Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung


Archiv für Juli, 2011

Hard cases make bad laws

Von: , 29.07.2011

Über die Wohlfahrtskosten und -gewinne von Absicherungen

Ein Übermaß an Absicherungen – nicht nur gegen Finanztsunamis – schmälert auf Dauer den Wohlstand, ließ Alan Greenspan, einstiger Fed-Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve, am Mittwoch im Kommentar der Financial Times Deutschland verlauten. Dass sich prominente Wirtschaftswissenschaftler über eine zu hohe staatliche Regulierung der Märkte beklagen, wäre im Osten nichts Neues. Aber geht sein Plädoyer nicht auch über die gebetsmühlenartige Bürokratiekritik liberaler Lager hinaus? Ja und Nein lässt sich antworten.

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Resonanz & Widerstände

Von: , 28.07.2011

Die Uni Bielefeld hat ihren eigenen Humor.

Als wir vor etwas mehr als drei Jahren hier angefangen haben, war die Idee ziemlich einfach. Wir wollten die Diskussionen aus unseren Uniseminaren konservieren und fortführen. Tatsächlich umgesetzt haben wir dann aber die noch viel einfachere Idee: Jeder schreibt einfach wann und was ihm beliebt. Das, was in Uniseminaren nicht geht und wofür man auch die ganze Härte eines Bielefelder Soziologiekolloquiums kassiert, hat sich als zentrale sozialtheoristische Idee herausgeschält: Beliebigkeitssoziologie. Oder wie Klaus Kusanowsky es neuerdings in anderem Kontext nennt: Assoziologie (es geht ums Assoziieren, nicht um Asozialität). Die Definition dessen ist recht einfach. Es geht darum, ein tagesaktuelles oder anders interessantes einzelnes, empirisches Phänomen, meistens eins das bereits massenmedial beobachtet wird, zu nehmen und es mit soziologischer Theorie zu konfrontieren. Eine Voraussetzung dafür ist die gründliche Theorieauslegung, doch genau das sollte nicht gleich übertrieben werden. Zumindest fehlten in meinen Texten immer die Quellenverweise und absoluten theoretischen Rückversicherungen. Denn zentral stand ein ganz anderes Anliegen: das Argumentieren einer Perspektive, die durch den Text allein anschlussfähig ist. Auch wenn es sich anders liest, genau dieses lockere Herunterschreiben, bei dem man sich an Lektüre erinnert, aber nicht zur Suche nach Seitenzahlen verpflichtet ist, stellte sich letztlich als extrem entspannend heraus. Zumindest kann ich sagen, das Füllen dieser Internetseite hat mir immer mehr Spaß gemacht. Ich würde fast sagen, am Ende ging es nur noch um die Freude – auch wenn die Themen anderes zeigen.

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Was weiß Google schon?

Von: , 22.07.2011

In der Zeitung nachgucken, was später im TV kommt. Ziemlich oldstylisch...

Was weiß Google schon? Das ist die Frage, um die sich vieles dreht. Es ist keine akute Tagesaktualität, sondern die ‚prognostizierende Historisierung‘ die immer mal wieder aufflammt. Hier zum Beispiel. Diese Diskussion ist beinah nur gut zu finden. Sie war internetuntypisch diszipliniert, als hätten sich alle Beteiligten im Kolloquium getroffen. Jeder hatte die Textgrundlage gelesen, gute Argumente konnten zünden und selbst Michael Seemann ist durch einen durchdachten & pointierten Beitrag aufgefallen (gilt nicht für den, den er danach verlinkte.) Und, und das ist besonders hervorzuheben, es wurde über Problemstellungen diskutiert.

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Zwei Portionen Kulturoptimismus

Von: , 20.07.2011

Maschinen helfen nur bei bekannten Problemen

Die Überlegungen zum „Kulturpessimismus“ (hier sollte eigentlich auf einen Text von Kathrin Passig verlinkt werden, der Merkur hat ihn aber depubliziert) bekamen für mich die letzten Wochen neue Attraktivität, seit ich gelesen habe, wie deutsch dieses Phänomen ist. Ängste und Vorbehalte werden der deutschen Kultur ja in vielen Bereichen unterstellt, doch hier scheint es noch besonderer zu sein. Immerhin gibt es New Yorker Autoren, die ganze Bücher zu ihrem kulturpessimistischen Erleben schreiben und dann von einer deutschen Zeitung per Interviewfrage erfahren, dass es dazu im alten Europa bereits eine in Jahrhunderten kondensierte Geisteshaltung gibt. Die Begeisterung darüber ist dann, zumindest in dem Einzelfall, so groß, dass der Titel „Kulturpessimist“ direkt mit auf den Grabstein soll. In Amerika beginnt man, sich Gedanken zu machen. Was Manufakturen, Maschinen und Metropolen nicht schafften, erledigt jetzt die Computerisierung: gesellschaftliche Debatten zu „Moral Panic“.

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Gut & Richtig

Von: , 16.07.2011

Die letzten Monate hat sich nicht nur hier ein tragendes Thema herauskristallisiert. Bei mir war es das durch Werturteile dominierte „Privatmeinungsinternet“, bei Klaus Kusanowsky ist es die „Trollforschung“ Erforschung der “Trollkommunikation”. Ich habe meine private Meinung dazu etwas klarer geäußert, kusanowsky blieb diszipliniert beobachtend & diagnostizierend. Sascha Lobo wurde hin und wieder erwähnt. Er zeigte in seinem re:publica Vortrag und vereinzelten Texten Sensibilität für das hinter dem Thema steckende Problem. Sozusagen ergänzend kommen bei ihm Appelle und Therapieansätze vor.

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Nach was sucht Google eigentlich?

Von: , 14.07.2011

Es folgen wenige Erklärungen, ein paar Verwunderungen, einige Fragen, alles in der Absicht zu verstehen, warum sich nichts verstehen lässt, obwohl es das Ziel sein muss. Alles so wirr erzählt, wie es der Gesellschaft angemessen ist.

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Weltzustand 2011

Von:

Quelle

Institutionalisierte Organisationsexile

Von: , 10.07.2011

Ungestörte Lage für effektive Führungskräftetrainings

Mein soziologisches Selbstgespräch über journalistische Selbstgespräche hat, immerhin, zu zwei explizierten Kommentierungen geführt. Beide verweisen, neben inhaltlichen Anmerkungen, auf Verständnisschwierigkeiten. Daher gehe ich dem Problem noch einmal nach. Mit folgender Frage/Antwort-Problemstellung: Was haben Enquetekommissionen, Führungskräfte-Coachings und manche Journalisten-Konferenz (und weitere auffindbare Einrichtungen) gemeinsam? Sie stellen institutionalisierte Exile dar und versuchen Probleme von Organisationen außerhalb von Organisationen zu lösen. Aus bestimmten soziologischen Perspektiven sind solche Lösungen wie folgt zu beschreiben: praktisch aber falsch.

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Scheitern von Interaktion

Von: , 09.07.2011

Constanze Kurz schreibt hier über das Scheitern der letzten Sitzung der “Internet und digitale Gesellschaft”-Enquête-Kommission des Bundestags. Der thematische Sachverstand, die individuellen Ziele und die politische Entscheidungslogik haben sich blockiert. Das hat für viel Wirbel gesorgt, weil das Scheitern von unbeteiligten Beobachtern sofort Personen zugerechnet wurde und so viel persönliche Enttäuschung hervor rief.

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Journalistische Selbstgespräche

Von: , 08.07.2011

Zuletzt verfielen einige Journalisten in Meditation und dachten über sich und ihre berufliche Tätigkeit nach. In Leipzig hat die Privatschule einen Kongress veranstaltet und in Erfurt fand eine Diskussion statt. Von diesen Veranstaltungen wird an verschiedenen Stellen berichtet.

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“Put your best shirt on, baby”

Von: , 06.07.2011

Man könnte jetzt darüber nachdenken, dass man 1972 dachte, man muss im Jahr 2000 immernoch die Probleme von 1972 lösen. Oder, man könnte sich wundern, dass Probleme in den letzten 40 Jahren kaum gelöst, sondern vielfach vergessen und verdrängt wurden. Oder, man könnte einfach darüber lachen. Nicht über den Film, sondern über uns, die wir heute das Internet mit Prognosen und Plädoyers darüber vollschreiben, dass Google+ jetzt endlich die Twitterstarre löst, Facebook wegrevolutioniert und uns morgen die verdiente Lebensfreude bringt – als ob das morgen unser Problem wäre. Oder, man könnte sich fragen: Ist nicht die grüne Wiese im Sommer noch immer das größte soziale Medium? In Jena heißt der Park zurecht Paradies, seit ewig, für ewig. Da trifft man sich nicht, um darüber zu reden, ob die Wiese morgen grüner sein wird oder wie man sie grüner bekäme… Ich finde das ziemlich gut, auch wenn es um ein vielfaches zu sachte formuliert ist.

Solidarische Entsolidarisierung

Von: , 05.07.2011

In der heutigen F.A.Z. ist im Wirtschaftsteil ein kleiner Text („Eine Frage der Ehre am Golf“, S. 10) versteckt, der in den arabischen Ländern eine „geistige Revolution“ beobachtet: „Auch in den Golf-Staaten nimmt die Komplexität des Wirtschaftens zu, und eine Vielzahl neuer gesetzlicher Regelungen, sei es zum Kapitalmarkt oder zum Konkursrecht, wird dieser Komplexität gerecht.“ Das Recht gewinnt an Bedeutung und löst andere Mechanismen der (wirtschaftlichen, herrschaftlichen) Verhaltensorientierung ab: „Gerade die „Arabellion“ und die Umwälzungen in der arabischen Welt zeigen, dass sich die Jugend nicht länger dem Begriffspaar „Macht/Furcht“ fügen will.“

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Was es kann und was wir wollen #Hangout

Von: , 03.07.2011

Diese ganzen Social-Media-Hypes sind ja eigentlich nur was für Spielkinder, die sich schon immer für magische Maschinen interessiert haben. Wer sich heute mit finanzieller Hilfe bei Ebay um eine Google-Plus-Einladung bewirbt und das Glück hat, dies nicht aus beruflichen Gründen tun zu ‚müssen‘, folgt mit hoher Wahrscheinlichkeit einem lebensbestimmenden Muster. Chronologisch rückwärts hat man sich mit ähnlicher persönlicher Inbrunst und finanzieller Hingabe um die Anschaffung digitaler, elektronischer und mechanischer Maschinen gekümmert. Alle 5 – 20 Jahre änderte sich die Spezies der Maschine, die Neugier bleibt dieselbe.

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