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	<title>Sozialtheoristen &#187; Wissenschaft</title>
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	<description>Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung</description>
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		<title>Wissenschaft 2.0</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Jan 2011 16:04:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angesichts der Entwicklungen neuer Kommunikationstechniken rund um das Internet sehen sich die Produktionspraktiken einiger Funktionssysteme vor große Herausforderungen gestellt. Die &#8220;Holzmedien&#8221; wissen nicht, wie sie mit den werbefinanzierten Angeboten im Internet umgehen sollen und die Akteure des Gesundheitssystems haben einen virtuellen Horror vor öffentlich einsehbaren Rankings ihrer Dienstleistungen. Auch das Publizieren wissenschaftlicher Forschungsergebnisse verändert sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" src="http://farm1.static.flickr.com/9/13553883_1f97989a2d.jpg" alt="" width="500" height="375" /></p>
<p>Angesichts der Entwicklungen neuer Kommunikationstechniken rund um das Internet sehen sich die Produktionspraktiken einiger Funktionssysteme vor große Herausforderungen gestellt. Die &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Holzmedien">Holzmedien</a>&#8221; wissen nicht, wie sie mit den werbefinanzierten Angeboten im Internet umgehen sollen und die Akteure des Gesundheitssystems haben einen virtuellen Horror vor öffentlich einsehbaren Rankings ihrer Dienstleistungen. Auch das Publizieren wissenschaftlicher Forschungsergebnisse verändert sich durch das technisch Machbare. Ein paar Gedanken zum Thema &#8220;Wissenschaft 2.0&#8243;.<span id="more-1160"></span></p>
<p><a href="http://arxiv.org/">Preprints</a> werden mittlerweile auch bei kleineren Verlagen und außerhalb der Naturwissenschaften angeboten. Wer Erkenntnisse schneller veröffentlichen möchte als es die traditionellen Produktionszyklen von Zeitschriftenausgaben zulassen, kann seine Schnellschüsse direkt auf den Verlagsseiten veröffentlichen, bevor die Erkenntnisse auf dem üblichen Wege ihre papierene Form finden. Die Qualitätssicherung des Peer-Reviews bleibt allerdings erhalten. Nur wird auch das Review-Verfahren dem Druck ausgesetzt, möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen. Gerade in der Naturwissenschaft sind die Zyklen enorm kurz geworden, in denen überhaupt noch etwas Neues publiziert werden kann. Daher müssen Verleger und Zeitschriften mit einer schnellen Begutachtung reagieren. Sonst veröffentlicht der Wissenschaftler halt woanders. Impact-Faktoren einer Zeitschrift &#8211; also letztlich die Frage, wie sehr eine Zeitschrift etabliert ist &#8211; hängen auch von ihrer technischen Realisierung ab. Ein wissenschaftlich fragwürdiges Qualitätskriterium.</p>
<p>Die Digitalisierung der wissenschaftlichen Zeitschriftenlandschaft bringt nicht nur die zwangsläufige Flut an &#8220;Apps&#8221; mit sich. Auch die Diskussionskultur kann sich verändern. Zwar verbirgt nature.com ihre Inhalte weitestgehend hinter den Wänden einer Bezahlstruktur, wodurch wohl weitestgehend verhindert wird, dass nicht-wissenschaftliches Publikum Zutritt erhält. Aber ist man einmal drin, kann man zu Artikeln oder Letters gleich einen Kommentar schreiben. Zwar noch selten, aber wohl zunehmend antworten die Autoren des Artikels direkt auf die Kommentare. So werden Versuchsaufbauten erläutert, weitere Forschungsmöglichkeiten diskutiert und kritische Punkte ausgeleuchtet. Und zwar auf direktem Wege. Man muss nicht warten, bis man den Autor auf einer Konferenz trifft, man muss keinen Grund finden, einen eigenen Artikel zu schreiben (der ja immerhin so gut sein muss, dass er das Begutachtungsverfahren durchläuft). Enthusiasten könnten hier von einer Demokratisierung der Forschungspublikation sprechen. Wer in der Sache eine Anmerkung zu machen hat, kann es tun. Egal, ob Student oder Professor. Hier hat die Bezahlstruktur einen positiven Effekt: Die fachlich Informierten können unter sich bleiben und mehr oder weniger ungestört diskutieren.</p>
<p>Die Sichtbarkeit der Forschungsaktivitäten ist für Universitäten ein zunehmend wichtiger Aspekt ihrer eigenen Vermarktungsstrategie. Daher wundert es nicht, wenn im Kontext des Erscheinens wissenschaftlicher Fachartikel in der Regel sofort (teils) medienwirksame Pressemitteilungen von den Universitäten veröffentlicht werden. Aber auch einige Wissenschaftler bedienen die medienwirksame Platzierung ihrer Forschungsergebnisse. Auch wenn man annehmen muss, dass es sich dabei wohl in erster Linie um stark anwendungsbezogene oder sogar kommerzielle Forschungsprojekte handeln wird, kann man fragen, ob es einen zunehmenden <a href="http://richarddawkins.net/articles/582774-peer-review-trial-by-twitter">trial by twitter</a> der Wissenschaft geben wird und damit eine ganz neue Form des Peer-Review entsteht. Gerade in den USA ist zu beobachten, dass Wissenschaftler Blogs und/oder Twitter nutzen, um ihre Forschung öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Teils mag daraus sogar ein wissenschaftlich anspruchsvoller Dialog entstehen. Ein neues Peer-Review-Verfahren wird sich aber nicht dadurch ergeben, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse in Zukunft vor der Masse des Laienpublikums und der öffentlichen Meinung wird beweisen müssen. Die Anforderungen an öffentlichkeitswirksamer Darstellung der Forschungsergebnisse wird zukünftig sicherlich steigen (wenngleich das sehr stark auf die konkreten Disziplinen ankommt), weil die Finanzierung der Forschung mitunter auch von ihrer (potentiellen) Sichtbarkeit abhängt. Aber die fachliche Begutachtung der Forschungsergebnisse kann funktional nicht durch eine plebiszitäre Abstimmung ersetzt werden. Die Fiktion von Demokratie, die im &#8220;Mitmachweb&#8221; immer wieder propagiert wird, scheiterte schon an viel leichteren Übungen. Häufig verstand nicht einmal die Scientific Community ein neues Forschungsvorhaben, das sich im Verlauf der Zeit allerdings als bahnbrechend herausstellt. Wie sollte dann die öffentliche Meinung darüber entscheiden können?</p>
<p>Mir scheint, dass die Wissenschaft zwar lernen muss &#8220;auf der Klaviatur der öffentlichen Meinung zu spielen&#8221; und für ihre Diskussionen auch neue Technologien heranziehen kann. Aber eine Öffnung im Sinne des freien Zugangs zu Inhalten scheint im Falle der Wissenschaft nicht sinnvoll zu sein. Ganz zu schweigen von einer breiten Beteiligung der Öffentlichkeit an einer inhaltlichen Diskussion über Wahrheit.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/estherase/">estherase</a></p>
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		<title>Differenzen der Hochschulen</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Nov 2010 10:36:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Hoebel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In seiner Abschiedsrede als Präsident der Humboldt Universität zu Berlin überrascht Christoph Markschies mit der Überlegung, dass in Deutschland trotz Abschwächung ideologischer Borniertheiten immer noch keine wirkliche Differenzierung von Hochschultypen möglich sei („Universitäten können nicht allen alles bieten“, FAZ vom 28.10.2010). Überraschend ist ebenfalls seine Schlussfolgerung. Die deutsche Hochschullandschaft sei „also“ nicht konkurrenzfähig, weder im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seiner Abschiedsrede als Präsident der Humboldt Universität zu Berlin überrascht Christoph Markschies mit der Überlegung, dass in Deutschland trotz Abschwächung ideologischer Borniertheiten immer noch keine wirkliche Differenzierung von Hochschultypen möglich sei („Universitäten können nicht allen alles bieten“, FAZ vom 28.10.2010). Überraschend ist ebenfalls seine Schlussfolgerung. Die deutsche Hochschullandschaft sei „also“ nicht konkurrenzfähig, weder im Verhältnis mit angloamerikanischen Spitzenuniversitäten („entschlossene Elitenförderung“) noch in Bezug auf das Ziel, „die breite Masse“ adäquat auszubilden.</p>
<p><span id="more-1104"></span>Diese Verknüpfung von Ursache und Wirkung ist bemerkenswert, steht und fällt das Argument doch mit der Frage nach der faktischen Differenzierung in und zwischen den Hochschulen. Mein Eindruck ist, dass Markschies sich womöglich eine andere Ursache suchen muss, um seine These mangelnder Konkurrenzfähigkeit zu behaupten. Denn eine solche Binnen- und Typendifferenzierung mag vielleicht nicht möglich sein. Existent ist sie schon. Man muss sich dafür nur vor Augen führen, welche faktischen Differenzen den verschiedenen Mitgliedern von deutschen Hochschulen in ihrer täglichen Auseinandersetzung mit diesen eigentümlichen Organisationen begegnen. (Früher hätte man statt „verschiedene Mitglieder“ wahrscheinlich Statusgruppen gesagt. Das ist insofern obsolet, weil sich herausgestellt hat, dass diese gar keine einigermaßen geschlossenen Gruppen bilden.)</p>
<p>Wohlgemerkt, es geht um faktische, nicht um ideelle Differenzen! Ideell sind ja vor allem solche Unterschiede, deren Geist zwar immer wieder beschworen wird, die aber auf das Verhalten in der Organisation kaum bis gar keinen Einfluss haben. Die Differenz von Forschung und Lehre ist da sicherlich die prominenteste. Ihre Einheit gilt es, so zumindest die Idee, fortlaufend zu erreichen. Aber nahezu keiner orientiert sich daran.</p>
<p>Faktische Differenzen sind demgegenüber diejenigen von Universitäten und (Fach-)Hochschulen entlang der Frage des Promotionsrechts; von Volluniversitäten und ihren spezialisierten technischen, medizinischen oder künstlerischen Pendants; von Natur- und Geisteswissenschaften und den dazwischen oszillierenden Sozialwissenschaften; von öffentlich und privat finanzierten Einrichtungen; von reiner Wissenschaft und instrumenteller Anwendungsorientierung; von traditioneller Alma mater und Reformuniversität; von Großstadtflair und Provinzmief; von Leuchttürmen und Massenuniversitäten; von exzellenten und unauffälligen Hochschulen mit „Nischencharakter“; von unterfinanzierten Fakultäten und Organisationseinheiten mit ausreichendem Mittelzufluss; von akkreditierten „Systemen“ oder Studiengängen und solchen, die darauf (noch oder mal wieder) warten – um nur einige zu nennen.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-1105" href="http://sozialtheoristen.de/2010/11/19/differenzen-der-hochschulen/3903807295_174196b2ea_z/"><img class="size-medium wp-image-1105 alignnone" src="http://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2010/11/3903807295_174196b2ea_z-550x412.jpg" alt="The Meeting House, University of Sussex" width="550" height="412" /></a></p>
<p>Der Chicagoer Soziologie <a title="Drei Formen der Ignoranz" href="http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E274496C7F4254A67A3519782422DDEDC~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Andrew Abbott</a> verfolgt in Bezug auf eine oftmals undurchsichtige Gemengelage von Differenzen einen Gedanken, der auch für die Betrachtung der deutschen Hochschullandschaft und einer von Markschies angemahnten Typendifferenzierung interessant ist. Soziale Einheiten wie zum Beispiel wissenschaftliche Disziplinen oder Professionen entstehen dadurch, dass in mehr oder weniger übersichtlichen Konstellationen interessierter Personen Differenzen miteinander verknüpft und geordnet werden – und zwar über Jahrzehnte. Die Differenzen bestehen bereits vorab, nicht aber die sozialen Einheiten, denen ihr Zusammenspiel schließlich Gestalt (und in der Regel einen Eigennamen) verleiht. <a title="Things of Boundaries" href="http://findarticles.com/p/articles/mi_m2267/is_n4_v62/ai_18229216/" target="_blank">„Boundaries come first, then entities.”</a></p>
<p>Die zentrale Überlegung dabei ist, dass sich letztlich beständige Gruppen konstituieren, indem sie nach und nach jeweils eine Seite einer Vielzahl von Differenzen besetzen. Durch die damit verbundene Erzeugung zahlreicher Grenzen gegen Dritte gewinnen sie Stabilität und ein besonderes „Image“. Abbott spielt einen solchen historischen Prozess am Beispiel der Sozialen Arbeit („gegen“ die Psychatrie und die Medizin) in den USA durch. Anfang des 20. Jahrhunderts koppeln sich hier aus seiner Sicht die drei Seiten Weiblichkeit, Betreuung nur bestimmter und vor allem staatlich gekennzeichneter Klienten und Arbeitsplätze außerhalb kirchlicher Zusammenhänge.</p>
<p>Organisieren sich die deutschen Hochschulen als soziale Einheiten in ähnlicher Weise? Sicherlich in Ansätzen, könnte die Antwort lauten, wenn man sich dafür interessiert, welche Präferenzen sich je nach Situation und Kontext für jeweils eine Seite der zahlreichen genannten Differenzen finden lassen. In vielen Fachhochschulen verbinden sich Anwendungsorientierung, Reformorientierung und Nischendasein. Einrichtungen, die mittlerweile den Zusatz „Fach“ streichen, machen sich dagegen auf, anwendungsorientierte und massentaugliche Universität zu werden – als ein Realexperiment mit ungewissem Ausgang. Beide setzen sich darüber gegen andere Hochschulen ab, gewinnen folglich ihr Profil, weil es auch andere Typen gibt. Markschies‘ These mangelnder Typendifferenzierung in der aktuellen Hochschullandschaft ist somit mindestens überdenkenswert.</p>
<p>Fragt man jedoch danach, in welchen Konstellationen interessierter Stellen die Differenzen neu bzw. anders geordnet oder ohne viel Bewegung befestigt werden, liegt der springende Punkt der Abschiedsrede jenseits einer fragwürdigen Kausalitätsvorstellung von verursachender Differenzierung und erwirkter Konkurrenzfähigkeit. Kritisch erscheint vielmehr, ob die Hochschulen selbst in der organisatorischen Lage sind, Differenzen zu erkennen, Präferenzen zu entwickeln und sie für sich in Differenz zu anderen Einrichtungen zu ordnen – und dabei auch Gegensätze wie die Förderung vermeintlicher Eliten und fundierter Ausbildung aufzulösen. (Denn ob die Idee, sich als Elitehochschule zu positionieren, als organisatorische Ordnungsvorstellung mit Attraktionspotential für eine nennenswerte Anzahl von Studierenden sowie für unterstützende Dritte taugt, kann als offene Frage gelten.)</p>
<p>Es wird häufig auf politisch-rechtliche Autonomiebeschränkungen verwiesen, welche die organisatorischen Freiheitsgrade der Hochschulen verringern. Das ist sicherlich richtig. Über viele Differenzen können die Hochschulen kaum selbst befinden. Man denke an die Akkreditierungsanforderungen. Stellen wir uns aber vor, dass diese Beschränkungen von heute auf morgen wegfallen würden. Welche nennenswerten <a title="Organisation and Legitimation. Die Selbssteuerungsimperative der Organisation und das Problem der Legitimation" href="http://www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/view/2247" target="_blank">„Selbststeuerungskapazitäten“ (Karl Gabriel)</a> gibt es in der deutschen Hochschullandschaft? Diese Frage sollte nicht nur Soziologen beschäftigen.</p>
<p>Foto: <a title="mira66" href="http://www.flickr.com/photos/21804434@N02/">mira66</a></p>
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		<title>Zum Umbau des Systems der Massenmedien</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2009/10/23/zum-umbau-des-systems-der-massenmedien/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 09:53:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung von Theorie und Gesellschaft ein vergleichendes Beobachten unmöglich macht. Ich plädiere daher für eine konservative [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Einführung und Etablierung neuer Verbreitungstechnologien bringt massive gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Und die Theorie der Gesellschaft steht in der Folge vor dem Problem, den Veränderungen mit neuen oder modifizierten Begrifflichkeiten Rechnung zu tragen. Problematisch deshalb, weil eine gleichzeitige Veränderung von Theorie und Gesellschaft ein vergleichendes Beobachten unmöglich macht. Ich plädiere daher für eine konservative Anwendung systemtheoretischer Überlegungen zum Funktionssystem der Massenmedien, weil es mir nicht zwingend notwendig erscheint, mit einem massiven Eingriff in theoretische Grundannahmen zu reagieren, um neue Phänomene zu beschreiben.<br />
<span id="more-584"></span></p>
<p>Ganz konkret möchte ich auf <a href="http://sozialtheoristen.de/2009/10/22/relevanz-als-symbolisch-generalisiertes-kommunikationsmedium/">Stefans interessante Ausführungen</a> eingehen. Er schreibt:</p>
<blockquote><p>Die Einführung des Internets ist ein verheerender Entwicklungssprung. Denn bisher galt: “Die Abnehmer machen sich allenfalls quantitativ bemerkbar: durch Absatzzahlen, durch Einschaltquoten”. (Luhmann, RdM: 34) Dies ist nun anders. Galten bisher qualitative Maßstäbe in den Redaktionen und quantitative Maßstäbe im Absatzmarkt – gelten nun auch in den Absatzmärkten qualitative Maßstäbe, da das Internet einen Rückkanal bereithält, über den dies geleistet werden kann.</p>
<p>Die Folge der Rückkopplung führt zu dem Phänomen, dass plötzlich alle <a href="http://seedmagazine.com/content/article/a_writing_revolution/">Autoren</a> sind. Das System der Massenmedien kann nicht mehr oder nur noch schwerlich zwischen Leistungs- und Publikumsrollen und Zentrum und Peripherie unterscheiden. Und wenn alle/viele durch Rezeption auch produzieren – nimmt der Umfang an kommunizierter Information zwangsläufig zu.</p></blockquote>
<p>Geht man weiterhin davon aus, dass die Massenmedien nach wie vor am zentralen Code Information/Nicht-Information festhalten, so ist als erstes festzuhalten, dass zwar jeder potentiell zum Autor werden kann. Aber das bedeutet nicht, dass eine Rückkopplung in dem Sinne gelingt, dass Publikums- und Leistungsrollen verschwimmen und jeder nun potentiell zum dauerhaften und konstanten Massenkommunikator werden könnte. Kein Blogger könnte die Autorität von SPIEGELonline oder der Tagesschau ersetzen, weil die gesellschaftlichen Zuschreibungen auf eben jene Institutionen nicht so fluide sind, wie es in den Großmachtphantasien einiger Blogger ausgemalt wird. Ein qualitativer Ersatz ist nicht in Sicht.</p>
<p>Auch eine quantitative Aggregation eines &#8220;Feedback-Channels&#8221; dürfte kaum funktionieren, weil eine massenhafte Kommunikation einzelner Blogger nicht in der Lage sein wird, die Komplexität der mitgeteilten Informationen soweit zu reduzieren, wie es die klassischen massenmedialen Kommunikationen nach wie vor leisten. Wenn einmal eine Welle der Empörung in den Blogs ihren Ursprung hat, ist sie gesellschaftlich übergreifend erst dann relevant, wenn sie in den traditionellen Medien Anschluss gefunden hat. Nur weil 15% der Blogger über ein Thema schreiben, ist es noch lange nicht wichtig.</p>
<p>Dennoch kann man nicht abstreiten, dass sich das System der Massenmedien massiv verändert und auf technische Neuerungen und ihre Implementation in den Alltag reagieren muss. Ich würde hier eher vermuten, dass der zentrale Code nach wie vor stabil funktioniert, aber die Produktionsmöglichkeiten massenmedialer Kommunikation dahingend in eine zunehmend auseinander klaffende Schere geraten, dass auf der einen Seite ein zunehmend großer Teil der Informationen standadisiert reproduziert werden und ein immer geringer Anteil an qualitativ hochwertigen Informationen verbreitet werden, die die Welt, wie wir sie kennen, in einem neuen Licht erscheinen lässt. Dazu zwei Überlegungen:</p>
<p>Vor allem durch die Art der wiedergekäuten und aufbereiteten Informationen des Immergleichen werden zwar an Hand der Nachrichtenwerte konstant Neuigkeiten hervorgebracht, aber die Welt im Prinzip in den immer gleichen Formeln beschrieben. Man kennt das aus der Unterhaltungsindustrie, den nahezu identischen TV-Formaten quer durch alle Kanäle, die floskelhafte Berichterstattung über die Politik und vor allem im Sport, der sich in erster Linie durch quantifizierbare Vergleiche beschreiben lässt. Und da ist es nur konsequent, einen <a href="http://carta.info/16739/stat-monkey-journalismus-computer-automatisierung/">Statistik-Roboter zu programmieren</a>, der es ohne weitere menschliche Hilfe fertig bringt, <a href="http://mediadecoder.blogs.nytimes.com/2009/10/19/the-robots-are-coming-oh-theyre-here/">akzeptable Spielberichte zu produzieren</a>. Das Prinzip der schablonierten Berichterstattung ist auch auf andere Bereiche übertragbar, sobald es gelänge die Selektionsmechanismen einerseits zu standardisieren und auch zu etablieren, sodass sie zuverlässig reproduzierbar werden. Die allgemeine Zunahme an Kommunikationsmüll, der massenmedial produziert wird, schafft dafür die besten Voraussetzungen. Es geht also nicht um Relevanz, sondern um quanititative Entwertung von qualitativer Kommunikation.</p>
<p>Die zweite Überlegung wendet sich nun der anderen Seite zu: Wenn der Absatzmarkt tatsächlich zunehmend zersplittert und der Großteil mit redundanten Quasi-Neuigkeiten versorgt werden kann, wird es für den qualitativ-anspruchsvollen Journalismus schwierig, rentable Absatzmärkte zu finden. Insofern sind die Überlegungen amerikanischer und auch deutscher Medienkonzerne nur die logische Konsequenz: Wer sich exklusive Meinungen und Berichte abseits des Informationsmülls leisten möchte, <a href="http://blogbar.de/archiv/2009/08/13/bezahlinhalte-schon-wieder/">wird kräftig dafür bezahlen müssen</a>.</p>
<p>Sollte die Schere weiter auseinanderdriften, so muss die soziologische Theorie die Frage beantworten, ob das System der Massenmedien nach wie vor dafür sorgen kann, für ein potentiell unterstellbares, gemeinsam geteiltes Bild von der Welt zu sorgen. Und falls ja, wie und falls nein, warum nicht (mehr)? Für einen Umbau des Codes spricht in meinen Augen jedenfalls wenig.</p>
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		<title>Religiöser und anderer Glaube</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Feb 2009 16:50:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Religion, Gott und Glaube, das sind die Schlagworte der Texte, die mich die Woche am meisten interessiert haben. Irgendwie ist Richard Dawkins „Gotteswahn&#8221;, ein Buch, das ich aus Prinzip nicht lesen würde, hochgekocht und wurde, wie es das Thema hergibt, kontrovers und teilweise leicht emotional besprochen. Ergebnisse sind: Religion ist Bullshit, Gott ist keine so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Religion, Gott und Glaube, das sind die Schlagworte der Texte, die mich die Woche am meisten interessiert haben. Irgendwie ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Dawkins">Richard Dawkins</a> „Gotteswahn&#8221;, ein Buch, das ich aus Prinzip nicht lesen würde, hochgekocht und wurde, wie es das Thema hergibt, kontrovers und teilweise leicht emotional besprochen. Ergebnisse sind: <a href="http://www.nerdcore.de/wp/2009/02/10/richard-dawkins-meets-ted-haggard/">Religion ist Bullshit</a>, <a href="http://www.spreeblick.com/2009/02/11/richard-dawkins-der-gotteswahn/">Gott ist keine so einfach zu umreißendes Phänomen</a> und: <a href="http://mspro.blogspot.com/2009/02/bekenntnis.html">es ist ein interessantes Thema</a>, aber eben nur, solange es Thema bleibt.</p>
<p>Das Problem der Religion ist, das die Gesellschaft nicht ohne sie auskommt und nie ohne sie auskam. Religion ist der, wenn alle anderen Stricke des Weltbildes (Familienzusammenhalt, Karriereplanung, Fitnessplanung, &#8230;) reißen, letztlich übrig bleibende, ununterschiedene, absolut gesetzte Rückhalt, den man als Individuum, mit anderen Individuen, findet. Besonders wenn man sich einer unzähmbaren, unsicheren, unstabilen und inkonsistenten gesellschaftlichen Realität gegenüber ausgeliefert sieht.</p>
<p><span id="more-404"></span>Das Argument, die Gesellschaft braucht keine Religion mehr, weil es jetzt Wissenschaft gäbe, ist dabei der am häufigsten auftretende Schluss. Dawkins Buch scheint dieses Argument wohl zentral zu stellen. Dabei scheint die gegensätzliche Argumentation viel plausibler. Könne nicht die Wissenschaft gerade als Motor der Religionen verstanden werden? Das, was in der Welt passiert, ist sowieso kaum verständlich. Früher waren es Blitz und Donner, die aus dem Nichts herbeikamen und als Zeichen gedeutet wurden. Heute ist es die Finanzkrise, die Polkappenschmelze und Aids. Es scheint ziemlich offensichtlich, dass es nicht der Mensch ist, der das Ruder in der Hand hat (obwohl er soviel Ursachen beisteuert, hat er letztlich nur wenige der Folgen und Wirkungen im Griff). Es ist irgendeine dunkle Macht, unsichtbare Hand oder sonst was, die uns steuert, muss es ja sein. Niemand kann bestreiten, dass wir den Vorgängen der Welt relativ hilflos ausgeliefert sind. Und obwohl wir wissen, dass die Natur, die Gesellschaft und der Kosmos, tut, was eben ansteht, ohne Plan, Verstand und Vernunft begeben wir uns, die wir mit einem Gedächtnis und Intelligenz ausgestattet sind, auf die Suche nach Bedeutung und Kausalität. Da fängt meiner Meinung nach Religion bereits an. Schon das Aufstellen einer wissenschaftlichen Hypothese kommt nicht ohne solche Art Vorstellung aus. Denn, rational müssten wir sagen: Es ist, wie es eben ist. Aber unsere Intelligenz, die für uns, unsichtbar, am laufenden Band Abkürzungen, Erklärungen, Vereinfachungen, Abstraktionen und Generalisierungen managt und fertig darlegt, gaukelt uns immer wieder Handlungsspielräume und Hellseherkompetenzen vor. Das Einzige, was wir allerdings sicher wissen können (und nicht glauben müssen) ist, dass es erstens anders kommt, und zweitens auch noch anders, als wir denken. Oder: dass alles anders sein und/oder alles anders erzählt werden kann. Nichts ist wahr, nur eben, und besser bekommen wir es nicht hin, nicht unbedingt falsch.</p>
<p>Und das führt direkt zum nächsten Begriff, dem „Glauben&#8221;. Vielleicht sollte man zwischen Glauben und „religiösem Glauben&#8221; unterscheiden. Religiöser Glaube ist tatsächlich eine merkwürdige Sache, eben weil man darüber nicht entscheiden kann, es sei denn dagegen. Aber auch hier liegt schon keine Entscheidung mehr vor, sondern nur eine Erklärung. Für religiösen Glauben gibt es keinen Maßstab.</p>
<p>Vom religiösen Glauben abgesehen, finden wir Glauben aber überall in der Gesellschaft. Beispielsweise ist es ein wirtschaftlicher Glaube, dass man sich die Finanzwelt anhand einiger Kennzahlen vergegenwärtigen kann. Oder es ist pädagogischer Glaube, dass Kinder psychisch gesünder leben, wenn sie wenig Playstation spielen. Und es benötigt wissenschaftlichen Glauben, zu argumentieren, dass Gott durch wissenschaftliche Erklärungen entzaubert, erklärt oder ersetzt werden könne. (Als ob das entscheidende bei Gott sein Wesen ist und es Sinn machte zu errechnen, wie lange er im Weltall überlebt und was er da atmet.)</p>
<p>Genau solche Behauptungen, dass ein gesellschaftliches Teilsystem ein anderes ersetzten kann, sind im Übrigen nichts Neues und erst recht nichts Besonderes. Volkswirte glauben, bessere Politiker zu sein. Politiker glauben, bessere Banker zu sein. Lehrer glauben, bessere Prediger zu sein, usw. Immer dann, wenn Akteure eines Teilsystems gerne für andere Teilsysteme oder die ganze Gesellschaft sprechen und genau zu wissen vorgeben, was am ‚richtigsten&#8217; sei, spricht man von Ideologien. Bisher ist die Wissenschaft, von den politisch angeheizten Klimaforschern abgesehen, kaum durch ideologische Akteure weithin aufgefallen. Sind es doch eher die Juristen, Wirtschaftler und Politiker, die ihre Sache gerne für das große Ganze erklären und ihre Spartenkonzepte für Gesellschaftstheorie halten. Richard Dawkins legt mit seinem Versuch, einen streng wissenschaftlichen Ansatz für die Erklärung von Gott und der Welt zu fahren, mit seinen Arbeiten vor.</p>
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		<title>Zur Dynamik der Wissensgesellschaft</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Nov 2008 15:15:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Enno Aljets</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Polemik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Dynamik]]></category>
		<category><![CDATA[Wandel]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder: die Mythen der Bildungsforschung Ich werde niemanden damit überraschen, wenn ich schreibe, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben, deren gesellschaftlicher, organisationaler und individueller Wandel immer schneller voranschreitet und in der wissensbasierte Qualifikationen und lebenslanges Lernen von höchster Priorität sind, um den mehrdimensionalen Wandel nicht nur zu bewältigen, sondern auch gestalten zu können. Jeder kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Oder: die Mythen der Bildungsforschung</strong></p>
<p>Ich werde niemanden damit überraschen, wenn ich schreibe, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben, deren gesellschaftlicher, organisationaler und individueller Wandel immer schneller voranschreitet und in der wissensbasierte Qualifikationen und lebenslanges Lernen von höchster Priorität sind, um den mehrdimensionalen Wandel nicht nur zu bewältigen, sondern auch gestalten zu können. Jeder kann und darf unhinterfragt behaupten, dass wir es mit einer dynamischen Wissensgesellschaft zu hätten. Die fraglose Verbreitung dieser beiden gesellschaftlichen Mythen überrascht mich allerdings jedes mal aufs Neue. Wer oder was ist denn die &#8220;Wissensgesellschaft&#8221; und wo ist der Tacho, auf dem man die zunehmende Geschwindigkeit des gesellschaftlichen Wandels ablesen kann?</p>
<p><span id="more-298"></span></p>
<p><strong>Höher! Schneller! Weiter!</strong><br />
Warum darf sogar in wissenschaftlichen Publikationen, quer durch die Disziplinen in den Einleitungen immer wieder behauptet werden, dass der gesellschaftliche Wandel (hier ließe sich je nach Thema oder Disziplin auch etwas spezifischeres einsetzen) immer schneller voranschreite, ohne dass dafür irgendein Beleg angeführt werden muss? Mal angenommen, es gäbe noch ein ernsthaftes Lektorat, warum werden solche Behauptungen nicht gestrichen? Bei der Behauptung der gesellschaftlichen Dynamik handelt es sich um einen Alltagsmythos, der unreflektiert auch in der Wissenschaft verwendet wird, weil er immer wieder Begründungen für die abenteuerlichsten Forschungsvorhaben liefert. Da alles immer schneller wird und alle zu erfoschenden Phänomene dementsprechend etwas neues an sich haben müssen, legitimiert dieser Mythos nahezu jede Fragestellung. Das führt dazu, dass Projekte immer wieder aufs Neue durchgeführt werden können, was unter forschungsökonomischen Gesichtspunkten natürlich eine großartige Chance ist. Das Resultat ist eine ahistorische Forschung, die ihre eigene Geschichte und Tradition negiert, ja vergessen und ignorieren muss. Der wissenschaftliche Wandel, der sich ja ebenso rasant entwickelt, bringt zwar in immer schnelleren Zyklen neue Begriffe, Theorien und Moden hervor. Aber die Veränderungen spielen sich dabei eben meist auf der semantischen Oberfläche ab und auf der inhaltichen Ebene wird das Rad für jede Publikation neu erfunden. Neues entsteht dabei selten und wenn, dann nur aus Zufall.</p>
<p><strong>Wissensgesellschaft?</strong><br />
Mal davon abgesehen, dass die Gesellschaft nicht aus Wissen, sondern durch Kommunikation besteht, bleibt doch die Frage, ob es tatsächlich immer &#8220;geistiger&#8221; zugeht. Zumindest was das Fernsehen angeht, kann man mit Reich Ranicki gegenteiliger Meinung sein.<br />
<object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/KWuinyJgKew&amp;hl=en&amp;fs=1&amp;start=210" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/KWuinyJgKew&amp;hl=en&amp;fs=1&amp;start=210" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object><br />
Das Fernsehen mag ein singuläres Phänomen sein, dem ja schon seit seinem Bestehen &#8220;Verblödung&#8221; vorgeworfen wird. Aber auch andere Bereiche, insbesondere Schule, Universität und Ausbildung erleiden einen Wandel, der durch Bemühungen der Wissensgesellschaftsgläubigen gekennzeichnet ist. Hier trifft man auf das gleiche mythologische Phänomen, das ich oben schon beschrieben habe. Lehr- und Lernprozesse werden mit dem Verweis auf die zunehmende Bedeutung der Wissensgesellschaft ständig neu erfunden. Dabei wird die Wissensgesellschaft einfach behauptet und im wissenschaftlichen Kontext so gut wie nie belegt. Die Bildungsforschung im besonderen Fall wird dadurch besonders ahistorisch und semantisch marktschreierisch, weil sie gleich zwei gesellschaftlichen Mythen in einer obskuren, aber etablierten Verbindung aufsitzt. So kommt es dazu, dass immer neue Kompetenzen entdeckt, &#8220;gemessen&#8221; und gefordert werden und mittlerweile der Komplettmensch in Form von Humankapital in das Visier der Wertschöpfungsbemühungen geraten ist und sich die Bildungsambitionen nicht mehr nur auf die fachlichen Ressourcen beschränken. Selbstkompetenz, lebenslanges Lernen, lernende Organisationen, Qualitätssystem, Schlüsselqualifikationen und Gestaltungsphantasien sind das Resultat der letzten Jahrzehnte Bildungsforschung und -beratung. Die Kakophonie semantischer Feuerwerke erzeugt ein Gewitter greller Begriffe, die die Bildungsbeteiligten erfürchtig staunen und letztlich verblöden lässt. Denn vor allem die ahistorische, ehemals etablierte Erkenntnisse negierende Forschung und Beratung im Bildungsbereich führt zu einer Reformspirale, die Lernprozesse (egal auf welcher Ebene) in der Regel verhindert. Lernen des Lernens Willen. Pädagogische Bemühungen zum Selbstzweck. Soweit ist es mittlerweile vielerorts gekommen. Es ließen sich mannigfaltige Beispiel aus den verschiedensten Bereichen heranziehen. Letztlich sind sie offensichtlich, werden aber durch mythisch begründete Begriffserfindungen überdeckt. Und für das Bildungssystem und die daran interessierte Forschung ist das nur funktional: Es ermöglicht, immer weiter zu machen, da sie ihre eigenen Prämissen nicht benennt.<br />
Publikationen, die die Dynamik des gesellschaftlichen Wandels unbelegt behaupten oder propagieren, man lebe in einer Wissensgesellschaft, sollten mit Skepsis gelesen werden. Bücher, die beides in Verbindung behaupten, können eigentlich gleich wieder in das Regal gestellt werden.</p>
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		<title>Wirtschaft und Wissenschaft &#8211; das passt nicht! (update)</title>
		<link>http://sozialtheoristen.de/2008/09/05/wirtschaft-und-wissenschaft-das-passt-nicht/</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Sep 2008 22:39:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Schulz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stilblüten]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn ich einen wissenschaftlichen Text lese, beginne ich nach dem Titel mit dem Inahltsverzeichnis, dass gibt den ersten thematischen Überblick. Als zweites folgt der Blick in die angegebene Literatur, dies gibt Aufschluss über den Kontext der Studie, die Autoren und den Inhalt. Als drittes folgt das Lesen des ausgewiesenen Abstracts, durch das sich letzlich klärt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich einen wissenschaftlichen Text lese, beginne ich nach dem Titel mit dem Inahltsverzeichnis, dass gibt den ersten thematischen Überblick. Als zweites folgt der Blick in die angegebene Literatur, dies gibt Aufschluss über den Kontext der Studie, die Autoren und den Inhalt. Als drittes folgt das Lesen des ausgewiesenen Abstracts, durch das sich letzlich klärt, ob ich in den Text der Arbeit selbst einsteige.</p>
<p>Heute morgen verwies mich <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=3437">meine Morgenlektüre</a> auf eine wissenschaftliche Studie, in der angeblich behauptet wird, dass der Hartz IV Monatssatz im Vergleich zu seinem Ziel, der Grundsicherung, zu hoch bemessen sei. Man könne dieses Ziel auch mit Monatssätzen von 132 Euro für Erwachsene und <a href="http://blog.fefe.de/?ts=b63e88d0">79 Euro für Kinder</a> erreichen.</p>
<p><span id="more-126"></span></p>
<p>Auf den ersten Blick respektloses Geschwafel aus dem Elfenbeinturm, das den Tag über Entrüstung und Missfallen in den Medien auslöste. Als Soziologe ist einem diese Rezeption nicht fremd. Ein zweiter Blick lag also nahe. Ich wollte nachschauen, worum es den Autoren genau ging.</p>
<p>Jedoch, Entrüstung und Missfallen machte sich auch bei mir breit. Inhaltsverzeichnis, Literaturangaben, Abstract? Fehlanzeige! Listen, Tabellen, unklare Überschriftenkonstellation ohne Nummerierung und Zusammenhang ergeben den Text. Fussnoten gibt es nicht und nach 7 Seiten (sic) hört der Text auf.</p>
<p>Es handelt sich also nicht um eine wissenschaftliche Arbeit. Wenn man es beschreiben sollte, läge &#8220;beschämende Frechheit&#8221; näher. Dann stellte sich heraus, das es sich um die Kurzfassung einer längeren Studie handelt. Ein Text von 33 Seiten, der in der &#8220;Zeitung für Wirtschaftspolitik&#8221; erscheint und die formalen Mängel natürlich nicht aufweist.</p>
<p>Ich bleibe aber mal bei der Zusammenfassung, da sie die mediale Runde gemacht hat. Formal hat der Text unglaubliche Schwächen. Vielleicht ist das auf dilettantische Hilfskraftarbeit zurückzuführen. Inhaltlich ist es jedoch nicht besser. Es handelt sich um eine wirtschaftswissenschaftliche Berechnung, die ihre Axiome als Naturgesetze begreift und sie daher nicht mal mehr nennt, geschweige denn begründet. Die, trotz nachträglich eingefügter Entschuldigungspräambel, normative Instruktionen ableiten lässt und mit Stilblüten gespickt ist.</p>
<p>Der Text liest sich durchgehend wie folgender Satz, der direkt in der ersten Minute der Lektüre mein Soziologenauge blendete:</p>
<blockquote><p>&#8220;Unsere Gesellschaft hat sich bisher davor herum<br />
gedrückt, die Ziele der sozialen Mindestsicherung exakt zu formulieren.&#8221;</p></blockquote>
<p>Was soll man sagen? Gibt es noch was zu sagen? Ich denke nicht. Hier ein link zur <a href="http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/bwl4//interessantes/Soziale_Mindestsicherung_2008_ZusFas.pdf">Zusammenfassung der Studie</a>. Und falls tatsächlich noch jemand dem Kompletttext eine Chance geben möchte, findet er ihn <a href="http://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/bwl4//interessantes/Soziale_Mindestsicherung_2008_komplett.pdf">hier</a>.</p>
<p><strong><em>Update (05.09.08 &#8211; 11:30):</em></strong></p>
<p>Hier eine <a href="http://luhmannius-differenztheorie.blogspot.com/2008/03/mindestlohnheuchelei.html">alternative Mindestlohn- und Grundversorgungsberechnung</a>. Mit einem Ergebnis, mit dem man Leben kann.</p>
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