FIFA – Die gescheiterte Legalisierung der Korruption

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Auch Experten der Sportbranche vergleichen die FIFA mit der Mafia. Die Rede ist von der „FIFA-Mafia“, die wie ein Krake die Geschäfte im internationalen Fußball beherrsche. Der langjährige Präsident der FIFA, Sepp Blatter, wird als „Don Blatterone“ bezeichnet, als Pate, der die Geldflüsse in der Organisation kontrolliert.[1] Sicherlich – Assoziationen mit der Mafia sind naheliegend, wenn gleich reihenweise FIFA-Funktionäre von der Polizei aus einem Zürcher Luxushotel abgeführt werden. Aber letztlich geht diese Beschreibung am Charakter der FIFA vorbei.

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Die fast unvermeidliche Trivialisierung der Systemtheorie in der Praxis

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Es gehört zur Selbstverständlichkeit von sich als „systemisch“ verstehenden Beratern und Managern, sich auf die soziologische Systemtheorie Niklas Luhmanns zu berufen. Auf systemischen Fortbildungen werden regelmäßig Bilder von Bäumen ans Flipchart gemalt, auf dem die soziologische Systemtheorie als zentrale Wurzel des systemischen Managements und der systemischen Beratung dargestellt werden. Und fast jeder Text eines Systemikers ist mit Luhmann-Zitaten garniert, um die eigene Vorgehensweise wissenschaftlich zu begründen oder auch nur zu legitimieren.

Sicherlich – die Quellen, auf die sich Systemiker berufen, sind vielfältig; die von den Systemikern gezeichneten Bäume zeigen als Wurzeln zumeist auch noch Kommunikationstheorien à la Paul Watzlawick, die systemische Familientherapie von Mara Selvini Palazzoli, den Sozialkonstruktivismus besonders von Heinz von Foerster, die Psychoanalyse Sigmund Freuds oder naturwissenschaftliche Systemtheorien à la Humberto R. Maturana. Der Einfluss dieser Theorien auf die systemische Familientherapie und die Gruppendynamik waren gewiss beachtlich, aber weil diese Ansätze so gut wie nichts über Organisationen aussagen, stellt die soziologische Systemtheorie Niklas Luhmanns in der Regel die zentrale Referenz dar, wenn es um die Verwendung der Systemtheorie für die Beratung und das Management von Organisationen geht.

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Was Facebook will?
Die De-Institutionalisierung des Journalismus!

Wohin die Reise gehen soll...

Wohin die Reise gehen soll…

Vergangenen Donnerstag (07.05., dem letzten Tag der Republica) hielt ich im Schmela Haus der Kunstsammlung NRW (Düsseldorf), im Rahmen von „Futur 3“, eine Vorlesung zum „Journalismus nach dem Text“. Das Rahmenthema der Veranstaltung lautet: „Das Bild der Zukunft“, betreut von Mareike Foecking und Doris Krystof. Der Text richtet sich an alle, die sich wundern, weshalb die Nachrichtenmedien nach dem gedruckten Papier nun auch ihre Webseiten abschaffen, oder zumindest entwerten, indem sie Teile ihrer Inhalte direkt bei Facebook hosten. Die gesprochene Version des Textes samt Auszügen der anschließenden Diskussion veröffentliche ich am Wochenende im Feed des aufwachen-podcast.de. Das Bild ist eine Publikumsaufnahme von der republica 2015, aufgenommen von Lina Timm, von mir aus ihrem Twitterfeed geklaut.

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Es gibt nichts zu verbessern

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Es ist erstaunlich wie viel wir lernen, wenn schlimme Dinge passieren. Obwohl in den Medien nicht viel berichtet wird. Fast alles was wir wissen, wissen wir von einem französischen Staatsanwalt, der vom Inhalt einer Audioaufzeichnung berichtete, die er selbst nicht hörte und auf der wohl recht wenig zu hören ist. Jemand verließ das Cockpit, jemand blieb im Cockpit, jemand klopfte und hämmerte von außen gegen die Tür des Cockpits – die Zurechnungen von Taten und Unterlassungen sind aber bislang recht haltlos.

Statt Erklärungen sollen kleine Indizien Anhaltspunkte liefern. Wie beispielsweise eine medizinische Diagnose vor sechs Jahren oder ein Arztbesuch vor wenigen Tagen. Bei Phoenix war vorhin Thomas Schläpfer zu Gast. Der leitende Oberarzt und Psychiater der Universitätsklinik Bonn sagte in etwa folgendes: Dass eine Depression zu solch einem Verhalten führen soll, ist für ihn unerklärlich. Nur massenmedial ergibt die Indizienkette bisher Sinn. Ihre Plausibilisierung nährt sich aber eher aus der ständigen Wiederholung.

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Der Zauber Nähe

Auf der einen Seite gibt es das Problem des Rassismus. Auf der anderen Seite wissen wir heute nicht, wie uns geschieht, in Zeiten des Internets, in denen, ohne dass wir es schon hinreichend verstehen, nicht nur der Floskel nach Raum und Zeit aufgehoben wurden. Wir begegnen uns heute überall, nur einander bekannter und sichtbarer werden wir deshalb nicht – ganz im Gegenteil vielleicht.

Das ist auch ein Punkt dieses Videos, das uns nur per Internet erreicht, aber wie kein anderes Dokument der letzten Monate oder Jahre darzustellen vermag, wie groß der Unterschied zwischen Interaktion unter Anwesenden und Kommunikation unter Unbekannten ist und bleiben wird. Im Silicon-Valley-Buch von Christoph Keese kann man es nachlesen: Das Marketing der größten Unternehmen der Welt, die uns Heil und Hoffnung durch das Internet versprechen, ist gelogen.

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Auf der richtigen Seite

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Wenn man wenig Erfahrung hat, beispielsweise als junger Journalist, steht man immer in Gefahr, verwirrt zu werden. So beispielsweise: Als ich vor zweieinhalb Jahren in der FAZ-Politikredaktion saß und einen Text zur Beschneidungsdebatte schrieb, der die Überschrift „Kein Kind ist je daran gestorben“ trug, hagelte es am nächsten Tag Protestbriefe. Häufig sorgsam per Hand geschrieben, sehr lang und stets auf die Formulierung hinauslaufend: „Ich lese seit 50 Jahren Ihre Zeitung. Aber jetzt reicht es. Kündigung ist bereits in der Post.“

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Informationsfreie Mitteilungen verstehen

Nun, ich habe den Vortrag von Klaus verpasst. Gut möglich aber, dass das obige fünfminütige Video auf alle dort gestellten und behandelten Fragen Bezug nehmen kann, ohne auch nur eine Antwort zu liefern, bzw. ohne nicht jeweils drei weitere offene und wahrscheinlich unbeantwortbare Frage zu stellen.

Damit wenigstens die faktischen Grundlagen vorhanden sind: derPriinz ist ein Youtuber. Er filmt sich dabei, wie er erfährt, dass ihm bei Twitter @dagibee und @TheRealLiont folgen, die jeweils rund eine halbe Million Follower haben, die nun zum Teil auch dem kleinen Prinzen folgen. Mehr als eine Stunde war dem Schauspiel heute Mittag zuzuschauen. Der obige Ausschnitt zeigt zufällige fünf Minuten.

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Übers Internet reden!
Nur mit wem und wozu?

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Ich glaube, dass Felix Schwenzel lügt. Beziehungsweise vermute ich, dass der eine Satz einfach nicht stimmt. Schwenzel schrieb in ihm: „Die enttäuschten Hoffnungen sind auch das Thema von Andrew Keen, meinem Lieblingsinternetkritiker.“ Kann sein, dass Internetkritik eine popkulturelle Gattung ist, deren Werken man sich zuwendet, wenn man abends Netflix leergekuckt hat. Was Schwenzel eigentlich sagen wollte, ist glaube ich: „Man Leute, regt euch ab. Wir können jetzt in Deutschland amerikanisches Fernsehen gucken. Wenn ihr schon nervt, dann wenigstens so wie Andrew Keen. Wenn der auf die Bühne kommt, sind seine spontanen Anfälle noch wahrer und witziger als die Drehbücher von Boston Legal. Wenn ihr da nicht mithaltet, lasst die Finger vom Netz, geht lieber mit dem Hund raus.“

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Reden Sie nicht vom Terror, gehen Sie in Therapie!

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Wenn ich das Wort „Terror“ höre, denke ich dabei nicht an Flugzeuge, Karikaturen und Männer mit Bärten, sondern an das Gutenberg-Gymnasium. Das steht auch nicht in der großen weiten Welt, die nur durch das Fernsehen, Youtube und Twitter zu erreichen ist, sondern in Erfurt. Der Junge, der damals die Schule stürmte und sechzehn Menschen erschoss, war so alt wie ich. Es ist nicht schwer, zu verstehen, was die Morde bedeuten. Robert Steinhäuser fühlte sich um seine Biografie betrogen, also tötete er aus Rache und er hinterließ hunderte Opfer, an einem Tag, an dem sie einen der wichtigsten Schritte in ihrer Biografie gehen wollten, sie schrieben gerade ihre letzte Abiturprüfung.

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„Wir sind passive Konsumenten – wie unsere Eltern!“

Roboter und Musik, das passt ganz gut

Roboter und Musik, das passt ganz gut

Der Chaos Communication Congress begann in diesem Jahr mit einer Überraschung. Als erdgeist und Geraldine de Bastion – es gelten auch die jeweils selbst gewählten Hacker- und Künstlernamen – die Veranstaltung eröffneten, meldeten sich rund tausend von dreitausend im Saal Anwesende bei der Frage, wer denn zum ersten Mal zu der seit nunmehr 30 Jahren veranstalteten Hackerkonferenz gekommen sei. Und wenige Minuten später stellten sich die Neulinge die nächste Frage selbst: Sind sie auf einer Hackerkonferenz?

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Erst wenn die erste, unqualifizierte Frau im Aufsichtsrat sitzt, kann über die Sinn- und Zweckmäßigkeit der Frauenquote diskutiert werden

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Über kaum ein anderes Thema gibt es so viele Begriffe und polemische Uneinsichtigkeiten wie über die formalen und informalen Ungleichheiten am Arbeitsplatz: Diversity, Gender-Gerechtigkeit und Frauenquote sind es aktuell. Es geht bei diesen Themen um gleiche Chancen bei gleicher(!) Qualifikation, nicht um Gleichheit oder Gleichmacherei. Das ist oft genug betont worden, und oft genug wird dann dennoch über solches eben Nicht-Gemeinte und auch Nicht-Intendierte geredet.

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Matthew McConaughey

Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass ich diesen Trailer von „Interstellar“ in den letzten Monaten mehr als hundert mal gesehen habe. Christopher Nolan hat ein neues Thema gefunden, eigentlich das letzte, nach dem Wahnsinn („Memento“), dem Spiel („Dark Knight“) und dem Traum („Inception“) wendet er sich in „Interstellar“ der Flucht zu und damit der Menschheit, der Geschichte, der Welt – schlicht allem. Der Cliffhanger des Trailers ist, dass das Thema des Films auch die Hoffnung oder die Verzweiflung sein könnte. Diese Vermutung weckt einer von Nolans Lieblingen vor der Kamera, Michael Caine, der das vor Ewigkeit und für sie geschriebene „Do not go gentle into that good night“ vorträgt.

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