Piratenzäsur

In schweren Zeiten darf man sich etwas gönnen.

Diese Piraten… Seit heute Nachmittag ist mein Text über die Piratenpartei, den ich für den Merkur schrieb, online verfügbar. Ich hatte jetzt also ein paar Stunden Zeit, um mir zu überlegen, wie ich ihn hier bewerbe und ich mache es wie folgt:

Die Piraten sind eine junge Partei. Wer von den Parteimitgliedern behauptet, schon immer in der Piratenpartei gewesen zu sein, kann damit keinen Zeitraum meinen, der länger als ein gewöhnliches Voll-Studium ist. 11 Semester ist die Partei alt. Am sichtbarsten ist derzeit das Personal, das in die Alterskategorie dieses Bildes passt: späte Studenten. Und um auch für den letzten Aspekt im Bild zu bleiben: Gegen Ende eines jeden Studiums stehen schwere Prüfungen an, die jeder auf seine Art bewältigt. Manchen gelingt es, manchen nicht.

Mein Merkur-Text ist eine Momentaufnahme, sie hält den letzten Moment vor dem beginnenden Piraten-Prüfungssemester fest. Als ich den Text aus der Hand gab, regierte in NRW noch die knappe Rot-Grüne-Koalition. Die schwere Piraten-Prüfung, auf die ich den Text hingeschrieben habe, ist die Bundestagwahl 2013. Die tatsächlichen Ereignisse, dass nun zuvor in NRW gewählt wird, ändert keine meiner Aussagen. Allerdings lassen sie sich nun leichter prüfen, denn vieles, was erst im nächsten Jahr zu erwarten war, passierte nun viel früher und viel intensiver.

Die kommenden Wahlen sind, für die Politiker allemal, auch für die beobachtenden Sozialwissenschaftler, Soziologen, Politologen und Journalisten sehr spannend. Es handelt sich um ein einzigartiges Real-Experiment. Noch ist für viele Piraten Politik kein Beruf und ein Parteitag ein Debattierclub. Noch sind sie dort, wo es wirklich wichtig ist, außerparlamentarische Opposition. Noch interessieren sich nur die Feuilletons für sie, bald aber kommen die Haudegen der Politik-Redaktionen, die weniger Gnade kennen, weil sie klarere Aufträge haben.

Die Piraten, um das obige Bild wieder aufzugreifen, stehen gerade den letzten Moment unbeachtet auf dem Flur vor dem Raum, in dem das Prüfungskomitee sitzt. Am Wochenende dürfen sie kurz in den Raum linsen, bevor sie Anfang Mai hineingebeten werden. Mal sehen, ob sie die richtigen Antworten auf die noch unbekannten aber doch absehbaren Fragen kennen.

Schulz, Stefan – Zwischen Netzwerk und Organisation, Zum Erfolg der Piratenpartei

(Bild: Stefan Schulz)

Diplom-Soziologe aus Jena via Bielefeld in Frankfurt am Main. Kümmert sich promovierend um die Bauernfamilien des 12. Jahrhunderts mit ihrem Problem der erstmaligen "Kommunikation unter Unbekannten" und ist heute Journalist. stefanschulz.com

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