Stefan Schulz

Diplom-Soziologe aus Jena via Bielefeld in Frankfurt am Main. Kümmert sich promovierend um die Bauernfamilien des 12. Jahrhunderts mit ihrem Problem der erstmaligen "Kommunikation unter Unbekannten" und ist heute Journalist. stefanschulz.com

Universität und Kritik

(Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4, PDF-Version aller Tage) Heute war unser letzter Tag. Der gestern vermutete Anschluss an digitale Themen fand nicht statt. Morgens stand „Lüften“ im Programm, was hier im Norden einiges versprechen könnte, doch die Ostsee war eher gespenstisch ruhig und damit keiner weiteren Erwähnung wert. Anschließend sprachen wir über Facebook und die Sozialtheoristen, wovon es keine Mitschriften gibt die hier festgehalten werden können. Das Abendprogramm bestand aus einer zufälligen Überraschung, ich war alleiniges Publikum einer Musikaufführung: Matthias Hermann am Cello und Joachim Landkammer am Steinway-Flügel. Was gespielt wurde weiß ich nicht, die Auswahl war spontan, das Niveau war hoch und die Unschärfen machten es zu einem echten Vergnügen. Weil dazu wenig zu sagen bleibt lieber ein paar Bilder. Und dann zum Abschluss der #EineWocheZeit noch ein paar Notizen zum letzten Redner Rudolf Stichweh.

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Vorlesung als Leiden

(Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4, PDF-Version aller Tage) Wir blieben heute wieder ohne Patrick Bahners und schoben Münkler trotzdem ins Programm, aber in den Abend, ins Kaminzimmer. Im Konferenzglaskasten begann der Tag mit Hanna Engelmeier, die ein hochaktuelles und noch häufiger blindlings abgelehntes Thema mitbrachte: Die Universität als Safe Space und Free-Speech-Zone. Dass die amerikanischen Zustände unsere Debatte prägen, verhinderten wir sofort: Empirisch lieferte nämlich Rainer Wendt (der gescholtene Gewerkschaftschef, der sich als Polizist bezahlen lässt, obwohl er gar nicht als Polizist arbeitet und der sich als Gewerkschaftsführer anbietet, obwohl seine Organisation nicht mal im DGB ist) das Gesprächsmaterial. Wendt war kürzlich zum Vortrag in die Universität Frankfurt geladen, zur Gastrede kam es dann allerdings nicht. Wir haben das auf konkretestmögliche Weise nachvollzogen, indem wir zehn Minuten in die Rede reingehört haben, die der Frankfurter Studentenschaft Anlass war, um seine Ausladung zu bitten. Nur was genau ist durch diese durch Protest verhinderte Gastrede (nicht) passiert?

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Universität ohne Bücher

(Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4, PDF-Version aller Tage) Patrick Bahners war heute noch nicht da, Münkler und der für ihn geschriebene Blog war dadurch heute nur nebensächlich, blieb aber ursächlich. Es begann stattdessen mit drei dicken Büchern auf dem Tisch vor Elias Kreuzmair. Zwei davon beinhalteten studentische Kritik an der Universität, ausformuliert nach einer Hörsaalbesetzung vor einigen Jahren, die inzwischen dazu führte, dass der Rädelsführer von damals zwar die Universität verließ, seine Anhänger selbst aber Teil der Universität wurden, die sich trotz Widerstand natürlich veränderte. Kritik also, ok. Aber warum in Buchform? Wenn das Medium die Botschaft ist, hat man sich dann nicht schon vor allen Argumentationen unterworfen, wenn der rebellische Aufruf in Form einer Abschlussarbeit vorgelegt wird? Kritik wurde hier zum akademischen Leuchtturmprojekt, dem Karriere folgte, unterstellter Maßen also auch Kalkül vorausging. Nun gut, man kann es im üblichen Rahmen nachlesen, der Amazon-Suchbegriff lautet „Unbedingte Universitäten“.

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Watchblog als Zeugnis

(Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4, PDF-Version aller Tage) Eine Woche Zeit, das scheint nicht unbedingt viel zu sein um große Dinge zu klären. Aber das Setting ist dann doch etwas Besonderes: Wo sitzt man schon zusammen, zu ungefähr zwanzigst, führt eine abendfüllende Diskussion am Kamin und sieht sich schon am Morgen in ähnlichem Setting (Konferenzglaskasten) wieder, tags drauf noch mal, noch mal und dann noch mal? Vom Frühstück bis zum Abendessen, gefüllt mit Diskussionen und jeden Abend so eine Runde. Der erste Tag unserer „Einen Woche Zeit“ ist abgehakt, wir kennen uns jetzt. Ab morgen geht‘s darum, uns nicht zu langweilen. Das könnte einfach fallen, weil wir morgen mit dem Thema von heute noch mal von vorne beginnen: Wem hat „Münkler-Watch“ was gebracht und was weiß – der Punkt ist morgen neu – Patrick Bahners darüber zu sagen?

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Politik als Luxus

Der Text ist Vorlage für einen Vortrag, gehalten am 7. August 2017 in der Sommerkirche Welt. Titel des Vortrags: “Aufgeweckte Jugend – contra Politikverdrossenheit”.

Politikverdruss, das ist ein Wort, das wir nur in Verbindung mit „Jugend“ kennen. Bevor wir aber der Jugend Politikverdruss unterstellen, oder der Politik Jugendverdruss – und den Massenmedien eventuell gleich beides – klären wir zuerst, was mit „Jugend“ gemeint ist. Von welchen Altersklassen reden wir, wenn wir von einem Publikum sprechen, das sich im klassischen Politik- und Nachrichtenbetrieb nicht mehr finden lässt, dem wir also eine Ablehnung der politischen Themen unterstellen?

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Verkündung: Redaktionsschluss

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Vö: 14.03.2016

Beim Hanser-Verlag stellen ganz am Ende der Arbeit die Lektoren ihren Autoren fünf Fragen, deren Antworten Interesse an den neuen Werken wecken sollen. Meine Antworten zum Buch “Redaktionsschluss” habe ich hierher kopiert. Links zum Buch finden sich unter dem Text. Wer wissen will, weshalb Newcomer-Parteien heute mehr Nichtwähler mobilisieren als Volksparteien mit Kanzlergeschichte insgesamt Stimmen erhalten, sollte das Buch lesen. Denjenigen, die sich dagegen nur darüber empören möchten, empfehle ich die Zeitung von heute – egal welche.

Warum soll ich ein Buch über die Zukunft des Journalismus lesen?
Die Fragen nach der Zukunft des Journalismus behandeln auf kürzestem Wege auch die Fragen nach der Zukunft der Gesellschaft. Die Prämisse ist kurz aber unhintergehbar: Was wir über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. 20 Jahre nachdem der Soziologe Niklas Luhmann das sagte, stellen wir heute fest: Die Angebote der Massenmedien nutzen wir in jeder freien Sekunde. Nur wie viel Journalismus steckt noch in ihnen? Über die Welt wussten wir nie so viel wie heute. Aber können wir uns noch darüber verständigen, was uns betrifft? Der Journalismus selbst beantwortet diese Frage heute je nach Prägung mit digitaler Euphorie oder ökonomischem Wehklagen. Deshalb muss es ein Buch sein, als Angebot, sich frei von der tagesaktuellen Dramatik mit Journalismus zu beschäftigen und darüber zu verständigen, in welcher Welt wir leben.

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Von wegen dezentral und demokratisch

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Als ich Konrad Lischkas Text las, musste ich an Frank Riegers Vortrag denken. Er zeigte nämlich im Mai 2014 das Bild zum Problem. In der fünften Minute zum Thema „Wer soll uns regulieren?“ ist zu sehen, wie aus dem Flickenteppich, der das Internet einst war, die Spielwiese für wenige Megakonzerne wurde. Lange hatte diese Entwicklung nicht gedauert, gerade einmal sechs Jahre. Frei ist das Netz noch, technisch gesehen. Aus sozialer Sicht haben sich aber etliche Ideen nicht bewahrheitet: Digitalisierung ist kein Synonym mehr für Dezentralisierung! Konrad Lischka hat damit recht – inhaltlich und performativ. Uns fehlt diese Einsicht bislang nämlich auch, weil wir eigentlich nie über die Sachverhalte diskutieren.

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Was Facebook will?
Die De-Institutionalisierung des Journalismus!

Wohin die Reise gehen soll...

Wohin die Reise gehen soll…

Vergangenen Donnerstag (07.05., dem letzten Tag der Republica) hielt ich im Schmela Haus der Kunstsammlung NRW (Düsseldorf), im Rahmen von “Futur 3”, eine Vorlesung zum “Journalismus nach dem Text”. Das Rahmenthema der Veranstaltung lautet: “Das Bild der Zukunft”, betreut von Mareike Foecking und Doris Krystof. Der Text richtet sich an alle, die sich wundern, weshalb die Nachrichtenmedien nach dem gedruckten Papier nun auch ihre Webseiten abschaffen, oder zumindest entwerten, indem sie Teile ihrer Inhalte direkt bei Facebook hosten. Die gesprochene Version des Textes samt Auszügen der anschließenden Diskussion veröffentliche ich am Wochenende im Feed des aufwachen-podcast.de. Das Bild ist eine Publikumsaufnahme von der republica 2015, aufgenommen von Lina Timm, von mir aus ihrem Twitterfeed geklaut.

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Es gibt nichts zu verbessern

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Es ist erstaunlich wie viel wir lernen, wenn schlimme Dinge passieren. Obwohl in den Medien nicht viel berichtet wird. Fast alles was wir wissen, wissen wir von einem französischen Staatsanwalt, der vom Inhalt einer Audioaufzeichnung berichtete, die er selbst nicht hörte und auf der wohl recht wenig zu hören ist. Jemand verließ das Cockpit, jemand blieb im Cockpit, jemand klopfte und hämmerte von außen gegen die Tür des Cockpits – die Zurechnungen von Taten und Unterlassungen sind aber bislang recht haltlos.

Statt Erklärungen sollen kleine Indizien Anhaltspunkte liefern. Wie beispielsweise eine medizinische Diagnose vor sechs Jahren oder ein Arztbesuch vor wenigen Tagen. Bei Phoenix war vorhin Thomas Schläpfer zu Gast. Der leitende Oberarzt und Psychiater der Universitätsklinik Bonn sagte in etwa folgendes: Dass eine Depression zu solch einem Verhalten führen soll, ist für ihn unerklärlich. Nur massenmedial ergibt die Indizienkette bisher Sinn. Ihre Plausibilisierung nährt sich aber eher aus der ständigen Wiederholung.

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Auf der richtigen Seite

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Wenn man wenig Erfahrung hat, beispielsweise als junger Journalist, steht man immer in Gefahr, verwirrt zu werden. So beispielsweise: Als ich vor zweieinhalb Jahren in der FAZ-Politikredaktion saß und einen Text zur Beschneidungsdebatte schrieb, der die Überschrift „Kein Kind ist je daran gestorben“ trug, hagelte es am nächsten Tag Protestbriefe. Häufig sorgsam per Hand geschrieben, sehr lang und stets auf die Formulierung hinauslaufend: „Ich lese seit 50 Jahren Ihre Zeitung. Aber jetzt reicht es. Kündigung ist bereits in der Post.“

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Informationsfreie Mitteilungen verstehen

Nun, ich habe den Vortrag von Klaus verpasst. Gut möglich aber, dass das obige fünfminütige Video auf alle dort gestellten und behandelten Fragen Bezug nehmen kann, ohne auch nur eine Antwort zu liefern, bzw. ohne nicht jeweils drei weitere offene und wahrscheinlich unbeantwortbare Frage zu stellen.

Damit wenigstens die faktischen Grundlagen vorhanden sind: derPriinz ist ein Youtuber. Er filmt sich dabei, wie er erfährt, dass ihm bei Twitter @dagibee und @TheRealLiont folgen, die jeweils rund eine halbe Million Follower haben, die nun zum Teil auch dem kleinen Prinzen folgen. Mehr als eine Stunde war dem Schauspiel heute Mittag zuzuschauen. Der obige Ausschnitt zeigt zufällige fünf Minuten.

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Übers Internet reden!
Nur mit wem und wozu?

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Ich glaube, dass Felix Schwenzel lügt. Beziehungsweise vermute ich, dass der eine Satz einfach nicht stimmt. Schwenzel schrieb in ihm: „Die enttäuschten Hoffnungen sind auch das Thema von Andrew Keen, meinem Lieblingsinternetkritiker.“ Kann sein, dass Internetkritik eine popkulturelle Gattung ist, deren Werken man sich zuwendet, wenn man abends Netflix leergekuckt hat. Was Schwenzel eigentlich sagen wollte, ist glaube ich: „Man Leute, regt euch ab. Wir können jetzt in Deutschland amerikanisches Fernsehen gucken. Wenn ihr schon nervt, dann wenigstens so wie Andrew Keen. Wenn der auf die Bühne kommt, sind seine spontanen Anfälle noch wahrer und witziger als die Drehbücher von Boston Legal. Wenn ihr da nicht mithaltet, lasst die Finger vom Netz, geht lieber mit dem Hund raus.“

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