„Globalisierungsgegner“ & „Menschenrechtler“

Ich habe zwei Ideen. Hier die erste: Wir sollten auf EU-Ebene nicht darüber diskutieren, ob man „Defizitsündern“ EU-politisches Stimmrecht entziehen kann, sondern man sollte Deutschland erst mal das Stimmrecht entziehen, und zwar aus dem einzigen Grund der im Vertrag von Lissabon bereits zulässig ist: Missachtung von Menschenrechten.

Begründung: Deutschland nutzt sein Wirtschaftswachstum nicht, um diejenigen davon profitieren zu lassen, die es erarbeiten und für die es – überhaupt nur – Sinn ergibt: die konsumierende, nationale Bevölkerung. Statt den normalen Menschen höhere Löhne zu zahlen, bleibt das Geld bei denen, die es eigentlich nicht brauchen und daher sinnlos und riskant investieren, wo es längst nichts mehr zu holen gibt. Die Folge: Firmen verschulden sich, zu viel Geld wird rat- und hoffnungslos in jeglichen Schrott investiert, anderen Ländern fehlt Kaufkraft und Innovationsanreiz.

(Mir ist es einfach schleierhaft, warum bspw. Opel Milliarden an Direkt-Geld bekommt, sich also Megaschulden auflädt, obwohl man mit dem Geld Opel viel besser Millionen von Kunden hätte bescheren können. Und umso mehr Bücher ich lese, umso mehr weiß ich, dass unsere politische Klasse überhaupt keine Bücher liest.)

Zweite Idee: Wenn nächste Woche in Seoul der G20-Gipfel läuft, bezeichnen wir nicht die Demonstranten, sondern die Teilnehmerregierungen als Globalisierungsgegner. Denn schließlich sind sie daran schuld, das niemand mehr Lust hat, die Möglichkeiten der Globalisierung zu nutzen. Sinnlose, zeitverschwendende Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen; noch immer bescheuert niedrige Zollfreibeträge; Videos, die in meinem Land nicht verfügbar sind; Amazon.co.uk-Nutzungsschikane; …

„Globalisierungsgegner“ & „Menschenrechte“ – mehr lügen geht kaum.

(Bild: Carl Heindl)

Diplom-Soziologe aus Jena via Bielefeld in Frankfurt am Main. Kümmert sich promovierend um die Bauernfamilien des 12. Jahrhunderts mit ihrem Problem der erstmaligen "Kommunikation unter Unbekannten" und ist heute Journalist. stefanschulz.com

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