.</p>
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