Im Selbstgespräch mit der Maschine

Ich war vergangenes Wochenende beim zweiten medienwissenschaftlichen Symposium der DFG* (Reader).

Aus allen Richtungen wurden dort die neuen Medien diskutiert. Dass nicht alle Versprechungen der Werbevideos und anderen Selbstbeschreibungen aufgehen, ist längst ersichtlich. Wikileaks braucht institutionalisierte Massenmedien für die Umsetzung seiner Vision. Auch Occupy muss sich organisieren. Hinter Anonymous steckt keine Masse, wohl aber ein Schwarm, deren Mitmacher ab und zu auf Interaktion angewiesen sind. Man kann die Diskussionen ziemlich weit treiben, wenn man auch die neuen Medien als Mittler zwischen Menschen versteht. Vielleicht steht aber auch ein Paradigmenwechsel an? Auf dem Symposium war es noch kein Thema. Aber, wenn wir uns unseren alltäglichen Umgang mit den kleinen Computern genau betrachten, kommunizieren wir tatsächlich mit anderen Menschen, wenn wir uns per Google Hilfe aus Foren holen, die vor Jahren mit Informationen bestückt wurden?

Wir kommunizieren doch längst viel häufiger mit Maschinen, wenn wir Hilfe im Alltag brauchen. Nachfragen im Supermarkt, Fragen nach dem Weg, Fragen nach Öffnungszeiten – die stellen wir Computern und die Antworten kommen auch von ihm. Das trifft zu, selbst wenn wir Amazon nach Bewertungen abfragen – denn niemand der Autoren dort weiss, wann ihre Texte von wem gelesen werden. Sie werden einfach so in die Maschine getippt mit dem Wunsch nach, aber keinem Wissen über das Publikum. Im nächsten Call for Papers für medienwissenschaftliche Diskussionen sollte das auch eine Rolle spielen. Die Maschinen sind vollwertige Adressen in unseren alltäglichen Gesprächen.

Obiges Video ist ein Ausschnitt aus This Week in Google 132.

*Besprechung einen kommenden Mittwoch in der F.A.Z.

Diplom-Soziologe aus Jena via Bielefeld in Frankfurt am Main. Kümmert sich promovierend um die Bauernfamilien des 12. Jahrhunderts mit ihrem Problem der erstmaligen "Kommunikation unter Unbekannten" und ist heute Journalist. stefanschulz.com

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