“Die traditionelle Lagerbildung ist ein wenig unterkomplex”

Der Berliner Parteienforscher Gero Neugebauer beobachtet die Entwicklung der SPD seit rund 30 Jahren. Die gegenwärtige Lage der Sozialdemokratie sieht er unentschieden. Die Partei versuche sich nach der letzten Wahl zu stabilisieren, habe aber Schwierigkeiten, wieder eine Kanzlerschaft zustande zu bringen. Ein Interview über neue und alte Bündnisse, eine ungewisse Entwicklung der Unionsparteien und die relative Unwahrscheinlichkeit sozialdemokratisch geführter Bundesregierungen.

Der Politologe und Sozialwissenschaftler Gero Neugebauer. Bild: Privat/Neugebauer. 

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“Kirchlein in der Kirche” oder Soziologie im Gespräch

Anlässlich der EASR (‘European Association for the Study of Religions’) Konferenz trafen sich Moritz Klenk und Wolfgang Eßbach zu einem Gespräch.

Es ging um Religionssoziologie, kritische Soziologie, Politik und Hochschulpolitik und auch um ganz konkrete Fragen der soziologischen Arbeit in und an Universitäten. »Soziologie im Gespräch« also, sowohl als Thema, wie auch in der Form – wie geschaffen für eine Sonderfolge im Sozialtheoristen-Podcast.


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Das moralisierende Unternehmen

Flickr: juanjominor

Wie die Forderung nach Integrietät Mitarbeiter zu Heuchlern macht

Working Paper 3/2018

Integrität ist die neue Lieblingsvokabel im Management. Mitarbeiter sollen sich nicht mehr nur an staatlichen Gesetzen und internen Regeln orientieren, sondern sich auch unter moralischen Gesichtspunkten korrekt verhalten. Die Spitzen der Organisationen verpflichten sich zu einer „integren Unternehmenspolitik“, bekennen sich zu einer „werteorientierten Führung“ und fordern von ihren Mitarbeitern eine „moralische Haltung“ ein. Unternehmen richten inzwischen die Position des Chief Integrity Officer ein. Verwaltungen starten umfassende Programme zur Förderung von Integrität unter den Mitarbeitern. Krankenhäuser verteilen Fragenkataloge, mit deren Hilfe Mitarbeiter vor jeder Entscheidung abschätzen können, ob sie den Ansprüchen an Integrität entspricht oder nicht.

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Keine Ahnung

Seit Eschede ist viel über Eschede geschrieben geworden. Über Schicksale und ein kompliziertes Gerichtsverfahren. Warum nur setzte die Bahn jahrelang auf eine Radtechnologie, von der sie wenig verstand? – Eine organisatorische Rekonstruktion

Radachsen und Drehgestelle des 1998 im niedersächsischen Eschede verunglückten ICE. Foto: dpa/Holger Hollemann.

 

Themenschwerpunkt 20 Jahre Eschede-Unglück (2. Teil)

Drei Sekunden, ein Name, ein Bild, ein Datum. Der 3. Juni 1998 ist in Norddeutschland ein schöner Sommertag. Sonnig, warm und trocken; seit Wochen, wie in den letzten Tagen, 20 Jahre später. Retter werden später berichten, das herrliche Wetter habe den Einsatz erst recht surreal und grotesk erscheinen lassen. Anwohner wundern sich im ersten Moment und denken an eine Übung. Wer fährt denn so einen teuren Zug kaputt?

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Immunabwehr der Gesellschaft und die Unmöglichkeit der Kritik

Was geschieht eigentlich, wenn Facebook Gesellschaft verändert und Regulation ausbleibt? Wie übt man hieran Kritik und an wen müsste sich diese richten, welche Gegenstände hat sie? In der Diskussion geht es um die grundlegenden Transformationsprozesse der Gesellschaft heute, die Möglichkeit der Regulation grosser Konzerne wie Facebook und Google, versagende Immunsysteme der Gesellschaft, die Auflösungsstärke soziologischer Theorie, das Gesundheitsrisiko sozialer Einsamkeit, das Loblied der Interaktion und die Ideologiekritik der Kritik. 

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„Die Rettungsorganisation hat sich nach Eschede weiterentwickelt“ – Interview mit dem Unfallmediziner Ewald Hüls

Ewald Hüls war am 3. Juni 1998 Leitender Notarzt beim ICE-Unglück in Eschede. Als Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Allgemeinen Krankenhaus Celle ist er auf Unfall- und Rettungsmedizin spezialisiert. Ein Gespräch über Eschede, die organisatorischen Herausforderungen während Rettungseinsätzen und die Folgen für die ärztliche Praxis bei Großschadensereignissen.

Dr. Ewald Hüls leitete die Rettung der Unfallopfer beim ICE-Unglück in Eschede. Foto: Privat/Hüls.

Themenschwerpunkt 20 Jahre Eschede-Unglück (1. Teil)

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Organisation⎡-sprobleme⎤ der Architektur ⏊ Vom Rechnen mit Zufällen

Robert Müller

Kritik am Büro
Die Kritik an Hierarchie und Bürokratie in Form horizontaler Unternehmen, agiler Methoden, flacher Kommunikationswege und lose gekoppelter Gruppenkommunikationen in Teams und Projekten geht einher mit einer Kritik der Büroarchitektur. Sie gilt als materielle Strukturierung der Arbeitsverhältnisse und sodann als räumliches Symbol verkrusteter Arbeitsstrukturen. Bewegbare Tische und Raumteiler, Wände auf Rollen sind nur eine Variante flexibler Büros (Petendra 2013), die die Angestellten in Bewegung versetzen: Im Medium der ortsunabhängigen Arbeit buchen sich moderne Arbeitnehmer_innen in Systeme von Desk-Sharing, Office-Hoteling und Hot Desk ein — sie sind Nomaden im non-territorialen und mobilen Büro (Waber, Magnolfi, Lindsay 2014). Das soll nicht weiter stören, vor allem nicht den/die flexiblen Büroarbeiter_in oder Arbeitskraftunternehmer_in. Weiterlesen →

Wahrheit, Trump und die Akademie für Soziologie

Wissenschaftliche Wahrheit scheint bedroht! Man verteidigt sie schon weltweit in Protestmärschen auf der Strasse – oder setzt man sie so nur der politischen Entscheidung aus, als eine Position unter vielen und das entgegen des eigenen Anliegens, sie vor jedem politischen Kalkül und Zweifel zu bewahren? Und was hat die Soziologie hier beizutragen? Ist sie überhaupt mit genannt, wenn Menschen für “die Wissenschaft” auf die Strasse gehen?

Wir diskutieren die (Selbst-)Widersprüche der Politisierung wissenschaftlicher Wahrheit, die Bedeutung von Trump für solchen Protest, und kommen schliesslich auf die Gründung der Akademie für Soziologie zu sprechen.

Und ja, das könnte etwas miteinander zu tun haben…

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Leitbildprosa reicht nicht – Kann man Diversität in der Universität managen?

1910 wurden die ersten Frauen in den Hochschulverwaltungen als Schreibgehilfinnen zugelassen. Bis dahin wurde ihnen diese Stellung verwehrt, da die Männer in den Verwaltungen und auf den Lehrstühlen argumentierten, dass Frauen aufgrund ihres ‚weiblichen Naturells‘ nicht in der Lage seien Geheimnisse zu wahren oder die Handschrift der Ordinarien entziffern zu können. Zumal ihre physische Leistungsfähigkeit durch die ‚periodischen Umstände‘ beeinträchtigt sei. Auch ohne dieses drastische historische Beispiel zeigt ein Blick auf die moderne Hochschule schnell, dass sich die Erwartungshaltung und Realität hinsichtlich der Vielfalt ihrer Mitglieder in den letzten 100 Jahren gewandelt hat. Heute schmücken sich Hochschulen mit Diversitätsleitbildern und -strategien. In diesen bekennen sie sich zu der ‚Förderung der Wahrnehmung, Anerkennung und Nutzung von Vielfalt‘ oder zur ‚Sensibilisierung für Ungleichbehandlungen und Wertschätzung jeglicher Differenzen in allen Lebenslagen‘. Hochschulleitungen reflektieren damit gesellschaftliche und hochschulpolitische Anforderungen. Wie Digitalisierung, Umweltschutz oder Internationalisierung ist Diversität ein weiteres Thema von dem erwartet wird, dass sich die Organisation Hochschule um Lösungen bemüht.

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Flash Organisation auf dem Campus

Kann, nein muss man an Universitäten alles sagen können? Und wer erhält Zutritt zur privilegierten Bühne der Universität? Können sich die Wissenschaften und ihre gegenwärtige Form der Organisation an Universitäten auch gegen populistische Positionen kritisch zur Wehr setzen? Ist das überhaupt Aufgabe von Wissenschaft?

Am 3sat-Bericht “Kampf auf dem Campus” diskutieren wir die Ereignisse und Debatte um die Einladung von Rainer Wendt an der Goethe-Universität in Frankfurt und die Problematik freier, politischer Rede und öffentlicher Veranstaltungen im universitären Rahmen oder zumindest den Räumlichkeiten solcher Institutionen.

Anschliessend folgt ein kurzer Austausch über die Stanford Werbeclips aus der schönen neuen Welt des freundlich lächelnden Kapitalismus und seiner neuesten Erfindung, der Flash Organisation. Und am Ende gibt’s noch eine soziologische, psychologische, historische Serienempfehlung. Wer weiss, vielleicht bauen wir das auch zu einem eigenen Programmpunkt aus..?
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Ausgeforscht – Das Ende einer Fachzeitschrift

Fast drei Jahrzehnte schrieben Ökonomen, Soziologen und Psychologen für das auf interessante Weise ungewöhnliche Journal „Managementforschung“. Mit dem charmanten Nischenangebot ist nun Schluss. Ein Blick auf grundsätzliche Feinheiten im akademischen Publikationswesen. – Und Versuch eines Nachrufs.

In die Jahre gekommen? Einige Bände der Zeitschrift Managementforschung. Bild: Privat.

Kürzlich war zu erfahren, dass die Zeitschrift „Managementforschung“ bereits mit dem laufenden Jahrgang eingestellt werde. In einer abschließenden Stellungnahme würdigten die Herausgeber die beinahe dreißigjährige Entwicklung des Blattes und begründeten ihren Schritt – nicht ohne manches ungenau oder unerwähnt zu lassen – damit, dass das Journal seinen Zweck, die deutsche Publikationslandschaft im behandelten Themenfeld einerseits stärker an internationale Diskurse anzubinden, andererseits sich über die Grenzen der Betriebswirtschaftslehre hinaus für sozialwissenschaftliche Forschung zu öffnen, erreicht habe. Und so schrieben die Herausgeber: „Mission accomplished“.

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Was macht die Debatten um Heimat und Gender so besonders?

Es wird viel diskutiert, aber manche Themen sind doch besondere, mit mehr Beteiligung, kontroverseren Beiträgen und weniger Aussicht auf Konsens. Zwei dieser Themen, Gender und Heimat, haben wir aufgegriffen, um es uns auf dem Glatteis ungemütlich zu machen. (Wir bemühen uns um bessere Audioqualität, aber es ist verhext. Eventuelle Trübungen des Tons tun uns leid.)

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