Tobias Hauffe

Hat während seiner Zeit in Bielefeld mehr Bolaño als Luhmann gelesen. Arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Soziologie an der Universität Bayreuth. Geht der Unterscheidung von Lächeln und Grinsen auf den Grund.

Die erste Adresse des Terrors – Anmerkungen zu Stefan Kühls These der „Verorganisierung“ dschihadistischer Bewegungen

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Stefan Kühls These, dass dschihadistische Bewegungen, die sich „verorganisieren“, verwundbarer werden, leuchtet auf den ersten Blick ein. Was aber geht verloren, wenn man sich einseitig auf Nebenfolgen der „Verorganisierung“ des IS konzentriert?[1]

Stefan Kühls These der „Verorganisierung“ von dschihadistischen Bewegungen zielt zuerst auf den Effekt der Adressierbarkeit. Der IS wird als Organisation wahrnehmbar; einerseits, weil er über ein Territorium herrscht und staatliche Funktionen erfüllt, andererseits, weil einst im Untergrund agierende Aktivisten sich nun zu einer Organisation bekennen oder in diese aufgenommen werden können, das heißt: Mitglieder werden. Der Terror, so die These, bekommt durch die „Verorganisierung“ eine Adresse. Der IS wird bekämpfbarer.

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Der Journalist als Mensch

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Als das Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden wegen einer Terrordrohung abgesagt wurde, sendeten ARD und ZDF live. Das Problem: Niemand wusste etwas, niemand konnte zu diesem Zeitpunkt etwas wissen. Die Thematisierung des Nichtwissens gehört zum Handwerkszeug journalistischer Berichterstattung. Es ist ohne Frage möglich, zu berichten, ohne etwas Konkretes mitzuteilen.

In besonderen Momenten mag es dann gelingen, ein Gefühl einzufangen. Die Zuschauer sind live dabei, wie Journalisten darum ringen, Geschehnisse einzuordnen. Wie sie womöglich damit zu kämpfen haben, die Trennung zwischen Person und Rolle aufrechterhalten. Wie sie, wie es oft heißt, Mensch-Werden im Angesicht des Unfassbaren. Die Zuschauer fühlen sich bestenfalls weniger allein mit ihrer Verunsicherung und Überforderung. Als wenige Tage zuvor die Anschläge in Paris zeitgleich zur Übertragung des Länderspiels verübt wurden, gab es solche Augenblicke.

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