Schirrmacher – über gute Politiker statt schlechte Journalisten


Folgender kurzer Text ist nicht im soziologisch abgeklärten Erklärungsmodus geschrieben, passt aber dennoch hier hin.

Das Problem der Politik ist, dass ein Volk die Regierung bekommt, die es verdient. Das ist ein netter Spruch, der tatsächlich irgendwie stimmt. Der Spruch stimmt aber nicht nur, weil Politiker vom Volk gewählt werden, die dadurch schuld an ihrer Politik sind. Ein Aspekt an dem Punkt, dass ein Volk selbst Schuld sei, ist auch: Niemand sonst kann schuld sein – und darin ist die Politik ziemlich einzigartig.

An schlechten Lehrern sind nicht die Eltern oder Schüler, an Gammelfleisch nicht die Kunden, an Verlusten nicht die Investoren, an Umweltverschmutzung nicht die Konsumenten schuld. Für fast jede gesellschaftliche Einrichtung gibt es einen Sicherheitsmechanismus, der das Volk davon entlastet, alles selbst mit Ahnung überwachen zu müssen. Die moderne Gesellschaft funktioniert nach einem Prinzip ausgeprägter Arbeitsteilung mit ausgeklügelten Checks und Balances inkl. Entschädigungsmöglichkeiten – oft mit Hilfe des Rechts.

Nur die Politik, und man möchte es gegenwärtig jedem einzelnen Regierungsbeteiligten einzeln vorwerfen, muss ständig in Einzelleistung kontrolliert werden, damit nicht am nächsten Tag noch größerer Unfug angestellt wird als am Tag zuvor. Bei der Wahl kann man keinen Politiker auf Interessen, nicht mal auf Versprechen, festnageln und später zur Rechenschaft ziehen. Mit seiner Wählerstimme ist man den Einflußmöglichkeiten anderer „Mitspieler“ machtlos ausgeliefert.

Ach halt! Es gibt doch auch in der Moderne ein Kontrollmechanismus für die Politik -> unsere Qualitätspresse. Es muss sich nämlich doch nicht jeder einzelne Volkszugehörige mit Politik beschäftigen, sofern er auf die Arbeit inkl. Fehler und Unstimmigkeiten der Politik durch unabhängige, fleißige und interessierte Journalisten hingewiesen wird, so dass eine folgende Wahlentscheidung entsprechend ausfallen kann.

So. Und nun sollte man mal diesen Schirrmacher-Text aus der gestrigen FAS lesen. Ich finde das schon ziemlich frech. Und überhaupt: Wieso ist der Bundespräsident ein „politisches“ Amt? Wobei die FAZ noch zu den Zeitungen gehört, die ausgeglichen und mit großer thematischer Bandbreite informieren. Aber. Solch ein Anklagetext sollte sich, wenn überhaupt, nicht gegen die Bürger oder Politiker (wie wär’s mal mit der SPD und ihrer unterirdischen „Opposition“) sondern die Massenmedien richten.

(Bild)

Diplom-Soziologe aus Jena via Bielefeld in Frankfurt am Main. Kümmert sich promovierend um die Bauernfamilien des 12. Jahrhunderts mit ihrem Problem der erstmaligen "Kommunikation unter Unbekannten" und ist heute Journalist. stefanschulz.com

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