Systemtheoretische Perspektiven auf Organisationen

Luhmanns bekannte und unbekannte Schriften zur Organisation

Um seine Theorietechnik deutlich zu machen, hat Niklas Luhmann sehr stark auf Metaphern des Bauens zurückgegriffen. Es wimmelte in seinen Artikeln, darauf hat zuletzt Ernst Lukas aufmerksam gemacht, nur so von Vokabeln, wie „Aufbau“, „Einbau“, „Unterbau“ oder „Umbau“. Sie kämen in immer neuen Kombinationen vor – etwa „Systemaufbau“, „Selbstaufbau“ und „Komplexitätsaufbau“. Die Theorie sei „aus Bausteinen zusammengesetzt“ und man erfahre etwas über „Theoriearchitektur“ und „Theoriebautechnik“ (so Lukas 2021, S. 197). Es ist die Rede von „Dunkelkammern“, in denen man „erst nach längerer Eingewöhnung etwas sieht“, von Orten, „an dem der Theoretiker seine inneren Erfolge“ haben und „sich in seiner Konstruktion sicher fühlen kann“. Es ist die Rede von „Scheintüren, an denen man sich vergebens abmüht“ sowie richtigen „Türen, die sofort wieder nach draußen führen“ (so schon Soentgen 1992, S. 456 mit Verweis auf Luhmann 1969, S. 142).

Beim Blick auf die frühen organisationssoziologischen Schriften Luhmanns kann man besonders in seinen kleineren, auf Verwaltungen fokussierenden Schriften, die unter anderem in Büchern wie „Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung“ (Luhmann 1966a), „Theorie der Verwaltungswissenschaft“ (Luhmann 1966b) und dem gerade posthum erschienenen „Grenzen der Verwaltung“ (Luhmann 2021) mündeten, noch tastende Versuche mit einzelnen Theoriebautechniken erkennen. Aber spätestens bei der Lektüre der auf Organisationen insgesamt gerichteten Büchern „Funktionen und Folgen formaler Organisation“ (Luhmann 1964a) sowie „Zweckbegriff und Systemrationalität“ (Luhmann 1968) wird deutlich, dass es ihm früh schon um ein umfassendes Theoriegebäude ging. Sein Theoriegebäude hat Luhmann über eine Reihe von Artikeln, Buchkapiteln, Vorträgen und Rezensionen vorbereitet und weiterentwickelt, um dann mit seinem kurz nach seinem Tod erschienenen Buch über „Organisation und Entscheidung“ (Luhmann 2000b) noch eine Reihe von Umbauten seiner Organisationstheorietheorie zu präsentieren. Die Vielzahl an Luhmanns Publikationen und Präsentationen, die parallel zu seinen Büchern erschienen sind, sind jetzt von Ernst Lukas und Veronika Tacke in einer sechsbändigen Reihe mit Luhmanns „Schriften zur Organisation“ zusammengetragen worden.

Die Publikationsstrategie der Herausgeber unterscheidet sich von der Veröffentlichung anderen Arbeiten Luhmanns, die nach seinem Tod veröffentlicht wurden (siehe nur beispielsweise Luhmann 2000a; Luhmann 2002 oder Luhmann 2017). Während es sich bei den meisten posthum veröffentlichen Büchern und Artikeln um Texte handelt, die lediglich in einem kleinen Kreis von Systemtheoretikern als faksimilierte Kopien zirkulierten und erstmals durch die Veröffentlichung einer breiten Leserschaft zugänglich gemacht wurden, werden in den sechs Bändern der „Schriften zur Organisation“ Beiträge zusammengetragen, die zum überwiegenden Teil in publizierter Form gut zugänglich sind und nur wenig neues bieten. Vieles aus den „Schriften zur Organisation“ ist deswegen bereits vertraut, während nur weniges weitgehend unbekannt ist. Zu letzterem gehören bisher nur als Manuskript zugängliche längere Texte, etwa über das Amt als Rollenkonzept in der Politik (Luhmann 2018d), über die Mitbestimmung von Arbeitern (Luhmann 2018e), über die Rolle von Organisationen in der industriellen Gesellschaft (Luhmann 2019b), über die Organisation des Erziehungssystems (Luhmann 2019f) oder über die Reform des öffentlichen Dienstes (Luhmann 2020a). Darüber hinaus kommen eine Anzahl kürzerer, bisher nicht veröffentlichter Vorträge, Rezensionen, Lehrveranstaltungen und Lexikonartikel hinzu.

1.    Konstruktionspläne

Die komplexe Anlage seiner Theoriearchitektur macht es schwierig, ein geeignetes „Ordnungsschemata“ für weit über hundertvierzig Beiträge zu finden, die Niklas Luhmann in über vierzig Jahren zu Papier gebracht hat – von seinem nie publizierten Promotionsversuch über „Die Organisation beratender Staatsorgane“ von 1956 (Luhmann 1956) bis zu seinem 1997 fertig gestellten organisationssoziologischen Spätwerk (Luhmann 2000c). Die Herausgeber von Luhmanns „Schriften zur Organisation“ versuchen daher, „sachlich theoriesystematische mit historischen Gesichtspunkten zu kombinieren“ (Lukas und Tacke 2019, S. 492). Der erste Band umfasst vorwiegend die frühen Schriften von Luhmann zur Organisation, in der besonders sein anfänglich an der Verwaltungswissenschaft orientierter Zugriff deutlich wird und eine Reihe der empirienahen Texte zu Organisationen wie der „neue Chef“ (Luhmann 1962; dann Luhmann 2016 und Luhmann 2018a), das „Lob der Routine“ (Luhmann 1964b; dann Luhmann 1971b und Luhmann 2018c) oder die „Vordringlichkeit des Befristeten“ (Luhmann 1971a; dann Luhmann 2018b) entstanden sind. Der zweite Band konzentriert sich auf seine Überlegungen zur Differenz von Interaktion, Organisation und Gesellschaft, zur Bedeutung von Entscheidungen in Organisationen, aber auch auf die Bedeutung von Organisationen in der modernen Gesellschaft, die Luhmann in späteren Texten beschäftigt hat. Der dritte Band greift dann Luhmanns Leitmotiv der funktionalen Differenzierung auf und trägt Beiträge zu Kirchen, Schulen, Unternehmen oder Gerichten zusammen. Die zentralen Aufsätze zu Verwaltungen finden sich – abweichend von dem Schema – auf die Bände eins, vier und fünf verteilt. Im vierten Band werden unter dem Begriff „Reform und Beratung“ die Texte zu Debatten außerhalb der Wissenschaft zusammengetragen, zu der Luhmann „als ‚Experte‘ für das Thema Organisation angesprochen wurde“ (Lukas und Tacke 2020, S. 535). Der mit Abstand interessanteste – denn am stärksten auf unpublizierten Manuskripten basierende – Band ist der fünfte, in dem eine Vielzahl von bisher unbekannten Lehrveranstaltungsskripten, Vorträgen, Lexikabeiträgen und Rezensionen zusammengetragen werden.[1] Im sechsten Band sollen sich dann Bemerkungen zu nicht aufgenommenen Texten, ein Lebenslauf Luhmanns, ein chronologisches Verzeichnis aller Schriften Luhmanns zur Organisation sowie die von Luhmann zitierte Literatur finden lassen.

Wenn man sich durch das umfangreiche und vielfältige Material durchwühlt, fällt auf, dass man mindestens drei alternative Auswertungsformen hätte sehen können. Eine erste Möglichkeit wäre es gewesen, die Sammelbände auf einen mit bisher nicht veröffentlichten längeren Texten und einen auf die unpublizierten Vorträge, Lexikabeiträge und Rezensionen zu konzentrieren, um nicht noch eine weitere Zitiervariante für bereits mehrfach publizierte und gut zugänglicher Texte zu produzieren.[2] Eine anderer Strategie hätte darin bestehen können, die publizierten und nicht publizierten englischsprachige Texte zusammenzutragen, um die sich verstärkende englischsprachige Rezeption Luhmanns zu unterstützen.[3] Eine weitere Variante hätte darin bestehen können, den Vollständigkeitsanspruch aufzugeben, um thematisch stärker fokussierte und ausführlich eingeleitete kleinere sowie billigere Bände herauszugeben – einerseits zu spezifischen Themen wie Automation, Interaktion und Entscheidung, andererseits zu von Luhmann prominent behandelten Organisationstypen wie Verwaltungen, Schulen und Universitäten.[4]

Aber die Diskussion, ob eine andere Anlage der Texte sinnvoller gewesen wäre, ist müßig. Egal, welche Rahmung gewählt worden wäre, die Herausgeber hätten sich immer mit der Kritik konfrontiert gesehen, dass andere Ordnungsschemata geeigneter gewesen wären. Mit Luhmann gesprochen handelt es sich bei der Anordnung seiner Texte um das klassische Entscheidungsparadox, in der jede Entscheidung eine mehr oder minder willkürliche Engführung in einer faktisch nicht entscheidbaren Situation darstellt. Die Möglichkeit anderer Ordnungsschemata ist jedoch unproblematisch, weil aufgrund des Vollständigkeitsanspruches der Herausgeber jede Leserin und jeder Leser die Chance hat, eigene Wege zwischen den Büchern, Artikeln, Vorträgen und Rezensionen zu finden. Drei mögliche Wege sollen hier in aller Kürze angedeutet werden.

Systemtheoretische Zugänge zu Organisationen

Ein erster – bei einer chronologischen Ordnung der Texte naheliegender – Weg durch das Luhmannsche Theoriegebäude besteht darin, die theoretische Umbauten systematisch ins Blickfeld zu nehmen. Früh betrachtete Luhmann Organisationen als nur einen möglichen Typus von sozialen Systemen. Wie auch „Familien, Märkte oder Cocktailparties“ seien – so Luhmann in einem seiner Vorträge aus den späten 1960er Jahre – auch Organisationen dadurch gekennzeichnet, dass sie sich als ein „Sinnzusammenhang von Handlungen verschiedener Subjekte“) gegenüber einer Umwelt abgrenzen lassen (Luhmann 2022e, S. 133).

Organisationen unterscheiden sich von allen anderen Systemen jedoch dadurch – und dieser Gedanke ist für Luhmann über die gesamte Zeit seiner Auseinandersetzung mit Organisationen zentral –, dass sie „die Mitgliedschaft an die Anerkennung bestimmter, meist ausdrücklich fixierter Verhaltenserwartungen binden“ können. Durch die „Formulierung von Verhaltenserwartungen als Mitgliedschaftsbedingung“ können Organisationen überhaupt erst stabilisiert werden (Luhmann 2022e, S. 134). Deutlicher als in seinen bisher publizierten Texten macht Luhmann dabei in seinen Vorträgen deutlich, dass sich aus der Möglichkeit, die Mitgliedschaft an die Erfüllung von Verhaltenserwartungen zu binden, eine „Überlegenheit organisierter Systeme“ gegenüber anderen Systemen ableiten lässt. Luhmann selbst gesteht dabei zu, dass sein „theoretischer Ansatz“ – jedenfalls in dieser frühen Fassung – „eine Präferenz für Organisation hat“ (Luhmann 2022e, S. 135).

Systeme grenzen sich dabei – im Sinne des anfänglichen systemtheoretischen Grundsatzes, Referenzen auf Akteure zu beziehen – von ihrer Umwelt ab und erlangen dadurch als „Sinnzusammenhang von Handlungen verschiedener Subjekte“ Autonomie. Autonomie heißt für Luhmann „nicht Willkür“, „schon gar nicht persönlich motivierte Willkür der Systemmitglieder“. Stattdessen geht es ihm darum, dass „die Aktionen der Umwelt nicht ungebrochen und rein kausalgesetzlich in das System hineinwirken, sondern an den Systemgrenzen gefiltert werden, selektiven, transformierenden, abstrahierenden Bearbeitungen unterworfen werden“. In diesem Sinne sind für Luhmann alle Organisationen „Systeme der Informationsverarbeitung, die ihre Selbständigkeit dadurch gewinnen und erhalten, daß sie Umweltinformationen nach eigenen Programmen behandeln“ (Luhmann 1966a, 35f.).

Deutlich wird die frühe Abgrenzung Luhmanns von den damals populären zweckrationalen Ansätzen in der Organisationsforschung. Es genüge für eine Organisationstheorie nicht, so Luhmann, „einfach auf die Verwirklichung bestimmter Zwecke hinzuweisen“. Zwecke mögen „der Grund sein, aus dem man Organisationen einrichtet“, aber die „Kenntnisse des Zwecks“ genüge nicht, „um Organisationen zu begreifen. Der Zweck sei, so Luhmann prägnant, „noch keine Theorie der Organisation“ (Luhmann 2022c, S. 118). Schon hier wird eine frühe, dann konsequent durchgehaltene Skepsis gegen Steuerungsvorstellungen in Organisationen zur Schau gestellt. In den klassischen Steuerungsvorstellungen ginge es letztlich immer darum, ein Ziel zu setzen, und dann mit der „Realität an dieses Ziel“ zu rücken. Spannender sei aber die Frage, „welche Differenz man überhaupt vermindern kann“ und „in welchem Umfang ein System nicht auch auf der Vergrößerung oder dem Stabilhalten von Differenzen beruht“ (Luhmann 2020c, S. 461).

Ideengeschichtlich ist interessant, wie stark Luhmann seine allgemeine Systemtheorie am Beispiel von Organisationen – besonders von Verwaltungen – entwickelt. Für ihn sind die „Grundbegriffe einer systemtheoretischen Verwaltungswissenschaft“, das wird in seinem Buch zu den „Grenzen der Verwaltung“ deutlich, auch diejenigen, an denen er – wenn auch teilweise in veränderter Form – in seiner allgemeinen Systemtheorie festhält: System, Entscheidung, Erwartung und Funktion (Luhmann 2021, S. 40). Schon in den späten sechziger Jahren fängt er dann an, systematisch die zentralen Begriffe Systeme, Erwartungen sowie Funktionen aus einer organisationssoziologischen Engführung herauszulösen und sie für unterschiedliche Systemtypen fruchtbar zu machen. Seine kurze Arbeit über Interaktionen, Organisationen und Gesellschaft als „Anwendungen der Systemtheorie“ sind Ausdruck davon (siehe Luhmann 1975b; Wiederabdruck als Luhmann 2019d; siehe posthum Luhmann 2015 und neu als Luhmann 2019c).[5]

Nahezu exklusiv reserviert für Organisationen von den eben genannten und früh entwickelten Zentralbegriffen ist der Terminus der „Entscheidung“. Schon in seinen frühen organisationssoziologischen Arbeiten wird die Zentralität des Entscheidungsbegriffs deutlich. Die Fähigkeit von Organisationen, Entscheidungen zu treffen und ihre Mitglieder an Entscheidungsprämissen zu binden, basierte bereits in den frühen Formulierungen Luhmann an der „Anerkennung bestimmter, zumeist ausdrücklich fixierter Verhaltenserwartungen“ der Mitglieder durch ihre Eintrittsentscheidung (Luhmann 2022c, S. 118). Aber nach der durch sein Buch „Soziale Systeme“ (Luhmann 1984) markierten autopoietischen Wende werden die Überlegungen, Organisationen als Systeme zu bestimmen, „die aus Entscheidungen bestehen und die Entscheidungen, aus denen sie bestehen, durch die Entscheidungen, aus denen sie selbst bestehen, selbst anfertigen“, noch einmal radikalisiert (Luhmann 1988, S. 166; im Wiederabdruck Luhmann 2019e, S. 336).

Auseinandersetzung mit anderen theoretischen Ausrichtungen

Bei der Betrachtung einer Theoriearchitektur kann man den Blick darauf richten, auf welche Stilelemente anderer Theorien zurückgegriffen werden und welche implizit oder explizit verworfen werden. Luhmanns Hauptwerke über Organisationen sind – gerade im Vergleich zu den Grundlagenwerken anderer Organisationstheorien – dadurch gekennzeichnet, dass Auseinandersetzungen mit anderen Organisationstheorien eher en passant geführt werden.[6] Insofern sind seine bisher unbekannten Lehrveranstaltungen, Vorträge und Rezensionen interessant, weil sie ermöglichen, Luhmanns Perspektiven auf andere Organisationstheorien systematischer herauszuarbeiten.

Die Kontingenztheorie war sicherlich die Theorie, die in dem Zeitraum, als Luhmann seine Organisationstheorie entwickelt hat, die größte Bedeutung hatte. Deren Grundannahme ist, dass abhängig von jeder Umweltsituation eine optimale Organisationsstruktur existiert (so schon der Verdacht bei Luhmann 1964a, S. 151). Die lediglich modifizierte zweckrationale Perspektive dieser Organisationstheorie konnte aufgrund ihrer Vereinfachungen einen Systemtheoretiker nicht befriedigen, ja verdiente aufgrund ihrer „trivialen Einsicht“ nicht einmal die Bezeichnung als Theorie (Luhmann 2000b, S. 363). Aber man erkennt bei Luhmann zumindest anfangs eine gewisses Interesse, wenn er – mit Verweis auf Tom Burns und George Stalker (1961) – auf die seiner Meinung nach relevanten Fragen eingeht, ob sich Organisationen eine „Spezifikation ihrer Zwecke“ oder „eine straffe Zentralisierung leisten“ können und welche „Motivationsstruktur“ für sie am geeignetsten sei (Luhmann 2022c, S. 123). Letztlich würde aber, so die Einschätzung Luhmanns, die „Komplexität“ der Organisationssysteme selbst nicht zuletzt aufgrund quantitativer Erhebungsinstrumente „unterschätzt“ werden (Luhmann 2000b, S. 34).

Besonders intensiv setzte sich Luhmann nicht nur in seinen frühen Büchern, sondern auch in zwei Rezensionen mit der auf Michel Crozier zurückgehenden strategischen Organisationsanalyse auseinander (Luhmann 2022k und Luhmann 2022j). Grundlegend sind in diesem besonders in Frankreich immer noch vertreten Ansatz, dass „Mitglieder einer Organisation ihr Verhalten strategisch rationalisieren, also keineswegs passive, pflegebedürftige Opfer der Organisation, sondern rational handelnde Teilnehmer sind“. Das Organisationsmitglied erscheint in dieser Theorie „nicht mehr als emotional-widerstrebend, aber Verfügungskünsten erliegend, sondern als rationaler Taktiker, der gewisse Gegebenheiten akzeptiert, um in ihrem Rahmen das Bestmögliche zu erreichen“ (Luhmann 2022k, 404ff). Luhmann hat für diese Sichtweise Sympathie und schreibt selbst an einer anderen Stelle, der „Mensch“ in Organisationen sei „ein rational Taktiker der Darstellung, ein Zentrum eigener Verhaltensstrategien“ (Luhmann 2022m, S. 84).[7] In Luhmanns Auffassung stellt Michel Crozier jedoch das Konzept der Macht in seiner Organisationsanalyse zu zentral, in dem es in einer „eigenartigen Fassung“ als „Fähigkeit zur Entscheidung im Unsicheren“ verstanden wird. Dass ein „Zusammenhang zwischen Unsicherheitsabsorption und Macht besteht“, wird zwar von ihm nicht bestritten, aber seiner Auffassung nach erklärt die „Unsicherheitsabsorption nicht die Machtchance, sondern setzt sie voraus“ (Luhmann 2022k, 404ff).[8]

Interessant sind auch die Auseinandersetzungen Niklas Luhmanns mit den gerade in der englischsprachigen Organisationswissenschaft wichtigen institutionenökonomischen Ansätzen. In einer Rezension zur „Neuen Politischen Ökonomie“, die überraschenderweise in den „Schriften zur Organisation“ fehlt, beschreibt er als „treibendes Motiv“ dieser „individualistische[n], nutzentheoretische[n] oder vertragstheoretische[n] Analysen“ den Versuch, eine „ökonomische Betrachtungsweise unter Gesichtspunkten wie Präferenzen, Wahlmöglichkeiten, Kosten, Gewinnen und Verlusten“ auf „nichtökomische Gebiete[]“ auszuweiten (Luhmann 1985, S. 115).[9] Für Luhmann ist diese Perspektive am ergiebigsten, wenn es um „Forschungen geht, die die Konsequenzen individuellen Ausweichverhaltens zu ermitteln suchen“. Die „Kontingenz von unten“ – die Wahl, ob man „eine Norm befolgen oder übertreten“ will – hätte „Effekte auf Strukturen“, die nicht unbedingt den Träumen von einigen Soziologen von „einer anderen Gesellschaft“ entsprächen (Luhmann 1985, S. 119). Nichtsdestotrotz wird insgesamt deutlich, dass Luhmann der Erklärungskraft der institutionenökonomischen Ansätze insgesamt für äußerst begrenzt hält. Die Analysen seien durchweg so gebaut, dass nur wenige Variablen ins Blickfeld genommen werden, sodass sie für statistische Analysen zugänglich seien. Aber – so die weitergehende Kritik von Luhmann – man würde den Eigenarten sozialer Systeme nicht gerecht werden, wenn man sie in einzelne Variablen zerlegt, um ihnen durch statistische Methoden „Erkenntnisse abzugewinnen versucht“ (Luhmann 1985, S. 118).[10]

Auffällig ist, wie wenig Bezug Luhmann auf den in der Organisationssoziologie eine Zeit lang einflussreichen Neoinstitutionalismus nimmt. Man erkennt, dass er den Erkenntnisgewinn in der Auseinandersetzung mit dem Neoinstitutionalismus als ein „Ein-Thesen-Ansatz“ für begrenzt hielt. Er erklärt den zeitweisen Erfolg der institutionellen Ansätze damit, dass nach der Kritik an der Kontingenztheorie wegen einem „Fehlen gesellschaftstheoretischer Reflexion“ Ansätze gefragt waren, die „kulturelle Übereinstimmung zwischen Organisationen und ihrer gesellschaftlichen Umwelt“ herausarbeiteten. In einer Art „Pendelbewegung“, in der in der Kontingenztheorie zuerst das „disembedding“ betont wurde, werde im Neoinstitutionalismus jetzt in einer simplen Gedankenfortführung lediglich wieder die „embeddedness“ akzentuiert. Letztlich sei dieser Ansatz allerdings, so die Einschätzung Luhmanns, aufgrund unklarer Begriffe ein „Desiderat“ geblieben, das nicht als eine neue „Theorie“ angesehen werden könne (Luhmann 2000b, 35f.).[11]

Den stärksten Einfluss auf Luhmanns Organisationstheorie hatte sicherlich die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie. Der Grund dafür ist, dass der von Chester Barnard, Herbert A. Simon, James G. March, Johan P. Olsen und Michael D. Cohen herausgearbeitete Entscheidungsbegriff (siehe nur beispielhaft Barnard 1938; Simon 1957; March und Simon 1958; Cohen und March 1974; Cohen et al. 1972; March und Olsen 1975; March 1978) gut an Luhmanns Verständnis von Organisationen anschlussfähig gewesen ist. Auch Überlegungen von Nils Brunsson, die stark in der Tradition der verhaltenswissenschaftlichen Entscheidungstheorie stehen (siehe nur bespielhaft Brunsson 1982 Brunsson 1985; ), sind für Luhmann immer dann interessant, wenn er die Abweichung von klassischen Rationalitätsvorstellungen konstatiert. Je stärker sich die genannten Vertreter jedoch durch institutionalistische Ansätzen verführen ließen (z.B. March und Olsen 1989; Brunsson und Olsen 1993) und dadurch den Fokus auf die Dynamiken innerhalb von Organisationen verloren haben, desto uninteressanter wurde die Theorie für Luhmann.[12] Sie finden sich dann nur noch als in Fußnoten versteckte Ornamente, ohne auch nur ansatzweise eine tragende Funktion für sein Theoriegebäude zu haben.

Betrachtung unterschiedlicher Typen von Organisationen

Theoriearchitekten entwickeln ihre Vorgehensweise für einen bestimmten Gebäudetypus. Häufig passt dieser Stil sehr gut zu dessen Anforderungen. Mit wachsendem Erfolg wird der Stil dann auf Gebäude mit grundlegend anderen Funktionen übertragen, für die die Architektur dann häufig nicht mehr in der gleichen Art und Weise passend ist. Luhmanns Organisationssoziologie – und letztlich auch seine gesamte Systemtheorie – sind am Fall der Verwaltungen entwickelt worden. Luhmanns ersten Veröffentlichungen sind in verwaltungswissenschaftlichen Magazinen, Zeitschriften und Reihen erschienen. Es spricht also viel dafür, dass er selbst „am Anfang“ vorrangig Verwaltungswissenschaftler gewesen ist (so Wolfgang Hagen in Beyes et al. 2021, S. 20).

Aber schon in die „Die Grenzen in der Verwaltung“ und den kurz danach geschriebenen und 1966 publizierten Büchern „Theorie der Verwaltungswissenschaft“ (siehe Luhmann 1966b) sowie „Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung“ (siehe Luhmann 1966a, 15ff.) wird deutlich, dass Verwaltung nach kurzer Zeit nur noch als Prototyp für seine „allgemeine Theorie organisierter Sozialsysteme“ (Luhmann 1975a; Wiederabdruck in Luhmann 2019a) dient.[13] Dabei wird von ihm mit Verweis auf die Leistung der Verwaltung durch die „Herstellung bindender Entscheidung“ zwar die Besonderheit von Verwaltungen hervorgehoben, letztlich aber diese nur als ein – wenn auch exemplarischer – Typus von Organisation behandelt (siehe dazu beispielhaft Luhmann 2022o, S. 140).

Der Clou seiner Betrachtung über Verwaltungen besteht darin, dass sich die Autonomie der Verwaltung als soziales System daraus ergibt, dass sie nicht nur eine, sondere mehrere Umwelten hat. Statt durch eine dominante Umwelt – zum Beispiel durch die Politik – bestimmt zu werden, werde sie mit einer differenzierten Umwelt konfrontiert (so genutzt in der Argumentation in Luhmann 1966a, 22f.). Mit ihrer Orientierung am Publikum, an der Politik und am Personal sind Verwaltungen für Luhmann der typische Fall eines  „Mehrgrenzensystems“ (Luhmann 1966b, S. 79). Diese Ausrichtung an verschiedene Umwelten führt zwar innerhalb von Verwaltungen zu konkurrierenden Anforderungen, ermöglicht aber überhaupt erst die Ausbildung einer eigenen Systemautonomie (siehe dazu Luhmann 2021, 190ff.).

Verwaltung als Modellfall formaler Organisationen werden von Luhmann dann eher implizit als Abgrenzungsfolie für andere Typen von Organisationen gewählt. Besonders interessant sind dabei seine Studien zu Organisationen, in denen Interaktionen nicht nur zur Koordinationszwecken eingesetzt werden, sondern die Leistungserbringung am Klienten in Interaktionen stattfindet. Die sich auf Interaktion stützende Leistungserbringung wird in diesen Fällen zwar weitgehend in Schulen, Kirchen oder Gerichten organisiert, aber sie können wegen dieser Bedeutung der Interaktion in der Leistungserbringung nur ansatzweise die „Rationalitätschancen des Formtypus Organisation ausschöpfen“. Dies kann, so die Überlegung Luhmanns, die „Ressentiments gegen Organisation“ bei diesen Typen erklären. „Ohne Organisation geht es nicht. Mit Organisation geht es auch nicht“ (Luhmann 2019f, S. 180).

Gerade aufgrund dieses starken Interesses an dem Zusammenspiel von Interaktion und Organisation sind seine Studien über einige von ihm intensiv bearbeiten Organisationstypen von besonderer Relevanz: Seine Arbeiten zu religiösen – besonders kirchlichen – Organisationen sind zwar bekannt, aber erst in der Zusammenstellung der zentralen religionswissenschaftlichen Arbeiten wird deutlich, wie weit Luhmanns Theorie der religiösen Organisationen ausgearbeitet gewesen ist (siehe einschlägig die wieder abgedruckte Arbeit zur „Organisierbarkeit von Religionen und Kirchen“, Luhmann 1972a; zusammen mit den Teilen über Organisation aus seinen beiden religionssoziologischen Büchern Luhmann 1977 und posthum Luhmann 2000a). Seine Überlegungen zu Gerichten waren nach seinem einschlägigen Buch über die „Legitimation durch Verfahren“ nicht zuletzt durch seine Überlegungen zur „Stellung im Rechtssystem“ (in Luhmann 1993) geprägt. Seine erstmals in den „Schriften zur Organisation“ publizierte Arbeit über die „Organisation des Erziehungsprozesses“ aus den 1970er Jahren ist eine ausgearbeitete Theorie der Schule, in der er zeigt, wie weit man bei der Anwendung des Konzepts der Entscheidungsprämissen bei der Analyse konkreter Organisationstypen kommen kann (Luhmann 2019f).[14]

Andere Organisationstypen wurden dagegen von ihm eher sporadisch behandelt. Überraschenderweise werden Ministerien trotz eigenen frühen Berufserfahrungen im niedersächsischen Kultusministerium sowie starkem Interesse an der Politik der Gesellschaft nur vereinzelnd im Kontext von Verwaltungen behandelt. Die Theorie des Unternehmens, der Prototyp eines Organisationstypus, der seine Mitglieder über Zahlung von Geld motiviert, welches über den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen eingenommen wird, bleibt abgesehen von einem kurzen Beitrag über „Organisationen im Wirtschaftssystem“ (Luhmann 1981) von ihm unausgearbeitet (siehe jedoch Martens 1989 und umfassend Kette 2017). Vereine, in denen Mitglieder über attraktive Zwecke und interessante Handlungen motiviert werden, nehmen keinen Stellenwert in seinen organisationssoziologischen Arbeiten ein (siehe jedoch in Anschluss an Luhmann Horch 1983, 1985). Passend zu einer weitgehenden Ignorierung des Gesundheitssystem in seinen Arbeiten spielen auch Krankenhäuser trotz ihrer starken Interaktionsbasierung in seinen Betrachtungen keine Rolle.

Luhmann war sich der Unterschiedlichkeit der Organisationstypen früh bewusst. So macht er fast schon kontingenztheoretisch argumentierend darauf aufmerksam, dass der „Umfang, in dem Erwartungen formalisiert werden, (…) eine Variable“ ist, „deren Wert mit anderen Variablen korreliert werden“ kann. Es gäbe Organisationen, zum Beispiel Vereine, die mit einem „sehr geringen Bestand an formalisierten Erwartungen auskommen“, während andere „fast alles Verhalten formal“ regeln (Luhmann 2022f, S. 13). Aber trotz dieses Bewusstseins über die Differenz erkennt man in seiner frühen Organisationssoziologie aufgrund seines anfänglichen Interesses an Verwaltungen eine gewisse Unwucht in Richtung stark formalisierter Organisationen (besonders deutlich in Luhmann 1964a). Diese Unwucht findet sich in der gleichen Intensität in seinen späten organisationssoziologischen Arbeiten zwar nicht mehr (als Referenztext besonders Luhmann 2000b), aber von einer ausbalancierten Behandlung unterschiedlicher Organisationstypen kann man bei Luhmann dennoch nicht sprechen. Das sich die Theoriearchitektur für präzise Analysen aller Organisationstypen eignet, ist noch zu zeigen.

2.    Baustellen

Die Anforderungen an eine Theoriearchitektur sind hoch. Der Architekt, der ein Gebäude konstruiert, muss sich an Regeln halten. „Plan und das Gebäude“, so Fritz Simon in seiner Nutzung der Metapher, muss „statischen Anforderung gerecht werden, es sollte ästhetisch einigermaßen erträglich sein, es muss benutzbar sein“ (Simon 2022).[15] Das Luhmann die hohen Anforderungen an ein konsistentes und gleichzeitig komplexes Theoriegebäude wie kein anderer Soziologe bisher erfüllt, steht außer Zweifel. Während sich viele für die Organisationsforschung relevanten Theorien auf einzelne Aspekte konzentrieren – der Neo-Institutionalismus zum Beispiel auf die Gewinnung von Legitimation in der Umwelt, die Prinzipal-Agenten-Theorie auf die Erzeugung von Handlungsmotivation von Organisationsmitgliedern oder die mikropolitischen Ansätze auf die Rolle von Macht in Organisationen – war es Luhmanns Anspruch, eine umfassende Theorie formaler Systeme zu präsentieren, die sowohl die internen Prozesse als auch ihr Verhältnis zur Umwelt präzise erfasst. Aber gerade mit Blick auf das jetzt komplett vorliegende – zugegebenermaßen beeindruckende – Gesamtwerk Luhmanns wird deutlich, dass eine ganze Reihe von Baustellen geblieben ist. Zumindest drei seien im Folgenden kurz umrissen.

Historische Perspektive

Angesichts von Luhmanns Arbeiten, die teilweise eine hohe Sensibilität für historisches Material zeigen (unübertroffen noch Luhmann 1982), fällt auf, wie wenig Luhmann versucht, die Ausdifferenzierung von Organisationen im Detail nachzuzeichnen. Für ihn ist klar, dass sich Organisationen, anders als Interaktionen und Gesellschafen, erst im Laufe der funktionalen Ausdifferenzierung der Gesellschaft ausgebildet haben (siehe dazu auch in Wiederabdruck Luhmann 2019g; Luhmann 2019d; Luhmann 2019c). Wie dieser Prozess aber im Detail abgelaufen ist, steht nicht im Zentrum seiner organisationssoziologischen Arbeiten. Er begnügt sich mit allgemeinen theoretischen Aussagen zur Ausdifferenzierung von Organisationen und einigen wenigen, dann aber hochinteressanten empirischen Exkursen.

Auch wenn klar ist, dass die genauen Konturen der Organisation erst in der modernen Gesellschaft entstanden sind, kann man Organisationen, so Luhmann, nicht einfach als „Erfindung der Neuzeit“ betrachten. Schon in der „alten Welt“ hätte es „Ämter und Ämterbürokratien“ für „sakrale, politische, militärische Zwecke“ gegeben. „Der Bau von Pyramiden, die Einrichtung und Erhaltung größerer Bewässerungssysteme, die Vorrats- und Verteilungswirtschaft der Tempel in mesopotamischen Städten wäre“, so Luhmann, „ohne hierarchisch strukturierte Organisation nicht möglich gewesen“. Es dürfte jedoch nicht übersehen werden, dass in jener Zeit das „tägliche Leben nur in Grenzsituationen mit Organisationen in Berührung“ gekommen sei. Es seien „Spezialbedürfnisse außerhalb des normalen Lebens, auf die Organisationen“ geantwortet hätten und entsprechend waren „nur wenige Menschen in organisierten Funktionen tätig“ gewesen. Es hätte „gleichsam besonderer Motive“ bedurft, „um in Organisationen einzutreten und auf diese Motive konnte die Organisation dann auch zurückgreifen“: „Wer jähzornig, kampfeslustig oder heldisch veranlagt war“, so seine prägnante Formulierung, „konnte ins Militär eintreten. Wer sich im Stande fühlte, ehelos zu leben, fand seinen Weg in die klerikale Hierarchie. Wer dagegen in keines dieser vorgeformten Motivmuster passte, blieb außerhalb und führte ein normales Leben“ (Luhmann 2022b, S. 185).[16]

Heute hätte sich diese Situation umgekehrt: „Eine normale Lebensführung“ sei „ohne Organisation nicht mehr möglich“. Die meisten von uns führten „irgendwelche organisierten Tätigkeiten aus“. „Wir alle“ seien „von Organisationen abhängig“. „Die Proportion von organsierten zu nichtorganisierten Tätigkeiten“ habe sich verschoben (Luhmann 2022b, 185f.). Aber für Luhmann handelt es sich „nicht nur um ein quantitatives Problem“, sondern „zugleich um Veränderungen im Qualitativen“ (Luhmann 2022b, S. 186). Der „Organisationsmechanismus“ setze, so Luhmann, „Mobilität von Mitgliedschaft“ und „Variabilität von Verhaltensregelungen“ vor. Die sich daraus ergebenden „kombinatorischen Chancen“ rentierten sich bei einem „Entwicklungsstand des Gesellschaftssystems, der hinreichende Größenverhältnisse, personale Mobilität und spezifische Zwecke“ ermögliche. Organisationen könnten dann wiederum genutzt werden, um „durch Person- und Zweckselektion Kombinationsgewinne zu erzielen und diese wiederum einzusetzen, um die Selektivität sowohl in Bezug auf Personen als auch in Bezug auf Regeln zu steigern“ (Luhmann 2019f, S. 120–121).

Die grundlegende Linie der Ausdifferenzierung von Organisationen in der modernen Gesellschaft ist aus einer systemtheoretischen Perspektive klar. Es fehlt jedoch eine Gesamtdarstellung der Ausdifferenzierung von Organisationen (aus einer anderen Theorieperspektive bisher nur Türk et al. 2006). Es könnte von Vorteil sein, wenn sich – auch in Vorbereitung solcher Gesamtdarstellungen – das Interesse der Organisationssoziologen von empirisch überforschten Modethemen wie Personalmanagement, Nachhaltigkeit oder Digitalisierung auf die bisher weitgehend ignorierten historischen Forschungsthemen verlagern. Der maßgebliche Vorzug würde darin liegen, dass eine historisch sensible Soziologie das Phänomen heute existierender Organisationen besser einfangen kann, weil deren unterschiedliche Ausprägungen nur in ihrer Zeitlichkeit begriffen werden können.

Organisationen in der Weltgesellschaft

Man erkennt in den frühen Schriften von Luhmann ein ausgeprägtes Interesse an Organisationen in Entwicklungsländern (siehe die Rezeption unter anderem von Cohn 1960; Blau und Scott 1962; Eisenstadt 1963; Riggs 1964). Für ihn dienen die Organisationen in den Entwicklungsländern als Beispiel, um zu zeigen, wie wenig selbstverständlich die Ausdifferenzierung von Organisationen als soziale Systeme sind. Er zeigt, dass es Verwaltungen in Entwicklungsländern nur schwerlich gelingt, eine unabhängige Verwaltung einzurichten – nicht weil es nicht mögliche wäre, „Rechtsnormen zu formulieren und auszulegen“, sondern weil der „Stand der sozialen Differenzierung es nicht erlaubt, Politik und Verwaltung institutionell trennen“ (Luhmann 1966a, S. 27).

So wird die Stärke seiner „Theorie der Verwaltung“ gerade in der Kontrastierung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern deutlich. In Industrieländern würden Interessen weitgehend außerhalb der Verwaltung vollzogen – „wenngleich im intensiven Kontakt mit ihr und im Vorgriff auf ihre Entscheidungsmöglichkeiten“, während in Entwicklungsländern das Verwaltungshandeln durch das „relativ eindeutige Staatsziel wirtschaftliche Entwicklung“ geprägt wäre. In Industrieländern würden Verwaltungen davon profitieren, dass die „Legitimität des programmgerechten Entscheidens“ vorausgesetzt werden kann, während in Entwicklungsländern das Verwaltungshandeln einer „Konsensproblematik“ unterliegt und nicht selten „Gewalt als Ausweg“ gesucht wird. In Industrieländern wird dies dadurch erleichtert, dass ihre Verwaltungen von der „Institutionalisierung“ sowie eines damit einhergehenden „hohen Maßes an Rollentrennung“ profitieren und die „Trennung von dienstlich und privat“ zum „traditionellen Bild des Beamten“ gehört (Luhmann 2022n, 98ff.).[17]

Dieses Interesse an Organisationen in der Weltgesellschaft nimmt jedoch bei Luhmann kontinuierlich ab. Die Texte, in denen er sich mit Staaten in der südlichen Hemisphäre auseinandersetzt – maßgeblich natürlich Kausalität im Süden (Luhmann 1995) –, beschäftigen sich nur am Rande mit Organisationen.[18] In seinen späten organisationssoziologischen Texten wird nur noch kursorisch darauf verwiesen, dass das Webersche Bürokratiemodell nicht als „geeignete Norm für die Modernisierung von Entwicklungsländern“ angesehen wird (Luhmann 2000b, 17f.), dass sich in Entwicklungsländern die Personalauswahl häufig nach „organisationsexternen Beziehungen zwischen Patronage und Klienten“ richtet (Luhmann 2000b, S. 295) und „Familien noch eine bedeutende Rolle im Zusammenhalt von Imperien sehr verschiedener Organisationen“ spielen (Luhmann 2000b, S. 408). Internationale Organisationen, die häufig in der Form von Meta-Organisationen eine zentrale Rolle im Verständnis der Weltgesellschaft spielen, kommen in seinen Analysen kaum vor (siehe aber Ansätze bei Koch 2008).

Die Kritik von Luhmann an der frühen Weltgesellschaftsforschung, dass sie das „Verhältnis von gesamtgesellschaftlicher Evolution und organisiertem Aktivismus theoretisch nicht geklärt“ habe und es dringend einer Gewichtung des Faktors Organisation im „Kontext der Weltgesellschaftsbeschreibung bedürfte“, ist berechtigt. Es würde, so der Tadel, zwar der „hohe Aufmerksamkeitswert organisatorischer Strukturen in der Weltgesellschaft“ von „Regierungsapparaten und internationalen Korporationen bis hin zu internationalen Organisationen oder gar internationalen Konferenzen“ konstatiert, ohne aber eine umfassende Theorie vorzulegen. Luhmann selbst hat interessante Ideen, wenn er zum Beispiel vorschlägt, dass „die Gesellschaft nur noch als Parasit der von ihr selbst geschaffenen Bürokratie existiert“ und deshalb „die Selbstbeschreibung der Gesellschaft sich parasitär an die Beobachtungserleichterung durch Bürokratie halten müsse“ (zu allem Luhmann 2022l, S. 531). Ansprüche an eine Theorie der Organisationen in der Weltgesellschaft erfüllen diese Gedanken aber nicht.

Verhältnis zu anderen Systemtypen

Man kann bei Luhmann ein ausgeprägtes Interesse an Systemen beobachten, die sich innerhalb von Organisationen ausbilden. So behandelt er in seinen frühen Schriften intensiv das heute weitgehend aus der Forschung verschwundene Phänomen der informalen Subsystembildung in Form von Cliquen (Luhmann 1964a, S. 324). Auch die Eigenlogik von Interaktionen – also dem Systemtypus, der auf gegenseitiger Wahrnehmung basiert – in Organisationen stößt früh auf sein Interesse (Luhmann 1964a, 295ff.).

Andere Systemtypen wie Familien oder Bewegungen interessieren Luhmann vorrangig, um in Abgrenzung zu diesen die Besonderheiten von Organisationen herauszustellen. Dabei stellt er heraus, dass Familien nicht mit Organisationen verwechselt werden dürfen, weil das „Eltern/Kindes-Verhältnis“ nicht „durch Austritt beendbar“ ist und deswegen keine „autonome Formalisierung“ in Familien möglich ist, sich darüber hinaus auch die Liebesbeziehung der Eltern nicht durch „formalisierte Erwartungen“ eingrenzen lässt (Luhmann 2022f, S. 61).

Weitgehend ungeklärt bleibt dabei aber, wie Systeme zu konzeptualisieren sind, in denen verschiedene Systemlogiken zusammenkommen. So finden sich in Luhmanns Publikationen zur Organisation fast keine Aussagen zu Familienunternehmen, obwohl gerade aufgrund des Kontrastes zwischen einer eher auf Erwartungsbildung über Rollen fokussierten Organisation und der stärker auf Erwartungsbildung über Personen basierenden Familien interessante soziologische Beobachtungen möglich gewesen wären (und immer noch sind). Auch über Bewegungsorganisationen finden sich kaum Aussagen, obwohl gerade die Differenz in der Genauigkeit bei der Bestimmung von Mitgliedschaften zwischen Bewegungen und Organisationen interessante Erkenntnisse ermöglichen.[19] Weitgehend unbestimmt bleibt bei Luhmann ferner das Verhältnis von Freundgruppen und Organisationen, obwohl gerade dies unter dem Gesichtspunkt der Klärung des Verhältnisses der Erwartungsbildung über Rollen und Personen interessant sein könnte.

Der zentrale Grund liegt sicherlich darin, dass er sein Interesse an Verschachtelungen von Systemtypen sehr früh auf seine bekannte Trias „Interaktion – Organisation – Gesellschaft“ begrenzt hat (siehe dazu früh natürlich Luhmann 1975b; Wiederabdruck als Luhmann 2019d). Luhmann war dabei der Meinung, dass „alle reale Systeme entweder Interaktionen oder Organisationen oder Gesellschaften“ sind (Luhmann 2022d, S. 237).[20] An diese Unterscheidung wird von Luhmann in späteren Schriften „gebetsmühlenartig erinnert“ (so Hoebel 2019a, S. 3). Die Dogmatisierung dieser Trias nicht nur bei Luhmann selbst, sondern auch bei anderen Systemtheoretikern verbaut letztlich aber den Blick für eine Vielzahl interessanter Fragestellungen in der Organisationssoziologie.

3.    Umbauten

Aber gerade angesichts dieser „Vehemenz“ ist es schon fast paradox, dass sowohl in den „Schriften zur Organisation“ als auch in den „Grenzen der Verwaltung“ die zeithistorischen und ideengeschichtlichen Einordnungen besonders aufschlussreich sind. So trägt zum Verständnis Luhmanns früherer verwaltungssoziologischen Arbeiten bei, wenn im Nachwort zu Grenzen der Verwaltung herausgearbeitet wird, dass Luhmann während seines Forschungsaufenthalts in den USA vergleichsweise wenig an der eher empirisch interessierten Public-Administration-Forschung interessiert war, sondern besonders von der Rezeption des Strukturfunktionalismus Talcott Parsons profitierte (Kieserling und Schmidt 2021, S. 235).[21] Selbiges gilt für Luhmanns weitgehend fertiggestelltes, jedoch nicht formal beendeten rechtswissenschaftlichen Dissertationsprojektes „Die Organisation beratender Staatsorgane“ (Luhmann 1956), in der der Rat sowohl vom Gutachten als auch vom Befehl abgegrenzt eingeordnet wird (Kieserling und Schmidt 2021, 236f.).[22]

Auch die zeithistorische Einordnung von Luhmanns an Praktiker gerichteten Arbeiten ist interessant. Es wird deutlich, dass Luhmanns Beteiligung an einer Reform des öffentlichen Dienstes von Anfang an durch einen Konflikt zwischen der auf Kabinettsebene aufgehängten „Projektgruppe Regierungs- und Verwaltungsreform“ und einem beim Innenministerium aufgehängten „Arbeitskreis zur Reform des öffentlichen Dienstes“ geprägt war (Lukas und Tacke 2020, S. 538; siehe neuerdings auch zeithistorisch beeindruckend informiert Lukas 2022). Lesenswert ist auch die Darstellung der nur vor diesem Reformvorhaben zu verstehendende Kontroverse zwischen Fritz W. Scharpf als Vertreter eines gewissen „Planungsoptimismus“ und den durch einen immer stärker durch „Steuerungspessimismus“ geprägten Luhmann (Lukas und Tacke 2020, 539f.).[23] Man kann nachvollziehen, weswegen er sein Reformengagement mit einem „so rasch nicht wieder“ kommentierte (Luhmann 2022a, S. 193) und sich seit dem nur noch als kritischer Kommentator aktueller Entwicklungen, zum Beispiel des Wohlfahrtsstaates (z.B. Luhmann 2020b), der Umweltpolitik (z.B. Luhmann 2020d) oder der Hochschulsteuerung (z.B. Luhmann 2020e), betätigte.

Die Einordnungen zeigen, dass die Systemtheoretiker vor einer „Historisierung“ von Luhmanns Überlegungen keine Sorgen zu haben brauchen. Die von Luhmann immer wieder propagierte Differenz von personen- und rollenbezogener Erwartungsbildung kann auch hier greifen (am prägnantesten formuliert in Luhmann 1972b, 82ff.). Eine Kenntnis über die Vorliebe für Sauerbraten, das Verhältnis zu seinen Kindern oder die Bevorzugung der Schreibmaschine gegenüber dem Computer sind für das Verständnis von Luhmanns wissenschaftlichen Texten nicht nötig. Aber die Ausgestaltung einer Rolle, die ein Forscher in der Wissenschaft eingenommen hat, die positiven und kritischen Bezugnahmen auf andere Wissenschaftler und nicht zuletzt die ausgefochtenen Kontoversen können zum Verständnis der Texte beitragen. Bei Forschern, die sich mit Organisationen beschäftigen, kann dabei die Kenntnis der von ihnen eingenommenen Organisationsrollen als Ministerialdirigent, Wissenschaftler oder Berater ebenso zum Verständnis ihrer Theorie beitragen.

Die Gefahr einer wissenschaftlichen Hagiographie besteht meines Erachtens nicht in der ideengeschichtlichen und zeithistorischen Einordnung von Luhmanns Schriften, sondern vielmehr in der Tendenz zur Verklärung von Luhmanns theoretischen Arbeiten. Man könnte jedenfalls bei an Organisationen interessierten Systemtheoretikern den Eindruck bekommen, dass der Theoriebau weitgehend vollendet ist. Dies passt in den Tenor auch aus anderen Theorierichtungen, die Organisationen für inzwischen weitgehend auserforscht halten. In einer „überforschten Welt der Organisationen“ seien, so die immer lauter zu hörenden Stimmen, fast alle relevanten Aspekte der Organisation durch empirische Forschung aufgegriffen worden (so Bate 1997, S. 1160). Bei allen Kontroversen seien die zentralen Fragen in der Organisationsforschung inzwischen geklärt und die aktuellen empirischen als auch theoretischen Forschungen seien durch „Wiederholungen“ geprägt. „Aufregungen und Entdeckungen“ gehörten zur Vergangenheit des Faches (so Thoenig 1998, S. 311).

Die Bücher und Schriften von Luhmann zur Organisation sind von ihrem Umfang und ihrer Theoriearchitektur beeindruckend. Aber – um die Baumetapher ein letztes Mal aufzugreifen – die Theoriekathedrale würde unweigerlich an Strahlkraft verlieren, wenn sich die Systemtheoretiker allein auf die Pflege von Luhmanns Gedanken konzentrieren würden. Sicherlich – die nicht selten sehr freihändig formulierten systemtheoretischen Gedanken einiger seiner Nachfolger haben häufig nicht die Substanz, um als Theoriekonstruktion langfristig durchzuhalten. Aber etwas mehr Mut, nicht nur beim Aus-, sondern auch beim Umbau von Teilen von Luhmanns Organisationstheorie wären sowohl der Systemtheorie als auch der Organisationsforschung zu wünschen. Luhmann hat schließlich auch nicht anders gearbeitet.

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Thoenig, Jean Claude (1998): How Far is a Sociology of Organizations Still Needed? In: Organization Studies 19, S. 307–320.

Türk, Klaus; Lemke, Thomas; Bruch, Michael (2006): Organisation in der modernen Gesellschaft. Wiesbaden: Springer VS.

 

 

[1] Besonders interessant ist dabei der einzig längere Text im fünften Band – die Vorlesung von Luhmann zur Organisationssoziologie an der Universität Bielefeld im Wintersemester 1967/1968, die stark auf „Funktionen und Folgen formaler Organisation“ aufbaut, aber an vielen Stellen anregende, neue Akzentuierungen setzt (Luhmann 2022f). Hier eröffnet sich eine unerwartete Möglichkeit, sehr schnell und einfach einen Überblick über Luhmanns frühe Organisationssoziologie zu erhalten.

[2]  Siehe nur den zentrale Text über Interaktion, Organisation und Gesellschaft, der jetzt in vier unterschiedlichen Zitiervarianten – teilweise über den gleichen Verlagsserver – als Luhmann 1975b; Luhmann 2005; Luhmann 2008; Luhmann 2019d zugänglich ist.

[3] Siehe zur verstärkt einsetzenden Rezeption Seidl und Becker 2006; Seidl und Mormann 2014.

[4] Die Beiträge zu Universitäten finden sich jedoch schon fast alle in vergleichsweise günstigen Büchern in Kieserling 1992; die für Praktiker relevanten Texte finden sich schon in Kaube 2016. Inwiefern Bände, die einzeln jeweils fast 100,- Euro kosten, zu einer „Demokratisierung“ des Zugangs zu Luhmann beitragen sollen (so Hoebel 2019b, S. 2), erschließt sich mir nicht.

[5] Interessant ist auch wie nahe er 1981 in einem englisch Vortrag zur Trias bei seiner ursprünglichen Konzeption bleibt; siehe Luhmann 2022d.

[6] Siehe für ausführlichere Behandlungen anderer Organisationstheorien zum Beispiel die Grundlagenwerke der verhaltenswissenschaftlichen Entscheidungstheorie (March und Simon 1958), der strategischen Organisationsanalyse (Crozier und Friedberg 1977) sowie des Neoinstitutionalismus (Meyer und Rowan 1977). Am stärksten findet sich eine Auseinandersetzung mit anderen Organisationstheorien noch im ersten Kapitel von „Organisation und Entscheidung“ (siehe Luhmann 2000b, 11ff.).

[7] Siehe dazu ebenfalls Luhmann 2021, S. 39, wo er auch auf den ersten grundlegenden Artikel von Michel Crozier verweist. Für Auseinandersetzungen mit Crozier siehe noch Luhmann 2000b, 200f.

[8] Siehe dazu auch die Referenz auf Crozier zum Beispiel in Luhmann 2002, S. 19 Überraschend gut kommt bei Luhmann auch Croziers Spätwerk „L‘entreprise à l’écoute“  weg (Crozier 1989), das letztlich einen Rückfall in simplifizierte zweckrationale Lesarten von Organisationen darstellt. Siehe dazu Luhmann 2000b, 95, 146, 245, 282, 319, 333f.

[9] Luhmann verweist selbst in der Rezension darauf, dass der institutionenökonomische Ansatz deswegen interessant ist, weil die „Ausdehnung auf ‚nichtökonomische Gebiete‘ neben ‚Politik und Recht‘ besonders auch ‚formal organisierte Sozialsysteme‘ betrifft“ (Luhmann 1985, S. 116).

[10] Siehe zu Rational Choice Ansätze auch Luhmann 2000b, S. 82.

[11] Siehe auch Luhmanns Spitzen z.B. in Luhmann 2000b, S. 77.

[12] „Reforming Organization“ von Nils Brunsson und Johan Olsen stößt noch auf Interesse, weil es zwar einen „Leitbegriff Institution“ gibt, dieser aber faktisch als „Kultur“ verstanden wird (siehe Luhmann 2000b, S. 245).

[13] Siehe zu Luhmanns verwaltungssoziologischen Frühwerken aufschlussreich Augsberg 2021, 44ff.

[14] Gerade bei diesem längeren Text über Schulen wäre es eine Überlegung, diesen zusätzlich als kleines Büchlein verfügbar zu machen, weil eine Rezeption durch die Pädagogik im Rahmen eines Bandes zu „Schriften zur Organisation“ eher unwahrscheinlich ist.

[15] Simon nutzt die Metapher für eine scharfe Kritik der systemischen Praxis: „Im Bereich des sogenannten ‚Systemischen‘ finden sich nun leider ziemlich viele Leute, die nicht den Prinzipien guter Architektur folgen, sondern eher wie Heimwerker vorgehen. Sie haben – um im Bild zu bleiben – eine von einem richtigen Architekten entworfene, würdige Gründerzeit-Villa geerbt und ‚verbessern‘ (oder ‚entwickeln‘) sie nun, indem sie die alten Sprossenfenster durch die praktischen, viel pflegeleichteren silbernen Alu-Fenster aus dem Baumarkt ersetzen, sie bauen einen Wintergarten – meist aus dunkelbraun eloxiertem Aluminium – an, die Küche wird durch einen Bretterverschlag ergänzt, um da Bierkästen abstellen zu können, und zu guter Letzt werden, um die eigene Progressivität zu beweisen, noch ein paar Solarzellen auf das klassische Walmdach gepackt. Über die Farbe, in der sie das Ganze streichen, habe ich aus Gründen des Takts nicht mal was gesagt. Dass diese Leute sich in ihren Häusern wohl fühlen, ist offensichtlich, und es sei ihnen gegönnt, denn das ist ja ihr Haus und daher ihr gutes Recht. Jeder soll sich nach seiner eigenen Fasson glücklich behausen. Nur sollten sie nicht hoffen, dass andere Leute ihren gestalterischen Inspirationen folgen“. Die Rezeption von Niklas Luhmann in der Praxis würde ein eigenes Forschungsprojekt verdienen. Hierzu gibt es eher kursorische Beobachtungen.

[16] Oder noch prägnanter: „Die Frommen ins Kloster; die Gewalttätigen ins Militär und die anderen in überhaupt keine Organisation“ (Luhmann 2022c, S. 121).

[17] Siehe auch Luhmanns Rezensionen über verschiedene Texte, die sich mit Verwaltungen in Entwicklungsländern auseinandersetzen, Luhmann 2022h; Luhmann 2022i; Luhmann 2022g.

[18] Und wurden deswegen auch aus guten Gründen nicht in Luhmanns Schriften zur Organisation aufgenommen.

[19] Eine der wenigen Ausnahmen sind einzelne Überlegungen über die Schwierigkeiten politischer Parteien, Anregungen aus Bewegungen aufzugreifen. Siehe dazu Luhmann 2019b.

[20] Meine Übersetzung. Im Original dieses Vortrages auf dem 5. Kongress der World Organiziations of Systems and Cybernetics in Mexiko City 1981 heißt es: “all real social systems are either interactions or organizations or societies.”

[21] Das sehr lesenswerte Nachwort „Verwaltung als Milieu“ von André Kieserling und Johannes Schmidt zerfällt dabei in zwei Teile – einer kompakten Zusammenfassung und Einordnung der in „Die Grenzen der Verwaltung“ vorgestellten Überlegungen sowie einer ideengeschichtlichen und werkshistorischen Positionierung der Arbeit (Kieserling und Schmidt 2021). Die hohe Anzahl an Redundanzen und Querverweise ist auffällig. Eventuell wäre es hier besser gewesen, das Nachwort in zwei getrennte Texte aufzuteilen.

[22] Dieses primär rechtswissenschaftliche Manuskript ist trotz des beeindruckenden Ausstoßes des Nachlassprojektes noch nicht publiziert, vielleicht weil es noch nicht die Brillanz der soziologischen Analysen der 1960er Jahre zeigt. Auch wenn der soziologische Gewinn dieses Manuskripts begrenzt ist, wäre für eine Ideengeschichte der Systemtheorie eine Publikation dieses Manuskripts geboten.

[23] Die „Schriften zur Organisation“ hätten sicherlich davon profitiert, wenn jeder und nicht lediglich der Band „Reform und Beratung“ durch solche ausführlichen zeithistorisch und ideengeschichtlich fundierten Einordnungen der Herausgeber begleitet gewesen wäre. Interessant sind hier noch die leider vergleichsweise kurzen Ausführungen zur Bedeutung der Kybernetik im Begleittext zu Band zwei und drei (Lukas/Tacke 2019: 491; siehe aber ausführlicher neuerdings Lukas 2021).

Veröffentlicht von Stefan Kühl

Hat vor zwanzig Jahren als Student die Systemtheorie in Bielefeld (kennen-)gelernt und unterrichtet dort jetzt Soziologie. Anspruch – die Erklärungskraft der Soziologie jenseits des wissenschaftlichen Elfenbeinturms deutlich zu machen. Webseite - Uni Bielefeld

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