Sozialtheoristen

Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung


Autorenverbrennung

Zum Thema Sarrazin etwas Lesenswertes, Konstruktives zu finden war nicht ganz einfach. Dass der Mann ein Geschichtswissenschaftler mit einer beeindruckenden Publikationsliste ist, bleibt im Medientheater verborgen. Man kennt ihn als Finanzsenator und Bankvorstand und als Meinungsbekundler.

Seine zuletzt vorgetragenen Meinungen sind derart haarsträubend, dass man inhaltlich dazu nichts sagen muss. Wie man zu vielen anderen Autoren auch nichts sagt, weil man sie nicht kennt oder sie nach Buchdeckellektüre links liegen lässt.

Die Frage ist, wie schaffte es Thilo Sarrazin die Medien in einen derartigen Aufruhr zu versetzen..? Es lag offensichtlich nicht allein daran, dass er momentan Vorstandsmitglied in der Bundesbank oder Mitglied der SPD ist.

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Schwarz/Gelbe Wahlkampfnachwehen

Im letzten Text (Schwarz/Gelb-Kritik-Kritik) ging es um die Feststellung, dass die aktuelle Bundesregierung eine äußerst demokratische Veranstaltung ist. Das für diese Aussage ausschlaggebende Phänomen ist die enge Verknüpfung zweier im politischen Tagesgeschäft eigentlich streng getrennter und sich widersprechender Verfahrenslogiken: 1. Legitimationserzeugung, 2. Entscheidungsfindung.

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Schwarz/Gelb-Kritik-Kritik

Die FAS titelt heute „Neues Deutschland“ und bildet dazu die in Nachdenklichkeit versunkenen aber auch Engagement zeigenden Köpfe der Minister: Schröder, von der Leyen, zu Guttenberg und Röttgen ab. Den Weg  vom Briefkasten zurück war ich überrascht, denn eigentlich ist gerade überhaupt nicht die Zeit, in der eines der besseren Printmedien anfangen könnte, Schwarz/Gelb schönzureden. Aber noch bevor ich oben ankam, wandelte sich mein Gedankengang.

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Schirrmacher – über gute Politiker statt schlechte Journalisten


Folgender kurzer Text ist nicht im soziologisch abgeklärten Erklärungsmodus geschrieben, passt aber dennoch hier hin.

Das Problem der Politik ist, dass ein Volk die Regierung bekommt, die es verdient. Das ist ein netter Spruch, der tatsächlich irgendwie stimmt. Der Spruch stimmt aber nicht nur, weil Politiker vom Volk gewählt werden, die dadurch schuld an ihrer Politik sind. Ein Aspekt an dem Punkt, dass ein Volk selbst Schuld sei, ist auch: Niemand sonst kann schuld sein – und darin ist die Politik ziemlich einzigartig.

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Too fast for Love – Systems theory´s Mimicry

Systems theory is, doubtless, a controversial and contentious field of sociological theory-building. Nonetheless or rather because of it, the theory seems to, to a surprisingly great extent, attract critics – may that be critique uttered by social scientists or students. The matter by itself is, of course, not actually surprising as science is based upon the ongoing process of criticizing the work of others. What, indeed, stuns is the quality of most of the critiques – or better: the lack of quality most discussions are characterized by and their willingness to abide by this standard – if that.

In the course of time one happens to grow accustomed to the fanciest critiques. They range from “where is the subject/ actor” to “oh, way too complicated”. The favorite is for sure: no one outside of Bielefeld uses Luhmann. All this stuff is ideally suited to make an earnest observer crack up. And, by the way, it doesn´t really matter if the critique comes from most scientific articles or is uttered in a seminar: the bottom line is always the same. Let´s just take this classic regional thing: one tends to the assertion that the analytical value of a theory doesn´t depend upon its regional use – especially not of the use in or outside of Bielefeld. Obviously, for some obscure reasons, this just doesn´t seem to be right for the users of the regional argument… Incidentally… yes, the coinjoinability of science is the main counterargument. But to be earnest: measured by the publications as to systems theory the theory doesn´t run the risk of vanishing but rather to play, admittedly, a smaller role in today´s sociology which is truly kind of scaring as other theories normally don´t match systems theory´s level of dissolving everyday life categories and re- describe them.

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Aufklärung und Meinungsbildung (mit FAS-Hilfe)

Die EU-Finanzmisere mit Deutschland und Griechenland in den Hauptrollen wird meiner Ansicht nach soziologisch interessant, weil sie und ihr rahmendes Medientheater aufzeigen, dass es bei der Behandlung der Krise um alles geht aber nicht um Aufklärung.  Wer Bescheid wissen will, kann alle notwendigen Fakten nachlesen. Sich eine eigene Meinung zu bilden ist ebenso leicht. Hier die zwei Etappen.

Zur vollständigen persönlichen Aufklärung reicht allein die Lektüre der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Es finden sich etliche Texte in verschiedenen Umfängen zum Thema in ihr. An unterschiedlichen Perspektiven mangelt es auch nicht. Meine kleine Auswahl:
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Lesetipp: Der Wille zum System – Niklas Luhmann revisited

Auf andere Blogs wird hier zwar selten verlinkt, aber der im Literaturmagazin Glanz&Elend zu findende Artikel von Goedart Palm wäre auch eine Zierde dieser Seiten:

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Soziale oder gesellschaftliche Vernetzung?

Wenn man sich vor einem Soziologiestudium Gedanken darüber macht, über was man etwas lernen möchte, denkt man sicherlich schnell an “die Gesellschaft” und “soziale Beziehungen”. Wenn man das Nachdenk- und Lesestudium dann absolviert hat, bemerkt man, dass gerade in diesen beiden Hinsichten nur weitere Fragen dazugekommen sind. “Die Gesellschaft” und “soziale Beziehungen” sind einfach stetig offene Punkte, um sie legen sich die Problemstellungen, wie das alles möglich sei und daran arbeitet man sich ab. (Auch der kleine Artikel hier weist nur auf Probleme hin ohne Antworten zu präsentieren.) Jeder hält seine eigenen Antworten parat, die Einzeln selten befriedigend sind und sich oft nur mit Mühe gegenseitig ergänzen.

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Demokratische Informationsgewinnung durch Komplexität reduzierende Kollektiv-Maschinenintelligenz

Das ZDF-Nachtstudio übers Internet mit Sascha Lobo, Mario Sixtus, Astrid Herbold und Peter Kruse ist weder interessant noch unterhaltsam. Mit Sascha Lobo als Außnahme reden sich alle beim Internetbeschreiben in Rage, nutzen Begriffe die nicht ganz klar sind und führen vernunft- und homozentrische Paradigmen, die schon vor 50 Jahren als albern abgehakt wurden. Die Sendung verlief ungefähr so:

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Gesellschaftlich abgemeldet / individuell eingerichtet

Dieser Text „Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzen“ von Gunnar Heinsohn ist etwas merkwürdig. Ich hab ihn zuerst überflogen, dachte mir dabei, es sei wohl wieder so ein Text der eine dieser Feuilleton-Debatte anschieben soll, sofern DIE ZEIT noch weitere Moralprofessoren in der Hinterhand hat, sah dann jedoch, dass es ein Beitrag von Gunnar Heinsohn ist und las ihn nochmal gründlicher.

Naja, vielleicht gibt es noch einen zweiten Gunnar Heinsohn. Dem den ich bisher kannte, hätte ich solche Sätze nicht zugeschrieben:

Die deutsche politische Führung scheint fest entschlossen, weiter auf dem erfolglosen, immer teurer werdenden Weg der verfehlten Einwanderungs- und Sozialpolitik zu gehen.

Solange die Regierung das Recht auf Kinder als Recht auf beliebig viel öffentlich zu finanzierenden Nachwuchs auslegt, werden Frauen der Unterschicht ihre Schwangerschaften als Kapital ansehen.

Naja.

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Sicherheit in einem unendlichen Universum

In unregelmäßigen Abständen werden wir auf soziologisches und soziologisch interessantes Material im Internet verlinken. Ausgabe 1:

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Inflation raten

Wenn wir uns in der Welt zurechtfinden wollen, gibt es gar nicht so viele gute Anhaltspunkte, die uns Orientierung bieten, wie man zuerst glaubt. Nichts ist so objektiv und abgesichert, dass man sich gefahrlos blindlinks darauf verlassen könnte. Dieses Problem kann man im Kleinen noch gut meistern. Bei anstehenden, etwas folgenreicheren Lebensentscheidungen verlässt man sich auf Ratgeber wie die eigenen Erfahrungen, Freunde, Zeitschriften oder teure Gutachter. Wenn’s schief geht ist eben ein entsprechender Teil des Jahreslohns weg…

Die Politik schlägt sich auf ganz anderen Ebenen mit dem Problem der Fehlbarkeit von Prognosen herum. Jede Entscheidung birgt Risiken und Gefahren. Nur dass das Risiko der 600 Parlamentarier in Berlin Gefahren mit gesellschaftsweiter Tragweite bedeutet. Eine kleine Gruppe entscheidet und ganze Völker sind betroffen.

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