Zwischen Adenauer und Apokalypse: Böse Kinderspiele im Darkroom der Altrepublik

An BRD Noir haben sich schon so manche versucht: Bierernste Langeweile vorprogrammiert. Netflix aber bietet mit seiner „Dark“-Trilogie ein deutsch-dämmriges Horrormärchen. Für den Sender wurde der Stoff zum Welterfolg. Und das wie aus dem amerikanischen Bilderbuch. So schafft es die Serie auf „Twin Peaks“-Level. Nun ist Schlussrunde. Schade drum. Und doch nötig.

Was ist denn hier passiert! Der deutsche Wald am helllichten Tag. Gleich wird man den Augen nicht trauen. Oder eher dem, was davon übrig ist. Bild: Netflix.

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Selbstdarstellung: Übers Bluffen und Blenden während der Promotion

Eine gut temperierte Selbstdarstellung ist überlebenswichtig für eine erfolgreiche Promotion. Überzieht man die Selbstdarstellung allerdings, bringt das Nachteile mit sich.*

Graduation by Andrew Schwegler (CC BY-SA 2.0)

 

In einer ähnlichen Weise hat der eine oder die andere die folgende Szene bestimmt selbst schon einmal erlebt: In einem Workshop oder einem Kolloquium wird ein theoretischer Aspekt diskutiert. Alle Beteiligten, die mitdiskutieren, tun so, als wüssten sie, was das Konzept impliziert, werfen selbstsicher mit Begriffen um sich. Die Diskussion trägt sich fort. Einige folgen dem Pingpong der Argumente ehrfürchtig und wundern sich, warum sie all das nicht wissen. Ringt sich dann jemand dazu durch, seine oder ihre Unwissenheit zu entblößen und nach der Bedeutung eines Begriffs oder Konzepts zu fragen, wird deutlich, dass bei den Beteiligten weitaus weniger Klarheit darüber herrscht, worüber sie gerade diskutiert haben. Erst die mutige Nachfrage offenbart, dass der Austausch – zumindest im Falle einiger – vom sich gegenseitig Blenden getragen wurde.

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Quantum Sociology

Quantum Mechanics and Everyday Life 

Die Quantenphysik fasziniert, seitdem sie sich um die Wende des letzten Jahrhunderts entwickelt hat, seit Max Planck’s Entdeckung 1900, den Solvay Konferenzen (insbesondere 1927) und den vielfältigen Diskussionen zwischen Niels Bohr, Max Born, Werner Heisenberg, Wolfgang E. Pauli, Louis de Broglie, Paul Dirac, Albert Einstein, Erwin Schrödinger und weiteren. Zu den Greatest Hits der Quantenphysik zählen jene kontraintuitiven Prinzipien der Komplementarität und Unsicherheit, des Entanglements (Quantenverschränkung) und Tunnelings, der Superposition und Wellenfunktion. Auch wenn die Diskussionen über die philosophischen Bedeutungen dieser Fundamente der Quantenmechanik bisher wenig Einstimmigkeit erzeugt haben (Schlosshauer, Kofler, Zeilinger 2013), kann mathematisch und experimentell gezeigt werden, dass Quanten in Form von Atomen, Photonen und Elektronen bis zum Punkt des Kollapses, der Messung als Wellen und als Partikel ‚existieren’, dass ihre Position und ihr Bewegungszustand nicht gleichzeitig gemessen werden können, dass sie nicht-lokal und über größere Distanzen hinweg korrelieren, dass sie durch nichtdurchlässige Grenzen passieren können und sicherlich auch, dass Schrödingers Katze potenziell gleichzeitig lebendig und tot ist, bis die Box geöffnet und hineingesehen wird (Baumann, Sexl 1984, Auletta 2001, Czasny 2010, Kiefer 2011, Osterhage 2014).

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Was bleibt, ist der Supermarkt

Seit mehr als einem halben Jahrhundert erfreuen uns volle Regale und möglichst kurze Warteschlangen. An jeder Straßenecke lauern die Einkaufstempel. Doch ausgerechnet als soziale Räume entdecken wir sie gerade nochmal neu. Eine kleine Kulturgeschichte des Selbstbedienungskonsums.

S O Z I A L T H E O R I S T E N  
S P E Z I A L   C O R O N A – K R I S E
Vor Ostern nochmal Haushaltsnachschub am laufenden Band. Marktszene aus den Jahr 1964.

Vor Ostern nochmal Haushaltsnachschub am laufenden Band. Offensichtlich geschmackvolle Marktszene aus dem Jahr 1964. Bild: Gemeinfrei/CC BY-NC-SA 2.0.

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Integration statt Revolution: Twitter ist auch nicht die Welt

Proteste in den sozialen Medien minimieren nicht die Demonstrationen auf der Straße. Im Gegenteil: analoge und digitale Protestformen weisen vielfältige Verschränkungen auf, wie der Stuttgarter Soziologe Ulrich Dolata in der Zeitschrift für Soziologie berichtet. 

Protestbewegungen wie jene für mehr Demokratie werden oft im Netz angestoßen und manifestieren sich auf den Straßen. Bild: afp/Frankfurter Rundschau

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Was (Hochschul-)Ratgeber verschweigen

Die Nachfrage nach Ratgebern scheint mit Zunahme von gesellschaftlicher Komplexität zu wachsen. Es gibt sie mittlerweile zu allen erdenklichen Themen. Und so gibt es auch diverse Ratgeber für den Hochschulbereich. Allerdings sind die Hinweise und Tipps – mit wenigen Ausnahmen – recht oberflächlich. Der Grund dafür ist einfach: Sie unterschlagen die für den organisationalen Alltag so wichtige informale Seite der Organisation. Und wird Informalität doch mal behandelt, fällt dies irritierend auf.

Auf viele Fragen auf die es im Organisationsalltag ankommt, geben Ratgeber nur einseitige Antworten. Bild: pixabay (geralt)

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Immer noch mehr als nur Glaubensverwaltung

Der Fall scheint klar: Die Kirchen verlieren Mitglieder – nicht zuletzt wegen Skandalen und einem wachsenden Desinteresse am organisierten Glauben. Daneben schwindet die institutionelle Bindung in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft: in Parteien, Gewerkschaften oder Vereinen. Doch “Kirche” bezeichnet nicht nur eine übergeordnete Organisation, einen Apparat, sondern in erster Linie tatsächliche örtliche Gemeinschaft. Die interaktive Kraft der Kirche erweist sich insofern keineswegs als unmodern.

Konfession als Kontrast: Hier steht er wohl und auch woanders – der Reformator polarisiert beträchtlich und trotzt dennoch Wind und Wetter. Bild: IMAGO

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“Die Gesellschaft expandiert die Eskalation des Terrors”

Der Terroranschlag auf eine Synagoge in Halle hat Erschütterung und Diskussion ausgelöst: über Ursachen, Verantwortung und Folgen. Abseits lauter Kontroverse ist der Terror auch ein Thema der Gesellschaftstheorie. Wie kommt es eigentlich, dass Terror sich in der modernen Gesellschaft regelrecht “festgebissen” hat und sich gar noch weiter ausdehnt? Nach einem Gastbeitrag in der Neuen Zürcher Zeitung führte die Northern Business School Hamburg (NBS) mit dem Soziologen Marcel Schütz das nachfolgende Interview.

Absturz einer Swissair-Maschine 1970 im schweizerischen Würenlingen. Der Anschlag galt ursprünglich wohl einer israelischen Maschine, die Bombe kam jedoch im Zürcher Flughafen durch einen Gepäcktausch ungeplant in eine Schweizer Maschine. Es erscheint bizarr: Typisch für die Ordnung des Terrors ist gelegentlich auch unachtsame Einprogrammierung dysfunktionaler Devianz: So sprengen sich Selbstmordattentäter zuweilen zu früh in die Luft oder Munition versagt oder Bomben gehen auf falsche Reise. Foto: Keystone.

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Evangelisch in epischer Breite – Interview: “Für Fontanes Erzählkonzept sind Pastoren prächtige Agenten”

Die Erzählwelt Theodor Fontanes ist auch eine der Dorfkirchen und Landgeistlichen. Werke wie “Unterm Birnbaum” oder “Der Stechlin” zeugen vom starken religiösen und theologischen Interesse ihres Schöpfers. Was aber hat den Dichter dazu bewogen, seinen literarischen Fokus immer wieder auf die Eigenheiten protestantisch-preußischer Provinz im ausgehenden 19. Jahrhundert zu legen? Der Theologe und Schriftsteller Reiner Strunk ist dieser Frage in einer Aufsatzreihe nachgegangen. – Ein Sozialtheoristen-Interview zum Fontanejahr. 

Ob Kaiserwetter oder Preußisch Grau: Der Romancier hält die Stellung (L. Schulz/Wikipedia)

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Von der List der Vernunft – Im Gespräch: der Jurist und Publizist Horst Meier

Der Kasseler Verfassungsrechtler und frühere Strafverteidiger Horst Meier schreibt seit drei Jahrzehnten über Rechtspolitik und befasst sich insbesondere mit der rechtsstaatlichen Entwicklung der Bundesrepublik, wofür er zuletzt den Pressepreis des Deutschen Anwaltsvereins erhielt. Von ihm erschienen Arbeiten zu den Verbotsprozessen gegen die SRP und NPD und zur Kritik des Verfassungsschutzes. Ein ausführliches Sozialtheoristen-Gespräch über die freiheitliche demokratische Grundordnung, dubiose Hitler-Spenden in der Nachkriegszeit, den Umgang mit extremen politischen Positionen und über den Bedarf einer unaufgeregten Bewertung.

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Wann gibt es Neuwahlen? – Kleiner bundesrepublikanischer Rück- und Ausblick mit Indizien

Neuwahl-Interpreten mit ähnlicher Taktik: Altkanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder unterhalten sich nach dessen Wahl zum Bundeskanzler im alten Bonner Bundestag. Bild: Marco Urban

Vermutlich in keiner anderen Legislaturperiode des Bundestages ist das Wort auch nur annähernd oft gefallen. Bekommt neben Österreich auch Deutschland bald schon “vorgezogene Neuwahlen”? Immerhin eine Beobachtung gibt Hinweise.

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Der Blick fürs Unwesentliche: zur Beobachtung des Unfalls

Unfälle sind zu erwarten. Und doch irgendwie auch nicht. Erscheinen sie uns deshalb so vertraut wie unbekannt? Kleine Ortung.

Hier aber gibt es nichts zu sehen. Oder ist es noch nicht/nicht mehr wesentlich? Eine niedersächsische Momentaufnahme aus dem Bildband “Am Ort der entgleisten Hoffnungen” (hgg. v. Stephan Erfurt, 1999).

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