„Nur die Dummen hoffen auf Frieden“

Zu viel Panorama!

Zu viel Panorama!

In den vergangenen Tagen kam mir auch mal die Idee, etwas zum Krieg zwischen Israel und Hamas zu schreiben. Nicht so sehr wegen der Angriffe, sondern wegen der moralischen Ausbeutung die das Thema mit sich bringt, auch, weil es inhaltlich wenig über den Ort des Geschehens zu berichten gibt. Man kann nicht einfach nach Gaza fahren, also machen es wenige. In Deutschland ist der Krieg ohnehin eher Angelegenheit für Kommentare als für Berichterstattung. Man kann also auch gleich zu alten Büchern greifen und das grundsätzliche Problem angehen: Die Fragen des Wollens und Dürfens sind immer auch moralische. Nur zur Ansichtssache werden sie dadurch nicht automatisch.

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What is sociological research about? It is about „finding a pig that speaks“

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As a Chicago sociologist Sudhir Venkatesh had internalized the idea that the Chicago style of urban living was universal, that everybody stayed in their neighborhoods segregated by race and class and that their children lived the same way passing down these patterns generation after generation. Studying New York City from the perspective of coming from Chicago, would you still find a global city when you look at the alleyways? As a sociologist how do you make sense of a city where people move and cross boundaries of neighborhoods? The video shows the „Global Voices Author Lecture“ with Sudhir Venkatesh on his book „Floating City: A Rogue Sociologist Lost and Found in New York’s Underground Economy
“, on November 13, 2013, University of Chicago Assembly Hall, closing his talk with a message for everybody who is curious to know what sociology is about: It is about „finding a pig that speaks“.

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Der Virus der Gesellschaft

Video-Link. Erstaunlich, was alles in ein dreißigminütiges Video passt. Und noch erstaunlicher, auf welche neue Kernaussage es hinausläuft: Der dumme, weil unwissentliche Umgang mit Technologie kann für einen selbst und die Menschen um einen herum gefährlich sein, als ginge es um eine infektiöse Krankheit. Klingt so dahingeschrieben ein bisschen merkwürdig, aber um diese Aussage zu untermauern wurde dieser Film gemacht. (via)

(Und auch hier nochmal der Hinweis auf die Fernsehserie, die man sehen muss: „Person of Interest„. Die zweite Staffel ging gerade grandios zuende.)

Auf zur neuen Freihändigkeit

Es muss ein innerer Wunsch sein, ein evolutionärer Traum, den viele Menschen heute kurz vor seiner Erfüllung sehen. Seit Google-Gründer Sergey Brin behauptete, eine Datenbrille auf dem Kopf wäre weit männlicher als ein Telefon in der Hand, macht man sich darüber Gedanken, wohin der anstehende Schritt geht. An mehr Männlichkeit hatte bis dahin noch kaum jemand gedacht. Ein Fussball- oder Eishockeyspiel aus der Perspektive des Schriedsrichters zu sehen, weckte dann aber doch geschlechtsspezifische Vorfreude. Wie auch im morgendlichen Halbschlaf die Mode der Frau beurteilen zu können.

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Sloterdijk – umkehren und weitertreiben

Ein wiederholter, expliziter Hinweis auf die Vorlesung von Peter Sloterdijk in der Schweiz. Ich glaube hier steckt viel drin: Die Unwahrscheinlichkeitsprämissen, die unvorhersehbare Kometenereignisse (Gefahr) ausschließen und die Gesellschaft ganz auf sich selbst zurückwerfen (Risiko); Immunitätsüberlegungen, die im Grunde eine Kommunikationstheorie mit verkehrtem Vorzeichen sind, aber genau darauf abzielen, worauf es heute ankommt: Wie kommt Ordnung in eine Gesellschaft, die kaum noch kommunikative Hürden zu bewältigen hat; und Drittens die Frage nach der Mechanik der sozialen Wirklichkeit, gipfelnd in der Frage nach den Juristen unter den Menschen, die etwas tun, damit andere etwas lassen, die Zeit nicht irreversibel sein lassen und durch Limitierungen mehr ermöglichen. Dass Peter Sloterdijk sich hier Luhmanns Gesellschaftstheorie über das Nadelöhr der Überlegung „Das Rechtssystem als Immunsystem der Gesellschaft“ (siehe: Du musst dein Leben ändern) aufschlüsselt, kann auch noch eine ganz andere Frage beantworten: Was kann man als nächstes mit der Systemtheorie machen? Sloterdijk scheint zu sagen: Umkehren und Popularisieren, ohne Rücksicht auf die wissenschaftliche Bürokratie, die sich mit Aberkennungen wissenschaftlicher Leistungen vor sich selbst schützen und vergewissern will…

Wir sind alle noch viel mehr wert

Warum wird ein erfolgreiches Geschäft eigentlich als „Abschluss“ bezeichnet? Es kann doch der Beginn einer langen Beziehung sein. Diese Frage stellte sich Amazon, als es Andreas Weigend beauftragte, mit einem Team den „Kunden-kauften-auch“-Algorithmus zu entwickeln. Jeder Abschluss war fortan ein Anfang. Zufriedene Kunden gaben Amazon recht und die Firma dachte weiter. Heute fragt sich Amazon, ob Kunden nicht auch Produkte sein können. Aus der Idee, Menschen zu verkaufen, hat Google immerhin ein noch größeres Geschäft gemacht als Amazon mit dem Absatz von Waren. Amazon schweigt, doch die Strategie ist erkennbar. 500 Millionen Dollar Umsatz mit Kundendaten, das ist nur der Anfang.

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Des Soziologen guter Freund, der Taxifahrer

Jetzt, da ich gerade diesen nichtssagenden Text lese, muss ich an zwei Dinge denken, die jeden Bielefelder Soziologiestudenten betreffen – oder besser: plagen. Denn wo immer man auf Menschen trifft, die den Anforderungen gemütlicher Geselligkeit nicht gewachsen sind und das Thema Wetter schon hinter sich haben, kommt man darauf zu sprechen: (1) Bielefeld gibt’s doch gar nicht und (2) Was willst du nach dem Studium machen? Taxifahren in einer Stadt, die es nicht gibt? Hahaha.

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Weiterleitung: Aufruf zur Reflektion

Man darf Soziologen vorwerfen, dass sie sich am liebsten mit sich selbst beschäftigen und im Gespräch immer recht schnell zurück auf die Soziologie kommen, obwohl sie sich damit brüsten, über Gott und die Welt aussagen zu können. Aber diese Vorwürfe sind weder berechtigte Vorhaltungen noch korrekte Beobachtungen. Es ist schlicht die soziologische Praxis von dem, was in der übrigen Praxis passiert: Die absichernde Beschäftigung mit sich selbst unter der Bedingung geringer aber folgenreicher Sensibilität für alles andere.

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Männer denken zu viel, Frauen träumen zu viel

Man kann es immer übertreiben, gerade in der Liebe.

Na gut, nehmen wir einmal an, sie hat hiermit recht: Die ‚neuen Männer‘ sind rücksichtsvoll verlegen, mutlos und durch ständiges Denken in ihren Taten gehemmt. Was wäre die Konsequenz? Soll man es als Plädoyer lesen, als Mann (wieder?) tatkräftig, undurchdacht und fordernd mit Frauen umzugehen?

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Wünsche, Wille und Vorstellungen

Kinder lernen erst spät, sich physisch von ihrer Mutter zu unterscheiden. Doch was lernen sie dabei?

In einer meiner ersten Uni-Veranstaltungen, erstes oder zweites Semester, in einem Sozialpsychologieseminar, hatten wir mit der Dozentin festgestellt, dass es im Grunde keinen Altruismus gibt, weil sich jedes derartige Verhalten auf Egoismus zurückführen lässt. Glücklicherweise war das ein Ausflug in ein fremdes Fach, mein Studium war das der Soziologie. Obwohl ich, um den familiären Fragen auszuweichen, lange behauptet hatte, ich „studiere im Grunde nur Quatsch“, wusste ich ab diesem Seminar, dass ich gerade keinen Quatsch studiere und dass ein Merkmal dafür die Einsicht war, dass es auf gute Fragen eben nicht zwingend gute Antworten gibt. Wer seitdem Obiges (oder Ähnliches) behauptet, wird mit Skepsis beobachtet. Nicht, weil es inhaltlich falsch sein kann, sondern weil schon das Behaupten als solches falsch ist. Altruismus ist einer dieser Begriffe, der zwar pragmatisch benutzt werden kann, der aber keiner inhaltlichen Überprüfung standhält. Wir wissen nicht, was er sagt; wir können es uns nur immer wieder neu fragen.

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Wenn Terror keinen Schrecken verbreitet

Malte Welding findet gute Worte:

„Man muss sich das einen Moment vorstellen: Der Vater, der Mann, der Bruder, der Freund wird ermordet. Und dann gibt es niemanden, der das getan hat.

(…)

So wurde das Leiden privatisiert, das Leben ging weiter.Terror braucht Presse. Jetzt, da sie da ist, werden wir was erleben.“

http://www.malte-welding.com/2011/11/13/wenn-terror-keinen-schrecken-verbreitet/