Wenn sich Subdisziplinen ihren Grenzen widmen, wachsen sie über diese hinaus – theoretisch, empirisch und historisch

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Die vielen Hände der Social Science History Association (SSHA) – Ein Plädoyer für eine “offene Forschungskultur” in der Historischen Soziologie

Während die Historische Soziologie in Deutschland seit den 1970er Jahren ein Schattendasein führt, wurde in den USA mit der „Social Science History Association“ (SSHA) zur gleichen Zeit unter den intellektuellen Schwertern einer zunächst marxistisch orientierten (politischen) Soziologie und einer quantitativ arbeitenden Historischen Sozialwissenschaft auch institutionell ein Ort des interdisziplinären Austauschs zwischen Geschichtswissenschaft und Soziologie geschaffen. Auf dem 38. Jahrestreffen der SSHA in Chicago (21. bis 24. November 2013) schien dieses Forum wenig von seiner Anfangseuphorie, seinem konstruktiven Diskussionsklima und seiner thematischen Vielfalt verloren zu haben.

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Echtzeitgesellschaft mit Nullintelligenz

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Wollte Dirk von Gehlen seine Strohpuppenkampfkunst in seinem eigenen Maß auf eine nachvollziehbare Ebene heben (oder besser retten), hätte er nicht von “Gesprächskonsum” gesprochen, sondern von Zahnbürstenredsamkeit. Niemand kommt doch ernsthaft auf die Idee, Datensparsamkeit – ein völlig akzeptabler Begriff – mit einem selbst erzwungenem Schweigegelübde – eine völlig bescheuerte Idee – zu verbinden. Ich habe sowas jedenfalls noch nirgends gelesen. Worüber man aber nun immer häufiger stolpert – ein völlig richtiges Verb – sind Personen, die die digitale Welt nicht nur retten, sondern noch besser retten wollen und dabei ganz neue Gegnerschaften begründen.

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Das Internet verstehen lernen

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Die Krisen der Gesellschaft machen ihre Mitglieder klüger. Es ist eines der faszinierendsten Zitate der aktuellsten Geschichte. Romano Prodi, EU-Kommissionspräsident von 1999 bis 2004, sagte anlässlich der Euro-Einführung im Dezember 2001: “I am sure the Euro will oblige us to introduce a new set of economic policy instruments. It is politically impossible to propose that now. But some day there will be a crisis and new instruments will be created.” (Quellen) So ist es gekommen. Wir kennen inzwischen alle Einzelheiten der Krise. Alle Beteuerungen, das Thema sei zu kompliziert, es müsse zu viel beachtet werden, die politische Sachlage sie zu komplex haben sich als falsch oder sogar als Lügen herausgestellt. Was zur Rettung fehlt ist nur der Wille.

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Wenn schon digitale Gesellschaft,
dann bitte richtig

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Was wäre, wenn es alles stimmt, wenn die Ahnungen nicht nur Überlegungen wären, sondern Hinweise darauf, dass sich etwas grundlegend geändert hat – ausgerechnet am verborgenen Fundament. „Regiert eigentlich das Weiße Haus noch? (…) oder ist die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika inzwischen schon einer Junta von Sicherheitsoffizieren in die Hände gefallen?“ Das sei eine zugespitzte Frage, die allerdings auf einer evidenten Sorge ruhe, sagt Peter Sloterdijk. Und er meint das vergleichsweise zurückhaltend. Sieht man neben den Philosophen die Pragmatiker, klingt es schon anders. „Das ist General Alexander, er ist wahrscheinlich der mächtigste Mann der Welt (…) und er ist ein ‚fucking liar‘“, sagte Jacob Appelbaum bei der 29C3-Keynote und bekam dafür viel Applaus.

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Was Sascha Lobo vergaß zu sagen

Protest

Sascha Lobo hat natürlich recht: Die sozialen Medien bieten durch ihre Rückkanäle ein neues Eigenrecht aus, das sich von Institutionen und Entscheidungen abkoppelt und in einer Logik flüssiger Massemedien demonstrierende Menschen wichtiger nimmt als Pinguine. Alles, was in Lobos Text steht, stimmt, weil es sich nur schwer bestreiten lässt. Aber einen Kritikpunkt gibt es dennoch: Die Kolumne hört zu früh auf. Nach dem letzten Satz, der

Autokrat Erdogan wird wissen, weshalb er soziale Medien als “schlimmste Bedrohung” fürchtet.

lautet, fehlt ein zwangsläufig nächster Satz, der wie folgt lauten könnte: Erdogan wird allerdings auch wissen, wie er sich gegen Bedrohungen wehrt, er hat es immer gewusst.

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Hass entstand von selbst,
der #Rest wurde nie erfunden

Tastatur als Waffe

Ohne Limitierung ist alles nichts. Schon im Kindergarten werden die Kleinsten beim Basteln mit der Weisheit genervt, dass der Kreativität so gar keine Grenzen gesetzt seien. Doch die erwachsenen Naseweise haben alle unrecht. Wozu Kreativität, wenn es keine Hindernisse gibt? Nur Einstein lag richtig: Das Einzige, was wirklich unendlich ist, ist die menschliche Dummheit. Heute, einhundert Jahre später wissen wir, das Internet ist es auch. Und so wurde es zum Sammelbecken. Endlich ward ein Ort gefunden, für die gesamte menschliche Dummheit.

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Dr. plag. (plagium)

Lügenbaron

Roland Preuß schlägt in der heutigen Ausgabe der SZ auf der Meinungsseite vor, Plagiate verjähren zu lassen und bezieht sich dabei direkt auf die Diskussionen rund um die Doktorarbeit von Anette Schavan. Dieser (inhaltlich wie praktisch abstruse) Vorschlag ist für mich besonders interessant, weil er einen zentralen Aspekt der Diskussionen widerspiegelt. Es geht dabei um eine differenzierungstheoretische Perspektive. So lässt sich das Ringen um Wahrheit und politische Hoheit als ein Wechselspiel von Eingriffs- und Schließungsversuchen von Wissenschaft und Politik verstehen. Im Kern lautet die Forderung von Roland Preuß, die erfolgreiche Plagiatsprüfung von dem Entzug des Titels zu trennen: weiterlesen