Wahrheit, Trump und die Akademie für Soziologie

Wissenschaftliche Wahrheit scheint bedroht! Man verteidigt sie schon weltweit in Protestmärschen auf der Strasse – oder setzt man sie so nur der politischen Entscheidung aus, als eine Position unter vielen und das entgegen des eigenen Anliegens, sie vor jedem politischen Kalkül und Zweifel zu bewahren? Und was hat die Soziologie hier beizutragen? Ist sie überhaupt mit genannt, wenn Menschen für “die Wissenschaft” auf die Strasse gehen?

Wir diskutieren die (Selbst-)Widersprüche der Politisierung wissenschaftlicher Wahrheit, die Bedeutung von Trump für solchen Protest, und kommen schliesslich auf die Gründung der Akademie für Soziologie zu sprechen.

Und ja, das könnte etwas miteinander zu tun haben…

Links und Shownotes

1. Zum MARCH FOR SCIENCE:

2. Zur Gründung der Akademie für Soziologie


Zu hören sind:
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2 Kommentare

  1. Gute Fragen und eine interessante Diskussion zur Sezession einer „Akademie für Soziologie“. Danke dafür!

    Ergänzen könnte man die Frage, wie moderne Gesellschaften ein Bild ihrer Gegenwart über sich selbst gewinnen. Unverzeihlich kurz:

    Um 1900 ist es neben der amtlichen Statistik, auf die etwa Durkheim angewiesen war, der Zeitungsjournalismus mit seiner Generierung von „News“, der das Bild der modernen Gesellschaft erzeugt. Mit Robert Ezra Park und der Chicago-School strömt dies in die Soziologie, es werden biographische und soziographische Methoden attraktiv. Einzelstudien geben Auskunft darüber, was an Wichtigem in der Gesellschaft los ist. Das Exemplarische ist hier repräsentativ für das Allgemeine. Ende der 1920er machen Mathematiker in den USA Fortschritte in der deskriptiven und analytischen Statistik und in den totalitären Atmosphären seit den 1930ern wird die Idee einer nicht mehr bloß über amtliche Statistik sondern nunmehr über quantitative Sozialforschung erfaßten „Massengesellschaft“ attraktiv. Türöffner war Radio-Research und dann Meinungsforschung. Man könnte sagen: die Repräsentativitätsfiktionen wandern ins Symbolsystem der Zahlen ab. Der einzelne Fall, das Besondere, sagt nichts mehr über die Gesellschafft als Ganzes. Das Besondere wird uninteressant für die Wahrnehmung der Gegenwart. Man könnte auch sagen, daß zu einem bestimmten Zeitpunkt die Gesellschaft aufhört, daran zu glauben, daß sie sich in ihren einzelnen Schicksalen noch erzählen kann. Das ändert sich in den Sixties. Da werden „kleine radikale Minderheiten“ als ein Symptom für die Gegenwart dechiffriert. Ethnologie, Sozialphänomenologie, überhaupt „Quali“ kommt nach vorn und wird für Zahlenphobiker unter den Studis attraktiv. In diesem Strom bewegen wir uns noch heute. Die Akademie ist m.E. eine arg verspätete und perspektivlose Reaktion darauf.

    Es grüßt aus Freiburg
    Wolfgang Eßbach

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