Empathie und Verwaltung

Ein schlüssiges Argument ist: Professionalität. Wie schafft es ein Staat, Gefangene über Jahre in sensorischer Deprivation zu halten? Wie schafft es eine Bürokratie, eine Familie zu zerstören, weil sie die Eltern in den Wahnsinn und ein Kind in den Suizid treibt? Wie schafft es ein Polizist, per Amtshandlung einem Mann mit einem Wasser/Pfeffer(?)spray-Gemisch die Augen auszuschießen?

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“Social Web” ist eine Lüge

Das Internet kann nichts dafür, dass wir es überfordern. Es sind eben doch alles nur Nullen und Einsen, so oft von der Maschine hin und her interpretiert, dass es kaum einen Unterschied macht, ob wir noch einen Interpretationslayer oben drauf legen, nur weil uns so vertraut scheint, was der in und für viele Sinne flache Bildschirm uns vorgaukelt. Über den Begriffsgehalt des Virtuellen sollte noch viel mehr nachgedacht werden. Es bleibt bei Übungen, die uns immer wieder aufzeigen, dass sie ihr Ziel verfehlen. Seien sie auch noch so gut: thenicestplaceontheinter.net

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Wünsche, Wille und Vorstellungen

Kinder lernen erst spät, sich physisch von ihrer Mutter zu unterscheiden. Doch was lernen sie dabei?

In einer meiner ersten Uni-Veranstaltungen, erstes oder zweites Semester, in einem Sozialpsychologieseminar, hatten wir mit der Dozentin festgestellt, dass es im Grunde keinen Altruismus gibt, weil sich jedes derartige Verhalten auf Egoismus zurückführen lässt. Glücklicherweise war das ein Ausflug in ein fremdes Fach, mein Studium war das der Soziologie. Obwohl ich, um den familiären Fragen auszuweichen, lange behauptet hatte, ich „studiere im Grunde nur Quatsch“, wusste ich ab diesem Seminar, dass ich gerade keinen Quatsch studiere und dass ein Merkmal dafür die Einsicht war, dass es auf gute Fragen eben nicht zwingend gute Antworten gibt. Wer seitdem Obiges (oder Ähnliches) behauptet, wird mit Skepsis beobachtet. Nicht, weil es inhaltlich falsch sein kann, sondern weil schon das Behaupten als solches falsch ist. Altruismus ist einer dieser Begriffe, der zwar pragmatisch benutzt werden kann, der aber keiner inhaltlichen Überprüfung standhält. Wir wissen nicht, was er sagt; wir können es uns nur immer wieder neu fragen.

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Verliebt, verlobt, Verfahren

Der Fall DSK aus rollentheoretischer Sicht

Der Vorhang des Gerichtsverfahrens gegen den ehemaligen geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds (IMF) ist vor gut einer Woche gefallen. Vergangenen Montag ging er in den Headquarters des Bretton-Woods Pfeilers noch ein letztes Mal auf, als sich der einstige Chef von seinen ehemaligen Kollegen verabschiedete und unter warmen Applaus im Auditorium empfangen und gegangen wurde.

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Situationsdefinitionen auf Finanzmärkten

Produktive und destruktive Momente selbstverunsichernder Handelserwartungen

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Wer nicht selbst als Händler an den Börsen dieser Welt angestellt ist oder eigene Finanztitel im Depot hält, der hätte von der rasanten Talfahrt auf den Märkten der letzten Woche wenig mitbekommen. Wären da nicht die Onlineblätter der großen Zeitungen mit neuen Live-Berichten und (V-)Erklärungen so rasant eingegangen wie gleichzeitig die Orders auf dem Finanzparkett. Dort war von Chaos, Crash und Craziness zu lesen.

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Scheitern von Interaktion

Constanze Kurz schreibt hier über das Scheitern der letzten Sitzung der “Internet und digitale Gesellschaft”-Enquête-Kommission des Bundestags. Der thematische Sachverstand, die individuellen Ziele und die politische Entscheidungslogik haben sich blockiert. Das hat für viel Wirbel gesorgt, weil das Scheitern von unbeteiligten Beobachtern sofort Personen zugerechnet wurde und so viel persönliche Enttäuschung hervor rief.

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Was es kann und was wir wollen #Hangout

Diese ganzen Social-Media-Hypes sind ja eigentlich nur was für Spielkinder, die sich schon immer für magische Maschinen interessiert haben. Wer sich heute mit finanzieller Hilfe bei Ebay um eine Google-Plus-Einladung bewirbt und das Glück hat, dies nicht aus beruflichen Gründen tun zu ‚müssen‘, folgt mit hoher Wahrscheinlichkeit einem lebensbestimmenden Muster. Chronologisch rückwärts hat man sich mit ähnlicher persönlicher Inbrunst und finanzieller Hingabe um die Anschaffung digitaler, elektronischer und mechanischer Maschinen gekümmert. Alle 5 – 20 Jahre änderte sich die Spezies der Maschine, die Neugier bleibt dieselbe.

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Konstruktive Interaktionssabotage (Komplimenteabwehr)

Zuletzt gab es hier auf der Seite eine „Tollerei“-Inflation. In die Kategorie „Tollerei“ werden all die Texte einsortiert, die einen Anspruch an gute Soziologie, mal mehr, mal weniger, gegen den Anspruch einer irgendwie ausfallenden Praxistauglichkeit eintauschen. Der folgende Text fällt beinah komplett unter derartige „Lebenshilfe“ und betrifft zudem das mir eigentlich völlig unbekannte „Gender“-Thema (ich gehe aber kein großes Risiko ein und bleibe jeder generalisierenden Referenz auf Gesellschaft fern).

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Millionengehälter und Gehirne bei der S21-Schlichtung

Unsere moderne Vorstellung von Politik und allem anderen weltbewegenden, außer der Liebe, ist durch eine Besonderheit geprägt: Wir sehen nur, was Politiker(, Manager, …,) entscheiden, wir sehen aber selten wie sie es tun. Das politische Tagesgeschäft versteckt sich in Organisationen und deren Teilbereiche. Dort, in Ministerien, Rathäusern und Abgeordneten-Bürogebäuden zirkulieren die Papiere, werden die Termine entschieden, wird im kleinen Kreis getüftelt und diskutiert – und nur ab und zu kommt mal jemand mit einer Fernsehkamera, niemals unangekündigt, und dann wird kurz und knapp vor schöner Kulisse verlesen, was herausgekommen ist.

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Sprechstundenproblemchen

Warum gehen viele Menschen eigentlich so ungerne in Sprechstunden? Sei es die Konsultation eines Arztes, der Besuch beim Bürgeramt oder die die Beratung beim Professor, alle Situationen haben eins gemein: Sie sind unbefriedigend. Und zwar für beide Seiten, für denjenigen der die Sprechstunde anbietet und für die Person, die in die Sprechstunde kommt. Der Grund für die unbefriedigende Situation liegt darin, dass hier Routine die Interaktion einseitig determiniert und damit stört. Warum nur kann man sich damit nicht abfinden? Weiterlesen →

Wozu brauchen Menschen Gefühle? (Update)

Was gibt es aus der Soziologie über Gefühle zu sagen? Nichts wohl, handelt es sich doch um die unergründbaren Inhalte der Blackbox, bei der allenfalls Psychologen glauben einen Zugang zu haben… Und solange die Soziologie nichts über Gefühle sagen kann, könne sie gleich gar nichts beschreiben, da „Fühlen und Denken (…) in sämtlichen psychischen Leistungen untrennbar zusammenwirken.” Zudem sind „Emotionen die entscheidenden Motoren bzw. Energetika allen Denkens und Handelns. (…) Ohne Emotion keine Aktion.” (so Luc Ciompi 2004, Soziale Systeme – Zeitschrift für Soziologie. Etwas zu knapp zusammengefasst.)

Man kann daraus eine Gesellschaftstheorie stricken, diese würde dann auf Handlungen als Letztelemtente basieren und die Handlungen würden auf Interessen verweisen, die durch Emotionen aus einem, irgendwie geartetem, Kosmos von Beliebigkeit und Zufälligkeit herausgeschält werden. Das passt zusammen, ist aber ziemlich unbefriedigend.

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Asoziale Soziologen

Über eine rein analytische Disziplin

Könnte es sein, dass sich unter Soziologen und Soziologinnen eine besonders hohe Zahl von Menschen befindet, die mit einer sehr geringen Sozialkompetenz ausgestattet sind, sprich häufig asozial auftreten?

Man kennt die unbestätigte These, dass besonders viele geistig, emotional oder psychisch versehrte Menschen dazu neigen ein Psychologiestudium zu beginnen. Quasi als Selbsttherapie. In der Hoffnung, dass sich durch das Studium ihre Probleme lösen, die sie sich vor sich selbst oder einem Therapeuten nicht eingestehen wollen, lernen sie andere Leute zu therapieren. Eine gewagte Aufgabe. Vielleicht ist das noch nicht einmal eine These, sondern einfach nur ein Klischee. Mag sein. Weiterlesen →