Das Türaufhalten — Mapping a Day-to-Day ‘Incident’

Das Türaufhalten — Mapping a Day-to-Day Phenomenon

»A young woman and a young man, total strangers to each other, ­simultaneously­ reach the closed classroom door. She steps slightly aside, stops, and waits. He positions himself, twists the handle, pulls open the door and holds it while she enters. Once she is safely across the threshold, he enters behind her.« (Walum 1974: 506).

Frau|Mann, alt|jung, höher-|niederstehende oder stigmatisierte|nicht-stigmatisierte Personen und eine räumliche Grenze, die Tür, die die Frage nach der ­privilegierten­ Seite jener alltäglichen Differenzen aufwirft. Das Türaufhalten als soziale Form  markiert sich als höfliches Verhalten und vermittelt ­infolgedessen. Es kann daher in ein formales Schema der Höflichkeit eingeordnet werden (I), das auf einem Kraftaufwand beruht, der es als höfliches Verhalten ­erscheinen lässt (II). Als soziale Form ist das Türaufhalten auch als ­komplexitätsabsorbierende Interaktionssequenz analysierbar (III,V), die nicht ­zuletzt einer historischen Bedeutungsveränderung unterliegt, die sich ­insbesondere anhand der Geschlechterdifferenz aufzeigen lässt (IV).[1]

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Kritik: Kulturzeit – Eine Frage des Vertrauens (Update)

‚Vertrauen ist das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft. Vertrauen sei ein „Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität“, sagt Niklas Luhmann.‘ Mit diesen Sätzen begann 3Sat-Kulturzeit vergangenen Freitag einen kleinen Film zum Thema Vertrauen [gekürztes Skript].

Die ersten Sätze des Filmes sind nicht zu kritisieren, sie treffen zu – und zwar auch dann, wenn man ihren inhaltlichen Gehalt umkehrt: Eine Gesellschaft, die nur auf Vertrauen basiert, limitiert ihren Katalog an Möglichkeiten und bleibt hinter dem Potenzial unserer modernen Gesellschaft weit zurück. Und: Vertrauen ist ein Mechanismus zur Steigerung sozialer Komplexität. Auch das sagt Niklas Luhmann. Weiterlesen →

Notwendige Proteste, notwendige Arrangements

Start einer kleinen Reihe: Sonntagssoziologie. Sachen die in der Zeitungsarbeit übrig bleiben, oder diese vorbereiten & der anfallende Rest.

Der Versuch von Sascha Lobo, das Internet als generatives Element in die Diskussion über die Ursachen des Verbrechens in Oslo zu thematisieren ist interessant. Der grundsätzliche Versuch ist richtig, weil er nicht abwegig und in der Form trotzdem mutig ist. Noch interessanter ist allerdings die Nachbesprechung, denn sie greift die Problematik auf, dass es derzeit keine tragfähige Internetverteidigungsargumentation gibt. Und es wird erst recht keine geben, wenn zukünftige andere Menschen ihre Copy/Paste-Pamphlete ins Internet stellen und zeigen, was das Internet für Potentiale in sich birgt, gerade wenn man Souverän seiner Filter ist.

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